„Ich will Veränderungen am Theater sehen“ Lara Sienczak, Schauspielerin _ Wien 14.9.2020

Liebe Lara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mittlerweile kehrt wieder sowas wie Normalität ein. Wir proben wieder. Das tut gut. Aber es schwebt so eine Unsicherheit im Raum. Die Theaterleitung ist nervös. Wie sind jetzt genau die Vorgaben? Wie viel Abstand jetzt genau? Bis wohin genau? Kommen die Leute? Wie entwickeln sich die Zahlen? Wie reagiert die Politik? Können wir alle Vorstellungen spielen? Gestern hatten wir Generalprobe mit „vollem“ Haus. Und es hat sich gut angefühlt. Als wären wir alle in der theaterfreien Zeit ein wenig mit Abstand zusammengerückt.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wachsam bleiben. Moria, Black Lives Matter nicht vergessen, lesen, spenden, darauf aufmerksam machen, mit Familie und Freunden darüber sprechen, wahrscheinlich auch unangenehme Gespräche führen. Die eigenen Privilegien reflektieren, und für Veränderung nutzen. Das kann auch unbequem für einen selbst sein. Darf es, muss es vielleicht sogar. Sich fragen, was „nach der Pandemie zur Normalität zurückkehren“ heißt. War die Normalität so geil? Wie kann die neue Normalität nach Corona aussehen. Pläne schmieden, Utopien basteln. Gute Erkenntnisse und Gewohnheiten der Pandemie und des Lockdowns erinnern und beibehalten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Neigen wir in „unsicheren Zeiten“ vielleicht dazu, auf Nummer sicher zu gehen? Falls ja, dem Reflex nicht nachgehen, falls eh nicht, toll, weiter was wagen. Ich will Veränderungen am Theater sehen. Ich will Ensembles sehen, die die Gesellschaft repräsentieren. Also nicht wie am Burgtheater, wo immer noch mehr männliche Schauspieler im Ensemble sind (wie übrigens in 90% der Theaterensembles im deutschsprachigen Raum). Ich will mehr People of Color sehen, Menschen mit Behinderung, queere Menschen, non-binary Menschen. In den Ensembles, und in den Geschichten und Themen, die auf der Bühne verhandelt werden. Ich will, dass die Theatermenschen sich mit Gender, Race, Class und Ableism auseinander setzen, Workshops organisieren und die eigenen Strukturen und Handlungen hinterfragen. Theater hat die Macht der Bilder und der Sprache, und eine gesellschaftliche Verantwortung. Dieser müssen wir nachgehen, für eine gerechte Gesellschaft. Das ist mir wichtig. Es dauert mir alles zu lange, und ich will diese Welt noch miterleben, in der es so etwas, wie Gerechtigkeit gibt. Sorry, diese Frage habe ich vielleicht nicht corona-spezifisch beantwortet, aber vielleicht doch. Letzten Sonntag wurden Reichsfahnen vor dem Bundestag in Berlin geschwenkt. Die Welt schläft nicht, Corona hin oder her, und wir dürfen auch nicht schlafen.

Was liest Du derzeit?

Byun Chul Han – Kapitalismus und Todessehnsucht

Eduard Louis – Wer hat meinen Vater umgebracht

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Shakshuka Rezept von einem alten Schulfreund

„Uuuh! Magst Du mir Dein Rezept nennen?“

Klar ist nicht schwer. Ich nehme ne Zwiebel und schneid die grob, dann 500kg Fleischtomaten und schneid die ebenfalls grob und eine rote Paprika, gleiches Spiel.

Dann die Zwiebeln in Olivenöl anbraten und die Tomaten und Paprika hinzugeben.Mit Salz, Pfeffer, bisschen Zucker, Kreuzkümmel und frischer Petersilie würzen.

Dann die Eier rein.

Am Ende etwas Petersilie zum Anrichten.

Tada

Vielen Dank für das Interview liebe Lara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Lara Sienczak, Schauspielerin

Lara Sienczak

4.9.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Roter Affe“ Kaska Bryla. Roman. Residenz Verlag.

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Der Sommer. Die Straße. Der Badeteich. Mania und Tomek. Sie laufen. Zum Wasser. Zum Sonnenuntergang. Bis sich die Stimmen und die Schritte nähern. Der Vater. Und dann der lange Weg nachhause, zur Mutter. Die Worte fehlen Mania jetzt. Es gibt so viele davon. Ungesagte. Unverstandene. Ungewollte. Wer kann schon damit umgehen…

Da ist die Großmutter. Der Rosenkranz und die Geschichte. Immer dieselbe. Der Held und der Tod. Damit schläft Mania jetzt ein…

Das war die Kindheit. Das Laufen. Die Nacht. Die Geschichten. Der nächste Tag. Und der nächste. Und die Nacht. Die Nacht…

Und jetzt, hier in der JVA (Justizvollzugsanstalt), geht es für Mania, die Gefängnispsychologin, tagtäglich um Abgründe, Schuld und Verzweiflung. Die lange Nacht bis zur Morgendämmerung. Und die fehlenden Worte. Da und dort…

Doch da ist auch Tomek. Ihr Jugendfreund. Bis er plötzlich nicht mehr da ist. Einfach verschwunden. Eine Mauer ohne Worte. Ein verlassener Ort.

Mania macht sich auf die Suche. Nach Tomek. Nach sich selbst. Nach dieser Welt. Zwischen Mauern, Stille und Abgründen…

Kaska Bryla, in Wien geborene Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin, legt mit „Roter Affe“ einen Roman vor, der Lebenswege in aller Sehnsucht und Zerbrechlichkeit in einzigartigem Sprachfluss und Wortgewalt setzt. Dichte Atmosphäre und Spannung lassen Leserin und Leser Seite um Seite den Lebensetappen, Herausforderungen und Unabwägbarkeiten der aufmerksam wie intensiv gezeichneten Charaktere erschütternd wie neugierig folgen. Da trifft jedes Wort mitreißend Welt und Leben.

„Kaska Bryla schenkt dem Leben Sprache und der Sprache Leben. Faszinierend und mitreißend.“

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„Wir werden nicht so weitermachen können wie bisher“ Johanna Hansen, Schriftstellerin, Künstlerin _ Düsseldorf _ 13.9.2020

Liebe Johanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf sieht aus wie immer, nur noch ruhiger, weil alle Veranstaltungen abgesagt wurden. Ich arbeite an Gedichten und Bildern im Atelier, erledige Alltagsdinge und gehe in den Pausen am liebsten am Rheinufer spazieren.

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 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für andere mag ich nicht sprechen. Für mich ist es wichtig, mich trotz der Pandemie mit anderen verbunden zu fühlen. Das geht am besten über meine Arbeit. Ich tausche mich online übers Schreiben und Malen aus, aber auch über Alltagsprobleme und Ängste. 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir werden nicht so weitermachen können wie bisher. Corona hat nicht nur gesundheitliche Missstände bewusster gemacht, wir befinden uns in einem gesellschaftlichen Umbruch, dessen Ende im Augenblick noch nicht sichtbar ist für mich. Dies zu reflektieren und gesamtgesellschaftliche Schlüsse daraus zu ziehen, wird eine wichtige Rolle spielen.

Die Rolle der Kunst und Literatur wird sich wohl nicht ändern. Kunst und Literatur werden nach wie vor als herzstärkende Mittel wirken können, auch als erkenntniserweiternde. In Kunst und Literatur können wir uns spiegeln und uns dadurch selbst näherkommen. Besser verstehen. Vielleicht wird diese Rolle durch die Pandemie intensiver wahrgenommen werden. Das würde mich freuen.

 

Was liest Du derzeit?

Ich lese vor allem Gedichte von Marion Poschmann, Nadja Küchenmeister, Jürgen Brôcan und Aleš Šteger.

Außerdem die großartige autobiografische Zeitreise von Annie Ernaux: Die Jahre

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich stützte mich auf die Schönheit der Welt
und hielt den Geruch der Jahreszeiten in meinen Händen“

 aus: Annie Ernaux, Die Jahre

Vielen Dank für das Interview liebe Johanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literatur- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Johanna Hansen_Schriftstellerin, Künstlerin

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29.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Musik hilft Emotionen und Situationen zu verarbeiten oder aus anderen Perspektiven wahrzunehmen“ Sara Filipova, Sängerin _ Wien 12.9.2020

Liebe Sara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meine Tagesabläufe waren schon immer sehr unterschiedlich. In diesem Jahr hätten sie konträrer nicht sein können. Anfang des Jahres war ich sehr viel unterwegs, ab Mitte März kehrte, nach einigen Wochen in denen Ungewissheit mein Denken geprägt hat, auch in meinem Kopf etwas Ruhe ein. In den Frühlingsmonaten habe ich jeden Tag ausgedehnt gefrühstückt und ausgeschlafen, das ist etwas, dass ich mir versuche beizubehalten. Mein Handy schalte ich erst am späten Vormittag oder gegen Mittag ein, um entschleunigt in den Tag zu starten. Seit Juni übe ich mich wieder in Flexibilität, relativ kurzfristig ergeben sich derzeit Konzertmöglichkeiten und spannende Projekte, langes vorausplanen gestaltet sich derzeit schwierig.

Eine Konstante begleitet mich jedoch seit Mitte Juli: von Montag bis Samstag schreibe ich jeden Tag einen Song, soweit ich es schaffe. Gemeinsam mit anderen Musikschaffenden aus der ganzen Welt nehme ich an dem „Summer Song Game 2020“ teil. Die Idee ist von Mitte Juli bis Mitte September 6 Mal die Woche ein Lied zu schreiben oder ein Stück zu komponieren, nur bis zu 5 verpasste Tage sind erlaubt. Auf einer privaten Plattform werden diese dann hochgeladen. Wir tauschen uns über unseren Prozess, unsere Gedanken und unsere Hürden aus und lassen uns von den Werken der anderen TeilnehmerInnen inspirieren.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke nicht, dass ich sagen kann, was für alle im Moment besonders wichtig ist, denn jede Person geht sehr unterschiedlich mit dieser ungewohnten und ungewissen Situation um und ist mit anderen Lebensumständen konfrontiert.

Ich kann nur sagen, was ich mir wünsche und versuche zu leben, so gut ich es schaffe:

Zu sehen, dass jeder Mensch mit Ungewissheit und herausfordernden Situationen anders umgeht und auch andere Wege als die eigenen zuzulassen; die Stimme zu erheben, wenn Menschen diskriminiert, benachteiligt oder nicht bedacht werden; zu reflektieren und zu hinterfragen; wachsam zu sein; sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und trotzdem zu erkennen, dass das eigene Wohlbefinden wichtig ist; das Leben so gut es geht zu genießen; und offen zu sein für neue Ideen und Wege.

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Veränderungen sind für mich untrennbar mit dem Leben verbunden, sie kommen, manchmal auch, wenn man es nicht möchte. Die Stimmen, die sich das Gewohnte zurückwünschen sind bei Veränderungen genauso präsent, wie die Vorfreude auf Neues und Unbekanntes. Aufbruch und Neubeginn sind für mich immer ein Prozess, ein auf und ab der Gefühle. Musik hat mir schon immer geholfen, Emotionen und Situationen zu verarbeiten, sie in Klänge und Worte zu fassen oder aus anderen Perspektiven wahrzunehmen. Kunst in jeglicher Form ist und war, meiner Meinung nach, schon immer essentiell, sie bewegt, zeigt auf, beruhigt, verstört, verbindet, regt zum Nachdenken an und gibt gleichzeitig die Möglichkeit allem, zumindest für einige Augenblicke, zu entkommen.

Was liest Du derzeit?

The Book of Disquiet – Fernando Pessoa (Deutsch: Das Buch der Unruhe)

 

Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?

„ What could be put up against the noise of time? Only that music which is inside ourselves – the music of our being – which is transformed by some into real music. Which, over the decades, if it is strong and true and pure enough to drown out the noise of time, is transformed into the whisper of history.“ – Julian Barnes, The Noise of Time

„Was konnte man dem Lärm der Zeit entgegensetzen? Nur die Musik, die wir in uns tragen. Die Musik unseres Seins, die von einigen in wirkliche Musik verwandelt wird. Und die sich, wenn sie stark und wahr und rein genug ist, um den Lärm der Zeit zu übertönen, im Laufe der Jahrhunderte in das Flüstern der Geschichte verwandelt.“ – Julian Barnes, Lärm der Zeit

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Vielen Dank für das Interview liebe Sara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sara Filipova_Sängerin, Pianistin

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Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Station bei Bachmann _ 31.8.2020

27.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur ist Lebenselixier in jeder Hinsicht“ Verena Liebers, Schriftstellerin_Bochum_11.9.2020

Liebe Verena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Leben ist von zwei Berufen geprägt, ich bin Wissenschaftlerin und Schriftstellerin. Die tägliche Arbeit in der medizinischen Forschung gibt im Wesentlichen die Alltagsstruktur vor. Der Abend gehört dem Schreiben. Dazwischen und vor allem Wochenende bin ich draußen unterwegs, laufe, radele und schwimme. Manchmal schreibe ich auch unterwegs, auf kleine Zettel oder ich lerne meine Gedichte beim Radeln auswendig. Die Natur ist mein Rückzugsraum, meine Inspiration, mein Forschungsthema.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

In Frieden leben. Eine Krise bringt immer die Schwachstellen und Gegensätze einer Gesellschaft besonders deutlich heraus. Wir werden niemals in perfekter Harmonie leben, aber es geht darum Spannungen auszuhalten und sich gewaltfrei einzusetzen, wo es notwendig ist. Der Mensch braucht die Gemeinschaft, im Team lässt sich viel erreichen und sich gegenseitig zu helfen ist ein erfreuliches Gefühl.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Für mich ganz persönlich ist Literatur Lebenselixier in jeder Hinsicht, sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen. Schreiben und Lesen haben mich bisher aus jedem Unglück gerettet. Ich sehe meine Verantwortung als Künstlerin auch darin, andere für diesen Glücksstoff zu begeistern. Aber ich weiß auch, es gibt Menschen, die haben kein Verständnis für Kunst und Kultur. Auch das muss und kann eine Gesellschaft aushalten.

 

Was liest Du derzeit?

Wassererzählungen von John von Düffel, Fachbücher, die ich rezensiere und derzeit im Rahmen meiner Jury-Tätigkeit Texte für den Berliner Wortrandale Literaturpreis.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen“ von Hannah Green (Joanne Greenberg). Es gibt kaum einen Titel, der prägnanter ausdrückt, dass die Liebe zum Leben nicht bedeutet, dass alles rosig aussieht.

Vielen Dank für das Interview liebe Verena, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Verena Liebers VIGLi, Schriftstellerin

http://vigli.de/

Foto: T.Dombrowski

4.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Solidarität mit denen zeigen, die durch den Rost des Systems fallen. Nichts ist selbstverständlich“ Babett Arens, Schauspielerin _ Wien 10.9.2020

Liebe Babett, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich mir während der Coronazeit das Bein gebrochen habe, fängt der Tag erst mal mit ein paar Radfahrübungen im Bett an- sonst kann ich gar nicht aufstehen- da mein Fuß durch 8 Wochen zwangsstillhalten vollkommen steif geworden ist.

Sonst muss ich sagen, dass ich im Moment einen viel anstrengenderes Pensum habe als zu normalen Zeiten, da ich auf Grund von Corona beschlossen habe, ein eigenes kleines Festival im Freien ( WähringerInnnen spielen im Türkenschanzpark) auf die Beine zu stellen. Für dieses Festival inszeniere ich auch ein halbstündiges Stück von Anton Tschechow, „ Der Heiratsantrag“ an dem wir jetzt jeden Tag für die Premiere arbeiten. Somit ist mein Tag zur Zeit mehr als ausgefüllt. Das hat auch damit zu tun, dass wir alle nicht wissen, wie es mit der Theaterarbeit im Herbst weitergeht. Deswegen wollte ich wenigstens im Sommer noch eine schöne kulturelle Veranstaltung auf die Beine stellen.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich finde es sehr wichtig, sich klarzuwerden, ob und wie sich unser System in diesen Krisenzeiten bewährt. Und was für ein Glück viele von uns- trotz aller Schwierigkeiten- haben, in einem Sozialstaat zu leben. Mit einem intakten Gesundheitssystem. Das uns klar wird, an welchen Stellen NIE wieder gespart werden darf! Und wo mehr investiert werden muss! Es ist wichtig, sich darüber klar zu sein und Solidarität mit denen zu zeigen, die durch den Rost des Systems fallen. Nichts ist selbstverständlich.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Ich habe da wirklich keine Ahnung- wir stecken ja mittendrin…

Was ich an mir sehr schnell gespürt habe, dass ich mit der Verschiebung der Kunst in die sozialen Medien große Schwierigkeiten habe. Das hängt natürlich  einfach auch mit meinem Alter zusammen.

Aber mir kam diese Verschiebung teilweise wie ein verzweifeltes Rudern von Ertrinkenden vor. Es hatte etwas Unwürdiges…

Wenn es denn so sein sollte, dass Kunst nur noch virtuell genießbar sein kann-  dann müsste dafür ein ganz neues Konzept erschaffen werden- eines, dass alle erreichen kann- das entsprechend aufbereitet ist- eines, das vielleicht die verschiedenen Kunstrichtungen verbinden kann. Aber nicht einfach persönliche Zustandsberichte im Netz…

Sonst bin ich gerade sehr glücklich, dass man Kultur zur Zeit wieder ein bisschen live genießen kann. Man spürt die Besonderheit- das sollte irgendwie erhalten bleiben. Kultur ist Nahrung für die Seele- wichtiger den je…

 

 

 Was liest Du derzeit?

Leider viel zu wenig. Tageszeitungen und wenn ich es am Abend schaffe, lese ich von Andreas Pittler: Bronstein, sein vergessener Fall.

 

 

 Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nutze und genieße die verlangsamte Zeit, sie vergeht viel zu schnell.

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Babett, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kulturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Babett Arens, Schauspielerin

Aktuelles

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29.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Jimi“ Die Hendrix Biographie. Philip Norman. Piper Verlag.

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Er ist eine Legende zu Lebzeiten. Sein virtuoses Gitarrenspiel setzt Maßstäbe, welche die Rockmusik revolutionieren und KollegInnen wie Publikum begeistert wie ehrfürchtig staunen lassen. Die Rockmusik ist nach ihm nicht mehr dieselbe – sein Name: James Marshall „Jimi“ Hendrix (* 27. November 1942). Geboren in Seattle, USA.

Seine Kindheit ist von den schwierigen Familienverhältnissen geprägt. Die Suche nach Arbeit, Umzüge. Es ist ein unstetes Leben, in dem sich Jimi und seine Brüder Leon und Joey zurechtfinden müssen…

Für Jimi wird die Musik schon sehr früh zu einem Sehnsuchts- und Hoffnungsanker. In jungen Jahren ist es die Mundharmonika. Dann wird die Gitarre zum Ziel seiner Träume. Doch es bleibt in jungen Jahren ein Traum. Ein Besen ist es, mehr nicht, den er in den Händen halten darf. Als er fünfzehn Jahre alt  wird, kauft ihm sein Vater eine gebrauchte akustische Gitarre. Nun beginnt es. Intensives Spiel. Hören und spielen. Tagtäglich. Bald die erste Band und dann die Meilensteine einer Karriere…summer of love, woodstock…Jimi das Genie, der Superstar…doch da sind auch die Schattenseiten, die Einsamkeit, wenn das Bühnenlicht erlischt…und schließlich die Katastrophe…

 

Der Musikjournalist Philip Norman legt 50 Jahre nach dem Tod von Jimi Hendrix eine Biographie des legendären Gitarristen vor, die wesentliche Stationen seiner Musikkarriere und seines Lebens öffnet und zusammenfasst. Der Autor, ein ausgewiesener Musikkenner, stellt besonders die musikalischen Inspirationen und Entwicklungen in den Vordergrund. Leserin und Leser können diese einmalige Karriere mit all ihren außergewöhnlichen Etappen mitverfolgen und gleichsam intensiv miterleben.

 

„Ein Musikerleben wie ein Orkan und ein Regenbogen – spannend erzählt“

 

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„Visionen entwickeln und umsetzen, vergeben – sich selbst und anderen, großzügig sein“ Petra Sousan_ Künstlerin_Villach _ 9.9.2020

Liebe Petra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin sehr dankbar, dass ich in mein Atelier gehen kann, das im Zentrum Villachs gelegen ist und mir einen wunderbaren Erfahrungs- und Wachstumsraum bietet, indem ich mich kreativ ausprobieren, arbeiten und entfalten kann. Es ist recht groß und gibt durch große Auslagenfenster den Blick nach außen sowie nach Innen frei. Ich spüre dort die Stadt und deren Bewohner sehr. Während des Lockdowns war es gespenstisch.

Da vieles nicht stattfand, und alles Gewohnte plötzlich nicht mehr so war, wie eben gewohnt, habe auch ich, wie so viele andere auch, weiter aufgeräumt. Weiter deshalb, weil ich das eigentlich schon die letzten Jahre mache. Nicht nur im Außen, sondern auch, oder vor allem im Innen.

Es ist mir wichtig, mich zu bewegen, spazieren gehen, wandern, schwimmen, in die Natur gehen, mit meinem treuen Begleiter, mein Malteserhündchen Caruso…aber eben auch mental in Bewegung zu bleiben. Literatur, interessante Gespräche, Filme, Kultur, das Kunstschaffen von Kollegen und Kolleginnen. Wir konnten uns zwar hier in Kärnten während des Lockdowns in der schönen Natur gut bewegen, aber diesen Austausch und das Kulturelle habe ich schon sehr sehr vermisst, und obgleich man viel viel mehr telefoniert hat, als sonst, war das nicht dasselbe!

Ansonsten immer besser auf mich Acht geben, was Leckeres kochen oder mir was Gutes tun, zusehen, dass „der Laden“ läuft, Erledigungen und Aufgaben abgearbeitet werden (Haus, Atelier, Auto, Caruso & mich in Schuss halten, Buchhaltung, Termine, Therapie…immer noch…, Training). Es gibt immer genug zu tun.

Abends reflektieren, zur Ruhe zu kommen und vor allem zu danken, eventuell zu meditieren.

 

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„Das Rad der Zeit“ – Photo by Hannes Pacheiner, 2019

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, dass was es immer war und ist, sich selbst wahrnehmen, spüren -sich und die Welt, sehen – genau hinschauen, bewusst atmen, träumen, Visionen entwickeln und umsetzen, verlangsamen, entschleunigen, vergeben, sich selbst und anderen, großzügig sein, sich selbst annehmen und auch andere, lernen, wachsen, sich ausprobieren, sich Raum geben, aber auch dem anderen, spielen, das Leben in allen Facetten entdecken, staunen, tanzen, lachen, springen, übermütig sein, lieben, Frieden in sich finden, leben.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Es wird alles immer schneller. Dieser Stillstand, wie jetzt so extrem durch Covid, war dann für die Meisten ein Schock. Das reine Zurückgeworfen sein auf sich selbst und seine Lebensumstände, damit kamen viele nicht so gut klar. Auch mir wurde bewusst, woran ich noch zu schrauben habe. Obwohl der Mensch ist ja irgendwie nie fertig, ist ja alleine durch die Entwicklung von Geburt zum Tod permanent Veränderungen und Herausforderungen ausgesetzt, die jeder versucht, so gut wie möglich zu meistern. Da hilft es bestimmt auch, in sich das „Göttliche“ zu finden und sich mit dem „Göttlichen“ zu verbinden. Die Kunst ist dafür eine wunderbare Quelle, „Schöpfung“. Die Kunst ist Nahrung für die Seele und wir Menschen können gar nicht nicht erschaffen, alleine durch das Denken erschaffen und gestalten wir! Kunst ist. Punkt.

 

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„Neon-Madonna“ – Petra Sousan_2020

 

 

Was liest Du derzeit?

Healing with the arts by Michael Samuels and Mary Rockwood Lane

 

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Suche nicht andere, sondern Dich selbst zu übertreffen.“ Marcus Tullius Cicero

„Ein jeder hat seine eigne Art, glücklich zu sein, und niemand darf verlangen, dass man es in der seinigen sein soll.“  Heinrich von Kleist

„Ich habe heute ein paar Blumen nicht gepflückt, um dir ihr Leben zu schenken.“ Christian Morgenstern

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Petra, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Petra Sousan, Künstlerin

https://sousanpetra.weebly.com

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„Still schweigt der See“ Tina Schlegel. Bodensee Krimi.

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Autor: Tina Schlegel Titel: Still schweigt der See Reihe: Bodensee Krimi, Region: Baden-Württemberg ET: August 2020 ISBN 978-3-7408-0936-2, (i4)_(0936-2) ebook: 978-3-96041-673-9, (e2)_(673-9)

Da ist der stille See. Der nimmt was ihm gegeben wird. Leben und Tod. Heute war es wieder so. Die dunkle Seite. An den vielen Booten ist es zu erkennen, die nach dem Tod in der Tiefe suchen…

Und da ist das Schachspiel. Die Figuren auf dem Schwarz und dem Weiß. Und die Worte der beiden Männer dazu. Was denn jetzt und wie zu gewinnen sei? Nicht hier am Brett aber draußen auf den Brettern der Welt. Den Rednerpulten, den Fernsehansprachen. Den Wahlkämpfen. Zug um Zug. Da muss doch was möglich sein…

Miriam steht vor dem Bild Ihrer Landschaft. Betrachtet es lange. Kommissar Sito ist neben ihr. Seine Nähe tut ihr gut. Er ist da und bleibt. Wie ein ruhender See in den Jahreszeiten. Das ist viel. Vielleicht alles…

Roman Enzig ist Wissenschaftler und Profiler. Sein Schwarz und Weiß ist der Blick auf den Tatort. Auf Spuren und Aussagen. Auf Überlegungen und Züge. Beim Vorbereiten eines Vortrages ist er am Schreibtisch eingeschlafen und Anna kommt jetzt sanft zu ihm…

Dann steht Enzig am Vortragspult. Sein Auditorium hört gespannt zu. Sein Thema ist ihm vertraut. Doch dann bricht das Schwarz, das Dunkle in den Moment. Männer und Gewehre, Angst und Stille…Die Welt zerreißt jetzt…und Miriam sitzt in der ersten Reihe…

 

Tina Schlegel, Autorin und Kulturjournalistin setzt mit den fünften Band Ihrer Bodensee Krimi Reihe ein weiteres highlight mitreißender Krimispannung, in welcher der Mensch und seine Abgründe in variantenreichen Facetten eindrücklich dargestellt werden. Die erfahrene Autorin schafft es einzigartig, Handlungsstränge und aktuelle Themenstellungen unserer Gesellschaft zu verbinden und auf den Menschen und seinen Entscheidungswillen rückzubinden.

 

„Es geht bei Tina Schlegel immer um den Menschen und seine Abgründe aber auch um das spiegelnde Licht der Hoffnung“

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„Nun herrschen andere Regeln. Vertrauen dürfen, Menschen um sich zu haben, die man liebt – das wird immer wichtiger“ Christina Jonke_ Schriftstellerin _ Klagenfurt 8.9.2020

Liebe Christina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

In der glücklichen Lage als Schreibende einen Gutteil meiner Arbeit immer bei mir zu haben, konnte dieses unselige Virus meine persönliche Tätigkeitsstruktur eigentlich kaum verändern. Ich übe mich in „Business as usal“ und versuche konsequent an meinen Textprojekten zu arbeiten. Oberflächlich gesehen.

Alles was die operative Theaterarbeit betrifft, hat Covid-19 – wie bei den vielen Kolleg*innen auch – natürlich völlig zum Stillstand gebracht. Will ich die Situation unbedingt von der positiven Seite betrachten, gab und gibt es einen ziemlich großen Spielraum zur Reflexion des Weges, auf dem ich mich befinde. Diesen angeblichen Freiraum kann ich manchmal gut und phasenweise gar nicht nutzen. Ja, warum eigentlich nicht? Warum kann ich meine Fenster schamlos ohne Vorhänge zeigen, im Garten ohne Buschmesser flanieren und die ganze Nachbarschaft mit variantenreichen Kuchen verwöhnen? Diese innere und äußere Unruhe, die mir die aktuelle Situation aufzwingt, ist leichter durch handfeste Tätigkeiten zu bändigen als durch die Suche nach fiktiven Lebensräumen. Diese Zeit, die Maßnahmen wie social distance in allen ihren Ausformungen verordnet, löst in mir das Gefühl aus, selbst in einer konstruierten Blase festzusitzen. Wird sie platzen oder werden wir uns irgendwann alle darin einrichten – und was dann? Wird das Projekt, das ich gerade für den Herbst vorbereite, überhaupt über die Bühne gehen können? Der innige Wunsch zu arbeiten und Unsicherheit dominieren abwechselnd den Alltag.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Sehnsucht danach, dass alles wieder gut wird, spüre ich ganz stark rund um mich und auch in mir. Wie aber kann diese Sehnsucht gestillt werden und was bedeutet „alles wird gut“? Es war ja niemals „alles gut“, aber vielleicht hatte man vor Covid-19 das Gefühl, sich auszukennen und sein Leben „im Griff“ zu haben. Nun herrschen andere Regeln. Vertrauen dürfen, Menschen um sich zu haben, die man liebt – das wird immer wichtiger. Das ermöglicht es auch fremden Menschen gegenüber respektvoll und achtsam aufzutreten und das schließt durchaus den rücksichtsvollen Umgang mit unserem Planeten mit ein. Je mehr räumlichen Abstand wir untereinander halten müssen, desto mehr Gefühl sollten wir in unser Sprechen und Handeln legen, damit unsere Welt nicht völlig verhärtet und aus den Fugen gerät.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, dem Theater, der Kunst an sich zu?

Kunst ist ein kostbares Lebensmittel! Sie unterstützt uns maßgeblich dabei, Mensch zu sein und bleiben!

 

Was liest Du derzeit?

Ludwig Roman Fleischer, Die letzten hundert Jahre.

 

 Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Zuviel Licht hindert uns daran die Sterne zu sehen. (Graham Greene)

Vielen Dank für das Interview liebe Christina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literatur- , Theaterprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christina Jonke_Schriftstellerin, Regisseurin

https://www.texte.jonkeonline.at/

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