„Literatur ist für mich die Leinwand, auf der ich meine Träume und Gedanken projiziere“ Nicola Quaß, Schriftstellerin _ Düsseldorf 30.7.2024

Liebe Nicola Quaß, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist unspektakulär. Ich gehe einem Brotberuf nach, der herausfordernd, aber auch sehr erfüllend ist. Daher komme ich erst abends zum Schreiben. Für meinen kreativen Prozess ist es vorteilhaft, Ablenkungen so weit wie möglich zu minimieren. Ich kann mit Fernsehen und Netflix nichts anfangen und verbringe wenig Zeit mit Aktivitäten, bei denen man überwiegend konsumiert. Das ist sicherlich ein Vorteil für das Schreiben. Schon als Kind war ich immer beschäftigt, hatte viele Gedanken im Kopf und lebte in meiner Phantasiewelt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die Literatur ist für mich die Leinwand, auf der ich meine Träume und Gedanken projiziere und in Verse und Geschichten verwandle. Ich bin also eine Abend- und manchmal auch Nachtschreiberin.

Nicola Quaß, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Vielfalt, Dialog und Zuhören sind jetzt besonders wichtig. Die Literatur bietet die Möglichkeit, die Komplexität unserer Welt in all ihren Facetten widerzuspiegeln. Dabei geht es weniger um die Themen an sich als vielmehr um die Sprache als Medium. Durch sie scheint das Universelle im Alltäglichen durch. Mehr noch als das Gesagte wiegt das Ungesagte. Literatur wird damit auch zur Kunst der Reduktion. Es geht um die Verknappung der Worte auf das Wesentliche, um dem Nichtgesagten Raum zu geben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir stehen vor herausfordernden Zeiten. Einerseits scheinen die Möglichkeiten, die das Internet und die neuesten technischen Errungenschaften bieten, grenzenlos zu sein. Andererseits besteht genau hierin die Gefahr der Vereinzelung, Entmenschlichung und Ausgrenzung. Was nicht in einen Algorithmus passt, wird übersehen und im schlimmsten Fall bekämpft. Ich denke, das Stichwort lautet Humanität, verbunden mit Toleranz und Wertschätzung des Anderen. Genau hierin sehe ich die große Aufgabe der Literatur und der Kunst. Ich bin überzeugt, dass keine Maschine jemals den Schriftsteller oder Künstler ersetzen kann. Zwar kann Künstliche Intelligenz formell perfekte Sprache konstruieren und gewisse Schreibstile imitieren, sie bleibt jedoch immer seelenlos. Die große Aufgabe der Literatur besteht darin, das Menschliche wieder vermehrt in die Texte zu holen. Das gelingt nur, indem man die Vielfalt der literarischen Ausdrucksmöglichkeiten in den Fokus nimmt und mehr Literatur jenseits des Mainstreams publiziert.

Was liest Du derzeit?

Ich bin eine vielseitige Leserin, was bedeutet, dass ich oft mehrere Bücher gleichzeitig lese. Daher kann ich gleich drei Bücher nennen:

  • Caroline Wahl, 22 Bahnen (Roman)
  • Julia Kulewatz, Orkaniden (Sturmgedichte)
  • Lisz Hirn, Der überschätzte Mensch (Essay)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mein Lieblingszitat stammt von Paul Celan:

„Das Gedicht kann eine Flaschenpost sein, aufgegeben in dem Glauben, sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden, an Herzland vielleicht.“

Vielen Dank für das Interview, liebe Nicola, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

Nicola Quaß, Schriftstellerin

5 Fragen an Künstler*innen: Nicola Quaß, Schriftstellerin

Zur Person:  Nicola Quaß wurde in Wetzlar geboren und lebt heute in Düsseldorf. Sie hat Rechtswissenschaften studiert und arbeitet als Anwältin in einem Unternehmen. Sie veröffentlichte Gedichte und poetische Prosa in renommierten Zeitschriften und Anthologien sowie die Gedichtbände ›Nur das Verlorene bleibt‹ (hochroth Verlag, Heidelberg 2020) und ›Moorland‹ (dr. ziethen verlag, Oschersleben 2024). Für ihre Lyrik wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. beim Lyrikwettbewerb ›Lyrik 2000S‹ (2004) sowie mit dem Ulrich-Grasnick- Lyrikpreis (2023). Nicola Quaß nahm an der von Kurt Drawert geleiteten ›Darmstädter Textwerkstatt‹ teil und erhielt hierfür das Merck-Stipendium.

Aktuelle Publikation:

Nicola Quaß: Moorland – Gedichte mit Aquarellen von Erika Magdalinski

Moorland.

Gedichte mit Aquarellen von Erika Magdalinski

Die Berührung
Durchs Fenster weht Wind.  
Der Morgen, verlassen  
im Spiegel. Sonntag betritt das Bild.

Draußen, hinter der Scheibe, rauschen Wolken
durch bleierne Stunden. Die Sonne  
gießt Landschaft ein, der Flieder erwacht.  

Wie Wärme von den Dächern steigt, wie Sommer
sich teilt. Die Berührung zweier  
Stifte, einmal ein Wagnis  
gewesen, ein Lachen  
zieht vorbei.  

Fliegen verdauen  
die letzten Gerüche
einer Haut.

Dr.-Ziehten – Verlag, 20. März 2024

ISBN 978-3-86289-210-5

Paperback, 64 Seiten

Preis: 15 €

Homepage: www.nicolaquass.com

Fotos_ (c)PicturePeople

Walter Pobaschnig _ 29.7.2024

https://literaturoutdoors.com

„das Spiel um seiner selbst willen ist der subversivste Akt“ Thomas Kamper, Schauspieler _ Wien 29.7.2024

Lieber Thomas Kamper, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Unabhängig von den ständig sich ändernden Umständen praktiziere ich fast täglich die Arbeit mit dem Körper, mit Stimme und Sprache, Entspannung, Konzentration und, seit einigen Jahren, Zazen (allein und in einer Gemeinschaft).

Thomas Kamper, Schauspieler, Regisseur, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Illusion, dass alles immer besser wird, wie einen übergroßen Luftballon zerplatzen lassen, den Glauben aufgeben an Wachstum und Expansion, der auf subtile Weise versklavt und mir die Ursache des grassierenden Ohnmachtsgefühls zu sein scheint, das uns zu Zuschauern der Zerstörung der Demokratien und unserer Lebensgrundlagen macht. Die Wirklichkeit zu sehen wie sie ist, mag bitter sein, macht aber handlungsfähig und berechtigt erst zu heimlichem Optimismus.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Frage, ob und wie Kunst Stellung beziehen soll, ist schwierig zu beantworten, und die versuchte Antwort vielleicht paradox. Ich habe Projekte erlebt, die für sich in Anspruch nahmen, Stellung zu beziehen, und in Wahrheit durch die Art, wie sie zustande kamen, Förderer der Umstände waren, die anzugreifen sie vorgaben. Andererseits ist das Spiel um seiner selbst willen der subversivste Akt, der sich denken lässt, ein Spiel, das dem ihm innewohnenden Risiko nicht ausweicht, ein Risiko, das allzu oft vermieden wird zugunsten einer Konditionierung, die für ein reibungsloses Funktionieren des Produktionsmarktes notwendig ist. Glücklicherweise habe ich solche Expeditionen mit ungewissem Ausgang erlebt, in welchen Scheitern und Gelingen keine Begriffe mehr sind, und in ihnen fühlte ich mich am lebendigsten, und die, die zugeschaut haben, auch. Ich habe vor, diesen Weg weiterzugehen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese zurzeit (und eigentlich schon lange) vor allem Lyrik, von deren bekannten Anfängen bis zur Gegenwart, immer mit verschiedenen Schwerpunkten, die ein paar Wochen andauern. Ich brauche diese konzentrierte Welterfahrung als Rückzug von Geschichten und Figuren.

„Die Aufmerksamkeit, die das Gedicht allem ihm Begegnenden zu widmen versucht, sein schärferer Sinn für das Detail, für Umriss, für Struktur, für Farbe, aber auch für ‚Zuckungen‘ und die ‚Andeutungen‘, das alles ist, glaube ich, keine Errungenschaft des mit den täglich perfekteren Apparaten wetteifernden (oder miteifernden) Auges, es ist vielmehr eine aller unserer Daten eingedenk bleibenden Konzentration. – ‚Aufmerksamkeit‘ – erlauben Sie mir hier, ein Wort von Malebranche zu zitieren – ‚Aufmerksamkeit ist das natürliche Gebet der Seele‘.“ (Paul Celan)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Drei Seltsamsten Worte

Sag ich das Wort Zukunft,

ist seine erste Silbe bereits     

    Vergangenheit.

Sag ich das Wort Stille,

vernichte ich sie.

Sag ich das Wort Nichts,

schaffe ich etwas, das in

    keinem Nichtsein

Raum hat.

(Wislawa Szymborska)

Vielen Dank für das Interview, lieber Thomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Thomas Kamper, Schauspieler, Regisseur, Autor

Zur Person: Thomas Kamper, geboren in Wien, Konservatorium (Klavier, Theorie), Schauspielschule Krauss, Dramatisches Zentrum. Arbeitet seit 1980 als vorwiegend freischaffender Schauspieler, bisher in rund 200 Produktionen. (Burgtheater, Volkstheater, Theater in der Josefstadt, Salzburger Landestheater, Stadttheater Klagenfurt, Gruppe 80, Schauspielhaus Wien, Theater der Jugend, Theater in der Drachengasse, Werk X, Theater Hamakom, Theater Scala, Berliner Schlossparktheater, Salzburger Festspiele, Festspiele Reichenau, Sommerspiele Melk und in zahlreichen verschiedenen Gruppierungen). Von 2005 bis 2015 Ensemblemitglied des Wiener Volkstheaters. Erster Träger des Dorothea-Neff-Preises als bester Schauspieler der Saison 2010/2011. Mehrere Arbeiten als Regisseur, darunter auch eigener Texte.

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 28.7.2024

https://literaturoutdoors.com

Undine geht _ „“steh auf“ und lebe mit allen Sinnen“ Bettina Puchberger, Künstlerin _ Wien 28.7.2024

Bettina Puchberger, Künstlerin  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.
„wenn schon zerissen dann im Ganzen“ Bettina Puchberger (folgende)
„gefangen in der Matrix“
„der Hyperpolische Schrei“
„die Vergangenheit in der Zukunft der Gegenwart“
Bettina Puchberger, Künstlerin  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Liebe Bettina Puchberger, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann?

Mit viel Wehmut, es ist eine kleine Reise in mein Inneres, in mein eigenes Leben.

Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Leben heißt Veränderung, denn ohne Veränderung gibt es keine Erneuerung.

Wie siehst Du „Undine“?

Undine ist für mich eine Utopie der harmonischen Vereinigung von Mensch und Natur, von Mann und Frau, von Rationalität und Gefühl. Zerrissen zwischen dem Zwang zu lieben und der Flucht vor der Liebe, in welcher nur Verletzungen und Einsamkeit zu finden sind.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?

Die Gesellschaft, in der wir heute leben, ist als modernes Patriarchat organisiert. Eine weitgehende Verkehrung aller Verhältnisse, die das Leben in der Natur und der Gesellschaft bestimmt. Nicht das irdisch Lebendige, das Geborene und seine Entfaltung und Erhaltung stehen im Mittelpunkt, sondern deren Zerstörung zu einem künstlich gemachten Leben, einen Ersatz-Leben.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?

Man kann nur bei sich selbst etwas ändern und dies dann anderen, seinen Nächsten vermitteln.

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?

Lebe so, dass du glücklich bist aber verletze niemanden dabei. Bleibe nicht am Boden, wenn man dich in die Knie zwingt, „steh auf“ und lebe mit all deinen Sinnen.

Was bedeutet Dir Natur?

Die Natur ist Geschöpf und Schöpfer zugleich, sie schöpft aus der Fülle der Unendlichkeit.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Wasser ist Leben und Tod zugleich, unberechenbar und willensstark.

Bettina Puchberger, Künstlerin  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.
Bettina Puchberger und Walter Pobaschnig

Bettina Puchberger, Künstlerin  Wien   _
performing „Undine geht“
 _

„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Bilder: Bettina Puchberger

Alle Fotos & Interview_Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com 7/24

„„veni vidi vici“ hat in der heutigen Gesellschaft nichts verloren“ Robert Wammerl-Elsinger, Schauspieler _ Give Peace A Chance _ Wien 28.7.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Gute Menschen

Intelligenz ist nicht alles

Verständnis/Vertrauen/Vielfältigkeit

Einsicht


Politik lebensnah

Empathie

Aussprachen statt Kriege

Courage

Entspannen


Aufmerksamkeit


Cesars: „veni vidi vici“ hat in der heutigen Gesellschaft nichts verloren.

Hoffnung

Arbeiten was du liebst

Nähe

Cash is not the live

Erfülle deine Träume



Robert Wammerl-Elsinger, 25.7.2024

Robert Wammerl-Elsinger, Schauspieler

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Robert Wammerl-Elsinger, Schauspieler

Zur Person:  Mein Name ist Robert Wammerl-Elsinger, ich bin gebürtiger Wiener und Absolvent der Schauspielakademie Elfriede Ott (2017). Meine schauspielerische Erfahrungen sammelte ich unter anderem als Giles Cory in„Hexenjagd“ (2016) im Off Theater u. Theater Spielraum, und als Fludribus in „Der Böse Geist Lumpazivagabundus“ bei den Nestroyspiele Schwechat, beides unter der Regie von Peter Gruber. Auch als Mowgli in „Das Dschungelbuch“ (2017/18) im Landestheater Niederbayern durfte ich Kinderaugen strahlen lassen. Im Stadttheater Mödling, in Der Wiener Scala und im Theater im Bunker war ich unter der Regie des Intendanten Bruno Max als Wobbit Spam in „Herr der Zwiebelringe“ (2017), Nikolas in „Donadieu“ (2018), junger Adolf Hitler in „Karl MayBe“ (2018/19), Earthboi in „Utopia – schöne neue Welten“ (2020), Karl in „Hochzeit“ (2021/22) war ich mehrmals zu sehen.

In der Zusammenarbeit mit dem Theater Delphin unter der Regie von Ivana Nikolic verkörperte ich auch den jungen Andri in „Andorra“ (2022). seit 2021 durfte ich unter der Regie von Johanna Rieger im Sommertheater Klosterneuburg den Vielfraß Ferdinand in „Die Trilogie Der Sommerfrischler“ (2021) als Michel (alias Teddy) in „Arsen und Spitzenhäubchien“ (2022) und in der Doppelrolle Als Putzfrau Luzia Und Diener Marian in „Bunbury“ (2023) das Publikum zum Leben erwecken.

Fotos_privat.

Walter Pobaschnig _ 25.7.2024

https://literaturoutdoors.com

„Das Schöne an der Kunst ist, dass es für jeden etwas gibt.“ Andreanne Brosseau, Tänzerin _ Frankfurt/Main 28.7.2024

Liebe Andréanne Brosseau, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meine Tage variieren sehr stark, je nachdem, welche Projekte ich gerade durchführe, sei es mein Studium des Kulturmanagements oder meine Karriere als Tänzerin.

Ein normaler Arbeitstag als Tänzerin besteht für mich normalerweise darin, dass ich zwischen 8:30 und 9:00 Uhr ins Studio gehe und mich aufwärme, bevor um 10 Uhr die Probe oder der Unterricht beginnt. Dann können die Proben bis 14:00 Uhr weitergehen und entweder wieder um 15:00 Uhr beginnen und bis 18:00 Uhr oder abends von 18:00 bis 22:00 Uhr dauern. In der Zeit, in der ich nicht auf Proben bin, versuche ich mir Zeit für mich selbst zu nehmen und beim Kochen, Lesen oder Ausspannen den Tag ausklingen zu lassen. Außerdem schaue ich viele Filme und Serien.

Wenn ich nicht als Tänzerin arbeite, nimmt das Studium einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch, aber ich versuche, in meiner Freizeit weiterhin aktiv zu bleiben, indem ich laufe, Pilates mache oder zum Ballett oder Tanz-Unterricht gehe.

Andréanne Brosseau, Tänzerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, es ist wichtig für uns als Gesellschaft, mehr Empathie und Liebe füreinander zu entwickeln. In einer Welt voller Hass könnten wir alle glücklicher sein, wenn wir einander freundlicher behandeln würden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke, in sehr instabilen und gespaltenen Zeiten in der Gesellschaft sollte die Kunst die Menschen zusammenbringen und vereinen. Ich denke, das Hauptziel der Kunst besteht darin, einen Diskurs zu schaffen, und daher glaube ich, dass es wichtig ist, dass die Menschen weiterhin Werke schaffen und aufführen, die die Werte von heute widerspiegeln, und dass die Menschen sich weiterhin in diesem Bereich engagieren, indem sie Aufführungen besuchen und diskutieren, was sie sehen, egal ob die Erfahrung gut oder schlecht ist. Das Schöne an der Kunst ist, dass es für jeden etwas gibt. Ich habe die Hoffnung, dass die Theaterwelt in den kommenden Jahren für alle zugänglicher wird und dass sie sich zu einem noch stärker auf die Gemeinschaft ausgerichteten Ort entwickelt.

Was liest Du derzeit?

What Women Want  -Maxine Mei-Fund Chung

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben? My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor, and some style.’ – Maya Angelou

Andréanne Brosseau, Tänzerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Andréanne, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanzprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Andréanne Brosseau, Tänzerin

Zur Person: Andréanne Brosseau, ursprünglich aus Montreal, Kanada, ist eine professionelle zeitgenössische Tänzerin. Ausgebildet an der Ballett Divertimento School in Montreal und an der MUK in Wien, hat sie unter anderem in Produktionen am Burgtheater Wien, Staatstheater Kassel und Staatstheater Oldenburg mitgewirkt. Im Jahr 2023 begann Andréanne ein Masterstudium in Theater- und Orchestermanagement, während sie weiterhin als Tänzerin arbeitet. In der kommenden Spielzeit 24/25 wird sie in der Produktion „Fledermaus“ am Theater Kiel zu sehen sein. https://andreannebrosseauart.wordpress.com

andreannebrosseauart.wordpress.com

Fotos_ 1&3 Bülent Kirschbaum; 2&4 Terrie Reyes

Walter Pobaschnig _ 27.7.2024

https://literaturoutdoors.com

„Als Schauspieler die Welt für jeden Einzelnen etwas schöner und besser zu machen“ Robert Wammerl-Elsinger, Schauspieler _ Wien 27.7.2024

Lieber Robert Wammerl-Elsinger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zurzeit genieße ich mit meinem Mann Michael die Sommerwochen in Ausflügen in die Schönheit der Natur. Nebenbei mache ich eine Ausbildung zum Fotografen, für die ich einige Stunden des Tages investiere und ich versuche mich an einem Kabarettprogramm, das ich gerade schreibe.

Robert Wammerl-Elsinger, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Gegenseitiger Respekt und Akzeptanz. Das wir uns in Augenhöhe begegnen, schließlich haben wir ja alle eigene Lebensgeschichten und individuell schwerere oder leichtere „Pakete“ zu tragen.

Und ein besseres Bewusstsein für die Umwelt und Natur, die es zu erhalten gilt und nicht zu zerstören.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Mein Ziel als Schauspieler ist es, das Publikum in eine andere Welt zu entführen, um es von dem stressigen Alltag abzulenken, um Menschen zum Lachen zu bringen aber auch um Denkanstöße zu geben, in der Hoffnung die Welt für jeden Einzelnen etwas schöner und besser zu machen.

Und solange es begeisterungsfähiges und interessiertes Publikum gibt, können wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und die Theaterwelt tragen und erhalten.

Was liest Du derzeit?

Da mein Interesse zur Fotografie sehr groß ist, eher Fachbücher zu diesem Thema.

Ich bin auch ein großer Fan von Arthur Conan Doyle´s Sherlock Holmes Romane, in die ich immer wieder gerne eintauche.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mein erster Impuls ist der Satz den Elfriede Ott 2017 meinem gesamten Jahrgang kurz vor unserer Diplomprüfung in den Kammerspielen der Josefstadt sagte:

„Saugt die Energie der Bühne auf, sie ist magisch. Ihr werdet es schon schaffen, ihr seid im Großen und Ganzen eh ganz gut“ und sie hatte recht, wir haben allesamt bestanden

Robert Wammerl-Elsinger, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview, lieber Robert, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich alles Gute! 

Gerne

5 Fragen an Künstler*innen: Robert Wammerl-Elsinger, Schauspieler

Zur Person:  Mein Name ist Robert Wammerl-Elsinger, ich bin gebürtiger Wiener und Absolvent der Schauspielakademie Elfriede Ott (2017). Meine schauspielerische Erfahrungen sammelte ich unter anderem als Giles Cory in„Hexenjagd“ (2016) im Off Theater u. Theater Spielraum, und als Fludribus in „Der Böse Geist Lumpazivagabundus“ bei den Nestroyspiele Schwechat, beides unter der Regie von Peter Gruber. Auch als Mowgli in „Das Dschungelbuch“ (2017/18) im Landestheater Niederbayern durfte ich Kinderaugen strahlen lassen. Im Stadttheater Mödling, in Der Wiener Scala und im Theater im Bunker war ich unter der Regie des Intendanten Bruno Max als Wobbit Spam in „Herr der Zwiebelringe“ (2017), Nikolas in „Donadieu“ (2018), junger Adolf Hitler in „Karl MayBe“ (2018/19), Earthboi in „Utopia – schöne neue Welten“ (2020), Karl in „Hochzeit“ (2021/22) war ich mehrmals zu sehen.

In der Zusammenarbeit mit dem Theater Delphin unter der Regie von Ivana Nikolic verkörperte ich auch den jungen Andri in „Andorra“ (2022). seit 2021 durfte ich unter der Regie von Johanna Rieger im Sommertheater Klosterneuburg den Vielfraß Ferdinand in „Die Trilogie Der Sommerfrischler“ (2021) als Michel (alias Teddy) in „Arsen und Spitzenhäubchien“ (2022) und in der Doppelrolle Als Putzfrau Luzia Und Diener Marian in „Bunbury“ (2023) das Publikum zum Leben erwecken.

Fotos_privat.

Walter Pobaschnig _ 25.7.2024

https://literaturoutdoors.com

„Heilung“ Anni Rennt, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Bad Homburg 27.7.2024

GIVE PEACE A CHANCE

G ewalt

I ntrige

V erhör

E nteignung


P ace

E rregung

A ntifachismus

C ollaboration

E rfindung


A narchie


C rash

H eilung

A tomschrott

N onsense

C ausa

E nd



Anni Rennt, 25.7.2024

Anni Rennt, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Anni Rennt, Schriftstellerin

Zur Person: Anni Rennt (Anni Boehk) wurde 1977 in Berlin-Mitte geboren, sie wuchs in einer DDR Arbeiterfamilie auf. Nach dem vorzeitigen Abbruch des Studiums (Germanistik, Kunstgeschichte) jobbte sie u.a. als Regieassistentin, Obst- und Frittenverkäuferin, Buchhalterin sowie als Marketingassistentin für mehrere Unternehmen in Deutschland. 2010 absolvierte sie ein Abendstudium an der Akademie für Marketingkommunikation in Frankfurt, wo sie seit 2008 lebt. Sie ist Texterin, Projektmanagerin für Unternehmenskommunikation und Online-Marketing. Schreiben ist für der Ort, der die Risse offenlegt, sie manchmal vernäht und sie vor der Rohheit des Alltags abschirmt. Sie schreibt Kurzgeschichten und Gedichte, die sie im Netz verstreut. Die Arbeit an einem Roman geht voran, ein Ende ist absehbar. Eine geeignete Literaturagentur zu finden, ist das nächste Ziel.

Bad Homburg, 25.07.2024

Fotos_privat.

Walter Pobaschnig _ 25.7.2024

https://literaturoutdoors.com

„Prachtvoll eröffnet sich eine neue Welt“ Angelika Strasser, Schauspielerin _ Give Peace A Chance _ Linz 26.7.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Grüner strahlt der saftigen Wiesen Glanz

Im friedvollen Anblick der sanften Berührungen des Windes,

Verweilen die Augen auf der Grashalmen Tanz.

Empfindungen durchströmen mein Inneres, längst vergessen die friedvolle Zeit des Kindes.


Prachtvoll eröffnet sich eine neue Welt,

Errungenschaften um Errungenschaften duellieren sich,

Anerkennung sich mit Macht bekleidet dazugesellt.

Chaos sichtlich nicht entbehrlich

Einfluss übt auf diese Welt.


Abwandlung.


Charismatisch und charmant zu gleich

Hoffen wir auf die Veränderung im großen Bereich.

Anmaßend, echauffieren und der Schwafelei,

Nicht vielsagend bedienen wir uns an diesem Einheitsbrei.

Charakterstärke wird nicht minder von Belang,

Ersehnen wir doch hilfeschreiend ein friedvolles Zusammen.



Angelika Strasser, 20.7.2024

Angelika Strasser, Schauspielerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Angelika Strasser, Schauspielerin

Fotos_Station bei Romy Schneider/Schönbrunn _ Walter Pobaschnig 7/24.

Walter Pobaschnig _ 20.7.2024

https://literaturoutdoors.com

„Geschichten haben mein Herz geweitet, mir Angst genommen, Mut gemacht“ Anni Rennt, Schriftstellerin _ Bad Homburg/D 26.7.2024

Liebe Anni Rennt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich fahre jeden Morgen mit der Tram Richtung Durchschnittswelt, abends spuckt mich die Tram wieder aus. An diesen Orten, es waren viele dieser Art in den letzten 20 Jahren, wird mir klar, warum die Welt ist, wie sie ist, ein kalter, roher Ort.

An den Abenden, den Wochenenden, an jedem freien Tag, gehört mir die Anderswelt, oder vielmehr, ich gehöre ihr. Ohne diese Fluchten wäre es mir unmöglich. Ganz sicher. Unmöglich.

Anni Rennt, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Fühlen. Ich bin eine Beobachterin, ich sehe und fühle in den einfachen Leben eine enorme Kälte, sie war immer da. In der Bahn, an der Kasse im Supermarkt, auf den Autobahnen, der eigenen Familie, im Netz sowieso. Es ist, als hätte jemand die Liebe ausgestellt und ein Großteil der Seelen ist lange schon tot. Erzählen wir Geschichten von Liebenden, von Sehenden, von Mutigen.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wenn Geschichten noch aggressiver, noch brutaler, noch roher werden, wie die Welt schon ist, sehe ich da keinen Ausweg für uns. Als Kind wollte ich verzaubert werden, weggetragen aus der Brutalität der Kleinwelt. Geschichten haben mein Herz geweitet, mir Angst genommen, Mut gemacht, mich überhaupt erst liebesfähig werden lassen, mich niemals manipuliert und hintergangen. Neben politischer Aufklärung, die auf Logik beruht, wünsche ich uns Geschichten, die unser Herz berühren. Das sind Aufgaben von Wissenschaft und Kunst.


Was liest Du derzeit?

Da ich aktuell selbst ein größeres literarisches Thema bearbeite und ein älteres, lange liegengebliebenes zum zweiten Mal aufklopfe, fällt es mir schwer, nebenher einen Roman zu lesen. Vieles ist Recherchematerial, Fachbücher zu Farben, Bäumen, Psychologie. Doch, in diesen Räumen zwischen dem Alltag und meinen Texten, die ich teilweise ins Netz streue, ist Lyrik meine Geliebte. Neben meinem Bett: Phillis Wheatley, Friederike Mayröcker, Jay M. Walther.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden. (Paul Auster, 3. Februar 1947, † 30. April 2024)

Genießen Sie den Horizont und lernen Sie unterscheiden zwischen wahrem und scheinbarem Wind. Jay. M. Walther

Es ist nicht wichtig, wie sie heißt. Es ist nicht wichtig, wer sie war. Wichtig ist, wer ist sie jetzt? Danach.

Anni Rennt

Anni Rennt, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Anni, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

Danke, Walter! ❤

5 Fragen an Künstler*innen: Anni Rennt, Schriftstellerin

Zur Person: Anni Rennt (Anni Boehk) wurde 1977 in Berlin-Mitte geboren, sie wuchs in einer DDR Arbeiterfamilie auf. Nach dem vorzeitigen Abbruch des Studiums (Germanistik, Kunstgeschichte) jobbte sie u.a. als Regieassistentin, Obst- und Frittenverkäuferin, Buchhalterin sowie als Marketingassistentin für mehrere Unternehmen in Deutschland. 2010 absolvierte sie ein Abendstudium an der Akademie für Marketingkommunikation in Frankfurt, wo sie seit 2008 lebt. Sie ist Texterin, Projektmanagerin für Unternehmenskommunikation und Online-Marketing. Schreiben ist für der Ort, der die Risse offenlegt, sie manchmal vernäht und sie vor der Rohheit des Alltags abschirmt. Sie schreibt Kurzgeschichten und Gedichte, die sie im Netz verstreut. Die Arbeit an einem Roman geht voran, ein Ende ist absehbar. Eine geeignete Literaturagentur zu finden, ist das nächste Ziel.

Bad Homburg, 25.07.2024

Fotos_privat.

Walter Pobaschnig _ 25.7.2024

https://literaturoutdoors.com

Undine geht – „warum nicht klassische Rollenbilder zerschmettern?“ Rebecca Celine Richter, Schauspielerin _ Wien 26.7.2024

Rebecca Celine Richter, Schauspielerin, Sängerin  _
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.
Rebecca Celine Richter, Schauspielerin, Sängerin  _
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Rebecca Celine Richter, Schauspielerin, Sängerin 

„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Fotos_Donau_Wien.

Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ Heinz Bachmann

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Liebe Rebecca Celine Richter, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Wut und Trauer dem Patriarchat gegenüber – allen Männern. Alle, die Hans heißen. Sehr direkte Anschuldigungen. Auch eine Hoffnungslosigkeit – keinen anderen Ausweg mehr zu haben als das sehr radikale „ich verschwinde und komme nie wieder“

Wie siehst Du „Undine“?

Ein Wesen, welches im Denken und Fühlen vielleicht zu fortschrittlich ist und nicht in die (momentane) „Norm“ passt. Sich da aber auch nicht reinquetschen lassen will. Vielleicht aber auch eine Wut gegen sich selbst, weil sie so denkt und fühlt und sich nicht dieser Norm hingeben kann?

„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?

Zumindest wird es nicht mehr großflächig von uns Frauen erwartet, ganztags am Herd zu stehen und die Kinder zu beschäftigen während der Mann arbeitet. Das ist ja schon mal eine Entwicklung. Nicht dass es etwas Schlechtes wäre zuhause zu sein und den Haushalt zu machen (ich habe großen Respekt vor Menschen, die alleine zuhause die Kinder großziehen!) aber zumindest entspricht es nicht mehr dem Klischee, dass alle Frauen das tun MÜSSEN.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?

Besonders in meinem Beruf habe ich schon das Gefühl dass die Darstellende Kunst IMMER NOCH sehr männerdominiert ist. Und selbst Stücke die feministisch sein „wollen“ – eben unter männlicher Regie – zerstören diese ganze Aussage wieder indem sie 2/3 der Rollen mit Männern besetzen. Lassen sich dann aber feiern wie fortschrittlich und vorbildlich sie sind. Das passt für mich nicht ganz zusammen. Ich habe in London mal eine Produktion von Macbeth im Globe gesehen und da wurde eine Männer(neben)rolle mit einer Darstellerin besetzt (die fantastisch war!) – es wurde aber kein Tohuwabohu drum gemacht, es wurde einfach nur gutes Theater gespielt. Also man kann schon auch mal Frauen Männer spielen lassen, oder jemanden der sich als nonbinär definiert – solange die Person ihren Job gut macht, bin ich happy. 

In einer Welt wo alles möglich ist – dem Theater – warum nicht auch mal klassische Rollenbilder zerschmettern?

Aber ich hoffe dass es aufwärts geht. Auch in anderen Dingen – Kamala Harris als erste (!) amerikanische Präsidentin vielleicht? 

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?

Ich glaube, bis wir aufgehört haben Berufe, Stereotypen oder auch Charaktereigenschaften einem bestimmten Geschlecht zuzuordnen, sehe ich nicht viel Hoffnung eines wirklich gesunden Miteinanders der Geschlechter im gesellschaftlichen aber auch im persönlichen Leben. Ja, klar macht mich das auch traurig. Andererseits denk ich, dass wir in der westlichen Gesellschaft schon ein paar Meilensteine geschafft haben. Aber natürlich ist da noch Luft nach oben…
           

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute  mitnehmen?

Den Mut haben einfach mal zu sagen „Mir reichts, ich geh und mach mein eigenes Ding.“

Was bedeutet Dir Natur?

Ich bin in der Steiermark in einem kleinen Ort aufgewachsen – ich war mit meinem Opa viel im Wald und in den Bergen unterwegs, habe die Namen von Blumen und Vögeln kennengelernt und mein Opa hat mir beigebracht die Natur zu schätzen und zu schützen. Auch wenn mein Opa leider nicht mehr lebt und ich jetzt in der Stadt wohne, fühle ich mich ihm und unseren gemeinsamen „Abenteuern“ sehr verbunden sobald ich in der Natur unterwegs bin. Sie erinnert mich an meine Wurzeln und wie schön unser Planet eigentlich ist. Also ja, Natur bedeutet mir sehr viel.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Ich bin im Sternzeichen Löwe, mein Element ist also eigentlich das Feuer. Oft halte ich das Wasser gerne auf Abstand. Ich liebe aber das Meer! Aber ich präferiere tatsächlich am Strand zu sitzen und dem Wasser zuzuschauen als selber drinnen zu „planschen“. Beim Meer zu sitzen gibt mir Kraft – die schier unendliche Weite des Meeres gibt mir das Gefühl stark zu sein. Hingegen fühle ich mich bei Seen oft ein wenig eingeengt, ich habe dann das Gefühl dass das Wasser nicht den Platz hat sich auszubreiten den es brauchen würde.

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Ich sage immer, dass ich den Sommer liebe, aber jetzt gerade ist mir eigentlich wieder zu heiß. Als ich noch jünger war (Betonung auf „jünger“, sehr viel mehr bin ich in den letzten Jahren nämlich nicht mehr gewachsen) gab es eher diese Abgrenzungen zwischen den vier Jahreszeiten und man hatte mehr Zeit sich über Herbst und Frühling vom Winter auf den Sommer einzustellen und zu gewöhnen (vielleicht bilde ich mir das aber auch ein und ich bin über die Jahre einfach viel empfindlicher geworden) Es fühlt sich mittlerweile an als gebe es nur noch sehr heiß und sehr kalt – aber kein Mittelding. Grundsätzlich finde ich aber jede Jahreszeit schön – den Schnee im Winter, die ersten Frühlingsblumen, die langen Tage des Sommers und die bunten Blätter im Winter. Als Mensch, der gerne draußen unterwegs ist, mag ich wie sich die Natur verwandelt (und parallel oft auch die Gemüter der Menschen). Man kann sich ja auch anpassen.

Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?

Man sollte sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass wir nur ein Gast auf diesem Planeten sind und dass die Erde viel stärker ist als wir Menschen. Wir müssen uns wieder daran erinnern, ihr mit Respekt und Liebe zu begegnen.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Respekt und Verständnis. Aufeinander zugehen, einander zuhören und auch die kleinen Macken der anderen Person akzeptieren.

Was lässt Liebe untergehen?

Egoismus.

Wie war Dein Weg zum Schauspiel?

Ich wollte eigentlich immer Musical machen und mochte Schauspiel als Einzelfach gar nicht so gerne… über die Jahre als ich „hobbymäßig“ in der Musical Akademie Murtal von Gernot Kranner war, hat sich dann aber herauskristallisiert, dass mir Schauspiel liegt und ich mich einfach mal trauen musste ins kalte Wasser 😉 zu springen. Nichts erfüllt mich mehr mit Glück als Menschen zu berühren und Emotionen zulassen zu können.

Welche aktuellen Projektpläne hast Du?

Jetzt im Sommer spiele ich in MOMO im Theo in Perchtoldsdorf – ein wunderbares Stück für Kinder aber auch Erwachsene. „Sich Zeit nehmen, die Umwelt bewusster wahrnehmen und anderen zuhören“ – sehr wichtige Thematiken in dieser Zeit, wie ich finde…

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?  

 (…) Ich werde nie wiederkommen, nie wieder Ja sagen und Du und Ja. All diese Worte wird es nicht mehr geben, (…)

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?

U         und

N         noch

D         durfte

I           ich

N         nicht

E          erbosen


G         gegenüber

E          euch

H         heute

T          tu (ichs)

Rebecca Celine Richter, Schauspielerin, Sängerin  _
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Alle Fotos & Interview_Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com 7/24