Liebe Claudia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich mache – gefühlt jahrzehntelang – dasselbe 😊 Ich stehe nicht zu früh auf, trinke Earl Grey und lese digitale Medien und meine Mails. Dann sind meine Tiere dran, Hund und Katze, Gassi gehen und diverse Beschäftigungen. Dann wird geübt, da gibt es vieeel zu tun, Bass spielen (was ich ja sehr sehr spät begonnen habe, also das mache ich noch nicht jahrzehntelang) mit Metronom Fingerübungen, meist gepaart mit schamanischen Techniken der inneren Einkehr und diversem Räucherwerk.
Dann ein bisschen die Stimme trainieren, denn da gibt es auch viele Muskeln, die bewegt werden wollen. Wenn ich ganz gut drauf bin, ein wenig Obertonsingen. Dabei fühle ich mich leider gehemmt, weil mein Hund mit seinen guten Ohren sehr empfindlich reagiert und sozusagen zu weinen beginnt.
Am frühen Nachmittag beginne ich an Projekten zu Arbeiten wie momentan an „Bunte Vögl am Johann Nepomuk Vogl Platz“ – eine wöchentliche Spielserie über 2 Sommer- Monate, die ich voraussichtlich wieder veranstalten darf.
Und / oder an der Tournee für meine Band „Viennese Ladies“. Wir haben gerade eine CD aufgenommen und jetzt geht es daran, eine Präsentations-Tournee zu organisieren.
Wenn ich dann noch Kraft und Lust habe, widme ich mich dem Komponieren, oder Texten, da sind immer ganz viele Ideen da und ich arbeite parallel an mehreren Stücken. Man kann sich nicht aussuchen, ob und wann einen die Muse küsst, sprich, ob etwas weiter geht oder nicht. Aber wenn man es tut, gibt es zumindest die Chance, dass einem etwas gelingt.
Nicht alltäglich, aber abends gibt es ab und zu Proben oder Konzerte.
Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, wir müssen begreifen, dass alle Bewohner auf dieser Welt dasselbe wollen: In Frieden leben, ein Dach über den Kopf und genug zu Essen haben, sprich, dass die Grundbedürfnisse abgedeckt sind und das sollte auch jedem Menschen selbstverständlich zustehen.
Wir müssen uns bewusst sein, dass mehr als 10% der Weltbevölkerung an akutem Hunger und weitere 10% unter schwersten Mangelerscheinungen leiden und wir schmeißen so viel weg und kümmern uns um die falschen Dinge.
Wir hätten genug für alle, aber die Reichen wollen nicht teilen, das ist ein großes Problem. Ich würde es gut finden, wenn es keine Börsen gäbe und die Leute ihrem Geschäft mit Verantwortung nach gehen könnten. Die Haltung, ich habe eh nix zu sagen, ich kann eh nix bewegen, lähmt jedes einzelne Geschäft und es gibt Frust auf beiden Seiten.
Ich finde, die Grundbedürfnisse eines jeden Mensch müssen gedeckt sein, bevor irgendwelche reiche Menschen irrwitzige Dinge aufführen, wie ins Weltall fliegen oder sowas in der Art. Auf keinen Fall zu einer Zeit, wo Millionen Menschen hungern! Für Waffen gibt es immer genug Geld. Ich finde, es gehört jede Waffenschmiede geschlossen und verboten. Ich weiß, klingt naiv, aber eigentlich ist es das einzig Logische und Richtige.
Ein weiteres Anliegen ist, das Tierleid zu lindern. Diese Massentierhaltung ist eine einzige Katastrophe und auch ein Schuss ins eigene Knie, denn man isst den Stress, die schlechte Ernährung bei der Massentierhaltung sowie die Medikation mit und das bedingt wieder ganz viele Krankheiten beim Menschen. Für mich hat ein Tier auch ein Recht auf ein Leben, wie es seiner Art entspricht und ich finde das Tierleid unerträglich!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ganz verstehe ich den ersten Satz nicht, aber ich antworte darauf, was ich verstehe 😊
Die Musik ist Stellvertreterin für so viele Gefühle wie Liebe, Angst, Beruhigung, Aufregung, Geborgenheit, verstanden fühlen, Aggressionsabbau etc. etc.. Manchmal ist es sogar so, dass man einen Menschen weniger schätzt, weil er eine Musik hört, die für einen selber blöd oder schlecht ist. Eine gewisse Herzensbildung in Sachen Musik ist mir persönlich sehr wichtig. Egal ob das Herz für Klassik, Jazz, Blues oder Pop schlägt, Hauptsache für eine Art von Wiedergabe, die mit voller Hingabe und Liebe passiert, egal ob mit ohne oder Erfolg. Das kann auch einen langen Weg bedeuten, bis man sich soweit findet, dass das auch für Außenstehende spürbar wird.
Ich denke, das gilt auch für andere Kunstrichtungen. Wenn man sich z.B. ein bisschen mit Malerei beschäftigt, spürt man auch recht schnell was „echt“ ist und was nicht. Ist der/die Künstler/in auf der Suche nach seinem inneren Werk, oder wird gemacht, was gefällt? Ich denke, sowas spürt und sieht man, auch den Weg. Aber das ist meine rein subjektive Betrachtungsweise.
Was liest Du derzeit?
Verschiedenste Bücher über Schamanismus, meist aus der Feder des Anthropologen Michael Harner. Und wenn wir schon bei Anthropologen sind: Da liegen einige Bücher mit vielen kleinen bunten Zettelchen drinnen von Rudolf Steiner.
Als Entspannungsroman habe ich gerade „Kleine Freuden“ von Clare Chambers in der Reißen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Sei gut zu dir und deinen Lieben, es kann sich ganz schnell alles ändern. Und den Satz: „Ich bin halt so“, sollte man ersetzen durch: „Ich arbeite daran, ein besserer Mensch zu werden!“
Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin
Vielen Dank für das Interview liebe Claudia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin
Fotos_Gerry Frank.
26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Katrin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich befinde mich gerade in Vorbereitung auf eine Tournee, die ganz im Zeichen der Musik Freddie Mercury’s steht, aufgrund von Corona letzten Winter nicht stattfinden konnte, nun aber im Mai zumindest teilweise nachgeholt werden wird. In dieser Zeit der Vorbereitung bin ich sehr auf mich fokussiert. Mein Tagesablauf besteht aus intensivem Stimm- und Körpertraining um tip top in Form zu kommen. Ich ernähre mich bewusst und versuche Mindsets aus alten Gedankenkonstrukten aufzuspüren, zu hinterfragen und gegebenenfalls durch neue zu ersetzen. Ich bin überzeugt davon, dass auf mentale Aspekte nicht vergessen werden sollte.
Katrin Fuchs_Sängerin und Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Im Jetzt leben, dankbar sein, helfen, nichts als selbstverständlich nehmen, sich mit Anderen austauschen. Die Corona-Krise war für viele von uns bereits eine Erschütterung im Kleinen, der Ukraine-Krieg ist eine Erschütterung, die kaum in Worte zu fassen ist.
Wir wissen alle nicht was morgen, in 3, 6 oder 12 Monaten passieren kann, trotzdem bin ich der Meinung, dass wir so gut es geht zuversichtlich bleiben sollten. Alles andere, wäre meiner Ansicht nach, ein Tod auf Raten auf mentaler Ebene.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich bin überzeugt davon, dass Theater und Musik, generell alle kreativen Künste, mehr denn je als „Seelendoktor“ fungieren. Aufgrund von mehreren Gesprächen habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Publikum das Angebot an Veranstaltungen derzeit bedachter selektiert als in der Vergangenheit. Ein Großteil möchte derzeit explizit unterhalten werden und empfindet „Problemstücke“ als zusätzliche Erschwernis und Last. Für uns Darsteller ist es, besonders in von Krisen gebeutelten Zeiten, eine nicht zu leicht auf die Schulter zu nehmende Aufgabe, das Publikum, für die Dauer des Theaterabends, aus einem meist nicht enden wollenden Gedankenkarussell aus Sorgen und Ängsten zu entführen. Auch wenn die Konkurrenz an Freizeitangeboten durch Streaming-Dienste, Netflix und Co. derzeit so breit aufgestellt ist wie noch nie, glaube ich fest daran, dass diese Branche niemals ein Live-Ereignis ersetzen werden wird.
Was liest Du derzeit?
The Dictionary of Lost Words von Pip Williams
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Folgendes Zitat habe ich neulich in einem Posting der Süddeutschen Zeitung entdeckt und als äußerst treffend empfunden: „Reif ist, wer auf sich selber nicht mehr hereinfällt“ (Heimito von Doderer)
Vielen Dank für das Interview liebe Katrin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Barbara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
schlafen träumen wachen
aufstehen radio hören viel radio
dann und dabei kaffee trinken
arbeiten mit dem laptop dem handy berichte sehen
mit meiner besten freundin sprechen deren familie aus der ukraine gekommen ist
fragen was und wie und ob man helfen kann mit worten mit taten überhaupt
dann aber auch (und unbedingt) über anderes sprechen über anderes denken
wie die farbe einer kinderjacke oder die unterschiedlichkeit von wochentagen
die arbeit für den tag beenden das was man tut
rausgehen alleine mit anderen
abends: zeichnen schreiben sich fragen was man morgen lesen und hören wird
dann wieder hoffentlich schlafen träumen wachen
Barbara Marie Hofmann, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube wichtig ist es immer, noch da zu sein, hier zu bleiben, mit dem eigenen Kopf. Und nicht in der aufkommenden Panik, den möglichen Zukunftsfragen und Konsequenzen zu verschwinden, aufzugeben. Die Angst ist ein überzeugendes Gewitter. Wenn möglich also irgendwie die eigene Bodenhaftung behalten, um zu sehen, was man von hier aus tun kann, wem oder wie man sinnvoll helfen kann.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Loslassen. Neu beginnen. Auf sich und andere mehr Acht geben. Und Acht geben nicht als etwas Passives, sondern Aktives verstehen.
Und zur Kunst: Für mich ist die künstlerische Arbeit ein beständiges Brücken bauen zwischen Gestern, Heute und Morgen. Reflektieren, weiterdenken. Eine Basis schaffen für Zukünftiges.
Was liest Du derzeit?
Zum zweiten Mal: Margret Kreidl. Eine Schwalbe falten. Eine befreundete Lyrikerin hat es mir geschenkt und mich so auf sie gebracht. Jetzt liebe ich sie sehr und finde mich darin wieder, in ihrer Sprache, ihren Themen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Es sind zwei:
(1)
to be announced:
jede/r hat a angst
leave a reply
reply:
spread the word:
jede/r hat antworten
leave a fear
(Judith Nika Pfeiffer)
(2)
„Einmal wiederholen. Dreimal drehen. Stock oder Feder? Dreimal dreht sich die Seele. Ist das eine Idee? Bitte aufheben.“
(Margret Kreidl)
Vielen Dank für das Interview liebe Barbara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Barbara Marie Hofmann, Schriftstellerin
Fotos_privat.
26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Allem Anfang schafft Anfang, denn dem Ende sowieso
Niemand entrinnt, schreien flüsternd die, die erloschen
Crazy Leben, was wärst du bloß
Einmal endlich, endlich einmal: käme Menschlichkeitsding
Stefan Sprang, 1.5.2022
Stefan Sprang, Schriftsteller
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Stefan Sprang, Schriftsteller
Stefan Sprang, geb. 1967 in Essen, lebt dort im Südviertel und in Frankfurt/M. als Radiojournalist und Schriftsteller. Sein Roman-Debüt „Fred Kemper und die Magie des Jazz“ erschien 2011, sein Roman „Ein Lied in allen Dingen. Joseph Schmidt“ folgte 2019 (2. Auflage 2020), 2021 dann ein „Heimatroman“ „Henry Becker und der Sommer der Erinnerung“. Die Produktion seines akustischen Monodramas „Engel“ ist in Vorbereitung (GehörGang, Berlin).1999 „Kurt-Magnus-Preis“ der ARD. 2016 Einladung zur „Bayerischen Akademie des Schreibens“ und 2020 zum Literaturpreis „Irseer Pegasus“.
Liebe Yvonne-Stefanie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf (ohne Termine) ist momentan:
Aufstehen – Kaffe trinken – wichtigste ToDos erledigen – ins Studio fahren – üben – Organisationskram – üben/schreiben/Musik auschecken – heimfahren – Sport/Essen/auf ein Konzert gehen/diverse soziale Dinge/probieren vor 12 im Bett zu sein.
Was für alle wichtig ist, weiß ich nicht, aber ich schätze mal etwas haben für das man brennt und das einem wirklich was gibt hilft sicher dabei, seinen Fokus nicht auf die schlechten Dinge im Leben zu legen, was schon schnell mal passiert. Die scheinen ja grad sehr gehäuft aufzutreten, aber in Wahrheit gibts die immer irgendwo – das gleiche gilt aber auch für die schönen Dinge, die gibts auch immer irgendwo. So ein bisschen im Sinne von: Es gibt die Putins dieser Welt, aber halt auch die Musik von Miles Davis, und die Macht von Zweiterem sollte hier nicht unterschätzt werden.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Musik, der Kunst an sich zu?
Als großen Aufbruch nehme ich das jetzt gar nicht war, in Bewegung sein und sich weiterentwickeln sollte doch eigentlich normal sein. Die Kunst ist eh meistens ganz vorne dabei bei der Weiterentwicklung, vielleicht weil es für Kunstschaffende eigentlich recht alltäglich ist, sich ständig aus diversen comfort zones rauszuschmeissen, um überhaupt irgendwohin zu kommen. Da gewöhnt man sich dran, neue Wege zu erkunden, Gegenwind zu trotzen und Möglichkeiten im Unbekannten zu sehen. Und so entsteht Fortschritt. Also würde ich schon sagen dass der Kunst eine Kernrolle zukommt bei Veränderungen jeglicher Art.
Was liest Du derzeit?
„Alte weiße Männer“ von Sophie Passmann
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
– I’m always trying to prove to my 17-year-old self that I can do creative things I thought weren’t possible –
Vielen Dank für das Interview liebe Yvonne-Stefanie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!