„Schundliteratur, Comics, manchmal mein Horoskop, selten meinen Kontostand“ Alec Richard, Schriftsteller _ Andernach/D 12.3.2024

Lieber Alec Richard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Alltag gleicht häufig einer trivialen Komödie mit unvorhersehbaren Plot-Twists. Beginnend an der Kaffeemaschine jongliere ich tagsüber mit einem Sack voller Ideen, während ich versuche, meine kreative Muse mit ein paar Katzenleckerlies bei Laune zu halten.

Zwischendurch gibt es immer mal wieder ein paar heiße Schäferstündchen mit absurden Gedankensprüngen und spontanen Pogo-Tanzeinlagen.

Abends treibe ich meist Bier-Yoga, falls ich gerade nicht sonst (irgendwen oder was) treibe, oder ich entspanne bei einem guten Buch oder einem guten Film, aber davon gibt’s nicht so viele.

Alec Richard, Schriftsteller  

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Liebe, die ist immer ganz besonders wichtig.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir stehen vor einem entscheidenden Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. Literatur und Kunst können da nur bedingt eine zentrale Rolle spielen, als dass sie Ausdruck unserer Kultur und Identität sind. Viel bedeutsamer ist aber die Kraft ihrer kritischen Stimme. Es kann nicht angehen, dass manch andere Autorenkollegen weltweit aufgrund ihrer Worte einfach so inhaftiert werden.

Literatur ist dazu da, gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren und hinterfragen zu können – vom Vokabular mal ganz abgesehen. Durch Literatur und Kunst können wir komplexe Themen erforschen, uns in die Perspektiven anderer einfühlen und neue Ideen und Lösungsansätze entwickeln. – War das jetzt klug genug ausgedrückt? Eigentlich nicht. Eigentlich wollte ich doch nur sagen: Macht, was ihr wollt.

Was liest Du derzeit?

Meist Schundliteratur, Schmuddelheftchen, Comics, manchmal mein Horoskop, selten meinen Kontostand, demnächst zwangsläufig den Stromzählerstand und nebenbei allerlei Hassmails, Fanpost und sonstige Liebesbriefe.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

»Finde, was du liebst – und behalt es.« – Alec Richard.

Vielen Dank für das Interview, lieber Alec, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Alec Richard, Schriftsteller  

Zur Person_Alec Richard, Jahrgang 1987, ist ein deutscher dichter Dichter und Autor, der sich nicht als Künstler bezeichnen muss, denn er ist Kunst – Eine Kunstfigur im wahrsten Sinne! Hinter seinem Pseudonym verbirgt sich die maximale Dröhnung virtueller Schizophrenie, weshalb seine wahre Identität im Verborgenen bleibt.

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 24.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„singen wir, spielen wir, gestalten wir!“ Sibylle Kefer, Musikerin _ Bad Goisern/OÖ 11.3.2024

Liebe Sibylle Kefer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus

Ich stehe jeden Tag mit meiner Familie auf, richte abwechselnd mit meinem Mann die Schuljause her und fahre dann an drei der fünf Schultage in meine musiktherapeutische Arbeitswelt. Am Abend dieser Tage koche ich meist für den nächsten Tag vor – oder mein Mann, eher aber ich.

Die restlichen vier Wochentage kann ich meine Zeit frei einteilen und beschäftige mich abwechselnd mit meiner Musik, der Vermarktung dieser, mit dem Einstudieren der Musik anderer, gebe Gesangsstunden, versorge die Kinder, verbringe Familienqualitätszeit und versuche, meine Freundschaften wieder etwas mehr und besser zu pflegen.

Und ich versuche mir Freiräume zu schaffen für mich.

Die weltpolitische Lage hat immer, gerade aber wieder besonders starken Einfluss auf meinen Alltag. Ich oszilliere zwischen Überblick schaffen versuchen und daran immer wieder zu scheitern, trotzdem weiterzusuchen, verletzbar zu bleiben, mich aber auch als feige zu erleben, aktiv zu sein und Abgrenzung.

Sibylle Kefer, Musikerin und Musiktherapeutin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Solidarität, Zusammenhalt, das Einstehen für unsere westlichen zivilgesellschaftlichen Werte, Zivilcourage, Wertschätzung und auch Abgrenzung, wo Toleranz inkonsequent wäre.

Immer wieder über alles Mögliche zu reden, auch das Anstrengende, wenn es auch nur einen Funken von Sinnhaftigkeit darin zu spüren gibt. Sonst halte ich es für Zeitverschwendung und ein sich Aufreiben, das nichts bringt und finde eine klare Grenzsetzung besser.

Wertschätzendes Interesse füreinander, sich zuzuhören, sich keine Gefühle abzusprechen, Erfahrungen zuzugestehen und daraus resultierende Konsequenzen gemeinsam zu beleuchten halte ich für einen Schlüssel – für Reflexion, auch für eventuelle Neuorientierung und Weiterentwicklung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Diese Frage beschäftigt mich auf mehreren Ebenen seit Jahren stark. Sowohl aus individueller persönlicher Sicht als auch aus gesellschaftspolitischer.

Wie ist unser gesellschaftlicher Wert der Kunst, der Musik?

Solange wir die Schulfächer so bewerten, so einordnen, wie wir es jetzt tun, finde ich, verschenken wir das kreative Potential unserer Kinder – unserer Zukunft.

Anstelle sie früh zu normieren, einzukasteln, zu bewerten, unsere Urteile drüberzulegen, könnten wir ihr frisches kreatives Potential wecken, nähren, unterstützen und nützen für eine funktionierendere vielfältigere Zukunft mit weniger Schwerpunkt auf Wettkampf und sich Messen – mit Blick auf Vielfalt als Chance anstelle Normierung als Basis.

Ich glaube, dass ein schöpferischer Prozess, der in sich wertfrei umgesetzt werden darf, viel an positiver verbindender kreativer Kraft in sich birgt, die sich dann selbst nach außen öffnen würde, und dessen zivilgesellschaftlichen Nutzen wir derzeit nicht erkennen und nicht hoch genug einschätzen.

Jeder musiktherapeutische musikalische Interaktionsmoment, den ich seit 20 Jahren erleben und mitgestalten darf beinhaltet so viel schöpferische Kraft, soviel kanalisierende Energie, dass es eine Freude ist, diese Prozesse begleiten zu dürfen.

Jede Zeug*innenenschaft ermöglicht ein Eintauchen und Teilen dieser. Das macht sie noch größer. Dies wird mir eindrücklich immer wieder von teilhabenden Eltern vorgelebt.

Und um konkreter zu werden:

Musik hat die Fähigkeit einer Direktheit, einer Zeitlosigkeit, eines Momenterlebens – ein ungefilterter Zugang zu unserer Emotionalität.

Unvergleichbar und stark.

Ich habe kein Problem damit, dass wir immer wieder versuchen, sie zu bändigen, zu kanalisieren, sie einzuteilen und sie uns zu Nutze zu machen.

Aber entwerten wir sie nicht. Und vergessen wir nicht, was sie kann und ist, und geben wir ihr im positivsten Sinne die Wirkkraft, die sie hat.

Man muss sie nur lassen. Nehmen wir uns die Zeit (in der Entwicklung der Kinder, in der Verankerung im Bildungswesen und ganz konkret im aktiven Gestalten, Zuhören, Resonanz sein und Beteiligen).

singen wir, spielen wir, gestalten wir und lassen wir unsere Synapsen überspringen!

Was liest Du derzeit?

Max Frisch „Homo Faber“, Rick Rubin „The Creative Act“, Harald Welzer „Die smarte Diktatur – der Angriff auf unsere Freiheit“. Aber ich brauche seeeeeeehr lange – fürs Konzentrieren, fürs Zeit freischaufeln, fürs Brille suchen und ich verdaue in Häppchen. Aber es wird!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wir können gestalten.

(konkret aus Welzer, passt aber übergreifend auf alle)

Sibylle Kefer, Musikerin und Musiktherapeutin

Vielen Dank für das Interview, liebe Sibylle, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sibylle Kefer, Musikerin und Musiktherapeutin

Zur Person _ Sibylle Kefer, 1976 in Bad Ischl geboren, wohnhaft in Bad Goisern und Wien, Musikerin und Musiktherapeutin, wurde einem breiteren Publikum durch ihre zweimalige künstlerische Mitwirkung bei der Eröffnung der Wiener Festwochen bekannt. Sie war Mitglied der Ausseer Hardbradlern, arbeitet seit mehr als einer Dekade mit Ernst Molden zusammen und stand viele Male dadurch auch mit Willi Resetarits auf der Bühne.

Als Solo-Künstlerin veröffentliche die Mutter dreier Kinder bislang sechs Solo-Alben. 2017 war ihr reduziertes, dafür umso eindringlicheres 4. Album zugleich die Erstveröffentlichung des neu gegründeten Labels von Ernst Molden und Charlie Bader badermolden-recordings.

Ihre unprätentiösen Texte sind von einem entwaffnenden Humanismus und Feminismus geprägt, die sich solcher Begriffe nicht bedienen und ihre Zuhörer*innen sehr unmittelbar „erwischen“, eine unverstellte Direktheit und (!) sensible Achtsamkeit, die sie sich auch bei ihrer Präsenz in sozialen Medien angelegen sein lässt.

Ihr 2023 erschienenes 6. Soloalbum „hoid“ erfährt große Resonanz im deutschsprachigen Raum, das Releasekonzert wird auf Ö1 übertragen. Auf diesem Album findet sich auch der 2021 vom ORF für das internationale Format New European Songbook in Auftrag gegebene und in Zusammenarbeit mit dem Herbert Pixner Projekt umgesetzte Song „liawa hoffnung“.

https://www.sibyllekefer.at/blog/

Fotos_ Carina Antl

Walter Pobaschnig _ 28.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„Güte“ Violetta Parisini, Musikerin _ Give Peace A Chance _Wien 11.3.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Güte

Ideen

Vertrauen

Erbschaftssteuer


Pausen machen

Empathie

Alle

Chancengleichheit

Ehrlichkeit, auch wenn’s weh tut


Atmen


Compromise

Humor

Artenvielfalt

Neu Denken

Come together

Entwicklung

Violetta Parisini, 8.3.2024

Violetta Parisini, Musikerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Violetta Parisini, Musikerin

Zur Person _  Die Musikerin Violetta Parisini begann ihre künstlerische Karriere während eines Philosophie Studiums als singende DJ. Der hauptsächlich improvisierte Gesang zu ihren Techno-Sets machte sie zu einer begehrten DJ im Wiener Nachtleben und in verschiedenen Clubs in Berlin, München und Zürich.

Nach dem wiederholten Verlust ihrer Stimme legte sie eine Techno-Club-Pause ein, machte ihren Studien-Abschluss, und kaufte sich ein Klavier. Sie begann, Lieder zu schreiben.
Gemeinsam mit dem Produzenten Florian Cojocaru entstand ihr erstes Album „Giving You My Heart To Mend“, das 2010 bei Universal Music Austria veröffentlicht wurde, und auf Begeisterung bei Kritikerinnen und Publikum stieß. 2012 folgte „Open Secrets“. Die englischen Songs bewegten sich zwischen Singer-Songwriter und Popmusik. In den darauffolgenden Jahren wurde Violetta Parisini zwei mal Mutter, kuratierte 2014 das Popfest Wien und wirkte bei verschiedenen Kunstprojekten mit, bevor sie ihr nächstes Solo-Album „Alles Bleibt“ auf dem gemeinsam mit dem Produzenten Sixtus Preiss gegründeten Label „Else Musik“ veröffentlichte. Die deutschen Texte verhandelten Themen wie Depression und Identitätssuche, die Arrangements und Produktion von Sixtus Preiss zeichnen sich durch komplexe Rhythmen, eingängige Melodien und instrumental-analogen Sound aus. Das Album erntete berührte und ausführliche Kritiken. Im Herbst 2022 folgte die EP „Unter Menschen“.

Violetta Parisini spielt regelmäßig Konzerte im Trio und solo, schreibt Lieder auch mit und für andere Musikerinnen, und unterrichtet eine Songwriting-Klasse am VMI in Wien. Momentan arbeitet sie außerdem an ihrem nächsten Album, das im Herbst 2024 erscheinen soll.

https://violettaparisini.at/

Foto_ Rea von Vic i

Walter Pobaschnig _ 8.3.2024

https://literaturoutdoors.com

„eine Sprache zu finden und zu verweben: Gedanken, Erinnerungen, Wünsche, Utopien“ Eva-Marie Hanser, Schriftstellerin _ Wien 10.3.2024

Liebe Eva-Marie Hanser, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich unterrichte abends und schreibe unter tags. Am Wochenende bereite ich den Unterricht vor. Zwei Mal pro Woche gehe ich schwimmen und optimiere meine Schwimmtechnik, feine Millimeterarbeit, bei der der Körper wie von selbst die Notwendigkeiten zu erschließen scheint, derer es bedarf, um noch widerstandsloser durchs Wasser zu gleiten.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, sprechen ist wichtig, sprechen im Sinne eines vollen Sprechens, auch wenn es etwas ist, das mir schwerfällt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Zwei Ansätze: Rezeption und Produktion (abseits der Frage nach Aufbruch und Neubeginn):

Die Rezeption von Kunst, Literatur, Film, Musik etc. führt mich an (reale + imaginäre) Orte, zu Assoziationen und auf Pfade, die ich nicht kommen gesehen habe. Unerwartet wird etwas angestoßen und geht mir nicht aus dem Kopf.

Die Produktion gibt die Möglichkeit, den Raum und die Zeit zu denken, eine Sprache zu finden und zu verweben: Gedanken, Erinnerungen, Gegenstände, Beobachtungen, Abläufe (ich liebe Abläufe), Praktiken, Theorie, Ethik, Wünsche, Utopien und allfällig Bescheuertes, das auch auf Äußerung drängt.

Was liest Du derzeit?

Ein Klischee: Tatsächlich lese ich zurzeit „Die Vorbereitung des Romans“ von Roland Barthes, das sich über ein Jahr in dem von mir mittlerweile abgearbeiteten (und wieder erhöhten) Bücherstapels befand. Gerade bin ich beim Wetter: „falscher Referent, der es erlaubt zu kommunizieren“ (S. 82f.) (Kommentar: das Sprechen über Wetter ist/wird existenziell à globale Erwärmung und Klimagerechtigkeit)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Etwas sperrt sich bei mir, wenn ich nach einem Zitat gefragt werde, Leere in meinem Kopf, und dann der Refrain von dem Song „Watching Trees“ von Eleven Pond (1986): „I want to be, in a tree, watching you, watching trees, memories of the trees, watching you, watching trees”

Vielen Dank für das Interview, liebe Eva-Marie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Eva-Marie Hanser, Schriftstellerin

Zur Person _ Eva-Marie Hanser, lebt in Wien, 2019 Promotion in Theater-, Film- und Medienwissenschaft, diverse Publikationen und Vorträge u.a. zu Theatergeschichte, Industrial Culture, Undergroundkino und Ecocriticism, arbeitet derzeit als Deutschtrainerin und an einem Romanprojekt.

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 28.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„Ich baue sehr gern Dinge auf, unter allen Umständen!“ Josefine Gottwald, Autorin und Netzwerkerin_ Dresden 9.3.2024

Liebe Josefine Gottwald, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zurzeit lese ich viel vor Kindergruppen und mache Workshops zum Schreiben. Ansonsten lebe ich so minimalistisch wie möglich, trinke grünen Tee und bringe mit meinen Töchtern Spenden zur Tafel. Um die Ecke gibt es einen neuen Gemeinschaftsladen lokaler Höfe, dort kaufe ich gern ein …

Im Online-Austausch versuche ich vor allem, Mut zu machen. Das ist nicht immer einfach; viele Menschen fragen, woher die Zuversicht kommen soll – Hoffnung nährt vor allem unsere eigene Kraft.

Josefine Gottwald schreibt Romane und setzt sich im Literaturnetz Dresden für mehr Öffentlichkeit der lokalen Literaturszene ein

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich bin ein Mensch, der das Positive für konstruktiv hält. „Zusammenhalt“ drückt es gut aus: Wir geben uns Halt, indem wir weiter Nähe zulassen. Jeder weiß, wie verhärtete Fronten eskalieren. „Dialog“ vielleicht, auch wenn es Kraft kostet. Globale Probleme können uns leicht überfordern, dann müssen wir uns kleinere Baustellen suchen, um den Eindruck zurückzugewinnen, dass wir etwas bewirken können. Ich baue sehr gern Dinge auf, unter allen Umständen!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst kann neue Gedankenräume öffnen, das ist ihre größte Stärke. Es mag abgegriffen sein, aber für mich sind Krisen noch immer Chancen. Was mir gesellschaftlich fehlt, ist die Leichtigkeit. Jeder macht sich ernsthafte Sorgen, auch um die eigene wirtschaftliche Situation. Aber wenn wir auf Spielplätzen oder Supermärkten sind, wenn wir Menschen auf der Straße begegnen, sind wir auch ihnen, dem Miteinander verpflichtet. Ich freue mich über alle Kunstschaffenden, jeden Dichter und jede Poetin, die Energie investieren und positive Gefühle säen – irgendwoher müssen wir ja die Kraft nehmen zu kämpfen.

Was liest Du derzeit?

Ein Briefwechsel von Astrid Lindgren und Louise Hartung hat mich zuletzt inspiriert. Sie schrieben sich von Deutschland nach Schweden bis Mitte der Sechziger – damals stand Lindgren schon in einem stressigen Autorenleben, musste Kritiken und ständig Leserbriefe beantworten, bekam Fluten von Kinderbildern. In den Briefen berühren die beiden Frauen pädagogische und politische Themen, schreiben von Schatten der Ehe und Möglichkeiten in der Sexualität … Das Buch ist sehr emanzipiert.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Man kann es wohl nicht oft genug sagen. Ich denke oft an den Brecht zugeschriebenen Satz, der wohl älter ist, aber stilistisch so herausragend – vor allem erinnert er uns inhaltlich, welche Macht wir als Gemeinschaft haben: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ …

Josefine Gottwald schreibt Romane und setzt sich im Literaturnetz Dresden für mehr Öffentlichkeit der lokalen Literaturszene ein

Vielen Dank für das Interview, liebe Josefine, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Josefine Gottwald, Autorin und Netzwerkerin

Zur Person _ Josefine Gottwald schreibt seit ihrer Jugend Phantastische Literatur. Nach dem Studium arbeitete sie journalistisch, gründete die Facebook-Gruppe „Literatur erleben in Dresden“ und trat der Jury für einen Nachwuchsautorenpreis bei; zuletzt baute sie das Festival Pirna schreibt mit auf. Im Literaturnetz Dresden thematisiert sie Highlights der Szene im Onlinemagazin und pflegt Einträge der Akteur*innen und Veranstaltungen, um ihre Sichtbarkeit zu vergrößern.

http://www.josefinegottwald.de

Fotos_ Heike Stille

Walter Pobaschnig _ 28.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„Der Tod von August“ Alexandra Zeillinger, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Wien 9.3.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Alexandra Zeillinger, Künstlerin

Aus den Aufzeichnungen meiner Tante Gertrude, Jahrgang 1926.
Und es passiert immer noch, weltweit…es hat sich nichts geändert….

Alexandra Zeillinger, 19.2.2024

Alexandra Zeillinger, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Alexandra Zeillinger, Künstlerin

Zur Person Alexandra Zeillinger – Disegnisandra                    

1968 in Wien geboren, Besuch des Oberstufenrealgymnasium
Hegelgasse Schwerpunkt „Bildnerische Erziehung“ bei Herwig Zens.

Ausbildung zur Buch-/Kunsthändlerin.

Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

Kooperation mit der Fotografin Claudia Ziegler sixthsenses.at, deren
Fotografien von ihr in Form von dreidimensionalen Collagen interpretiert
werden.

Die Collagen entstehen in einem sehr zeitaufwändigen Verfahren, die
Zeichnungen werden wiederholt auf Papier geklebt und ausgeschnitten,
bis die gewünschte Tiefenwirkung erreicht ist. Je nach Thematik werden verschiedenste Materialien verarbeitet. Der schwarze Hintergrund schafft Ruhe und lässt den Blick nicht
abschweifen!

www.disegnisandra.at

Walter Pobaschnig _ 19.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„Neue Tage“ Lydia Steinbacher. Gedichte. Septime Verlag

70 Jahre nach dem bahnbrechenden Gedichtband „Die gestundete Zeit“ von Ingeborg Bachmann, der Zeit, Mensch, Liebe wie Welt, Dunkelheit und Horizont als poetisches Manifest gleichsam an die Tür der Sprache und einer taumelden Welt hämmert, legt die vielfach österreichische Schriftstellerin Lydia Steinbacher eine virtuose Reise in Herz und Seele von Existenz und Gegenwart vor, die ergreift, erschüttert und begeistert.

Es ist ein ganz feines lyrisches Florett, das Linien von Begegnung, Erfahrung  in das ziehende Band der Wolken über den Horizont der „neuen Tage“ zeichnet:

Der Sommer

Drei Blätter fallen zu früh

eines ist schon welk

das rollt sich ein

wie um ein falsches Wort

Der Sommer geht weiter

Ein Hohlraum in der Gabelung

des Baums und eine leise Scham

das niemand nur ein Blatt

vermisst

Lydia Steinbacher ist die lyrische Stimme der Zeit. Ihr Selbst-, Sprach- und Weltbewusstsein ist ein Plädoyer für ein Menschsein in Aufmerksamkeit, Sensibilität und Handlungsfähigkeit in Neugierde, Mut wie Erschütterung. Es ist ein auf dem Weg machen und immer wieder Beginnen mit dem Geheimnis, Abenteuer Leben und Liebe, das nie ganz zu verstehen, sondern nur vorwärts in Mensch und Natur zu erfahren ist.

Hervorzuheben ist auch der wunderbare Dialog von Wort und Illustration, in denen sich auch die sehr begabte Zeichnerin Lydia Steinbacher beeindruckend vorstellt.

Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _Wien.
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _ @Walter Pobaschnig 2023

„Neue Tage“ Lydia Steinbacher. Gedichte. Septime Verlag

Gebunden

mit Illustrationen der Autorin

120 Seiten

Erscheint am 12.2.2024

Preis:

17,50 € [D]

18,00 € [A]

ISBN: 978-3-902711-86-1

Auch als E-Book

Walter Pobaschnig 3/24

https://literaturoutdoors.com

„Ich könnte ohne meine kreative Arbeit nicht glücklich leben“ Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin _Wien 8.3.2024

Liebe Katharina Lenz, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Nachdem ich meinen Hund Rumo und meine Katze Flauschi zwischen 6 und 7 Uhr gefüttert habe, drehe ich mit Rumo eine Runde in der Natur. Wenn es die Zeit zulässt, gehe ich zwei- bis dreimal die Woche thaiboxen.

Manchmal verbringe ich dann Tage und Nächte ununterbrochen in meinem Atelier, manchmal nicht.

Derzeit sammle ich Ideen für ein Monster, das ich eventuell für einen Film kreieren werde, und warte gleichzeitig auf eine Rückmeldung zu einer Ausschreibung, bei der ich mich mit meinen Skulpturen beworben habe.

Es ist im Moment also angenehm ruhig. Demnächst werde ich aber sechs Wochen als Maskenbildnerin bei einem Dreh zu einer Serie beschäftigt sein, und dann wird mein Alltag strikt geplant sein. In dieser Zeit lebt man für den Film, da ist kaum Platz für Freizeit. Meine Tagesabläufe sind also oft ziemlich konträr, aber das liebe ich auch so.

Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin aus Wien

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Kindness is the key und zu lernen, bei sich selbst zu bleiben. Sich Zeit für sich und für seine Liebsten zu nehmen und nach Innen zu schauen, um herauszufinden, was man gerade wirklich braucht. Das versuche ich zumindest. Auch wenn es nicht immer leicht ist, sich mit sich selbst zu beschäftigen, am Ende wird es uns aber immer voranbringen, denn wenn man das Innere stärkt, ist das Äußere leichter zu bewältigen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein, und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Manchmal ist es auch einfach „eine Kunst“, es in schwierigen Zeiten aus dem Bett zu schaffen und den Mut nicht zu verlieren. Vor jedem Neubeginn und Aufbruch stand bei mir meistens – zumindest ein kleiner – Zusammenbruch und Angst.

Ich bin ein Gefühlsmensch und versuche auf mein Herz zu hören; wenn das Ja sagt, wird es für mich immer richtig sein. Wenn ich bei einem Menschen oder einem Projekt kein gutes Gefühl habe, nehme ich den Auftrag nicht mehr an. Mein Seelenfrieden ist wichtiger, das habe ich gelernt.

Welche Rolle die Kunst dabei spielt? Für mich als Künstlerin ist es ein Gefühl, ein Ausdruck und ein Im-Moment-Sein. Sobald ich ein Projekt abgeschlossen habe, vergeht diese Verbundenheit, die ich während des Arbeitens gefühlt habe, ziemlich schnell. Ab diesem Zeitpunkt geht die Begeisterung zu den Betrachterinnen und Betrachtern über, und meine schwindet. Für mich spielt Kunst also eine andere Rolle als für Außenstehende. Ich könnte ohne meine kreative Arbeit nicht glücklich leben – jemand anderer mit Sicherheit schon.

Was liest du derzeit?

Zuletzt war es „Alice I/II“ von Lewis Carroll, aus dem Jahr 1984.

Aber meistens fehlt mir die Konzentration, um ein Buch fertig zu lesen. Ich bin spätestens nach 10 Seiten in meiner eigenen Phantasiewelt und habe keine Geduld dafür, den Weg immer wieder aufs Neue zurück zu suchen. Ich modelliere lieber stundenlang oder meditiere. Das entspannt mich, ein Buch tut das nicht.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Character is how you treat those who can do nothing for you.

Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Katharina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin

Zur Person _ Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin aus Wien, präsentierte im Dezember 2023 zum ersten Mal ihre Skulpturen der Reihe ‚ASPHYXIA‘ in der City Gallery Vienna im 1. Bezirk.

Website: www.k-irrelevant.at

Instagram: @katharina_irrelevant

publicartists.online: Katharina Irrelevant

Film / Crew-United: Katharina Lenz

Fotos _privat.

Walter Pobaschnig _ 23.2.2024

https://literaturoutdoors.com

Goethe. Porträt eines Lebens, Bild einer Zeit. Thomas Steinfeld. Rowohlt.

Es ist ein Bestseller, der den in Wetzlar tätigen Juristen Johann Wolfgang Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar), der seiner großen Leidenschaft dem Schreiben mit Enthusiasmus, Experimentierfreude und außergewöhnlicher Sprachvirtuosität nachgeht, schlagartig berühmt macht. „Die Leiden des jungen Werther“ (1774), ein Briefroman über eine tragische Liebe, wird zum europäischen Ereignis, das Begeisterung bis zu Napoleon auslöst, der ihn zu einem Gespräch einlädt.

Ein beeindruckendes künstlerisch vielfältiges Leben in höchster gesellschaftlicher Anerkennung wie privaten, politischen Stürmen der Zeit folgt. Ein Werk, das bis in die Gegenwart neu entdeckt, interpretiert und bewundert wird.

Thomas Steinfeld, ehemaliger Literaturchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, wie Feuilleton Chef der „Süddeutschen Zeitung“ und vielfach ausgezeichneter Autor und Übersetzer, legt nun eine umfangreiche Biographie Goethes vor, die in beeindruckender biographischer wie kultur- und weltpolitischer Sachkenntnis der Zeit überzeugt wie auch im narrativen Stil, der ein 700Seiten Werk zu einem Leseereignis macht, das fesselt.

Die Biographie ist in 7.Kapitel gegliedert, die einen wunderbaren Bogen über Leben, Kunst, Liebe, Gesellschaft und Tod spannt, der in Klang, Rhythmus und Virtuosität wohl auch Goethe selbst begeistert hätte.

„Eine Biographie Goethes als spannende Erlebnisreise zu Leben und Kunst in allen Jahreszeiten und Schattierungen eines Menschen.“

Goethe. Porträt eines Lebens, Bild einer Zeit. Thomas Steinfeld. Rowohlt.

Verlag: Rowohlt Berlin

784 Seiten

ISBN: 978-3-7371-0059-5

Gebundene Ausgabe 38 EUR

E-Book 34 EUR

Walter Pobaschnig 3/24

https://literaturoutdoors.com

„Aus jedem Tag einen SCHOENEN machen“ Goerdt Abel, Schriftsteller _ Mexico 7.3.2024

Lieber Goerdt Abel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Morgens nach dem  Frühstück gibt es eine Stunde Aerobics und Strecken, danach wird der „Kleinkram“ also Tagesthemen erledigt, um dann möglichst viel Zeit für kreative Themen zu haben.

Die Abende werden mit Theater, Musik, (im wesentlichen Klassik) und Freunden verbracht.

Goerdt Abel, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir werden die Klimakrise und weitere gesellschaftliche Herausforderungen nicht ohne wesentliche Verhaltensänderungen korrigieren können.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir müssen den Erziehungs- und Bildungsreichtum, den wir geschaffen haben, anfangen vollständig zu nutzen und das Hinterherlaufen nach materiellem Zuwachs (Wachstums des Bruttosozialproduktes) zu Lasten der Natur beenden. Dazu gehört auch die Umverteilung des vorhandenen materiellen Wohlstandes. Es ist unsinnig, dass ein 1% Anteil der Weltbevölkerung über den Großteil der Vermögen verfügt. Das wird sichtbar in der Wirtschaft und bei den Spitzenverdiensten im professionellen Sport und leider auch in der Kunst.

Was liest Du derzeit?

„Wittgensteins Vienna“ by Allan Janik & Stephen Toulmin und Blaise Pascal: „Gedanken über Gott und den  Menschen“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Aus jedem Tag einen SCHOENEN machen“

Goerdt Abel, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview, lieber Goerdt, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Goerdt Abel, Schriftsteller

Zur Person_ Goerdt Abel wurde am 18.7.1944 in Unterfranken geboren. Er besuchte die Technische Hochschule   und die Hochschule für Welthandel in Wien, die er mit dem Diplom-Kaufmann und dem Doktorat der Handelswissenschaften abschloss. Nach einer dreijähren Tätigkeit bei dem Maschinen-und Stahlkonzern Mannesmann übernahm er 1973 die Geschäftsführung des Familienunternehmens „Abel“. Er entwickelte das Unternehmen zu einer weltweit tätigen Spezialpumpenfirma mit Niederlassungen in GB, Spanien, den USA und mit Vertretungen in den meisten industrialisierten Ländern. Nach dem Verkauf der Firma im Jahre 2001 baute er zusammen mit seinem Sohn Godard die Softwarefirma „Big Machines“ auf. Deren Nachfolgegesellschaften werden heute von diesem erfolgreich weiterführt.

Goerdt Abel lebt heute wieder in Wien und widmet sich seinen sportlichen, kulturellen und familiären Interessen. Er hat ein autobiographisches Buch mit dem Titel: „Steinach und die Wahrheiten“ geschrieben, das als Fallbeispiel die Thematik der wirtschaftlichen Wiedervereinigung Deutschlands aufarbeitet.

Wien, März 2024

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 26.2.2024

https://literaturoutdoors.com