„Ich denke, dass die Angst und der extreme Materialismus Hauptkrankheiten unserer Gesellschaft sind“ Loulou Omer, Choreografin, Musikerin und Dichterin _ Wien 16.9.2023

Liebe Loulou Omer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Tagesablauf im Sommer: je nachdem, wo ich bin, aber zuhause stehe ich meistens früh auf, mit gemischten Gefühlen. Schreiben, viel Kaffee, lesen, recherchieren, ein paar Stunden am Computer mit Produktion und administrativen Sachen.

Dann mache ich mein Bodywork, das ich oft mit meiner Schwester in Tel- Aviv via zoom teile. Weiter Schreiben. Immer wieder dazwischen spiele ich Klavier. Und einkaufen, kochen, für meinen jüngeren Sohn da sein.

Der Winter wird was Neues bringen.

Loulou Omer,
Choreografin, Musikerin und Dichterin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, dass die Angst und der extreme Materialismus Hauptkrankheiten unserer Gesellschaft sind. Wobei, der Materialismus vielleicht der Versuch ist, die Angst zu betäuben. Doch erzeugt er tatsächlich das Gegenteil, da er uns von der Essenz und der Würde unseres Wesens entfernt, und damit uns von uns selbst entfremdet. Ein Teufelskreis.

Könnten wir anstelle von Angst, Frust und einhergehendem Hilflosigkeitsgefühl, uns die Freiheit nehmen, selbst zu bestimmen, womit wir unseren Geist ernähren, mit welchen Ideen, Worten und Emotionen, was für innere Dialogen wir mit uns selbst führen…  Wenn wir die Überzeugung hätten, dass wir es selbst bestimmen könnten (vor allem dürfen!), würde es, denke ich, einen herrlichen Befreiungsgefühl erzeugen, eine Freude die, die Zügel übernehmen würde, eine Ermächtigung, die uns woanders führen kann.

Einfacher gesagt als getan. Nichtsdestotrotz:

La joie en tant que puissance de vie, nous emmène dans des endroits où la tristesse ne nous mènerait jamais.“

Frei übersetzt: „„Die Freude als Lebenskraft bringt uns an Orte, an die uns die Traurigkeit nie bringen würde.“

Gilles Deleuze

Das heißt auf keinen Fall allen Grausamkeit, Ungerechtigkeit, Bosheit, Konformismus und Dummheit dieser Welt zu ignorieren. Man darf wohl und soll sich mit all diesen beschäftigen, sie kritisieren…  Die Sache liegt in der Verbindung von einer Art „Grund-Liebe“, als Quelle dieser Haltung, mit einer Freude, die den Akt des Widerstands ernährt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Das wäre ein radikaler Paradigmenwechsel in unserem politischen und kulturellen Denken. Ich weiß natürlich nicht, welche Form das genau nehmen wird, nur, dass es mit dem Wunsch verbunden sein müsste, den Menschen, die Natur und alles Lebende, in ihrer Würde anzuerkennen und zu achten. Das klingt vage und vielleicht auch utopisch, aber ich glaube in dem einen gemeinsamen Nenner zu sehen, als Basis aller möglichen guten, konkreten, neustrukturierenden Ideen.

Dieser Aufbruch ist in diesem Sinne eine Öffnung und Einladung zu einem anderen Denken, zum viel und neu Denken, jeder für sich und miteinander.

Die Kunst hat die Aufgabe und das Privileg neue mentale Räume aufzumachen, mit dem Unbekannten zu experimentieren, „andere Wirklichkeiten“ zu erleben, oder „die Wirklichkeit“ anders zu erfahren. Sie erlaubt uns mit ästhetischen Mitteln etwas zu transzendieren. Und dieses Ästhetische ist mit der Erfahrung von Schönheit verbunden, die ich als einen liebevollen Blick auf die Dinge, auf das Menschsein, das Leben, verstehe. Und in der Liebe findet sich die Freude. Die Kunst ist das Erleben einer Transzendenz, samt aller Emotionen und Gedanken, die unseren Geist in Bewegung bringen. Also, ja, sie hat eine wichtige Rolle.

Was liest Du derzeit?

„L’image survivante“ von Georges Didi-Huberman über Aby Warburg.

Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?

„C’était une dictature douce et heureuses contre laquelle on ne s’insurgeait pas… la liberté avait pour visage un centre commercial“

Frei übersetzt:

„Es war eine sanfte und glückliche Diktatur, gegen die man sich nicht auflehnte … die Freiheit hatte das Angesicht eines Einkaufszentrums.“

Annie Ernaux / Les Années

„Weder zur Furcht noch zur Hoffnung besteht Grund, sondern nur dazu, neue Waffen zu suchen „

Gilles Deleuze

Loulou Omer,
Choreografin, Musikerin und Dichterin

Vielen Dank für das Interview, liebe Loulou, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Loulou Omer, Choreografin, Musikerin und Dichterin

Zur Person _ Loulou Omer ist Choreografin, Musikerin und Dichterin.

1969, in Tel-Aviv geboren, lebt und arbeitet sie seit 1992 in Europa – über Paris, Brüssel, Wien und Berlin, ist sie heute in Wien angesiedelt.

Seit ihre Kindheit nimmt sie Tanzunterricht und lernt Klavier. Sie studiert Geschichte und Philosophie an der Universität Tel-Aviv und unterbricht ihr Studium, um mit einer Tanz Company auf Europatournee zu gehen, wo sie dann bald ihre eigene choreografische Arbeit ansetzt.

Ihre Tanz- und polyartistischen Stücke werden auf verschiedenen Festivals und Theatern in Europa aufgeführt, darunter „Impulstanz“ (AT), Ballhaus Naunynstrasse (DE), „Schauspielhaus“ (AT), „Künstlerhaus (AT) “Les Brigittines” [BE], Théâtre la Balsamine” [BE], Centre Wallonie-Bruxelles [FR], Mains-d’Oeuvre [FR] und anderen.

1998 erhält sie den 1. Preis beim „Festival des Jeunes Chorégraphes Contemporains de Pantin“ [FR].

Nach langen Tanz-Jahren beginnt sie auch mehrsprachige Texte zu schreiben, die sich in kurzer Zeit zu einer Dichtungsform entwickeln. Sie beginnt auch zu komponieren für Klavier und Stimme, vertont viele ihrer Gedichte und veröffentlicht ein paar Gedichtsammlungen.

Sie entwickelt sie eine eigene poly-artistische Vorgehensweise, die sie Choreografie einer Klangpoesie nennt, wo all diese Kunstformen und deren Beziehungen zueinander erforscht sind. Sie erschafft polyartistische Stücke, performative Lesungen und kollaboriert mit diversen Künstlerinnen unterschiedlicher Bereiche.

Loulou Omer ist mit dem Exil-Literaturpreis 2021 für Lyrik ausgezeichnet worden.

2023 erhalt sie ein Jahresstipendium von Stadt Wien für ihr Literarisches Projekt Rhapsode.

Loulou Omer- Biografie

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Fotos_Goran Rebic

Walter Pobaschnig _ 7.9.2023

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„dass Schauspieler*innen in ihrer gesellschaftlichen Wertigkeit und Vielfältigkeit neue Akzeptanz finden“ Georg Hasenzagl, Schauspieler _ Wien 15.9.2023

Lieber Georg Hasenzagl, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Dieser Theatersommer war für mich wieder sehr intensiv, da ich parallel beim Märchensommer Graz und auf der Tschauner Bühne Wien als Schauspieler tätig war. Trotzdem versuche ich in meiner freien Zeit etwas Kraft zu tanken und jogge gerne durch den Lainzer Tiergarten oder genieße mein soziales Umfeld.

Die letzten Vorstellungen finden im September statt und gleichzeitig bereite ich mich auf mein nächstes Projekt „Der Medicus“ im Deutschen Theater München vor.

Georg Hasenzagl, Schauspieler und Sänger

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eine sehr allgemeine Frage, die meiner Meinung nach nicht klar zu beantworten ist. Im Kontext von Theater und Kunst wäre mein Wunsch, dass Schauspieler*innen in ihrer gesellschaftlichen Wertigkeit und Vielfältigkeit neue Akzeptanz finden.

Pandemiebedingt hat sich zumindest temporär innerhalb der Kulturszene ein Gefühl der Wertlosigkeit eingestellt. Finanzielle und existenzielle Sorgen der Künstler*innen sind aber auch gegenwärtig präsent und nicht einfach verschwunden. Gerade in der sogenannten „freien Theaterszene“ herrschen oft prekäre Bedingungen für alle Beteiligten vor, die, meiner Meinung nach, mit einem neuen gesellschaftlichen Kulturbewusstsein abgebaut werden können.

Kultur ist vielfältig und sollte nicht normativ in ein hierarchisches Konstrukt gezwängt werden (Hochkultur, Massenunterhaltung, usw.). Hier sehe ich eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die Kulturpolitik offener und breiter gestaltet, um der Vielfalt an Künstler*innen, auch außerhalb institutionalisierter Häuser, lebenswertere Bedingungen zu garantieren.

Da ich persönlich das Glück habe beide Seiten innerhalb der Theaterwelt erleben zu dürfen, kann ich auch nicht für alle Betroffenen sprechen.

Hier handelt es sich um eine subjektive Beobachtung meinerseits, welche nicht als allgemeingültig verstanden werden soll.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich bin der festen Überzeugung, dass zwischen Theater und Gesellschaft ein sich gegenseitig beeinflussendes Wechselverhältnis besteht. Historisch kann auch beobachtet werden, wie zum Beispiel Phänomene der Öffentlichkeit im Theater aufgegriffen wurden, aber auch Themen der Bühne, wieder zurück in den öffentlichen Raum geflossen sind.

Eine genaue Analyse würde hier zu weit führen, jedoch stellen gerade krisenbehaftete Themen (Klimawandel, globale Sicherheit, usw.) ein riesiges Potenzial dar, das künstlerisch genutzt werden kann. Gleichzeitig kann Theater uns auch temporär unsere Ängste nehmen und zerstreuen. Das sind meiner Meinung nach zwei wichtige Funktionen (kritische Betrachtung vorherrschender Verhältnisse und emotionale Ablenkung), die bewusst genutzt werden dürfen und sollen.

Was liest Du derzeit?

Kate Manne – Down Girl. Die Logik der Misogynie

Kate Manne, Down Girl. Die Logik der Misogynie, aus dem Engl. v. Ulrike Bischoff, Berlin: suhrkamp 2020.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“ (Johann Wolfgang Goethe)

Vielen Dank für das Interview lieber Georg, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Georg Hasenzagl, Schauspieler und Sänger

5 Fragen an Künstler*innen:

Georg Hasenzagl, Schauspieler und Sänger

Zur Person _ Georg Hasenzagl, der Wiener Schauspieler absolvierte seine künstlerische Ausbildung am Performing Center Austria (vorm. Performing Arts) und erhielt zusätzlich die paritätische Bühnenreife. Schon während des Studiums verkörperte er Rollen in Musicals u.a. in der Wiener Stadthalle oder im Museumsquartier Wien. Neben diversen Engagements als Gesangssolist verkörperte er bereits mehrere Rollen im Sprechtheater u.a. in EIN KÄFIG VOLLER NARREN, MINISTER GESUCHT, OTELLO DARF NICHT PLATZEN oder DER SCHÜLER GERBER.

Auszüge aus seinem künstlerischen Weg sind u.a.: Neue Bühne Wien, Märchensommer Poysbrunn, Theater Akzent, Theater 82er Haus, Raimundtheater Wien, Tschauner Bühne Wien oder Theater mit Horizont.

Ab Oktober verkörpert Georg Hasenzagl die Rolle des Meir im Musical DER MEDICUS am Deutschen Theater München.

Instagram: https://www.instagram.com/georghasenzagl/

Fotos_Marie Bleyer

31.8.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Musik kann uns so direkt berühren, wie sonst nur Weniges auf der Welt“ Sophie Katharina Schollum, Musikerin _Wien 14.9.2023

Liebe Sophie Katharina Schollum, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche jeden Tag verschiedene Aktivitäten einzubauen, die meinen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden: Kreatives, Sportliches, Soziales, Inspirierendes oder Interessantes, Zeit am Instrument, etwas, das mich beruflich weiterbringt und etwas Entspannendes. Zum Glück stillen viele meiner regelmäßigen beruflichen und privaten Aktivitäten viele dieser Bedürfnisse gleichzeitig.

Meistens schreibe ich gleich in der Früh ein paar Seiten, um im Tag anzukommen, in den produktiven, kreativen Fluss zu kommen, dann mache ich etwas Bewegung – je nach Lust und Laune Yoga oder tanzen oder laufen oder nur ein bisschen dehnen. Dann folgt in unterschiedlichsten Reihenfolgen eine Auswahl aus üben am Instrument, proben, Songs oder Texte schreiben, komponieren, Organisationsarbeit für meine Projekte, lesen, unterrichten, Gottesdienste in der Justizanstalt musikalisch umrahmen, Musikgruppen in der Justizanstalt oder in einer Musikschule leiten, Konzerte spielen, laufen, Fahrrad fahren, Tennis spielen, slacklinen, paragleiten, Landhockey spielen, Musik hören, Konzerte besuchen, Zeit mit FreundInnen, KollegInnen, meinem Freund oder meiner Familie verbringen.

Sophie Katharina Schollum,
Flötistin, Sängerin, Komponistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir das, was wir machen mit Freude und vollem Fokus machen. Dann machen wir es auch richtig gut und tragen zu einer starken, positiven und gut funktionierenden Gesellschaft bei, in der wir alle gemeinsam für eine gute, friedvolle, gleichberechtigende, offene und gesunde Zukunft kämpfen können.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Die Kunst hat zum Glück zurzeit bei uns in Österreich die Freiheit alles auszudrücken, was der Künstlerin oder dem Künstler am Herzen liegt. Sie kann Stimmen hörbar machen, die sonst in der Gesellschaft oft zu kurz kommen. Im Falle von Zensur kann sie über für die Allgemeinheit nicht sofort verständliche Wege immer noch aussagen, was vermeintlich unsagbar geworden ist. Dadurch hat sie eine nicht zu unterschätzende Kraft, Menschen und dadurch Gesellschaften zu verändern. Sie kann uns so direkt berühren, wie sonst nur Weniges auf der Welt, da sie es vermag Körper, Geist und Seele gleichzeitig anzusprechen und in Bewegung zu setzen. Der Musik schreibe ich eine besondere Qualität zu, da sie zunächst direkt Emotionen auslöst und erst wenn sie diese hervorgerufen hat, Gedanken und Ideen wachsen lässt; durch Schallwellen bringt sie unsere Körper automatisch in Schwingung. So kann sie uns innerhalb von Millisekunden auf so vielen Ebenen packen und verändern.

Was liest Du derzeit?

Vieles gleichzeitig auf unterschiedliche Weisen. Ich arbeite mich durch ein Heft von Robert Dick über die Flöte und die Zirkularatmung, schreibe mit Doris Dörries „Leben, schreiben, atmen: eine Einladung zum Schreiben“, studiere Schönbergs Harmonielehre, schmöckere in Alexander Jehles Gedichtband „TrotzDem“ und lese Matt Haigs „The Midnight Library“.

Meine absolute Leseempfehlung des letzten Jahres ist allerdings Daniel Kehlmanns „Tyll“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es gibt ein Gedicht von Robert Frost, das mich seit ich 14 war, begleitet. Mein Englischlehrer gab es mir damals zu lesen. Den letzten Satz daraus habe ich im ersten Lockdown an eine Wand in meiner Wohnung geschrieben:

 „Two roads diverged in a yellow wood, and I –

I took the one less traveled by,

and that has made all the difference.”

Im anderen Zimmer steht ein Zitat von Christian Morgenstern:

„In allem pulsieren, an nichts sich verlieren.“

Vielen Dank für das Interview, liebe Sophie Katharina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sophie Katharina Schollum, Flötistin, Sängerin

Zur Person _ Sophie Katharina Schollum, geboren in Mödling, lebt als Musikerin und Musikpädagogin in Wien. Seit ihren Studien an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ist sie in den verschiedensten Bands, Ensembles und Orchestern als Flötistin, Sängerin und Komponistin tätig. Aktuelle Projekte sind ihre Band „Sanyoo“, die aktuell an neuen Songs mit Schlagzeug, Bass und Flöte/ Gesang arbeitet, sowie das Trio „Mister Montelli“, welches im September 2023 sein erstes Album veröffentlicht.

Biographie

Foto_Maria Frodl

Walter Pobaschnig _ 1.9.2023

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„Umjubelte Uraufführung“ Neufassung „In Arbeit “ E3 Ensemble _ Off Theater Wien 13.9.2023

Das Wiener E3 Ensemble begeistert mit der Neufassung des Kultstückes „In Arbeit“, das sich ausgehend von den Herausforderungen der Klimakrise den Fragen nach dem Menschsein in Verantwortungs-, Handlungs-, und Glücksfähigkeit in einmaliger Sprach-, Bewegungs- und Bühnendynamik stellt und damit begeisternd das Stück zur Zeit bietet.

Im Stück selbst wird ein mitreißender rasant wechselnder szenischer Dialog in und zu allen Fragen, Rechtfertigungen, Sprachlosigkeiten, Emotionen des Themas Klimakrise geführt und unglaublich komödiantisch dramatisch dargestellt.

Das E3 Ensemble konzipiert hier gleichsam ein neues faszinierendes  Theatergenre – ein komödiantisches Realitätsdrama, in dem Wortrhythmus, Mimik, Gestik und Interaktion alle Register bester Theaterkunst ziehen. Darin, in allen Fragen, Erzählungen, Meinungen, Standpunkten, die wie Planeten aufeinanderkrachen, findet ein kathartisches Fest des Lebens im Bewusstsein des Nichtwissens und Ungewissen statt, das trotz allem Hoffnung und Freude als wesentliche Utopie auf den schwankenden Boden des Lebens stellt.

Hier wird Theater in aller Sprachkraft, Körperlichkeit, Witz, Sinn und Faszination einmalig zelebriert und gefeiert!

In Arbeit In Arbeit, Uraufführung
Koproduktion E3 Ensemble perflux/Das Off Theater Wien  

mit Isabella Jeschke, Rina Juniku, Leon Lembert, Gerald Walsberger,

Musik: Dominik Essletzbichler, Daniel Neuhauser, Tobias Pöcksteiner,

Dramaturgie: Thomas Bischof

Kostüm: Pia Stross

Künstlerische Beratung: Susanne Brandt

Bühne/Presse: Sebastian Spielvogel

Technik: Tom Bechter

Foto/Plakat: Thomas Steineder

Weitere Spieltermine:
13., 14., 15., 20., 21., 22. September 2023 um 20:30 Uhr
WHITE.BOX im DAS OFF THEATER
Kirchengasse 41, 1070 Wien
18€ normal / 13€ ermäßigt*
Karten gibts unter 0660 52 52 532, karten@e3ensemble.at und eventjet.at

Walter Pobaschnig 9/23

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„ans Gute (auch an eine gute Zukunft) glauben“ Andrea Heinisch, Schriftstellerin _ Wien 13.9.2023

Liebe Andrea Heinisch, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, Kaffeetrinken, an den Laptop-Setzen, Schreiben. Schreiben, Schreiben. Ab dann je nach Wetterlage und ob ich in Wien oder im Waldviertel bin: im Internet surfen, Mails schreiben, Whatsapp beantworten, Gartenarbeit, ernten, verarbeiten, Marmelade fürs Geschäft meines Sohnes kochen, im Teich schwimmen, nachdenken, mit Freundinnen telefonieren, Enkel bespaßen, Haus/Wohnung in Ordnung bringen, fernsehen, lesen, einkaufen. Mittagsschlaf auf der Terrasse. Schöne Abende mit Mann und Freunden verbringen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die elementaren Lebensgrundlagen erhalten, dazu zähle ich neben Umwelt/Natur und Ressourcen auch die Demokratie.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich sehe viel mehr Zusammen- als Aufbruch. Wichtig für mich: nicht aufgeben, sich nicht unterkriegen lassen, ans Gute (auch an eine gute Zukunft) glauben, auch wenn so viel dagegen spricht. Seinen Teil beitragen, Augen und Ohren offenhalten, achtgeben, wenn da wie dort die großen Worte wie Pflaster aufgeklebt werden und wenn Komplexes plötzlich gar so einfach zu sein scheint.

Die Rolle der Kunst, der Literatur? – Der Wirklichkeit keine Kappe überziehen, sondern das Gegenteil tun, was auch immer das genau ist.

Was liest Du derzeit?

Jane Campell, Kleine Kratzer

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aufruf zum Misstrauen (Ilse Aichinger)

Vielen Dank für das Interview, liebe Andrea viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andrea Heinisch, Schriftstellerin

Zur Person _

Andrea Heinisch, geboren und aufgewachsen 1959 in Wien. Matura in Tirol, Studium der Germanistik und Geschichte in Salzburg, dann wieder Wien. Einige Jahre Lehrtätigkeit am Lycee francais de Vienne. Lebt und schreibt in Wien und im Waldviertel.

Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, am 13.September 2023 erscheint Ihr erster Roman: Henriette lächelt (Picus)

„Henriette lächelt“ Andrea Heinisch. Roman.

Einband gebunden

Umfang 208 Seiten

Format 13,5 x 21,0

ISBN 978-3-7117-2142-6

Ersch.Datum September 2023

€22,00

Henriette lächelt

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 8.9.2023

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„Hören. Richtig Hören.“ Krisha Kops, Schriftsteller _ München/Madanapalle/I 12.9.2023

Lieber Krisha Kops, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

(Unter der Woche:) Aufstehen, hinsetzen, schreiben, trinken, schreiben, essen, schreiben, ins Büro gehen, philosophieren, essen, lesen, schreiben, Papierkram, Meeting, philosophieren, dann (vielleicht) tanzen, essen, erinnern daran, innezuhalten, dann innehalten, dann das Innehalten vergessen, lesen, Augen aufhalten wollen, es nicht schaffen, schlafen, träumen, wachen, im Traum wachen, im Wachen träumen, wieder schlafen (leider schnarchen) und wieder alles von vorne.

Krisha Kops, Schriftsteller und Philosoph

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Fragen. Richtig fragen. Tief fragen. Lange fragen. Und nicht immer nur antworten.

Hören. Richtig Hören. Lange Hören. Hinhören. Nicht nur Zuhören. Nicht immer nur sprechen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Laut Karl Jaspers befanden wir vor etwa 2500 Jahren in einer Achsenzeit. Bereits nach dem 2. Weltkrieg meinte er, wie finden uns in den nächsten. Heute stimmt das mehr denn je. Diese Achsenzeit beeinflusst den Menschen und sein Verhältnis zum Kosmos wie seiner Mitwelt, ja zu allem, was ist. In dieser Achsenzeit, wird sich erneut die Frage nach dem Menschenbild stellen. Was ist der Mensch? Oder was soll er sein? Was ist er in Bezug zu alldem, was ihn umgibt. Die eine Antwort darauf wird die Literatur (und die anderen Künste) überflüssig machen, zu einem bloßen Unterhaltungsmittel, mehr nicht. Die andere Antwort, jene, für die ich einstehe, wird der Mensch (erst) mit und durch die Literatur (und die anderen Künste) zu dem, was er ist: ein Mensch.

Was liest Du derzeit?

Literatur:

Unser Deutschlandmärchen von meinem „Kollega“ Dinçer Güçyeter

Rayuela. Himmel und Hölle von Julio Cortázar

Schlupflöcher von Tamara Štajner

Philosophie:

Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie von Jean-Paul Sartre

Phänomenologie der Wahrnehmung von Maurice Merleau-Ponty

Von der Einheit des Menschen. Essays von Jeanne Hersch

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

One fundamental problem is that, regardless of the view of empathy that one adopts, it becomes necessary to ground this theoretical and cognitive/behavioral construct on a fiction.

Lisbeth Lipari

Vielen Dank für das Interview lieber Krisha, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Philosophieprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Krisha Kops, Schriftsteller und Philosoph

Zur Person_Dr. Krisha Kops, 1986, ist Philosoph und Schriftsteller. Neben seiner philosophischen Tätigkeit an der Hochschule für Philosophie München engagiert er sich als philosophischer Praktiker. 2021 erschien Bhagavadgītā — Philosophische Interpretationen im 20. Jahrhundert. Eine interkulturelle Verflechtungsgeschichte. Sein 2022 veröffentlichter Debütroman Das ewige Rauschen erhielt mehrere Preise und wird in verschiedene Sprachen übersetzt.

Aktueller Roman_

Fest in der Erde steht ein Banyanbaum. Durch seine Blätter und Luftwurzeln streichen die Winde. Sie erzählen ihm die Geschichte von Abbayi und seiner deutsch-indischen Familie. Sie erzählen von einem Mädchen, das an der Ostsee geboren wird und während der Nachkriegszeit mit seiner Familie durch Deutschland zieht. Von einem indischen Bauern, der für seine Tomatenpflanzen singt und für seine beiden Frauen. Von einem Glückssucher, dem die Welt zu klein für seine Ideen ist und der sein Heimatland verlässt. Von einer Frau, die sich in den Fremden verliebt, und schließlich von einem jungen Mann, der sich zeit seines Lebens zwischen den Welten bewegen wird. ›Das ewige Rauschen‹ ist ein großer wie lebenspraller Roman über die Fragen, wer wir sind, wo wir Wurzeln schlagen – und was wir dafür brauchen.

ISBN  978-3-7160-2808-7

Preis Österreich  22,70 €

Seiten 272

Erscheinungstermin 16.03.2022

https://www.w1-media.de/produkte/das-ewige-rauschen-556841?verlag=arche

Foto_Gustav Eckart

23.7.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gomorrha, mein Gott!“ Loulou Omer, Choreografin _ Give Peace A Chance _ Wien 12.9.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Loulou Omer,
Choreografin, Musikerin und Dichterin

Gomorrha, mein Gott!

In den Fesseln der

Verlorenen

Ewigkeit, habe ich einen

Persönlichen, zwar

Ephemeren, jedoch

Auf Fortschritt hoffenden

Chromosomen-Kuchen gebacken.

Erfreut,  sah ich wie er


Allmählich im Ofen wuchs, sein Inneres

Chaos verbergend, er strahlte,

Heiß und heiter, Chromosomisches

Aroma, Duft ausgebrüteter Gene. Vorsicht, man darf nicht laut sein,

Niemals zurück blicken

Chronos mag Kuchen, er denkt an Gomorrha

Er isst ihn erlöst.


Loulou Omer, 7.9.2023

Loulou Omer,
Choreografin, Musikerin und Dichterin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Loulou Omer, Choreografin, Musikerin und Dichterin

Zur Person _ Loulou Omer ist Choreografin, Musikerin und Dichterin.

1969, in Tel-Aviv geboren, lebt und arbeitet sie seit 1992 in Europa – über Paris, Brüssel, Wien und Berlin, ist sie heute in Wien angesiedelt.

Seit ihre Kindheit nimmt sie Tanzunterricht und lernt Klavier. Sie studiert Geschichte und Philosophie an der Universität Tel-Aviv und unterbricht ihr Studium, um mit einer Tanz Company auf Europatournee zu gehen, wo sie dann bald ihre eigene choreografische Arbeit ansetzt.

Ihre Tanz- und polyartistischen Stücke werden auf verschiedenen Festivals und Theatern in Europa aufgeführt, darunter „Impulstanz“ (AT), Ballhaus Naunynstrasse (DE), „Schauspielhaus“ (AT), „Künstlerhaus (AT) “Les Brigittines” [BE], Théâtre la Balsamine” [BE], Centre Wallonie-Bruxelles [FR], Mains-d’Oeuvre [FR] und anderen.

1998 erhält sie den 1. Preis beim „Festival des Jeunes Chorégraphes Contemporains de Pantin“ [FR].

Nach langen Tanz-Jahren beginnt sie auch mehrsprachige Texte zu schreiben, die sich in kurzer Zeit zu einer Dichtungsform entwickeln. Sie beginnt auch zu komponieren für Klavier und Stimme, vertont viele ihrer Gedichte und veröffentlicht ein paar Gedichtsammlungen.

Sie entwickelt sie eine eigene poly-artistische Vorgehensweise, die sie Choreografie einer Klangpoesie nennt, wo all diese Kunstformen und deren Beziehungen zueinander erforscht sind. Sie erschafft polyartistische Stücke, performative Lesungen und kollaboriert mit diversen Künstlerinnen unterschiedlicher Bereiche.

Loulou Omer ist mit dem Exil-Literaturpreis 2021 für Lyrik ausgezeichnet worden.

2023 erhalt sie ein Jahresstipendium von Stadt Wien für ihr Literarisches Projekt Rhapsode.

Loulou Omer- Biografie

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Fotos_Goran Rebic

7.9.2023_Interview_Walter Pobaschnig.

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„Schreiben ist eine einsame Tätigkeit“ Astrid Kohlmeier, Autorin und Regisseurin _ Graz 11.9.2023

Liebe Astrid Kohlmeier, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hängt stark von den Projekten ab, mit denen ich beschäftigt bin.

Gewöhnlich beginne ich den Tag mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette, oft bereits frühmorgens. Wenn ich an längeren Texten arbeite – Theaterstücken oder Erzählungen, zurzeit an einem Drehbuch für einen Kurzfilm – bringe ich Stunden am Computer zu und schreibe auch an den Wochenenden oft bis tief in die Nacht. Notizen zu Gedichten mache ich zu jeder Tageszeit an den verschiedensten Orten – in Cafés, Bars, im Park, auf der Straße, im Schwimmbad, im Urlaub am Strand – in einem kleinen schwarzen Buch und bringe sie anschließend am Laptop in ihre endgültige Form.

Die letzten Wochen war ich intensiv mit den Korrekturen des Manuskriptes meines im September im Wolf Verlag erscheinenden Lyrikbandes „Zärtliche Risse“ befasst. Auch die Büroarbeit nimmt Zeit in Anspruch etwa die Kommunikation mit meinen beiden Verlagen, das Stellen von Förderanträgen, die Vorbereitung von Lesungen, die Zusammenstellung von Beiträgen für Ausschreibungen und ähnliches. Ich lese täglich und unternehme in den Arbeitspausen Spaziergänge, fahre Rad, laufe oder praktiziere Yoga, um meine Gedanken zur Ruhe zu bringen.

Prinzipiell ist das Schreiben eine einsame Tätigkeit, die absolute Stille erfordert. Daher verbringe ich viel Zeit allein und versuche während der Arbeit jedwede Ablenkung von außen zu vermeiden. Einen starken Kontrast dazu bildet meine Regiearbeit – ich habe nach einer langen Pause im Frühling dieses Jahres wieder inszeniert. Hier steht die enge und intensive Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern und die Ensembleleistung im Vordergrund.

Astrid Kohlmeier, Autorin und Regisseurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich bin der Ansicht, dass der Umgang mit den gegenwärtigen Krisen und deren Bewältigung, Besonnenheit, Mut, Kreativität und Zuversicht erfordert. Verunsicherung und Angst haben oft die Entstehung von Feindbildern und kopfloses Handeln zur Folge, das äußerst gefährlich werden kann. Darum ist es wichtig, als Wahrheit gehandelte Umstände zu hinterfragen, offen und tolerant zu bleiben, das Verbindende statt das Trennende zu suchen und auch in neuen, unkonventionellen Bahnen zu denken, um friedliche, nachhaltige Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit zu finden. Ich denke, es gibt für uns alle einen Ort jenseits von richtig und falsch, an dem man die Menschlichkeit und Güte seines Gegenübers entdecken kann, auch wenn man diesem im ersten Augenblick aufgrund seiner Fremdheit oder Andersartigkeit etwa in Bezug auf Herkunft, Kultur, religiöser Zugehörigkeit oder Weltanschauung misstraut oder es gar fürchtet. Vielleicht ist es gerade jetzt die Aufgabe jedes Einzelnen, nach diesem Ort zu suchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke, dass es vor allem wesentlich ist, angesichts der Herausforderungen, denen wir uns zu stellen haben, nicht in Resignation zu erstarren, sondern diesen mit Wachsamkeit und kindlicher Neugierde zu begegnen, nicht aufzuhören Fragen zu stellen, Antworten zu suchen und neue Wege einzuschlagen.

Ich persönlich möchte am Leben wachsen, lernen, mich weiterentwickeln und im befruchtenden Austausch mit anderen stehen und ich glaube, dass die Kunst die Aufgabe hat, das geistige und emotionale Wachstum, von dem hier die Rede ist, zu fördern und nicht zuletzt jene Schönheit in die Welt zu bringen, nach der wir alle hungern.

Die Rolle der Literatur war und ist erfreulicherweise vielfältig. Sie kann berühren, bewegen, hinterfragen, inspirieren, aufrütteln, trösten, bilden, Menschlichkeit lehren, schockieren oder einfach nur unterhalten. Laut Schiller vermag die Kunst die Trennung zwischen Verstand und Gefühl aufzuheben und den zerrissenen Menschen wieder ganz zu machen. Wichtig erscheint mir, dass sowohl Bildungsinstitutionen als auch der Kunst- und Kulturbetrieb Barrieren abbauen und den Zugang zu allen Kunstformen erleichtern, sodass so viele Menschen wie möglich mit Kunst in Berührung kommen können und diese nicht allein einer kleinen Elite vorbehalten bleibt.

Was liest du derzeit?

Gerade lese ich die Schachnovelle von Stefan Zweig.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Aus aktuellem, traurigem Anlass und noch einmal auf die Frage der Rolle der Literatur Bezug nehmend – Literatur vermag es auch, für den Frieden einzutreten – möchte ich an dieser Stelle zwei Buchempfehlungen aussprechen und die Lektüre von Bertha von Suttners „Die Waffen nieder!“ und Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ den Lesern ans Herz legen.

Vielen Dank für das Interview liebe Astrid, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Astrid Kohlmeier, Autorin und Regisseurin

Zur Person_Astrid Kohlmeier, Autorin und Regisseurin, geboren 1983, studierte Germanistik an der Karl-Franzens-Universität und der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Seit 2002 schreibt sie Theater- und Erzähltexte, Lyrik, Hörspiele und Drehbücher. Ihre Lyrik und ihre Prosa wurden in zahlreichen Literaturzeitschriften („Lichtungen“, „Die Rampe“, „Freibord“, „Luftdurchlässig“, „Proto“, etc.) und Anthologien publiziert. Seit 2006 ist Kohlmeier auch als Regisseurin tätig und inszenierte u.a. am Landestheater Schwaben und beim XIX. und XX. Greizer Theaterherbst. 2012 erhielt sie das Österreichische Staatsstipendium für Literatur. 2015 erschien ihr Gedichtband „Flüstere mir mein Meer glatt“ im INST Verlag. Im Herbst 2023 erscheint ihr Lyrikband „Zärtliche Risse“ im Wolf Verlag. Kohlmeiers Theaterstücke und Bearbeitungen von Erzähltexten werden mitunter in eigener Regie an Bühnen in Österreich, Deutschland, Luxemburg und in der Schweiz aufgeführt. Astrid Kohlmeier lebt und arbeitet in Graz.

Weitere Informationen auf http://www.astridkohlmeier.com.

Foto_Rahel Gölzner

Walter Pobaschnig _ 1.9.2023

https://literaturoutdoors.com

„Generosity“ Ana Topalovic, Cellistin _ Give Peace A Chance _ Wien 11.9.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Generosity

Inspires

Vibrant

Expressions


Positive

Energy

And

Calm

Environment


A New

Chapter

Hope

And

New opportunities

Create

Endless possibilities


Ana Topalovic, 6.9.2023

Ana Topalovic
(Multi)Cellistin – Komponistin – Pädagogin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ana Topalovic, (Multi)Cellistin – Komponistin – Pädagogin

Zur Person  _ Ana Topalovic, seit ihrem ersten öffentlichen Auftritt im Alter von 10 Jahren tritt Ana Topalovic regelmäßig bei renommierten Festivals und in Konzerthäusern: Wiener Konzerthaus, Wiener Musikverein, Carnegie Weil Hall, Salzburger Festspiele, Berliner Konzerthaus, Gasteig München, Tokyo Opera City House, Centro Cultural Kirchner, Opatija Music Tribune, Cluj Modern, SIMN Bukarest, Meridian Festival, und viele mehr. Sie war in 29 Ländern auf 4 Kontinenten tätig.

Ana Topalovic setzt sich als Cellistin keine Grenzen. Ihr Repertoire reicht von Sololiteratur und Kammermusik, bis zu interdisziplinärer und zeitgenössischer Musik mit elektronischen Sounds. Anas letztes solo Album “Bachiana” (2022) wurde in 3 Kategorien für den Opus Klassik Preis nominiert. Ihre Diskografie umfasst derzeit 10 Alben mit Musik für Violoncello solo von J.S. Bach, J. Doderer, S. Gubaidulina, K. Saariaho, D. Rotaru, C. Ioachimescu, A. Di Scipio, über 30 Ersteinspielungen, Tangos mit Erwin Schrott, sowie ihre eigene Kompositionen; erschienen bei den Labels Hänssler, Neos, Capriccio, Paladino und Sony.

Durch ihre intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik entstanden etliche
persönliche Kollaborationen mit renommierten Komponist:innen des 21. Jahrhunderts wie T.
Larcher, F. Cerha, J. Doderer, G. Proy, R. Clemencic, G.F. Haas, G. Resch oder M. Ferek-Petric in Form von Uraufführungen, Widmungen und gemeinsamen musikalischen Arbeiten.
Von der Vielseitigkeit ihres Instruments inspiriert, tritt sie vermehrt als Komponistin eigener Werke auf. Sie sucht nach verborgenen musikalischen Schnittstellen zu anderen Denk- und
Kunstrichtungen was daran liegt dass sie eine visuelle Synästhetikerin ist.

Ihre Werke hat sie in der Carnegie Weil Hall, im Gasteig München, Prinzregententheater, Posthof Linz, Wiener Konzerthaus u.a. aufgeführt. Für ihre Interpretation “Das Buch” von P. Vasks erhielt sie den Sonderpreis der IBLA Foundation. Sie war die Solistin bei der österreichischen Erstaufführung von “Die Tochter des Mondes – Moravac & Finale” von A. Sedlar für Cello und Orchester im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.
Ana Topalovic spielte mit Partnern wie E. Schrott, Janoska Ensemble, J. Stancul und C. Pichler. Sie tritt mit verschiedenen Orchestern auf wie Filharmonia Oradea, Camerata Internacional, Filharmonia Oltenia Orquesta Nacional de Música Argentina u.a.
http://www.anatopalovic.com

Ana Topalovic ist Mitgründern von Green Thing Ensemble Wien mit dem Sie über 30
Auftragswerke und Uraufführungen gespielt hat. Sie haben mit der Zürcher Hochschule der
Künste an dem Projekt “Polytempo” zusammengearbeitet.

MULTICELLO: wenn ein einziges Cello live zum Orchester wird.
Ana Topalovic entwickelte die Multicello-Technik durch die Zusammenstellung verschiedener
digitaler Tools, in Kombination mit dem analogen Cello sowie einem 5-saitigen elektronischen Cello. Die Musik kann so von der akustischen Einstimmigkeit des Cellos zum hybriden Orchesterklang in verschiedensten Nuancen live heranwachsen. Ihr ist es wichtig, mit dieser Musik auch aus dem rein klassischen Konzertsetting heraustreten zu können und mit minimalen und hoch-mobilen Equipment an mitunter auch unerwarteten Orten auftreten zu können.

Ana Topalovic ist Dozentin für Violoncello und Moderne Spieltechniken am Richard Wagner
Konservatorium Wien. Sie leitet das Wiener Cello Studio und online Lernplattform Vienna Cello Masterclass.

Ana ist Ehren-Gastprofessorin am “Jose Hernandez” Konservatorium in Buenos Aires
und als Jurorin bei mehreren Musikwettbewerben tätig.

Als Musikvermittlerin (Cello, Komposition, Musik-Konzept) spielte sie bei den Projekten des
Jeunesses, im Wiener Musikverein, Mozart Haus und bei mehreren Musikfestivals. Sie ist
Gründerin und künstlerische Leiterin des Festival Treff • Kunst in Wien.


Ana Topalovic wurde in Belgrad, Serbien geboren und zog als 17-jährige nach Wien. Klavier- und Cellounterricht erhielt sie bereits in sehr jungen Jahren. Sie begann das Konzertfach-Studium am Konservatorium der Stadt Wien bei J. Bayrov. Danach studierte sie bei M. Kliegel an der Hochschule für Musik in Köln und absolvierte das Masterstudium am Konservatorium Wien Privatuniversität bei M. Hornstein und L. Schulz-Bayrova. Während dieser Zeit gewann sie mehrere Preise bei verschiedenen Wettbewerben wie z.B. IBLA Grand Prize (über 400 Bewerber in einem multisparten Wettbewerb). Ana und ihre Projekte wurden mehrfach von Thomastik-Infeld, Kulturabteilung der Stadt Wien und Österreichischen Bundesministerium für Kultur (bmkoes) unterstützt.

Foto_Ionut Macri

6.9.2023_Interview_Walter Pobaschnig.

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Undine geht _ „Einsamkeit“ Annkathrin Dehn_Tänzerin_ Wien 10.9.2023

Undine geht _
Annkathrin Dehn_Tänzerin, Choreografin  _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Undine geht _
Annkathrin Dehn_Tänzerin, Choreografin  _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Undine geht _

Annkathrin Dehn_Tänzerin, Choreografin  _ Wien _

Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 

50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ 

Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Liebe Annkathrin Dehn, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Leidenschaft und Kraft entstehen durch das Erstreben von Utopien – sie sind also mehr als nur Träume.

Es ist wichtig, Missstände aufzuzeigen und an deren Veränderung Teil zu haben, auch wenn das „Wellenreiten“ bedeutet.

Wie siehst Du „Undine“?

Als Frau mit Eigensinn, die es aushält, dass das Leben nicht nur in Harmonie verläuft, und sich diesem Gedanken weder einfach so hingibt noch sich selbst aufgibt.

„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?

Letztendlich glaube ich, dass es heruntergebrochen sowohl vor 60 Jahren als auch heute noch um die Frage der eigenen Identität geht. Durch die Geschichte hindurch unterscheiden sich die Faktoren, die die umgebende Gesellschaft bestimmen und damit auch die Freiheit, in der sich Individualität ausformen kann. Ich möchte mich nicht auf einzelne Veränderungen festlegen, hoffe aber, dass wir als Menschen immer neugierig bleiben und Veränderung anstreben, um unseren Leidenschaften folgen zu können.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?

Das ist eine schwierige Frage – im hier und heute enden solche Argumentationen manchmal sehr einseitig und haben dann auch nichts mehr mit z.B. Feminismus zu tun. Mir geht es um ein gutes Miteinander. So bin ich aber auch aufgewachsen und so versuche ich die Welt mit manch ihrer eingefahrenen Strukturen zu sehen. Um die Strukturen zu erneuern, die zurzeit patriarchale Macht zulassen oder sogar fördern, benötigt es ebenso viel Macht, oder vielleicht besser Machtvolles. Das sind heikle Prozesse, da sie viele Grenzen überwinden müssen.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?

Für mich gibt es nur einen Weg – weitermachen – und ab und an ein bisschen mehr durchs Leben tanzen. Beim Tanzen muss man nicht immer gerade ausgehen (das wäre sogar sehr schwierig…), es geht seitwärts, manchmal sogar rückwärts, man kann sich fallen lassen oder einen Sprung machen.

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute  mitnehmen?

Ihre Energie.

Was bedeutet Dir Natur?

Natur ist für mich eine Kraft, die aus dem Inneren kommt und damit äußerst wichtig, um wieder aufzutanken. Ich komme dem, was wir allgemeinhin als Natur verstehen, im Grünen beim Spazieren gehen am besten nahe.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Wasser ist wohl das Element, dem ich mich am nächsten fühle. Es bedeutet Leben, Beweglichkeit, Kraft, Entwicklung und Erneuerung für mich. Einen ziemlichen Respekt davor habe ich aber auch.

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Die Jahreszeiten geben mir vor allem immer wieder Inspiration, im Besonderen natürlich der Frühling. Das ist die Zeit, in der die kleinen Dinge wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken – Knospen, Farben, Licht,…

Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?

Da bin ich glaube ich die falsche Ratgeberin. Meine Zukunftsvorstellung sieht recht grau und pessimistisch aus. Vielleicht dient das aber auch nur als Ausgleich zu meinem alltäglichen Optimismus… Vermutlich hilft mir Leidenschaft und Verdrängung in gleichem Maße, um das Harmoniebedürfnis zu stillen.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Leidenschaft und alles darüber hinaus kann ich nicht in Worte fassen.

Was lässt Liebe untergehen?

Einsamkeit

Wie war Dein Weg zum Tanz?

Die leise Ahnung meiner Mutter, dass ich Tanzen lernen möchte, wenn ich einmal eine Vorstellung sehen würde. Sie nahm mich mit zu einer und es kam so wie sie gedacht hatte. Seither ist mein Weg zum Tanz meist der über die Musik. Wenn ich Musik höre und zum Ausdruck bringen muss, was ich dabei empfinde, ist Tanz meine Sprache dafür.

Welche aktuellen Projektpläne hast Du?

Das nächste größere Projekt ist für Ostern geplant als Folge des kürzlich stattgefundenen „Orgel & Tanz“. Es wird wieder in eine ähnliche Richtung gehen, diesmal in Verbindung mit bildender Kunst und Architektur.

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?

„Alles hast du mit den Worten und Sätzen gemacht, hast dich verständigt mit ihnen oder hast sie gewandelt, hast etwas neu benannt…“

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?

Undenkbar

Nah

DU

Inneres

Natürlichkeit

Einfachheit

Geben

Echt

Herz

Tanz

Undine geht _
Annkathrin Dehn_Tänzerin, Choreografin  _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Undine geht_Erzählung/Monolog Ingeborg Bachmann_Wien_1961

im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Undine

Annkathrin Dehn_Tänzerin, Choreografin  _ Wien 

2023 _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Walter Pobaschnig, 9_23

https://literaturoutdoors.com