„Alles neu zu denken, zu fühlen, zu handeln, uns zu begegnen, zu performen“ Judith Keller, Schauspielerin_ Wien 7.5.2021

Liebe Judith, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin es gewohnt, von frühster Jugend an, meine Freizeit selbst zu gestalten. Da ich mit sechs Jahren angefangen habe Violine zu spielen und anderes mehr, ist mir das tägliche Üben in den eigenen vier Wänden nie fremd gewesen. Während meiner Schauspielausbildung durfte ich verschieden Techniken und Methoden kennenlernen, um meinen Körper und meine Seele immer fit zu halten. Jetzt bin ich schon im letzten Drittel meines Lebens angelangt und immer noch absolviere ich mein tägliches Training für Stimme und Körper, unabhängig davon, ob ich bald einen Auftritt habe oder nicht.

Da ich mich in den letzten Jahren auch als Autorin versucht habe, dieser Beruf hat ja bekanntlich viel mit Sitzen zu tun, ist es für mich wichtiger, den je einen Ausgleich von Sitzen und Gehen, von Drinnen und Draußen zu schaffen. Jetzt, wo alle Theater geschlossen sind und ich erst wieder Ende Mai meinen ersten Auftritt haben werde, sind natürlich die Ziele außer Haus beschränkt. Und jetzt kommt mein geliebtes Fahrrad ins Spiel. Schon vor der Corona Krise habe ich meine Jahreskarte bei den Wiener Linien gekündigt. Dank der vielen Fahrradwege bin ich ein Fahrradfan geworden. Früher wäre das nur schwer möglich gewesen, da es mir zu gefährlich erschien.

Ich wohne im 6. Bezirk. Ich liebe es die Mariahilferstraße hinunterzufahren, durch
den ersten Bezirk zu streifen und dann entlang dem Donaukanal zu radeln, am
liebsten Richtung Nussdorf zum Kuchelauer Hafen. Dort kann ich meine geliebten
Boote bewundern. Ich segele für mein Leben gern und suche, wo immer ich bin,
die Nähe des Wassers. Sobald es etwas wärmer wird, in meinem Fall schon von April bis November, schwimme ich, wann immer ich kann, in der Donau. Beim Fahrradfahren mache
ich Sprech- und Gesangsübungen, lerne eine neue Sprache (im Moment Maltesisch), weil ich oft in Gozo/Malta bin.

Es klingt vielleicht komisch für den Leser, aber Corona hat, außer der finanziellen
Situation, nicht wirklich was in meinem Leben verändert. Ich fahre nicht U-Bahn,
ich gehe überhaupt nicht gerne Einkaufen, außer ich brauche wirklich dringend
etwas. Für mich hat Einkaufen nichts mit Freiheit zu tun, im Gegenteil. Da ich
lange Haare habe, muss ich auch nicht zum Friseur. Ich nehme Henna braun um
meine Haare nicht weiß werden zu lassen.

Ich habe in den letzten Monaten viel und gut und gerne gekocht. Ich liebe es auch, ins Restaurant zu gehen, aber es ist auch wunderschön anderen Menschen
mit einer Essenseinladung zu Hause eine Freude zu machen. Viele gute Gespräche
sind dabei entstanden und auch ich wurde als Dankeschön eingeladen.
Vielleicht noch zum Abschluss möchte ich ein neues Gefühl beschreiben, dass ich
in Wien, während der Corona-Krise erleben durfte: die Straßen und Plätze sind
plötzlich ein verlängerter Arm meines Wohnzimmers geworden. Ich habe zum
ersten Mal das Gefühl gehabt, dass die Stadt auch mir gehört. Ich nehme mir
einen Kaffee in der Thermosflasche mit und setze mich in den Loquaipark oder
auf die Bank vor dem Stephansdom und trinke, ohne ein schlechtes Gewissen
haben zu müssen, weil ich nicht konsumiere bzw. in ein Gasthaus gehe, meinen
selbst mitgebrachten Kaffee. Eine neue Freihet?

Judith Keller_ Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht in Angst erstarren, den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass alles so
schnell wie möglich wieder so sein soll, wie es war. So schlimm diese Pandemie
für uns alle ist, ist sie doch auch eine Chance alles neu zu überdenken, gewohntes
zu überprüfen und in Frage zu stellen, denn ich befürchte, dass dies nicht das letzte
Virus ist, das uns besucht und dass uns bestimmt noch viele herausfordernde
Momente bevorstehen. Durch das Erwärmen der Weltmeere gerät unser Klima
immer mehr in Schieflage, ein großes Artensterben ist im Gange. Unser
Ökosystem verliert sein Gleichgewicht und wir unseres mit ihr. Wäre es nicht
endlich an der Zeit zu handeln? Nicht nur im Aufrüsten von neuen Impfstoffen,
sondern im Visualisieren von neuen Lebensinhalten. Was ist wichtig in unserem
Leben? Wir sollten anfangen uns jeden Tag gegenseitig viele Fragen zu stellen und
nicht einfach blind weiter machen wie bisher.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei dem Theater/Film/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Es wäre schön, wenn wir wirklich vor einem Neubeginn stehen könnten.
Alles neu zu denken, zu fühlen, zu handeln, uns zu begegnen, zu Performern….
Leider hat uns die Wirtschaft fest in ihren Klauen. Wirklich frei davon zu sein,
bedeutet verzichten zu wollen…….Was haben wir unserer Natur zugemutet, wie haben wir unserer Tiere versklavt
und vergewaltigt….
Die Aufgabe der Kunst war es schon immer, der Gesellschaft einen Spiegel vor zu
halten, in dem sie sich erkennt und dadurch handlungsfähig werden kann. Wir
dürfen uns nie in unserer Meinungsfreiheit einschränken lassen. Wir müssen für
die Freiheit der Kunst kämpfen und ohne zu beschönigen, der Wahrheit auf der
Spur bleiben.

Was liest Du derzeit?

Der Schwarm von Frank Schätzing


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Live is a pain – au chocolat

Vielen Dank für das Interview liebe Judith viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musik-, Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Judith Keller_Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Autorin

Judith Keller.Schauspielerin.Regisseurin.Sängerin (judith-keller.at)

Foto_Nurith Wagner-Strauss

8.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Nicht nur im „Social Distancing“ entfernen wir uns derzeit voneinander“ Wenzel Beck, Musiker_Wien 7.5.2021

Lieber Wenzel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Seit meinem Single-Release „Ohne Angst“ Anfang März, habe ich vormittags fast jeden Tag Interviews und Pressearbeit. Dann beginnen meistens die Studio-Sessions, oft bis spät abends. Wenn noch bisschen Energie übrig ist, lese ich gerne noch ein bisschen und dann ins Bett.

Wenzel Beck_Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Derzeit entfernen wir Menschen uns immer mehr voneinander. Nicht nur im „Social Distancing“, sondern auch in allen anderen Fragen. Ich glaube, es ist enorm wichtig, dass sich diese Bewegung in die andere Richtung umdreht.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich bin ein großer Fan von Musik. Als Kunstform, Ausdrucksmittel und vor allem als universelle Art der Kommunikation. Das verbindende, übermenschliche Element von Musik ist immer wichtig, und noch entscheidender in Situationen in denen alle zusammenhalten müssen.

Was liest Du derzeit?

Demian von Hesse.

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

For here
Am I sitting in a tin can
Far above the world
Planet Earth is blue
And there’s nothing I can do

Though I’m past
one hundred thousand miles
I’m feeling very still
And I think my spaceship knows which way to go
Tell my wife I love her very much
she knows

David Bowie – Space Oddity

Vielen Dank für das Interview lieber Wenzel, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Wenzel Beck, Musiker

Wenzel Beck | Singer-Songwriter

Foto_Karin Gruber

8.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst ist Vermittlerin zwischen Gegenwart und Zukunft“ Adisa Czeczelich, Künstlerin_Wien 6.5.2021

Liebe Adisa, wie sieht jetzt Ihr Tagesablauf aus?

Im Atelier ankommen und aufatmen hier ist die Welt eine andere.  Der restliche Tag ist eine Mischform  aus malen, schauen, lesen, teetrinken, Pinsel reinigen, vielleicht etwas essen, malen, denken, manchmal wollen die Bilder etwas, manchmal will ich etwas, dann der ewige Versuch die Farbe von den Fingernägel herunter zu kratzen, die Farbe aus den Haaren zu entfernen,  komme wie immer auf das gleiche Ergebnis, ist eh egal und fahre mit der U6 heim.

An anderen Tagen, versuche ich zwei pubertierende Jugendliche zu motivieren ein Schulsystem zu absolvieren, welches sie zutiefst in Frage stellen, sie zu motivieren Dinge zu lernen, welche sie niemals brauchen werden. Gleichzeitig gebe ich ihnen das Gefühl, dass sie eine wunderbare Zukunft vor sich haben, obwohl ihre Jugend unter den Corona Maßnahmen sehr leidet.

Adisa Czeczelich, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Trotz allen Einschränkungen handlungsfähig und autonom zu bleiben.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich sehe die Kunst als Vermittlerin zwischen der Gegenwart und der Zukunft. Mit der Kunst gelingt es die Gegenwart zu verarbeiten, sichtbar zu machen, auch kritisch und frei zu hinterfragen und in die Zukunft zu tragen, natürlich immer in der besten Absicht, also in der Hoffnung auf eine weiterentwickelte Version von uns, gesellschaftlich wie auch persönlich.

Was lesen Sie derzeit?

„Die Würde ist antastbar“ vom Ferdinand von Schirach

in unserem Grundgesetzt steht, „die Würde des Menschen ist unantastbar“ und trotzdem wird unsere Würde jeden Tag angetastet. Gerade jetzt in der Zeit der Pandemie erleben wir dies tagtäglich.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchten Sie uns mitgeben?

Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehen.

Friedrich Nietzsche

Vielen Dank für das Interview liebe Adisa, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Adisa Czeczelich, Künstlerin

About | Adisa Czeczelich

Fotos_1 Sonja Leisser; 2 Adisa Czeczelich

7.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass wir alle wieder lernen müssen, uns und anderen Menschen zu vertrauen“ Nadine Hentrich, Künstlerin_Wien 6.5.2021

Liebe Nadine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meine Familie und ich hatten Anfang April 10 Tage Quarantäne hinter uns gebracht (Ohne Garten oder Haus auf dem Land). Das waren besondere und für alle herausfordernde Tage. Aber wenn alles „normal“ ist, beginnt für mich nach dem Weg zum Kindergarten meine Schaffens- bzw. Kreativzeit. Ich gehe in mein kleines feines Arbeitszimmer, schaue nach E-Mails und was zu tun ist. Und dann suche ich mir ein Hörbuch oder einen Podcast raus und arbeite an meinen Collagen. Sei es frei oder nach Auftrag. Ein Tag ohne Collage ist kein guter Tag!

Nadine Hentrich, Illustratorin, Grafikerin, Künstlerin


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ruhe und Vertrauen aus sich selbst herausfinden. Diese Angst von außen macht
einen verrückt und hemmt das Leben und die Kreativität!

life is easy – Nadine Hentrich


Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?


Ich glaube, dass wir alle wieder lernen müssen nicht nur uns und unseren
Fähigkeiten zu vertrauen, sondern auch den anderen Menschen. Im Augenblick
ist für viele jede/jeder eine Art Bedrohung. Abstand, keine Berührungen all das
macht viel mit uns. Die Kunst schafft da eine Brücke, weil sie die Menschen
wieder für das Schöne im Leben öffnen kann und damit eine erste sanfte
Berührung mit dem Leben selber ist.

Vogel Pinie – Nadine Hentrich


Was liest Du derzeit?

Ameisenmonarchie von Romina Pleschko und als Hörbuch höre ich gerade
Homus Deus von Yuval Noah Harari

Yes – Nadine Hentrich

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

… nicht müde werden, sondern dem Wunder leise, wie einem Vogel die Hand
hinhalten. (Hilde Domin)

Vielen Dank für das Interview liebe Nadine, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Nadine Hentrich, Illustratorin, Grafikerin, Künstlerin

Impressum – guckschatz-design (guckschatz-design.de)

Fotos_1 und 5 Studio Kamenar; 2,3,4 Nadine Hentrich.

7.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es ist etwas ganz Großes eine Fassade abzulegen“ Magdalena Mikesch, Schauspielerin_Wien _50 Jahre Malina_6.5.2021

Wien, das bedeutet Diversität und Kunst. In jeder Gasse begegnet dies, das schätze ich sehr. Und ich liebe die Architektur der Stadt, diese ist einzigartig schön.

In einer Stadt lebst du ohne Stempel. Das lässt entfalten, entwickeln.

Magdalena Mikesch Schauspielerin

Ich bin im Waldviertel aufgewachsen und nach der Matura nach Wien gezogen. Jeder Platz hat eine Erinnerung hier. Schönheit und Traurigkeit liegt jetzt da, da ich beruflich die Stadt verlasse und umziehe.

Die Kaffehäuser werde ich vermissen, die Schanigärten. Die Atmosphäre der Stadt, die schönen Häuser, die Theater. Wir sind da verwöhnt.

Ausgewählte Möbel kommen beim Umzug mit. Derzeit ist ein Tisch in Bearbeitung, den meine Großeltern und Eltern schon hatten, der wird neu lackiert und kommt mit nach Kassel. Ich nehme Familienmitbringsel mit. Von jeder Stadt kommt dann was dazu. Ich habe gerne wenige Dinge, aber die mag ich dann richtig gern.

Alte Dinge sind schöner, ich mag, wenn Dinge alt sind.

Ich war schon im Bauch meiner Mutter auf der Bühne meiner Großeltern und bin dann da mitgewachsen.

Mein Opa war in der Bank angestellt und hat dann gemeinsam mit seiner Frau ein Theater aufgebaut – „Theater im Kloster“ (Wiener Neustadt). Es ist bis heute ein Familientreffpunkt. Das Theater hält meine Großeltern jung. Ein Theaterort, an dem man gerne hingeht, in dem etwas aufgebaut werden kann, das war, ist meiner Familie sehr wichtig.

Jetzt gibt es einen fahrenden Vorhang, Polsterstühle, es ist gewachsen, ich komme gerne zurück. Ich finde das Einspringen schön, sehe Videos und spiele dann mit, das ist ein Highlight im Jahr.

Es ist im Schauspiel immer ein Planen und Vorausblicken in den Engagements. Da ist sehr viel an Kommunikation und Organisation, auch Unsicherheit. Eine Probenphase ist sehr fordernd, das wird auch nachhause mitgenommen. Eine ständige Präsenz. Das schlaucht natürlich.

Mit der Pandemie war da plötzlich völliger Stillstand. Das war zunächst auch eine Erleichterung und eine Möglichkeit des „Aufladens“. Ich bin jetzt voller Lust auf die Bühne.

Die Natur hat mir in der Pandemie Kraft gegeben. Ich bin Spaziergängerin geworden. Es war auch ein menschlicher Weg vom gezwungenen Rhythmus zum eigenen Rhythmus.

Bei einem Drehtag stehst du um 4h morgens auf und kommst abends nachhause, das ist fern jedes persönlichen Rhythmus. Aber natürlich sehr spannend.

Der Weg im Schauspiel ist nie leicht. Es geht rauf und runter, gibt Rückschlage, wie jetzt in der Pandemie, aber auch immer Kraftquellen, um weiterzumachen.

Derzeit finde ich den Film beruflich sehr spannend. Dieses Unmittelbare darin.

Die Theaterstrukturen sind festgefahren. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für Veränderung, auch um Strukturen zu brechen.

Der Film ist weiter als das Theater was Struktur betrifft. Das Theater steht da still. Die Leitung, die Hierarchie, wer wo im Ranking ist, das steht fest. Da wird nicht viel hinterfragt. Das ist gesellschaftlich schon selten. Es gibt da einiges zu tun.

Der Generationenübergang in den Theaterleitungen wird spannend.

Es ist schön, wenn Theater nicht perfekt ist, perfekt sein muss

Malina – jeden Gedanken, den Ingeborg Bachmann im Roman in Worte fasst, den hat man selbst gedacht. Das erfordert ein großes Maß an Ehrlichkeit, Mut zu dem Nicht-Verbergen, Verstecken. Es geht in das Innerste, dorthin wo das liegt was niemals ausgesprochen wird.

Was ist Liebe? Ist man je nicht allein?  Der Roman stellt diese Fragen ganz direkt.

Menschen, die ich behalten will und dann sind sie es doch wieder nicht. Die Suche – was will ich, was tut mir gut? Das hört nie auf im Leben.

Das Nachdenken, das Gefühl was man der Welt geben will, wer man ist darin, das beschäftigt mich auch sehr. Erkenntnis und Wissen braucht Zeit. Es geht alles viel zu schnell heute.

Bachmann schreibt über den Versuch zu sein und dann doch wieder alles fallenzulassen.

Diese Zerbrechlichkeit. Jeder Mensch hat diese, auch wenn eine Fassade darüber gebaut ist.

Dass man in der Welt nicht zerfällt und sich nicht zerstören lässt von anderen Menschen. Das ist ein großer Punkt im Roman.

Man muss Menschen ziehenlassen und neue Begegnungen zulassen.

Social Media ist ein Fassadenbau. Menschen ohne Fassaden begegnen sich da nicht. Es ist etwas ganz Großes eine Fassade abzulegen.

Man schafft sich seine eigene Fassade, daher sieht es ganz anders aus.

„…nur hinter der Fassade ist kein Mensch lächerlich“ Ingeborg Bachmann

Auch in der Liebe gibt es immer Fassaden. Der Mensch verhält sich immer anders, wenn er nicht alleine ist. Egal wie gut du einen Menschen kennst wie lange du zusammen bist, immer gibt es eine Fassade, das war zu Malinas Zeit so wie heute.

Unsere Fassaden, Facetten sind auch Schutzwände.

Beim Malina lesen fällt nicht auf, dass der Roman vor über fünfzig Jahren geschrieben wurde. Das unmittelbare Verstehen geschieht sehr schnell. Heute nennen wir es toxische Beziehungen. Das ist leider die Realität.

Es wird in der Liebe immer Menschen geben, die eine Machtposition haben wollen und diese auch ausnutzen. Es gilt da gegenzusteuern, das Gespräch suchen, das Beziehungssystem zu ändern – ich sehe da etwas schwarz.

Immer wenn ich dachte, es sei Liebe auf den ersten Blick war es eine weniger gute Erfahrung.

Ein Aufbau zur Liebe über Freundschaft hatte immer etwas Standhaftes, Dauerndes. Es fällt da weg, perfekt sein zu müssen.

Liebe ist Arbeit. Es ist ein Aufbauen.

Je älter man wird, je mehr Erfahrungen, umso mehr Vorsicht, Skepsis gibt es in der Liebe. Vielleicht geht es dann in der Lebenszeit irgendwann wieder zurück (lacht). Und die Sicht wird wieder lockerer.

Verliebtheit auf den ersten Blick gibt es. Liebe ist da eine Vermutung und es ist leichtsinnig gegenüber dem Wort Liebe.

Liebe ist Vertrauen. Und Offenheit.

Vertrauen ergibt Liebe.

Bei Malina ist es Vernarrtheit – Ivan – ein in den Bann ziehen, verschwommene Realität, andere Tatsachen – unüberlegte Trance.

Ein Zusammenbauen von Realität.

Sie sucht Geborgenheit in Ivan. Auch ein Wegkommen, Loswerden. Es ist ein Reinstürzen-Wollen, um ein neues Leben zu führen, anders leben zu können.

Ivan ist Wunsch und Flucht. Diesen Reiz gibt es immer, Festgefahrenes zu verlassen.

Es ist auch schön in das Nichtwissen zu gehen, zu fallen. Das ist zweifellos Ivan.

Ein Wunsch ohne Reflexion ist eine Wiederholung. Da verändert sich nichts. Das wird auch heute gelebt. Der Roman hat seine Aktualität.

Wir denken zu wenig über uns nach.

Manche Menschen wollen in der Dreiecksbeziehung leben. Das passiert nicht nur im Roman.

Wir haben ein weites Spektrum in der Liebe heute.

Eine Verstrickung passiert schnell.

Mit Lügen wird es nicht besser in der Liebe. Da kommt man nicht mehr raus. So geht es vielen Menschen.

Menschen verändern sich in fünfzig Jahren nicht. Es ist wie damals.

Es gibt Menschen, die ihre Geschichte ansprechen. Diese bleiben meist unter sich.

Menschen mit Fassaden und Menschen in Offenheit. Da gibt es keine Vermischung.

Eine verlogene Menschheit ist ganz, ganz schrecklich. Deswegegen ist mir Vertrauen so wichtig.

Es gibt Männer, die nicht so sein wollen wie Männer vor fünfzig Jahren, die teilhaben wollen, aber vielen fällt es schwer ihre Machtpositionen abzugeben. Sie haben Angst etwas zu verlieren.

Vertrauen ist das Wichtigste. Respekt.  Darauf kommt es an.

Es gibt eine Hingezogenheit. Den Reiz zusammen zu sein.

Es gibt nie ein Nur-Zusammen. Es sind Individuen in der Liebe, diese müssen gemeinsam wie selbständig wachsen. Wenn nicht, ist es vorbei.

Es gibt nicht nur die eine Liebe. Auseinandergehen ist auch wichtig.

Das Unbewusste ist ein Teil von uns. Aufarbeitung ist wichtig, wenn es Belastendes gibt.

Du kannst im Leben nichts wegwerfen. Es ist immer ein Teil von Dir.

Ein Geheimnis kann persönlich eine Basis sein. Im Leben, in der Liebe.

Es braucht Erfahrungen, um Malina zu lesen.

Lebensentwürfe – ändern sich. Glücklichsein ist mir jetzt wichtig.

Ich habe Angst, dass ich eine Beziehung führe, die ohne Worte endet. Dass da nur mehr Hass ist. Ich kann es mir nicht vorstellen.

Ich hoffe, ich könnte die Reißleine ziehen, wenn sich der Mensch dreht. Die Kraft stop zu sagen, ist sehr wichtig!

Die Gesellschaft, eine Stadt muss ihre Angebote in Beziehungsdramen sichtbar machen und Hilfe anbieten.

Menschen muss in der Bildung vermittelt werden wo Grenzen des Verhaltens in Begegnung und Beziehung sind. Das ist eine wesentliche Aufgabe.

Ich hoffe, es gibt dauerndes Glück in der Liebe.

Umgeben Sein, lieben und geben. Das ist Liebesglück.

Magdalena Mikesch, Schauspielerin

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch:

Magdalena Mikesch _ Schauspielerin _Wien.

Schauspielerin | Magdalena Mikesch (magdalena-mikesch.at)

„Ich bin kein Fan von halben Sachen“ Magdalena Mikesch, Schauspielerin_Wien 11.1.2021 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Station bei Ingeborg Bachmann- alle Fotos/Interview_Walter Pobaschnig _ Hotel Regina_Wien_3_2021

Walter Pobaschnig _ 5_2021

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„Kunst hat das Potential aufzurütteln“ Doris Uhlich, Choreografin_ Wien 5.5.2021

Liebe Doris, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag hat einen anderen Ablauf. Heute war Aufstehen, Telefonate führen, Mails schreiben und beantworten, Mittagessen kochen, Radiointerview aufnehmen, Telefonate führen, Mails schreiben und beantworten, Spazieren Gehen, meine Mutter besuchen, Abendessen, Schlafen gehen.

Doris Uhlich, Choreografin, Performerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Ich kann die Frage nicht beantworten. Es gibt nichts, was für alle gleich besonders wichtig ist. Was ich sagen kann – Gesundheit ist wohl am ehesten, was ich auf diese Frage antworten kann.

Doris Uhlich_Habitat

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanztheater, der Kunst an sich zu? 

Ich bin noch so verstrickt in die Dystopie der Gegenwart, dass Projektionen in die Zukunft sich verbergen. Was ich sagen kann – die Rolle der Kunst war, ist und soll bleiben Kunst zu sein. Kunst hat keinen Auftrag, aber sie hat das Potential aufzurütteln. Ich kann von meiner tänzerischen Pädagogik mehr erahnen – hier ist meine Vision, dass körperliche Einschreibungen wie Abstand halten hoffentlich wieder umgeschrieben werden können durch den Tanz. Wesentlich für alle Schritte in Richtung Leichtigkeit ist zunächst, dass wir die Impfung bekommen und keine Mutationen entstehen, die die Pandemie in die Länge ziehen und zu einem unzähmbaren Monster erwachsen lassen. Daher her mit den Nadeln!

Doris Uhlich_Habitat _ Pandemic Version

Was liest Du derzeit?

Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten…. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben? 

A body is a brain boom tschak. (Doris Uhlich)

Vielen Dank für das Interview liebe Doris, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Performanceprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Doris Uhlich, Choreografin, Performerin

Doris Uhlich

Fotos_1 Katarina Soskic; 2 Theresa Rauter; 3 Alexi Pelekanos

11.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Dive“ Duncan Hannah. Tagebuch der Siebziger. Rowohlt Verlag

Es ist eine Reise, die jetzt beginnt. Er ist siebzehn. Alles ist in Bewegung. Innen und Außen. Ein neues Jahrzehnt beginnt. Die 1970er. Ein Aufbruch in ein Leben und eine Epoche…

Ein Tagebuch begleitet den Teenager jetzt. Das Bewusstsein soll Ausdruck finden. Das Erlebte dokumentieren und erinnern. Der Weg nach New York. Jeder Tag, jede Nacht voll Kunst und Leben…

Konzerte. Treffpunkte mit Musikgrößen der Zeit wie David Bowie oder Poeten wie Allen Ginsberg. Die Nächte sind ohne Ende. Und der nächste Tag öffnet wieder den Kosmos neuer Welten und Sterne am Boulevard of Dreams

Der us-amerikanische Künstler, Duncan Hannah, legt mit „Dive“ ein künstlerisches Memorial wie faszinierendes Zeitdokument vor, welches in dieser Form einzigartig ist. Sein Tagebuch ist einerseits die unmittelbare Teilhabe am Geschehen der Zeit wie auch die sprachliche Gabe der Beschreibung und Verdichtung des persönlich Erlebten. So ist das Zeitgefühl ganz unmittelbar zu spüren und Leserin und Leser sitzen gleichsam im Led Zeppelin Konzert oder tanzen in der Disco im saturdaynight fever bis in den Morgen.

Beeindruckend ist auch das uneitle Erzählen und Berichten, das immer Ereignis und künstlerische Bühnen- und Strahlkraft in den Mittelpunkt stellt und so äußert lebendig und facettenreich Bilder der Zeit malt und staunen lässt.

„Ein Zeitdokument als Hochschaubahn eines Lebens zwischen Kunst und Begegnung in einer bahnbrechenden Epoche“

Walter Pobaschnig 4_21

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„Es ist besser zu wissen wer man mit anderen ist“ Christoph Kleinhubbert, Schriftsteller_ Emscherdelta/D 5.5.2021

Lieber Christoph, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche die gewohnte Tagesstruktur beizubehalten. Aufstehen, Brotjob, Erledigung der alltäglichen Dinge, den Rest des Tages teile ich zwischen Familie und Schreiben auf. Allerdings hat jeder Tag diesen unsäglichen C-19-Begleiter. Wir versuchen gesund zu bleiben. Diese Pest nervt, wir versuchen uns so viel Normalität wie möglich zu bewahren.

Christoph Kleinhubbert, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchhalten, gesund bleiben, Normalität bewahren aber auch kritisch sein und nicht jede Nachricht bedenkenlos konsumieren. Wo wir gerade stehen, wissen wir nicht. Vielleicht ist der Wahnsinn hier bald überstanden, vielleicht stehen wir aber auch gerade erst am Anfang einer Katastrophe, die wir uns heute noch nicht vorstellen können.

Letztes Jahr habe ich im Dezember das Gedicht „Austernzeit“ geschrieben, das ich als analogen Weihnachtsgruß an befreundete Autorinnen und Autoren und Verleger verschickt habe. Der Text hat für mich in den letzten Monaten sehr an Bedeutung gewonnen. Er gibt eine zusammenfassende Antwort auf die Frage, was mir besonders wichtig ist.

Austernzeit

Es sei notwendig sich zurückzuziehen sich zu

Verschließen in einen finstereren raumlosen Ort

Dort abzuwarten in berührungsloser Kälte

Es ist ein Haus kein Zuhause Nur Träume Das ist zu wenig

Kostbar sind die Erinnerungen an das schöne Leben

Doch im Finstern eingeschlossen sind sie nichts wert

Es ist gut zu verstehen wer man ist

Es ist besser zu wissen wer man mit anderen ist

Die Zeit der Umarmungen ist nicht vorbei

Willst du das Licht sehen stell dich ans Fenster

Soll dein Herz weiter schlagen musst du furchtlos sein

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es ist nicht mehr eine Frage „was wir machen wenn die Corona-Pest vorbei ist“ – Ich glaube sie wird nicht zu besiegen sein – wir müssen uns anpassen und langfristige, tragfähige Strategien entwickeln, die uns helfen zu überleben. Wir müssen weitere Pandemien verhindern und wir müssen uns um den Klimawandel kümmern … und das dringendst … und jeder hat eine eigene Nase, an die er sich jetzt fassen kann. Literatur / Kunst kann und darf einfach auch mal nur unterhaltsam sein, da ist nichts dran verkehrt. Literatur/ Kunst muss aber auch den gesalzenen Finger in Wunden legen dürfen. Sie muss und darf kritisch, respektlos und widerspenstig sein. Eine freie Literatur, eine kraftvolle Kunst ist einer der wichtigsten Stützpfeiler der Demokratie. Und sie ist auch Motor des Fortschritts. Der Mensch muss sich weiterentwickeln, wenn er fortbestehen will. Ich finde es anrührend und faszinierend wie der Mensch vor rd. vierzigtausend Jahren die Kunst erfunden hat (siehe Höhlenmalerei in den Höhlen von Almatira oder Chauvet-Pont-D’Arc) und damit quasi das Denken und die Kommunikation in die Welt kam. Es liegt an uns. Ich glaube, wir haben es noch in der Hand.     

Was liest Du derzeit?

The Ontological Constant von Mark A. Murphy. Das ist ein Gedichtband, der in Englisch / Deutsch bei Moloko Print erschienen ist.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Alles geschieht langsam, beinahe gemächlich, und irgendwo weitab schlägt leise ein Herz. Ich begreife, dass es mein eigenes ist mit seinen letzten Schlägen auf dem Weg ins Tal.“

Das Zitat stammt aus dem Buch „Das Gesicht in der Tiefe der Strasse“ von Wolfgang Hermann, Otto Müller Verlag, S. 92

Vielen Dank!

Vielen Dank für das Interview lieber Christoph, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Ich danke dir Walter.

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christoph Kleinhubbert, Schriftsteller

https://www.nordpark-verlag.de/Kleinhubbert-alles-auf-einmal-gedichte.html

Foto_privat.

6.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kreativität ist heilsam, und es ist schön, wenn Menschen ihre Form und ihren Zugang dazu finden“ Tina Haller, Schauspielerin_Wien 4.5.2021

Liebe Tina, wie sieht jetzt mein Tagesablauf aus?

Der Tagesablauf, je nachdem, ob ich Termine oder Freizeit habe, variiert, aber ein Fixpunkt ist das Schreiben, Kaffee, sind immer noch Zigaretten,  die Innenschau und in irgendeiner Form die Kommunikation mit meinen Herzensmenschen.

Tina Haller, Schauspielerin, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Diese Frage empfinde ich schwer zu beantworten, da es für mich keine allgemein gültige Antwort darauf gibt.

„wichtig“ ist subjektiv

Für mich ist es wichtig,  nach innen zu schauen, zu fühlen, zu reflektieren, die eigenen Schatten zu beleuchten,  in allem eine Wachstumsmöglichkeit zu sehen, zu vertrauen, einen liebevollen,  wertschätzenden Umgang mit sich und anderen zu leben, der auf Mitgefühl, einem Miteinander,  Harmonie, Humor, Selbstironie, Bewusstsein, Teilen, Schenken, offenem Herz und Unterstützung basiert.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Zum Einen meine ich, Kreativität ist heilsam, und es ist schön, wenn Menschen ihre Form und ihren Zugang dazu finden.

Kunst, egal in welcher Weise, im Kleinen oder Großen, für sich oder für die Allgemeinheit bietet Raum, Geschehnisse zu betrachten, aufzuzeigen, zu reflektieren, zu verarbeiten.

Kreativität und Kunst bezieht sich, zum Anderen, für mich nicht nur auf die Branche, sondern auf das Leben. Leute, die trotz Nöten, Schicksalsschlägen und Traumata jeglicher Form, eine Hoffnung und Liebe im Herzen tragen, sind für mich Künstler. Leute, die ein Licht in diese Welt bringen sind für mich Herzenskünstler. Leute, die sich reflektieren, sich Fehler eingestehen, die Verantwortung für ihre Taten und Handlungen übernehmen, sind Mitschreiber einer Weltgeschichte und somit tragen sie zur Kunst bei.

Leben ist Kunst. Das Leben ist Theater. Spektakel und Debakel. All das wird immer lebendig bleiben Jedes Individuum trägt zum Schauspiel des Lebens bei…daher wird es Bühne immer geben. Geschichte wird immer geschrieben, vielleicht eine liebevollere.

Und abgesehen davon bin ich für das bedingungslose Grundeinkommen. Jeder ist wichtig, und etwas zu erhalten, ohne darum betteln zu müssen, steht einem zu und das allein schafft schon andere Energien. Es würde vielleicht vielen Menschen ermöglichen, in Ruhe herauszufinden,  was sie von Innen heraus beflügelt und so ein inneres Gefühl kann Positives nach Außen strahlen.

Was liest du derzeit?

Mein Bruder schickt mir oft Texte oder Videos von Dichtern und Philosophen

„Vater Unser“  von Angela  Lehner

Außerdem lese ich viel über diverse Therapieformen und die Polyvagaltheorie

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

„Geduld

werd ich dich nennen

bis du von selbst anklopfst

um dich mir vorzustellen“

von Anitrellah 😉

Tina Haller, Schauspielerin, Künstlerin

Vielen Dank für das Interview liebe Tina, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tina Haller, Schauspielerin, Künstlerin

Tina Haller | Künstlerin

Fotos_1 Julia Wessely; 2 Jeremy Spieß.

4.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Nachrichten aus Mittelerde“ J.R.R.Tolkien, mit Illustrationen von Alan Lee, John Howe und Ted Nasmith. Klett-Cotta Verlag.

Es ist ein Jahrhundertwerk, das der britische Autor und Universitätsprofessor J.R.R.Tolkien (1892 – 1973) mit seinem Epos „Der Herr der Ringe“ geschaffen hat. Bis heute ist es in vielerlei Hinsicht bahnbrechend und begeistert Leserinnen und Leser wie inspiriert KünstlerInnen verschiedenster Genres. Die Verfilmung der Romantriologie von Peter Jackson zu Beginn dieses Jahrtausends hat dabei neue vielfältige Impulse geliefert und auch viele weitere spannende Zugänge ermöglicht, die sich vom Text ausgehend Tolkiens Werk nähern.

Die vorliegende bibliophile Neuausgabe „Nachrichten aus Mittelerde“ ist nun Ausdruck dieser Inspirationsreise zu Tolkiens imaginierter „Mittelerde“ und deren wunderbaren Orten, mutigen wie schreckenserregenden Wesen und den Wegen durch und mit diesen in Abenteuer und Erlebnis.

Der Text selbst ist eine Nachlassveröffentlichung von Mitte der 1970er Jahre, welche der Sohn des Autors, Christopher Tolkien, ermöglicht hat. In einem ausführlichen Vorwort geht dieser auf den Prozess der Zusammenstellung der Texte wie auf persönliche Beweggründe ein. Inhaltlich öffnet sich dann die unglaublich weite wie liebevolle Textwelt Tolkiens in vielen neuen Zugängen, die Fans wie Interessierte begeistern. Zusammenhänge werden sichtbar und lassen staunen, die spannenden Erzählungen sind aber auch für sich ein Lesegeschenk, ohne Vorkenntnisse und Detailwissen.

Großformatige Texttafeln, das Wort Gemälde würde hier zu Recht passen, welche die Künstler Lee, Howe und Nasmith auch im Zuge der Filmkonzeptionen erarbeitet und weiterentwickelt haben, illustrieren und machen diesen Textband zu einem besonderen bibliophilen Geschenk. Die Ausdruck- und Strahlkraft dieser Darstellungen ist einzigartig.

„Eine wunderbare Reise in Wort und Bild in die phantastische Welt Tolkiens  – ein künstlerischer Genuss der Sonderklasse“

Walter Pobaschnig 5_21

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