


























Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _
acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_
Fotos _ Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_



























































Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _
acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_
Fotos _ Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Matea Novak, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Wenn ich an Romy Schneider denke, dann vor allem in Verbindung mit dem französischen Film – an ihre hingebungsvolle Art des Spiels, Ausdrucks. Und ich denke an ihre Ehrlichkeit in allem.

Wir sind hier in der Wiener Wohnung der Eltern/Großeltern (väterlicherseits) Romy Schneiders. Welche Eindrücke gibt es für dich von Haus, Wohnung, Garten?
Schon als ich die Wohnung (Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien, väterlichseits, Romy Schneider verbrachte hier die ersten Lebensmonate und kehrte immer wieder zu Besuchen zurück. Die Wohnung wurde von der Familie verkauft und ist heute im Privatbesitz. Anm.) betreten habe, war ihr Geist sehr präsent. Ich habe mich in diese so besondere Aura, den wunderbaren Stil verliebt und bin sehr dankbar diese Erfahrung gemacht zu haben.
Ich schloss die Augen und stellte mir atmosphärisch vor, Romy Schneider ist jetzt da. Genau hier und jetzt. In ihrer Wohnung.
Und ich versuchte so viel wie möglich von „Romy“ an- und aufzunehmen – wie sie in ihren Tag startet in Freude, Sorge aber auch in dieser Unbekümmertheit und mutigen Frechheit, welche für sie so charakteristisch sind.







Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
„Swimmingpool“ hat nicht nur ihre Karriere wesentlich beeinflusst, neu gestartet, sondern thematisiert auch spannend das sich verändernde, brüchige Weltbild in Liebe und Leben damals, was ja auch für sie persönlich zutraf.
Nach den „Sissi“ Filmen zeigt Romy Schneider in dem 1969/70 erschienen Film „Swimmingpool“ eine selbstbewusste betonte Weiblichkeit, in Körper und Geist. Sehr ausdrucksstark, mutig und sie weiß genau, was sie tut.



Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Schauspielerin die Darstellerin Romy Schneider?
Für mich ist sie eine Göttin. Eine Frau, die mich inspiriert – so will ich sein. So will ich spielen. Zu 100 Prozent natürlich, authentisch, intensiv und dabei den eigenen Stil nicht verlieren, sondern weiterentwickeln.



Müssen Mensch und Rolle sich immer ganz nah, intensiv berühren, um diese spielen und auch das Publikum berühren zu können?
Es gibt verschiedene Techniken, um eine Rolle zu spielen. Für mich ist es sehr wichtig, mich nicht zu sehr mit der Rolle zu identifizieren, eine gewisse Distanz zu meiner Persönlichkeit zu halten. Ich spiele nicht mich selbst, ich stecke meine Arbeit in eine Rollenpersönlichkeit und kreiere, male gleichsam mit meinen Farben der Sinne, das macht ja die Arbeit einer Schauspielerin aus.

Gibt es Momente in einer Darstellung, in der sich gleichsam die Kontrolle über die Rolle verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?
Im besten Fall ist es nicht so. Ich steige in die Rolle ein und aus. Doch ja, manchmal kommt es vor, dass ich mich verliere und wieder zurück zur Rolle, dem Ausgangspunkt muss. Dann braucht es den Rewind-Knopf.




Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne spielen und wenn ja, welchen und warum?
Das ist schwierig. Romy Schneider hat das damals hervorragend und einzigartig gemacht. Da ist sie Vorbild und Motivation, Anspruch bis heute. Aber diese eine Rolle, die ich unbedingt will, ist in ihren Filmen nicht dabei. Weil einfach die Frauenrollen damals so anders waren.













































Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?
Die Aufnahmen mit Helga Kneidl 1973 in Paris.





Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera? Ist sie da Schauspielerin oder Privatperson oder beides?
Sie hat sehr ausdrucksstarke Augen und auch wenn sie glücklich scheint, sehe ich, da liegt noch etwas dahinter. Das ist menschlich und schön.


Vor der Fotokamera ist sie für mich eine selbstbestimmte Frau, die sich zeigen will in ihrer hochkonzentrierten Arbeitsweise.



Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?
Meine Motivation war, dass ich mich endlich mit dieser tollen Frau auseinandersetzen darf. Ich habe schon viel von ihr gehört und gelesen, aber nie so intensiv wie heute.



In meinem Umfeld habe ich gefragt, wie die Erinnerungen zu Romy Schneider sind und habe mir nochmals ihre Interviews angehört. Auch ein paar Filme ausgegraben und mir angesehen, ihren Geist wiederauferweckt, der ja in Wien allerorten weiterlebt.



Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?
Romy Schneider ist sehr früh und sehr schnell berühmt geworden. Damit gab es auch Festlegungen mit denen sie zeitlebens rang. In Österreich, Deutschland wurde sie als „Sissi“ gesehen und in Frankreich als die Femme Fatale. Paparazzi waren immer um sie und Romy Schneider verkaufte sich medial wunderbar. Es wurde zum tragischen, grausamen Wettlauf. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes, als Fotos des toten Kindes in Zeitungen erschienen, bezog sie klar Stellung und kritisierte dies scharf. Damit setzte vielleicht auch ein breiteres Umdenken ein.

Es ist in jedem Beruf wichtig, seine Familie zu schützen. Ich denke, mit medialer Öffentlichkeit muss man besonders behutsam umgehen und wissen wo und wie man gibt, nimmt und auch davon Abstand gewinnt, vor allem in unserer Zeit, wo social Media zur neuen Dimension von Leben und Präsentation wird.



Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?
Romy Schneider war sich immer bewusst, wo sie hinwollte, beruflich und privat. In ihrer ersten, und wohl größten Liebe, Alain Delon verband sich beides, in Schönheit, Intensität und Tragik.



Ich finde es toll, dass sie es gewagt hat, beruflich weiterzugehen. Sich dem modernen Theater, Film zu stellen und diese Herausforderungen anzunehmen.



Romy Schneider sagte 1970, es ist eine Last für sie, dass so wenig gute Frauenrollen angeboten werden. Sie hatte recht. Und wie ist es heute, fünfzig Jahre danach? Die Aussage hat leider immer noch immer ihre Gültigkeit.



Wenn ich als Schauspielerin das Land und damit auch Theater, Film, Kultur wechseln möchte, dann mache ich das aus voller Überzeugung. Für mich ist es sehr wichtig, mir selbst treu zu bleiben und nicht immer der Gage zu folgen. Ich bin ein Mensch, der nicht lange an einem Ort bleiben kann. Ich bin im Sternzeichen Schütze und bin am 3. Dezember geboren, wie Romy’s verstorbener Sohn David. Als Schütze ziehe ich von Ziel zu Ziel, ich spanne den Bogen immer wieder und weiter.


Meine ersten Rollenarbeitsstunden habe ich von einem befreundeten Schauspieler im Raimund Theater Wien erhalten. In den Jahren davor spielte ich an verschiedenen Orten, nicht immer an Theatern. Das waren Locations wie das Semperdepot in Wien oder das Parlament. Der Unterricht mit diversen Künstler:innen war und ist für mich essentiell und dadurch haben sich viele Möglichkeiten ergeben. Man muss im Flow bleiben, dann ergeben sich die Dinge, die zu einem passen.

Wie war Dein Weg zum Schauspiel und welche Erfahrungen hast Du in Wien im Schauspielberuf gemacht?
Mit dreizehn Jahren schrieb mich meine Mutter in einen Jugendtheaterkurs in Wien ein und in der Schule hatte ich Bühnenspiel als Freifach zum regulären Unterricht. Das habe ich sehr gerne und lang gemacht und nach der Schule war es für mich schwierig herauszufinden, wie ich da Fuß fasse könnte in diesem Beruf. Einen wirklichen Leitfaden gibt es ja da nicht. Ich habe mir selbst einen Weg gebaut und der gefällt mir sehr.



In Wien probierte ich verschiedene Schauspielschulen aus. Ich arbeitete mit verschiedenen Regisseuren, Lehrern und Menschen aus Europa und lasse mich inspirieren. Das sind sehr wichtige Begegnungen und Erfahrungen für mich.

Ich arbeite gerne viel und die verschiedenen Erfahrungen dabei, auch die schlechten, sind super notwendig. Gerade diese geben mehr Volumen. Nicht nur beim Schauspiel, auch im Leben.


Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?
Ganz klar. Mehr gute Frauenrollen! Und das am Besten von Frauen geschrieben.


Als junge Schauspielerin will ich auch eine Superheldin spielen, mit der ich mitziehen kann, nicht immer Barbie oder MyLittlePony. Durch meine Cousins lernte ich Tomb Raider kennen, das war’s aber auch schon.

Auf jeden Fall: Ich will mehr Frauen sehen im Fernsehen, die auch Actionfiguren spielen und nicht immer totgeschminkt werden. Das Thema Frau im Film ist mir sehr wichtig.

Was sind Deine kommenden Projekte?
Es ist Winter 2023/24 und ich bin zurzeit im Abschlussjahr meines Schauspielstudiums. Wir proben die Abschlussproduktion meines Jahrgangs, die wir im Januar 2024 im Theater Arche Wien aufführen. Parallel dazu probe ich im Theater in der Josefstadt für das neue Stück von Herbert Föttinger, wo ich in einer kleinen Rolle mitwirke. Weiters spiele ich in einem multilingualen Projekt im Schauspielhaus mit, bei dem ich endlich meine Muttersprache kreativ einsetzten kann.






Für 2024 ist auch ein Projekt mit dem Regisseur Arturas Valudskis in Planung, auf das ich mich unglaublich freue! Ich bin sehr dankbar mit diesen Theaterhäusern und Künstlern zusammenzuarbeiten. Es sind Projekte, die wirklich zu mir passen und darin ich mich auch wohl fühle, obwohl ich das nicht immer erwartet hätte.


Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?
Am Weg zu bleiben. Es werden dir so viele große/kleine Steine und Pfützen und Matsch und verschiedene Wetterlagen begegnen. Dabeibleiben und sich dessen bewusst sein, wie selbstermächtigt man ist.



Ich glaube, dass Präsenz und gesammelte Erfahrungen im Schauspiel sehr wichtig sind. Deshalb ist es auch entscheidend zu verschiedenen Castings, Kursen und Treffen zu erscheinen und Chancen zu ergreifen.


Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?
Berühmtsein hat viele Schattenseiten. Romy Schneider rang zeitlebens mit dieser umgebenden drückenden „Wand“ im Rampenlicht und man merkt bei den Interviews in Deutschland, dass sie versucht aus- durchzubrechen und sich selbst treu zu bleiben, in dem sie sagt was ihr wichtig scheint.

Sie wirkt auf mich als hochintelligente wie -emotionale, mutige Frau, der nicht vieles gleichgültig war. Wie ich mitbekommen habe, war ihr Leben nicht immer von ihr selbst bestimmt. Als sie dann berühmt war und so viele Leute um sich hatte, die Wege vorgaben, ohne nachzufragen – das kann nicht gesund für die Seele sein und belastet alles.

Sie war eine Frau, die in ihren Beziehungen tief, innig liebt und das hat sie dann auch zerstört. Ich bin da wie sie.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
Ich wäre so unglaublich gerne mit ihr befreundet gewesen. Ich denke diese Frau trug sehr viel in sich. Für mich wirkt sie voller Erfahrung, Leben und Tod. Ich liebe es, mit Menschen in abgrundtiefe Gespräche zu tauchen, wo man dann lacht und weint und einfach aufhört, sich zu verstecken.

Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Sich nicht als Frau zerstören zu lassen. Das Ruhm nicht alles ist, aber Authentizität und Haltung, Kunst und Leben ausmachen. Dass der Blick auf sich selbst, die mentale Gesundheit, ganz wesentlich und Voraussetzung für Beruf und Liebe ist. Aber all das ist leichter gesagt als getan. Im Grunde finde ich es toll, dass Romy Schneider in Offenheit, Ehrlichkeit ihren Weg ging.






Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?
Das Interview 1976 mit Alice Schwarzer auf Französisch. Das hat so viel persönliches Feuer, sie spricht aus ihrem Herzen.

























Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _
acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_
Fotos _ Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?
R eal.
O minipräsent.
M utig.
Y orkshire Terrier hatte Romy keinen, aber einen Dackel!




Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Station bei Romy Schneider _
Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _
acting Romy Schneider * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris Schauspielerin_
Fotos _ Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ herzlichen Dank für die freundliche Kooperation!
Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 12/23
Walter Pobaschnig 12/23