„Wir alle ringen in der Musik nach neuen Lösungen“ Karlheinz Essl, Komponist_Wien 28.2.2021

Lieber Karlheinz, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe zeitig auf. Die Katzen wollen umsorgt sein. Dann nehme ich mir Zeit für Stille, um Kraft zu sammeln. Nach dem Frühstück mit meiner Frau beginnt der Arbeitstag. Früher bin ich in mein Studio oder auf die Musikuni gefahren. Heute – in Zeiten von Corona – gehe ich nur selten außer Haus. Ich steige in mein Dachkabäuschen, wo ich mir einen Arbeitsplatz eingerichtet habe. Während des Semesters unterrichte ich dort online, in streng getaktetem Stundenrhythmus. Das geht besser, als ich anfangs gedacht hatte.

Karlheinz Essl, composer, performer_ -VIC_Viktor Brazdil _ 2020

Mittags koche ich. Das entspannt und bringt mich auf andere Gedanken. Wenn es die Zeit und das Wetter zulässt, treibt es mich hinaus ins Freie. Oft mit dem Fahrrad. An unterrichtsfreien Tagen bereite ich mich auf mein wöchentliches Kompositionsseminar vor. Oder ich widme mich meiner eigenen künstlerischen Arbeit. Treffe MitstreiterInnen auf Zoom, um aktuelle oder zukünftige Projekte zu besprechen. Vieles davon ist im letzten Jahr ausgefallen. Neue Präsentationsformate mussten entwickelt werden. Von Zeit zu Zeit finden aber auch „echte” Begegnungen statt, wie früher. Proben im kleinstmöglichen Setting. Treffen mit Studis und KollegInnen.

Karlheinz Essl, composer, performer _ ©Pepo Schuster, austrofocus.at

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Leben im Moment. Spontan auf die ständig wechselnden Bedingungen reagieren. Neue Ideen zulassen. Ausgetretene Pfade verlassen. Andere unterstützen. Miteinander, nicht gegeneinander arbeiten. Die Worte Konkurrenz, Leistungssteigerung und Wettbewerb aus dem Sprachschatz verbannen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Früher bin ich viel gereist. War ständig unterwegs. Das wird sich in Zukunft ändern. Ich habe gelernt, dass es auch andere Formen des Austausches gibt. Aber trotzdem möchte ich die persönlichen Begegnungen nicht missen. Die Pandemie hat uns gezwungen, das Wesentliche im Auge zu behalten. Vieles ist verzichtbar. Ich muss nicht jeden Abend eine Veranstaltung besuchen oder Leute treffen.

Musik spielt eine wichtige Rolle, weil sie so unmittelbar berühren kann. Sie entführt uns in Welten, die wir noch nicht kennen. Verführt zum Hineinhören ins Innere der Klänge. Eröffnet neue Horizonte. Verändert dadurch unser Leben. Und bereichert es.

Karlheinz Essl _Projekt-Ganymed_1 _ Foto _ Helmut Wimmer _ 2018

Aber wie kann Musik wieder „live” erlebt werden? Die althergebrachten Formate einschließlich ihrer sozialen Aspekte stehen auf dem Prüfstand. Online-Konzerte empfinde ich jedoch wie schlecht belichtete Schwarzweißfotos einer blühenden Landschaft. Man erkennt zwar den Inhalt, wird emotional aber wenig berührt. Wir alle ringen nach neuen Lösungen. Und sind gefordert wie nie zuvor. Noch gibt es keine Antworten. Aber viele Fragen.

Was liest Du derzeit?

Die eben erschienene ungekürzte Ausgabe von Haruki Murakamis „Chroniken des Herrn Aufziehvogel”, neu übersetzt von der genialen Ursula Gräfe. Murakamis Blick auf die moderne japanische Gesellschaft und ihre althergebrachten Traditionen ist verstörend und aufregend zugleich.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Sei fest im Hoffen.

Stark in der Beschwörung.

An Liebe reich.

So wirst du überdauern.

Marie Luise Kaschnitz, Dann sei geübt im Traum

aus: Gedichte 1939-1945

Vielen Dank für das Interview lieber Karlheinz, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Karlheinz Essl, Komponist, Performer

Karlheinz Essl: composer / performer – www.essl.at

Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Essl

Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Institut für Komposition, Elektroakustik und Tonmeister_innen-Ausbildung

5.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass errungene Kultur-/Literaturstrukturen nicht verloren gehen“ Monika Littau, Schriftstellerin, Bonn 27.2.2021

Liebe Monika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der Tag beginnt mit einer Tasse Tee und Turnen – moderner würde man wohl Pilates sagen.  Anschließend Frühstück. Es folgt eine Meditation. Dann bin ich klar für den Tag und setze mich an den Schreibtisch. Der Morgen ist mir heilig für die Arbeit. Alles ist noch ganz frisch und offen, auch hoffnungsvoll. Die beste Zeit zum Schreiben.

Es gab mehrere kleine Schreibaufträge, die ich gerade zu erledigen hatte. Beispielsweise habe ich in der vergangenen Woche einen Text über den Alten Friedhof in Bonn verfasst, ebenso einen literarischen Text zum englischen Pop-Art Künstlers Allan Joans. Die Arbeit am letzten Text war quälend. Was Allan Joans macht, gefällt mir nicht, ist provokant und verletzend. Ich wollte böse sein. Das fiel mir aber schwer. Ich bin froh, dass ich diese kleinen Dinge erledigt habe, denn jetzt soll es wieder an ein größeres Werk gehen. Ein Manuskript, das bereits 100 Seiten hat, wird eine vollkommen andere Form finden.

Monika Littau, Schriftstellerin

Durch die Corona-Beschränkungen müssen immer neue Wege gefunden werden, damit die geplanten Veranstaltungen umgesetzt werden können.  Am Samstag wird es beispielsweise eine Premieren-Lesung im Netz mit sieben AutorInnen geben („Die Spuren der Stadt im Text – Bonn…“), die ursprünglich als Live-Veranstaltung für den Herbst vorgesehen war. Wir hatten übrigens bereits im letzten Jahr in anderer Konstellation eine Lesung, die die Corona-Situation thematisierte, mit dem Motto: „Geteilte Einsamkeiten“.

An Stelle einer Lyriktagung, die nicht stattfinden konnte, entstehen gerade Lyrikvideos. Das ist recht aufwändig. Ich stelle auch fest, dass beispielsweise  Filmemacher zurzeit völlig überlastet sind. Sie sollen aufnehmen und ausstrahlungsgerecht gestalten:  Konzerte, Lesungen, Museumsrundgänge, Ausstellungen. Die Zeit für die Lyrikvideos wird knapp.

Spät am Mittag wird schön gekocht, Neues ausprobiert. Und dann muss ich dringend an die frische Luft. Ich lebe sehr naturnah. Wenn das Wetter mitspielt, gehe ich eine Runde oder fahre Rad. Gerade sind die ersten Osterlämmer geboren. Sie sind noch wackelig auf den Beinen. Ich freue mich, wenn ich sehe, wie sie sich weiterentwickeln. Auch den Rhein, der mächtig über die Ufer tritt, besuche ich. Leider ist der Fußweg derzeit in den Fluten versunken.

Wenn ich „gut gelüftet“ zurück bin,  kann ich wieder an den Schreibtisch.

Die Abende finde ich eher schwierig. Manchmal nehme ich an Online-Veranstaltungen teil. Manchmal sehe ich einen Film. Sonst lese ich oder arbeite weiter oder telefoniere und chatte mit Freundinnen und Freunden. Spätabends ist immer Lektüre angesagt.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist besonders wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Was ist wichtig in meinem Leben? Was ist Sperrmüll? Welche Beziehungen sind tragfähig, auch wenn ich die Menschen nicht treffen kann. Insgesamt geht der Weg von außen nach innen. Und das ist gut so.

Sicher, ich habe keine kleinen Kinder mehr, die nicht in die Kita müssen, und deshalb alle paar Minuten etwas Anderes von mir möchten. Ich habe auch keine Schulkinder, die beim Home-Schooling begleitet werden müssen. Allerdings sitzt mein Mann nebenan in seinem Arbeitszimmer und unterrichtet per Stream. Da bekomme ich so einiges mit, was gut läuft oder eher schwierig ist. Insgesamt habe ich aber das Gefühl, das Online-Arbeiten hat sich im Vergleich zur ersten Lockdown-Phase deutlich verbessert.

Wichtig finde ich, die Lockdown-Situation nicht als Beschränkung, sondern als neue Erfahrung zu betrachten. Wenn der Widerstand weg ist, kann die Entdeckungsfreude kommen.

Zugleich bedeutet die Corona-Zeit, dass wir alle besonders aufmerksam sein müssen, dass errungene Kultur-/Literaturstrukturen nicht verloren gehen, bzw. klammheimlich abgebaut werden (Siehe Vorhaben des WDR).

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Gerade beginnt eine unsägliche Debatte, in der Jung gegen Alt ausgespielt wird. Es wird wesentlich für uns sein, die Achtung vor allen Menschen wiederzugewinnen, zu bewahren, zu stärken und aufeinander aufzupassen. Ich bin vor drei Jahren längere Zeit in China gewesen und habe an der Uni unterrichtet. Weit davon entfernt, China unkritisch zu betrachten, hat mich doch die Achtung vor den Eltern, vor den Lehrern, vor den Alten sehr beeindruckt. Ich glaube, an dieser Stelle können wir alle noch etwas lernen, müssen zuhören, aufgeschlossen sein.

Für mich ist die Literatur naturgemäß besonders wichtig. Einen Tag ohne Lesen zuzubringen, kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich bin mit der Literatur ständig in Kontakt mit anderen Menschen, mit anderen Lebensentwürfen und Erfahrungen, mit anderen Ländern und Kulturen. Ist das nicht wunderbar! Ich kann im Kopf verreisen, mir die Welt aufschließen. Ich habe einen ganzen Bücherturm im Arbeitszimmer und im Schlafzimmer liegen. Es ist immer zu wenig Zeit zum Lesen.

In meinem eigenen Schreiben wird das Thema Alt und Jung (s.o.) eine Rolle spielen. Ich hoffe, ich kann ein wenig vermitteln, welche Schätze dort gehoben werden könnten, welche Fülle dort zu finden sein könnte. Selbst wenn der erste Blick Probleme zeigt. Literatur hat also auch eine gesellschaftliche Aufgabe.

Filme spielen für mich eine große Rolle. Auch die Musik ist wichtig. Bei uns gibt es noch viele Cds. Sich hinzusetzen und Musik bewusst zu hören, ist eine Bereicherung, fühlt sich gut an, mache ich aber immer noch zu wenig. Und die bildende Kunst verbindet sich oftmals mit meinem Schreiben (s.o.).

Was liest Du derzeit?

Gerade habe ich die bereits  verstorbene Bonner Autorin Caroline Muhr wiederentdeckt und viel rund um das Thema Bonn und Literatur gelesen.

Beendet habe ich vorgestern die Lektüre von Hans Joachim Schädlichs Roman „Felix und Felka“, ein beeindruckender Text, der in unglaublicher Knappheit das Wesentliche auf den Punkt bringt. Den Roman musste ich mit David Foenkinos „Charlotte“ vergleichen, der ebenfalls von seiner Form her sehr besonders ist.  Kurz davor verschlang ich Ruth Lillegravens „Sichel“ – ein wunderbares Langgedicht , übersetzt aus dem Norwegischen und bei der Edition Rugerup erschienen.

Gerade angefangen habe ich David Wagners „Der vergessliche Riese“, danach kommt  wahrscheinlich Jonathan Franzens Roman „Die Korrekturen“ und auf jeden Fall die Lyrikbände von Ulrike Bail  „wie viele faden tief“ und von Marie T. Martin „Rückruf“. Zwischen Prosa und Lyrik springe ich oft hin und her, weil ich nicht so viele Gedichte nacheinander lesen kann.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es gibt so viele wunderbare Zitate, beispielsweise dieses: „wenn wir uns berühren wachsen birkenschösslinge…“ von Ulrike Bail.  Aber ich wähle heute einen Beuys-Text, weil er so wunderbar als Ermutigung in diese Zeit passt und weil Beuys Geburtstag hat. Herzlichen Glückwunsch Joseph!


Lasse Dich fallen. Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen und
Verteile sie überall in Deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume. Weine bei Kinofilmen.
Schaukel so hoch Du kannst
mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere Dich „verantwortlich“ zu sein.
Tue es aus Liebe.
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib weiter Geld aus. Mache es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Gotti. Lache eine Menge.
Bade im Mondlicht.
Träume wilde, phantastische Träume.
Zeichne auf die Wände. Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärst verzaubert. Kichere mit Kindern.
Höre alten Leuten zu. Öffne Dich. Tauche ein.
Sei frei. Preise Dich selbst.
Lass die Angst fallen.
Spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir.
Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken.
Werde nass.
Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

Joseph Beuys: How to be an Artist

Vielen Dank für das Interview liebe Monika, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Monika Littau, Schriftstellerin

Monika Littau – Lyrik Prosa Schreibwerkstatt Lesungen Moderation (monika-littau.de)

Alle Fotos_privat

2.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Das Theater ist ein Ort für unsere Probleme, Ängste, Wünsche und Hoffnungen“ Christiani Wetter, Schauspielerin_Wien 27.2.2021

Liebe Christiani, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist eigentlich sehr durchgetaktet. Am Morgen bringe ich meinen Sohn in den Kindergarten und dann arbeite ich meine Projekte nacheinander ab. Als Schauspielerin sind mir leider seit fast einem Jahr sehr viele Projekte abgesagt oder verschoben worden, was sehr zermürbend ist. Zum Glück habe ich noch ein zweites Standbein als Drehbuchautorin. Schreiben kann man von überall und dazu brauche ich nicht zwingend menschlichen Kontakt. Deshalb sitze ich sehr viel an meinem Schreibtisch und beende Konzepte, Auftragsarbeiten und kreative Eigenwerke.

Christiani Wetter, Schauspielerin

Ansonsten versuche ich so oft wie möglich draußen an der frischen Luft zu sein, um nicht durchzudrehen ab der zwangsläufig viel verbrachten Zeit zuhause. Mit meinem Sohn ist dann nachmittags der nahegelegene Spielplatz ein Domizil, welches wir täglich ansteuern. Abends wird etwas Gesundes gekocht oder etwas weniger Gesundes, aber glücklich machendes, von einem Gastronomiebetrieb in der Nähe bestellt.

Am späten Abend versuche ich mir eine interessante Doku oder ein cineastisches Meisterwerk anzusehen, welches ich die letzten Jahre verpasst habe mir anzuschauen. Ich weiß nicht wie ich das schaffe, aber sehr oft drifte ich dann doch zu leichterer Kost ab und lande bei einer leicht verdaulichen Serie oder gar Trash TV. Aber hey, der Wille zur ARTE-Dokumentation steht jeden Abend wieder aufs Neue auf dem Plan.

Christiani Wetter_ Schauspielerin, Moderatorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Pauschal kann ich das nicht beantworten. Bei mir verschiebt sich die Wertigkeit der wichtigen Punkte von Lockdown zu Lockdown. Gerade ist es mir wichtig, nicht in Panik zu verfallen und das Vertrauen nicht zu verlieren, dass sich in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft mein Alltag wieder einpendeln, meine Projekte zurückkommen, die finanzielle Stabilität nicht wie ein Damoklesschwert über uns Künstler*innen hängen und das soziale Leben wieder zu einer Normalität zurückfinden wird.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

In der Kunst- und Kulturlandschaft und insbesondere im Theater, wünsche ich mir, dass diese erzwungene Pause durch die Pandemie dazu genutzt wurde, um ein Umdenken anzustoßen, zum Beispiel in der Besetzung der Ensembles oder der anvisierten Stückauswahl. Ich wünsche mir, dass die Ensembles diverser werden und die Theaterstücke öfters die relevanten Themen der Gegenwart behandeln bzw. die Theaterleitungen sich vermehrt für Stoffe entscheiden, die sich mit den Problemen, Ängsten, Wünschen, Hoffnungen und Nöten der heutigen Generationen auseinandersetzen. Denn: Wir sind nicht nur eine heteronormative Gruppe von lauter weißen Cis-Gender Menschen. Ganz und gar nicht. Und diese Pluralität sollte sich sowohl in der Besetzung auf der Bühne oder vor der Kamera, als auch in Theater- und Drehbuchtexten widerspiegeln.

Was liest Du derzeit?

Nachdem ich mein Fernstudium in Philosophie das ganze letzte Jahrzehnt mit mir herumgetragen habe wie einen leidigen Rucksack, habe ich nun beschlossen dieses Kapitel endlich abzuschließen und meine Abschlussarbeit zu schreiben. Daher lese ich gerade sehr viel trockene Sachliteratur, aber auch sehr beglückende und gewinnbringende Literatur zu meinem Wunschthema.

Nachdem ich mein Fernstudium in Philosophie das ganze letzte Jahrzehnt mit mir herumgetragen habe wie einen leidigen Rucksack, habe ich nun beschlossen dieses Kapitel endlich abzuschließen und meine Abschlussarbeit zu schreiben. Daher lese ich gerade sehr viel trockene Sachliteratur, aber auch sehr beglückende und gewinnbringende Literatur zu meinem Wunschthema.

Zum Ausgleich lese ich leicht verständliche Alltagsphilosophie der Philosophin und Autorin Ariadne von Schirach, die mit „Du sollst nicht funktionieren“, „Ich und Du und Müllers Kuh“ oder auch „Die psychotische Gesellschaft: Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden“, meiner Meinung nach genau den Zeitgeist trifft und mir mit ihren Werken schon oft Aha-Momente verschafft hat.

Die meist gelesenen Bücher momentan sind allerdings literarische Werke über Bagger und Baustellen, welche mir mein Sohn liebevoll aufzwingt circa tausend Male hintereinander zu lesen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Was ich mir selbst oft sage: „Alles ist stets im Wandel und nichts ist von Dauer oder in Stein gemeißelt. Das ganze Leben ist ein Prozess der Veränderung. So auch diese Gegenwart, das Gute wie das Schlechte. “

Lucia Litman:

 „There is more than one way to get where you are going.“

“You can`t go back and change the beginning, but you can start where you are and change the ending.”

Christiani Wetter, Schauspielerin, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Christiani, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christiani Wetter, Schauspielerin, Schriftstellerin

christianiwetter.com

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Hotel Kempinski Palais Hansen _ Wien 19.2.2021

9.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ein ganz normaler Tag im Lockdown“ Johanna Mucha, Schauspielerin_Wien 27.2.2021

Liebe Johanna, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

9:00 Wecker läutet – wie jeden Morgen. Dann wanke ich in die Küche. Bevor ich nicht meine Wiener Kaffeespezialität Einspänner oder Franziskaner getrunken habe, bin ich zu nichts zu gebrauchen und nicht ansprechbar.

Johanna Mucha_Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin

9:30 Frühstück ist fertig. Es wird gefrühstückt und Zeitung gelesen.

10:30 Morgentoilette

11:00 Es werden Mails beantwortet und Telefonate geführt.

12:00 Ich trainiere für eine Stunde. (Bauchmuskeln, Rückenmuskeln sowie Steppen und Tanzen dürfen nicht fehlen. Meistens artet es aus und ich tanze irgendwann wild durch meine Wohnung mit lauter Musik. Meine armen wunderbaren und verständnisvollen Nachbarn.)

13:00 Ich probiere neues Gesangsrepertoire aus und recherchiere was ich über mein neues Repertoire wissen sollte.

14:00 Ich habe Hunger, großen Hunger. Ich überlege, was ich einkaufen soll. Blick in den
Kühlschrank. Zu faul um einzukaufen. Ich esse das, was da ist.

15:00 Mittagessen am Tisch. Während des Mittagessens erledige ich noch einige Telefonate bezüglich Projekten.

16:00 Ich bereite mich für meine Zoom Online-Klassen vor.

17:00 – 20:00 Zoom Online-Klassen. Es wird gesteppt, Jazz getanzt, 80’s Aerobics gemacht, gesungen, gestretcht und viel gelacht.

20:05 Meine Schülerinnen und Schüler wollen nicht aufhören mit mir zu reden.

20:15 Wir unterhalten uns noch immer angeregt über Dies und Das. Ich denke in dieser Zeit ist die Kommunikation und der Austausch einzelner Gedanken für Geist, Seele und Körperliche Gesundheit am wichtigsten.

20:30 Feierabend. Ich checke noch, ob ich etwas für den nächsten Tag vorbereiten muss.

21:00 Ich brainstorme, wie ich das nächste Vorsprechvideo gestalten kann.

22:00 Ich such mir ein Buch und verkrieche mich im Bett.

23:00 Ich bin müde. Ich mach mich bettfertig.

23:30 Ich liege im Bett und denke darüber nach, warum Staub auf den weißen Fliesen schwarz aussieht und auf einer schwarzen Marmorplatte weiß. Gleichzeitig beschäftigt mich der Wandel der Zeit, die Schnelllebigkeit der Gesellschaft und das Bedürfnis langsamer zu treten.

24:00 Ich denke, ich bin eingeschlafen.

Ein ganz normaler Tag im Lockdown.

Wie sonst auch. Nur ohne soziale Kontakte, Probenarbeit und Aufführungen.


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalten, durchhalten, Ruhe bewahren; nicht alles glauben, was im Netz steht; der Glaube daran, aus dem Schlamassel mit so wenigen körperlichen, seelischen, geistigen und finanziellen Schäden wie möglich rauszukommen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater der Musik, der Kunst an sich zu?

Die Welt ist seit jeher ungerecht und hat sich noch nicht allzu sehr weiterentwickelt.

Wir werden gesellschaftlich und persönlich neue Wege suchen müssen, angefangen mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Das wäre eine sehr gute Idee, um die Verteilung der Ressourcen zwischen Reich und Arm neu zu definieren.
Ich bin keine Hellseherin, aber ich denke (wenn ich mal als „Zukunft“ die nächsten 30 Jahre
benennen darf), dass es das Theater bestimmt noch geben wird – dafür gehört es einfach zu sehr zu unserer kulturellen Identität in Österreich.

Man hat vor Jahren auch behauptet die Malerei sei tot und die Fotografie würde sie ersetzten… und dann gab es ein großes Comeback und keiner kommt heute mehr auf die Idee, die Malerei als obsolet anzusehen.

Sicherlich wird viel online passieren: Wir haben dann einfach einen Kanal mehr zu bespielen. Wahrscheinlich werden Gestaltungsmöglichkeiten im Netz auch vielfältig sein.

Aber eine reale Konfrontation mit der Wirklichkeit im Raum-Zeit-Kontinuum wird glaub ich immer spannend bleiben und Fernsehen, Netflix, YouTube, Instagram, usw. wird das Live-Theater, die Live-Musik und Live-Konzerte nie ersetzen können.

Was liest du derzeit?

Ich lese so wahnsinnig gerne vor dem Schlafengehen und lese oft mehrere Bücher gleichzeitig. Meistens entscheide ich mich spontan – auf welche Lektüre ich gerade Lust verspüre.

  1. Zurzeit lese ich zum zweiten mal „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Dieses
    Buch inspiriert mich und aktiviert meine Gedanken und Kreativität.
  2. „Alle Toten fliegen nach Amerika“ von Joachim Meyerhofer. Einfach wahnsinnig amüsant
    und anregend.
  3. „Ella Fitzgerald und ihre Zeit“ von Johannes Kunz erzählt wie Jazz und Blues die
    amerikanische Gesellschaft verändern, ebenso wie von dem Leben einer scheuen,
    eigenwilligen Frau, die nur auf der Bühne wirklich aus sich heraustrat, ganz nach dem
    Motto: „Das einzige, was besser ist als zu singen, ist mehr zu singen.“
  4. „Mind Fuck“ von Petra Bock. Die Parallelwelt in unserem Kopf. Sehr spannend. Lege ich
    jedem sehr ans Herz.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du der Gesellschaft mitgeben?

„Lebe jetzt. Liebe das Leben. Liebe die Menschen.“

„Wir sollten alle beginnen zu leben, bevor wir zu alt sind. Angst ist etwas Dummes, ebenso wie etwas zu bereuen.“ – Marylin Monroe

Johanna Mucha_Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin

Vielen Dank für das Interview liebe Johanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Musik-, Tanzprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Johanna Mucha, Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin

http://www.johannamucha.at

Alle Fotos_Andrea Peller

24.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Schlussendlich ist doch die Kunst das beste Mittel, um sich zumindest für eine Weile glücklich zu fühlen“ Lea Schlenker, Schriftstellerin_ Bern 26.2.2021

Liebe Lea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Lieber Walter, mein Tagesablauf ist leider noch undisziplinierter gestaltet als vor der Pandemie. Ich schlafe aus, esse ein langsames Frühstück, verfluche den Regen in Bern, lese Zeitung, dusche ausgiebig…nach dem Mittag setze ich mich dann gestresst an die Arbeit und denke im Hinterkopf, dass ich ja auch noch eine Bachelorarbeit schreiben muss. Ich schreibe aber auch immer mal wieder, eher sporadisch, mehrheitlich Kurzgeschichten. Allerdings muss ich zugeben, dass zum Schreiben die externen Stimuli doch wichtiger sind, als mir lieb wäre. Die fehlen jedoch derzeit. Die aktuelle Situation macht ja auch immer wie mehr Sorgen, wie es dann mit zukünftigen Publikationen aussieht. Mein erster Gedichtband erschien im Juni 2020 und die Buchpremiere dazu steht immer noch in den Startlöchern!

Lea Schlenker_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchhaltevermögen und Solidarität. Starke Nerven bei Maskenverweigerern.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Möglicherweise wird nach der Pandemie den Menschen vermehrt klar, dass Kultur systemrelevant ist. Gerade während des Lockdowns ist doch für alle spürbar: was wäre das Leben ohne eine gute Idee, ein fesselndes Buch, einen bilderreichen Film oder tanzbare Musik? Uns allen fehlt etwas, seien es die Museumsbesuche, die Theater, die Opern oder die Konzerte. Schlussendlich ist doch die Kunst das beste Mittel, um sich zumindest für eine Weile glücklich zu fühlen.

Allerdings denke ich nicht, dass die Pandemie einen großen Einfluss auf die Gesellschaft beziehungsweise das Wesen der Menschen hat. Was bei mir persönlich bleibt ist der fade Beigeschmack der Proteste, der Ignoranz und auch die immer wiederkehrende Tendenz, die Wirtschaft über die Menschen zu stellen.

Was liest Du derzeit?

„Unendlicher Spass“ von David Foster Wallace. Wenn ich es nicht während des Lockdowns schaffe, dann werde ich es nie schaffen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das letzte Buch, dass ich gelesen habe war von Hilde Ziegler. Mir gefiel dort ein Abschnitt sehr gut: „Der Stacheldraht an der Schweizer Grenze hat an einer gewissen Stelle ein Loch. Und hinter diesem Loch befindet sich der Abfallhaufen von Gärtner Dahler in Riehen. Jeden Samstag werden dort faule Orangen abgeladen. Obwohl meine Mutter schimpft, fischen wir mit Stöcken die Orangen zu uns herüber, und die meisten kann man noch essen. D’Schwizer sinn verschläckt, die ässe no lang nit alles, sagt Rudi. Das isch unser Glück.“

Vielen Dank für das Interview liebe Lea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Lea Schlenker, Schriftstellerin

Lea Schlenker

Foto_Michael Bolzli

1.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Kunst/Kultur sind die Motoren und die Seismographen jeder Veränderung“ Sandra Kreisler, Sängerin_ Berlin 26.2.2021

Liebe Sandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich schreibe an einem Buch. Ich lebe kaum anders als sonst, außer, dass ich keine Vorstellungen habe und demgemäß weniger fahren muss. Aber da ich viel recherchieren und schreiben muss, ist das auch ganz okay. Sonst mache ich natürlich noch meine Arbeit als Sprecherin für den ORF, aber das ist nur wenig, nebenbei.  Gottseidank lebe ich mit Mann und Hund – bin daher weder einsam noch überfordert, und finanziell sind wir anspruchslos. Mir geht es viel besser als den meisten freiberuflichen Kulturschaffenden, obwohl ich kaum Förderung bekomme.

Sandra Kreisler, Sängerin, Autorin, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht die Geduld zu verlieren, nicht die Disziplin –  und vor allem nicht die Empathie für andere.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich denke, diese Rolle wird sich kaum ändern: Aufmerksam-machen, (daher auch: aufmerksam-sein!) Grenzen aufzuzeigen und wenn möglich zu erweitern. Nach vorne sehen und nicht zurück.
Kunst/Kultur sind die Motoren und die Seismographen jeder Veränderung, unsere Aufgabe ist es, zu schauen, dass diese Veränderung im Sinne der Gleichberechtigung der Völker, der Gerechtigkeit, der Empathie, der Nachhaltigkeit, geschieht, dass die Menschen neugierig werden und bleiben, und dass sie die Angst und den daraus resultierenden Hass verlieren. Wir müssen Diskussionen anstoßen und zugleich mithelfen, dafür zu sorgen, dass die  Menschen nicht die Richtung verlieren.

Das war immer schon so – aber in dünnhäutigen Zeiten wird das schwerer und notwendiger.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. (Und fast nie Belletristik, weiß nicht, das hat irgendwie vor etlichen Jahren seinen Reiz für mich verloren) Derzeit Baltrusch: ‚Herodes – König im heiligen Land‘ (Biografie);  Feuerherdt/Markl: ‚Vereinte Nationen gegen Israel‘ (hochempfehlenswert, eines der wichtigsten Bücher dieser Zeit!) und Vukadinoviç (Hrsg.) ‚Freiheit ist keine Metapher‘

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Nothing in all the world is more dangerous than sincere ignorance and conscientious stupidity.” Martin Luther King, Jr.(1929-1968)

Vielen Dank für das Interview liebe Sandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Literatur-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Gern J

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sandra Kreisler_Sängerin, Autorin, Schauspielerin

Sandra Kreisler

Foto_Simone Hofmann

7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Kunst kann wieder etwas Ruhe hineinbringen und die Lebensfreude der Menschen steigern“ Christine Schinner, Künstlerin_ Korneuburg/A 26.2.2021

Liebe Christine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ungefähr 5.30 Uhr ist Tagwache dann wird gemütlich mit meinem Mann gefrühstückt.

Ein wenig Gymnastik, Hausarbeit, wenn das nicht zu unfreundlich ist 1 Stunde walken, kochen, Mittagspause und am Nachmittag malen, malen, malen

Christine Schinner, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ruhe zu bewahren, den Kontakt zu Freunden pflegen ,wenn auch auf Distanz, sich gegenseitig mental unterstützen und positiv denken. Jede Katastrophe geht auch einmal zu Ende

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Es wird sich bzw. hat sich für die Kunst schon sehr viel verändert aber ich denke die Kunst kann in die ganze Aufregung, die derzeit herrscht wieder etwas Ruhe hineinbringen und die Lebensfreude der Menschen steigern. Ich jedenfalls kann mir ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen und ich  merke, dass es vielen Menschen ebenso geht

Was liest Du derzeit?

Update für dein Unterbewusstsein von Thimon von Berlepsch

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die wahre Kunst im Leben: Erwarte nichts und schätze alles und sei für alles dankbar.

Vielen Dank für das Interview liebe Christine, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Herzlichen Dank für die Einladung und einen wunderschönen Dienstag. Liebe Grüße Christine

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christinne Schinner, Künstlerin

Alle Fotos/Werke_Christine Schinner

Mail: christine.schinner@aon.at

2.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Die kunst wird weiterhin ihre angestammte schoßhundrolle spielen: sie darf (aber nur zur richtigen zeit) lieb knurren“ Max Höfler, Schriftsteller_Graz 26.2.2021

Lieber Max, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

ausziehn anziehn

ausziehn anziehn

ausziehn anziehn 


(aus: helmut schranz – suada)

Max Höfler, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

die autos, die seilbahnen, die förderungen, die umsatzeinbrüche, die rettung der wintersaison, das nervenbewahren, unser österreich, der einzelhandel, der ausfallsbonus, der fixkostenzuschuss i-ii, dein steuerberater, die systemrelevanz, die maske, die zahlen, die varianten, der österreicher, der wirtschaftsstandort, die unmöglichkeit des einkaufsbummls, das weihnachtsgeschäft, das nachweihnachtsgeschäft, das bedrohte ostergeschäft, dass alles wieder so wie vorher wird und der paketdienst deine wohnung findet

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

ich bezweifle, dass wir vor einem gesellschaftlichen aufbruch stehen. es werden größte kraftanstrengungen gemacht werden, damit alles wieder so wird, wie es war: eine dufte multiple riesenkrise (ökologisch, ökonomisch, sozial und politisch). die konservativen und neoliberalen werden sich als letztes heldenhaftes bollwerk gegen die faschisten inszenieren, als vermeintlich einzige bastion, die noch zwischen chaos und ordnung stünde und gleichzeitig den globus in ein einziges sparefrohes griechenland verwandeln. die reste ehemaliger progressiver strömungen werden sich wie gehabt mit symbolpolitik begnügen. die eigentums- und produktionsmittelfrage wird nicht gestellt werden.

und die kunst, die wird weiterhin ihre angestammte schoßhundrolle spielen: sie darf (aber nur zur richtigen zeit) lieb knurren, aber niemals beißen, es sei denn, es handle sich um hausfremde personen. die rabiaten straßenköter überwintern im besten fall in nischen oder fallen dem straßenverkehr zum opfer.

Was liest Du derzeit?

bedienungsanleitungen

kapital und ideologie (piketty)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Jedes Ungleichheitsregime, jede Ungleichheitsideologie beruht auf einer Theorie der Grenze und einer Theorie des Eigentums.

(piketty)

It will even make full level white noise sound louder!

(bedienungsanleitung: oxford inflator)

Vielen Dank für das Interview lieber Max, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Max Höfler, Schriftsteller

Foto_nicole lutnik-höfler

26.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Abara da Kabar“ Die Rückreise. Emil Bobi.Roman. Verlag Anton Pustet

Winter. Das Weiß. Der Junge blickte zum Himmel. Da war dieses Schwarz in Bewegung. Der Rabenflug. 21 waren es und ihr Ton im Flug war zu hören. Zog Aufmerksamkeit auf sich. Der Klang blieb in den Ohren und ließ fragen nach Form und Inhalt, der in der Luft ziehenden Laute…dieser Sprache…

Die Faszination und die Neugierde begleiten den Jungen – wie wären diese Rabenrufe wohl in Wörter zu übersetzen? Wie kann dies gleichsam in Sprache destilliert werden? Die Frage und die Lust dazu bleiben…

Und Jahre später nun sitzt er in der Redaktion. Es ist Wahlkampf. Die Sprache ist das Thema. Wie sprechen? Wie eine Form für Leben, Mensch und Gesellschaft finden? Ist das überhaupt möglich? So viele Menschen, so viele Gedanken, Gründe und Wege…

Doch jetzt beginnt eine Reise. Ein Flug. In das Innere von Mensch und Sinn. Der Sprache hinterher…wo immer sie ist…wo immer sie verloren ist…vielleicht zu finden ist…

Der Wiener Schriftsteller und langjährige Chefreporter des österreichischen Nachrichtenmagazins profil, Emil Bobi, legt mit „Abara da Kabar“ einen mitreißenden wie hintergründigen Roman vor, der sowohl in Spannung wie kritischen Gesellschaftsimpuls überzeugt. Ausgehend von der gesellschaftlichen wie persönlichen Aufgabe und dem Anspruch von Sprache und Zeit thematisiert der Roman Auswirkungen von Kommunikation in Dynamik und Erschütterung von Welt und Gegenwart. Der Autor geht der Frage was Sprache ist was sie sein kann nach und thematisiert auch welche Möglichkeiten von Mitteilung es an sich gibt.

„Ein literarisches Wagnis und mutiger philosophischer Wurf, die beeinruckend gelingen!“

Walter Pobaschnig 2_21

https://literaturoutdoors.com

„Kunst muss gelebt werden und im Moment passieren“ Paul Graf, Schauspieler_ Wien 25.2.2021

Lieber Paul, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Um 7:00 Uhr, also früher als gewohnt, aufstehen, duschen, frühstücken. Danach verläuft der Tag unterschiedlich. Mal sitze ich am Klavier, plaudere mit Kollegen über Gott und die Welt (obwohl, aktuell eher über die Welt), gehe spazieren oder verbringe viel zu viel Zeit am Smartphone. Später wird, wenn es denn notwendig ist, eingekauft und im Anschluss gekocht.

Oder ich mache nichts.

Paul Graf, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Frische Luft, klare Gedanken, Optimismus, Routine, Hoffnung, kleine Freuden und Glücksmomente und Geduld. Vertrauen ist wohl gerade besonders gut. Darauf, dass es besser werden wird, dass wieder Veränderung entsteht, Gewohntes in neuer Gestalt zu uns findet.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Nähe und Unbeschwertheit. Wir werden aktuell mit so vielen bedrückenden Themen konfrontiert, Themen die Sorgen machen, Dinge über die man sehr und fast schon zu viel nachdenkt. Natürlich sind diese auch wichtig, aber wie sehr wir uns den Kopf darüber zerbrechen, das können und müssen wir selbst entscheiden.

Kunst kann neue Denkansätze und Perspektiven eröffnen, uns kritisch, sentimental und kindisch sein lassen. Sie muss gelebt werden und im Moment passieren – am stärksten spürbar wenn sie „live“ ist, man im selben Raum mit ihr ist. Aber vor allem kann sie, und für mich ist das insbesondere Theater und Darstellende Kunst, berühren. Und das ist das großartige an ihr. Das ist die große Rolle, die die Kunst auch wunderbar erfüllen wird, wenn sie wieder voll gelebt werden kann.

Was liest Du derzeit?

Die Tagebücher meines Großvaters ab 1943, den ich nie kennen gelernt habe, der beschreibt wie er, wegen herrschendem Fliegeralarm, nicht raus gehen darf und sich deswegen ärgert und Joachim Meyerhoffs Bücher.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Sich selbst wieder als Ganzes spüren,

Hände an die Füße führen,

wer trägt mich und wer gibt mir Kraft?

Wer unterstützt und tut und schafft?

Das bin ich! Mein eigen Freund,

der realistisch ist und träumt,

der überbleibt wenn ich allein

und mich bestärkt in meinem Sein.

Der mich mahnt und kritisiert,

der liebt, umarmt und motiviert.

Paul Graf, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Paul, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Paul Graf, Schauspieler

Paul Graf (grafpaul.com)

Fotos_ 1 Nina Siutz, 2 privat, 3/4 Petra Sittig

1.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com