Liebe Amina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tag ist bunt. Beginnt mit Wechseldusche, Gebet, schwarzem Tee und Klavierspiel. Wege mit dem Rad. Ich mag das quirlige Miteinander im Tun mit Familie, Freunden, meinem Chor, den Kindern in der pädagogischen Arbeit. Ich mag den Puls der Stadt.
Ebenso wichtig ist mir täglich der Rückzug in die Einsamkeit. Dann feiern meine Sinne. Dies gelingt mir in der nahegelegenen Auenlandschaft, beim Radfahren oder in meinem Zimmer. Zeit zum Schreiben, Musizieren, Zeichnen, Nachdenken.
Amina Anja Amelal, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Den Blick auf das Positive nicht verlieren. Das Leben ist ein Geschenk. Schon beim Aufstehen dieses Geschenkes bewusst sein. Dankbar.
Carpe Diem.
Jedem von uns ist etwas Besonderes Geschenk: Eine Charaktereigenschaft, eine Anlage, eine Fähigkeit, eine Ausstrahlung, der eigene Frieden in sich. Es gibt so viel, was uns geschenkt ist. Ich sehe es als persönlichen Auftrag, dies miteinander und füreinander zu teilen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei, der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Kunst ist immer schon ein Spiegel des Menschen. Seiner Wünsche, Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte, seinem Denken und Fühlen.
Darum büßen beispielsweise Verse von Sappho auch in der heutigen Zeit nichts an Aktualität und Kraft ein.Weil es um das Menschsein an sich geht. Liebe, Trennung, Freundschaft, Tod sind Themen, die uns Menschen immer betreffen. Solange der Mensch auf Erden lebt. Das ist unser Sein in all der Schönheit und Vergänglichkeit.
Nun geht es also um den Menschen im Kontext der Gesellschaft. Der Erhaltung, seiner Weiterentwicklung und seine Zukunft.
Die Kunst ist unser mehrdimensionales Sprachrohr. Unser Werkzeug, mit dem wir uns neue Wege und Räume eröffnen müssen. Neue Dimensionen des Miteinanders schaffen. Kunst ist ein Schlüssel uns zu reflektieren: Im Sein, in der Geschichte und in der Gestaltung unserer Zukunft.
Wir haben kluge und kreative Köpfe unter uns, die richtigen Impulse zu setzen für ein gelingendes Miteinander. Was also kann besser als die Kunst Perspektiven und Kraft geben? Die Kunst wird es schaffen- unsere selbst geschaffenen Grenzen aufzulösen. Unser Gehirn ist ein hochkomplexes Organ mit allen Sinnen verknüpft. Gerade diese Verbindung lässt uns erleben und erkennen, was für den Fortschritt der Menschheit zu tun ist.
Was liest du derzeit?
Mehreres nebeneinander. Siri Hustvedt: memories of the future . Von Johan Huizinga: Homo Ludens.
Reich – Ranicki: Gedichte von ihm ausgewählt und kommentiert. Über mehrere Monate beschäftige ich mich immer intensiv mit einem Künstler. Im Moment mit Picasso. Meine Freundin hat mir zu meinem 50. Geburtstag einen Krimi geschenkt in russischer Sprache, damit ich mein verschüttetes Russisch wieder berge. Ich liebe den Klang dieser Sprache.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?
Dies von mir: “Alles beginnt mit Liebe. Alles endet, wo Liebe endet.”
Paula Moderson-Becker: “Mein Leben soll ein Fest sein- ein kurzes und intensives Fest.”
Amina Anja Amelal, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview liebe Amina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Amina Anja Amelal, Schriftstellerin
Zur Person_ Amina Anja Amelal, geboren am 21.10.1972; lebt , liebt und lacht in der Kulturstadt Halle/ Saale; Diplom- Erziehungswissenschaftlerin; Mutter von fünf wunderbaren Kindern; Lyrik und Kurzprosa erschienen von ihr in mehreren Anthologien ; eines ihrer Gedichte wurde ausgewählt einen Roman einzuleiten. Sie drückt ihr Erleben, ihr Denken und Fühlen über das Wort, die Musik und das Bild aus. Zwei ihrer Gedichte wurden von der Band Señor Bella vertont, ein Text ist Choral der Oper „Die purpurroten Segel“ von Maria Leontjewa.
Foto_privat
4.1.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Kirstin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ganz normal, brav durch Mahlzeiten geordnet. Privilegiert und friedlich, würde ich sagen.
Kirstin Stehnke, Musikerin und Autorin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Für uns alle – das kann ich wirklich nicht wissen. Ich denke, für jeden und jede wird der Umgang mit der angespannten Außenwelt anders aussehen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Literatur, der Kunst an sich zu?
Gesellschaftlich – da kann ich nur träumen: von einer Welt, in der Massentierhaltung, Waffen- und Munitionsproduktion verboten und abgeschafft werden, unsäglicher Reichtum gerecht umverteilt wird. Absolute Utopie also! Und in der ein mentales Klima herrscht, in dem Religionen, Geschlechter und sämtliche Gedankenwelten friedlich koexistieren.
Persönlich – sind Aufbruch und Neubeginn individuelles, aus dem eigenen Lebensverlauf und -ort sich ergebendes Geschehen, jeder, jede braucht den eigenen Mut. Einer möchte mit gesellschaftlichen Entwicklungen schwimmen, eine andere davor fliehen. Und es gibt so viele Nebenflüsse. Flussauen hoffentlich auch, zum Ausruhen.
Kunst — es wird ja immer weiter Menschen geben, die ein Bedürfnis haben, ihre Wahrnehmungen und Emotionen künstlerisch zu gestalten, bildlich, sprachlich, tänzerisch, schauspielend, im Film, musikalisch. Darüber mache ich mir keine Sorgen.
Eher darüber, dass der Blick auf die Künste weniger wichtig wird, weil – ja warum? Zuhören, Zuschauen. Etwas auf mich wirken zu lassen bedeutet Anstrengung.
Was liest Du derzeit?
Ketala, Roman von Fatou Diome, Diogenes, und Empty Action Labour and Free Time in the Art of Collective Action von Marina Gerber, Transcript Verlag, über die Arbeit des Künstlerkollektivs um Andrei Monastyrski (https://de.wikipedia.org/wiki/Andrei_Wiktorowitsch_Monastyrski):
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
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Vielen Dank für das Interview liebe Kirstin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
2023. Der 100.Geburtstag einer der beeindruckendsten Kunstpersönlichkeiten des 20.Jahrhunderts jährt sich mit vielen Veranstaltungen, Rückblicken und Impulsen, Inspirationen. Es ist Maria Callas.
Ein ganz besonders strahlender Mosaikstein darin ist die vorliegende Biographie der griechischen Sopranistin Maria Callas (* 2. Dezember 1923 New York City † 16. September 1977 Paris). Callas war ein umjubelter Bühnenstar in den bedeutendsten Opernhäusern der Welt und auch in weiteren Genres (etwa Film) begeisterte sie in Virtuosität, Ausdruckskraft und einzigartiger Präsenz.
Ihr Leben abseits der Bühne beinhaltet nicht weniger Glanz und Dramatik als die Kunstregie. Die Liebe wird zur Hochschaubahn, der sich Callas selbstbewusst anvertraut, diese zelebriert wie auch in Einsamkeit und Sehnsucht hinzunehmen bereit ist. Bis der Vorhang wie in der Oper fällt…
Die promovierte Kunsthistorikerin, Literatur- wie Musikwissenschafterin, Psychologin wie sehr erfolgreiche Autorin (die auch ein Gesangsstudium absolvierte), Eva Gesine Baur, lässt nun in ihrer umfassenden Biografie auf Bühne und Leben von Maria Callas wie auch hinter den Vorhang von Bühne und Leben blicken. Es ist eine faszinierende Reise zu und mit einer herausragenden Künstlerin im Sturm privaten familiären Lebens wie Liebenslebens und künstlerischen Weges. Der Erzählstil der Autorin informiert und reißt mit und begeistert wie eine Arie von Maria Callas. Diese hätte dieses Buch, das als biographischer Meilenstein bezeichnet werden kann, bestimmt sehr geschätzt.
Größter Applaus für die Autorin Eva Gesine Baur, die dieses Buch Maria Callas und dem begeisterten Lesepublikum schenkt!
„Maria Callas“ – Die Stimme der Leidenschaft, Eva Gesine Baur. _C.H.Beck Verlag
Ich stehe auf, gehe aufs Klo, Zähneputzen, Tiere füttern…
und dann jeder Tag anders…
Nico Wind, Theatermacherin, Regie
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Es wäre mal für alle Menschen wichtig sich der Verantwortung gegenüber der ganzen Schöpfung bewusst zu sein und danach zu handeln und sich als Erdgebundene Wesen wahrzunehmen und nicht als „etwas Besonderes“.
„Nieder dem Anthropozän!“
Ich glaube Themen des Klimawandels, der Solidarität, des Posthumanismus, und wie wir das Patriarchat sprengen können und eine solidarische Welt für alle Erdgebunden Lebewesen ansteuern können geht uns alle was an. Aber wie wichtig diese Themen gerade sind hängt davon ab, ob die in einer Großstadt als weiße Person mit guter Ausbildung lebst oder ob du gerade im Mittelmeer ertrinkst…
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?
Wer ist denn alle? Den Hühnern ist das glaube ich scheißegal. Den Bäumen auch – aber es wurde weniger geflogen – dass hat ihnen gefallen.
Ich glaube das Wesentliche ist die Veränderung anzunehmen und nicht im Gestern stecken zu bleiben und sich selbst nicht für den Nabel der Welt zu halten… nicht zu verallgemeinern…
Kunst und Theater kann der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten und neue Gedanken verbreiten, Ideen erwecken, Wissen vermitteln, Trösten, Verstören, Unterhalten, Verärgern, und Neue Wege zeigen….
Über Piratinnen– Geschwestern der See _ Eine zirzensische Theaterperformance mit Tanz und Akrobatik Elementen für junges Publikum ab 10 Jahren. Es geht um das Aufbrechen von traditionellen Rollenbildern mittels 5 historischen Piratinnen-Biografien. Foto Credits: Barbara PalffyBravo Girl – Die Zeiten gendern sich Die Töchter der Kunst präsentieren eine schrille, witzige, ironische Collage für junge Erwachsene, die Elemente des Theaters, des Tanzes, der Wissenschaft und neuen Medien mischt. Foto credit: Robin Daneluk
Es hat schon einen Grund, dass Kunst in totalitären Systemen verboten oder eingeschränkt wird…
Kunst ist ein soziales Event und führt zusammen – Es ist wie Humus – ein Versammlungs- Ort. Ein Diskursraum.
Was liest Du derzeit?
Die Känguru-Chroniken, Marc Uwe Kling
BOBOVILLE, Andrea Maria Dusl
Unsichtbare Frauen _wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert , Caroline Criado-Perez
Konradine und Effi – ein Theaterstück von Hanna Valentina Röhrich
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ohne Patriarchat hätten wir alle besseren Sex (Quelle Unbekannt)
It makes a difference what stories we cultivate. How we tell the world changes the world. (Donna Haraway)
Vielen Dank für das Interview liebe Nico, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Nico Wind, Theatermacherin, Regie
Zur Person_Nico Wind, Niederösterreicherin. Tanzausbildung Studio an der Wien. Schauspieldiplom am Konservatorium Wien. Akademische Kulturmanagerin. Studium Genderstudiedies. Weiterbildungen im Bereich Dramaturgie, Regie und Theaterpädagogik. Engagements im Bereich Schauspiel, Regie- und Projektassistenz, u.a. bei Szene Bunte Wähne, Willkommen Österreich (ORF), Angewandte Innovation Laboratory der Universität für Angewandte Kunst, 3raum-Anatomietheater, Viertelfestival.
Seit 2009 Inszenierungen mit und für Kinder und Jugendliche. 2017 war ihr Jugendtheaterstück “Frieden, oder so…” im Theater Drachengasse zu sehen. 2018 feierte sie Erfolge mit der Inszenierung „Bravo Girl – Weil ich ein Mädchen bin – RRReloaded“ im Theater Drachengasse. 2019 war eben da ihr Projekt „Chaos & Utopia – Verdrehte Welt Wunderland“ Ein Sprechtheater mit Zirkus-Elementen für Menschen ab 10 Jahren zu sehen. 2021 war die Premiere ihres Stückes „Über Piratinnen – Geschwestern der See“ im Dschungel Wien. 2022 „Bravo Girl – die Zeiten gendern sich“ in Salzburg, Wien, Nö. Sie ist Gründungsmitglied und Obfrau der Töchter der Kunst und im Vorstand der Assitej Austria.
Töchter der Kunst Verein zur Förderung neuer Formen der freien Künste
Der englische Schriftsteller George Orwell, * 25. Juni 1903 in Motihari, Indien † 21. Januar 1950 London, ist eine der bedeutendsten literarischen Stimmen der Moderne. Mit seinen Werken „animal farm“ (1944) und „1984“ (1949) setzte er Maßstäbe im vielseitigen literarischen Stil, in dem besonders auch gesellschaftskritisches wie visionäres Schreiben eine wichtige Position hat. Bis heute sind seine Werke wesentlicher Kanon einer Gesellschaft, die Demokratie und Freiheit als wesentliche Werte ansieht.
Der literarische Schreibprozess bei Orwell ist aber wesentlich geprägt von biographischen wie beruflichen Stationen, an denen der Autor als Journalist, Essayist tätig war. Der unmittelbare Blick auf die Welt – der Essayband beginnt mit der erschütternden Schilderung einer Hinrichtung in Burma 1931 – wie auch die Analytik und Kritik zeichnen diesen wie auch die weiteren Essays, welche die Jahre 1931 – 1946 umfassen und Nationalismus, Faschismus, Krieg wie auch Friedensinitiativen als Hauptthema haben, aus.
„Ein großartiger Essayband, der in jedem Satz zum Spiegel einer Gesellschaft in ihrem Bemühen oder Verlust von Demokratie und Freiheit wird.“
„Warum ich schreibe“ George Orwell. Die großen Essays. Penguin Random House. 2022