Undine geht – „Patriarchale Strukturen sind zerstörerisch wie eh und je“ Gudrun Nikodem-Eichenhardt, Schauspielerin _ Wien 9.6.2024

Gudrun Nikodem-Eichenhardt _Schauspielerin, Sängerin, Kabarettistin, Coach _
Die steirische Eichin und Kernölamazone
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performing „Undine geht“ _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.
Gudrun Nikodem-Eichenhardt _Schauspielerin, Sängerin, Kabarettistin, Coach _Die steirische Eichin und Kernölamazone _
performing „Undine geht“ _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Gudrun Nikodem-Eichenhardt _Schauspielerin, Sängerin, Kabarettistin, Coach _Die steirische Eichin und Kernölamazone _

performing „Undine geht“ _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Fotos_Donau_Wien.

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Liebe Gudrun Nikodem-Eichenhardt, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Das Leben, die Liebe und der Schmerz stehen für mich im Vordergrund. Die Sehnsucht nach einem heilen Ort, der sich in Hans spiegelt und der doch nicht bleibt. Enttäuschung, Trauer, Wut und Verbitterung finden sich in der Anklage an das Leben und es so erleben zu müssen, wieder. Gefangen in einem Weltbild ohne Weitblick, indem sich Frauen unterwerfen und Männer nehmen, anstatt zu geben.

Wie siehst Du „Undine“?

Emanzipiert. Auflehnend. Leidenschaftlich. Eine Frau, die droht, an  gesellschaftlichen Vorgaben zu ersticken. Immer auf der Suche nach Erlösung. Sie hadert, ist wütend und ein Opfer ihres Schmerzes, den kein Mensch hören, noch verstehen kann.

„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?

Im Moment werden alle Rollen aufgebrochen und neu definiert und doch ist das klassische Rollenbild in uns nach wie vor verankert und wird größtenteils gelebt. Dies ist unsere moralische Diskussionsgrundlage. Das, was richtig und falsch ist. Eine Frau soll schön und salonfähig, sanftmütig und klug sein. Darf nicht wütend oder dominant sein. Dies sind männliche Attribute, die aber bitte auch nicht von den Männern gelebt werden sollen. Wir beschneiden unsere Lebendigkeit, intellektualisieren die Geschlechter und verlieren uns dabei selbst auf einem Weg zur Selbstdefinition und Erklärung. Ändern sollten wir den Umgang mit uns selbst. Es ist, meiner Meinung nach, erfüllend mehr über sich zu wissen und nach und nach die eigenen Strategien und Gewohnheiten aufzudecken. Mein Menschsein. Mein Frausein, mein Mannsein. Mein Anderssein und mein Gleichsein. Darüber wie ich denke, wie ich fühle und damit in einen Austausch zu gehen, statt leere Worte für Analysen, Definitionen und Rollenbilder zu finden und diese wiederum zu benutzen, um zu kämpfen und Recht zu haben.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?

Gleich zerstörerisch wie eh und je. Patriarchale Strukturen haben uns alle geprägt. Die einen lehnen sich dagegen auf, die anderen verherrlichen sie und dazwischen gibt es viel Unwissenheit und Orientierungslosigkeit. Das Patriarchat lehrt uns Widerstand, Kampf, Rechthaberei und Machtgehabe. Das lähmt uns alle und macht uns ohnmächtig. Um das nicht fühlen zu müssen, kämpfen wir weiter, so lange, bis wir erschöpft sind. Um anschließend in der Zerstörung unser Fehlverhalten zu erkennen und geläutert zu sein. Erst dann entwickeln wir in der Nachbetrachtung die Fähigkeit zur Reflexion und sind erst ab diesem Zeitpunkt in der Lage, wahre Veränderung herbeizuführen. Wir geben der Intuition keine Chance, bzw. hat das Patriarchat uns Frauen gelehrt, wenn wir dafür einstehen, werden wir als Hexen verbrannt. Wir haben gelernt, wenn wir klug sind und in der ersten Reihe stehen, werden wir auf unseren Platz in der zweiten Reihe verwiesen, um nicht all die Männer in der ersten Reihe bloßzustellen.

Das Patriarchat lehrt die Frauen, nur dann geliebt zu werden, wenn sie schutzsuchend, hilfsbedürftig, naiv und folgsam sind. Begehrt wird zwar das Wilde, Verruchte und Leidenschaftliche, doch weil es frei und nicht zu bändigen erscheint, muss es vom Patriarchat abgewertet werden, damit Kontrolle und Macht nicht verloren gehen.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?

Jeder Mensch ist angehalten zu reflektieren und Empathie zu erlernen. Mitgefühl für sich und andere zu entwickeln. Verständnis für den anderen zu haben. Zu erkennen, dass es keine Entwicklung ohne Schmerz geben kann und dass es in meiner Verantwortung liegt, meinen eigenen Schmerz zu heilen, der sich im Nahsein und Miteinander mit einem anderen Menschen zeigt. Mein Gegenüber ist der Auslöser für das, was in mir noch nicht geheilt ist.

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?

Authentisch sein. Für mich und meine Bedürfnisse einstehen. Mich in keine Rolle pressen lassen. Ungerechtigkeit benennen und diese laut und immer wieder aussprechen. So lange, bis sie Gehör findet. Mich dem Leben und der Liebe hingeben und jeden Moment nutzen.

Was bedeutet Dir Natur?

Natur ist eine Kraftoase. Sie ist ein Ruhepol. Ein Ort der Stille und des Lebens. Eine fantastische Realität, in der die Seele baumeln darf.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Wasser ist der Quell des Lebens. Der Anfang und das Ende.

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Zu wenig. Ich habe einen sehr bewussten Umgang mit dem Jahreswechsel, doch unter dem Jahr fehlt mir noch die Achtsamkeit für die Schätze der Natur.

Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?

Indem er die Welt achtet und ihr mit Demut begegnet. Leider werden diese Eigenschaften in der Konsumgesellschaft entwertet und durch fehlgeleitet suggerierte Bedürfnisse, verdrängt.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Die Bereitschaft zum Schmerz.

Was lässt Liebe untergehen?

Verdrängung. Vermeidung. Kontrolle und Machtausübung.

Wie war Dein Weg zum Kabarett, Schauspiel?

Begonnen hat alles mit einem Befreiungsschlag aus dem elterlich gelebten Patriarchat. Darin geschult, habe ich ebenso meinen Willen durchgesetzt und meinen Traum realisiert Musical zu studieren. Das Kabarett ist mir aufgrund fehlender Engagements „passiert“ und wiederum hat mich mein unbändiger Wille voran getrieben.

Welche aktuellen Projektpläne hast Du?

Ich bin meinen Herzensprojekten, den „Kernölamazonen“ als Musikkabarettistin und dem „Märchensommer“ als Liedtexterin treu. Werde als „Die steirische Eichin“ meine Stimme als Frau und Sängerin erheben und meine Coaching- und Trainerausbildung nutzen, um meine Gesangsschüler:innen gut zu begleiten.

Ab Herbst 2024 werde ich zum Einen die Kursleitung für Kulturmanagement am WIFI Wien übernehmen und zum Anderen mit dem Projekt Bahöfakur, der bildenden Schnitzeljagd: „Auf dem Weg zum ICH“, Leben einhauchen.

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?

Doch vergesst nicht, dass ihr mich gerufen habt in die Welt, daß euch geträumt hat von mir, der anderen, dem anderen, von eurem Geist und nicht von euerer Gestalt, der Unbekannten, die auf eueren Hochzeiten den Klageruf anstimmt, auf nassen Füßen kommt und von deren Kuss ihr zu sterben fürchtet, so wie ihr zu sterben wünscht und nie mehr sterbt: ordnungslos, hingerissen und von höchster Vernunft.

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?

Unschuld

Nachruf

Dichtung

Inspiration

Narben

Endlichkeit

Genie

Ehre

Heuchelei

Trauer

Gudrun Nikodem-Eichenhardt _Schauspielerin, Sängerin, Kabarettistin, Coach _
Die steirische Eichin und Kernölamazone
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performing „Undine geht“ _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Gudrun Nikodem-Eichenhardt _Schauspielerin, Sängerin, Kabarettistin, Coach _Die steirische Eichin und Kernölamazone _

performing „Undine geht“ _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Fotos_Donau_Wien.

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Gudrun Nikodem-Eichenhardt und Walter Pobaschnig _
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Alle Fotos & Interview_Walter Pobaschnig

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„Zeit für sich selbst und seine Mitmenschen zu nehmen“ Manuel Sonnleitner, Schauspieler _ Wien 9.6.2024

Lieber Manuel Sonnleitner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe immer relativ früh auf. Morgens nehme ich mir Zeit für mich, bevor ich in den Tag starte. Ein guter Kaffee und ein ausgiebiges Frühstück sind für mich dabei besonders wichtig. Nebenbei schaue ich mir den Text für die Proben an, derzeit für die Raimundspiele. Sonst gehe ich gerne ins Fitnessstudio.

Abends habe ich unter anderem Vorstellungen in der Josefstadt, wenn nichts ansteht, gehe ich gerne selbst ins Theater oder unternehme etwas mit Freunden.

Manuel Sonnleitner, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

In der heutigen Zeit gibt es verschiedene Aspekte, die für uns alle besonders wichtig sind. Gerade jetzt, wo um uns herum Krieg herrscht und wir in den letzten Jahren gesehen haben, wie schnell sich alles ändern kann – sei es durch Krisen oder wie gerade die Inflation – ist es wichtig, sich Zeit für sich selbst und seine Mitmenschen zu nehmen. Unsere individuellen persönlichen Werte sind grundlegend für ein erfülltes Leben. Sie dienen als Leitlinien, die unser Denken, unseren Glauben und unser Handeln beeinflussen. Jeder Mensch hat einzigartige persönliche Werte, die uns ein stabiles Gerüst für Entscheidungen bieten und uns authentisch machen. Zeit für uns selbst, für Familie und Freunde, ist von großer Bedeutung. Gemeinsam Probleme zu teilen und über Ängste und Themen zu sprechen, die einen beschäftigen, kann schon enorm helfen, sich nicht allein zu fühlen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Kunst dient als Ventil für unsere seelischen Bedürfnisse. Sie ermöglicht es uns, unsere Gefühle und Emotionen auszudrücken und zu verarbeiten. Kunst schafft Verbindungen zwischen Menschen. Sie bringt Künstler und Publikum zusammen und ermöglicht einen Austausch von Gedanken, Ideen und Empfindungen. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist diese Verbindung von großer Bedeutung. Sie erinnert uns daran, dass wir Teil einer größeren Gemeinschaft sind. Kultur ermöglicht es in andere Perspektiven einzutauchen. Durch die Darstellung von Charakteren und Geschichten können wir uns in unterschiedliche Lebenswelten hineinversetzen und neue Sichtweisen gewinnen. Sie kann Missstände aufzeigen, zum Nachdenken anregen und Veränderungen bewirken.

Was liest Du derzeit?

Das Kind in dir muss Heimat finden von Stefanie Stahl

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Die Liebe ist der Stoff, den die Natur gewebt und die Phantasie bestickt hat.” –

Voltaire

Vielen Dank für das Interview, lieber Manuel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Manuel Sonnleitner, Schauspieler

Zur Person_ Manuel Sonnleitner wurde in der Steiermark geboren und folgte im Alter von 19 Jahren seiner Leidenschaft, indem er nach Wien zog, um an der Schauspielschule Krauss zu studieren. Nach seiner Ausbildung folgten Engagements u.A. im Theater in der
Josefstadt, dem Theater Akzent sowie den Raimundspielen Gutenstein, wo er im
Sommer im Stück „Der Verschwender“ die Rolle des Valentins übernimmt. Für seine
schauspielerischen Leistungen im Filmbereich erhielt er einige Auszeichnungen.

manuelsonnleitner.at

Foto_Johannes Siglär

Walter Pobaschnig _ 1.6.2024

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Umjubelte Uraufführung – „ALL ABOUT ME“ aktionstheater ensemble _ Theater am Werk Wien 8.6.2024

ALL ABOUT ME. Kein Leben nach mir. Uraufführung. aktionstheater ensemble _
Theater am Werk Wien 8.6.2024

Was für eine großartige Hommage an die Kraft und Leidenschaft des Theaters in aller Notwendigkeit und Unersetzbarkeit von Expression, Reflexion der unerträglichen Leichtigkeit der Poesie des Lebens auf der Bühne!

Und so eine innige, herzzerreißende Liebeserklärung an den Wert des Theaters in der Verbundenheit von Bühne und Publikum in einer Gesellschaft, einer Welt, die im Kleinen und Großen so viel fordert und überfordert. Ein einzigartiges Plädoyer für die Unersetzlichkeit des Theaters in allen Jahreszeiten von Leben und Gesellschaft.

Theater als ein Ort, der all dem Unaussprechlichen, Erschütternden der Alltäglichkeit Raum gibt und den das aktionstheater ensemble zu seinem 35jährigen Bühnenjubiläum in einem Feuerwerk höchster Spielkunst zelebriert und in allen Farben der Menschlichkeit explodieren lässt. Was für ein Geburtstagsfest, was für ein Abend!

Der dramaturgische Bogen spannt sich genial über die Reflexion des Bühnenberufs in Vision und Zweifel, dann über die Entlarvung des gesellschaftlichen Narzissmus, der auch über das Leben hinaus nicht Halt macht– „Ich kann mir das Leben danach ohne mich gar nicht vorstellen“ – das Politische im Privaten treffsicher wie erschütternd dargestellt in aller Sehnsucht nach Anerkennung und dem Schmerz der Abweisung und als unglaubliches Finale das Ende einer Liebe…

Ein Geburtstagsfest als grandioses Theatergeschenk, herzlichen Dank und Gratulation liebes aktionstheater ensemble, ad multos annos!

ALL ABOUT ME. Kein Leben nach mir. Uraufführung. aktionstheater ensemble

Theater am Werk Wien 8.6.2024

Konzept/Inszenierung _ Martin Gruber

Text _ Martin Gruber/aktionstheater ensemble/Wolfgang Mörth

Dramaturgie _ Martin Ojster

Mit _ Isabella Jeschke / Andreas Jähnert / Thomas Kolle / Kirstin Schwab / Tamara Stern / Benjamin Vanyek

Musik _ Andreas Dauböck

Bühne/Kostüme _ Valerie Lutz

Videoinstallation _ Resa Lut

Regie-Assistenz _ Sanna Hufsky

Medienkontakt _ Gerhard Breitwieser

Live-Musik _ Andreas Dauböck / Ernst Tiefenthaler / Emanuel Preuschl​​​​​​​ /Jean Philipp Viol

Weitere Spieltermine:  11.6.: 12.6.; 13.6.; 14.6.; 15.6.;

Theater am Werk _ Wien

Kabelwerk: Oswaldgasse 35A, 1120 Wien

Walter Pobaschnig 6/24

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Bachmannpreis 2024 _ „ein Turnier der deutschen Sprache mit Vollversammlungs-Charakter“ Klaus Kastberger, Juryvorsitzender _ Graz 8.6.2024

Bachmannpreis 2024 _  im Interview:

Klaus Kastberger, Juryvorsitzender Bachmannpreis 2024; Professor für neuere deutschsprachige Literatur am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz und Leiter des Literaturhauses Graz. Jurymitglied Bachmannpreis seit 2015

Klaus Kastberger, Juryvorsitzender Bachmannpreis 2024;

Lieber Klaus Kastberger, herzliche Gratulation zum Juryvorsitz beim Bachmannpreis 2024! Was sind die Herausforderungen in der Rolle des Juryvorsitzenden?

Das ist zunächst ja nur ein anderer Sitzplatz. Aber ich bin schon sehr neugierig, wie sich das Szenario dieser grandiosen Jury heuer für mich von der Mitte aus anfühlt. Es ist ein neuer Blickwinkel, der sich damit verbindet, und es könnte schon sein, dass sich das auswirkt. Ansonsten kommen für mich einige klitzekleine neue Aufgaben dazu: Kurze Begrüßungsworte am Beginn des Bewerbs am Mittwoch und dann noch einmal ein kurzes Resümee am Sonntag. An sich sind wir in dieser Jury aber ein absolut gleichberechtigtes Gremium.

Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute? Ist dieser die Europameisterschaft der Literatur?

Naja, eher ein Turnier der deutschen Sprache, aber schon mit Vollversammlungs-Charakter. Bemerkenswert ist, dass sich hier die Verhältnisse so derart verkehren. Alles, was sich bei anderen Preisen hinter dicken Türen abspielt, sendet in Klagenfurt das Fernsehen live. Das macht den Reiz dieser Veranstaltung aus: Dass man unmittelbar dabei ist, wenn das ästhetische Werturteil sich bildet. Im besten Fall hat das dann auch einen Effekt auf dessen Legimitierung. Gerade das könnte heuer wichtig sein. Ich würde es mir jedenfalls wünschen. Und noch einen Wunsch habe ich: Dass niemand mehr diese idiotische Bezeichnung „Häschen-Kurs“ für den Klagenfurter Nachwuchswettbewerb verwendet.

Ankommen _ Bachmannpreis 2023 _
Klaus Kastberger (Mitte), Horst L.Ebner (links, Organisation ORF) und Nominierte Bachmannpreis 2023
Preisverleihung Bachmannpreis 2023 _
Jury _ Klaus Kasrtberger, ganz links

Was macht gute Literatur und eine gute Lesung aus?

Die einfachste Art, sich ein umfassendes Bild von guter Literatur zu machen, besteht darin, sich ganz genau die Auswahl an Autorinnen und Autoren anzuschauen, die ich in den letzten Jahren überzeugen konnte, nach Klagenfurt mitzukommen. Das ist heuer nicht anders: Meine beiden Kandidatinnen sind toll. Die Akte der Lesung hingegen halte ich für überschätzt. Eigentlich habe ich diesen Teil ganz gerne traditionell.

Wie sieht für Dich der ideale Literaturtag in Klagenfurt aus?

Gut geschlafen haben, großartiges Frühstück mit netten Leuten am Tisch, Lesung von zwei Texten, die grottenschlecht sind. Dabei wärmt sich die Jury am zuverlässigsten auf. In das solcherart hergestellte Tief hinein soll dann eine eigene Kandidatin folgen, die für ihren gloriosen Text auch sofort alle Aufmerksamkeit dieser Welt bekommt. Nachmittags noch zwei andere Texte, die Jury in beiden Fällen hoffnungslos gespalten. Anschließend Chill-Out im Garten, Gespräche mit Umstehenden. Hineinhören in andere Meinungen. Nirgends sonst auf der ganzen Welt ist übrigens so oft das Wort „Text“ zu hören wie bei diesen vier Tagen der deutschsprachigen Literatur. Weiter im Ablauf: Fahrrad schnappen, im Strandbad Loretto in den See, Social Media und Feuilleton checken: Was sagen die Leute? Wie stehen die Aktien der eigenen Kandidaten? Welche Moves werden von wem wie wahrgenommen? Am Abend Bürgermeisterempfang vor herrlichem Panorama. Aber schon auch immer schauen, dass man rechtzeitig ins Bett kommt.

Vielen Dank für das Interview und wunderbare Bachmannpreistage!

Zur Person:  Klaus Kastberger, Graz (A)

Geboren 1963 in Gmunden (OÖ), Professor für neuere deutschsprachige Literatur am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz und Leiter des Literaturhauses Graz.

Literaturkritiken und Kulturpublizistik, Konzeption von Ausstellungen und Veranstaltungsreihen (darunter die Literaturshow „Roboter mit Senf“), Leitung von Forschungsprojekten. Zahlreiche Bücher und Aufsätze zur österreichischen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts.

Veröffentlichungen (Auswahl):

  • Herausgabe von Sammelbänden (Wiener Gruppe, Heimrad Bäcker, Richard Billinger, Andreas Okopenko, George Saiko, Peter Handke, Konrad Bayer, Friederike Mayröcker, Gunter Falk, Marianne Fritz, Elfriede Jelinek, Clemens J. Setz)
  • Gesamtherausgeber der historisch-kritischen Ausgabe Ödön von Horváths (de Gruyter, 2009ff.) und der Reihen „Literatur und Archiv“ (de Gruyter, 2017ff.) sowie „Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens“ (Droschl 2018f.)
  • „Reinschrift des Lebens“. Friederike Mayröckers „Reise durch die Nacht“ (2000)
  • Vom Eigensinn des Schreibens. Produktionsweisen moderner österreichischer Literatur (2007)
  • Alle Neune. Zehn Aufsätze zur österreichischen Literatur (2023)
  • Auszeichnungen:
  • Österreichischer Staatspreis für Literaturkritik 2023

Twitter, Facebook @KlausKastberger

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3046955/

Bachmannpreis 2024 _ Tage der deutschsprachigen Literatur _ 26. bis 30. Juni 2024 Klagenfurt

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257422/

v.l. Heimo Strempfl (Robert Musil Literatur-Museum), Bettina Kugi (BKS Bank), Klaus Wachschütz (Technischer Leiter ORF Kärnten & Regisseur Ingeborg-Bachmann-Preis), Ursula Schirlbauer (ORF/3sat), Horst L. Ebner (Koordinator „Tage der deutschsprachigen Literatur), Karin Bernhard (ORF Landesdirektorin), Christian Scheider (Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee), Reinhard Draxler (Kelag), Inga Horny (Stadtmarketing Klagenfurt)

Bachmannpreis _ Jurymitglieder 2024:

Vorsitzender Klaus Kastberger

Mara Delius

Laura de Weck

Mithu Sanyal

Brigitte Schwens-Harrant

Thomas Strässle

Philipp Tingler

Nominierte Bachmannpreis 2024_Lesende:

Kaska Bryla, A/POL

Semi Eschmamp, CH

Ulrike Haidacher, A

Jurczok, CH

Christine Koschmieder, D

Miedya Mahmod, D

Sarah Elena Müller, CH

Denis Pfabe, D

Johanna Sebauer, A/D

Tijan Sila, D/BIH

Tamara Stajner, A/SLO

Sophie Stein, D

Henrik Szanto, D/FIN/UK

Olivia Wenzel, D

Infos zum Bachmannpreis 2024_

https://bachmannpreis.orf.at/

Fotos_ Portrait: Konstantin Tzivanopoulos; Bachmannpreis 2023 _ Walter Pobaschnig; Bachmannpreis Präsentation 2024_Johannes Puch.

Walter Pobaschnig  6/24

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„Den Blick ändern – guck mal, wer oder was neben dir existiert“ Wienke Treblin, Künstlerin und Autorin _ Krefeld/D 8.6.2024

Liebe Wienke Treblin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe früh auf. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit meiner Tochter erledige ich meine verschiedenen Brot-Jobs, die mir insgesamt viel Freude machen – dafür bin ich dankbar! Für meine schriftstellerische und künstlerische Arbeit versuche ich jede Zeitnische zu nutzen, die mich findet.

Das funktioniert oft dann gut, wenn ein Ziel vor Augen ist, eine Abgabe, eine Ausstellung oder Lesung. Trotz alledem ist es manchmal schwer, sich so sehr zu disziplinieren, zusätzlich zu allen Alltags-Fallstricken. Was mir hilft als ausgleichende Elemente: Schwimmen (Sport und Bewegung allgemein), Singen und Musik, möglichst viel draußen in der Natur sein und der Austausch mit anderen.

Kollaboratives Arbeiten empfinde ich als erfüllend, wenn durch gemeinsames Denken Ideen wachsen, und daraus etwas Neues entsteht, das man zusammen umsetzt.

Wienke Treblin, Künstlerin und Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Blick ändern, weg vom ewig Selbstbezogenen – guck mal, wer oder was neben dir existiert. Vielleicht wird dadurch auch die Mecker-Mentalität ein wenig im Zaum gehalten. Ich empfinde es als übergriffig, wenn einem ständig mit Gejammer und schlechter Laune begegnet wird. Oft hauen die Eigendreher:innen, die zu sehr im eigenen Saft schmoren, der Welt ungefiltert ihre schlechte Laune um die Ohren, das ist einfach unsäglich, und verstärkt noch die Abgrenzung und die narzisstische Grundhaltung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ehrliche Empathie ist essentiell, sich selbst nicht so wichtig nehmen. Und natürlich Humor! Humor ist sehr wichtig.

Ich denke, das gilt auch für die Literatur und die Kunst.

Aktuelle Buchneuerscheinung von Wienke Treblin:

„heimwehen“ (Lyrik und Illustrationen) Corvinus Presse Berlin, 2024

https://www.corvinus-presse.de/

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer in mehreren Büchern, momentan sind es folgende:

„Das langsame Fallen von Staub an einem ruhigen Ort“ Steve Rasnic Tem

„So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!“ Christoph Schlingensief

„Die Zimtläden“ Bruno Schulz

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Keine Angst, die Liebe kennt den Weg, …“ Eric Pfeil

Vielen Dank für das Interview, liebe Wienkeviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Wienke Treblin, Künstlerin und Autorin

Zur Person_ Wienke Treblin lebt seit ihrem Designstudium in Krefeld. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Niederrhein, als Kulturpädagogin bei Mobifant Krefeld, als Projektassistenz bei den Kunstmuseen Krefeld und als freie Künstlerin und Autorin.

Aktuelle Veröffentlichungen und Ausstellungen: „heimwehen“ (Lyrik und Illustrationen) Corvinus Presse Berlin, 2024; „ohne Titel , Linoldrucke zur Ästhetik des Wartens, deutsch-chinesisches Kunstprojekt, 2023;  

Lyrik und Illustrationen „Sentimentale Eiche No. 5“, 2023; Lyrik für die Literaturkarte Rheinland auf Einladung von Literatur Rheinland 2023; „Stadtstimmen“ Lyrik für eine Cross-Media-Inszenierung mit Formkultur auf Einladung des Niederrheinischen Literaturhauses, 2022;  Lyrik in der Anthologie „In einem anderen Land“, RUP 2022;

Beuys und Duchamp – Künstler der Zukunft, ein Kinder-Mitmach-Buch zur Ausstellung (Konzeption, Texte, Illustrationen), Kunstmuseen Krefeld, 2021; Lyrik und Cover-Illustration in der Anthologie „ Mixtape Seite B“, Hrsg. Marco Kerler und Christoph Kleinhubbert, Moloko Print 2021; „kann spuren von heartbreak enthalten“ (Lyrik und Illustrationen) Corvinus Presse Berlin, 2020.

Instagram: @wienkes_welt

Foto_ Herbert Hindringer

Walter Pobaschnig _ 15.5.2024

https://literaturoutdoors.com

„Das Theater bringt Leute zum Lachen, Weinen, Nachdenken und manchmal auch zum Einschlafen.“ Marius Lackenbucher, Schauspieler _ Wien 7.6.2024

Lieber Marius Lackenbucher, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan ist mein Tagesablauf nicht sonderlich spektakulär, weil es geradeetwas ruhiger ist, aber das genieße ich, auch weil ich mit Stress ohnehin nicht umgehen kann. Ich mache mir einen entspannten Morgen, schlafe mich aus, genieße eine Tasse Kaffee und/oder Tee, lerne etwas Französisch oder lese.

Dann widme ich mich den Vorbereitungen anstehender Projekte, lerne meinen Text, singe und wenn mich die Muse küsst, versuche ich wieder an eigenen Projekten zu schreiben, von denen nicht sicher ist, ob auch nur eines davon jemals das Licht der Welt erblickt. Ich gehe spazieren, meist im Böhmischen Prater, weil er nicht weit weg von mir ist, gehe Einkaufen und koche.

Und abends arbeite ich entweder die Liste der Filme und Serien ab, die ich mir ansehen möchte, spiele auf der Playstation oder aber ich gehe ins Theater oder Kino. Doch die bevorstehende Probenzeit für das Sommertheater rückt immer näher und dann kehrt auch wieder mehr Struktur in meinen Alltag ein, also genieße ich das entspannte Jetzt wie es ist und lebe in den Tag hinein.

Marius Lackenbucher, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns alle ist gerade sehr wichtig, dass wir uns nicht zu sehr von negativen Emotionen wie Hass oder Angst steuern lassen. Hass ist eine Emotion, die zu unserem menschlichen Wesen gehört und sie hat durchaus auch ihre Berechtigung, aber vor allem wenn sich Hass gegen Personen richtet, dürfen wir nicht vergessen, dass immer noch ein Mensch wie wir auf der anderen Seite steht. Menschen mit einem tiefen und komplexen Wesen wie wir selbst, Menschen mit einer Geschichte, Menschen die wiederum anderen Menschen in ihrem Leben haben die sie lieben und schätzen und die von ihnen geliebt und geschätzt werden und für die es eine Tragödie wäre einander zu verlieren. Ich sehe oft, dass wir einander diese Menschlichkeit absprechen, oder gar nicht erst darüber nachdenken. Und wir urteilen schnell aus der Emotion heraus, was auch verständlich ist, aber deswegen ist es wichtig sich dann nicht vom Hass leiten zu lassen, sondern einen Schritt zurückzugehen und den Menschen auf der anderen Seite zu erkennen. Das ist sehr schwer aber aus Hass kann niemals etwas Gutes entstehen.

Und gleich verhält es sich mit der Angst. Wenn wir Angst haben, dann sind wir sehr fokussiert auf die Dinge, die uns Angst machen und verlieren den Überblick. Angst bedeutet Gefahr, und diese Gefahr gilt es im Auge zu behalten damit wir schnell handeln können – wir bekommen einen Tunnelblick und treffen dann oft Entscheidungen, die uns entweder nicht helfen oder sogar schaden. Und auch hier ist es wichtig sich von der Angst nicht leiten zu lassen, sondern sie wahrzunehmen, zu benennen und zu akzeptieren und mit diesem Bewusstsein die Dinge zu betrachten und zu sagen „Okay, ich habe diese Angst, aber jetzt schau ich mal was hier eigentlich los ist, was sonst noch auf dem Spiel steht, wo meine Angst da vielleicht hineinspielt und wie man da am Besten wieder rauskommt.“ Was uns helfen kann den Hass und die Angst zu überwinden ist offenen Kommunikation – das heißt für mich aufeinander zuzugehen und einander zuzuhören und dadurch versuchen einander und uns selbst besser zu verstehen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Das Theater kann vieles – es bringt Leute zum Lachen, Weinen, Nachdenken und manchmal auch zum Einschlafen. Es kann furchterregend sein, aber auch hoffnungsvoll. Das gesamte emotionale Spektrum kann vom Theater in all seinen verschiedensten Formen abgedeckt werden. Es ist auch eine Möglichkeit, sich selbst und die eigenen Meinungen herauszufordern, unsere Gesellschaft und Systeme zu kritisieren und zu hinterfragen und Diskurse anzustoßen. Dabei ist es wichtig, Dinge anzusprechen, die vielleicht unangenehm sind, mit denen wir uns nicht so gerne beschäftigen wollen. Aber wir leben in einer Zeit, in der wir den unangenehmen gerne aus dem Weg gehen anstatt uns damit zu beschäftigen. Anstatt in eine Diskussion zu gehen und sich mit einem Thema auseinanderzusetzen zu gehen, wird abgeblockt.

Das Theater und die Kunst im Allgemeinen dürfen sich davon nicht mitreißen lassen. Sie müssen frei sein können, frei, um jedem Menschen den Platz bieten zu können, sich zu entfalten. Denn nur so kann das Theater seine Geschichten ehrlich und authentisch erzählen. Und dann liegt es sowieso in den Händen und Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer, was sie damit machen.

Was liest Du derzeit?

Aktuell lese ich zuhause die Semi-Autobiographie von David Lynch „Room To Dream“ und weil das doch ein dickes und schweres Buch ist, habe ich für Unterwegs momentan immer „Serge“ von Yasmina Reza dabei.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wie sehr die Menschen, die sich zu Hunderttausenden auf einem kleinen Erdenfleck angesammelt hatten, diese Erde, auf der sie sich drängten, zu verunstalten suchten, wie sehr sie sie mit Steinen zupflasterten, damit nichts mehr auf ihr gedeihen konnte, wie sehr sie noch jedes Kräutchen, das da keimte, wegrupften, wie sehr sie alles mit Steinkohle und Petroleum verqualmten, wie sehr sie die Bäume stutzen und Tiere und Vögel samt und sonders verjagten – der Frühling war Frühling, selbst in der Stadt. Die Sonne wärmte, das Gras lebte auf, wuchs und grünte überall, wo man es noch nicht weggekratzt hatte, nicht nur auf den Rasenstreifen der Boulevards, sondern auch zwischen den Steinplatten; Birken, Pappeln und Traubenkirschen entfalteten ihre klebrigen und duftenden Blätter, die Linden spreizten die geplatzten Knospen; Dohlen, Spatzen und Tauben bauten schon frühlingsfreudig ihre Nester, und die Fliegen summten an sonnengewärmten Wänden. Fröhlich waren die Pflanzen, die Vögel, die Insekten und die Kinder. Aber die Menschen – die großen erwachsenen Menschen – hörten nicht auf, sich selbst und einander zu hintergehen und zu quälen. Die Menschen glaubten, heilig und wichtig sei nicht dieser Frühlingsmorgen, nicht diese Schönheit der Welt Gottes, zum Wohle aller Lebewesen gegeben, eine Schönheit, die für Frieden, Harmonie und Liebe einstimmt, nein, heilig und wichtig sei das, was sie sich selbst ausgedacht hatten, um Macht übereinander auszuüben.“ – Auferstehung von Lew Tolstoi

Vielen Dank für das Interview, lieber Mariusviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich alles Gute! 

Marius Lackenbucher, Schauspieler

5 Fragen an Künstler*innen:

Marius Lackenbucher, Schauspieler

Zur Person_ Marius Lackenbucher _geboren 1995 in Kärnten. Schauspielausbildung an der Schauspielschule Krauss in Wien (Diplom 2019 mit dem Stück Kunst von Yasmina Reza). Spielte 2019 Schabelskij in Anton Tschechows Ivanov (Off Theater, Regie: Andreas Simma) und Bertl in Ladies Night (Komödienspiele Neulengbach, Regie: Theresa und Joseph Prammer); 2022 als Brian in der österreichischen Uraufführung von Avenue Q im Stadttheater Mödling und dem Theater Scala in Wien (Regie: Marcus Ganser), Becket oder Die Ehre Gottes (Theater Arche, Regie: Dunja Tot), 2023 als Peter Lehmann in Das Wochen-Ende (Komödienspiele Neulengbach, Regie: Theresa und Joseph Prammer), Frederick in Ein ganz besonderer Tag (Theater Heuschreck), Montfleury/Captain Carbon in Cyrano de Bergerac (Stadttheater Mödling/Theater Scala, Regie: Bruno Max) Darüber hinaus zahlreiche Projekte in der Freien Szene.

Fotos_ Corinna Harrer

Walter Pobaschnig _ 12.5.2024

https://literaturoutdoors.com

Bachmannpreis 2024 _ „Authentizität“ Ulrike Haidacher, Schriftstellerin _ Wien 7.6.2024

Bachmannpreis 2024 _  im Interview:

Ulrike Haidacher, Schriftstellerin, Bachmannpreis Nominierung 2024

Ulrike Haidacher, Schriftstellerin,
Bachmannpreis Nominierung 2024

Liebe Ulrike Haidacher, herzliche Gratulation zur Nominierung zum Bachmannpreis! Was war Deine erste Reaktion dazu und auf was freust Du Dich besonders?

Danke! Ich habe mich kurz geschreckt und mich gleichzeitig gefreut.

Am meisten freue ich mich auf das Erlebnis und darauf, einige Tage bei einem Literaturfestival mit vielen anderen Menschen zu sein. Ich habe gerade meinen Roman fertig geschrieben, da ist der Alltag eher isoliert am Schreibtisch. Am Wörthersee bei diesem Event zu sein, das wird sicher super.

Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?

Er ist sicher eine gute Möglichkeit für Autor:innen, sich in der Literatur weiter zu etablieren.  Außerdem bekommt für eine Woche Literatur und die Diskussion darüber große Aufmerksamkeit und das Publikum bekommt die Möglichkeit, Autor:innen kennenzulernen, die vielleicht davor nicht so im Fokus der Öffentlichkeit gestanden sind.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?

Authentizität

Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?

Ich habe sie nie kennengelernt, darum kann ich das nicht beantworten.

Welche drei Dinge kommen unbedingt nach Klagenfurt nicht mit?

Laptop, Strickpullover, Auto

Vielen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Ulrike Haidacher, Schriftstellerin,
Bachmannpreis Nominierung 2024

Zur Person: Ulrike Haidacher, A

Geboren 1985 in Graz, lebt in Wien. Liest auf Einladung von Klaus Kastberger.

Ulrike Haidacher studierte Germanistik und lebt als freie Autorin und Kabarettistin in Wien. Sie schreibt Romane und Bühnenprogramme sowie satirische Kolumnen für das Radio (FM4). Ihr Debütroman „Die Party“ wurde 2024 am Schauspielhaus Graz uraufgeführt, ihr zweiter Roman „Malibu Orange“ erscheint im Juli 2024 im Leykam Verlag.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • „Malibu Orange“. Roman (Leykam, Juli 2024)
  • „Die Party. Eine Einkreisung“. Roman(Leykam 2021)
  • „Fasching und Schuh“. Erzählung. In: Worte bewegen. Literatur im Stieglerhaus. 1. Österreichischer Literaturpreis für Erzählungen. Braumüller 2022
  • „Schlangenschnaps und Sauerteig“. Erzählung. In: in Worte bewegen. Literatur im Stieglerhaus. 1. Österreichischer Literaturpreis für Erzählungen. Braumüller 2020
  • Niemand redet über die Vorteile“. Kurzprosa. In: perspektive. hefte für zeitgenössische literatur, Ausgabe 94+95 „State of the Art“
  • „Mit Haarkranz in Berkeley“. Kurzprosa. In: Lichtungen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik, Ausgabe 153 / XXXIX. Jg.
  • „Ausziehmonolog“. Bühnenmonolog. In: in „Querulantinnen.Kabarett und Poesie.“ Reclam 2018

Auszeichnungen und Stipendien (Auswahl)

  • 2022: Peter-Rosegger-Literaturpreis des Landes Steiermark
  • 2022: 1. Preis beim Österreichischen Literaturpreis für Erzählungen
  • 2019: Startstipendium für Literatur des Bundeskanzleramts Österreich
  • 2017: Österreichischer Kabarettpreis (für Flüsterzweieck)

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257215/Präsentation

Bachmannpreis 2024 _ Tage der deutschsprachigen Literatur _ 26. bis 30. Juni 2024 Klagenfurt

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257422/

v.l. Heimo Strempfl (Robert Musil Literatur-Museum), Bettina Kugi (BKS Bank), Klaus Wachschütz (Technischer Leiter ORF Kärnten & Regisseur Ingeborg-Bachmann-Preis), Ursula Schirlbauer (ORF/3sat), Horst L. Ebner (Koordinator „Tage der deutschsprachigen Literatur), Karin Bernhard (ORF Landesdirektorin), Christian Scheider (Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee), Reinhard Draxler (Kelag), Inga Horny (Stadtmarketing Klagenfurt)

Nominierte:

Kaska Bryla, A/POL

Semi Eschmamp, CH

Ulrike Haidacher, A

Jurczok, CH

Christine Koschmieder, D

Miedya Mahmod, D

Sarah Elena Müller, CH

Denis Pfabe, D

Johanna Sebauer, A/D

Tijan Sila, D/BIH

Tamara Stajner, A/SLO

Sophie Stein, D

Henrik Szanto, D/FIN/UK

Olivia Wenzel, D

Infos zum Bachmannpreis 2024_

https://bachmannpreis.orf.at/

Fotos_ Portrait_Walter Pobaschnig; Präsentation Bachmannpreis_Johannes Puch.

Walter Pobaschnig  6/24

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Bachmannpreis 2024 _ „Das Schreiben muss mich rühren“ Johanna Sebauer, Schriftstellerin A/D 6.6.2024

Bachmannpreis 2024 _  im Interview:

Johanna Sebauer, Schriftstellerin, Bachmannpreis Nominierung 2024

Liebe Johanna Sebauer, herzliche Gratulation zur Nominierung zum Bachmannpreis! Wie war Deine erste Reaktion darauf und auf was freust Du Dich besonders?

Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich war auf der Arbeit, als ich die E-Mail von Klaus Kastberger geöffnet habe. Mein Puls ist mir sofort bis in die Ohren geschnalzt. Dann wollte ich gleich mit irgendjemandem darüber reden, mit meiner Kollegin im Nebenzimmer, aber dann dachte ich: „Moment mal, darf ich das überhaupt? Das ist ja alles noch geheim bis zur offiziellen Pressekonferenz…“

Johanna Sebauer, Schriftstellerin,
Bachmannpreis Nominierung 2024

Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?

Außerhalb der Literaturszene wird der Preis, glaube ich, kaum wahrgenommen. Innerhalb der Szene merke ich, dass alle ganz aufgeregt werden, sobald es um den Bachmannpreis geht. Ich bin sehr gespannt, wie die Stimmung vor Ort ist.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?

Das Schreiben muss mich rühren. Dann rührt es im besten Falle hinterher auch den Leser.

Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?

Wir haben beide Vorfahren in Heidenreichstein.

Welche drei Dinge kommen unbedingt nach Klagenfurt nicht mit?

Nicht mitkommen sollen meine eigene Unsicherheit, schwere Gedanken und schlechtes Wetter. Mitkommen sollen meine bessere Hälfte, angenehme Gelassenheit und ein Gurkerlglas. Ach ja und Badesachen! Man sagte mir, nach den Lesungen gehen immer alle zusammen an den See. Darauf freu ich mich.

Vielen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Zur Person: Johanna Sebauer, A/D

Geboren 1988 in Wien, lebt in Hamburg. Liest auf Einladung von Klaus Kastberger.

Johanna Sebauer veröffentlichte Kurzgeschichten und Essays in verschiedenen Anthologien, bevor sie sich an ihren ersten Roman wagte. Dieser erschien 2023 unter dem Titel „Nincshof“, und handelt von einem Dorf, das vergessen werden möchte. Im echten Leben arbeitet sie in der Wissenschaftskommunikation.

Veröffentlichungen (Auswahl)

„Ein Versuch übers Sowohl-als-auch“, in: Vom Kommen und Gehen. Betrachtungen von Zu- und Weggereisten, Böhlau Verlag (2021)

„Nincshof“, Roman. DuMont (2023)

„Schmetterlinge jagen“, in: Ziegel #18. Hamburger Jahrbuch für Literatur, mairisch Verlag (2023)

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257226/

Präsentation _ Bachmannpreis 2024 _ Tage der deutschsprachigen Literatur _ 26. bis 30. Juni 2024 Klagenfurt

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257422/

v.l. Heimo Strempfl (Robert Musil Literatur-Museum), Bettina Kugi (BKS Bank), Klaus Wachschütz (Technischer Leiter ORF Kärnten & Regisseur Ingeborg-Bachmann-Preis), Ursula Schirlbauer (ORF/3sat), Horst L. Ebner (Koordinator „Tage der deutschsprachigen Literatur), Karin Bernhard (ORF Landesdirektorin), Christian Scheider (Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee), Reinhard Draxler (Kelag), Inga Horny (Stadtmarketing Klagenfurt)

Nominierte:

Kaska Bryla, A/POL

Semi Eschmamp, CH

Ulrike Haidacher, A

Jurczok, CH

Christine Koschmieder, D

Miedya Mahmod, D

Sarah Elena Müller, CH

Denis Pfabe, D

Johanna Sebauer, A/D

Tijan Sila, D/BIH

Tamara Stajner, A/SLO

Sophie Stein, D

Henrik Szanto, D/FIN/UK

Olivia Wenzel, D

Infos zum Bachmannpreis 2024_

https://bachmannpreis.orf.at/

Fotos_ 1 Birte Filmer; 2 Johannes Puch/Bachmannpreis 2024

Walter Pobaschnig  6/24

https://literaturoutdoors.com

„Wege finden, zur Ruhe zu kommen“ Raoul Biltgen, Schriftsteller _ Burgenland/AUT 6.6.2024

Lieber Raoul Biltgen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, mit dem Hund spazieren gehen, frühstücken, Emails und den ganzen anderen leider notwendigen Kram erledigen, dann schreiben. Hoffentlich erst am Nachmittag aufhören damit, zu Abend essen, den Tag ausklingen lassen, vielleicht mit ein wenig Gartenarbeit. Aber manchmal ist das alles auch ganz anders.

Raoul Biltgen, Schriftsteller, Schauspieler und
Psychotherapeut

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zur Ruhe kommen. Wege finden, zur Ruhe zu kommen. Wir werden dermaßen von allem Möglichen erschlagen, was alles in unseren Kopf will, womit wir uns beschäftigen sollten, dass die Gefahr der Überforderung groß ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur kann uns dabei helfen, ein wenig zu uns selbst in Distanz zu gehen, um einen neuen Blick auf uns selbst werfen zu können. Den brauchen wir. Sowieso und jetzt noch mehr. Damit wir uns zurechtfinden mit uns und in dieser sich sehr schnell wandelnden Welt.

Was liest Du derzeit?

Die Rivers of London-Bücher von ben Aaronovitch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Der Roman, den einer gelebt hat, ist immer noch eine unvergleichlich größere schöpferische Leistung, als der, den jemand geschrieben hat.“ – Viktor Frankl

Vielen Dank für das Interview, lieber Raoulviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

Raoul Biltgen, Schriftsteller und
Psychotherapeut

5 Fragen an Künstler*innen:

Raoul Biltgen _ Schriftsteller, Schauspieler und Psychotherapeut

Zur Person_ Raoul Biltgen, geboren 1974 in Luxemburg. Schauspielausbildung in Wien, dann Ensemblemitglied am Landestheater Bregenz, anschließend Dramaturg am Theater der Jugend Wien. Raoul Biltgen lebt und arbeitet seit vielen Jahren als freier Schriftsteller und Theatermacher in Österreich. Er ist Autor zahlreicher Theaterstücke, die bereits in mehreren europäischen Ländern, aber auch in China oder Mexiko zu sehen waren. Raoul Biltgen schreibt auch Prosa und hat mehrere Bücher bei verschiedenen Verlagen in Österreich und Luxemburg veröffentlich. Er wurde mehrfach für seine Werke nominiert und ausgezeichnet, u.a. Mülheimer Theatertage, Niederländisch-deutscher Kinder- und Jugenddramatikerpreis, Eurodram, GLAUSER …

Seit 2015 arbeitet Raoul Biltgen zusätzlich als Psychotherapeut in Wien und im Burgenland.

http://www.raoulbiltgen.com

Aktueller Roman von Raoul Biltgen: MEINE INSEL, eine Robinsonade.

Erschienen bei Hydre Éditions

„Auf einer einsamen Insel steht ein Mann am Strand und erzählt einen Witz über einen Mann am Strand auf einer einsamen Insel. Dabei hat er nichts zu lachen. Der Schiffbrüchige, der einst Jean-Marie hieß und sich nun Robinson nennt, hat sich ein neues Leben geschaffen: Vorräte angelegt, eine Hütte gebaut – und Zäune errichtet. Denn den mühsam angehäuften Besitz soll ihm niemand wegnehmen. Piraten zum Beispiel. Oder gar Menschenfresser, wie bei Robinson Crusoe. Wer weiß, wie lange man auf einer einsamen Insel allein bleibt?…“

  • Autor: Raoul Biltgen
  • Reihe: Fiction
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-99987-883-6-7
  • Format:  140 × 215 mm
  • Seiten: 216
  • Preis: 17,00 €
  • Erscheinungsdatum: Oktober 2023

https://hydreditions.eu/de/meine-insel-de/

Foto_ Philippe Matsas

Walter Pobaschnig _ 22.5.2024

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„Kunst ist beseelt. Das kann KI nicht.“ Marlies Blauth, Bildende Künstlerin und Autorin _ Düsseldorf 5.6.2024

Liebe Marlies Blauth, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Er ist nicht jeden Tag gleich. Schreibtisch- und Textarbeit mache ich am liebsten morgens. Oder ich gehe in mein Atelier. Oder in meinen Garten. Manchmal ergibt sich ein Treffen mit Kolleginnen und Kollegen aus Kunst und Literatur, die Planung gemeinsamer Projekte.

Meine Gedichte schreibe ich am liebsten unterwegs; dann sitze ich mit einem Becher Kaffee im Zug skizziere und notiere. Lieber auf Papier als digital, aber mein Laptop ist meist dabei. Der Feinschliff geschieht dann am nächsten Morgen.

Ich liebe die Vielfalt und erfreue mich daran, immer wieder etwas anderes machen zu können. Tägliche Routine ist nichts für mich.

Marlies Blauth, Bildende Künstlerin und Autorin
Bild: Marlies Blauth _
folgende

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Frieden. Innen und außen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist ganz sicher die KI / Künstliche Intelligenz. Wir Menschen sollten uns auf unsere Stärken besinnen – und da denke auf ziemlich spiritueller Ebene: Wir können kreativ sein, inspiriert werden, Geistvolles schaffen. Das kann die KI nicht.

Vielleicht sollte man das Pfingstfest auch unter diesem Aspekt betrachten? Ich halte die Vorstellung des Göttlichen im Menschen für sehr wichtig. Was wir tun, lässt sich nicht berechnen oder bis ins Letzte analysieren. Die Künste lassen das erspüren; sie kommen aus keiner Konserve, sondern sind „beseelt“. Sie können aus geradezu Nichts einzigartig erschaffen werden. Mich begeistert – schon wieder: der Geist 🙂 –, dass alle, die schöpferisch tätig sind, mit ganz ähnlichem „Handwerkszeug“ völlig Verschiedenes Gestalt werden lassen. Ein schlichtes Beispiel ist die Handschrift. Die ist noch keine Kunst, zeigt aber auf, was ich meine.

Was liest Du derzeit?

Lyrik; kreuz und quer. Ich liebe auch Zufallsfunde aus öffentlichen Bücherschränken.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Einen Aphorismus (von mir)

Warnhinweis: Zu viele Warnhinweise könnten Ihre Gesundheit gefährden.

Vielen Dank für das Interview, liebe Marlies, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Marlies Blauth, Bildende Künstlerin und Autorin

Zur Person_ Marlies Blauth, *1957 in Dortmund, lebt in Meerbusch bei Düsseldorf.

Bildende Künstlerin und Autorin (Studium Kunst, Biologie, Kommunikationsdesign),

4 Lyrikbände, zuletzt: morgens ein Atemzug Winter. Hrsg. Jürgen Brôcan, Dortmund 2024; zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, ein paar kleinere Preise / Auszeichnungen.

Mitgliedschaft bei der GEDOK und beim VS.

https://kunst-marlies-blauth.blogspot.com/

Fotos_ Marlies Blauth

Walter Pobaschnig _ 5.5.2024

https://literaturoutdoors.com