„eine Institution, die über so viele Jahre ihre Relevanz bewiesen hat“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin _ Wien 18.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Almut Tina Schmidt (Zweite von rechts), 3sat Preisträgerin _ Bachmannpreis 2025
Almut Tina Schmidt (rechts) mit Karin Bernhard, ORF Direktorin Kärnten _ Veranstalter Bachmannpreis

Im Interview _ Almut Tina Schmidt, D/ASchriftstellerin _ Wien

Bachmannpreisnominierte 2025, 3sat Preisträgerin.

Liebe Almut, Du hast 2025 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen nach knapp einem Jahr? Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Der Bachmannpreis ist zwar ein Wettbewerb, aber vor allem ein Branchentreffen, das die Widersprüche des Literaturbetriebs widerspiegelt: einerseits geht es sehr kompetitiv zu, was dem Ganzen seine Spannung gibt; andererseits gibt es da viele sympathische Leute, die sehr gut wissen, dass sie mit ihrer Leidenschaft für die Literatur allmählich zu einer immer weniger beachteten Minderheit werden – und umso mehr von der Öffentlichkeit abhängen, die dieses Event auch bedient. Die sommerliche Atmosphäre in der eher kleinen Stadt Klagenfurt hat genau das vermittelt: es war nervenaufreibend und entspannt zugleich.

Bachmannpreis Nominierte 2025

Wie kam es zu Deiner Nominierung und wie hast Du Dich im Vorfeld vorbereitet?

Ich habe mich mit Unterstützung einer befreundeten Lektorin bei einer Jurorin beworben. Und dann noch Lesen geübt.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion danach erlebt?

Ich habe versucht, mich von den Fernsehkameras nicht irritieren zu lassen und mich auf meinen Text zu konzentrieren. Die Jurydiskussion war sehr wohlwollend. Dass nicht alle alles aus dem Text herausgelesen haben, was ich meinte, überdeutlich hineingepackt zu haben – das passiert auch sonst mal.

Almut Tina Schmidt _ nach der Lesung/Jurydiskussion
Bachmannpreisjury 2025 _ Vorsitzender Klaus Kastberger (Mitte)

Du hattest in Klagenfurt auch Deine Familie, Deinen Mann, Thomas Stangl, Schriftsteller, Telekom Austria Preisgewinner 2007 in Klagenfurt und Deine Tochter, als Begleitung vor Ort. Wie wichtig ist eine gute Unterstützung in diesem Wettbewerb bei der Lesung und rundum?

Ich fand es sehr hilfreich, nicht allein in Klagenfurt zu sein. Allerdings war die Atmosphäre angenehm genug, dass ich sagen würde: man kann es auch ohne Begleitung überstehen.

Entspannung im Garten _
Almut Tina Schmidt und Thomas Stangl, Schriftsteller, Telekom Austria Preisträger 2007
in Klagenfurt

Du wurdest 2025 mit dem 3sat-Preis in Klagenfurt ausgezeichnet. Wie hat sich dies ausgewirkt?

Seitdem erkennen mich gelegentlich Leute, die ich nicht kenne.

Publikum _ ORF Studio

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Vor allem sollte diese Institution, die über so viele Jahre ihre Relevanz bewiesen hat, noch lange weiterbestehen!

Almut Tina Schmidt mit Brigitte Schwens-Harrant (Jurorin), Natascha Gangl (Bachmannpreisträgerin 2025), Hannelore Schmid, Autorin/Regisseurin/Schauspielerin (von links)

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Gebt alles! Aber nehmt es locker (so locker wie möglich).

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Heinz Bachmann (Bruder von Ingeborg Bachmann) gratuliert
Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin

Zur Person: Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin _ zahlreiche Bucherscheinungen und Auszeichnungen

Veröffentlichungen – … Almut Tina Schmidt

Auszeichnungen – … Almut Tina Schmidt

2025 3sat-Preis beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Dichter Terminplan in der Bachmannpreiswoche

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Almut Tina Schmidt/Bachmannpreis 2025 _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 26.5.2026

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„Die Intrigen und die Hahnenkämpfe interessierten mich nicht“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Manfred Mixner, Bachmannpreisjuror 1984-85 _ Graz 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Manfred Mixner, Autor, Hauptabteilungsleiter für Radioliteratur im ORF 1984-86

Bachmannpreisjuror 1984-85

Lieber Manfred, Du warst in den 1980er Jahren Juror beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Was sind Deine Erinnerungen?

1984 und 1985 war ich als Literaturprogramm-Verantwortlicher für Ö1 Mitglied der Jury des Bachmannpreises – und ich war es nicht gerne. Meine Aufgabe im öffentlichen Rundfunk war es, unabhängig von meinen Vorlieben und meinen subjektiven Kriterien zur Beurteilung von Literatur ein möglichst umfangreiches Spektrum der Literatur der Gegenwart zu vermitteln, mit dem Schwerpunkt auf das Schaffen österreichischer Autoren, aber auch darüber hinaus.

Die Intrigen und die Hahnenkämpfe, wer denn den größten Einfluss als Kritiker oder Literaturwissenschaftler auf den „Literaturbetrieb“ im deutschen Sprachraum hat, wer denn „Literaturpapst“ oder einer solchen Rolle gewachsen sei, interessierten mich nicht wirklich. Trotzdem war es lehrreich, mit Marcel Reich-Ranicki, Joachim Kaiser, Walter Jens, Klara Obermüller, Martin Gregor-Dellin, Gert Ueding, oder Heinrich Vormweg über Qualitäten von Texten zu diskutieren, die handwerklichen Kriterien der als Juroren mitwirkenden Autoren wie Peter Härtling, Friederike Roth oder Ingeborg Drewitz kennen zu lernen, das waren wichtige Erfahrungen, die sich auf mein Verständnis von Literatur ausgewirkt haben.

Es gab damals Momente des sehr genauen und sehr ehrlichen Abwägens von formalen und inhaltlichen Textqualitäten, aber es gab halt auch immer wieder die mir nicht sympathischen publikumswirksamen Selbstdarstellungen und eitel anmaßenden Pointierungen von „Urteilen“. Mir taten manche Autoren, deren Texte nicht recht geglückt waren, leid, dass sie zu Objekten solcher Art „hinrichtender“ Diskussionen wurden. Ich war jedenfalls froh, mich in den folgenden Jahren der Jury-Mitwirkung entziehen zu können.

Ich habe mir als Leser mein Interesse an der Literatur bis heute bewahrt, aber das an solcherart öffentlicher Jury-Tätigkeit gänzlich verloren. Die publizistischen Voraussetzungen des Literaturbetriebs der Siebziger- und Achtzigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts gibt es nicht mehr. Das kann man bedauern, beklagen – aber das ist nicht meine Sache. Zum gegenwärtigen Zustand des „Literaturbetriebs“ fällt mir nichts ein, ich will damit nichts mehr zu tun haben.

Manfred Mixner, 16. Juni 2026

Herzlichen Dank für die Erinnerungen und alles Gute!

Manfred Mixner, Autor

Zur Person: Manfred Mixner, geboren 1947 in Graz, lebt seit 2023 wieder in Graz.

Diplom-Medienberater. Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Graz und Berlin. 1970 – 1971 Kulturredakteur der Grazer Tageszeitung NEUE ZEIT, 1972 dramaturgische Mitarbeit am Grazer Schauspielhaus, 1973 bis 1979 freie publizistische Tätigkeit für Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen, 1979 bis 1983 Abteilungsleiter für Literatur, Hörspiel und Kulturberichterstattung im ORF-Landesstudio Graz, 1984 bis 1986 Hauptabteilungsleiter für Radioliteratur im ORF in Wien, 1987 bis 2002 Leiter der Abteilung Hörspiel/Radiogeschichten/Radiokunst am Sender Freies Berlin.

Zahlreiche literatur- und medienwissenschaftliche Aufsätze und Bücher, u.a. Peter Handke – Werkmonographie (1977), Verstrickt in Geschichten – Versuche, Reden, Miszellen (2012). Als Hg. u.a.: Der geschärfte Sinn – Texte aus dem Grazer Funkhaus (1982); Die verführte Zeit – Die Autobiographie des Hans Flesch-Brunningen (1988); Die Welt im Trüben – Vom Fischen und Dichten (1998).

Nebenberufliche Lehrtätigkeit in Graz, Salzburg, Klagenfurt, Wien, Berlin und Jena. Seit 2002 im Ruhestand, im selben Jahr Übersiedlung nach Schweden.

Seine in Schweden entstandenen Erzählungen und Romane und seine Essays und wissenschaftlichen Arbeiten sind seit 2012 in Grazer Keiper Verlag erschienen. Mixner, Manfred – Edition Keiper

Bachmannpreis _ Jury Setting

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt_Bachmannpreisankündigung
Ossiacher See

Foto: Manfred Mixner _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 17.6.2026

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„Unbeeindruckt das weitermachen, was und wie man es am besten kann“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Anna Mitgutsch, Schriftstellerin _ Linz/OÖ 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Anna Mitgutsch, Schriftstellerin _ Linz/OÖ

Bachmannpreisnominierte 1985

Liebe Anna, Du hast 1985 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Es war kurz vor meinem Einstieg in die Literaturszene vor einundvierzig Jahren, wenige Monate nach Erscheinen meines ersten Romans („Die Züchtigung“), der damals noch gar nicht wahrgenommen worden war. Ich war vorher im universitären Bereich tätig gewesen und alles war mir gleichermaßen neu und fremd.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Sie gab mir als Anfängerin Sichtbarkeit im Literaturbetrieb. Es hieß, Dabeisein ist alles. 

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Die Jurymitglieder von damals sind alle bereits gestorben, es war eine andere Generation, u.a. Gertrud Fussenegger und Reich-Ranicki. Ich erinnere mich nur mehr an die beiden, Fussenegger, die mit alten literarischen Topoi aufwartete und Reich-Ranicki, der meinen Text lobte, aber unter vier Augen meinte, er habe schon auch gravierende Mängel.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Überhaupt nicht. Die Einladung kam zu kurzfristig, ich verwendete einen älteren Text, den ich eigentlich schon hinter mir gelassen hatte. Wie weit die Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb dem Buch zu seinem Erfolg verhalf, kann ich nicht sagen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich verfolge ihn schon seit längerem nicht mehr. Das müssen Jüngere bestimmen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Mitmachen und nicht zu ernst nehmen, man sollte keine Form der literarischen Rezeption zu ernst nehmen, das Urteil kommt von Menschen, die in ihrer Biografie, ihrer Zeit und ihrem literarischen Geschmack gefangen sind und sich kraft ihrer Position für die letzte, allgemeingültige Instanz halten. Unbeeindruckt das weitermachen, was und wie man es am besten kann.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Anna Mitgutsch bei der Verleihung des Adalbert Stifter-Preises 2019

Zur Person: Curriculum Vitae | Anna Mitgutsch 17.6.26

Website der Autorin: Anna Mitgutsch | freischaffende Autorin

Bachmannpreis _ ORF Studio Kärnten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Abendstimmung Wörthersee

Foto: Anna Mitgutsch _ Bernhard Holub

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 17.6.26

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„damals (1991) die erste bedeutendere TV-Show, die sich mit Literatur befasste“ 50 Jahre Bachmannpreis _ Gabrielle Alioth, Schriftstellerin _ Termonfeckin/Irland 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _Gabrielle Alioth, Schriftstellerin _ Termonfeckin/Irland

Bachmannpreisnominierte 1991

Liebe Gabrielle, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Die Erinnerung an einen Zirkus, in dem die Jury die Texte der eingeladenen Autorinnen und Autoren als Ausgangspunkt benutzte, sich selbst medienwirksam in Szene zu setzen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Er war damals (1991) die erste bedeutendere TV-Show, die sich mit Literatur bzw. konkreten Texten befasste. Der Auftritt der Autorinnen und Autoren hat etwas von einer öffentlichen Hinrichtung, die offenbar ein Zuschauerbedürfnis erfüllt, das inzwischen aber wohl besser durch andere Reality-TV-Shows gestillt wird.   

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Es war damals – ich hatte gerade meinen ersten Roman mit einigem Erfolg veröffentlicht – eine gute Übung vor laufender Kamera zu lesen und die Diskussion auszuhalten.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Neutral, der Auftritt in Klagenfurt hat mir weder geholfen, noch mich behindert, abgesehen davon, dass ich dort gewisse Freundschaften geknüpft habe, die mir bis heute geblieben sind.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Er scheint mir überholt und man könnte ihn abschaffen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Gleichmut.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

_Gabrielle Alioth, Schriftstellerin

Zur Person: Über mich – http://www.gabriellealioth.com/ 17.6.26

Website der Autorin: https://www.gabriellealioth.com/

Bachmannpreis _ ORF Studio Kärnten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror, Autor und Journalist _ Humbert Fink

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee

Foto: Gabrielle Alioth _ privat

Foto: Humbert Fink _ privat

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 17.6.26 

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„ein Verriss kann ermutigender sein als Beifall“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Friedrich Ani, Schriftsteller _ München 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Friedrich Ani, Schriftsteller _ München

Bachmannpreisnominierter 1992

Lieber Friedrich, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Viel Wein, Fußball in sengender Hitze, merkwürdige Argumente zu merkwürdigen Texten, eine gewisse Hibbeligkeit aller Beteiligten, alles in allem: eine Parallelwelt im Grünen, erholsam und verwirrend.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Es herrscht eine große Ernsthaftigkeit im Umgang mit den Autorinnen und Autoren und deren Arbeit. Man wird wahrgenommen, ein Austausch von Ideen, Zweifeln, Sehnsüchten findet statt, die Illusion entsteht: Aus mir könnte etwas werden.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Da ich wusste, dass mein Text kein Hit sein würde, war ich entspannt und dann erfreut, dass die Kritik ziemlich milde ausfiel – jedenfalls in meiner Erinnerung.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Ich erhielt ein Stipendium in Berlin, schrieb dort neue Sachen, die mir ein paar Tür öffneten, sodass ich allmählich zum Schriftsteller wurde, dessen Manuskripte gedruckt und gesehen wurden.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Gute Autoren und Autorinnen und eine entspannte Jury ohne Narzissten.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wer dort liest, weiß, was er tut, und ein Verriss kann ermutigender sein als Beifall, in dem, laut Nietzsche, auch viel Lärm ist. Dem Wettbewerb wünsche ich Glück und stets genügend Geld.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Friedrich Ani, Schriftsteller

Zur Person: Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach prämiert, u. a. sieben Mal mit dem Deutschen Krimipreis, dem Crime Cologne Award, dem Burgdorfer Krimipreis, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und der Goldenen Romy. Friedrich Ani ist Mitglied des PEN-Berlin.

Münchner Literaturpreis 2026

Andreas Hoh Krimifestival-Preis 2024

Crime Cologne Sonderpreis 2017

)Bio/Suhrkamp _ 17.6.26)

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee

Foto: Friedrich Ani _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 17.6.26

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„immer:geliebten erscheint böhmen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text&Bild _ Katharina Tiwald, Schriftstellerin _ Wien 17.6.2026

Katharina Tiwald, Schriftstellerin _
Station bei Malina _ Romanschauplatz, Ingeborg Bachmann 1971 _
Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

INGEBORG_ Akrostichon

Text & Bild _ Katharina Tiwald, Schriftstellerin 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

INGEBORG

immer:

nachlässig

geliebten

erscheint

böhmen

oft

rissig

geträumt

Katharina Tiwald, 17.2.2026

Katharina Tiwald, Schriftstellerin _
Station bei Malina _ Romanschauplatz, Ingeborg Bachmann 1971 _
Walter Pobaschnig 3/26,

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

INGEBORG_ Akrostichon

Text & Bild _ Katharina Tiwald, Schriftstellerin 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Katharina Tiwald, Schriftstellerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Katharina Tiwald, Schriftstellerin _
Station bei Malina _ Romanschauplatz Wien, Ingeborg Bachmann 1971 _
Walter Pobaschnig 3/26.

Walter Pobaschnig   17.2.2026

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„Ich war nicht der Ossi, den das Publikum erwartet hatte“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller _ Berlin 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller _ Berlin

Bachmannpreisnominierter 1991

Lieber Fritz Hendrick, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Wolf Donner konnte mich nicht unterstützen, da er krank geworden war. Frau Löffler stand die ganze Zeit auf ihren Mundwinkeln. Herr Karasek versuchte, möglich viele junge Schreiberinnen um sich zu versammeln. Nebenan begann gerade der Jugoslawien-Krieg.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die ungewohnt große Öffentlichkeit, der direkte Dialog. Die massive Konzentration von Eitelkeit.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich war nicht der Ossi, den das Publikum erwartet hatte.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Ich habe danach viele Jahre als Werbetexter gearbeitet. Das erschien mir das ehrlichere Geschäft

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Humor

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Genießt euch selbst. Der Rest wird sich finden.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller

Zur Person: Fritz Hendrick Melle, 1960 in Karl-Marx-Stadt geboren, Studium Theologie in Naumburg und Kommunikation in Berlin/W. Heizer, Texter, Whiskey-Produzent, Zen-Schüler und Autor. Romane: Richtiges Leben, die Amazone vom Kollwitzplatz, Wurst und Stadt ohne Götter. Daneben zahlreiche Beiträge in Magazinen und Antologien. Keine Literatur-Preise, aber einige Reklame-Auszeichnungen.

Bachmannpreis _ im ORF Garten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee _ Abendstimmung

Foto: Fritz Hendrick Melle _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 12.6.26

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„viele merkwürdige, eigenwillige, stille, wilde, strahlende, dunkle Texte“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Thomas Stangl, Schriftsteller _ Wien 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Thomas Stangl _ Bachmannpreisnominierter 2007, Gewinner Telekom Austria Preis.

Im Interview _ Thomas Stangl, Schriftsteller _ Wien.

Thomas Stangl _ Bachmannpreisnominierter 2007, Gewinner Telekom Austria Preis.

Lieber Thomas, Du hast 2007 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen nach knapp zwanzig Jahren? Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die ersten spontanen Erinnerungen… eigentlich erinnere ich mehr an das Dasitzen im Garten des ORF-Zentrums, Zuhören, in die Luft Schauen als an die Lesung oder die Preisverleihung.

Das Besondere ist sicher die öffentliche Reichweite durch die Live-Fernsehübertragung (auch wenn das Fernsehen in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung verloren hat).

Wie kam es zu Deiner Nominierung und wie hast Du Dich im Vorfeld vorbereitet?

Ich hatte mich nicht beworben, irgendwann im April weckte mich ein überraschender Anruf von Iris Radisch, der offenbar einer ihrer eigentlichen Kandidaten abhandengekommen war; nach ein paar Tagen Überlegung habe ich zugesagt und dann einen Ausschnitt aus dem Roman, an dem ich damals schrieb, zu einem Kurztext umgearbeitet. Sonst habe ich mich wenig vorbereitet.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion danach erlebt?

Es ist nicht angenehm, dazusitzen und solch einer Diskussion zuzuhören, auch wenn die meisten Beiträge eher freundlich waren. Allerdings entsteht da auch eine Art von Betäubungszustand, als würde man unter dem ganzen ungewohnten Trubel hindurchtauchen können.

Du hattest in Klagenfurt auch die Begleitung von Deiner Frau, Schriftstellerin Almut Tina Schmidt (Bachmannpreisnominiert 2025, Gewinnerin des 3sat Preises) und warst auch 2025 vor Ort, um Deine Frau zu begleiten. Wie wichtig ist eine gute Begleitung, Unterstützung in diesem Wettbewerb bei der Lesung und rundum?

Das fand ich, in beiden Rollen, sehr wichtig. Um nicht einerseits dem gesammelten Literaturbetrieb ausgeliefert zu sein und dann plötzlich nachts allein mit den Eindrücken und Gedanken, die durch den Kopf wirbeln. Wobei auch die Solidarität unter den Autor(inn)en und die Betreuung durch das Veranstalterteam vor Ort sehr freundlich und nett war.

Was hat sich im Blick von 2007 (Deiner Teilnahme) und 2025 (Teilnahme Deiner Frau) im Ablauf, Rundum des Bachmannpreises verändert?

Die Rolle des Internets ist wesentlich größer geworden, vor allem die Rolle der Sozialen Medien (die es in „meinem“ Jahr ja noch nicht gab). 2007 war auch der Präsentationsfilm nicht so wichtig wie 2025. Gleichzeitig ist die Berichterstattung in den klassischen Medien, vor allem in den deutschen Feuilletons stark zurückgegangen – so wie insgesamt der Raum für Literatur in der Öffentlichkeit immer schmaler wird.

Du wurdest 2007 mit dem Telekom Preis in Klagenfurt ausgezeichnet. Wie hat sich dies ausgewirkt?

Gesteigerte Aufmerksamkeit (zumindest eine Zeit lang) und eine gefestigte Basis fürs Weiterschreiben.

Welchen Platz haben Eure Klagenfurt-Preise Zuhause gefunden?

Naja, in unserer generell etwas chaotischen Wohnung liegen sie irgendwo herum. Wir haben ja weder ein Regal mit Pokalen wie Sportler (oder deren Mütter) noch sind wir Ärzte, die zur Beruhigung der Patienten ihre Diplome an die Wand hängen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Verantwortliche in den Fernsehsendern und den Stadt- und Landesverwaltungen, die nicht nur auf Quoten und kurzfristige Vermarktbarkeit bzw. auf Spareffekte und Popularität achten, sondern die kulturelle Vielfalt und den Wert besonderer und einzigartiger Veranstaltungen im Blick haben. Und Menschen, die geeigneten Druck auf diese Institutionen ausüben.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wir alle wünschen jedem alles Gute, wie Ernst Jandl sagte („dass der gezielte Schlag ihn just verfehle / dass er getroffen zwar nicht sichtbar blute“) nein, Besseres als das, den Teilnehmer:innen Mut und Gleichmut, und allen das Beste: viele merkwürdige, eigenwillige, stille, wilde, strahlende, dunkle Texte.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Thomas Stangl, Schriftsteller

Zur Person: Thomas Stangl, geboren 1966, studierte Philosophie und Spanisch und lebt als freier Schriftsteller in Wien. Seit seinem Debutroman Der einzige Ort (Literaturverlag Droschl, Graz 2004) veröffentlichte er zahlreiche weitere Romane, Erzähl- und Essaybände, zuletzt den Roman Quecksilberlicht (Matthes & Seitz Berlin 2022) und den Erzählband Diverse Wunder (Droschl, 2023). Im Frühjahr 2027 erscheint bei Matthes & Seitz Berlin sein neues Buch Die Ausnahme. Ein Roman von Benjamin Kiefer.

Unter anderem wurde sein Werk mit dem aspekte-Preis für das beste Debut des Jahres 2004, dem Erich-Fried-Preis sowie dem österreichischen Kunstpreis für Literatur und dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet.

Thomas Stangl gewann den Telekom-Austria-Preis beim Bachmann-Preis (2007).

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Bachmannpreis _ ORF Studio Kärnten

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto:  Thomas Stangl _ Almut Tina Schmidt

Foto: ORF/Bachmannpreis Studio-Setting _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 25.5.2026

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„Nun wusste ich, dass beim Bachmannwettbewerb Blut fließen muss“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martin R. Dean, Schriftsteller _ Basel 16.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Martin R. Dean, Schriftsteller _ Basel

Bachmannpreisnominierter 1983

Lieber Martin, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

1983, ich war am Vorabend noch mit Rainald Goetz zusammen, der sich am anderen Tag während der Lesung die Stirn aufschnitt. Ich war beeindruckt und gratulierte ihm. Nun wusste ich, dass beim Bachmannwettbewerb Blut fließen muss, Herzblut oder Stirnblut.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Eleganz, mit der man strategische Präferenzen, Vorlieben und Geschmacksurteile in ästhetische Betrachtungen überführt. Natürlich die dörfliche Atmosphäre, die einen die Illusion gibt, zu wissen, wer der Metzger und wer die Bäckerin ist. Immer aber weiß man, wo die nächste Beiz ist.   

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Als ich meinen Text über eine simulierte Männergeburt (Couvade) vorgelesen hatte, sagte Frau Obermüller, es handle sich um den interessanten Beitrag eines emanzipationsgeschädigten Mannes und Reich-Ranicki rührte den Löffel im Tee. Es gab damals noch kaum ein Bewusstsein für emanzipative Bewegungen, schon gar nicht, wenn sie Männer und ihre Rolle ironisch spiegelten.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Gar nicht. Ich hatte das Jahr zuvor meinen ersten Roman „Die verborgenen Gärten“ veröffentlicht, hatte meine Sprache und (m)ein Thema gefunden und blieb gegenüber den Klagenfurter Anfechtungen immun.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Mehr Offenheit und Durchlässigkeit gegenüber den Literaturen der Welt (nicht den Autor:innen). Zu lange hat sich die deutschsprachige Literatur eingeigelt und selbst gefeiert. Ihr Inseldasein vergoldet. Geöffnet hat sie sich erst spät und nur gegenüber den Literaturen aus dem Osten Europas. Als Schweizer vermisste ich aber die Echoräume Frankreich und die frankophone Literatur, die angelsächsische und spanische Literatur. Und die afrikanische Literatur.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Mut, über die eigenen Grenzen zu schauen, mehr Zugewandtheit zu den Themen, die die Welt bewegen und bedrohen. Kolonialismus, Migration, Auflösung der Gesellschaften, Identität. Weniger Nabelschau. Und zentral: Mehr Courage zum nichtweißen Blick.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martin R. Dean, Schriftsteller

Zur Person: Martin R. Dean, 1955 im Kanton Aargau geboren, Studium der Germanistik, Philosophie und Ethnologie. Reisen im globalen Süden. Arbeiten als Essayist u.a. für die Neue Zürcher Zeitung, FAZ, Die Wochenzeitung, CH Medien, die REPUBLIK. Lebt als Autor und Essayist in Basel.

Letzte Veröffentlichungen: «Verbeugung vor Spiegeln», Essay 2015 (Shortlist des Schweizer Buchpreises), «Warum wir zusammen sind», Roman 2019, «Meine Väter», Roman 2024, «Tabak und Schokolade», Roman 2024, «In den Echokammern des Fremden», Essays 2025

Alle Bücher bei «Jung und Jung», Salzburg, Kampa/Atlantis Zürich

Aktueller Roman: Martin R. Dean, Tabak und Schokolade, Roman _ Atlantis Verlag.

„Nach dem Tod der Mutter findet der Erzähler in einer Schublade ein Album mit Fotos seiner frühen Kindheit, die er auf der Karibikinsel Tri­nidad und Tobago verbracht hat. Als junge Frau hatte sich die Tochter von »Stumpenarbeitern« aus dem Aargau in ein Abenteuer mit einem Tunichtgut der westindischen Oberschicht gestürzt und ein Kind bekommen. Während die übrige Familie bemüht ist, das Gedächtnis an die Jahre der Mutter bei den »Wilden« aus­zulöschen, macht sich der Erzähler auf, diese Geschichte, die auch seine eigene ist, zu retten.

Tabak und Schokolade führt in den tropischen Dschungel einer britischen Kronkolonie der fünfziger und sechziger Jahre. Indem der Er­zähler immer weiter zu seinen indischen Vor­fahren, die als Kontraktarbeiter in die Karibik verschifft wurden, vordringt, legt er nicht nur einen Familienstammbaum, sondern auch ein Stück Kolonialgeschichte frei. Dem gegen­über wird die Erinnerung an das Aufwachsen im »Tabakhaus« der Großeltern im Aargau gestellt und die Annäherung an eine Mutter, die zu Lebzeiten stets unnahbar erschien.“ (Pressetext/Verlag)

Martin R. Dean, Tabak und Schokolade, Roman _ Atlantis Verlag.

224 Seiten | Gebunden

€ (D) 22,– | sFr 31,– | € (A) 22,70

ISBN 978-3-7152-5039-7

Tabak und Schokolade – Atlantis Literatur

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Neuer Platz
Wörthersee

Foto: Martin R. Dean _ Maia Wackernagel

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 16.6.2026

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„Ich ging meinen Weg, wie ich ihn für richtig hielt“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Ilma Rakusa, Schriftstellerin _ Zürich 16.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Ilma Rakusa, Schriftstellerin _ Zürich

Bachmannpreisnominierte 1981

(Bachmannpreisjurorin 2003 – 2007)

Liebe Ilma, Du hast 1981 als Lesende am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Als ich 1981 zur Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb eingeladen wurde, hatte ich erst wenig publiziert, mein erstes wichtiges Buch, Die Insel, erschien wenig später beim Suhrkamp Verlag. Also war ich aufgeregt, zumal der Juryvorsitzende, Marcel Reich-Ranicki, bekannt für seine harschen Urteile war. Doch erstaunlicherweise äußerte er sich überhaupt nicht zu meinen zwei Kurzgeschichten, überließ die Diskussion den anderen Juroren. Diese wirkten entspannt und sagten viel Wohlwollendes. Ich fühlte mich verstanden und verließ das Podium sehr erleichtert.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Besondere am Bachmannpreis ist die Tatsache, dass ich als Autorin erleben muss, wie über meinen Text unmittelbar nach der Lesung diskutiert wird: in meiner Gegenwart, und natürlich vor Publikum und laufender Kamera. Das ist unter Umständen schwer zu ertragen, denn einmischen sollte man sich besser nicht. Da kann schnell ein Gefühl der Ohnmacht aufkommen, der Wehrlosigkeit, ja der Scham. Ohnehin fühlt man sich beim Vorlesen eines unveröffentlichten Textes exponiert, was Publikum und Jury oft schwer verstehen. Die öffentliche Debatte danach macht die Sache aber noch viel schwieriger.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

In meinem Fall war die Jurydiskussion sehr fair und für mich anregend. Einen Preis habe ich nicht gewonnen, war jedoch in den Klagenfurter Texten jenes Jahres – sie erschienen in Buchform – vertreten.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Auf meinen Stil hat sich die Teilnahme nicht ausgewirkt, auch nicht auf meine weitere Laufbahn. Ich ging meinen Weg, wie ich ihn für richtig hielt, vom Literaturbetrieb wollte ich mich nicht abhängig machen. Auch hatte ich nie einen Agenten, was für heutige Autoren:innen fast undenkbar ist. Diese nutzen ferner ausgiebig die sozialen Medien, für mich persönlich noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich finde, der Bachmannpreis sollte ein möglichst breites Spektrum haben und nicht zum reinen Nachwuchswettbewerb werden.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wer mitmacht, sollte es als Chance sehen und sich von negativen Urteilen nicht zu sehr beirren lassen. Freilich liegt es an der Jury, Kritik so zu formulieren, dass sie weder beleidigend noch demotivierend wirkt. Da Streit publikumswirksam ist, darf es ihn ruhig geben, nur bitte taktvoll und ohne Ressentiments. In diesem Sinne: Viel Glück für den Bachmannpreis – und noch viele erfolgreiche Jahre!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Ilma Rakusa, Schriftstellerin

Zur Person: Ilma Rakusa (*1946) studierte Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und Leningrad. Sie lebt als Autorin, Übersetzerin und Kritikerin in Zürich. Für ihr umfangreiches Werk, das Lyrik, Erzählungen, Tagebuchprosa, Essays, Dramolette und das Erinnerungsbuch Mehr Meer umfasst, erhielt sie u.a. den Schweizer Buchpreis, den Manès-Sperber-Preis, den Kleist-Preis und 2025 den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und in verschiedenen Jurys tätig. Zuletzt erschienen: Mein Alphabet (2019), Kein Tag ohne. Gedichte (2022) und Wo bleibt das Licht. Tagebuchprosa (2025).

Website der Autorin: www.ilmarakusa.info

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Empfang der Stadt Klagenfurt _ Schloss Loretto/Wörthersee

Foto: _ Ilma Rakusa _ Katalin Deer/Droschl Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Kärnten/Maltschacher See_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 16.6.2026

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