50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Daniel Grolle, Schriftsteller _ Hamburg
Bachmannpreisnominierter 1986
Gewinner des Ernst Willner Preises/Stipendium
Lieber Daniel, Du hast 1986 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Das war eine tolle Zeit. Ich war sehr jung. Ich war verliebt und wir haben zwischen all den Literaten und Geistesgrößen rumgeknutscht.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Der Medienrummel, die Sensationen, eine Art Gladiatorenkämpfe der Literatur.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jury Diskussion und die Preisverleihung erlebt?
Die Lesung habe ich als Show erlebt. Ich erinnere mich an die Kameras, die während ich las auf mich zukamen… oder war das später bei der Diskussion? Die Argumente für und gegen meine Texte konnte ich nachvollziehen und fand sie ok. Eigentlich schön, mal so ehrlich und fachmännisch über meine Texte streiten zu hören.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Mein literarischer Stil hat sich nicht verändert. Es war eine gesellschaftliche Anerkennung. Ich habe gemerkt: Das was ich schreibe spielt eine Rolle. Es interessiert die Menschen. Das ist deutlicher als der Verkauf von Büchern und auch deutlicher noch als Lesungen oder sonst Medienauftritte. Es hat mir auch das Gefühl gegeben Teil einer kulturellen Gemeinschaft zu sein.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Mich hat damals die Lust an menschlichem Versagen abgestoßen. Da waren Kollegen, die verrissen wurden, die dann begannen zu weinen und die Kameras krochen ihnen dann in die Tränenkanäle. Ich weiß, so geht Unterhaltung. Die Menschen lieben das. Aber ich bin nicht gerne Teil davon.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Ich beglückwünsche die Menschen, die Literatur lieben, nicht unter die Räder geraten, sondern auf ihnen tanzen können.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Daniel Grolle, Veröffentlichungen als Schriftsteller bei Rowohlt, Luchterhand und anderen Verlagen, Literaturpreise. Er lebte als Abenteurer und Filmemacher mit Filmreisen unter anderen mit Rüdiger Nehberg bei den Yamomami Indianern in Brasilien. Tai Chi seit 1980. Er lernte zunächst bei Christel Proksch und später bei über 30 der weltbesten Lehrer in China, den USA, Europa und Deutschland. Er rief das Netzwerk Taijiquan und Qigong eV. ins Leben, das heute der stilübergreifende Verband von Tai Chi Lehrern in Deutschland ist.
Er unterrichtet im In- und Ausland, war mehrfach Europameister in verschiedenen Disziplinen des Tai Chi und hat einige Tai Chi Spezialanwendungen entwickelt wie Tai Chi für MS Erkrankte, für Tinitus, Migräne, Blinde, Inhaftierte, Musiker. Er hat einen Tai Chi Kampftanz entwickelt, Kinder Tai Chi, eine alternative Form von Tai Chi Wettkämpfen sowie Alternativen zu den herkömmlichen Prüfungen in Tai Chi Schulen und Verbänden. Er leitet eine Tai Chi Schule in Hamburg, wo er unterrichtet, ausbildet und Coaching im Einzelunterricht gibt. Neben Tai Chi und Meditation spielt er besonders gerne Push hand als Kunst der Begegnung. Aus seinem Unterricht sind viele gute Tai Chi Lehrer hervorgegangen, die bei ihm einen sehr eigenständigen Umgang mit dem Tai Chi erlernt haben. BACOPA ReferentInnen: Daniel Grolle | BACOPA BILDUNGSZENTRUM 24.6.26
Website des Autors: Tai Chi Schule Hamburg | Daniel Grolle | Ausbildung | Workshops | Onlinekurse

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Daniel Grolle _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 24.6.26