„gehen über eigene schatten“ Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Wien 30.3.2023

GIVE PEACE A CHANCE


gehen über eigene schatten

immer und immer wieder

veilchen berühren

eigene haut


plötzlich fühlen wie

eisdünn

auch du:

celloträume bauen

einschaukeln darin


atem verhalten


chorlippen stimmennass

hauchen

auge für auge 

nachtasten mit kuppe

crescendo ver-

ebben


Sophia Lunra Schnack, 20.3.2022




Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sophia Lunra Schnack, Schriftstellerin

Fotos_Walter Pobaschnig_3/23

Walter Pobaschnig _ 20.3.2023

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„Sein können“ Martin Ross, Schriftsteller _ Wien 29.3.2022

Lieber Martin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich seit längerem arbeitslos bin, versuche ich (bislang erfolglos), eine Anstellung zu bekommen. Ansonsten lese ich, schreibe ich, musiziere ich.

Martin Ross, Schriftsteller und Philosoph

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sein können.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein, zu erkennen, dass die Freiheit nicht beim Ich »beginnt«. Vielmehr zeigt sich die Freiheit in der Begegnung mit jedem anderen mitseienden Menschen. Denn in der Begegnung den Anderen und die Andere in seinem und ihrem Sein-können zu erkennen wird klar, dass sowohl die Begegnung selbst als auch ich immer schon frei sind. Das ist ein Grundvollzug des Daseins. Die Literatur und jede Art der Kunst könnten hier die Rolle spielen, immer wieder darauf aufmerksam zu machen. Sie geben uns zu denken und zu fühlen. So hoffe ich.

Was liest Du derzeit?

Nach Jahren lese ich wieder einmal das »Symposion« von Platon; diesmal gemeinsam mit Freundinnen und Freunden in einem Online-Lesekreis, den der Philosoph Daniel-Pascal Zorn vor zwei Jahren initiiert hat.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

»Schreibend wollte ich

Meine Seele retten.

Ich versuchte Verse zu machen

Es ging nicht.

Ich versuchte Geschichten zu erzählen

Es ging nicht.

Man kann nicht schreiben

Um seine Seele zu retten.

Die aufgegebene treibt dahin und singt.«

»Schreibend«, von Marie Luise Kaschnitz, 1962

Vielen Dank für das Interview lieber Martin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Martin Ross, Schriftsteller und Philosoph

Foto_privat

5.1.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gratitude“ Franziska Franz, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Frankfurt/Main 29.3.2023

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Gratitude

Intelligence

Vision

Energy


Power

Ever

Adorable

Chance

Earth


Angel


Clear

Harmony

Animals

Nature

Country

Elements



Franziska Franz, 21.3.2023

Franziska Franz, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Franziska Franz, Schriftstellerin

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Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 21.3.2023

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„Wir  – so verletzlich und verletzbar. Verletzend“ Ivo Rossi Sief, Bildender Künstler_Rinn/Tirol 28.3.2023

Lieber Ivo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es fällt mir schon schwer (auch weil ich kein Buddhistischer Mönch bin) jeden Tag, um 4 Uhr 35, in der früh aufzustehen, aber in Anbetracht dass sich meine innere Uhr inzwischen darauf eingestellt hat, schaffe ich es recht gut –  trotzdem.

Ich erinnere mich an die Tagesanfänge und Tagesabläufe in Kärnten, auf Schloss Saager in Grafenstein, Mitte 70’er bis Mitte 80’er Jahre, bei Giselbert Hoke, der mein erster «Lehrer und Kunst Guru» wurde. Da ging es auch frühmorgens gleich an die Arbeit, für die Erstellung der übergroßen Emailwerke des Meisters. Da war etwas im Äther – etwas Besonderes. Dinge, die sich in den vielen reichen Facetten glückstechnisch lohnten. Das ganze Leben wurde durchgerüttelt und verändert. Schwellende Tabus sprengten die Lust des Dortseins-und-Verweilens nicht.

Es war Kreativität und Intensität, ja, auch an-und-in  den Gesprächen, da in der Runde am großen Tisch, beim Verweilen bei Wein und Essen unter der – von zahmen Hornissen beflogenen – Laube. Das Leben versprühte jede Minute des Tages einen besonderen Geruch, den ich förmlich riechen und schmecken könnte. Dort in Kärnten.

Jetzt lebe ich in Innsbruck/Umgebung Das Hierherkommen erzähle ich auch in meinem Werdungs-Roman „Granatapfel“. Man versteht zwischen den Zeilen vielleicht, dass ich über etliches nicht euphorisch glücklich bin.

Also steige ich nach dem Frühstück jeden (Wochen)Tag um halb sieben in Rinn (oberhalb von Innsbruck) ins Auto, damit wir runter in die Stadt fahren, wo ich Eveline zu ihrer Tätigkeit bringe und ich um sieben in meinem Atelier in der Pradler Straße eintreffe. Da schreibe ich und male ich und um vier Uhr am Nachmittag passiert alles andere.

Ivo Rossi Sief, Bildender Künstler, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es geht um Lösungen und um Wissen zu transportieren. Das Wissen um die Herausforderungen auf verständliche Weise transportieren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir  – so verletzlich und verletzbar. Verletzend.

Kunst bietet Raum für Unbekanntes.

Was liest Du derzeit?

Ich lese zur Zeit, in dieser „speziellen Zeit“, die Neubearbeitung von „Und Nietzsche weinte“, einen Roman von Irvin D. Yalom.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Höre den Ton deiner ganz eigenen Sprache.

Vielen Dank für das Interview lieber Ivo, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Ivo Rossi Sief, Bildender Künstler, Schriftsteller

Fotos_privat.

12.9.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Charles III. – Mit dem Herzen eines Königs“. Die Biografie. Catherine Mayer. Heyne Verlag.

Es ist ein ganz besonderes Ereignis, das Großbritannien am 6.Mai des Jahres bevorsteht – die Krönung von Charles III, Windsor, * 14. November 1948, London, Buckingham Palace.  

Charles III ist seit dem 8. September 2022 (Tod von Elisabeth II.) König des Vereinigten Königreiches Großbritannien, Nordirland sowie von 14 weiteren Commonwealth Staaten. Charles II folgt damit seiner Mutter Elisabeth II nach, die 70 Jahre regierte.

So schnell die aktuellen royalen Eckdaten der wohl schillerndsten royalen Dynastie in Glanz und Tragik dargestellt sind, so hintergründig und weiterführend in Lebens-, Familien- und Gesellschaftsgeschichte ist jene am Beispiel von Charles III, dessen Leben vom Aufwachsen und den Ansprüchen im familiären Kontext wie auch der persönlichen Entwicklung, Erfahrung und Akzentuierung geprägt ist. Ebenso ist der Lebensweg in Liebe, Ehe, Familie wie Scheidung und Neuorientierung teil des royalen Weges und von Glanz wie Tragik in öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet.

Die renommierte britische Journalistin Catherine Mayer, welche unter anderem als leitende Time Redakteurin tätig war,ist beste Kennerin der royalen Familien- und Gesellschaftsgeschichte der Windsors und ihr gelingt in der vorliegenden Biografie Neuausgabe eine beeindruckende Darstellung und Zusammenschau eines royalen Lebens, das nun in einen ganz neuen Abschnitt tritt.

Zahlreiche Gespräche mit PolitikerInnen, WegbegleiterInnen, FreundenInnen wie Mitgliedern, KennerInnen und Interessierten des britischen Königshauses tragen dabei zum Gesamtbild dieser biographischen Darstellung bei, die in Information wie Darstellung in vielfältiger Perspektivität begeistert.

Ein wunderbar ausgewählter Bildteil zu Charles III beeindruckt ebenso wie der ausführliche Anhang, der in Anmerkungen und Bibliografie weiterführend informiert.

„Eine wegweisende biografische Darstellung, die in vielfältiger Information, Perspektive und Impuls begeistert!“

„Charles III. – Mit dem Herzen eines Königs“. Die Biografie. Catherine Mayer. Heyne Verlag.

Vollständig aktualisierte und erweiterte Ausgabe. Originalverlag: Heyne HC. Paperback , Klappenbroschur, 576 Seiten, 13,5 x 20,6 cm, 16-seitiger Bildteil.

Walter Pobaschnig 3_23

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„Geh nicht weg, kleiner Bruder“ Wolfgang Fehse, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Berlin 28.3.2023

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Geh nicht weg, kleiner Bruder

Ich will dir

Von einem Geheimnis

Erzählen. Lauf nicht fort

Papa hat 1943 in der Ukraine gekämpft

Er zwang sich zum Gehorsam

Abklatsch des Volksverführers . Als

Christ seelisch verhärtet. Du sollst nicht töten

Eingeschlossen in sich selbst


Ausgezeichnet als Leutnant und stolzer Held


Chaotisch, zerrissen, mit seinem Geheimnis

Heimatlos in sich selbst

Allein. Verzweifler

Nachts, Mörder tags. Nicht nutzend die

Chance zur Flucht. Schliesslich erschossen:

Ein Liebender will Frieden


Wolfgang Fehse, 28.7.2022

Wolfgang Fehse, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Wolfgang Fehse, Schriftsteller

Zur Person_ https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Fehse

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 28.7.2022

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„Ganz egal aus welchem Land du kommst“ Mischa Vogl, Schauspielerin _ Give Peace A Chance _ Wien 27.3.2023

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G anz egal aus welchem Land du kommst

I n welchem Umfeld du aufgewachsen bist, und aus welchen

V erschiedenen Kulturen und Traditionen du stammst, was dir deine

E ltern mit auf den Weg gegeben haben. So dass du deine




P ersönlichkeit entwickeln konntest. Dir deine

E igenschaften und Talente mehr bewusst wurden. Du hart an dir

A rbeiten musst, unter Tränen der Verzweiflung, Schmerzen des Verlustes, Freuden und Liebe. Dadurch kamst du zu deiner

C harakterstärke und deiner

E infühlsamkeit.



A lles das hat dich gefordert, geformt und aus dir die Person gemacht, die du jetzt bist.

C hancen kommen immer wieder.

H ole dir das Beste her für dich.

A ngst vor dem Versagen, kann dich immer wieder einholen, aber

N iemals kann man dir deine Erfahrungen und die Werte nehmen.

C haotische Momente werden immer wieder in deinem Leben sein. Genau diese lassen dich weiterwachsen und weiter streben

E in friedliches Leben mit dir und deinen Mitmenschen zu führen.

Mischa Vogl, 15.3.2023

Mischa Vogl _ SchauspielerinMusical-Darstellerin,
Ballett- Tänzerin für Bühnentanz


Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Mischa Vogl _ SchauspielerinMusical-Darstellerin,
staatlich diplomierte Ballett- Tänzerin für Bühnentanz

Fotos_ 1,2, 4 Alex Halada; 3 Sergej Armin; 5 privat.

Walter Pobaschnig _ 15.3.2023

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„Libellen im Winter“ Gudrun Seidenauer. Roman. Jung und Jung Verlag.

Da ist der Krieg. Immer noch. Und da ist das Leben in Trümmern. In allem. Doch war es je anders?

Menschen irren umher auf der Suche nach einer Unterkunft und Nähe. Doch die Gewalt ist immer noch da. Verschwindet nicht…

Vera kommt zu Mali und ihrem Sohn. Mali öffnet die Tür. Brot, Marillenmarmelade, Obstler ist die Währung, die jetzt gilt. Und die Einsamkeit dazu…

Und jetzt beginnt Vera zu erzählen. Von der Nacht. Der Gewalt. Dem Stein, dem Baum und dem Regen. Alles noch da. Ganz nah…

Aber woanders noch Träume. Bei Grete. In der trostlosen Stadt…

Und sie alle geben nicht auf und stellen sich dem Tag und der Nacht, dem Gestern und Heute, dem Nichts und dem Alles, Stunde um Stunde…

„Wenn die Nächte nicht wären! Es hat eine Weile gedauert, bis sie begriffen hat, dass die Stimme, die sie jede zweite oder dritte Nacht aus dem Schlaf reißt,  ihre eigene ist…“

Gudrun Seidenauer legt mit Ihrem neuen Roman eine erschütternde wie mitreißend spannende Geschichte des äußeren wie inneren Lebens und Überlebens im und nach dem Krieg vor, die aktueller nicht sein könnte.

Die Salzburger Schriftstellerin und Pädagogin fasst exemplarisch in die existentielle Mitte eines Kriegsgeschehens und packt dabei das brutale patriarchale Machtverhältnis an Kopf und Kragen und stellt dies anhand dreier weiblicher Lebensgeschichten in aller Schonungslosigkeit, Klarheit und Ausweglosigkeit dar. Dieser literarische Kunstgriff, der Geschichte und Gegenwart im gesellschaftlichen Rollengefälle bloßstellt und dabei die Wurzeln von Gewalt und Krieg mit viel Raffinesse in eine Erzählstruktur packt, ist einmalig und erinnert an ganz große literarische Namen wie Ingeborg Bachmann („Todesarten“).

Ein Roman, der in literarischer Raffinesse und Gesellschaftskritik Maßstäbe setzt. Sicherlich eine der besonderen bemerkenswertesten Überraschungen des Literaturjahres.

„Libellen im Winter“ Gudrun Seidenauer. Roman. Jung und Jung Verlag. 2023

Walter Pobaschnig 3_23

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„Kunst erinnert, wer wir sind, berührt und schafft Miteinander“ Shola Feldkamp, Künstlerin _ Hamburg 27.3.2023

Liebe Shola, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es gibt zwar bei mir eine gewisse Morgenroutine, aber als freischaffende Künstlerin bin ich gesegnet, nach dem Lustprinzip meine Aufgaben zu erledigen.

Mein dreizehnjähriger Sohn und mein Hund sorgen für Struktur und auch Abwechslung. Wenn der Sohn in der Schule ist, und auch meine Hündin Phibie ihren Bewegungsdrang befriedigt hat, geht es an die Arbeit. Als Auftragsmalerin gibt es immer was zu tun, am Maltisch, am Schreibtisch, vor der Kamera für Youtube  oder am Telefon, für ein Seelengepräch; eben das, was meine Energie gerade hergibt, wie zum Beispiel jetzt dieses kleine Interview – vielen Dank an dieser Stelle , Walter Pobaschnig.

Ich bin täglich dankbar, mir meine Zeit selbst einteilen zu können und wie schön ich mir mein Leben eingerichtet habe. Ich habe Freude am Schaffen und spüre, dass ich was zu sagen habe … spiele mit, im großen Ganzen und darf ich selbst sein, was mir immer wichtig war.

Wenn der Sohn aus der Schule kommt, widme ich ihm Zeit – das hat für mich Priorität und dann geht es weiter mit meiner “Arbeit” bis Abends, solange meine Energie da ist. Das ist immer unterschiedlich – ich bleibe flexibel.

Shola Feldkamp, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zentrierung, wissen um die eigene Kraft – warum er/ sie hier ist und Mut, sich selbst zu leben. Selbstliebe und Liebe zum Leben!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Wow, eine spannende Frage, ich versuche, es mit wenigen Worten zusammenzufassen. Wie ich es wahrnehme, geht es um Befreiung von vielen alten Systemen, um in die Eigenverantwortung zu kommen. Letztendlich in die Liebe hineinzuwachsen, bewusst zu werden, dass wir ein großes Ganzes sind. Unsere Seele ist hier, um das zu erfahren und zu erLEBEN.

Kunst entspringt der Quelle, macht aufmerksam und hilft zu erwachen. Ich persönlich finde, dass Kunst wichtiger ist, denn je.

Kunst erinnert, wer wir sind, berührt und schafft Miteinander. Wir sind als Menschheit hier alle unterwegs, um dieses Einheitsgefühl auch auf Erden zu spüren, das Leben zu feiern und uns gegenseitig zu erinnern, wie dankbar wir sein dürfen, dass Mutter Erde für uns da ist.

Was liest Du derzeit?

Ehrlich gesagt lese ich zur Zeit gar nichts, … ich höre eher Podcasts mit Silke Schäfer oder schaue mir Selbstexperimente von Joseph deChangeman an auf Youtube. Am liebsten “lese” ich die Natur in meiner Freizeit und liebe die Stille.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein kleiner Reim aus meinem Kartenset, das gerade entsteht:

“Ich weiß, wie Heilung auf Erden geschieht, wenn jeder dem ander´n ins Herz hier sieht”

Vielen Dank für das Interview liebe Shola, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Shola Feldkamp, Künstlerin

https://www.sholas-seelengepinsel.de/

Foto_privat

6.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Roman ist heute genauso relevant wie vor 52 Jahren“ Julia Gradl, Musikerin _ Station bei Malina _ Wien 26.3.2023

Julia Gradl, Musikerin, Performerin _ Wien _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Julia Gradl, Musikerin, Pädagogin _ Wien _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Liebe Julia Gradl, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte, die Umgebung hier vertraut?

Gelegentlich spaziere ich im Stadtpark, aber immer seltener, da er oft von Menschen überhäuft ist, das ist mir dann schnell zu viel. Das „Ungargassenland“, sowie der ganze dritte Bezirk, sind mir tatsächlich wenig vertraut.

Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?

Der Bezug zum Roman entstand tatsächlich erst durch das Fotoprojekt. Damit hat auch eine etwas „konkretere“ Form der Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk von Ingeborg Bachmann begonnen. Ich bin hingerissen und erschüttert zugleich. Vom Werk als auch von dem, was über ihre Person und ihr Leben bekannt ist.

Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?

Einige der Schauplätze haben mich besonders gepackt. Dazu zählt der gefühlt tiefste und älteste Keller, in dem ich je war. Auch den Eingangsbereich der Ungargasse 6 empfand ich als besonders – ein Durchgang von so Vielem, und das, schon so lange. Mit dem Innenhof der Ungargasse 9 verbinde ich jetzt, wo ich zurückdenke etwas Friedliches und Geborgenes. Ein Ort für Rückzug. Ein Stückchen unbeschadete Natur.

Wie siehst Du den Aufbau und das Konzept des Romans?

Man könnte einen Zusammenhang zwischen den drei Kapiteln und den drei Protagonisten (Ich-Person, Ivan, Malina) der Dreiecksbeziehung erkennen. Vielleicht sind die drei Teile auch ein Sinnbild für Lebensabschnitte.

Nach einer steckbriefartigen Einführung der Figuren beginnt der erste Teil, in dem die Liebe zu Ivan beschrieben wird. Von Teil zu Teil wird es abgründiger. Den Höhepunkt stellen für mich die Schilderung der Albträume dar. Fortgeführt durch ein immer depressiveres und verstörteres Ableben einer Frau.

Teil 1 wirkte auf mich wie der Versuch einer liebevollen inneren Zuwendung, angeregt und eingeleitet durch Ivan. Teil 2 lässt Traumata in Form von Traumbildern zu Wort kommen. Träume vom immerzu quälenden, folternden und kriegsbehafteten Vater. Im Teil 3 spitzte sich die Dreiecksbeziehung zu. Tod und Sterben werden zu zentralen Themen.

Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans?

Zentrale Themen sind für mich die Vaterfigur, Krieg, Tod, Leid, Abhängigkeiten, Machtverhältnisse, Geschlechterungleichheiten, Alltag, Sehnsucht nach Geborgenheit und Eingebettet-Sein.

Einige Aussagen, die mich bewegt haben und im Zusammenhang mit den eben genannten Themen stehen:

„Ivan heilt.“

Ivan: „Warum hat noch nie jemand eine Freudemauer gebaut?“

„Gerechtigkeit ist eine unerreichbare reine Größe.“

„Denn der Mensch ist ein dunkles Wesen. Er ist nur Herr über sich in der Finsternis. Am Tag kehrt er zurück in die Sklaverei.“

„Die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler.“

„Eigentlich müsste man in jedem einzelnen Mann einen unheilbaren klinischen Fall sehen […] Frauen sind gezeichnet durch die Ansteckungen“.

„Ich habe in Ivan gelebt und sterbe in Malina“.

Wie ist die Beziehung zwischen Mann und Frau im Roman dargestellt und wie ist dies heute zu sehen?

Die beiden Männer Ivan und Malina sind voll berufstätig, sehr viel beschäftigt, verdienen ausreichend Geld und haben kaum Freizeit. Sie sind zwar für die Ich-Person da, jedoch fühlt diese sich kaum von ihnen gehört oder richtig verstanden. Die Ich-Person ist einerseits emanzipiert und Feministin, das kommt vor allem in Teil 3 ausdrücklich zu Wort, und andererseits doch den beiden Männern ergeben und unterlegen: Sie macht sich emotional von ihnen und ihrer Nähe abhängig.

Der Roman wurde 1971 veröffentlich und enthält wichtige Passagen, die das Patriarchat verurteilen und nach Veränderungen drängen. Heute genauso relevant wie vor 52 Jahren.

Wie beurteilst Du die Protagonisten Ivan, Malina, Ich-Person in Ihrem literarischen Kontext bzw. dem Kontext der Autorin und Ihrer Biographie?

Im literarischen Kontext spiegelt sich in den drei Protagonisten ein Geflecht verschiedener (Persönlichkeits-)Anteile/Qualitäten. Ivan als Sinnbild für Lebensfreude, Wildheit, Jugendlichkeit, heilsames Zuwenden zu sich selbst und zur eigenen Vergangenheit. Malina ist der Kontrast dazu: Rationalität und Beherrschung dominieren im Roman sein Auftreten. Die feinfühlige Ich-Person führt mit beiden Männern eine Beziehung, wobei nicht immer deutlich rauskommt, ob sie voneinander wissen. Sie fühlt sich zu beiden hingezogen, macht sich von ihrer Nähe und Zuwendung zwanghaft abhängig und wird immer verstörter und benommener, je mehr sich Ivan von ihr entfernt.

Die Ich-Person wohnt in allen drei Teilen bzw. Romanabschnitten mit Malina zusammen. Dementsprechend präsent sind auch die Dialoge der beiden. Von Ivan ist von Teil zu Teil immer weniger die Rede, wobei zu spüren ist, dass nur er es ist, nach dem sie letztlich lechzt.

Was den biographischen Kontext betrifft, so drückt die Autorin über die Figuren Ivan und Malina möglicherweise ihre innigsten persönlichen Verstrickungen aus. Als wären Ivan und Malina Teile, die in ihr Selbst wohnen und um Aufmerksamkeit ringen.

Welchen Einfluss hatte und hat der Roman auf die Entwicklung von Literatur, Kunst und Emanzipation und Gesellschaft?

Im Roman wird ein patriarchales Gesellschaftsbild dem Innenleben einer kriegstraumatisierten Frau gegenübergestellt. Malina wurde durch ein Drehbuch von Elfriede Jelinek verfilmt, ins Englische übersetzt und vergangenes Jahr als Theaterstück aufgeführt. Die Inhalte des Romans wirken bis heute in unterschiedlichen Bereichen weiter und beschäftigen die Menschen… 2026 jährt sich ihr Geburtstag zum hundertsten Mal… Wieder ein Anlass zum Weiterwirken und Gedenken ihres Werks.

Wie siehst Du das Ende des Romans?

Der letzte Satz im Roman lautet „Es war Mord“. Im Roman war oft von Mord, vom Sterben, vom Sich selbst zerstören die Rede… Das Ende ist schmerzbehaftet aber auch erlösend.

Gab es in Deinen Musik-, Kunstprojekten Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?

Nein, bisher nicht.

Du bist wie Ingeborg Bachmann als Künstlerin von Salzburg nach Wien gezogen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier als Künstlerin gemacht?

Wien ist für mich Anonymität, ein künstlerisches Nest, Wienerwald, Bewegung und Begegnung. Als Künstlerin durfte ich hier in Wien schon einige Bühnen bespielen und besingen. Dafür mache ich Musik, um das, was mich ausmacht und ich in Musik finde, mit Menschen zu teilen und Nähe und Verbundenheit zu spüren.

Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?

Bald wird es neue Veröffentlichungen vom Duo Kardamom.T geben, auch werde ich in einer anderen Formation bald auf der Bühne zu sehen sein.

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Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?

Ja, das hätte ich sehr gerne. Morgens am Balkon mit Kaffee und Zigarette verweilen und vielleicht über Träume der vergangenen Nacht sprechen… zur Abwechslung hätte ich vorgeschlagen, in den Wienerwald wandern zu gehen und dort vielleicht an Bäume gelehnt Texte oder Gedicht improvisatorisch zu vertonen…

Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?

M ALINA

A BHÄNGIGKEIT

L ILY

I VAN

N ÄHE

A LL-EIN(S)

Julia Gradl, Musikerin, Pädagogin _ Wien _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Vielen Dank, liebe Julia Gradl, für Deine Zeit in Wort und Bild bei Malina, alles Gute für alle Projekte!

Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971

im Interview und szenischem Fotoportrait_

Julia Gradl, Musikerin, Pädagogin _ Wien _

2023 _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos_Romanschauplatz _ Malina_Wien _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 3_23

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