
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Blumenleere _ Michael Johann Bauer _Schriftsteller, Projektkünstler_Augsburg
Liebe blumenleere, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
ausschlieszlich indirekte, da ich nie wirklich explizit einen text von ingeborg bachmann gelesen habe bzw. mich nur vage zu erinnern koennen vermeine, vor relativ langer zeit ein wenig in einem geblaettert, ihn dann allerdings eher desinteressiert – er passte wohl nicht zur damaligen lebenslage – ad acta gelegt & hernach auch nie wieder aufgeschlagen zu haben. jedoch inspiriert just dieses interview mich nunmehr dazu, mir gedanken darueber zu machen, warum ich welche buecher welcher autor:innen im laufe meines lebens waehle & warum welche nicht.
gehen wir aber einen schritt weg, von ingeborg bachmann per se, um ihr nicht mutwillig ihr fremde details & charakteristika ueberzustuelpen, & fabulieren wir uns besser eine rein hypothetische, mit ihrem jeweiligen schaffen insoweit verschmolzene persona zusammen, die wir im folgenden phantasmagoria nennen wollen: phantasmagoria, also, eine idolisierte – kanonisierte – entitaet, erfaehrt in den ihr huldigenden kreisen eine phaenomenale verehrung, welche bei kritik an ebenderselben rapide zu in heftigen angriffen kumulierenden abwehrmechanismen muenden kann. gleicherdings dient sie der orientierung wie auch dem ornament respektive gar talisman, von dem man sich erhofft, er moege doch tunlichst die ihm zugeschriebenen eigenschaften auf seine traeger:innen abfaerben. die behauptete profunde kenntnis ihrer angenommenen existenz – kategorisch eine durch persoenliche blickwinkel verzerrte immer hoechstens annaeherung –, egal, ob gezielter bluff oder tatsaechliche eigene ueberzeugung, fungiert als voraussetzung diverser zugaenge & bildet mit die basis, unter ihren zuschreibungen & damit assoziierten verflechtungen anhaengenden akzeptanz & wertschaetzung zu generieren. andererseits soll es durchaus einige geben, die sich uneigennuetzig & wahrhaftig an ihren werken berauschen & daraus verschiedenste arten von ekstasen & inspirationen ziehen – sowie das unermessliche spektrum des dazwischen –: leidenschaft, herausgeboren aus einer konstatierung von groesze – wiederum, zumindest ab dem passieren kritischer schwellen, mit dergleichen widersprechenden ueberstrahlenden effekten.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
was macht das besondere eines schreibens aus, das einem zusagt, das einem nicht zusagt? oszillierend zwischen sympathie & antipathie & sich dann vielleicht fuer eine seite entscheidend, impulse, die auf geeignete naehrboeden fallen & zu darueber hinaus wuchernden manifestationen damit korrespondierender ideen fuehren?
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
solcherlei entzieht sich mir, aus den aufgefuehrten gruenden.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
wahrscheinlich nichts: das, was ich ueber sie via hoerensagen festzustellen meine, skizziert mir jemanden, zu dem & dessen lebenswelten ich keinen maszgeblichen bezug habe; ich glaube: ich haette sie nicht ihres renommees willen aufsuchen & sprechen wollen. waeren wir uns dahingegen irgendwo zufaellig begegnet – des weiteren gesetzt den fall, ueberhaupt einer bereitschaft ihrerseits, mit mir in einen austausch zu gehen, aus prinzipieller wertschaetzung fuer jedweden menschen, schenkte ich ihr gerne mein ohr –, kann ich mir vorstellen, wir haetten vielleicht durchaus anlaesse & themen gefunden, die sich aus dem uns eben zufallen einer begegnung resultierten.
streifte ich derweil unvorhergesehen ihr reales grab, praeferierte ich eindeutig die gepflegte schoenheit gemeinsamen schweigens.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
zurzeit beende ich illustrationen (schwarze tusche mit feinem pinsel auf papier; mein von mir sogenannter stil: kalligraphie des unbewussten) fuer wohin ein wind uns jemals traegt, ein sich in 11 mal 11 gedichten mit je 11 zeilen manifestierendes poetisches system, worin die lesende persona nach jedem einzelnen auf drei wahlmoeglichkeiten & dadurch insgesamt eine interaktive endlosschleife stoeszt, die im dritten quartal 2026 bei killroy media erscheinen darf. ansonsten feile ich ein philosophisches traktat samt zwei erweiterungen aus, einen das prinzip des als ob zum modus operandi unseres soseins erklaeren philosophischen primaertext. & nach wie vor arbeite ich, mit wichtigen, inspiration erzeugenden pausen seit inzwischen ueber sechs jahren an einem monumentalen entscheidungstext.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
ich waehle stattdessen lautreamont, da meine verbundenheit sich hier verwurzelt, aus die gesaenge des maldoror: es ist schön die ruinen der städte zu betrachten, noch schöner aber ist es die ruinen der menschen zu betrachten!
Herzlichen Dank für das Interview!

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Blumenleere _ privat
Walter Pobaschnig, 24.4.2026