„Gedanken aus Ginster, wispernder Störenfried von Gethsemane“ Gundula Schiffer, Schriftstellerin_ Give Peace A Chance _ Köln 17.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gedanken aus Ginster, wispernder Störenfried von Gethsemane

Irrgänger in den Dachsparren meines durchwühlten Stübchens

Vögel scharren im Rollladenkasten all di yorn ihr unsicheres Nest

Ein Fest-Sitzen gegen den Fluchinstinkt, meine gemästeten Hände

P assanten sind mir zur Spucke worden und die Poesie pudert sich

Ein Totengräbergesicht, stumm, fletscht die Lefzen, zuckt zuletzt

Als ich lerne, Ukrainisch: heißt „Grenze“ ihr kämpfendes Segment

Chasaren galoppieren über den Tisch, ist unzerstörbar der Kusari

Ein Backwerk das keine Kornkammer kennt wer hat Angst vor

Apologie die ein Vertrag(en) ist gegen Frühlingsopfer – Le sacre!

Chöre schicken ein Kreischen, capisce? Selbst unter Kirschblüten

Herrscht Krieg. Blut zum Zeichen – wer überspringt mein Odessa?

Arbiträr sagt Herr Saussure was für mich schützend klingt: Mariupol

Nach Maria, Metropolis, starke Kraft, Mitternacht, das Komplet, die

Chemie stimmt hier nicht, dies Waffen-Eisen zischt: ein Kurzschluss

Eile, zeig ihnen deine Papiere, Jehuda, das Längerfristige, Liebster!

Gundula Schiffer, 5.8.2022

Gundula Schiffer_Dichterin, Übersetzerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Gundula Schiffer, Dichterin, Übersetzerin

www.gundula-schiffer.de

Foto_Simone Scharbert

Walter Pobaschnig _ 5.8.2022.

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„Macht den Preis zu was Neuem“ Mara Genschel, Schriftstellerin _ 46. Bachmannpreis_Rückblickinterview _ Klagenfurt 17.8.2022

Mara Genschel, Schriftstellerin _ Berlin
_ Bachmannpreisteilnehmerin 2022

Liebe Mara, wie sieht Dein Rückblick auf die Literaturtage in Klagenfurt 2022 aus?

Das ist eine riesige Bühne.

Die Aufmerksamkeit, die man dort hat, steht in keinem Verhältnis zur sonstigen Arbeit, jedenfalls nicht in der unabhängigen Literaturszene, was übrigens schade ist. Ich wollte das genießen, damit spielen, es ausreizen. Wirklich als Erweiterung meines Arbeitsfeldes: wie kann ich mich performativ da einklinken, welche Bilder will ich erzeugen. Ich habe mir von Anfang an gesagt, dass ein Erfolg nicht zwingend an eine Auszeichnung gekoppelt sein wird.

Was war für Dich erwartet was überraschend?

Im Kontext des Bachmannpreises kursieren bekanntlich jede Menge Rituale und
Gepflogenheiten, die dort auch sorgfältig am Leben gehalten werden. Ich sehe das als
Teil meiner Arbeit, gerade auch in ihrem performativen Aspekt: ein bestimmtes
ritualisiertes Verhalten aufzuklappen, zu spiegeln, zu vergrößern. Und zwar sowohl im
Text selbst, als auch in meinem öffentlichen Verhalten als Autorin.

Was meinen Auftritt betrifft, war klar: die einen werden vor den Kopf gestoßen sein, den
anderen geht es nicht weit genug. Sobald ein Vorgehen von der Norm abweicht, werden
die Referenzen gern chaotisch und irgendwie gigantoman, gerade von konservativer
Seite. Nach dem Motto „dann hätte sie wenigstens das Studio in die Luft jagen müssen“.

Dass es viele im Publikum gefeiert haben, führte wiederum schnell zum Kleinkunstvergleich. Wenn das die Definition von Kleinkunst ist, dass Leute lachen und angeregt sind, dann mache ich gern Kleinkunst.


Grundsätzlich habe ich geschaut, wie ich mich „unregelmäßig“ verhalten kann. Ich bin
nicht beim traditionellen Empfang des Bürgermeisters (vorm. FPÖ) gewesen, weil ich
denke, dass es absurd wäre, meine Präsenz in den Dienst so einer Politik zu stellen.
Vermutlich ist diese reine Abwesenheit kaum jemandem aufgefallen. So etwas müsste
konzertierter, geschlossener inszeniert werden, damit es als Zeichen gelesen werden
kann. So war es eher eine private Entscheidung, die sicher auch andere schon getroffen
haben. Elias Hirschl war zum Beispiel auch nicht dort.

Sehr stark fand ich wiederum, dass wir Teilnehmenden es am Ende, bis kurz vor der
Verleihung fast geschafft hätten, alle Preise geschlossen unter uns aufzuteilen. Es
fehlten letztlich nur zwei Stimmen. Das hat mich vielleicht am meisten überrascht, wie
zugewandt und solidarisch die Stimmung bei allen, gerade auch den sogenannten
„Favoriten“ war. Man merkt, dass es inzwischen einfach andere Fragen im
Selbstverständnis von Schriftsteller*innen gibt, die eben nicht nur die individuelle
Karriere betreffen.


Wie beurteilst Du das diesjährige erstmalige Setting der Zweiteilung in Lesebühne
und der Jury im Studio?


Als ich davon erfahren habe, hab ich schon erstmal geflucht, weil mich gerade das
typische Bachmannpreissetting am meisten interessiert hatte: in einer Situation zu
lesen, die komplett künstlich ist, einem Studio, und eben NICHT auf der klassischen
Lesebühne.

Davon abgesehen war die Bühne im Garten dann natürlich ein wundervolles Fernseh-Klischee. Im Grunde doppelt künstlich, das hat mir wieder gefallen. Die Jury war dort allerdings sehr ausgeblendet und eigentlich hätte ich gerne mehr Kontakt zur Jury gehabt, auch spielerisch. Ich habe später ja auch versucht, mich ins Gespräch einzuklinken. Ich fürchte, durch die zusätzliche, interne Übertragung hatte das leider was Schwerfälliges. Das denke ich jetzt auch, wenn ich an Philipp Tingler denke. Ich würde mich gern mit ihm besaufen und über seinen Performancebegriff diskutieren.

Welche Inspirationen nimmst Du für Deine Literaturprojekte mit?

Inspiration weniger, vor allem Erfahrung – die Arbeit mit „dem Fernsehen“, auch schon
im Vorhinein mit dem ZDF für das Portraitvideo. Die Arbeitsteilung, die Zuständigkeiten
und die Abläufe, auch in dieser Dimension des Literaturbetriebs. Das war für mich alles
total neu und aufschlussreich.

Was möchtest Du kommenden Teilnehmer:innen mitgeben?

Verbündet euch. Macht den Preis zu was Neuem.

Liebe Mara, herzlichen Dank für Dein Interview und Deine Fotoimpressionen, viel Freude und Erfolg weiterhin!

Bachmannpreis 2022_im Rückblickinterview:

Mara Genschel, Schriftstellerin_Berlin _ Bachmannpreisteilnehmerin 2022

https://hoeherevasen.wordpress.com/

46.Bachmannpreis _ Tage der deutschsprachigen Literatur _ Klagenfurt 22. – 26.6.2022

Alle Fotos/Farbe_Mara Genschel; ORF Garten Lesebühne _Walter Pobaschnig

Interview _Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig 8_22

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„Ich möchte im Theater Thesen, Antithesen und Hypothesen.“ Okan Cömert, Schauspieler _ Wien 16.8.2022

Lieber Okan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen. Duschen. Frühstücken. Text ackern. Proben. Kochen. Text ackern.

Proben. Duschen. N Bierchen zwitschern. Mit meiner Frau telefonieren. Ein paar Folgen Modern Family anschauen. Schlafen

Okan Cömert, Schauspieler 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sparen…

Kommt ganz auf die Priorisierung an. Allgemein gesprochen: Hungersnot beenden, die knapp 20-30 existierenden Kriege bzw Konflikte beenden, die Klimakatastrophe aufhalten, postkoloniale Strukturen brechen. Rassismus und Sexismus bekämpfen und und und. Es gibt eine Reihe von ganz besonders wichtigen Dingen. Ganz sicher den Kopf nicht in den Sand stecken. Lösungsorientiert bleiben, im eigenen Kosmos und auch darüber hinaus, wohin der eigene Radius halt ausreicht. Auch wenn vieles in eine sehr dunkle Richtung zu gehen scheint, gibt es viele Fortschritte in der Welt in unterschiedlichsten Bereichen. Wer hätte sich vor 20 Jahren vorstellen können, dass Drucker entwickelt werden, die lebendes Gewebe herstellen können…

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Das ist eine sehr schwierige Frage…

Also ganz abgesehen von den zeitgeistlichen Themen wäre es sehr wünschenswert, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, im Theater auf eine Live-Kamera, die Videos auf einer Leinwand projiziert, um wettbewerbsfähig mit Film und Fernsehen sein zu können oder dadurch bemüht ist eine Unmittelbarkeit zu erzeugen, zu verzichten. Oftmals ist es linear und einfallslos.

Das bereits existierende Misstrauen gegeneinander und die soziale Verdrossenheit wuchsen während der Pandemie gegenüber allem. Gegenüber der Politik, der Begegnung von Menschen. Die körperliche Angst vor einer Infektion führte zu einer sozialen Entfremdung.

Ja bescheuert, wenn man die ganze Zeit über „social distance“ spricht.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die eine Psychotherapie brauchen, ist horrend angestiegen.

Klimawandel. Wirtschaftskrise. Echo Chamber. Jeder Mensch im Internet ist nur noch ein berechenbares lukratives Objekt. Inflation. Geostrategische Machterweiterung sind wieder total in.

Und das ist ja nur ein kleiner Teil von all dem, was passiert. Und auch sehr beeinflusst von den öffentlichen Medien. Es gibt so viel zu erzählen. Und viele Dinge wiederholen sich, als würden wir nur sehr wenig von der Geschichte lernen. Aber das ist ja auch nicht zur Gänze war. Natürlich nicht. Das Theater sollte nicht genauso wie ich jetzt fast durchgängig mit einer Problemübersicht beschäftigt sein, sondern auch Möglichkeiten, Optionen, Wünsche, Träume und optimistische Zukunftsaussichten schaffen. Beides ist die Aufgabe des Theaters. Ich möchte im Theater Thesen, Antithesen und Hypothesen. Weg von Verallgemeinerungen, hin zu komplexeren Zusammenhängen. Mehr Perspektiven.

Ein sehr geschätzter Schauspielkollege, Günter Gräfenberg hat mir von 5 Dingen erzählt, die einem Menschen ein langes Leben schenken sollen:

Neugier. Dankbarkeit. Optmismus. Humor. Enthusiasmus. Und genau das braucht das Theater auch und wird es immer brauchen.

Was liest Du derzeit?

Zum erneuten Male habe ich begonnen das Silmarillion von J.R.R. Tolkien zu lesen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Einsicht eines Menschen leiht ihre Flügel keinem anderen“

Khalil Gibran

Vielen Dank für das Interview lieber Okan, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Okan Cömert, Schauspieler 

Fotos_Marco Riebler

5.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gründe, um einen Krieg anzuzetteln, gibt es scheinbar viele“ Silke Tobeler, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _Hamburg 16.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gründe, um einen Krieg anzuzetteln, gibt es scheinbar viele

Immer hat einer irgendwann irgendetwas

Verlangt oder gesagt, was der andere nicht (mehr?) hinnehmen mag –

Eine Bagatellisierung?

Prüfen wir doch die Kriege, die andere vom Anzetteln bis zum Sieg oder Niederlage erlebten, ich zum Glück nicht.

Erich Kästner schrieb nach dem Zweiten Weltkrieg das Gedicht

Als der nächste Krieg begann – über den

(Bes)Chluss

Einfach Nein zu sagen. Ist das naiv?

Anfangen mit dem Pazifismus, hätten wir alle viel früher müssen.

Chronische Vergesslichkeit scheint eine Weltkrankheit zu sein.

Hatte Karl Kraus nicht vor hundert Jahren vorm Ende der Menschheit gewarnt?

Anzunehmen, dass Waffen Frieden schaffen, erscheint mir

Naiv. Aber wer bin

iCh, um darüber

Ein Urteil fällen zu können?


Silke Tobeler, 9.8.2022

Silke Tobeler, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Silke Tobeler, Schriftstellerin, Kunstbloggerin

WILLKOMMEN

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 9.8.2022.

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„Der Kreis des Weberknechts“ Ana Marwan. Roman. Otto Müller Verlag

Ana Marwan, Bachmannpreisträgerin 2022 _ Im Interview _
Station bei Malina_Wien_Walter Pobaschnig _

Pressebüro Evangelische Kirche _ Foto: Marco Uschmann,

Jetzt sitzt er im Flugzeug. Am Weg zu einem Begräbnis. Und denkt dabei auch an das eigene und aller an Bord, denkt an den Absturz, den Tod. Wie wohl alle einmal in der Luft, beim Start, der Landung.

In der Berichterstattung darüber wäre er ein Teil der Gesamtsumme der Toten. 224. Mehr wohl nicht. Aber immerhin. „…Man hat oft genug das Pech alleine zu sterben.“ Aus diesen Gedanken und lebend wieder am Boden angekommen, geht es zum Friedhof. Zum Tod und doch ins Leben hinein. Zu Kontakten mit Menschen, die es sonst nicht gibt für ihn. Denn er hat als Lebensform das Alleinsein gewählt und das ist Glück für ihn, „eine Art Einsamkeit, die er vollkommen nannte.“

Gerda weint. Und jetzt brechen Leben, Leiden, Schuld, Gewissen vor ihm auf. Wie ein Absturz. Doch er denkt nach, kein Mitleid, geht weiter. Und dann Mathilde an der Zugstation. Die 8 und die 9. Hausnummern. Nachbarschaft. Ein Gespräch, und Netze beginnen sich zu spinnen. Fein, fest, ohne Ziel…

„Wir sehen uns bestimmt wieder.“

Ein Weg, ein Flug beginnt für ihn und er weiß nicht wohin seine Gedanken, seine Einsamkeit und die Welt herum führen werden…

Ana Marwan, Bachmannpreisträgerin 2022, begeistert in ihrem Debütroman mit einem Sprachzauber, der vom ersten Satz an in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Hier kommt jedes Wort, jeder Satz aus dem pochenden literarischen Herz der Möglichkeiten von Form und Inhalt modernen Erzählens und Ana Marwan greift nach diesen selbstbewusst und genial. Da sind Überraschung, Spannung, Humor, ganz feine Ironie und immer wieder vieldeutige Textimpulse, die Sinn und Unsinn von Mensch und Welt auf den Punkt bringen und wieder in die Luft werfen.

Es ist eine spielerische Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, die Ana Marwans Sprache auszeichnet und einzigartig macht. Ein sensationelles Romandebüt, das modernes Erzählen neu definiert!

„Der Kreis des Weberknechts“ Ana Marwan. Roman. Otto Müller Verlag

Interview_Ana Marwan 7_2022

Literatur – Bachmannpreis

Walter Pobaschnig 7_22

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„Meine Generation blickt ganz anders auf die Welt – weil sie muss“ Fritzi Wartenberg, Theaterregisseurin _ Berlin _ 15.8.2022

Liebe Fritzi, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mich erwartet ab der Spielzeit 22/23 eine einjährige Residency am Berliner Ensemble. Was das Wort „Residency“ für meinen Tagesablauf bedeuten wird, ist mir momentan selber noch ein Rätsel. Ich denke, dass es bei einer künstlerischen Residenz vor allem darum geht, sich seine eigene Routine zu erschaffen – die Suche danach, was für einen selbst funktioniert und in den kreativen Flow versetzt. Mit ein bisschen Glück und der Hilfe meines tollen Teams erforsche ich in diesem Jahr theatrale Methoden, die ich auch zukünftig in meinen Arbeitsprozess integrieren werde. Ich freue mich riesig über diese Chance!

Fritzi Wartenberg, Theaterregisseurin, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Puh. Ich denke, was „ für uns alle wichtig ist“, kann kein Mensch auf der Welt beantworten. Dann wären sich ja alle einig! Das wäre zwar schön, aber auch ein bisschen langweilig. Ich finde spannend, dass unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Dinge wichtig sind. Das ist doch auch der Treibstoff des Theaters: Wo Reibung ist, entsteht Wärme. Da kann sich etwas entwickeln.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Unsere (westliche) Gesellschaft hat in mehrerlei Hinsicht ihren Zenit erreicht; vor allem wirtschaftlich und ökologisch. Als meine Eltern so alt waren wie ich jetzt, ging es darum, die hässliche Nachkriegszeit so gut wie möglich von sich abzuschütteln, um frei, reich und am Besten braungebrannt zu sein. Damals schien alles möglich, denn die Welt befand sich für sie in einem ständigen Aufschwung. Das hat sich radikal geändert. Meine Generation blickt ganz anders auf die Welt — weil sie muss. Für uns ist die Zukunft nicht mehr ewig, sondern ein kostbares Gut, das es zu beschützen gilt. Das Theater muss nun nachziehen und sich trauen, diesen Wandel im Wertesystem nicht als Bedrohung wahrzunehmen, sondern als Chance. Erst wenn wir diese Ignoranz hinter uns lassen und der Welt und ihren Missständen ins Auge blicken, können wir neue Zugänge finden, die das Theater in seine volle Kraft zurückholen.

Was liest Du derzeit?
Sexuelle Revolution von Laurie Penny. Gutes Buch – sehr zu Empfehlen! (Nur vielleicht keine passende Einstiegslektüre für diejenigen, die sich noch nicht mit Feminismus befasst haben. Bitte gerne nachholen.)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„We’re sick, you know that? We’re sick to the back-fucking teeth of hearing from
old men, with flaky skin, at weddings, patting the back of your hand gently as
they explain what they consider to be the truths of the world, like I share the
same truths, like his truth and my truth are anywhere near the fucking same
when it’s you that gets to make the world and me that’s got to live in it.“

Aus „The Writer“ von Ella Hickson. Premiere 19.11.2022 im Berliner Ensemble.
Regie: le moi. Karten kaufen, kommen, gucken!

Fritzi Wartenberg, Theaterregisseurin, Autorin

Vielen Dank für das Interview liebe Fritzi, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Fritzi Wartenberg, Theaterregisseurin, Autorin

Fotos_Anna Breit

13.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gluthitze hält mich wach“ Ingrid Walter, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Offenbach am Main/Sizilien 15.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gluthitze hält mich wach

In den Nächten dieses Sommers

Viele Fragen fahren Karussell in meinem Kopf

Erde, wie fühlst du dich?

Platzt dir nicht bald der Kragen?

Erleben wir gerade das Ende?

Auf diesem Planeten?

Charkiw ist der schmerzhafte Name

Einer europäischen Stadt

Auf der Landkarte des Ostens

Champions wird es keine geben

Hoffnung verglüht

Am Rande der Verzweiflung

Nehme ich die Angst der Welt wahr

Camouflage ist die neue Hautfarbe

Egozentrik bringt uns keinen Schritt weiter


Ingrid Walter, 7. August 2022

Ingrid Walter, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ingrid Walter, Schriftstellerin und Schreibcoach

Foto_Ilona Herrschaft-Lesnaia

Walter Pobaschnig _ 7.8.2022.

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„Falco war ein Künstler der Sprache und der Rhythmik“ Nicky Gerzabek _ Schauspielerin _ 65.Geburtstag Falco _ Wien 15.8.2022

Nicky Gerzabek _ Schauspielerin/Sängerin _
Station bei Falco  _ Wien _65.Geburtstag Falco, Sänger, Musiker (19.2.1957 Wien +6.2.1988 Dominikanische Republik)

Liebe Nicky, wir sind hier unterwegs auf der Wiedner Hauptstraße im 5.Bezirk Wiens, in dem der Sänger/Musiker Falco (*1957 Wien +1998 Dominikanische Republik) aufgewachsen ist und auch seine so erfolgreiche Musikkarriere begann.

Wohnhaus _ Falco _ Wien

Um die Ecke hier in der Ziegelofengasse ist Falco aufgewachsen in der SVS (Sozialversicherungsanstalt) in der Wiedner Hauptstraße hat Falco eine Zeit lang gearbeitet. Seine Mutter dürfte da die Fäden gezogen haben. Die Musik war aber natürlich im Mittelpunkt seines Lebens.

Cafè Karlsplatz _ Wien

Mit vier Jahren bekam er ja ein Klavier und man stellte ein absolutes Gehör fest. Mit siebzehn Jahren beginnt er E-Gitarre zu spielen, schließlich wird es dann der E-Bass, dann besucht er das Musikkonservatorium, bricht es ab und geht nach Berlin. Kehrt zurück und schreibt hier zu Beginn der 1980er Jahre den „Kommissar“ in der Wohnung in der Ziegelofengasse. Eine Weltkarriere beginnt.

Welche Berührungspunkte gab es von Dir bisher zu Falco?

Das begann in der Kindheit. Ich habe da in der Familie Shows vorbereitet, bei denen die Eltern zusehen mussten (lacht). Da kam schon der eine und andere Falco-Klassiker vor, wie Rock Me Amadeus oder Jeanny. Die mitreißende Musik, der Rhythmus standen dabei im Mittelpunkt und wir haben da fleißig mitgesungen (lacht). Die Qualität der Texte, diese besondere Form und Performance von Wort und Musik bei Falco, wurde mir erst später bewusst.

Falco ist nach wie vor ein Star. Ich interessierte mich auch im Tanz, Schauspiel für Projekte dazu, etwa im Falco-Musical.

Wir sind jetzt hier an der Abzweigung Wiedner Hauptstraße/Ziegelofengasse beim Gebäude der SVS. Du selbst hast auch lange hier im Bezirk gewohnt und betreibst auch ein Tanzstudio hier. Was schätzt Du hier besonders?

Ich liebe den 4. und 5.Bezirk und kann verstehen, dass sich Falco da wohlgefühlt hat (lacht). Es ist ein cooler Bezirk, der nah am Zentrum liegt aber auch eine Art Nachbarschaftskultur pflegt.

Ein Treffpunkt hier ist etwa „Rudis Beisl“ mit ausgezeichneter Wiener Küche und auch vielen Erinnerungsstücken. Falco war bestimmt auch da (lacht).

Hier in diesen Straßen liegen die persönlichen Anfänge des Musikers Falcos, gleichsam im Herzen Wiens.

Du bist auch in Wien geboren und aufgewachsen. Wie war Dein Weg zum Schauspiel und zum Tanz, zur Musik?

Ich habe früh zu tanzen begonnen und mit sechs Jahren dann Ballett Unterricht genommen. Es gab dann eine Pause und dann setzte ich den Weg fort und studierte in Graz an der Musicalakademie und habe dann das Studium in Wien abgeschlossen.

Ich war dann in verschiedensten Theaterproduktionen tätig. Mit den Kindern habe ich dann aus organisatorischen Gründen auch den Film stärker in den Focus gesetzt, da es zeitlich einfacher ist und es auch viel Freiraum für eigene Projekte ermöglicht.

Workshops und ein Aufenthalt in Los Angeles für zwei Monate waren weitere Stationen am Weg, in denen ich auch die Liebe zum Schauspiel neu entdeckte.

Falco hat ja eine Tournee durch die USA abgelehnt, ebenso ein Duett mit Madonna. Was könnten Gründe dafür gewesen sein und wie ist es für Dich als Künstlerin für Projekte aufzubrechen?

Ich würde ein Duett mit Madonna nicht ablehnen (lacht).

Die Gründe dafür liegen bei Falco vermutlich tiefer. Im März 1986 gelang es ihm ja erstmal mit einem deutschsprachigen Song an die Spitze der US Charts zu kommen. Das war ein Höhepunkt für die gesamte deutschsprachige Musik und gelang seitdem nicht mehr. Vielleicht liegen in diesem großen Erfolg auch die Gründe für die Zurückhaltung dann noch weiterzugehen.

Ich selbst sehe mich etwas als eine „Nomadin“ und liebe es aufzubrechen, zu reisen und Neues zu entdecken. Privat wie als Künstlerin. Ich teile dies mit meinem Partner. Natürlich gibt es Strukturen, Vertrautes und Alltag und da auf- und auszubrechen erfordert sehr viel Mut. Das ist wohl in jedem Beruf so.

Wir biegen jetzt in die Ziegelofengasse ein und spazieren zur Wohnung Falcos. Was macht für Dich die Faszination seiner Musik und Persönlichkeit aus?

Falco ist immer seinen Weg gegangen. Es war ihm egal was die Anderen sagen. Das ist in der Kunstbranche sehr beeindruckend, weil es viele Einflüsse von allen Seiten gibt. Aber er hat sich da nicht verbogen und verbiegen lassen.

Er war auch ein Grenzgänger und neben dem Erfolg war auch viel Einsamkeit.

Seine Songs, die selbst geschriebenen und auch die für ihm geschriebenen, sind einzigartig und man spürt das „Schwingen seiner Feder“ in ihnen.

Falco war ein Künstler der Sprache. Auch der Rhythmik. Einen Falco-Song zu singen, ist für jeden professionellen Sänger eine Herausforderung.

Die Sprachmelodik, die spezielle Rhythmik, das Betonen der Wörter, die Gewichtung, die er in Sätze, Strophen legt, das ist sehr beeindruckend.

Tanz ist auch ein künstlerischer Schwerpunkt von Dir. Wie kann man zu Falco Songs tanzen?

Das ist gar nicht so einfach (lacht). Es braucht da schon eine besondere Choreografie, die der Musik gerecht wird.

Man sieht dies ja auch in seinen Video-Clips, da muss alles etwas ausgefallener sein, um zur Musik zu passen.

Wie siehst Du Falco als Tänzer in seinen Video-Clips?

Man kann auch da sagen, dass er sich selbst erfunden hat. Er war nicht jemand, der etwas nachgemacht hätte. Er hat einfach selbst gemacht und meistens kam etwas Großartiges dabei raus. Auch im Tanzschritt, seiner Choreografie.

Du hast heute einen großartigen 80er style zum Fotoshooting/Interview gewählt. Welchen Zugang hast Du zu den 1980er Jahren an sich?

Mir gefällt der Stil der 80er. Ich stöbere auch hin und wieder im Kleiderkasten meiner Mutter. Besonders gefallen mir da etwa die weit geschnittenen Jacken mit Schulterpölstern, die liebe ich sehr.

Der Modestil der 80er war auch sehr androgyn. Die Zeit war sehr mutig und verspielt in allem.

Die Betonung der Weiblichkeit fehlt mir etwas im 80er Stil. Dies heute zu verbinden, finde ich sehr spannend.

Wir nähern uns der Wohnung Falcos.

Ich frage mich gerade, konnte Falco als Topstar eigentlich außer Haus gehen und hier spazieren oder zum nahegelegenen Naschmarkt gehen? Ich bin mir da unsicher, ob Falco so herumgeschlendert ist, wie wir gerade (lacht).

Dieser Verlust von Normalität ist sicherlich eine große Herausforderung und auch Belastung gewesen.

Wie siehst Du die Umstände seines Todes?

Sehr tragisch. Vielleicht liegt die Antwort darauf still in diesen Gassen der Kindheit. Das ist auch gut so.

Als Künstler hätte er bestimmt noch Großartiges geschaffen und seine weiteren Schritte wären sehr spannend gewesen.

Gerne hätte ich auch mit ihm in einem Wiener Cafè geplaudert (lacht).

Wir sind beim Wohnhaus, an dem eine Falco- Gedenktafel angebracht ist, angekommen.

Ich möchte hier wohnen (lacht). Ein wunderbares Alt-Wiener Haus ist es, daneben ein Gasthaus mit Sitzgarten zum Innenhof.

Hier spielte Falco als Kind und später verbrachte er wohl auch viel Zeit mit Projektarbeit hier. Vielleicht schrieb er ja auch hier im sonnigen Hof (lacht)?

Sind Orte für Dich als Künstlerin eine Inspiration?

Orte sind für mich Fluchtpunkte, um abzuschalten.

Generell bin ich ein sehr neugieriger Mensch und liebe es Lebensräume zu erkunden und zu entdecken. Und dieser hier ist ja ein ganz besonderer.

Wir sind jetzt hier im sonnigen Innenhof des Falco-Hauses. Denkst Du jetzt an einen bestimmten Song von Falco?

Ich stelle mir gerade vor, wie es ja auch auf der Gedenktafel vor dem Haus vermerkt ist, dass Falco in seiner Wohnung im ersten Stock sitzt, Polizei rast mit Blaulicht auf der nahen Margarethenstraße vorbei und er schreibt mit Zigarette und Blick aus dem Fenster im beginnenden Abend…“… drah di net um …der Kommissar geht um… …“.

Du bist sehr vielseitig als Künstlerin. Welche Wege gehst Du da?

Es führt bei mir kein Weg an der Kunst vorbei. Ob in der Familie oder meinen Projekten, Kursen, die ich gebe im Studio. Kunst ist da und sie ist es mit einem Lächeln, auch bei den Teilnehmenden (lacht).

Kunst ist bei mir immer mitten im und aus dem Leben.

Wenn Falco jetzt hier in den Hof kommen würde, was würdest Du ihn fragen?

Ah, Du lebst noch? Wo warst Du so lange (lacht)?

Abwesenheit und Anwesenheit sind in einem Leben nicht zu trennen. Was wir geträumt, geliebt, gelebt haben und was auch zerstört hat, ist stumm an Lebensorten zu finden.

Du bist wie Falco in Wien geboren und aufgewachsen? Was bedeutet Dir Wien?

Wien ermöglicht ein wunderbares Stadtleben. Das ist auf der Welt sehr selten.

Nicky Gerzabek _ Schauspielerin/Sängerin _
Station bei Falco  _ Wien _65.Geburtstag Falco, Sänger, Musiker (19.2.1957 Wien +6.2.1988 Dominikanische Republik)

Darf ich Dich abschließend jetzt hier im Gang vor Falcos Wohnung zu einem Falco-Akrostichon bitten?

F ernweh

A symetrie

L ust

C haotisch

O ma (Falco übernahm im Haus die Wohnung seiner Großmutter)

Nicky Gerzabek _ Schauspielerin/Sängerin _
Station bei Falco  _ Wien _65.Geburtstag Falco, Sänger, Musiker (19.2.1957 Wien +6.2.1988 Dominikanische Republik)

Herzlichen Dank, liebe Nicky für diesen wunderbaren gemeinsamen Spaziergang auf den Lebensspuren Falcos in Wien! Schöne Sommertage und alles Gute!

Station bei Falco_

65.Geburtstag_Falco, Sänger, Musiker (19.2.1957 Wien +6.2.1988 Dominikanische Republik) _ im Gespräch und 80thies reenacting Fotoportrait:

Nicky Gerzabek_Schauspielern/Sängerin _ Wien

HOMEPAGE

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Wien 6_22

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Walter Pobaschnig 8_22

„Literatur gibt uns einen unermesslichen Raum“ Dincer Gücyeter, Schriftsteller, Verleger _ Nettetal/D 14.8.2022

Lieber Dincer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Lieber Walter, ich bin erst seit einer Woche wieder hier in Deutschland. Davor die fünf Wochen habe ich mich zurückgezogen und die Zeit mit meiner Familie in Ägäis verbracht. Dort steht auf dem menschenleeren Gebiet das Haus meiner Großeltern, das mir mit seinen Herausforderungen gut tut. Das Wasser ist knapp, der Strom wird immer wieder eingestellt, dann kommen die Öllampe, die Kerzen in Einsatz. Die Natur hat ihre, eine eigene Sprache, Geschichten, wenn man gut zuhört. In der Nacht die Glühwürmchen beobachten, oder ein paar Worte mit dem Hirten tauschen, alte CD´s (meistens Rembetikos) laufen lassen, in der Morgendämmerung einen Spaziergang durch das Dorf machen, das alles hat mir geholfen, nach einer langen Lesereise im Frühjahr wieder meine eigene Stimme zu hören. Jetzt bin ich hier, das neue ELIF-Programm will betreut werden, in kommenden Tagen erscheinen hintereinander zehn Bücher, im September beginnt eine neue Lesereise. Die Kinder haben natürlich auch ihre Wünsche, z.B. heute fahre ich mit meinem Sohn nach Venlo zu C&A, er braucht neue Jeans-Hosen.

Dinçer Güçyeter_Schriftsteller,Verleger _
Peter-Huchel-Preisträger 2022

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich will auf gar keinen Fall romantisches oder sprirituelles Zeug labern. Jeder soll für sich entscheiden, was für ihn wichtig ist. Einen Wunsch hätte ich doch: die Welt wird lauter und lauter, zu schnell wird ein Urteil getroffen, abgestempelt, ausgegrenzt, die Medien machen es sich auch zu einfach, statt einer objektiven Analyse bekommen wir private Meinungen hingeworfen. Es gibt nicht immer eine einzige Perspektive. Dazu kommt, dass wir in diesem Chaos viele schönen Dinge übersehen, die gibt es und sind nicht weit weg. Der Mensch braucht auch eine Inspektion, das darf man nie vergessen. Du kannst nicht alles retten, Verluste gehören zu unserem Alltag.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es ist nichts Neues, die Menschheit steht seit ihrer Existenz vor diesen Herausforderungen. Ich kann mich nie an eine Zeit erinnern, wo es mal der Welt besser ging. Kriege, Ausbeutungen … Vielleicht nicht so nah, aber es gab sie. Die Machtkämpfe zwischen Lobbies, Managern in der Wirtschaft sind wieder ein anderes Kapitel, ich bin gespannt, wo es hinführt, ich habe immer einen bitteren Geschmack im Mund, wenn ich daran denke. Auf der anderen Seite kommt eine junge Generation, die mir Hoffnung schenkt. Die Rolle der Literatur/Kunst will ich auch nicht belasten. Es sind Orte, die uns einen unermesslichen Raum geben, wichtiger ist, wie sensibel wir diese Räume besetzen wollen. Darin liegt sehr viel Kraft, ich hoffe, wir werden es zu schätzen wissen. 

Was liest Du derzeit?

In Ägäis habe ich mir sehr viele Gedichtbände (meistens Debüts) besorgt. Es ist mir wichtig, was die neue Literatur in dieser Geographie erzählen möchte, und ich muss sagen: sehr viel, ich bin begeistert! Seit meiner Ankunft beschäftige ich mich mit zwei Büchern. Das eine ist “Werden sie uns mit Flix-Bus deportieren?“ von Mely Kiyak, ich bin ein grosser Fan ihrer Kolumnen, liebe ihren direkten/humorvollen/hochsensiblen Dialekt.  Den Gedichtband “Mutantengarten“ von Volha Hapeyeva hatte ich schon im Frühjahr gelesen, muss zugeben, in der Hektik war ich kein guter Leser und deshalb lese ich ihre Gedichte nochmal und kann diesen Band (übersetzt von Matthias Göritz, Martina Jakobson und Uljana Wolf) allen empfehlen. Beim Lesen entdeckt/spürt man ganz neue Kräfte …

#Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

in unseren Wunderkammern bergen wir seltsame Dinge … Nancy Hünger

Dinçer Güçyeter wuchs als Sohn eines Kneipers und einer Angestellten auf. Er machte einen Realschulabschluss an einer Abendschule.Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker. Zwischenzeitlich war er als Gastronom tätig. Im Jahr 2012 gründete Güçyeter den ELIF VERLAG. Dieser hat sich Lyrik zum Schwerpunkt gesetzt. Seinen Verlag finanziert Güçyeter bis heute als Gabelstaplerfahrer in Teilzeit. Sein letzter Gedichtband “Mein Prinz, ich bin das Ghetto“ wurde mit dem Peter-Huchel-Preis 2022 ausgezeichnet. 

Vielen Dank für das Interview lieber Dincer, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Dinçer Güçyeter, Schriftsteller, Verleger _ Peter-Huchel-Preisträger 2022

https://elifverlag.de/

Foto_Yavuz Arslan

13.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Geben“ Ganna Gnedkova, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Kyjiw/Wien 14.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Geben

Ich muss

Viel geben – alles, was notwendig ist

Es bleibt bald wenig übrig, doch alle wollen Frieden

Packen, ich muss wenig packen – nur das, was notwendig ist

Essen, ich kann wenig essen – nur das, was notwendig ist

Angst haben – ich hätte gerne wenig, aber ich habe viel davon

Canceln darf ich wenig, würde gerne viel

Es bleibt mir bald nichts anderes übrig, doch alle wollen Frieden

Aber

Chancen muss ich natürlich geben

Hunger muss ich natürlich verhindern

Agonie muss ich – natürlich – unnatürlich korrekt ausdrücken   

Nur kämpfen darf ich kaum, genauso wie

Canceln, doch kapitulieren darf ich jederzeit

Es bleibt bald nicht viel übrig von mir, denn alle wollen Frieden


Ganna Gnedkova, 8.8.2022

­Ganna Gnedkova, Schriftstellerin: Kyjiw, Ukraine / Wien, Österreich

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ganna Gnedkova_Schriftstellerin, Literaturwissenschafterin, Übersetzerin, Journalistin

Foto_Georgii Kravchenko

Walter Pobaschnig _ 8.8.2022.

https://literaturoutdoors.com