„Genau so hab ich es erwartet“ Marcus Roloff_Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Frankfurt/Main 6.4.2022

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Genau so hab ich es erwartet

Irrsinn reitet nieder diese Welt

Versperrt sind alle Wege

Erst sie, dann du, dann alle


Pest & Cholera as known as

East & West

Auf ewig unverstanden:

Chamäleonfarbner Überbau

Eine Welt aus Traktaten, Dekreten


Am Himmel nichts als Leichenlicht


Chinesisches Hinterland versus

Hochsauerlandkreis, das

Angstfell über allen Ohren

Natürlich ist den Wipfeln die Ruh

Chronik des scheiternden Blicks

Ebenda sterben, unter so vielen Torsi


Marcus Roloff, 4.4.2022

Marcus Roloff_Schriftsteller

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Marcus Roloff_Schriftsteller

https://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Roloff

Foto_Katja Winter.

Walter Pobaschnig _ 4.4.2022.

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„Geht es Ihnen gut?“ Karsten Redmann, Schriftsteller _ Give Peace A Chance_St.Gallen/CH 5.4.2022

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Geht es Ihnen gut?

In der Regel ja.

Vermögen Sie der Welt etwas Gutes abzuringen?  

Ehrlich gesagt: Das tue ich – hin und wieder bin ich versucht.

Plagen Sie Geister?

Eher selten.

Ahnen Sie Dinge voraus?

Chaos ist mir grundlegend fremd.

Ehrlich gesagt: Das macht mir Angst – Ihre Aussage macht mir Angst.

Ahnten Sie den Krieg voraus?

Chaos ist mir zwar fremd, aber nicht so fremd.

Haben Sie Angst?

Ab und an.

Nächte aus Eisen?

Chaos bestellt die Felder, es hört nicht auf, will nicht aufhören.

Ehrlich gesagt: Ich verstehe Sie und verstehe Sie nicht.

Karsten Redmann, 30.3.2022

Karsten Redmann, Schriftsteller

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Karsten Redmann, Schriftsteller _ St.Gallen/CH

Karsten Redmann

Foto_Kilian Schreier.

Walter Pobaschnig _ 30.3.2022.

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„Das Theater lebt und überlebt die verschiedensten schwierigen Zeiten“ Marina Dordevic, Theaterregisseurin _Wien 5.4.2022

Liebe Marina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zwischen den Proben an der Academy of Acting STANISLAVSKI, die ich als Regisseurin leite, und der Abfassung eines Regiekonzepts für mein nächstes Theaterprojekt, das im Frühling aufgeführt werden soll, genieße ich lange Spaziergänge durch die Wiener Straßen und ihre Eindrücke – dem Knirschen des Schnees unter meinen Füßen, dem Geruch von heißem Kaffee, dem kalten Wind in meinem Gesicht und der Intensität des eisengrauen Himmels. Ich schaue jedoch genauso Filme, höre Musik und suche nach Kunst, die mich inspiriert. Ebenfalls lese ich Dylan Dog Comics und höre den Podcast der Dramaturgin Biljana Srbljanović “Zadovoljstvo u tekstu“ (=Freude am Text) mit eigener Freude.

Marina Đorđević, Theaterregisseurin

Am liebsten würde ich die Frage jedoch umformulieren, denn eine besser Antwort kann ich geben auf: Welche Gedanken hast du während eines Tages?

Als Theaterregisseurin liegt mein Fokus auf der Perspektive. Und wie der große Hitchcock sagte: „Inspiration steckt in allem“. Mein  Tag, genauso wie der Weg, den meine Gedanken nehmen, wird durch diesen Satz gesteuert. Und dementsprechend auch, wie viel meines Tages ich mit Malerei, Literatur oder Filmkunst verbringe. In dieser Phase der Arbeit am Theaterprojekt Die kahle Sängerin, nach dem Originaltext von Ežen Jonesko, befinde ich mich auf der Suche nach einzigartigen und frischen Eindrücken, die ich in die Regie dieses Projekts einfließen lassen kann. Aus diesem Grund liebe ich es, mit einem Dramatiker und einem Schriftsteller zusammenzuleben, der nicht nur mein bester Freund, sondern auch mein Verlobter ist. Das Leben mit ihm ist voll von thematischen Reisen und Träumen, Ideen und Szenen. Das Finden literarischer Spuren rund um unsere gemeinsame Wohnung, macht meinen Tag immer wieder aufs Neue besonders. Alle diese individuellen und subjektiven, von Kunst und Menschen inspirierten Eindrücke machen meine einzigartige Perspektive auf die Welt, die mich umgibt, aus und helfen mir, einen eigenen Weg zu finden, die Realität zu interpretieren und in meine Regie zu integrieren.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dies ist ein perfekter Moment, um die innere Verbindung mit uns selbst zu pflegen. Wir sollten nie vergessen, dass sich über dem Meer an Nachrichten ein grenzenloser Himmel menschlicher Kreativität befindet. Der Weg in diese Richtung ist für jeden anders, meiner ist gefüllt von faszinierender Filmkunst und der Zeit, die ich in vollen Zügen genießen darf und die mir gegeben wurde, um sie in ihre unerschöpflichen Quellen zu erforschen. Es ist diese Liebe, die zu etwas mehr werden kann, da ich mich nach meinem Theaterstudium an der Online-Filmschule eingeschrieben habe.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Für das Theater gibt es keinen Neubeginn. Das Theater ist nicht gestorben. Das Theater lebt und über-lebt die verschiedensten schwierigen Zeiten. Das Theater ist Teil unserer Realität, eine Reflexion unserer inneren Konflikte, unserer Leben, Tode und unserer Liebe – wie soll es aussehen, das Leben in der Realität oder das imaginäre Leben im Theater werden wir erst erfahren.

Was liest Du derzeit?

Verschiedenes. Hauptsächlich Texte über Film und Theater, vor kurzem habe ich ebenfalls angefangen den Roman Solaris von Stanislav Lem zu lesen, nach welchem der Film Solaris von Andrei Tarkovsky entstanden ist. Momentan bin ich jedoch sehr an der Science-Ficton und Cyberpunk interessiert, da ich gerade eine philosophisch spannende Geschichte in dem Genre filmen will.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich bin ein großer Fan von Zitaten und Referenzen allgemein, nicht nur von literarischen. Für mich ist Intermedialität sehr spannend und ich verwende gerne Zitate wie Kompositionen und Beleuchtung aus Renaissance-Gemälden, Filmszenen und Referenzen, die in einem anderen Kontext eine neue Dimension annehmen, Musikzitate und sogar Zitate, die vielleicht nur eine Bewegung sind, die dem Charakter Tiefe verleiht. Und so wie Hitchcock bekannt dafür ist, dass er in seinen Filmen als Statist einen Hund spazieren führt oder einen Bus zu fangen versucht, bekomme ich meinen Nervenkitzel, indem ich meine Theaterregie mit Referenzen versehe. Ich denke, dass das Publikum eine besondere Bewunderung erfährt, wenn es den Bezug zu diesen erkennt und zur Interpretation heranzieht. Um die Faszination der Theater- und Filmkunst für mich zu verdeutlichen, schließe ich mit einem Zitat von Philosoph Slavoj Žižek (A Pervert‘s Guide to Cinema): In order to understand today’s world, we need cinema, literally. It’s only in cinema that we get that crucial dimension which we are not ready to confront in our reality. If you are looking for what is in reality more real that reality itself, look into the cinematic fiction.

Vielen Dank für das Interview liebe Marina, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Regieprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Marina Đorđević, Theaterregisseurin

Fotos_privat.

18.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gier“ Andrea Wolfmayr, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Gleisdorf/AT 5.4.2022

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Gier

Ignoranz

Verachtung

Ekel

Paranoia

Ekel

Arroganz

Caesarenwahn

Ekel

Arroganz

Caesarenwahn

Hass

Arroganz

Nackte Gewalt

Caesarenwahn

Ekel

Andrea Wolfmayr, 4.4.2022

Andrea Wolfmayr, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Andrea Wolfmayr, Schriftstellerin

Wolfmayr, Andrea – Edition Keiper

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 4.4.2022.

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„Rezepte und Gebete“ Miriam Camerini. Hentrich&Hentrich Verlag.

„Liebe geht durch den Magen – aber Glauben auch“, schreibt Tom Franz, Rechtsanwalt und Hobbykoch, welcher 2013 den Fernseh-Kochwettbewerb in Israel MasterChef gewann im Vorwort. „Essen ist damit viel mehr als nur Nahrung…“, führt der „kulinarisch-kulturelle Botschafter“ des religiösen Geschmacks in jüdischer Tradition und Vielfalt weiter aus.

„…dass die Geschichte nicht nur von Staatsmännern, Generälen oder großen Erfindern gemacht wird – sondern im gleichen Umfang – auch von Köchen und Hausfrauen…“ fügtder italienische Journalist und Schriftsteller Paolo Rumiz im Vorwort hinzu.

„Die Verbindung zwischen einem religiösen Anlass…und dem Essen…ist jedesmal eine Entdeckung, eine Geschichte, die sich entfaltet…“, schreibt die in Mailand lebende Theaterregisseurin, Schauspielerin, Sängerin und Judaistin Miriam Camerini im Vorwort als Herausgeberin des vorliegenden kulinarisch-religiösen Erlebnisbuches.

Dieses kulturell-kulinarische Präludium führt dann Seite um Seite zu einer wunderbaren Entdeckungsreise von religiös-kulinarischen Fest-Traditionen des Judentums, Christentums und Islams, die in Wort, Bild, Erzählung und Rezept anschaulich kompakt geöffnet werden.

Es sind großartige Illustrationen von Jean Blanchaert im Doppel zu den einladenden Rezepten von Benedetta Jasmine Guetta, die mit dem so lebensnahen Erzählungen von Küche und religiöser Tradition ein einmaliges Buchmenü servieren, welches rundum ein Genuss ist! Essen verbindet und dies ist zu allen Zeiten und besonders jetzt ja so wichtig. Essen fördert das Gespräch, das Miteinander und damit den Weg zum Frieden zwischen Mensch und Menschen, Kultur und Kulturen – gesegnete Mahlzeit! Shalom! Salem! Friede!

„Eine ganze besondere multireligiös-kulinarische Einladung zum Miteinander, das im Lesen und Nachkochen große Freude macht!“

Walter Pobaschnig 4_22

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„One Two Three Four“ Die fabelhaften Jahre der Beatles. Craig Brown. Beck Verlag.

Liverpool. Anfang der 1960er Jahre. Ein düsterer Keller aus dem Gitarrenmusik dröhnt. Brian Epstein, Geschäftsführer eines Schallplattenladens, und sein Assistent betreten den Raum und sehen vier junge Musiker auf der Bühne, die auch regelmäßig Gäste im Geschäft sein. Gäste, weil sie sich die Musik in den Kabinen anhören, flirten, aber nicht das Interesse am Kauf einer Schallplatte haben.

Und jetzt ist Epstein hier. Und Taylor, der zur Musik sagt „Die sind ja grauenhaft“. Epstein antwortet „Aber auch ganz fabelhaft, finde ich. Komm, wir sagen Hallo.“

Aus diesem „Hallo“ wird eine unvergleichliche Zusammenarbeit und Erfolgsgeschichte und „The Beatles“ werden zur erfolgreichsten Band der Musikgeschichte.

Auf und in diesem Weg gibt es eine Fülle von Musik- und Lebensstationen, Begegnungen auf und abseits der Bühne…

Der Journalist und preisgekrönte Autor, Craig Brown, legt nun eine ganz besondere Sammlung von Blitzlichtern einer Karriere in Form von Kurz-Schilderungen vor, die in äußerst lebendiger wie spannender Weise in eine Musikepoche eintauchen lassen. Ein unvergleichliches Rundumerlebnis für Fans wie Musik- und vielfach an Kultur und Leben in allen Facetten Interessierten.

„Eine unvergleichliche Zeitreise in Blitzlichtern, die begeistern!“

Walter Pobaschnig 3_22

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„Der Kärntner Reindling“ Natascha Partl. Hermagoras Verlag.

„Bereits als kleines Mädchen hat mich die Küche und die Zubereitung von Speisen fasziniert“, schreibt die an der zweisprachigen Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe des Konvents der Schulschwestern/Višja šola za gospodarske poklice zavoda šolskih sester in St. Peter bei St. Jakob im Rosental/Kärnten/AT tätige Pädagogin und Psychologin, Natascha Partl, und weist damit auf die Vielfalt und Kreativität der Kärntner Küche im Schnittpunkt von Kultur und Kulinarik hin.

Die regionale Küche selbst ist dabei von einem Dialog der Tradition und Innovation bestimmt, der individueller Kreativität breiten Raum gibt und auch die Geschichte der Essenszubereitung des Landes kennzeichnet.

Ein besonders kulinarisches Highlight ist dabei der weit über die Grenzen Kärntens hinaus beliebte „Kärntner Reindling“. Eine ganz besondere Süßspeise, von der die Autorin sagt, „ein Originalrezept gibt es nicht, denn jeder Reindling an sich ist ein Original“.

Natascha Partl gibt nun in dem vorliegenden Buch einen wunderbaren kulinarischen Einblick in die Rezept- und Gestaltungsvielfalt und damit in die Kulturgeschichte einer Kärntner „Süßspeiseninstitution“, die bei keinem Fest und besonders zu Ostern nicht fehlen darf.

Hervorzuheben sind die großartigen Rezeptanleitungen der Autorin, die Ihr großes Wissen und Ihre pädagogische Erfahrung widerspiegeln und es leicht machen, an der gewünschten Reindling-Kreation zu zaubern. Ebenso ist die graphische Gestaltung in Bild- und Textsatz einmal mehr zu loben – einmalig was hier in bewährter Verlagstradition geleistet wird!

Essen verbindet, schafft Gemeinschaft und fördert den Frieden. Möge dieses Buch auch ein Impuls dazu sein.

Gesegnete Ostern!

Walter Pobaschnig 4_22

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„Wir müssen uns umschauen und fragen, wo wir helfen können“ Nikoletta Kiss, Schriftstellerin _ Wien 4.4.2022

Liebe Nikoletta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Normalerweise gebe ich morgens die Kinder in der Schule ab und setzte mich mit einem Kaffee vor den Bildschirm, hoffe, dass die Gedanken fließen. Dieser Tage aber fließen in unserer heimischen Krankenstation nur die Stunden. In der vergangenen Woche lag ich mit einer banalen Grippe flach, nicht einmal Corona war’s, das ganze Leiden wie für die Katz. Nun ist mein Mann an der Reihe, heldenhaft und positiv getestet, fristet er im Bett. Die Kinder springen putzmunter herum, zum Glück, wir homeschoolen, backen, kochen, was mich seit Tagen daran hindert, deinen Fragebogen zu beantworten, lieber Walter. Vielen Dank für die Fragen!

Nikoletta Kiss, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Immer sind die Menschen, die wir lieben, am wichtigsten. Aber in diesen schwierigen Zeiten müssen wir uns umschauen und fragen, wo wir helfen können.

Und besonders wichtig finde ich, miteinander im Gespräch zu bleiben. Es existieren kaum noch leichte Unterhaltungen, Gräben tun sich auf in Freundeskreisen und Familien, wie schnell eskaliert ein Familienessen an politischen Themen. Im Small Talk mit Fremden wird gegenseitig die Gesinnung abgesteckt, gibt es die Übereinstimmung nicht, bricht die Kommunikation zusammen. Das alles führt zur Verstummung, Entfremdung und Radikalisierung.  Wir müssen uns weiterhin um einander bemühen, miteinander reden, auch wenn es manchmal weh tut.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich weiß gar nicht, ob wir schon bei Aufbruch und Neubeginn sind oder noch in Schockstarre verharren. Wir werden uns unsere Welt neudenken müssen. Die alte, in der wir uns in Sicherheit wiegten, in der, zumindest in meiner Generation, Krieg etwas war, was für uns direkt keine Bedrohung darstellte, gibt es nicht mehr. Wir haben uns in den letzten Jahren in einer Folge immer krasser werdender Ereignisse vor Augen führen lassen, dass Beständigkeit trügen kann, dass gesellschaftliche Normen nichts Festgeschriebenes sind und sich schneller verschieben können, als man es für möglich hält.

Eine der großartigen Eigenschaften des Menschen ist seine Fähigkeit, sich anzupassen, im Extremen über sich hinauszuwachsen, auch das haben wir erlebt, und dies gibt mir Vertrauen in die Zukunft. Externe Schocks wie die Pandemie, ja sogar dieser schreckliche Krieg sind Katalysatoren für Entwicklung. Wir haben gesehen wie schnell ein Impfstoff gegen eine lebensbedrohliche Krankheit entwickelt werden kann, wenn die Welt zusammenarbeitet. Vielleicht führt die Aggression Putins, weil wir nun alternativlos geworden sind, die so notwendige Klimawende schneller herbei – Gedanken, die zynischen klingen in Anbetracht eines so grausamen Krieges.

Die Aufgabe der Kunst ist es, gesellschaftliche Verhältnisse kritisch zu beleuchten, auf Missstände aufmerksam zu machen. Unter allen Umständen müssen wir Kunstschaffenden uns der um sich greifenden Lähmung entgegensetzen und weitermachen. Das ist leichter gesagt als getan.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer dann, wenn ich nicht schreibe, und das Schreiben fällt auch mir dieser Tage schwer, so flüchte ich mich viel in die Literatur.

“Kreisläufe” von Andrea Scrima (Droschl 2021) habe ich letzte Nacht beendet, einen sprachlich dichten, poetischen Roman, der mich tief beeindruckt und mit schwerem Herzen zurückgelassen hat. Es geht um die Frage, wie wir zu dem werden, wer wir sind. Ist es möglich, unserer stofflichen Beschaffenheit zum Trotz, mit der wir in die Welt gesetzt wurden, der eigenen Herkunft zu entkommen?

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Ich musste wehrloser, machtloser Zeuge sein des unvorstellbaren Rückfalls der Menschheit in längst vergessen gemeinte Barbarei mit ihrem bewußten und programmatischen Dogma der Antihumanität. (…)

Aber paradoxerweise habe ich auch in eben derselben Zeit, da unsere Welt im Moralischen zurückstürzte um ein Jahrtausend, dieselbe Menschheit im Technologischen und Geistigen sich zu ungeahnten Taten erheben sehen, mit einem Flügelschlag alles in Millionen Jahren Geleistete überholend (…)

Alles stand in diesem weiten Reichen fest und unverrückbar an seiner Stelle und an der höchsten der greise Kaiser; aber sollte er sterben, so wusste man (oder meinte man), würde ein anderer kommen und nichts ändern in der wohlberechneten Ordnung. Niemand glaubte an Kriege, an Revolution und Umstürze. Alles Radikale, alles Gewaltsame schien bereits unmöglich in einem Zeitalter der Vernunft.”

aus “Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers” (1944)

Stefan Zweig schrieb diese erschreckend aktuellen Zeilen kurz vor seinem Tod 1939 bis 1941 im Exil.

Es ist alles schon einmal dagewesen, wir dürften gewarnt sein.

Vielen Dank für das Interview liebe Nikoletta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Nikoletta Kiss, Schriftstellerin

Foto_privat.

1.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Grenzüberschreitung“ Gabriele Kögl, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Wien 4.4.2022

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Grenzüberschreitung

In der

Verzweiflung

Ein Satz

Pax nicht nur

Ein Wort

Auf den

Cäsarenwahn

Ein Wunder

Apfelbäumchen pflanzen

Carpe pacem

Hoffen

Auf mehr als einen

Nicht- Krieg 

Cäsarenwahn stoppen

Ein Wunder

Gabriele Kögl, 29.3.2022

Bild1
Gabriele Kögl, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Gabriele Kögl, Schriftstellerin _ Wien

http://www.gabrielekoegl.at/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 29.3.2022.

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