Liebe Barbara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meine Tage gestalten sich sehr unterschiedlich; je nachdem ob ich Tonstudiotermine habe, Theaterproben oder ein Drehtag am Programm stehen oder ob ich einen Schreibtag für meine Kolumnen einlege. Ich bin Frühaufsteherin, in der ersten Tageshälfte bin ich am produktivsten, habe die meiste Energie. Neben meiner Arbeit als Schauspielerin und Sprecherin studiere ich berufsbegleitend Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien, Organisation ist quasi mein zweiter Vorname 😉 Den Tag lasse ich daheim mit meinem Lebensmenschen ausklingen; freie Zeit verbringe ich mit meiner Familie, engen Freunden oder draußen in der Natur. Diese Menschen, die so nah an meinem Herzen sind, sind mir das Wichtigste im Leben.
Barbara Kaudelka_Schauspielerin, Sprecherin und Kolumnistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Besonnenheit, zwischenmenschliche Wärme, kritische (Selbst-)Reflexion, Medienkompetenz und ein respektvolles aufeinander-Zugehen auf allen Ebenen. Das gemeinsame Arbeiten an Lösungen. Das beginnt in der kleinsten Zelle. Es sind verstörende Zeiten, durch die wir gerade taumeln. Globale Pandemie, Terroranschläge, Femizide, Klimakrise, sexuelle Diskriminierung, Gewalt und aktuell eine kaum begreifbare Kriegsgefahr, die mit Gefühlen und Ängsten konfrontiert, denen sich viele von uns in ihrem Leben noch nie stellen mussten. Von den Menschen, die direkt von humanitären Katastrophen betroffen sind, ganz zu schweigen. Das sind zutiefst emotionale Zeiten.
Es benötigt meiner Ansicht nach den Balanceakt aus Innehalten und entschlossen Vorwärtsgehen – Innehalten, um ganz archaischen Grundbedürfnissen des Menschseins Aufmerksamkeit zu schenken: Geborgenheit, Sicherheit, auch Anerkennung und Fairness, wirtschaftlicher wie sozialer Natur. Entschlossen vorwärts gehen im Hinblick auf die unbequeme Wahrheit, dass wir aus der Trägheit, auch einer gewissen Naivität, der letzten Jahrzehnte aufwachen müssen: ökologische Ressourcen sind nicht unbegrenzt, der Friede ist nicht selbstverständlich und das Alltags-Bewusstseins für die globale Schere zwischen arm und reich ist gelinde gesagt ausbaufähig. Ich nehme mich da gar nicht aus. Ich glaube, die Zeit, in der dieses fragile Konstrukt, das uns als Menschheit und Gesellschaft per se umgibt, noch irgendwie gehalten hat, ist vorbei.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Was wir als Gesellschaft vom Theater lernen können ist die Wichtigkeit des team work. Letztlich ist das Gelingen immer Ensembleleistung. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Egal ob am Filmset, auf der Bühne oder im Tonstudio: meiner Erfahrung nach braucht es alle, um das optimale Ergebnis auf die Beine zu stellen. Und wie die Welt sein kann, wenn alle an einem Strang ziehen, erleben wir immer wieder, denken wir an die Anfangszeit der Pandemie oder die Welle der Hilfsbereitschaft, die gegenwärtig durch Europa rollt. Auch das sind wir Menschen.
Was liest Du derzeit?
„Die Evolution der Sprache“ von Guy Deutscher
„Risikokommunikation und die Risiken der Kommunikation wissenschaftlichen Wissens: Zum gesellschaftlichen Umgang mit Nichtwissen.“ von Bechmann & Stehr
und als Hörbuch für unterwegs läuft bei mir gerade „Das Ende von allem* astrophysikalisch betrachtet“ von der großartigen Katie Mack. (hört sich schlimmer an, als es ist J )
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt die Macht unserer Wahl. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit. – Viktor Frankl –
Barbara Kaudelka_Schauspielerin, Sprecherin und Kolumnistin
Vielen Dank für das Interview liebe Barbara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Kunst-, Medienprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Barbara Kaudelka_Schauspielerin, Sprecherin und Kolumnistin
Ein Jahrhundert geht zu Ende und jetzt steht er auf der Bühne. Seine Botschaft sind Imperative und Rufzeichen. Eine neue Zeit braucht neue Wege. Überall. In allem. Die Natur weist den Weg. Allein. Und das Licht wartet auf die, die ihm folgen und neue Menschen werden. Ihm, im weißen Gewand und den Worten wie Schwertern…
Jetzt stapft er durch den Schnee. Kalt und schwer. Wie in der Jahreszeit seiner Geburt. Als er 1851 das Licht der Welt erblickt, ist er schwach und die Familie bangt um sein Leben. Das zarte brüchige Leben erholt sich und setzt Schritte ins Leben, zur Bildung. Dann der Tod der Eltern. Die Erde ist weit und leer. Sein Weg führt zur Kunst. Zur Malerei. Und ins brüchige Leben mit schwerem Schnee überall. Auf Sehnsucht und Liebe. Scheitern und – Hoffnung. Doch wo ist diese zu finden?
Er liest, hört und geht nun radikal seinen Weg. Licht, Luft, Liebe…es beginnt – oder endet – jetzt?
„Die Idee des neuen Lebens wird von hier ausgehen und die ganze Welt umfassen…“
Felix Kucher, österreichischer Schriftsteller und Philosoph, Philologe und Theologe nimmt mit seinem vierten Roman „Vegtarianer“ Leserin und Leserzu einer fulminanten gesellschaftlichen Zeitreise mit, in der spannend wie genial konstruiert die Ebenen von Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen und begeistert staunen lassen ob dieses literarischen Kunstgriffes.
Begeisternd ist auch der erzählende Stil, der gleichsam ein historisch-biographisches Mosaik zum zeitübergreifenden fliegenden Teppich von Sinn und Abgrund des Lebens werden lässt.
Der Autor ist ein Zauberer der Sprache und der dringlichen wie subtilen Frage nach Sinn und Leben in Gegenwart und Zukunft.
„Mit so viel literarischer Raffinesse über Mensch und Zeit zu schreiben, ist einmalig!“
Lieber Sven, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tag beginnt mit dem Aufwachen und schauen ob ich schon wach bin.
Sven Stäcker, Puppenspieler, (Hochschule für Schauspielkunst Ostberlin) , Schauspieler, Clown, Puppenbauer, Autor
Aller zwei Tage ein Frühstück, jeden Morgen Zähne putzen, auch die die nichtmehr da sind.
Jetzt beginnt das manchmal fröhliche und manchmal schmerzendeNachdenken, mit den Gedanken, was mach ich heute?
Puppen und Kulisse weiterbasteln? Stücke weiterschreiben? Proben?
Wer probt kann nichts. 😉
Spazieren gehen? In Simmering auf dem wunderbaren kuschligen Friedhof unddann im jüdischen Bereich, Rehe beobachten?
Ein gar köstlich Mittagessen für die Familie kochen?
An einem Bild weitermalen?
Versuchen ein Buch weiterzulesen?
Wenn die Familie zusammen ist, fröhlich sein, Spaß haben, Problemchenbesprechen?
Das unbedingte Gefühl haben, mit den persönlichen lieben Menschen, kanneinem, kann UNS, nichts geschehen. Und wenn doch was sein sollte, dannschafft man es gemeinsam!
Das liest sich fad? Mitnichten und Neffen! Es ist das schönste Beste was es gibt!
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich weiß nicht, was für UNS ALLE das Wichtigste ist. Die Menschen sind doch da arg sehr verschieden.Sie besitzen die verschiedensten Anschauungen zu den Dingen.Anschauungen die nicht jede und jeder versteht.Es müssen ja auch nicht die gleichen Anschauungen existieren.
Es muss eine große Portion Respekt zu den anderen Menschen vorhanden sein.Man muss nicht alle Menschen verstehen und begreifen.Es muss aber unbedingt der Respekt vorhanden sein, dass man andereMenschen, trotzdem als Menschen behandelt, auch wenn sie andererMeinung sind.Das sieht gegenwärtig aber schlimm aus. Gewalt und dumme Worte wechselnab und verbauen uns fast den Weg zurück.
Das sollte wichtig sein.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?
Theater und Kunst besitzt die wichtige Aufgabe Theater und Kunst zu sein.Das hatten Theater und Kunst schon immer.
Ich möchte nicht in die unsinnige Diskussion, sind Theater und Kunst wichtig?Ja, klar. Unbedingt. Sie waren schon immer wichtig und werden auchwichtig bleiben, egal ob man die Orte für Theater und Kunst erst einmalzusperrt.
Ohne Kunst und Kultur sind wir dumme kriegerische Batzen.
Herz und Menschlichkeit kommen von Kunst und Kultur und Theater.
Was liest Du derzeit?
Rocko Schamoni „Der Jaeger und sein Meister“
Heino Jaeger hat unter Künstlern viele Verehrer. Man nennt ihn den „Mozart der Komik“ und „Heino Jaeger war ein großerWortkünstler und unglaublicher Parodist der deutschen Gesellschaft seiner Zeitund ein mindestens genauso bedeutender Maler und Zeichner.Aber Deutschland ist an ihm vorbeigegangen. Das ist an Tragik kaum zuüberbieten.“ Nun setzt der Musiker, Entertainer und Schriftsteller RockoSchamoni („Dorfpunks“) dem „Humorrevolutionär“ Heino Jaeger (1938-1997)ein Denkmal in Form eines Romans.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“Ludwig Wittgenstein, Buch Tractatus Logico-Philosophicus, Satz 7
Sven Stäcker, Puppenspieler, (Hochschule für Schauspielkunst Ostberlin) , Schauspieler, Clown, Puppenbauer, Autor
Vielen Dank für das Interview lieber Sven viel Freude weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sven Stäcker, Puppenspieler, (Hochschule für Schauspielkunst Ostberlin) , Schauspieler, Clown, Puppenbauer, Autor