Liebe Kristina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Sehr geordnet, für meine Verhältnisse. Das heißt 5 mal die Woche mehr oder weniger gleich und das schon seit Anfang September…
Kristina Bangert, Schauspielerin _ Wien
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das Jetzt. Vorausplanung ist seit 2020 schwer bis unmöglich. Zu akzeptieren, wenn es anders kommt als gedacht, umzudenken. Beweglich zu bleiben.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Anpassung an die Gegebenheiten. Den Vorteil in der Veränderung zu finden. Das Theater kann für die Zukunft erahnte Veränderungen „vorspielen“, bevor sie Realität werden. Vielleicht im besten Falle ein Wenig darauf vorbereiten. Oder einfach ablenken und für eine kurze Zeit aus der Realität entführen.
Was liest Du derzeit?
Jedermann…“Naokos Lächeln“ von Murakami.und „Was wir Frauen wollen“ von I. Allende liegen schon am Nachtkastl für nach den Proben
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Er hat auch Gutes getan! Er hat zum Beispiel…Er hat…Es fällt mir gleich ein…
Vielen Dank für das Interview lieber Kristina, und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Viel Freude und Erfolg für die kommende Premiere!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Kristina Bangert, Schauspielerin _ Wien
Foto_Marlene Fröhlich
Aktuell ist Kristina Bangert zu sehen in:
JEDE(R).NOW
Mashup _ nach Hugo von Hofmannsthals “Jedermann“ und Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now”
das.bernhard.ensemble / DAS OFF THEATER _Koproduktion
Liebe Sophie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Durch meinen Sohn früh geweckt werden- Proben fürs neue Stück – meinen Sohn vom Kindergarten abholen und spielen spielen spielen – auf Me-Time warten, wenig davon haben – schlafen gehen und wieder von vorn:)
Sophie Resch, Schauspielerin _ Wien
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zu sich kommen- ohne Ablenkung von Netflix, Smartphone/ Social Media, Shopping, Arbeitsalltag und Co. Und damit meine ich nicht Selbstoptimierung, sondern ein ehrliches Hinschauen, Runterkommen, Hineinspüren und Erkennen: Was ist mir wichtig? Was sind die Dinge in die ich investieren möchte? Was liebe ich? Was will ich leben? Wie will ich leben? Welche Änderungen sind dafür notwendig für mich/ für die Gesellschaft? …Und dann raus gehen in die Welt- Anderen mit Liebe, Mut zur respektvollen Auseinandersetzung, Wertschätzung, Solidarität, Humor und Begeisterung begegnen. Und dann könnten wir beginnen gemeinsam die Welt zu verändern.
Haha, das ist naiv? Yess, aber wichtig wäre es trotzdem!
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Kunst machen fühlt sich gerade etwas absurd an und nichtig, im Vergleich zu dem, was gerade in der Welt passiert vielleicht sogar überflüssig?! Ja und gleichzeitig ist sie wie immer eine Chance die Welt zu spiegeln, ihre Absurdität offen zu legen, Gesetzmäßigkeiten außer Kraft zu setzen und so Gedankenkonzepte zu schaffen, die Neues bringen können oder zumindest einen Dialog starten…
Was liest Du derzeit?
So viele tolle Bücher die ich alle lesen werde, wenn die Zeiten weniger stressig und überboardend sind:
Z.B. „Radikale Zärtlichkeit“ von Set da Kurt; „Das Unwohlsein der modernen Mutter“ von Mareike Kaiser, „Warum Liebe weh tut“ von Eva Illouz, und und und
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
My all time favourite:
„Und ich möchte sie, so gut ich es kann, bitten Geduld zu haben, gegen alles Ungelöste in ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen sie jetzt nicht nach den Antworten, die ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum alles zu leben. Leben sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben sie dann allmählich, ohne es zu merken eines fernen Tages in die Antwort hinein.“
Sophie Resch, Schauspielerin _ Wien
Vielen Dank für das Interview lieber Sophie, und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Birgit Radeschnig_Sängerin, Musikerin, Komponistin, Kabarettistin, Autorin _ Liederabend „Mariana“ _Text, Komposition _ Birgit Radeschnig _ OFF Theater Wien 27.10.2022
Liebe Birgit, ich durfte am 27.10. Deinen Liederabend „Mariana – Ein Liederzyklus wegen Maria“ im Off Theater Wien besuchen und bin noch unter dem starken Eindruck dieses so mitreißend poetischen, sprachdynamischen wie rhythmischen modernen Requiems. Wie kam es zu dieser Produktion und Konzeption von Dir in Text, Komposition und Formation?
Der Liederzyklus als künstlerische Erzählform hat mich schon lange gereizt und eine erste Realisierung war lediglich eine Frage der Zeit und des würdigen Themas. Außerdem wollte ich schon lange mit dem Kontrabassisten Mathias Krispin Bucher zusammenarbeiten und als dann noch Florian Steinringer am Schlagzeug mit dabei war, war die Kargheit der Instrumentierung der ideale Boden für die musikalische Arbeit an meinen Textfragmenten zum Thema „Traumata in der Großelterngeneration“.
Wie Du mit Sprache und Stimme ein Thema, einen Text formst und performst, erinnert an literarische Traditionen der „Konkreten Poesie“ wie auch der „Wiener Gruppe“ experimenteller Poesie. Welchem Sprachkonzept siehst Du Dich verbunden?
Es ist eine unglaublich spannende Arbeit, textliche Information so weit zu reduzieren, dass sie in eine Liedform passt und trotzdem noch genügend inhaltliche Anhaltspunkte für das Publikum bietet. Alles Unnötige weg und das Notwendige erzählen zu lassen ist nicht nur rhythmisch, sondern auch sprachmelodisch extrem herausfordernd. Gefühlt gehe ich für einen solchen Schreibprozess eher ins Labor, als zum Laptop.
Du bist Sängerin, Kabarettistin, Musikerin, Autorin. Wie formte, formt sich Dein Musikstil?
Der Musikstil formt sich aus der Not heraus – ich war und bin äußerst übungsfaul und hab es deshalb nie zu musikalischer Virtuosität gebracht. Meine Kompositionen würde ich daher eher als „einfach“ beschreiben – oder „reduziert“, wenn es weniger stümperhaft klingen soll.
Wie gestaltet sich für Dich der Prozess der Verbindung von Text und Musik? Was ist zuerst da?
Der Text – sonst wüsste ich nicht, wo musikalisch anfangen.
Bei „Mariana“ trittst Du in einem kongenialen Trio mit dem Kontrabassisten, Sänger, Mathias Krispin Bucher, und dem Schlagzeuger, Sänger, Florian Steinringer, auf. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie gestaltete sich die gemeinsame musikalische Erarbeitung des Themas?
Bei sämtlichen künstlerischen Kollaborationen steht für mich gegenseitige Sympathie im Vordergrund und vor allem bei der Aufarbeitung eines so persönlichen Themas war zwischenmenschliche Verbundenheit eine äußerst wichtige Komponente, aus der sich auch meistens automatisch ein gegenseitiges Verständnis auf musikalischer Ebene ergibt. Da im Fall von „Mariana“ sämtliche Musikstücke vor Probenbeginn von mir fertig komponiert und arrangiert wurden, war die gemeinsame Erarbeitung allerdings eher ein diktatorischer Prozess.
In Deinem Liedzyklus geht es um das Sterben einer Frau und schmerzhafte Erinnerungen an die Enge von Tradition und weiblicher Identität im Leben. Wie siehst Du dies bei „Maria“ und heute?
Bei „Mariana“ wird die Geschichte einer Frau erzählt, die in den Nachkriegsjahren ein traumatisches Erlebnis erfahren hat und an ihrem Lebensende davon eingeholt wird, weil es bis dahin nicht aufgearbeitet wurde. Zur Zeit meiner Großeltern war es noch kein Thema, nach traumatischen Erlebnissen psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen und dadurch kam es oft zu Verhaltensmustern, die wiederum die nächste Generation geprägt und beeinflusst haben. Heute gibt es für den Wunsch nach Aufarbeitung Möglichkeiten. Leistbarer müssten sie halt noch sein.
Deine musikalische Erzählweise ist eine sehr aufmerksame, dynamisch-eindringliche, die Reflexion, Kritik und Empathie verbindet. Das Zuhören ist gleichsam ein Miterleben und begeistert das Publikum. Wie entwickelst Du Deine Performance und wie gelingt Dir dieser Funkensprung zum Publikum?
Die Performance passiert und je weniger Vorsatz dahintersteckt, desto freier kann sie sich auch entwickeln. Ich wüsste auch gar nicht, wie man einen „Funkensprung“ zum Publikum plant.
Welche weiteren Auftrittsstationen gibt es für „Mariana“ und welche Projekte planst Du derzeit noch?
Am 02.11. gibt es „Mariana“ im Kleinen Theater in Salzburg und am 05.11. in den Kammerlichtspielen Klagenfurt zu sehen. Derzeit arbeite ich gemeinsam mit meiner Zwillingsschwester als Kabarettduo „RaDeschnig“ an unserem 6. Programm, das im März 2023 im Kabarett Niedermair Premiere feiern wird.
Wie sieht für Dich persönlich ein „Mariana“ Abend in Vorbereitung wie dem Danach aus?
Schlagzeug und Equipment ins Auto räumen, zum Auftrittsort fahren, Schlagzeug und Equipment aus dem Auto räumen. Soundcheck und Spannung. Sich vor der Vorstellung Fragen nach dem Verlauf der Vorstellung stellen. Nach der Vorstellung Fragen, wie die von Walter Pobaschnig, beantworten.
Herzlichen Dank für Das Interview und Deinen wunderbaren Liederabend, liebe Birgit, viel Freude und Erfolg weiterhin!
„Mariana – Ein Liederzyklus wegen Maria“ Birgit Radeschnig, Mathias Krispin Bucher, Florian Steinringer(2022)
Text, Komposition, Gesang: Birgit Radeschnig
Kontrabass, Gesang: Mathias Krispin Bucher
Schlagzeug, Gesang: Florian Steinringer
Kommende Termine:
Mi.02.11. Salzburg _ Mariana – Ein Liederzyklus wegen Maria mit Mathias Krispin-Bucher, Florian Steinringer, Birgit Radeschnig _ Salzburg Kleines Theater
Sa.05.11.Klagenfurt _ Mariana – Ein Liederzyklus wegen Maria mit Mathias Krispin-Bucher, Florian Steinringer, Birgit Radeschnig Klagenfurt Jazzclub Kammerlichtspiele
Lieber Ernst, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bin Frühaufsteher und frühstücke etwa um 3 Uhr bevor ich noch im Bett wichtige Tages-Mail-Korrespondenz erledige, Ideen, Texte, Konzepte entwerfen und in den Mac klopfe. Ab 8 bin ich im Haus, um kleinere Bürosachen zu erledigen, dann gibt’s eine kurze Bürobesprechung für den Tag. Ab 9 Aufwärmen, 9.30 Probenstart mit Kritik vom Vortag, dann künstlerische Probe bis 14.30. Dann weitere Büro- und Technikbesprechungen, bzw. Termine mit Gastkünstler:innen, bzw. Geschäftspartnern, Politik, etc. Um etwa 17 Uhr fahr ich heim und beginne das Material vom Tag zu sichten. (Da ich oftmals selber mitspiele muss ich das Videomaterial vom Tag auswerten!) Ab 19 Uhr lese oder schaue ich Nachrichten. Ab 21 Uhr geht’s Richtung Bett!
Bei Abendvorstellungen verschiebt sich dieser Rhythmus nur geringfügig, dadurch schlafe ich dann Nachmittags 2 Stunden vor den Vorstellungen!
Ernst Kurt Weigel_Regisseur,Schauspieler, Theaterdirektor _ Wien
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nerven behalten! Wir sind jetzt im Theater in einer besonders schwierigen Übergangsphase! Das Publikum kommt zaghaft zurück, die Gruppen trauen sich noch nicht recht neu zu produzieren. Warum: Fällt dir jemand aus dem engsten Team, oder zentrale Performer:innen vom künstlerischen Ensemble aus, dann war´s das oft mit der gesamten Produktion und das ganze Geld für Proben, Werbung, Bühne ist dahin. Es gibt keinerlei Schutzschirme mehr, Quarantäne wurde zu Krankenstand und dadurch wird einem nichts mehr ersetzt und Mitarbeiter:innen, die ausfallen führen bei kleineren Häusern zu drastischen Problemen, weil sie nicht kurzfristig ersetzt werden können!
Und ehrlich: Maske am Arbeitsplatz bei symptomlosen Verlauf ist ja wohl im darstellenden Bereich ein Witz!
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich gebe zu: Es ist für mich verdammt hart gerade jetzt Theater zu machen oder zu schauen. Alles kommt mir so lächerlich vor im Vergleich dazu, was sich alles vor unserer Haustür und über unseren Köpfen abspielt! Und das degradiert uns im Moment zu Ablenkern und Entertainern! Man muss gerade jetzt sehr vorsichtig und respektvoll mit den Menschen umgehen, auch abseits der Bühne, denn alle scheinen mir sehr angegriffen und sensibel! Nicht die schlechteste Lektion, die uns im Moment zu Teil wird, trotzdem entbehrlich! Theater kann im besten Falle visionär arbeiten, und Vieles posaunen wir schon seit Jahren warnend von der Bühne, was nun schreckliche Realität geworden ist. Die Menschen als Gesellschaft begreifen viele Dinge leider erst, wenn sie auf der Nase liegen oder der Hut bereits abgebrannt ist.
Was liest Du derzeit?
„Endspiel des Kapitalismus“ von Norbert Häring
Harter Tobak!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Glauben heißt: Nichts wissen müssen…“
Ernst Kurt Weigel_Regisseur,Schauspieler, Theaterdirektor _ Wien
Vielen Dank für das Interview lieber Ernst, und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Viel Freude und Erfolg für die kommende Premiere!
5 Fragen an Künstler*innen:
Ernst Kurt Weigel_Regisseur,Schauspieler, Theaterdirektor
Zur Person:
ERNST KURT WEIGEL
spielt, schreibt und inszeniert. Geboren 1970 in Wien. Ausbildung: Schauspielschule Krauss. Leitet das.bernhard.ensemble und DAS OFF THEATER.
Schauspieler: 1991-96 Theater in der Josefstadt, 1996 freie Wiener Performanceszene, 1997/1998 Serapionstheater im Odeon, 1997 Gründung das.bernhard.ensemble, 2006 Gründung DAS OFF THEATER, 2016 Gründung *sterne*reißen*
Regisseur und Schauspieler: Inszenierte die meisten, der über 30 Produktionen des bernhard.ensemble an vielen Wiener Spielorten (WUK, dietheater, Stadtintiative, Theater des Augenblicks, MQ, projekttheater studio, ab 2006 im OFF THEATER)
Autor vieler Stücke, zuletzt: „Kein Groschen, BRECHT!“, „701“
Auszeichnungen: 2001 Nestroy Beste OFF Produktion, 2014 Nestroy-Nominierung WIENER.WALD.FICTION, Beste OFF Produktion, 2019 Nestroy-Nominierung LILIOM.CLUB, Beste OFF Produktion
letzte Arbeiten: 2020 „THE.HELDENPLATZ.THING“, „Die grauenvolle Entdeckung des Jakob Levy Moreno“, 2021 „THE.HELDENPLATZ.THING.MOVIE“, „Reenacting Jakob Levy Moreno”, “BLADE.UNWICHTIG“, 2022 „DER.SEMMELWEIS.REFLEX“
Aktuelle Produktion von und mit Ernst Kurt Weigel:
JEDE(R).NOW
Mashup _ nach Hugo von Hofmannsthals “Jedermann“ und Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now”
das.bernhard.ensemble / DAS OFF THEATER _Koproduktion