„In der Kunst kann man frei sein“ Lena Inosemzew, Künstlerin _ Leipzig 25.1.2024

Liebe Lena Inosemzew, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Morgen beginnt mit einer Tasse Kaffee, dabei starre ich auf den Morgenhimmel hinter dem Fenster – eine Art Meditation und Einstimmung auf das Kommende. Dann geht es wirklich danach, was der Tag bringt: den Job oder die Zeit im Atelier, tägliche Routinen, schreiben, eine Ausstellung besuchen, Familie anrufen… Ich bin sehr spontan und lege mir nichts fest. Und das Leben ist für mich nie langweilig. Ich wünsche mir aber mehr Zeit für meine Kunst.

Lena Inosemzew, Künstlerin,
Schriftstellerin, Kunst
– und Literaturwissenschaftlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Jetzt wie auch immer (und das ist meine feste Überzeugung seit Jugendjahren) sind für uns wichtig der Frieden und die Freiheit. Auch, wenn es um persönliches geht: der innere Frieden und die innere Freiheit.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Den Zeitgeist zu erkennen und zu verstehen, und sich selbst als eine Persönlichkeit zu bewahren. In der Kunst kann man frei sein. Die Kunst sagt uns viel über uns selbst und über unsere Zeit. Der Zeitgeist wird in der Kunst sichtbar. Ich glaube aber, die Rolle der Kunst wird oft falsch geschätzt, indem ihr die Rollen der Politik, oder der Philosophie, oder der Bildung zugeschrieben werden. Kunst kann trösten. Kunst kann befreien. Kunst kann ein Spiegel sein, in dem wir uns betrachten, – eine Art des „Zauberspiegels“ sogar, in dem man das wahre Bild von sich selbst sieht. Für mich persönlich ist auch wichtig, dass die Kunst vor allem Kunst bleibt und ihre eigenen Ausdrucksmittel verwendet. Sonst kann sie schnell zu Propaganda werden, was ich in meiner Kindheit in der Sowjetunion auch erlebt habe. Kunst kann politisch sein, aber kann die Politik nicht ersetzen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese vieles parallel und viel von zeitgenössischen Autoren, besonders die zeitgenössische Lyrik. Gerade jetzt lese ich 2023 erschiene Erzählung des jungen Leipziger Literaten Nils Müller, die heißt „Zwei Handbreit oder Die Mutter des Malers, ruhend“. Und „Die Schwestern Makioka“ von Junichiro Tanizaki.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das sind zwei Zitate aus der Erzählung „Die Katze“ der frühgestorbenen Leipziger Literaten Anatolij Grinvald.

„Poesie ist die Konzentration und die Weitergabe der positiven Energie (Energie plus) von Mensch zu Mensch mittels eines äußerst kompakten Texts (das heißt, durcheine große Anzahl assoziativen Lösungen)“.

Und:

„Nun, der Kommunismus verlor für dich an Reiz, als du noch ein Teenager warst. Aber auch andere Religionen fanden keinen Platz in deinem Herzen. Also hast du dir eine eigene ausgedacht. Sozusagen: zur inneren Anwendung“.

(Anatolij Grinvald: Die Katze. In: Thomas Böhm, Robert Geselle und Ulrich Schreiber (Hg.): Ein Literarischer Rettungsschirm für Europa. Berlin 2013, S. 40-51. Übersetzt von Alexander Nitzberg).

Vielen Dank für das Interview, liebe Lena, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunst-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lena Inosemzew, Künstlerin,
Schriftstellerin, Kunst
– und Literaturwissenschaftlerin

Zur Person _  Lena Inosemzew wurde 1975 in Kasachstan geboren. Sie studierte Kunst in ihrer Heimatstadt Semipalatinsk, arbeitete als Kunstpädagogin, Illustratorin und Bühnenbildnerin sowie als Journalistin und Redakteurin.

An der Leipziger Universität absolvierte sie die Studiengänge Slavistik und Kunstgeschichte. Gründerin des mehrsprachigen Literaturzirkels buterbrod. 2012 – 2022 Kuratorin bei G 11 art project Leipzig Spinnerei. Doktorandin an der Ruhr-Universität Bochum im Fach „Russische Kultur“.

Zahlreiche literarische, wissenschaftliche und journalistische Publikationen in Deutschland, Kasachstan, Russland, Ukraine, USA.

Einzel-und Gruppenausstellungen in Deutschland, Kasachstan, Südkorea und in der Türkei. Zurzeit lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin malerisch und literarisch in Leipzig.

Foto_ privat.

Walter Pobaschnig _ 14.1.2024

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Station bei Falco _ „Seine Zielstrebigkeit und sein Mut zu Neuem“ Julia Gradl, Musikerin _ Hotel Regina Wien 25.1.2024

Julia Gradl, Musikerin, Model_ Wien_
acting Falco_80thies _
Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)
Julia Gradl, Musikerin _
Bösendorfer Suite Hotel Regina Wien _ 20.1.2024
Julia Gradl, Musikerin, Model_ Wien_
acting Falco_80thies _

Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Liebe Julia Gradl, welche Bezugspunkte gibt es von Dir zu Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)?

Als Falco starb war ich 6 Jahre alt und ich glaube mich zu erinnern, dass ich diese Schlagzeile durch meine Eltern aufgeschnappt habe. Seine Hits wie Rock me Amadeus, Jeanny oder Der Kommissar hab ich in der Jugend regelmäßig gehört. Bedeutend war für mich die Doku Falco – Verdammt wir leben noch (2008).

Was macht für Dich den Künstler Falco aus?

Sein einzigartiger (Musik-)Stil: Sein Spiel mit Sprache und Wort, Rhythmik, Artikulation, Präzision.

Gibt es Lieblingssongs?

Ja, Ganz Wien.

Wien ist geprägt von Falcos größten beruflichen Erfolgen und privatem Glück wie auch den Schattenseiten beider. Wie siehst Du den Künstler und Menschen Falco?

Da tu ich mir schwer das einzuschätzen. Aber wohl als ein Bündel aus Genialität und Selbstzerstörung.

Träume, Sehnsucht, Erfolg wie Enttäuschung, Angst finden in Kunst wie Leben Falcos eindringlichen, intensiven Ausdruck. Wie gehst Du mit diesen Lebensthemen künstlerisch und persönlich um?

Ich lebe mit meinen Träumen, schreibe sie auf, manche male ich auch. Ich lerne viel von ihnen und die Symbolsprache fasziniert mich zutiefst. Ich versuche mit Themen wie Enttäuschung oder Angst singend umzugehen. Das klingt jetzt vielleicht abgehoben. Aber: wenn ich singe trete ich in Verbindung mit meinem spürenden Wesenskern und Themen werden eingeladen sich nicht zu verknarzen, sondern durch-/ oder abzufließen. Das gelingt nicht immer, weil ich das nicht immer erlauben oder zulassen kann. Dennoch: Das ein oder andere Lied von mir ist so entstanden. Singen ist mein transformierendes Ventil. Neben dem Singen ist es das „Rudel“ um mich, das mich verbunden fühlen lässt und dadurch schwierigere Phasen oder Themen leichter zu bewältigen sind.

Im Falco Song „Junge Römer“ geht es um Lebensfreude, Lebenslust. Was bedeutet dies für Dich heute?

In erster Linie Dankbarkeit und sich in sich zu Hause und wohl zu fühlen. Mal verstärkt sich das Gefühl beim Tanzen, mal beim stillen Dasitzen und Meditieren. Mal beim ausgelassen Feiern, mal beim Spazieren im Wald. Ein anderes Mal ist es vielleicht nur ein Blickkontakt, der einen spüren lässt: ja! -Und ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Empfänglich werden für die kleinen besonderen Momente…

Du bist Musikerin, Model. Hättest Du Dir ein Projekt mit Falco vorstellen können und wenn ja, welches?

Wenn ich ehrlich bin, nein. Am ehesten hätte ich gern mal Unterricht bei ihm genommen. Das fällt mir gerade ein J

Es ist ein großartiger Style, den Du zum Fotoshooting hier gewählt hast. Was bedeutet Dir Mode, Style?

Für Fotoshootings oder Konzerte überleg ich mir gern was und lass meinem Gespür für Ästhetik, Farben, Stoffe und Styling freien Lauf. Das macht mir dann auch richtig viel Freude. Auch im Alltag spiel ich gern mit Outfits, nehme das aber nicht allzu zu ernst und wichtig. Hauptsache die Kleidung hält mich warm, ist nicht zu eng und ich fühl mich wohl. Ich versuche meinen Kleiderschrank möglichst klein und überschaubar zu halten.

Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?

Ich schreibe an neuen Liedern. Auch Veröffentlichungen mit dem Duo KARDAMOM.T stehen bevor.

Was kannst Du als Künstlerin von Falco mitnehmen?

Seine Zielstrebigkeit und sein Mut zu Neuem.

Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?

F – Falke (Überflieger)

A – Alles und Nichts

L – Legende

C – Checker

O – originär


Julia Gradl, Musikerin, Model_
Wien_
acting Falco_80thies _
Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)

Station bei Falco_80thies

Julia Gradl, Musikerin, Model_ Wien_
acting
Falco/80thies

Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik) Wien

Fotos_Hotel Regina_Wien. Falco war hier Hotelgast

Vielen Dank, liebe Julia Gradl, für Deine Zeit in Wort und Bild bei Falco, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

Alle Fotos&Video, Interview _ Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com 1/24

„Good forest dark“ Andrew Levitsky, artist _Give Peace A Chance _ Kyiv/Ukraine 24.1.2024

GIVE PEACE A CHANCE

G ood forest dark

I tem DANTE

V ery good for myself

E ast have a chance


P athway had been lost

E asy Midway

A ction number one

C ountry of Love

E mpty room


A ctor of our life


C ourse to Peace

H ard life, For the straightforward pathway had been lost

A ccompaniment with violine  

N eighbour from Italia

C ongratulations

E xcellent friends



‘’Midway upon the journey of our life

I found myself within a forest dark,

For the straightforward pathway had been lost.’’

DANTE

Andrew Levitsky, 21.1.2024

Beetle Tree. Garden, Intaglio, 2020, This work was Awarded: Andrew Levitsky, Kyiv, Ukraine, Beetle Tree. Garden, 2nd Prix catégorie «Gravure» Mention: Contemplation, Atelier Kitchen Print, Kitchen Print Biennale 2019 / 2020, France.
Andrew Levitsky, professional Artist & Printmaker, Master of Arts

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Andrew Levitsky, professional Artist & Printmaker, Master of Arts

Andrew Levitsky

Professional Artist & Printmaker, Master of Arts, Kyiv, Ukraine.

Born: 1961 Kyiv, Ukraine.

Study: 1986-1992 National Ukrainian Academy of Fine Art, Studio of Graphic Arts.

Study: 1993-1996 National Ukrainian Academy of Fine Art,

Post Graduate Course: Studio of Graphic Arts with Academician G. Yakutovich,

Studio of Graphic Arts with Academician M. Deregus.

From 1996 he becoming a Master in Graphic Arts.

Specializing in Graphic Arts: Intaglio, Etching, Colour Print, Mono-print, Mezzotint, Watercolor, Mini-prints and Ex-libris / Bookplate /.

From 1992 – Member of National Artists Union of Ukraine.

Member Graphic Guild of Kyiv Artists Union. Numerous Exhibitions in Ukraine and Abroad since 1987. Since his student days he has actively participated in prestigious international competitions in different fields of graphic arts.

Andrew Levitsky is the winner of the 25 international awards and two international grants to solo show in Japan, 1992, 1995-1996

for his best works in the field of Intaglio Printmaking Arts.

Numerous Publication Personal Catalogues and Booklets of Graphic Art,

design by Andrew Levitsky, since 1998.

Lives and work in Kyiv, Ukraine

Contact to Andrew Levitsky

https://www.facebook.com/andrew.leviysky.1

laart@i.ua

levitskyadik@gmail.com

Fotos_ portrait/artAndrew Levitsky

Walter Pobaschnig _ 21.1.2024

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„sich nicht zu verstricken, nicht verstricken zu lassen von unlauteren Maschen“ Heike Fiedler, Schriftstellerin _ Genf 24.1.2024

Liebe Heike Fiedler, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Betonung auf jetzt. Ich schreibe, lese, sehe Filme, die letzten: Anatomie d’une chute, Subtraction, Perfect Days. Ich übersetze und überlese, teils auf Anfrage, teils aus eigener Motivation. Ich hatte gerade zwei Tage meine Enkelkinder zu Besuch, mache Yoga, schwimme und habe einen neuen Text im Rahmen meines Endlos-PhD-Projektes verfasst. Ich denke an Vergangenes (München, Abidjan im Dezember) und an Kommendes in Verbindung mit meiner Dichtung, meinem Schreiben, meiner Performance-Arbeit und ans nächste Event, 15. Januar, Literaturhaus Zürich: Weltenlesen. Vor mir eine dunkelblaue Teekanne, rechts der Blick auf das Wortbild an der Wand: crisis

Heike Fiedler, Schriftstellerin_
sound and visual artist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Frieden. Doch selbst das Wort ist schon kompliziert geworden. Der Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, Terror und Krieg im Nahen Osten.

und

Entpatriarchalisierung. Das könnte mit Frieden einhergehen. Vielleicht. Aber es geht bei der Entpatriarchalisierung ja um mehr, um vieles, um die Rechte der Frauen, der Mädchen, um die Sensibilisierung gegen strukturelle, psychische und physische Gewalt, der wir – hier kollektiv gedacht – zu oft immer wieder ausgesetzt sind. Daran denken, trotz (auch wegen) der Kriege in der Welt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich will nicht Neubeginn sagen, eher Weitermachen. Wir stehen an einem neunen Punkt in den Rhizomen des Weitermachens, ein neuer Knotenpunkt. Wesentlich ist, sich nicht zu verstricken, nicht verstricken zu lassen von unlauteren Maschen, zum Beispiel Hetzreden, (social) media Manipulation, Entwurf von Feindbildern zur Rechtfertigung von dominanten und/oder zerstörenden Strukturen. Literatur und Kunst re-agieren in der Gegenwart auf selbige, sind oft Widerstand gegen Macht und Gewalt. Manchmal lesen wir Texte von damals, holen sie in unsere Gegenwart hinein. Dann sind sie Widerstand gegen das Vergessen.

Ich bin mit der Nachkriegsliteratur sozusagen aufgewachsen, in sie reingewachsen worden. Es wäre falsch, zu sagen, mich interessiere die politische Seite von Literatur und Kunst nicht. Sei sie auch Auslöser von vehementen Diskussionen, Rücktritten, Austritten, von Debatten immerhin.

Literatur und Kunst sind das Treibende, das, was Bewegung im Denken einfordert, aber nicht erzwingt. Es sind die politischen Regime, die versuchen, Schriftsteller:innen und Künstler:innen in die Knie zwingen, sozusagen, beziehungsweise, je nach Ort, in Gefängnisse, Lager, Isolation, manchmal den Tod.

Was liest Du derzeit?

Ich habe gerade «La vie tranquille» von Marguerite Duras beendet, liege in den letzten Seiten des Buches «Glück» von Dragica Holzner, in meiner nächsten Nähe liegt das Buch «In jeden Fluss mündet ein Meer» von José F. A. Oliver.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wer es könnte

die Welt

hochwerfen

daß der Wind

hindurchfährt.

(Hilde Domin)

la poésie … dem Schweigen stets einen Vers voraus

(Heike Fiedler)

Vielen Dank für das Interview, liebe Heike, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Heike Fiedler, Schriftstellerin_
sound and visual artist

5 Fragen an Künstler:innen:

Heike Fiedler, Schriftstellerin, sound and visual artist

https://heikefiedler.ch/

Fotos _ 1 Jean-Michel Etchemaïté; 2 genevAfrika.

Walter Pobaschnig _ 6.1.2024

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„Kunst könnte eine wichtige Form des Widerstands sein, um alle Probleme sichtbar zu machen“ Shahrzad Nazarpour, Regisseurin _ Wien 23.1.2024

Liebe Shahrzad Nazarpour, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Shahrzad Nazarpour, Regisseurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, es ist vor allem für uns wichtig, einander zu unterstützen. Dies geschieht, wenn man sein Ego kontrolliert.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst könnte eine wichtige Form des Widerstands sein, um alle Probleme sichtbar zu machen.

Was liest Du derzeit?

Hässlichkeit von  moshtari hilal

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Suche das Licht nicht im Außen, finde das Licht in dir und lass es aus deinem Herzen strahlen.“ Das Zitat ist von Rumi

Vielen Dank für das Interview, liebe Shahrzad, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Shahrzad Nazarpour, Regisseurin, Performerin

Zur Person _ Shahrzad Nazarpour ist im Iran aufgewachsen und studierte dort Theater und Kunst. 2020 hat sie ihr Studium in der Klasse für Transmediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien aufgenommen. Mit ihrem Solo Hijab offline war sie Teil der ersten Ausgabe von Skin – Performancefestival für junge Erwachsene im Dschungel Wien.

Aktuelles Projekt _

Lemniskate / Unendliche Hoffnung

Eine Kooperation des Theater Nestroyhof Hamakom_Wien mit Shahrzad Nazarpour und Morteza Mohammadi

Lemniskate – Unendliche Hoffnung„ 
Szenenfotos/folgende

Infos zum Projekt

Im andauernden Kampf die Hoffnung nicht zu verlieren, ist nicht einfach. In der Performance Lemniskate erinnern uns die Performer*innen Shahrzad und Morteza, dass wir im ermüdenden Kampf für Gerechtigkeit die Hoffnung nicht aufgeben dürfen. Sie verkörpern Widerstand gegen die biografisch erlebten Zwangsregime und erkunden, wie die Einteilung von Menschen in totalitären Staaten funktioniert. Dabei plädieren sie für Befreiung und das Recht auf Lebendigkeit. Mit all ihren Sinnen und Sehnsüchten stellen sie sich eine tänzerische Welt vor, die ihre Lebendigkeit und künstlerischen Ausdruck schätzt und können dabei eins nicht: Sich eine Revolution und Veränderung ohne Tanz vorstellen.

Nach dem leidenschaftlichen Leitsatz der politischen Aktivistin Emma Goldman: If I can’t dance, I don’t want to be part of your revolution gehen die Performer*innen auf die Suche nach internationaler Solidarität. Mittels Bewegung, Tanz und Spoken Word verarbeiten sie ihre Migrations- und Fluchterfahrungen und brechen mit binären und einengenden Zuschreibungen.

REGIE & KÜNSTLERISCHE LEITUNG

Shahrzad Nazarpour

Performers: Morteza Mohammadi, Shahrzad Nazarpour

https://www.hamakom.at/lemniskate

Das Projekt wurde realisiert im Rahmen von SHIFT. Gefördert vom BMKÖS. 

Termine:

8. und 9. Februar 2024, jeweils um 20.00 Uhr,

Theater Nestroyhof Hamakom _ Wien

https://www.hamakom.at/der-ort


Foto/Portrait _ © Luca Celine Müller

Szenenfotos „LemniskateUnendliche Hoffnung“ _ (c) Marija Sabanovic

Foto _ Theater Hamakom_ Ludwig

Walter Pobaschnig _ 12.1.2024

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„Sisi – das geheime Leben der Kaiserin“ Katrin Unterreiner. Ueberreuter Verlag.

Elisabeth, Tochter des Herzog Max Joseph von Bayern und der Prinzessin Ludovika, ist sechzehn Jahre alt als sie die Ehe mit Kaiser Franz Joseph I von Österreich eingeht.

Es ist ein Lebenseinschnitt, der nun zur großen privaten Veränderung wie Herausforderung im weiteren Weg von Familie, Krone und allen gesellschaftlichen wie politischen Wegen und persönlichen Dramen führt.

Die umjubelte junge Kaiserin und spätere Königin von Österreich/Ungarn sucht im starren Korsett der Etikette des Kaiserhofes Freiräume zu finden, die ihr Möglichkeiten eröffnen, ihre persönlichen Interessen, Wertigkeiten, Lebensanschauungen zu verwirklichen. Dies betrifft Freunde, vertraute Persönlichkeiten, das Führen eines poetischen Tagebuches, Reisen und längere Aufenthalte fern des Wiener Hofes wie den Lebensstil und deren ganz persönliche Ausrichtung.

Doch wie sahen nun diese Tage „Sisis“ am Hof in Wien, auf Reisen und an fernen Lebensorten aus? Was war ihr dabei wichtig? Und was wissen wir heute darüber?

Katrin Unterreiner, Kunsthistorikerin und langjährige wissenschaftliche Leiterin der Schloss Schönbrunn Ges.m.b.H. und Kuratorin des 2004 eröffneten Sisi-Museums, legt mit „Sisi – das geheime Leben der Kaiserin“ einen ganz besonderen Beitrag zum Leben Elisabeth von Österreichs (*1837 Weihnachtsabend München +1898 ermordet in Genf) vor, der viele neue Zugänge und spannende, interessante Hintergründe eröffnet.

Das Buch ist in achtzehn Kapitel aufgebaut und bietet einen sehr gut mit dem Lebenslauf und dessen prägenden Einschnitten abgestimmten Über- und Einblick in tägliche Routinen am Kaiserhof wie den besonderen Akzenten, welche die Kaiserin bis zu ihrem Tod selbstbewusst und bestimmt setzte.

„Eine besondere persönliche Zeitreise zum Leben Elisabeth von Österreichs und dessen bisher unbekannten Routinen und Freiheiten“

Walter Pobaschnig 1/24

„Sisi – das geheime Leben der Kaiserin“ Katrin Unterreiner. Ueberreuter Verlag.

Hardcover mit Schutzumschlag

200 Seiten

Abmessungen 15,1cm x 21,6cm

ISBN: 978-3-8000-7851-6

€ 25,00

Walter Pobaschnig  1/24

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„Ein Gewissen zu haben und uns daran erinnern, dass wir Menschen sind“ Björn Hayer, Schriftsteller _ Lemberg/D 22.1.2024

Lieber Björn Hayer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Schreiben und lesen, um nicht wahnsinnig zu werden. Wachsein in der Nacht, um nicht der Finsternis einer zunehmend beklemmenden Welt zu erliegen. Eremitisch sein, bis mich die Welt wieder hinausdrängt, hinein in das Theater, den irgendwie letztem Wort, wo man im Schein noch Wahres findet

Björn Hayer, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ein Gewissen zu haben und uns daran erinnern, dass wir Menschen sind. Wir glauben zu oft, dass uns die Moral an die Spitze der Schöpfung stellt und zur Abgrenzung dient. Dies ist ein Trugschluss. Moral befähigt uns dazu, uns mit allen Wesen verbunden zu sehen. Sie befähigt uns dazu, Gutes tun zu können. Dessen sollten wir uns gewahr werden, wenn wir all die Kriege auf dieser Welt in den Blick nehmen, sowohl die offensichtlichen zwischen Menschen und den Konstruktionen von Nation, als auch die versteckten, barbarischen zwischen den Spezies, also zwischen Mensch und Tier

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Zunächst stellt die Kunst das Medium der Utopie dar. Sie kann aufbrechen in unbekannte Gefilde und uns, wie Bloch schreibt, einen Vorschein des Noch-Nicht-Gewordenen vermitteln. Jenseits von sicherlich angebrachten Dystopien, die wir in den vergangenen Jahren zur Genüge gelesen und gesehen haben, würde ich mir noch mehr von diesem Möglichkeitssinn wünschen. Soweit zum Zweckoptimismus.

Was Kunst jedoch auch vermag, ist zu verhindern, dass wir leer und stumm werden. Man verkommt in dieser Katastrophenmeldungsflut und verlernt, wahres Gefühl zu erleben. Dieses kann uns berührende Kunst wiedergeben, in Emotionen wie Traurigkeit genauso wie großer Freude. Sie bietet Möglichkeiten intensiven Erlebens, was zugleich all das so nötige trostspendende Potenzial von Literatur, Theater, Kino, Musik und Malerei freisetzt

Was liest Du derzeit?

Ganz viel Marguerite Duras für ein Auftragsbuch. Und damit ganz viel Liebe mitsamt ihrer sinneserweiternden und selbstzerstörerischen Sprengkraft

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Dieses kurze Gedicht von Rilke:

Bist du so müd? Ich will dich leise leiten

aus diesem Lärm, der längst auch mich verdroß.

Wir werden wund im Zwange dieser Zeiten.

Schau, hinterm Wald, in dem wir schauernd schreiten,

harrt schon der Abend wie ein helles Schloß.

Komm du mit mir. Es soll kein Morgen wissen,

und deiner Schönheit lauscht kein Licht im Haus …

Dein Duft geht wie ein Frühling durch die Kissen:

Der Tag hat alle Träume mir zerrissen, –

du, winde wieder einen Kranz daraus.

Vielen Dank für das Interview, lieber Björnviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Björn Hayer, Schriftsteller

5 Fragen an Künstler*innen:

Björn Hayer, Schriftsteller

Zur Person _ Björn Hayer schreibt Lyrik, Essays und Prosa, zudem ist der 1987 in Mannheim geborene und habilitierte Germanist als Literatur- und Theaterkritiker tätig.

Fotos_ privat

Walter Pobaschnig _ 8.1.2024

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„Come and have – a new colour ensemble“ Bernhard Fleischmann, Musiker _ Give Peace A Chance _Wien 22.1.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Gemeinsam

Ist

Viel(es)

Einfacher



Politik

Ermöglicht

Aktuell

Chancenreichtum

Ewiggestriger



Aber



Come and

Have

A

New

Colour

Ensemble

Bernhard Fleischmann, 13.1.2024

Bernhard Fleischmann, Musiker, Autor

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Bernhard Fleischmann, Musiker

Zur Person _b. fleischmann

Geboren 1975, lebt als freischaffender Musiker in Wien. Seit 1998 Beschäftigung mit elektronischer Musik. 1999 veröffentlicht er auf den neuen Labels „Morr Music“ und „charhizma“ sein Debut „pop loops for breakfast“. Es folgen weltweit etliche weitere Veröffentlichungen auf internationalen Labels. Für „Welcome Tourist“ erhielt er 2003 den „Qwartz Electronic Music Award“ in der Kategorie bestes Album. 2008 erscheint „Angst Is Not A Weltanschauung“ – ein Album, das von MICA – music austria unter den Top Ten Records aus Österreich in der Dekade 2000–2010 gelistet wird. 2018 erscheint das Album „Stop Making Fans“ auf Morr Music, 2022 das Album „Music For Shared Rooms“ mit ausgewählten Stücken von Theater und Filmmusik. Konzerte und Tourneen fanden in den letzten Jahren weltweit statt. Neben seiner Tätigkeit als Musiker und Remixer ist b. fleischmann auch als DJ und Produzent tätig.

Seit 2001 arbeitet b. fleischmann auch regelmäßig an Theater – und Filmmusik im In- und Ausland.

Für die Filmmusik zu Katharina Mücksteins Film „L´Animale“ erhielt b. fleischmann 2019 den Österreichischen Filmpreis in der Kategorie „Beste Filmmusik“, sowie den „Award For Best Original Score“ beim französischen „Festival De Cinema Europeen Des Arcs“.

2003 den den Qwartz Electronic Music Award (Frankreich) für das beste Album „Welcome Tourist“

Weitere Infos zu Veröffentlichungen, Film und Theater Projekten:

http://www.bfleischmann.com

info@bfleischmann.com

http://www.facebook.com/b.fleischmannofficial

Foto_Walter Mussil

Walter Pobaschnig _ 15.1.2024

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„auch abseits der Bühne mehr Vertrauen und Verständnis zu spüren“ Christina Zauner, Tänzerin _ Sydney/AUS 21.1.2023

Liebe Christina Zauner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Auf Tour beginnt mein Tag meistens mit der Suche nach gutem Kaffee. Ich versuche all die Orte an die ich reise, hauptsächlich zu Fuß zu erkunden. Mein Alltag variiert zwischen 4 unterschiedlichen Möglichkeiten. Entweder gibt es abends eine Vorstellung, 8 Stunden Training oder Proben, ein Reisetag oder ein „Day off“.

Mein Beruf verlangt sehr viel Flexibilität, ich reise mit einem 23kg Koffer der Kleidung für alle Jahreszeiten enthält. Somit ist verändern sich meine Tagesabläufe sehr häufig. Routine ist selten vorhanden.

Christina Zauner: Tänzerin, Akrobatin, Choreographin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Liebe, Offenheit, alte Gewohnheiten loslassen, um Raum für Neues zu schaffen und zuhören, besonders den Menschen, die oft nicht die Möglichkeit bekommen, verstanden zu werden.

Vertrauen und Körperkontakt sind ein sehr wichtiger und präsenter Teil meines Berufs. Wir schmeißen unsere Körper aneinander, übereinander, werden aus mehreren Metern in der Luft aufgefangen. Oft werden wir nach Vorstellungen gefragt, wie lange es dauert, dieses Vertrauen aufzubauen. Sicher zu sein, dass ich gefangen werde und nicht am Boden lande. Im Zirkus ist Vertrauen selbstverständlich, es ist von Anfang an da, bis das Gegenteil bewiesen wird. Es ist menschlich Fehler zu machen und manchmal passieren Unfälle, jemand verletzt sich. Trotzdem ist es so unglaublich einfach, zu verzeihen und wieder zu vertrauen. Ich würde mir wünschen, auch abseits der Bühne und außerhalb meines Berufs mehr Vertrauen und Verständnis zu spüren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Kunst gibt mir die Möglichkeit, dem häufig turbulenten Alltag zu entfliehen. Sie ermöglicht mir, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und ohne zu bewerten, wohin meine Fantasie wandert. Niemand kann darüber entscheiden, welche Reaktionen Kunst in uns auslösen kann und wird. Ich genieße es von Emotionen überrumpelt zu werden, die Kunst in mir hervorruft.

Sie kann neue Denkanstöße erzeugen, dabei helfen Situationen aus einer anderen Sichtweise zu betrachten.

Sie kann Achtsamkeit wecken, kritisieren und Probleme in unserer Gesellschaft aufzeigen und gleichzeitig Raum für Emotionen, Erleichterung und Freude schaffen.

Was liest Du derzeit?

Männer töten – Eva Reisinger

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

NIPSILD – ein Wort das mich dank meines Vaters mein Leben lang begleitet.

„Nicht in Problemen sondern in Lösungen denken.“

Christina Zauner: Tänzerin, Akrobatin, Choreographin

Vielen Dank für das Interview, liebe Christina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Akrobatik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler:innen:

Christina Zauner: Tänzerin, Akrobatin, Choreographin

Zur Person _  Christina Zauner: Tänzerin, Akrobatin, Choreographin
Christina wurde 1995 in Oberösterreich geboren. Sie verspürte schon sehr früh ihre große
Leidenschaft zum Tanz und Akrobatik, die sie bis zum heutigen Tag schon auf einige der größten internationalen Bühnen und vor die TV- und Film- Kamera gebracht hat. 2014 schloss sie ihre Ausbildung am MUK in Wien ab.

Zusätzlich erlernte sie die Kunst der Luftakrobatik in den Bereichen Aerial Straps, Bungee, Vertical Dance, Aerial Hoop. Diese Aerial Kenntnisse führten sie bereits als „Stunt Double“ in die Wiener Staatsoper, zu den Thunerseespiele als „Victoria“ im Musical „Cats“ uvm. Vor der Kamera war sie unter anderem beim Eurovision Songcontest, der „Helene Fischer Show“ und auf der Kinoleinwand im Film „Im weißen Rössl“ und „Zauberer“ zu sehen.

In den folgenden Jahren war sie mit der irischen Kompanie „Fidget Feet“ auf Tour und als
Artistin und Choreographin im Krystallpalast Leipzig tätig. Seit 2021 ist sie Teil des Ensembles der australischen Contemporary Circus Company „CIRCA“. Seitdem tourt sie mit Shows wie u.a. „Humans“, „Humans 2.0“, „Sacre“, „Peepshow“ durch die Welt.

Im Jänner 2024 hatte sie gemeinsam mit Circa und Opera Australia ihr Debut als Circus Artist im Sydney Opera House in „Orpheus & Eurydice“.


In Österreich wird Christina mit einer neuen Show namens „Urlicht Primal Light“ von Circa
gemeinsam mit Musicbanda Franui, am 6. April in Bad Ischl zu sehen sein.

Darauf folgt eine kurze Spielzeit an der Wiener Staatsoper in „The Tempest“, bevor sie wieder auf Tour geht.

Fotos_ 1 Marlon H.; David Kelly 2 & 6; Jean-Francois Savaria: 3&5 Jean-Francois Savaria; 4 & 9; Cliff Kapitals; 7 Keith Saunders; 8 Bernhard Wolf.

Walter Pobaschnig _ 17.1.2024

https://literaturoutdoors.com

„Kunst lässt einen über sich selbst lernen“ Katrin Koch, Sopranistin _ Wien 20.1.2024

Liebe Katrin Koch, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Ich bin kein Morgenmensch, daher brauche ich länger, bis ich aus dem Bett komme, die Schlummertaste beim Wecker kommt schon öfter zum Einsatz. Morgens trinke ich dann erstmal viel Leitungswasser, dann gibt es täglich frisch gepressten Gemüse/Obstsaft das gibt mir viel Energie. Danach bearbeite ich Organisatorisches das ansteht, Mails beantworten, Anrufe, Termine planen, etc. Neben meiner Gesangstätigkeit unterrichte ich auch, somit gibt es auch immer etwas für den Unterricht für meine GesangsschülerInnen vorzubereiten.

Katrin Koch, Sopranistin

Je nachdem, was gerade ansteht sind meine Tage dann eine Mischung aus sich um meine SchülerInnen kümmern, neue Lieder/Oratorien/Arien lernen und üben, Konzertprogramme konzipieren (mein Mann und ich haben einige Konzertformate entwickelt, in denen es mir wichtig war, herkömmliche Strukturen ein wenig aufzubrechen, die Menschen mehr in das Geschehen zum Beispiel eines Liederabends mit hineinzunehmen.

Wir spielen zum Beispiel eine szenische Schöne Müllerin mit Müllerin, die die Handlung durch andere Schubert Lieder ergänzt oder auch in den direkten Dialog mit dem Müllersgesellen tritt. Der Abend hat zwei mögliche Enden, das Publikum kann in der Pause abstimmen, wie es ausgeht. Selten hatte ich so aufmerksames Publikum in einem Liederabend, die Menschen sind ganz dabei und bilden sich eine Meinung, die sie in der Abstimmung kundtun können. Jedes Mal wieder, wenn wir die Müllerin spielen freue ich mich wahnsinnig, wenn ich mitbekomme, wie das Publikum in der Pause darüber diskutiert, wie es mit der Handlung weitergehen soll, dann habe ich das Gefühl ich habe meine Aufgabe erfüllt, die Musik ist bei den Menschen angekommen.)

Und um Essen und Haushalt muss sich natürlich auch gekümmert werden, das mache großteils ich aber mein Mann unterstützt mich sehr, wenn er merkt mein Tagesplan ist sehr dicht.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube es wird immer wichtiger und unerlässlicher, dass jeder mehr zu sich kommt. Wir sind alle täglich umgeben von so vielen Ablenkungen, das Leben ist nicht mehr darauf ausgerichtet, dass man sich einfach mal hinsetzt und still wird. Aber erst wenn man still ist, kann man wirklich hören was im Inneren so vor sich geht, bekommt man eher mi, wenn man an einer Weggabelung kurz davor ist falsch abzubiegen oder dass man mitunter Lebenszeit damit verbracht hat sein Leben nicht so zu leben, wie es einem besser entsprechen würde. Ich habe den Eindruck bei vielen Menschen stauen sich durch die Schnelllebigkeit und Wuseligkeit unserer Zeit soviele Emotionen auf, die kaum noch bewältigt werden können, vielleicht ist es kein Wunder, dass es immer mehr Krieg gibt und dieser uns hier, wo wir leben immer näher zu kommen scheint. Ich muss oft an ein Zitat denken, das in letzter Zeit immer wieder aufgetaucht ist: „Stell dir vor es ist Krieg doch niemand geht hin“. Klingt so einfach, wäre es meiner Meinung nach letztendlich auch, wenn die Menschheit sich kollektiv für ein freies und friedliches Miteinander entscheiden würde. Aber so weit sind wir Menschen offensichtlich noch nicht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Einen Teil der Antwort habe ich in der obigen Frage denke ich bereits vorweggenommen, des Weiteren bin ich überzeugt davon, dass man ohne Eigenverantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen es in Zukunft schwierig haben wird. Ich versuche mir Fragen zu stellen wie bin ich glücklich, bin ich zufrieden, was fehlt mir, um glücklich und zufrieden zu sein? Manchmal sind es Dinge oder Faktoren, die ich nicht beeinflussen kann, dann arrangiere ich mich damit und versuche in jeder Situation das Positive daran für mich zu erkennen. Aber Vieles kann ich selber ändern und das mache ich dann im Rahmen meiner Möglichkeiten, auch wenn es nicht immer leicht ist. Ich sehe viele Menschen, die im Alltagstrott gefangen sind und von Wochenende zu Wochenende, von Urlaub zu Urlaub leben, und ich glaube die fehlende Freude im Alltag macht viele Menschen krank, ob mental oder physisch. Ich nehme mich auch gar nicht aus, auch ich ertappe mich immer wieder beim Jammern und in einer Unzufriedenheit. Und natürlich ist das beschämendes Jammern auf hohem Niveau, ich habe genug zum Essen, Anziehen und ein Dach über Kopf, eine wunderbare Beziehung und einen Beruf der auch Berufung ist. Genau das ist es auch was als Künstlerin und Sängerin für mich so wertvoll ist, ich kann mit ganz wenigen Mitteln Menschen zum Innehalten bewegen, zum Hören, und sie mit sich selbst und ihren Emotionen in Verbindung bringen. Das ist meiner Meinung nach das Wesen der Kunst, eine Innenschau, wenn man sie zulässt. Was spricht mich an, was macht es mit mir, was fühle ich, was gefällt mir, was finde ich furchtbar, und wichtig: warum? Die Kunst lässt einen über sich selbst lernen, meiner Meinung nach ist das die Voraussetzung, um besser mit sich und in Folge mit anderen klarzukommen.

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Katrin Koch, Sopranistin

Vielen Dank für das Interview, liebe Katrin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler:innen:

Katrin Koch, Sopranistin

Zur Person _  die österreichische Sopranistin Katrin Koch stammt ursprünglich aus Kärnten, wo ihre musikalische Begabung bereits früh erkannt und gefördert wurde. So erhielt sie Unterricht in Klavier, Querflöte und Orgel und war seit frühester Kindheit Mitglied in diversen Chören und Ensembles sowie einige Jahre Organistin in ihrer Heimatpfarre Reichenfels im Lavanttal. Ihre Gesangsausbildung erhielt sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei KS Adele Haas, Adelheid Hornich und Margit Klaushofer, sowie an der Musik und Kunst Privatuniversität Wien bei Angelika Kirchschlager, Birgid Steinberger und Uta Schwabe. Diverse Meisterkurse, wie zum Beispiel bei Helmut Deutsch, Robert Holl, Roger Vignoles, Fiorenza Cossotto, Robert Barefield, Beverly Blankenship, Eiddwen Harrhy, Michael Chance, Andrew King, Irina Gavrilovici u.a. komplementieren ihre künstlerische Ausbildung.

Katrin Koch ist Solistin bei zahlreichen renommierten Festivals und Aufführungsstätten wie zum Beispiel Oper im Steinbruch St. Margarethen, Wiener Musikverein, Wiener Konzerthaus, MuTh Wien, Brucknerhaus Linz, Musikwochen Millstatt, Kammermusikfest Lockenhaus, Liszt Festival Raiding, Carinthischer Sommer Ossiach, Styriarte, Wiener Stephansdom, St.Pauler Kultursommer, Kulturfabrik Hainburg etc. Zusammenarbeit mit Künstlerpersönlichkeiten wie Zubin Mehta, Jordi Savall, Martin Haselböck, Kristjan Järvi, Andrés Oroczo-Estrada, Anja Bihlmaier, Karsten Januschke, Alma Deutscher, Philipp Himmelmann und Philippe Arlaud.

Darüberhinaus bildet Katrin Koch gemeinsam mit ihrem Mann Christian Koch die Formation KOCHkunst, wo eigene innovative Projekte künstlerisch hochwertig umgesetzt werden.

Fotos_ Theresa Pewal

Walter Pobaschnig _ 5.1.2024

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