„Das Theater hat mir oft gezeigt, was es an Stärke zu vermitteln vermag“ Maxi Blaha, Schauspielerin_Wien, 26.3.2020

 

Liebe Maxi, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

 Ich bin mit meinem 9 jährigen Sohn Nepomuk in selbstgewählter Quarantäne. Koche, mache mit ihm Hausaufgaben… Dazwischen telefoniere ich mit meiner Londoner Autorin Penny Black, die mein neues Theatersolo schreibt, das im Herbst uraufgeführt werden soll…

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mitgefühl, Sorgfalt und uns selbst nicht so wichtig zu nehmen. Wir müssen nun weniger an uns selbst denken, sondern an die Alten, Schwachen, Kranken. Wichtig ist, den Mut nicht zu verlieren und die Kraft, die Hoffnung und das Mitgefühl.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater und der Kunst zu?

Die Kunst ist das, was uns Kraft und Hoffnung gibt.

Das Theater hat mir oft gezeigt, was es an Stärke zu vermitteln vermag.

Oft haben mir Zuseherinnen erzählt oder geschrieben, wie sehr sie betroffen und berührt waren. Dieser Aspekt der menschlichen Rührung ist für mich immer schon wesentlich. Das wird immer mein Hauptmotor für mich als Künstlerin sein. Ich sehe die Rührung und das Mitgefühl als wesentliche Kraft des Theaters.

 

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Was liest Du derzeit?

Die Schnitzlers.

 

Welches Zitat, welche Szenerie aus Deinen aktuellen Theaterprojekten möchtest Du uns mitgeben?

 

Bertha von Suttner!!!

https://m.youtube.com/watch?v=O1utpYdxnjs&t=4s&fbclid=IwAR2lhSGrAduVpMFREHUVIF4ZGhhvtB9wo1Q6DoG-mVKucuTsnkD77–qc04

 

Vielen Dank für das Interview liebe Maxi und viel Erfolg für Dein aktuelles großartiges Theaterprojekt „Berta von Suttner“ wie Deine weiteren Projekte und persönlich alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen: Maxi Blaha, Schauspielerin

Aktuelles Theaterprojekt:  „Berta von Suttner“

Startseite

 

26.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Walter Pobaschnig: Maxi Blaha in „Emilie Flöge“ (2018), Belvedere Wien.

 

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„Vielleicht kann die jetzige Krise die Menschen (und nicht nur „die Politiker“) lehren, dass es anders gehen kann“ Leopold Federmair, Schriftsteller _ Japan_5 Fragen_25.3.2020

Lieber Leopold, Du lebst in Japan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nicht viel anders als sonst, etwas ruhiger vielleicht, aber im März ist an der Uni, wo ich meinem Brotberuf nachgehe, sowieso vorlesungsfrei. Geplant war, dass ich die zweite Märzhälfte mit meiner Familie in Venedig verbringe, daraus wurde nichts. Und auch aus dem für 31. März in der Alten Schmiede zu Wien geplanten Symposion mit Peter Henisch, Olga Martynova, Anna Weidenholzer, Robert Stripling wird vorläufig nichts. Schriftsteller haben ja die meiste Zeit home office. Die derzeit laufende Vorbereitung für dieses Symposion über die Zukunft des Romans bzw. das Projekt, zu dem es gehört, hat aus uns fünfen etwas wie eine kleine Urgemeinde gemacht, so sehe ich das (ein bisschen selbstgefällig) zumindest, aber physisch zusammengekommen sind wir bisher nicht. Durch das Nicht-Reisen-Müssen (ja!) habe ich mehr Zeit zur Verfügung, der Roman, an dem ich arbeite, geht schneller voran, als ich das von ihm erwartet hatte.

 

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Warum das Virus in Japan so zurückhaltend ist, kann ich nicht sagen, es hat etwas Rätselhaftes. Die Schulen sind früh geschlossen worden, aber die Regeln werden nicht sehr strikt gehandhabt, allgemeine Ausgangsbeschränkungen gibt es nicht. Natürlich hätte ich Gründe zur Hand, die Reinlichkeit der Japaner (kann man verallgemeinern!), Distanziertheit, keine Bussis, kein Händeschütteln, dann auch die geringe Luftverschmutzung, auch in den Metropolen… Trotzdem, es bleibt rätselhaft.

Tagesablauf, wenn du’s genau wissen willst: Aufstehen, frühstücken, Blick ins Internet, Frühstück für meine Tochter machen, mit dem Fahrrad in mein Studio an der Uni fahren, schreiben, manchmal ein Café (ja!) besuchen, auch Spaziergänge in den Wäldern und zwischen den Feldern, im ersten Frühling, die Kirschbäume beginnen zu blühen, viel früher als in früheren Jahren, gegen Abend einkaufen, kochen, essen, häufig sehen wir danach im Heimkino (home cinema) Filme, zuletzt einen japanischen von 1999, Popoya („Der Bahnvorstand“), nach einer Erzählung von Jiro Asada, im Schnee von Hokkaido spielend, wunderbarer Film in der Tradition von Yasujiro Ozu, Shohei Imamura etc.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

„Wir alle“, das bezieht sich vermutlich auf Österreich oder Europa. Ich verfolge die viralen Corona-Entwicklungen in diversen Ländern, sie sind recht unterschiedlich (und die Erhebung und Darstellung ist unterschiedlich), z. B. sind meine Freunde in Spanien derzeit ziemlich in der Bredouille, sprich in einem echten Ausnahmezustand, aber ich kann ihnen keine Ratschläge geben. Vieles liegt ohnehin auf der Hand. Das Wort „viral“ hatte bis vor kurzem einen coolen und elanvollen Bedeutungshof, der mich ehrlich gesagt ziemlich genervt hat. To go viral, oh! Jetzt hat sich eine ganz andere, ältere und nicht metaphorische Bedeutung zurück in den Vordergrund gedrängt. Vielleicht kann das auch heilsame Wirkungen haben.

 

In Deinen Romanprojekten geht es auch wesentlich um Beschreibung von Lebenserfahrungen/-kontexten. Es geht dabei um persönliche Wahrnehmungen, Herausforderungen und gesellschaftliche Prozesse.

Auch jetzt wird es ein Neubeginn sein, von dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen bzw stehen werden. Was ist dabei wesentlich?

Seit Jahren frage ich mich, anfangs zögernd, ob wir nicht zwangsläufig auf eine neue Katastrophe zusteuern. Zyklentheorie und so. Im 20. Jahrhundert gab es zwei sehr große Katastrophen (und mittlere wie die Spanische Grippe), nach dem ersten Weltkrieg hat man nicht viel daraus gelernt, nach dem zweiten schon, aber nach ungefähr einem halben Jahrhundert begannen gewisse „Errungenschaften“, das Wort ist gar nicht so schlecht, doch wieder zu bröckeln, und Neues kam nicht in Sicht, nur Altes. (Eigentlich müsste ich die Wirtschaftskrise von 1929 hinzufügen, und den darauf folgenden New Deal, den neuen contrat social.) Vielleicht kann die jetzige Krise die Menschen (und nicht nur „die Politiker“) lehren, dass es anders gehen kann, dass man Alternativen ausarbeiten kann, dass wir, auch wenn wir uns streiten, doch eine Gemeinschaft sind und der Streit in deren Dienst stattfinden sollte. Was mir in den letzten Jahren Sorgen machte, ist das Lagerdenken, der mangelnde Respekt vor dem anderen – was, wie man jetzt sieht, auch heißen kann: Mangel an Distanz zum anderen.

In Japan sollten die Leute aus dem jetzigen Stillstand im Schulsystem, der zum Glück nicht unnötig von „school at home“ durchkreuzt wird, weil die Ferien sowieso immer mit Hausaufgaben zugemüllt sind, lernen, dass es nichts bringt, immer alles noch mehr zu verbessern, zu vermehren, zu vergrößern, aus- und anzufüllen. Dass Spiel und Nichtstun und Schlafen wichtig und schön sind. Das hat man den hiesigen Kindern nämlich ausgetrieben, und die Kinder nehmen es in ihre Erwachsenenexistenz, in die sogenannte Arbeitswelt, mit.

 

Was liest Du derzeit?

Unendlicher Spaß von David Foster Wallace (schon lange) und Gedanken dichten von George Steiner (seit kurzem). Ich höre in diesen Tagen Country Music, besonders Townes Van Zandt, zeitlebens ein Außenseiter, unglücklich und großartig. Long live the United States, carajo!

 

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem aktuellen Roman möchtest Du uns mitgeben?

Wasserbläschen wandern

das Bächlein hinab

Schattige Kreuze am Grund

 

Vielen Dank für das Interview lieber Leopold und viel Erfolg für Deinen neuen Roman und persönlich alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Leopold Federmair, Schriftsteller

Aktueller Roman:  Leopold Federmair, Die lange Nacht der Illusion (2020), Otto Müller Verlag

 

23.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Leopold Federmair

 

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„Sicher ist bisher nur eines: Es wird nicht so werden wie vorher.“ Isabella Straub, Schriftstellerin _ 5 Fragen_24.3.2020.

Wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich jetzt nicht so dramatisch verändert: Ich bin auch vorher hauptsächlich allein zu Hause vor dem Computer gesessen. Im Pyjama und mit ungewaschenen Haaren.
Neu ist, dass ich täglich koche und die Spaziergänge an der frischen Luft noch mehr schätze. Neu ist auch eine gewisse neurotische Ader, die jetzt fröhliche Urständ‘ feiert: Kommt mir ein Mensch auf dem Gehsteig entgegen, wechsle ich schon mal die Straßenseite.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?


Ich glaube, dass es bei allen schrecklichen Bildern doch wichtig ist, die Hoffnung nicht zu verlieren. Ich vertraue dabei auf die Innovationskraft der Menschheit: Ich bin davon überzeugt, dass es bald ein Medikament geben wird, mit dem man die schweren Fälle behandeln kann. Es gibt bereits Beatmungsventile aus dem 3D-Drucker; Textilfirmen, die Atemschutzmasken für Krankenhäuser nähen und Nachbarschaftshilfen an jeder Ecke. Wir halten Abstand und rücken doch alle näher zusammen.

 

In Deinem aktuellen Roman „Wer hier schlief“ geht es um Sehnsucht und Liebe im dystopischen Kontext von persönlicher Existenz. Es geht dabei um die Herausforderungen, Wirrungen und Hoffnungen. Auch jetzt wird es ein Neubeginn sein, von dem wir gesellschaftlich wie persönlich stehen bzw stehen werden. Was ist dabei wesentlich?

Im Moment habe ich noch gar kein Bild von diesem Neubeginn. Die Krise legt die Wunden auf die vulnerabelsten Stellen unserer Gesellschaft. Ohne Zweifel ist der Rückzug, ein zeitweiliger Stillstand auch gut für uns und die Welt – wobei ich das jetzt nicht romantisieren will. Was ich bemerke, ist jedenfalls ein immenser Wille, diese Krise gemeinsam zu stemmen – ich spreche hier auch von den wirtschaftlichen Konsequenzen. Schön wäre es, wenn wir diese Haltung in die Normalität 2.0 hinüberretten könnten. Denn sicher ist bisher nur eines: Es wird nicht so werden wie vorher.

 

 Was liest Du derzeit?

Ich habe mir zuerst überlegt, Isolations-Romane noch einmal zu lesen („Die Wand“ von Marlen Haushofer oder „Die Arbeit der Nacht“ von Thomas Glavinic), bin aber jetzt doch dazu übergegangen, Texte zu lesen, in denen das Leben nur so pulsiert, um dieses „Vorher“ nicht zu verlieren: „Ein Mann der Tat“ (Richard Russo) und „Wie später ihre Kinder“ (Nicolas Mathieu). Soeben habe ich eine der Great American Novels von Meg Wolitzer beendet – für mich immer ein Garant für gute Unterhaltung.

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem aktuellen Roman möchtest Du uns mitgeben?

Lieber ein expressionistisches Gedicht von Jakob von Hoddis – denn Humor wird uns retten. Und wenn nicht, dann macht er das Unerträgliche wenigstens erträglich.

 

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,

In allen Lüften hallt es wie Geschrei,

Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei

Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen

An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Isabella, viel Freude und Erfolg für Dein neues Romanprojekt wie Deinen großartigen aktuellen Roman und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Isabella Straub, Schriftstellerin

Aktueller Roman von Isabella Straub: Wer hier schlief_ Verlag Blumenbar bei Aufbau, 2017

 

20.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Fotos_Stefan Schweiger.

 

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„Plötzliches und entschiedenes Handeln und generationenübergreifende Solidarität sind möglich“ Theodora Bauer, Schriftstellerin_5 Fragen_Wien 23.3.2020

Liebe Theodora, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Paradoxerweise gar nicht so anders als sonst – bzw. gar nicht so anders als in Schreibphasen. Ich hatte großes Glück – ich habe diese Saison kein Buch heraußen und hatte ohnehin geplant, mich wieder zum Schreiben zurückzuziehen. Ich habe mir deshalb auch nicht viele Termine gelegt, weshalb mich deren Ausfall auch nicht so stark trifft. Ich fühle aber dennoch sehr mit denjenigen KollegInnen, denen jetzt wertvolle Einnahmen entgehen und vor allem mit denen, die jetzt ein neues Werk am Start hätten.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, man soll die jetzige Situation – also zu Hause sitzen zu müssen – nicht zu schwer nehmen. Wir werden nicht aufgefordert, in den Krieg zu ziehen, es hat keine Erdbeben, Buschfeuer, Überschwemmungen gegeben – im Gegenteil: die vorliegende ist eine Situation, die wir im Gegensatz zu Naturkatastrophen und Schicksalsschlägen selbst kontrollieren können… wenn wir uns richtig verhalten.

 

In Deinem aktuellen Roman „Chikago“ geht es um Aufbrüche zu neuen Lebensorten und Lebenswegen. Es geht um Neubeginn mit allen Herausforderungen. Auch jetzt wird es ein Neubeginn sein, von dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen bzw stehen werden. Was ist dabei wesentlich?

Mich persönlich interessiert neben der konkreten Ausgestaltung der Hilfsmaßnahmen, etc. auch der gesellschaftliche Nachhall, den die jetzige Zeit haben wird. Wir gehen immer davon aus, dass die Ereignisse, die wir gerade durchmachen, monumentaler sind als sie meist im Rückblick wirken, und ich bin gespannt, ob es diesmal auch so sein wird. Das heißt: Werden die Leute in einem Jahr diese Zeit vergessen haben und genauso weitermachen wie zuvor? Wird eine neoliberale Politik herrschen, die den Sozialstaat so weit wie möglich herunterkürzen will, die Solidarität nahezu unmöglich macht und die Menschen unnötig entzweit? Wird die Umwelt weiter zerstört werden? Oder werden wir uns an diese Zeit des Innehaltens erinnern und die akute Erkenntnis, die wir dieser Tage hatten, behalten: Dass nämlich gerade das, was in den letzten Jahren fast weggespart worden wäre, uns jetzt sprichwörtlich am Leben hält, dass oft die Menschen, die am wenigsten Geld bekommen, die meiste Last – gerade auch in Krisen – tragen, dass die Sozialpartnerschaft eine wichtige und gute Einrichtung ist, die wir nicht begraben, sondern stärken sollten? Und werden wir vielleicht auch merken – jetzt, wo die Delfine wieder vor Venedig springen und die Luftverschmutzung über den globalen Ballungsräumen massiv zurückgeht – dass ein bisschen weniger überschießende Betriebsamkeit auch der Natur guttäte? (Das heißt selbstverständlich nicht, dass der Schock, dem unser Wirtschaftssystem jetzt ausgesetzt ist, wiederholt werden sollte, beileibe nicht; aber es heißt, dass wir vielleicht einige Veränderungen, die zugunsten der Umwelt nötig wären und die ihr auch guttäten, evolutionär bewerkstelligen könnten anstatt durch brutale Abbrüche… Denn auch das sehen wir jetzt: Plötzliches und entschiedenes Handeln und generationenübergreifende Solidarität sind möglich, wenn es nur alle wollen.)

 

Was liest Du derzeit?

Ich werde mich in den nächsten Wochen mit denjenigen Büchern und Buchempfehlungen beschäftigen, die wir in den nächsten Sendungen von „literaTOUR“ auf ServusTV bringen werden – selbstverständlich kann erst wieder gedreht werden, wenn sich die Situation in Sachen Corona entspannt hat. Bis dahin habe ich ja auch so genug Zeit, mich mit guter Literatur zu beschäftigen. 😉

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem aktuellen Roman möchtest Du uns mitgeben?

Folgendes Zitat scheint mir momentan irgendwie passend – Ana sitzt im Jahr 1921 gerade in einem Zug, der sie quer durch Europa zum Hafen nach Hamburg bringt, von wo aus das Schiff nach Amerika ablegen wird:

Die Ana hat ihren Blick abgewendet, hat durchs Fenster in die Landschaft hineingeschaut, die blau gewesen ist vom frühen Morgen. Sie hat die Weite unter sich gespürt. Die Zeit und das Ruckeln vom Zug und die Länder, die sie durchkreuzt haben, sind zu einer Einheit verschmolzen, die unter ihnen weggerollt ist, die sie hinübergeschoben hat in ein anderes Leben. Die Ana hat gemerkt, dass sie traurig gewesen ist. Nicht aus einem einzigen, einfachen Grund, den sie benennen hätte können. Es hat schlicht so viel gegeben, das man nicht ändern hat können, das so sein hat müssen, wie es gewesen ist, und das hat sie traurig gemacht.

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Theodora, viel Freude und Erfolg für Deine Literaturprojekte in Buch und TV und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Theodora Bauer, Schriftstellerin

Aktueller Roman von Theodora Bauer: Chikago, Picus Verlag

 

21.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Alle Fotos_Walter Pobaschnig 1_2020.

 

https://literaturoutdoors.com

„Die Krise zum Anlass nehmen, um über grundsätzliche Formen unseres Zusammenlebens nachzudenken“ Sophie Esslinger, Künstlerin_5 Fragen _22.3.2022

 

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Liebe Sophie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Hauptsächlich lesen und malen.

 

 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Solidarität, Rücksicht nehmen, die Krise zum Anlass nehmen, um über grundsätzliche Formen unseres Zusammenlebens nachzudenken.

 

Welche Bezüge von Deinen Kunstprojekten nimmst Du jetzt in die Bewältigung der aktuellen Situation mit?

Ruhe und Reflexion.

 

Hast Du Empfehlungen für virtuelle Kunstzugänge?

Für die Bildende Kunst bietet auf jeden Fall jetzt Instagram trotz geschlossener Ausstellungsräume eine Möglichkeit, die Kunst zu teilen.

Es lohnt sich immer die Homepage der KünstlerInnen zu besuchen.

 

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Sophie Esslinger, Chor (Parsifal) 2019

 

Welchen Impuls aus Deinen Kunstprojekten möchtest Du uns mitgeben?

Versuchen mit den Gegebenheiten umzugehen und trotzdem weiter kritisches Denken zu pflegen.

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Vielen Dank für das Interview liebe Sophie und viel Erfolg für Deine Kunstprojekte und persönlich alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sophie Esslinger, Bildende Künstlerin

Home

 

18.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Fotos_Walter Pobaschnig.

Bild_Sophie Esslinger.

 

„Alles was jetzt aus Hirn und Herz kommt, hat eine ganz große Bedeutung für uns alle“ Erzsebet Nagy Saar, Künstlerin _ 5 Fragen _ 21.3.2020

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Liebe Erzsebet, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn ich male, suche ich die Stille, es ist also in gewisser Weise wie gewohnt. Aber das Gefühl ist jetzt natürlich anders. Im künstlerischen Prozess von Reflexion und Aktion ist es jetzt noch intensiver, bewegender als je zuvor.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns alle ist jetzt enorm wichtig, dass wir aufeinander aufpassen, zuhause bleiben, gesund bleiben und für die, welche es brauchen, Hilfe anbieten. Die Situation ist sehr ernst zu nehmen und als Künstler gilt es jetzt auch wahrzunehmen und zu arbeiten, zu schaffen.

 

Welche Bezüge von Deinen Werken nimmst Du jetzt in die Bewältigung der aktuellen Situation mit?

Meine aktuellen Arbeiten sind von Menschen der Generationen des 20.Jahrhunderts und ihren Erfahrungen, Erzählungen auch ihren bleibenden Ängsten inspiriert. „Diese Zeiten kommen nie wieder“ habe ich dabei oft gehört. Das stimmt natürlich, aber es ist ein dystopischer Gedanke, der mich auch angesichts der aktuellen Situation bewegt und mich dazu motiviert zu malen, zu schaffen – beinahe atemlos.

 

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Dieses Foto meiner Werke in meinem Atelier symbolisiert jetzt meine Wahrnehmung wie Arbeit am Ausdrucksvollsten. Zwischen Licht und Schatten findet eine Trennung statt. Eine Trennung von Vergangenheit und dem Jetzt. Daran denke ich, das fühle ich und daran arbeite ich.

 

Hast Du Empfehlungen für virtuelle Kunstzugänge?

Für mich ist Kunst und Kunstbetrachtung immer etwas sehr Direktes, Anschauliches. Virtuelle Präsentationen sind daher nicht mein Zugang, um Kunst zu betrachten aber ich finde es gut und wichtig, dass diese Möglichkeit virtuell Ausstellungen ansehen zu können, besteht.

Spätestens wenn meine kommende geplante Ausstellung in Wien ausfällt, wird das bestimmt auch für mich ein Thema sein bzw werden.

 

Welchen Impuls aus Deinen Kunstprojekten möchtest Du uns mitgeben?

Mein Impuls bzw Wunsch für unsere Gesellschaft ist in diesen Zeiten globaler Pandemie noch tiefer, kritischer wie visionärer, in sich zu gehen und sich Zeit zu geben, um etwas Neues zu beginnen, zu erschaffen. Alles was jetzt aus dem Kopf, dem Hirn wie dem Herzen kommt, auch wenn es vielleicht zunächst Angst macht, hat eine ganz große Bedeutung für uns alle – in Leben und Kunst für unsere Zukunft.

 

Vielen Dank für das Interview liebe Erzsebet und viel Erfolg für Deine kommenden Ausstellungsprojekte und persönlich alles Gute!

 

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5 Fragen an KünstlerInnen:

Erzsebet Nagy Saar, contemporary Artist painter

https://www.erzsebetnagysaar.com/

 

19.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Fotos_Walter Pobaschnig

Bild_Erzsebet Nagy Saar.

 

„Ich an meiner Seite“ Birgit Birnbacher. Roman. Zsolnay Verlag.

 

„Ich an meiner Seite“ Birgit Birnbacher. Roman. Zsolnay Verlag.

 Das Licht fällt in den fahrenden Zug. Blitzlichtern gleich streift es die namenlosen Gesichter, die kleinen Gepäcksstücke, Schiebetüren und den schmalen Gang zwischen den Sitzreihen. Arthur ist still und nachdenklich. Jede Wahrnehmung und Bewegung ist noch keine Selbstverständlichkeit. Wird es vielleicht nie mehr sein. Er ist am Weg ins Freie. Dorthin. Aber wo und wie…

Der Therapeut hat bei der Haftentlassung Arthur das „Schwarzsprechen“ nahegelegt. Der Augenblick, die Emotion, das Bewegende auf Band sprechen. Gleichsam in eine Leere. Eine Leere am Weg zum Licht, das täglich noch so fordert und überfordert…

Leere und Licht so hat auch sein Leben begonnen. Freude und Einsamkeit. Stille an der Hand der Mutter am Weg. Und so geht es weiter bis ins Dunkel. Und jetzt wieder heraus. Ein Anderer werden, jetzt an einem ganz Anderen orientieren, sagt der Therapeut. Doch, war es für Arthur nicht schon immer so? Eben diese Leere im Anderen?

Und Arthur macht sich auf den Weg. Zu Begegnungen mit anderen und seinem Anderen. Ein Weg zu Wahrheit und Welt oder was alle dafür halten…

 

Birgit Birnbacher, Bachmannpreisträgerin 2019, stellt in Ihrem Roman „Ich an meiner Seite“ die eminent aktuelle Frage nach Sinn, Wahrheit und Wert des Menschen in einer beeindruckend tiefgründigen wie innovativen Textform. Die Sprache wird zur feinen Waage des modernen Menschenbildes, auf das die Autorin in ganz außergewöhnlicher Situationsraffinesse Tragik und Komik unseres Lebensalltages legt. Wenn Birgit Birnbacher erzählt, liest der Mensch von Kopf bis Fuß mit, erkennt sich selbst, wird erschüttert, lacht, weint und stellt sich wieder neu auf die Beine – danke!

 

Ein Roman, der in Inhalt und Form alles wagt und alles gewinnt. Zweifellos ein Geschenk und Meilenstein moderner Literatur.

 

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https://literaturoutdoors.com