Liebe Wendi Gessner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich hab mein ganzes Leben danach ausgerichtet, keine Routinen und vorhersehbaren Tagesabläufe zu haben, davor graut mir. Ich liebe es, mich am Vortag überraschen zu lassen, was wohl für den nächsten Tag im Kalender steht und ich liebe es auch, das Geplante (sofern es nicht die Pläne anderer Menschen durchkreuzt) wieder spontan über den Haufen zu werfen, um ganz was anderes zu machen. Das ist für mich eine Form von Freiheit und Luxus.
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, das Wichtigste im Moment sind Nuancen, Zwischentöne und daraus resultierende Toleranz. Polarisierendes Denken und Fühlen hat in der Geschichte der Menschheit noch nie zu konstruktiven Veränderungen geführt, ganz im Gegenteil. Und doch passiert es grade mehr denn je, weltweit. Umso wichtiger finde ich es, zumindest im kleinen Rahmen nuanciert zu sehen und wenn es uns nicht möglich ist, sie zu sehen, dann das Gegenüber aktiv danach zu fragen, anstatt in der eigenen schwarz/weiß gut/böse Freund/Feind – Wahrnehmung zu verharren.
Beim Reden kommen d´Leit zamm, nicht beim digitalen liken, haten, shitstormen, ghosten und blockieren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, dass jeder Aufbruch, jeder Neubeginn eine riesengroße Chance ist, aktiv mitzugestalten, aus Fehlern zu lernen und alte Muster zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verabschieden. Dabei finde ich es wesentlich, die Verantwortung und die Entscheidungen für Neuerungen nicht abzugeben und zu hoffen, sondern eben selbst aktiv mitzugestalten.
Wenn wir unsere Gesellschaft als Gebäude betrachten, dann ist für mich Musik und Kunst zwar nicht das Fundament, aber der verbindende Mörtel, die Isolation vor Kälte und Lärm, der farbige Anstrich außen und auch die Farbe in den Innenräumen.
Was liest Du derzeit?
„Männer töten“ von Eva Reisinger
„Die Welt der Frauen und Mädchen mit AD(H)S“, erschienen im BELTZ Verlag
„An.schläge“ (Magazin)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Haus aus Ziegelsteinen steht vielleicht stabil da, aber ohne Mörtel, ohne Verputz, ohne Dämmung, ohne Dach und ohne Farbe bleibt es eine seelenlose Ruine.
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Wendi, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Zur Person _ Wendi Gessner aka Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin, sowie Musikvermittlerin im Wiener Haus der Musik.
Unter dem Namen Wende Punkt wurden bereits zwei Studioalben veröffentlicht, nach zwei Jahren Mama-Zeit wird derzeit das dritteAlbum produziert; die daraus hervorgehende Single „Lass los” landete beim diesjährigen FM4 Protestsongcontest auf dem 2. Platz.
Sämtliche Singles, sowie das gesamte Album sind von dieser „one-woman-show“ produziert und behandeln mit Mut, Herzblut und knarzend-elektronischem Industrial-Pop von feministischen, sozialpolitischen und philosophischen Auseinandersetzungen, die in einem emotionalen Zwiespalt aus Krise und Elternschaft entstanden sind. Melancholisch Heiter, pulsierend Fragil und mit einer großen Portion queer-feministischem Revolutionsgeist spielt sich Wende Punkt in Herz, Hirn und unter die Haut: Österreichisch-deutsche Texte zwischen Alltagsphilosophie und Lautmalerei, Lokalkolorit und Wortspiel formulieren unermüdlich Liebeserklärungen an Freiheit, Solidarität, Diversität und Mut. Bestimmt keine leichte Kost, dafür mit Nährwert. Den Finger in der Wunde, das Herz am linken Fleck Ein Wortspiel auf der Zunge findet Schönheit auch im Dreck
Wende Punkt tritt live je nach Veranstaltungsrahmen Solo (Stimme, Klavier), oder mit Band auf.
Links zu bisherigen Veröffentlichungen sowie social media:
Eine Weisheit, eine Weitsicht: Diese Welt? Kleiner Ball im All
Aber dann…
ging’s arg voran
eine Schar führt Krieg um Macht
niemals Ziel, es zu beenden
Sagen dir mit kaltem Lächeln: Menschlichkeit, Gut Nacht
Chancen sinds, wenn alles bricht
Holen wir aus jeder Ritze eine Seele raus
Angst macht taub, spürn uns kaum
Nah am Schock
Chaos schlichten, Raum für Raum
Einsam und Gemeinsam in diese Zeit der Wende
Wendi Gessner, 31.12.2023
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Zur Person _ Wendi Gessner aka Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin, sowie Musikvermittlerin im Wiener Haus der Musik.
Unter dem Namen Wende Punkt wurden bereits zwei Studioalben veröffentlicht, nach zwei Jahren Mama-Zeit wird derzeit das dritteAlbum produziert; die daraus hervorgehende Single „Lass los” landete beim diesjährigen FM4 Protestsongcontest auf dem 2. Platz.
Sämtliche Singles, sowie das gesamte Album sind von dieser „one-woman-show“ produziert und behandeln mit Mut, Herzblut und knarzend-elektronischem Industrial-Pop von feministischen, sozialpolitischen und philosophischen Auseinandersetzungen, die in einem emotionalen Zwiespalt aus Krise und Elternschaft entstanden sind. Melancholisch Heiter, pulsierend Fragil und mit einer großen Portion queer-feministischem Revolutionsgeist spielt sich Wende Punkt in Herz, Hirn und unter die Haut: Österreichisch-deutsche Texte zwischen Alltagsphilosophie und Lautmalerei, Lokalkolorit und Wortspiel formulieren unermüdlich Liebeserklärungen an Freiheit, Solidarität, Diversität und Mut. Bestimmt keine leichte Kost, dafür mit Nährwert. Den Finger in der Wunde, das Herz am linken Fleck Ein Wortspiel auf der Zunge findet Schönheit auch im Dreck
Wende Punkt tritt live je nach Veranstaltungsrahmen Solo (Stimme, Klavier), oder mit Band auf.
Links zu bisherigen Veröffentlichungen sowie social media:
Lieber Emil Kaschka, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
An guten Tagen schaffe ich es von 9 bis 13 Uhr zu schreiben, dann zu kochen, am Nachmittag auf die Filmakademie oder mein Leben über Mails zu organisieren und am Abend ins Theater, Kino oder mit Freund*innen reden, trinken, versinken.
An anderen Tagen komme ich nicht zum Schreiben, werde auf Instagram oder YouTube von Algorithmen gefressen und mache Sachen nicht, weil ich will, sondern muss.
Emil Kaschka, Schriftsteller/Regisseur _ Emil Kaschka gewann 2023 in Wien die 16. Österreichischen Poetry-Slam Meisterschaften
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Konkret sein und nie abstrakt, wenn wir über Krieg sprechen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Theater, Film, Literatur sind Orte an denen wir Geschichten, Perspektiven, Menschen, Erlebtes teilen – also Fitnesscenter für die Empathie.
Theater in Wien verliert sich im Abstrakten, Subtilen, Selbstreferentiellen. Die Schwelle zum Theater muss so niedrig gemacht werden, dass alle Menschen von selbst reinrutschen. Plätze müssen billiger werden, Stoffe und Inszenierungen zugänglicher und vor allem unterhaltsamer! Ansonsten predigen wir vor Bekehrten.
Was liest Du derzeit?
Die Stücke von Felix Mitterer – mit großem Vergnügen!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Das erste Kapitel von Moby Dick. Immer wenn es dem Erzähler Ismael schlecht geht, ihm „nieselnder November in die Seele einzieht“ und er aggressiv wird, dann fahrt er zur See, es ist das Einzige, was ihn beruhigt – in neue Horizonte fahren, sich der Welt nicht zu verschließen, sondern zu öffnen.
Vielen Dank für das Interview, lieber Emil, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Emil Kaschka, Schriftsteller/Regisseur
Zur Person _ Emil Kaschka, geboren 1996 am Land in Tirol. Er studierte Germanistik in Innsbruck, Sevilla und Wien. Nach seinem Romandebüt GRÜNHOLZ (2021) begann er mit einem Drehbuchstudium an der Filmakademie Wien. Letztes Jahr debütiere er mit seinen Theaterstücken SEIT JAKOB (2022) und SCHMELZWASSER (2022).
Für die Entwicklung seines neuen Stückes wurde er mit dem österreichischen Dramatiker:innenstipendium 2023 gefördert. Im selben Jahr drehte er seinen Debüt-Film INS WILDE LAND.
Emil Kaschka gewann 2023 in Wien die 16. Österreichische Poetry-Slam Meisterschaft
Station bei Romy Schneider_ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_
Station bei Romy Schneider_ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Matea Novak, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Wenn ich an Romy Schneider denke, dann vor allem in Verbindung mit dem französischen Film – an ihre hingebungsvolle Art des Spiels, Ausdrucks. Und ich denke an ihre Ehrlichkeit in allem.
Wir sind hier in der Wiener Wohnung der Eltern/Großeltern (väterlicherseits) Romy Schneiders. Welche Eindrücke gibt es für dich von Haus, Wohnung, Garten?
Schon als ich die Wohnung (Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien, väterlichseits, Romy Schneider verbrachte hier die ersten Lebensmonate und kehrte immer wieder zu Besuchen zurück. Die Wohnung wurde von der Familie verkauft und ist heute im Privatbesitz. Anm.) betreten habe, war ihr Geist sehr präsent. Ich habe mich in diese so besondere Aura, den wunderbaren Stil verliebt und bin sehr dankbar diese Erfahrung gemacht zu haben.
Ich schloss die Augen und stellte mir atmosphärisch vor, Romy Schneider ist jetzt da. Genau hier und jetzt. In ihrer Wohnung.
Und ich versuchte so viel wie möglich von „Romy“ an- und aufzunehmen – wie sie in ihren Tag startet in Freude, Sorge aber auch in dieser Unbekümmertheit und mutigen Frechheit, welche für sie so charakteristisch sind.
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
„Swimmingpool“ hat nicht nur ihre Karriere wesentlich beeinflusst, neu gestartet, sondern thematisiert auch spannend das sich verändernde, brüchige Weltbild in Liebe und Leben damals, was ja auch für sie persönlich zutraf.
Nach den „Sissi“ Filmen zeigt Romy Schneider in dem 1969/70 erschienen Film „Swimmingpool“ eine selbstbewusste betonte Weiblichkeit, in Körper und Geist. Sehr ausdrucksstark, mutig und sie weiß genau, was sie tut.
Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Schauspielerin die Darstellerin Romy Schneider?
Für mich ist sie eine Göttin. Eine Frau, die mich inspiriert – so will ich sein. So will ich spielen. Zu 100 Prozent natürlich, authentisch, intensiv und dabei den eigenen Stil nicht verlieren, sondern weiterentwickeln.
Müssen Mensch und Rolle sich immer ganz nah, intensiv berühren, um diese spielen und auch das Publikum berühren zu können?
Es gibt verschiedene Techniken, um eine Rolle zu spielen. Für mich ist es sehr wichtig, mich nicht zu sehr mit der Rolle zu identifizieren, eine gewisse Distanz zu meiner Persönlichkeit zu halten. Ich spiele nicht mich selbst, ich stecke meine Arbeit in eine Rollenpersönlichkeit und kreiere, male gleichsam mit meinen Farben der Sinne, das macht ja die Arbeit einer Schauspielerin aus.
Gibt es Momente in einer Darstellung, in der sich gleichsam die Kontrolle über die Rolle verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?
Im besten Fall ist es nicht so. Ich steige in die Rolle ein und aus. Doch ja, manchmal kommt es vor, dass ich mich verliere und wieder zurück zur Rolle, dem Ausgangspunkt muss. Dann braucht es den Rewind-Knopf.
Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne spielen und wenn ja, welchen und warum?
Das ist schwierig. Romy Schneider hat das damals hervorragend und einzigartig gemacht. Da ist sie Vorbild und Motivation, Anspruch bis heute. Aber diese eine Rolle, die ich unbedingt will, ist in ihren Filmen nicht dabei. Weil einfach die Frauenrollen damals so anders waren.
Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?
Die Aufnahmen mit Helga Kneidl 1973 in Paris.
Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera? Ist sie da Schauspielerin oder Privatperson oder beides?
Sie hat sehr ausdrucksstarke Augen und auch wenn sie glücklich scheint, sehe ich, da liegt noch etwas dahinter. Das ist menschlich und schön.
Vor der Fotokamera ist sie für mich eine selbstbestimmte Frau, die sich zeigen will in ihrer hochkonzentrierten Arbeitsweise.
Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?
Meine Motivation war, dass ich mich endlich mit dieser tollen Frau auseinandersetzen darf. Ich habe schon viel von ihr gehört und gelesen, aber nie so intensiv wie heute.
In meinem Umfeld habe ich gefragt, wie die Erinnerungen zu Romy Schneider sind und habe mir nochmals ihre Interviews angehört. Auch ein paar Filme ausgegraben und mir angesehen, ihren Geist wiederauferweckt, der ja in Wien allerorten weiterlebt.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?
Romy Schneider ist sehr früh und sehr schnell berühmt geworden. Damit gab es auch Festlegungen mit denen sie zeitlebens rang. In Österreich, Deutschland wurde sie als „Sissi“ gesehen und in Frankreich als die Femme Fatale. Paparazzi waren immer um sie und Romy Schneider verkaufte sich medial wunderbar. Es wurde zum tragischen, grausamen Wettlauf. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes, als Fotos des toten Kindes in Zeitungen erschienen, bezog sie klar Stellung und kritisierte dies scharf. Damit setzte vielleicht auch ein breiteres Umdenken ein.
Es ist in jedem Beruf wichtig, seine Familie zu schützen. Ich denke, mit medialer Öffentlichkeit muss man besonders behutsam umgehen und wissen wo und wie man gibt, nimmt und auch davon Abstand gewinnt, vor allem in unserer Zeit, wo social Media zur neuen Dimension von Leben und Präsentation wird.
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?
Romy Schneider war sich immer bewusst, wo sie hinwollte, beruflich und privat. In ihrer ersten, und wohl größten Liebe, Alain Delon verband sich beides, in Schönheit, Intensität und Tragik.
Ich finde es toll, dass sie es gewagt hat, beruflich weiterzugehen. Sich dem modernen Theater, Film zu stellen und diese Herausforderungen anzunehmen.
Romy Schneider sagte 1970, es ist eine Last für sie, dass so wenig gute Frauenrollen angeboten werden. Sie hatte recht. Und wie ist es heute, fünfzig Jahre danach? Die Aussage hat leider immer noch immer ihre Gültigkeit.
Wenn ich als Schauspielerin das Land und damit auch Theater, Film, Kultur wechseln möchte, dann mache ich das aus voller Überzeugung. Für mich ist es sehr wichtig, mir selbst treu zu bleiben und nicht immer der Gage zu folgen. Ich bin ein Mensch, der nicht lange an einem Ort bleiben kann. Ich bin im Sternzeichen Schütze und bin am 3. Dezember geboren, wie Romy’s verstorbener Sohn David. Als Schütze ziehe ich von Ziel zu Ziel, ich spanne den Bogen immer wieder und weiter.
Meine ersten Rollenarbeitsstunden habe ich von einem befreundeten Schauspieler im Raimund Theater Wien erhalten. In den Jahren davor spielte ich an verschiedenen Orten, nicht immer an Theatern. Das waren Locations wie das Semperdepot in Wien oder das Parlament. Der Unterricht mit diversen Künstler:innen war und ist für mich essentiell und dadurch haben sich viele Möglichkeiten ergeben. Man muss im Flow bleiben, dann ergeben sich die Dinge, die zu einem passen.
Wie war Dein Weg zum Schauspiel und welche Erfahrungen hast Du in Wien im Schauspielberuf gemacht?
Mit dreizehn Jahren schrieb mich meine Mutter in einen Jugendtheaterkurs in Wien ein und in der Schule hatte ich Bühnenspiel als Freifach zum regulären Unterricht. Das habe ich sehr gerne und lang gemacht und nach der Schule war es für mich schwierig herauszufinden, wie ich da Fuß fasse könnte in diesem Beruf. Einen wirklichen Leitfaden gibt es ja da nicht. Ich habe mir selbst einen Weg gebaut und der gefällt mir sehr.
In Wien probierte ich verschiedene Schauspielschulen aus. Ich arbeitete mit verschiedenen Regisseuren, Lehrern und Menschen aus Europa und lasse mich inspirieren. Das sind sehr wichtige Begegnungen und Erfahrungen für mich.
Ich arbeite gerne viel und die verschiedenen Erfahrungen dabei, auch die schlechten, sind super notwendig. Gerade diese geben mehr Volumen. Nicht nur beim Schauspiel, auch im Leben.
Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?
Ganz klar. Mehr gute Frauenrollen! Und das am Besten von Frauen geschrieben.
Als junge Schauspielerin will ich auch eine Superheldin spielen, mit der ich mitziehen kann, nicht immer Barbie oder MyLittlePony. Durch meine Cousins lernte ich Tomb Raider kennen, das war’s aber auch schon.
Auf jeden Fall: Ich will mehr Frauen sehen im Fernsehen, die auch Actionfiguren spielen und nicht immer totgeschminkt werden. Das Thema Frau im Film ist mir sehr wichtig.
Was sind Deine kommenden Projekte?
Es ist Winter 2023/24 und ich bin zurzeit im Abschlussjahr meines Schauspielstudiums. Wir proben die Abschlussproduktion meines Jahrgangs, die wir im Januar 2024 im Theater Arche Wien aufführen. Parallel dazu probe ich im Theater in der Josefstadt für das neue Stück von Herbert Föttinger, wo ich in einer kleinen Rolle mitwirke. Weiters spiele ich in einem multilingualen Projekt im Schauspielhaus mit, bei dem ich endlich meine Muttersprache kreativ einsetzten kann.
Für 2024 ist auch ein Projekt mit dem Regisseur Arturas Valudskis in Planung, auf das ich mich unglaublich freue! Ich bin sehr dankbar mit diesen Theaterhäusern und Künstlern zusammenzuarbeiten. Es sind Projekte, die wirklich zu mir passen und darin ich mich auch wohl fühle, obwohl ich das nicht immer erwartet hätte.
Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?
Am Weg zu bleiben. Es werden dir so viele große/kleine Steine und Pfützen und Matsch und verschiedene Wetterlagen begegnen. Dabeibleiben und sich dessen bewusst sein, wie selbstermächtigt man ist.
Ich glaube, dass Präsenz und gesammelte Erfahrungen im Schauspiel sehr wichtig sind. Deshalb ist es auch entscheidend zu verschiedenen Castings, Kursen und Treffen zu erscheinen und Chancen zu ergreifen.
Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?
Berühmtsein hat viele Schattenseiten. Romy Schneider rang zeitlebens mit dieser umgebenden drückenden „Wand“ im Rampenlicht und man merkt bei den Interviews in Deutschland, dass sie versucht aus- durchzubrechen und sich selbst treu zu bleiben, in dem sie sagt was ihr wichtig scheint.
Sie wirkt auf mich als hochintelligente wie -emotionale, mutige Frau, der nicht vieles gleichgültig war. Wie ich mitbekommen habe, war ihr Leben nicht immer von ihr selbst bestimmt. Als sie dann berühmt war und so viele Leute um sich hatte, die Wege vorgaben, ohne nachzufragen – das kann nicht gesund für die Seele sein und belastet alles.
Sie war eine Frau, die in ihren Beziehungen tief, innig liebt und das hat sie dann auch zerstört. Ich bin da wie sie.
Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
Ich wäre so unglaublich gerne mit ihr befreundet gewesen. Ich denke diese Frau trug sehr viel in sich. Für mich wirkt sie voller Erfahrung, Leben und Tod. Ich liebe es, mit Menschen in abgrundtiefe Gespräche zu tauchen, wo man dann lacht und weint und einfach aufhört, sich zu verstecken.
Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Sich nicht als Frau zerstören zu lassen. Das Ruhm nicht alles ist, aber Authentizität und Haltung, Kunst und Leben ausmachen. Dass der Blick auf sich selbst, die mentale Gesundheit, ganz wesentlich und Voraussetzung für Beruf und Liebe ist. Aber all das ist leichter gesagt als getan. Im Grunde finde ich es toll, dass Romy Schneider in Offenheit, Ehrlichkeit ihren Weg ging.
Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?
Das Interview 1976 mit Alice Schwarzer auf Französisch. Das hat so viel persönliches Feuer, sie spricht aus ihrem Herzen.
Station bei Romy Schneider_ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?
R eal.
O minipräsent.
M utig.
Y orkshire Terrier hatte Romy keinen, aber einen Dackel!
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Station bei Romy Schneider _
Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris Schauspielerin_
Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ herzlichen Dank für die freundliche Kooperation!
Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 12/23
Station bei Malina_ Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Rosemarie Schmitt, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte hier vertraut?
Diese Orte sind mir sogar sehr vertraut. Zu erklären vermag ich das nicht, denn ich war niemals zuvor hier.
Rosemarie Schmitt und Walter Pobaschnig
Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?
Ist es nicht arrogant und anmaßend, mein Sein in Bezug auf das zu Bachmann und Malina zu stellen? Nun, ich versuche es dennoch. Ich beschäftige mich mit Ingeborg Bachmann und ihrem Roman schon einige Jahre. Immer wieder. Und mit jedem Wieder bedarf es eines neuen Zuganges, denn ich finde mich nie an selber Stelle wieder.
Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?
Spirituell? Esoterisch ICH? Ganz und gar nicht! Und dann war ich in der Ungargasse 6 … und begegnete Malina.
Wie siehst Du den Aufbau und das Konzept des Romans?
Mich spricht beides sehr an. Mich beeindruckt die klare Struktur, hinter der sich irrsinnig viele Verwirrungen verstecken. Verwirrungen den Leser, als auch die Autorin betreffend.
Wenn Du auf das Sprachkonzept von Malina ansprichst, das sehe ich als ebenso verwirrend wie das Konzept. Diesen Roman kann man nicht einfach nur so lesen. Ingeborg Bachmann bedient sich einer metaphysischen Sprache deren Ästhetik mich fasziniert.
Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans?
Zentrale Themen sind für mich die geschlechtliche Rollenverteilung, die vernichtende Wirkung eines Krieges, die Bewältigung von Ängsten, die Suche nach verbindlicher Liebe, nach Vertrauen und Zuverlässigkeit.
Wie ist die Beziehung zwischen Mann und Frau im Roman dargestellt und wie ist dies heute zu sehen?
Bachmann gibt den Männern in ihrem Roman sehr viel Macht. Zu viel. Manches hat sich diesbezüglich geändert. Und das ist gut so. Indes glaube ich, dass Frauen andere Wege finden müssen, um in dieser Welt gehört und respektiert zu werden. Gendersternchen sind bloß Sternchen. Lustige, kindliche Sternchen. Nichts weiter.
Wie beurteilst Du die Protagonisten Ivan, Malina, Ich-Person in Ihrem literarischen Kontext bzw. dem Kontext der Autorin und Ihrer Biographie?
In jedem dieser Protagonisten steckt mehr als nur eine Person. Ich, als Schriftstellerin, bewundere Ingeborg Bachmann für die beeindruckende Tiefe und Dichte mit denen sie ihre Charaktere ausstattet. Jeder ist viel mehr als nur eine Person. Die stärkste und zugleich schwächste Figur dieses Romans ist für mich die Frau, also die Ich-Person.
Ich weiß, es ist nicht wirklich eine umfassende Antwort auf diese Frage. Ehrlich gesagt, würde ich gerne wochenlang über diese Frage nachdenken und ein Buch darüber schreiben.
Wie siehst Du das literarische Konzept des dreistufigen Aufbaus des Romans?
Nun, ich wünsche, ich hätte es erdacht.
Welches Frauen- und Männerbild spricht Ingeborg Bachmann in Malina an und wie aktuell ist dies heute?
Es ist das Bild des machtvollen Mannes und der gebrochenen Frau. Ein Bild, das mich zutiefst erschreckt, berührt, mir Angst macht. Und dass es mir Angst macht, ängstigt mich am meisten. Diese Angst ist aktuell, ist heute.
Welchen Einfluss hatte und hat der Roman auf die Entwicklung von Literatur, Kunst und Emanzipation und Gesellschaft?
Malina hat direkt nach seinem Erscheinen eine Welle der Empörung ausgelöst. Man sprach von einem unzeitgemäßen, radikalen und eigensinnigen Roman. Das ist ein gutes Zeichen für Einflussnahme! Malina ist nicht in aller, doch in vieler Munde. Malina gehört jedoch in jeden Kopf!
Ich empfehle: Lest Bachmann und empört euch! Empört euch, dass zu Vieles sich nicht änderte, seit Malina
Wie siehst Du das Ende des Romans?
Für Bachmann war es folgerichtig und logisch das einzig richtige Ende. Ein anderes Ende hätte all ihre Aussagen des Romans in Frage gestellt. Es war Mord – was sonst!
Gab es in Deinen Literatur-, Kunstprojekten Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?
Ich bin der Meinung, dass es diese Berührungspunkte wirklich gibt. Ich fühle manche Parallelen.
Lass es mich in einer Metapher beschreiben:
Die Ritze in der Hauswand der Ungargasse 6, in der die Ich-Erzählerin aus Malina verschwindet, um zu sterben, – also ich war dort und sah. Sah, die Sonne und das Licht hinter dieser Ritze. Ich verschwände auch darin, nicht jedoch um zu sterben, sondern um zu leben.
Du hast wie Ingeborg Bachmann vor als Schriftstellerin nach Wien zu ziehen. Was bedeutet Dir Wien und welche Inspirationen erwartest Du?
Ich bin ja nun nicht mehr die Jüngste und habe demzufolge bereits viele Städte gesehen. Doch keine andere Stadt erlebte und erlebe ich wie Wien. Es fühlt sich gut und richtig an. Nirgendwo packt mich die Schreiblust stärker als in Wien. Wenn das für eine Schreibende kein Grund ist, nach Wien zu ziehen!
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Ich arbeite an meinem zweiten Anekdoten-Band, in dem es um die oft kuriosen Leben von Komponisten geht. Wie in meinem ersten Band „Ruhet sanft, gefälligst!“, in dem ich mir die schreibende Zunft vorknöpfte, lebe ich dort meine Wortverspieltheit und meinen Humor aus.
Ich freue mich auf meine Tätigkeit als Dozentin für Kreatives Schreiben, in der ich hoffentlich viele Jugendliche für das Schreiben begeistern kann.
Der Gedanke, mit meinem in Arbeit befindlichen Romanprojekt am Bachmann-Wettbewerb 2024 teilzunehmen, lässt mich dieser Tage nicht los…
Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Einen? Nur einen Tag? Ich hätte gerne viele Tage und Nächte mit ihr verbracht. Rauchend, redend, zuhörend, schweigend, lachend, weinend, trinkend, schimpfend, fragend, beobachtend, schreibend, lesend, philosophierend, gewinnend… Und du fragst nach EINEM Tag?!
Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?
Mal
Angenommen
Liebe
Ist
Niemals
Alles …
Station bei Malina_ Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Rosemarie Schmitt, Ralf Schmitt (rechts), Walter Pobaschnig
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
Tatjana Hardikov _Schrift mit Scherben während der Ausstellung „Dream on/ Other Island“ in der Bräuhausgasse/Wien 2023
Liebe Tatjana Hardikov, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist sehr dicht und oft fremdbestimmt. Morgens um 5h30 werde ich von meinem Hund wachgeküsst und ab dann geht es ziemlich durchgetaktet weiter: Kind, Haushalt, Job… Die Zeit für meine künstlerischen Projekten muss ich mir bewusst freihalten und andere Dinge dafür liegen lassen. Ich habe gelernt sehr fokussiert und organisiert zu arbeiten.
Tatjana Hardikov, bildende Künstlerin
Ansicht aus dem Alltag im Wohnatelier
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, dass Achtsamkeit wichtig ist. Damit meine ich, dass wir unser Bewusstsein darauf schärfen, wer wir sind, was wir tun, was wir brauchen und was nicht, unabhängig davon, wie verschieden wir alle sind. Wichtig ist es, so zu handeln wie wir selbst gerne behandelt werden möchten. Darüber spreche ich oft mit meinem heranwachsenden Sohn und den Kindern, mit denen ich beruflich arbeite. Ein bisschen weniger Selbstbezogenheit und dafür den Blick für das große Ganze im Auge zu behalten, wie groß auch immer das große Ganze für den Einzelnen sein mag, würde uns allen guttun.
Tatjana Hardikov _„All mine“ Leinwand 2023
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Die Kunst hat in allen Phasen unserer Entwicklung eine wesentliche Rolle gespielt. Aus den größten Krisen und gesellschaftlichen Herausforderungen sind immer neue Kunstrichtungen entstanden. Daran sieht man wie wichtig uns Menschen der Ausdruck von Innen nach Außen ist. Er ist essenziell und lebensnotwendig, ganz besonders wenn der Leidensdruck groß ist. Persönlich empfinde ich es nicht anders. Ohne meine künstlerische Arbeit wäre ich nicht ich selbst.
Was liest Du derzeit?
„Maxims Idee“ von meiner Mutter Nevenka Hardikov und „Neuland“ von George Monbiot
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich zitiere Arnold Schwarzenegger „be useful“
Vielen Dank für das Interview, liebe Tatjana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Ekkehard Walter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf hat sich seit dem 1.6.23 enorm verändert, da ich nun pensioniert bin. Zuvor war ich fast 46 Jahre beim deutschen ZOLL. Doch als Autor und Opa zweier Enkel wird es mir auch jetzt nicht langweilig.
Wichtig ist nun, dass wir es neu lernen, uns auf die wirklich wichtigen Ziele zu konzentrieren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ohne Literatur und ohne Kunst wird es still in dieser Welt.
Was liest Du derzeit?
Außer der täglichen Bibellese, die mir wichtig ist, lese ich bevorzugt viel Lyrik meiner zahlreichen Freunde.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Mein Zitat: Ohne Hoffnung macht die Angst sich breit!
Vielen Dank für das Interview, lieber Ekkehard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Zur Person _ Mein Name ist Ekkehard Walter und ich wurde am 17. Mai 1960 in Singen am Hohentwiel geboren. Ich bin verheiratet, habe zwei erwachsene Söhne und zwei Enkelsöhne. Seit 1979 lebe ich nun in Jestetten am Hochrhein.
Ich bin Verlagsautor des Gill-Verlags von Heinrich Heikamp und schreibe Lyrik, Kinderbücher und Songtexte.
Veröffentlichungen _ Ekkehard Walter _ Gill Verlag
Liebe Claudia Freund, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus ?
Mein Tagesablauf ist von meiner Arbeit in der Sparkasse und von meiner Familie bestimmt. In meiner freien Zeit schreibe ich meine Texte, lese oder gehe in die Natur.
Claudia Freund, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Frieden und der Erhalt unserer Natur. Einen Planeten B gibt es nicht.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Literatur war schon oft Vorreiter im Denken. Sie, wie auch andere Kunstformen, können die Menschen aufrütteln und sensibel machen. Sie trägt auch Verantwortung, denn sie kann in alle Richtungen beeinflussen.
Wesentlich für einen Aufbruch/Neubeginn wird das Verhalten von jedem Einzelnen sein und die Einsicht bei jedem von uns, dass sich etwas ändern muss.
Was liest Du derzeit?
“In den Wäldern der Biber” von Franziska Fischer
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.”
Hermann Hesse
Vielen Dank für das Interview, liebe Claudia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Claudia Freund, Schriftstellerin
Zur Person _Claudia Freund, Autorin, geb, 1969 in Bad Dürkheim in der Pfalz und auch dort aufgewachsen. Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Sparkasse, bei der sie auch immer noch beschäftigt ist. Mit ihrer Familie lebt sie heute in Lambrecht. Ihre Gedanken hält sie seit einigen Jahren in ihrer Lyrik fest.
Liebe Nora Hille, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Als „Eule“ stehe ich um 9.30 h auf. Da ich wegen meiner bipolaren Erkrankung verrentet bin, gestalten sich die Vormittage sehr unterschiedlich. Manchmal stehen Arztbesuche, Therapie, Reha-Sport oder Haushalt auf dem Programm, an anderen Tagen nutze ich ein Zeitfenster von etwa zwei Stunden zum Schreiben.
Um die Mittagszeit trudeln meine Tochter (10) und mein Sohn (15) nach der Schule zuhause ein und wir verbringen Zeit miteinander. Abends kocht meistens mein Mann für uns alle und wir genießen das gemeinsame Essen mit lebhafter Kommunikation.
Danach verbringe ich den Abend meist zusammen mit meinem Mann. Geht er zu Bett, bleibe ich als „Eule“ in der Regel noch mehrere Stunden wach. Häufig entstehen dann auch Ideen für Texte oder Artikel, die ich als Entwurf in mein Handy diktiere und dabei Sprache- in-Text-Umwandlung nutze. Sehr praktisch.
Nora Hille, Autorin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Liebe und menschliches Miteinander. Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren, auch wenn uns die Nachrichten über das Weltgeschehen manchmal sosehr ängstigen oder entmutigen. Gerade für unsere Kinder und die kommenden Generationen ist es so wichtig, dass jede*r einzelne von uns versucht, seinen Beitrag – und scheint er uns zunächst noch so klein – für ein gutes gesellschaftliches Miteinander, für eine lebendige Demokratie, für Frieden und Umweltschutz zu leisten. Das kann unserer Hoffnung Nahrung schenken und die Welt ein bisschen besser machen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wir dürfen nicht aufhören, an Frieden, Demokratie und Mitmenschlichkeit zu glauben und uns für sie einzusetzen. Mir verschlägt das Weltgeschehen zwischendurch immer wieder meine Stimme als Autorin. Umso größer ist meine Bewunderung und mein Respekt für alle Künstler*innen und Literat*innen, die den Finger in die so offensichtlichen Wunden legen, Werke schaffen mit Bezug zum aktuellen Geschehen. Und es gibt so viele weitere Themen, mit denen wir uns engagiert auseinander setzen können.
Bei meinem Schreiben bilden die Themen mentale Gesundheit, Aufklärung über die bipolare Störung und die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen Schwerpunkte. Daneben können, dürfen und müssen Kunst und Literatur aber auch Trost und Hoffnungsgeber sein und auf das Positive in der Welt und unserer Schöpfung verweisen.
Was liest Du derzeit?
Meine Mutter auf der Flucht von Felicia Schöner, Ovis Verlag
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wir alle müssen das Leben meistern.Aber die einzige Art, es zu meistern, besteht darin, es zu lieben.“
(George Bernanos)
Vielen Dank für das Interview, liebe Nora, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Nora Hille, Autorin
Zur Person _ Nora Hille, Jahrgang 1975, verheiratet, zwei Kinder. Studium Geschichte, Literatur- und Medienwissenschaften. 12 Jahre Arbeit im Bereich Kommunikation/PR. Aus gesundheitlichen Gründen verrentet. Im August 2023 ist ihr Mutmachbuch „Wenn Licht die Finsternis besiegt. Mit bipolarer Erkrankung Leben, Familie und Partnerschaft positiv gestalten.” bei Palomaa Publishing erschienen.
Als Betroffene und Erfahrungsexpertin schreibt Nora Hille Artikel zu den Themen mentale Gesundheit und psychische Erkrankungen. Außerdem verfasst sie literarische Essays, Gedichte (sehr gerne Haikus) und Kurzprosa. Beim Online-Magazin femalExperts.com erscheint regelmäßig ihre Mental Health-Kolumne und sie ist Redakteurin der eXperimenta – dem Magazin für Literatur, Kunst und Gesellschaft. Ihre Kolumne „Noras Nachtgedanken“ veröffentlicht sie beim Online-Magazin viaMag – Das Magazin für eine neue Trauerkultur. Anti-Stigma-Arbeit liegt Nora Hille am Herzen: Sie engagiert sich als Mutmacherin bei Mutmachleute e.V. und setzt sich mit ihren Anti-Stigma-Texten gegen die Stigmatisierung (Ausgrenzung) psychisch kranker Menschen in unserer Gesellschaft für mehr Miteinander, Toleranz und Gleichberechtigung ein. Nora Hille ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (DGBS).
Nora Hille, Autorin und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V., hat ein ermutigendes erzählendes Sachbuch über ihren Umgang mit der bipolaren Erkrankung geschrieben. In vielen kurzweiligen, berührenden und schonungslos offenen wie auch ermutigenden Episoden berichtet die Autorin über ihren persönlichen Weg. Dabei liegt der Fokus nicht allein auf der Betroffenen, sondern es wird die Situation der gesamten Familie sowie die der Herkunftsfamilie berücksichtigt. Abgesicherte Fakten zur Bipolaren Störung, erprobte Strategien im Umgang mit der Erkrankung und positive Impulse für Betroffene runden das Buch ab. Mit einem Vorwort von Tina Meffert (Mutmachleute e.V.) und einem Nachwort von Hubert Schöttes (Facharzt für Psychiatrie und Leitung Bipolarambulanz der KEM | Evang. Kliniken Essen-Mitte gGmbH).
Liebe Annika Korbitsch, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Wecker klingelt um 6.00 Uhr. Ich wecke meine zwei Kinder und bereite ihnen ihr Frühstück und Jausenbrote für die Schule zu. Unsere Katzen werden gefüttert. Danach bringe ich meine jüngere Tochter in die Schule.
Wieder zu Hause beginne ich um ca. 8.00 Uhr mit meiner Arbeit. Malen, zeichnen, Computerarbeit…Je nachdem wann die Kinder aus der Schule kommen bereite ich ein Mittagessen zu.
Wenn meine jüngere Tochter den Nachmittag in der Schule verbringt setze ich mich wieder an meine Malerei.
Um 17.00 Uhr hole ich meinen Mann und Tochter aus dem Ort ab.
Danach gemeinsames Abendessen und diverses Abendprogramm.
Um 22.00 Uhr bin ich im Bett.
Bild _Annika Korbitsch, weitere
Annika Korbitsch, Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die Eigenständigkeit und Freiheit eines jeden Einzelnen zu respektieren. Sich nicht von Ideologien, egal welcher Art, mitreißen zu lassen und tief in sich selbst nach Fragen und Antworten zu suchen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Kunst in jeder Form hat die Möglichkeit einen verkümmerten, zurückgezogenen und vergessenen Teil in uns wie eine warme Decke zu umhüllen, wie ein Eisspieß zu durchbohren oder wie ein Musikinstrument zum klingen zu bringen. Dadurch kommen wir in die Lage, diesen Teil in uns wieder zu fühlen und auf unserem Weg wieder etwas vollkommener und echter zu werden. Aus einer formlosen, gedankenlosen Masse heraustreten zu können und einen weiteren Schritt auf dem Weg zum inneren Frieden zurück zu legen.
Jeder Mensch der sich traut das auszuleben was in ihm steckt trägt automatisch etwas zur Gesellschaft und deren Weiterentwicklung bei.
Was liest Du derzeit?
Ich bin Autistin- aber zeige es nicht. Leben mit dem Asperger- Syndrom
Von Liane H. Willey
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.“
Astrid Lindgren
Vielen Dank für das Interview, liebe Annika, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Annika Korbitsch, Künstlerin
Zur Person _Annika Korbitsch, Reichenfels,Kärnten, Österreich, geb: 1982 Ausbildung: Gold und Silberschmied, Graveur an der HTL Ferlach
In meiner Ausbildung zum Goldschmied und Graveur an der HTL Ferlach wurde meine Liebe zur Kunst geweckt. Nach meinem erfolgreichen Abschluss legte ich alle Energie in die Verbildlichung meiner Gedanken und meiner Seele. Ich erkenne immer mehr, dass es meine Herausforderung als Künstler ist, meine zwei Seelen im Gleichgewicht zu halten. Die eine Hälfte will eintauchen, mit schwimmen und untergehen. In einem Gefühl der Zugehörigkeit zu einem großen Ganzen. Zum Frieden, zur Liebe und Schönheit, zur Geborgenheit und Fantasie, zur Verrücktheit und Freiheit, zur Hoffnung, Gnade und zur Freude. Die andere Seite will den Schrecken der Realität zeigen. Sie muss es! Das Licht wird nicht geschätzt, wenn man nicht auch die Dunkelheit kennt. Der Friede wird nicht geschätzt ohne die Verzweiflung, ohne den Abgrund und die Hoffnungslosigkeit. Aus diesem Grund muss ich beides malen. Den Krieg und die Verzweiflung in mir, aber auch die Hoffnung auf die Erlösung. Oft mit meinem hilfreichen Freund – der Fantasie
Wenn ich male, relativiert sich mein Verständnis von Zeit. Ich gestalte jedes Detail und jedes
Detail hat eine Geschichte zu erzählen. Hierbei tauche ich ab in eine fremde Welt. Eine Welt, die ich mir selbst erschaffe, in der Zeit keine Bedeutung hat. Oft fällt es mir schwer mich nach getaner Arbeit wieder von meiner Welt zu lösen. Kaum blickt man auf, findet man sich in einer Welt getrieben von Gier, Schnelligkeit und Effizienz. Dieser Realität, die zu unserer einzigen Wahrheit geworden ist, kann man durch Kunst entfliehen. Das langsame Entstehen eines Bildes ist ein Schaffensprozess, in welchem ständig neue Ereignisse auftreten und unerwartete Situationen mich dazu zwingen, meinen Blick auf eine noch tiefere Welt zu richten. Je länger ich male, desto tiefer tauche ich ein in meine Seelenruhe, in meinen inneren Frieden. Ist der Schaffensprozess abgeschlossen, verschwindet nicht alles von dieser Welt. Einen Teil davon habe ich im Bild festgehalten, einen Teil davon trage ich in mir und durch mich hinaus in die reale Welt.
„Kunst ist der Anker, der mich von der Gleichgültigkeit fernhält, von der Blindheit beschützt. Sie ist ein Netz, in dem ich mich getragen und aufgefangen fühle. Sie gibt mir einen Platz in dieser Welt.“