Christian Tschinkel, Komponist, Sounddesigner, Produzent und Klangregisseur
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Christian Tschinkel, Komponist, Sounddesigner, Produzent und Klangregisseur
Zur Person _ Christian Tschinkel
• Studium der Psychologie und Musikwissenschaft an der Karl-Franzens-Universität, Graz
• Lehrgang für Computermusik und elektronische Medien an der Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien
• Kurs- und Seminarbelegungen in Tontechnik, Musiktherapie, Kulturmanagement, Kapellmeisterausbildung, Filmmusik und Klangregie
• erste musikalische Erfahrungen in verschiedenen Bläserensembles, Blaskapellen und einer Rockband (mit 8-Spurbandmaschine)
• nach Produktionen als Fusion-Trompeter von der Vorstellung geleitet, originäre Musikwerke im Sinne eines Kinos für die Ohren zu schaffen
• seit Mitte der 2000er Jahre Beschäftigung mit akusmatischer Musik
• aufbauend auf Theorien zu Pop(Musik), Entwicklung des Konzepts einer Popakusmatik, das sich auf psychologischer und philosophischer Ebene mit der Wahrnehmung des (alltäglichen und monumentalen) Lautsprecherklanges zwischen Kunst, Musik, Sound und Design befasst
• „Akusmonautik“ als weitergedachte Form der Musikauffassung hinsichtlich Trans-Art, die u. a. die Metapher des Abhörens eines Flugschreibers (in bevorzugter Weise der Black Box eines UFOs) gebraucht.
• Solo-CD-Produktionen
• Musik- und Klanginstallationen
• Publikationen von theoretischen Schriften über Pop-Produktion und Musique acousmatique (World Scientific, Transcript, Athena, Edition FZA u. a.)
• Aufführungen im ZKM Karlsruhe, Vortex London, Loft Köln, TU Wien, Kunsthalle Wien, Hellerfabrik Wien, Ankerbrotfabrik Wien, Traktorfabrik Wien, Wotrubakirche Wien, Kunstgalerie Klasan Wien, Palais Kabelwerk Wien, Echoraum Wien, Alte Schmiede Wien, IEM Cube Graz, ESC Medien Kunst Labor Graz, Volkshaus Graz, Stockwerk Graz, Club Niesenberger Graz, Kunstgarten Graz, Postgarage Graz, Mariahilferplatz Graz, Kasematten Graz, Sonic Lab Linz, Hauptplatz Leoben, \zentrum Judenburg, Museum Eisenerz, Alte Heumühle Neustift/Rappottenstein, Temple of Sound/Rappottenstein, Schmiede Hallein, Schloss Wolkersdorf, Nitschmuseum Mistelbach, u. a.
• Lehrauftrag für Repertoire und Theorie der elektroakustischen und experimentellen Musik an der Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien (Future Art Lab)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Christiane Burghofer, wie liest Du den Text „Undine geht“ (Erzählung, 1961) von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Im Text „Undine geht“ steckt tiefe Enttäuschung und Wut. Wut auf Männer, die über Frauen herrschen wollen. Die sie zu ihrem Vorteil ausnutzen wollen und „wegwerfen“, wenn sie keine Verwendung mehr für sie haben.
„Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Puh, ich fürchte es hat sich viel zu wenig geändert. Wobei ich selber natürlich nicht erlebt habe wie das Leben als Frau vor 60 Jahren war. Ich wünsche mir, dass niemand aufgrund der eigenen Geschlechtsidentität verurteilt und diskriminiert wird. Nie und nirgends. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Sie ist leider allgegenwärtig und ich denke, dass durch das Aufbrechen der patriarchalen Macht vieles einfacher werden könnte.
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander von Mensch und Mensch im gesellschaftlichen Lebens aus. Welche Auswege siehst Du da?
Ich glaube, dass es hilft sich selber gut zu kennen und zu spüren. Dann kann man sich vielleicht auch besser auf andere Menschen einlassen und empathisch handeln.
Was bedeutet Dir Natur?
Für mich ist Natur der beste Energiespender.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?
Empathie, Offenheit, Respekt, Vertrauen
Was lässt Liebe untergehen?
Der Missbrauch gegenseitigen Vertrauens.
Wie war Dein Weg zum Schauspiel?
Über die Musik, Tanz und Musiktheater hab ich schließlich zum Schauspiel gefunden.
Welche Berührungspunkte/Impulse mit/von Literatur gab es bisher in Deinen künstlerischen Projekten?
Im Beruf der Schauspielerin hab` ich als ersten Arbeitsschritt meistens einen Text mit dem ich mich befassen muss. Der Text gibt also in gewisser Art und Weise vor was passiert. Auch wenn dabei natürlich viel Interpretationsspielraum bleibt.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Ich war als Kind schon eine Wasserratte und bin auch heute gern im Wasser, habe aber auch großen Respekt vor der Macht, die Wasser hat.
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Swantje Lampert, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
im besten Fall: Meditation, Gymnastik, mit meiner Hündin spazieren gehen, üben, mittagessen, Mittagsschläfchen (20 min. power nap). Dann was immer ansteht (eine Probe, unterrichten oder weiterüben), abends je nachdem ein Konzert oder eine Probe, ansonsten eventuell noch eine Meditation, eine Jamsession oder einfach schachpielen mit meinem Mann.
Swantje Lampert, Saxophonistin und Komponistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Uns nicht von einer negativen Grundstimmung völlig mitreissen zu lassen, denn das bedeutet Fatalismus. Nicht Reagieren auf das, was falsch läuft, sondern als Vorbild agieren um vorzuleben, wie es anders gehen könnte.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Dass wir uns als Individuen nicht (schon wieder!) in populistischen Ideen verlieren. In Zeiten von Fake News und Chat GPT wird es für die Spezies Mensch zudem überlebensnotwendig sein, sich eine eigene Meinung zu bilden und nicht denjenigen blind zu folgen, die am lautesten schreien.
Während die Literatur intellektuell reflektieren kann spricht die Musik die emotionale Ebene an. Für die psychosoziale Gesundheit der Gesellschaft ist beides wichtig. Convey emotion!
Was liest Du derzeit?
Rick Rubin: „kreativ. Die Kunst zu sein.“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wer das Unerhoffte nicht zu hoffen wagt, wird es nie erlangen.“ Heraklit
Vielen Dank für das Interview liebe Swantje, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Swantje Lampert, Saxophonistin und Komponistin
Zur Person _Swantje Lampert studierte Jazzsaxophon am Konservatorium der Stadt Wien und „Contemporary Writing and Production“am Berklee College of Music in Boston (MA), (Graduierung Summa cum Laude 2009), sowie ev. Theologie an der Universität Wien (BTheol., 2022).
2010 gründet sie gemeinsam mit der Pianistin Barbara Rektenwald die Band „The FeMale Jazz Art.“ (CDs: „MOODS“, 2010, ATS-Records, „Auf nach Spitzbergen“, 2012, ATS-Records)
Zusammenarbeit als Saxophonistin und Komponistin mit: Barbara Bruckmüller Big Band, Vienna Big Band Unit, Alexander Ehrenreich Big Band, Kalistos Orchestra, Richard Oesterreicher, Gina Schwarz, Betty Semper, Cleo Panther, Julia Siedl uvm.
2019 gründet Swantje Lampert ihr eigenes Projekt „SWANtje“ mit dem Bassisten Karol Hodas und dem Schlagzeuger Christian Eberle. Das Debütalbum „NOW!“ erschien 2020 bei Alessa Records und bekommt außerordentlich gute Pressestimmen (u.a. Platz 3 Falter Album Charts des Jahres 2020). 2023 erschien das Folgealbum „Phönix“(ebenfalls Alessa Records).
Lieber Johann Seidl, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mit den letzten Wochen bis Jahresende 2023 wochentags offiziell noch ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zwischen Homeoffice und Büro. Wenn ich endlich eine Idee habe, mache ich demnächst das Mittagessen für meine hart arbeitende Frau.
Ansonsten pendle ich zwischen Garten, Pinsel, Pixel und Schreibmaschine – und das wortwörtlich, meine Aufmerksamkeitsspanne gleicht der einer Eintagsfliege. Dann freue ich mich des Lebens, wenn ich kann, was nicht immer der Fall ist, sogar eher selten…
Nachts bin ich froh, dass wieder ein Tag geschafft ist und bald das Licht ausgeht.
Johann Seidl, Poet und Autor, Lieder- und Bildermacher, Naturgärtner
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Mutig an sich selbst und andere glauben, trotz alledem. Nicht die Posaunen der Apokalypse blasen und den Flöten der Rattenfänger folgen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Sich die Hände dreckig machen – mit Erde, Farbe und Tinte, beim Denken, Fühlen und Umarmen.
Kunst ist unmittelbare Kommunikation – DER Mega-Skill im communication breakdown
Was liest Du derzeit?
Erde 0, Debütroman von Micaiah Johnson („Erde 0 lässt uns dankbar zurück, in dieser Welt zu existieren, einer Welt, in der Autorinnen solche Bücher schreiben.“ – The New York Times. „Leibniz trifft Mad Max!“ -teilzeithelden.de)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Das Leben wirft einen mitten unter Fremde, die seltsame Bewegungen machen, unerklärliche Liebkosungen und Drohungen verteilen; man drückt Knöpfe ohne Beschriftung und wird von unvorhergesehen Ereignissen überrascht.“ Alice B. Sheldon alias James Tiptree Jr.
Vielen Dank für das Interview lieber Johann, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Ich danke!
5 Fragen an Künstler*innen:
Johann Seidl, Poet und Autor, Lieder- und Bildermacher
Zur Person_ Johann Seidl, geboren 15.12.1960, hat sich schon früh als Liedermacher und Lyriker engagiert. Er malt, fotografiert und schreibt Gedichte und Kurzgeschichten, die in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht wurden. Im November 2022 wurde er in der Sparte Lyrik beim Literaturwettbewerb der Bonner Buchmesse Migration mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Er kocht mit Leidenschaft und ist passionierter Naturgärtner mit einem gut besuchten Garten/Food-Blog. Johann Seidl war einige Jahre Herausgeber des noch heute regelmäßig erscheinenden SF-Magazins “Andromeda- Nachrichten” und arbeitet als Pressesprecher einer Umwelt-Forschungseinrichtung.
Mehr unter johann-seidl.de
Veröffentlichungen
Zwei Gedichte erschienen in Literaturzeitschrift Neue Literarische Pfalz (NLP) 49, Juli 2023
Zwei Balladen erschienen in Literaturzeitschrift Dichtungsring, Juni 2023
Konkrete Poesie, erschienen in experimenta – Magazin für Literatur, Kunst und Gesellschaft, Feb. 2023
Drei Gedichte erschienen in Anthologie Ortswechsel: Vom Kommen und Gehen, Dez. 2022
Literaturpreis: 2. Platz beim Literaturwettbewerb der Bonner Buchmesse Migration, Nov. 2022
Gedicht erschienen in der Anthologie Traumfabrik, Nov. 2022
Essay, erschienen in Goethe – eine Streitschrift. Der Dichterfürst in der Kontroverse, August 2022
Kurzgeschichte erschienen in Literaturmagazin introspektiv, Ausgabe #3 (Juli 2022)
SF-Story erschienen in SF-Magazin Gegen Unendlich (Juni 2022)
Kim Müller. Musikerin _ Station bei Bachmann _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (1926 – 1973)Kim Müller. Musikerin _ Station bei Bachmann _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (1926 – 1973)
Interview &Song „what a tragic way to find yourself“ _ Kim Müller, Musikerin _ Wien
Station bei Bachmann _ Wien
Interview & Song_Kim Müller, singer, songwriter _ Wien
Dabei sind es in (meinem) Alltag ganz viele kleine Frieden, die den Großen ausmachen.
Wo fängt Dein Frieden an – und wo sind seine Grenzen…
GIVE PEACE A CHANCE
G eben
I nnehalten / Intuition
V erzeihen
E hrlich sein
A nnehmen was ist
C harmant sein
H erz zeigen
A kzeptieren
N euem öffnen
C harakterstärke zeigen – Verantwortung übernehmen
E inigen & sich die Hand geben
Christine Perseis, 19.8.23
Christine Perseis, Künstlerin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Christine Perseis, Künstlerin
Zur Person _ Christine Perseis,
1978 geboren in Eggenfelden 1996–2012 Multimedia-Design, Grafik, Illustration, Events für Kunst & Kultur – angestellt und selbstständig. Eggenfelden, Pfarrkirchen, Deggendorf, München, Ried im Innkreis, Sydney, Newcastle 2012–2015 Ausbildung zur Bildhauerin (Staatspreis) Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei im Berchtesgadener Land, 2015–2016 Meisterbrief für Bildhauerei, HTL Hallein mit Auszeichnung seit 2016 freischaffende Bildhauerin
Mitglied der Innviertler Künstlergilde, BBK Niederbayern, NÖ Kulturvereinigung, Münchner Künstlergenossenschaft
Lieber Michael Georg Bregel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Bedingt durch meine seelische Bauart bin ich nach dem Aufstehen zunächst mal auf das Funktionieren einer Reihe von Routinen angewiesen, damit es überhaupt ein Tag für mich wird. Wenn das geklappt hat, übersetze ich nach und mit reichlich Kaffee üblicherweise erst mal ein paar Stunden, das ist meine hauptsächliche Einkommensquelle.
Im weiteren Tagesverlauf lasse ich mich dann davon leiten, was mir meine kreative Ader zu bestimmten Ideen, Themenstellungen und Anfragen in die Arbeitsgehirnzellen pumpt. Daraus kann dann Literatur, Fotografie, Grafik oder auch mal ein experimenteller Kurzfilm werden. Wenn mir aber zum Beispiel zum Thema eines Kunst-Calls eher eine Kurzgeschichte einfällt, schreibe ich lieber die und freue mich über den Quer-Impuls.
Am Abend lese ich dann ein paar Zeitungen und schaue die eine oder andere Nachrichtensendung – Newsjunkie, bleibender Schaden meines einstigen Journalisten-Berufs.
Die Nacht ist dann meist der literarischen Lektüre gewidmet.
Michael Georg Bregel, Autor, Übersetzer, Redakteur und bildender Künstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das Bemühen um Akzeptanz. Gegenseitiges Verstehen-Wollen. Darüber Nachdenken, wie wir miteinander reden. Und auf welche Weisen wir Ansprüche geltend machen wollen. Und zwar auf allen Ebenen. Zwischen Einzelpersonen genauso wie zwischen Nationen und Weltanschauungen, gesellschaftlichen Gruppen, Communities und Generationen.
Ich denke, dass die aktuell politisch, gesellschaftlich und emotional so wirren Zeiten eigentlich nichts genuin Neues sind, sondern wohl von fast jeder der letzten Generationen in der einen oder anderen Form ähnlich und potenziell genauso apokalyptisch erlebt wurden. Könnten wir das akzeptieren, wäre das gegenseitige Verstehen der jeweiligen Gefühlslagen vielleicht etwas einfacher. Gefühlt häufen sich die Krisen in diesen Tagen nur mehr als „früher“ – und sie werden subjektiv seltsamer, unerwarteter (wie die gleichzeitig hyperreale wie surreale Corona-Zeit), universaler (wie die Klimawandel-Katastrophe) und oft auch unverständlicher (wie der unfassbar unsinnige Ukraine-Krieg).
Aus meiner Sicht wäre besonders wichtig, dass wir alle unser Leben und unsere Welt deutlich mehr im Sinne von Integration, also im Sinne dessen denken, was wir gemeinsam haben, was uns verbindet. Leider funktionieren Gemeinschaften, Gesellschaften und wohl auch Menschen individuell aber eher über Ab- und Ausgrenzung. Über Ausgrenzung derer, die angeblich nicht dazugehören, und über grundsätzliche Ablehnung dessen, was angeblich nicht „unserer“ Philosophie und Lebensart entspricht. Dass der Mensch dahingehend noch in eine Lernkurve einbiegen wird oder von seinem Wesen her überhaupt dazu in der Lage wäre, glaube ich aber leider immer weniger.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Was ich dabei für wesentlich hielte, habe ich ja gerade schon kurz angerissen.
Die Literatur und andere Kunstformen können direkt zwar sicher wenig bewirken. Sie können aber dafür sorgen, dass – wenn auch stilisiert – immer das breitestmögliche Spektrum von Ansichten, Interpretationen und Deutungen für alle verfügbar bleibt, die dafür offen sind. Wobei die Hoffnung bleibt, dass durch die „Verkunstung“ von wichtigen Themen so auch vielleicht nicht mehr von der politischen Meinungsbildung her, aber zumindest noch für kulturelle Experimente offenen Leuten verschiedene Aspekte zentraler Debatten zumindest indirekt zugänglich gemacht werden können, auf die sie sich in ihrem bereits festgefügten Weltbild sonst nicht eingelassen hätten.
Für alle, die künstlerisches Erleben grundsätzlich bereitwillig in und für sich aufnehmen, kann Kunst einfach alles sein: Hammer und Hirnschmeichler, Kran und Krücke, Leuchtturm, Leberfleck und Lebensmittel …
Was liest Du derzeit?
Ich lese immer einiges parallel. Aktuell hole ich zum einen ein paar ältere Jahrgangsbände der US-amerikanischen Dada-Literatur-und Kunstzeitschrift „Maintenant“ nach, die ich erst kürzlich antiquarisch bekommen konnte. In der aktuellen Ausgabe des Anthologie-Journals aus New York bin ich übrigens auch selbst mit einer Arbeit vertreten. Zudem lese ich gerade die sehr gelungenen Gedichtbände „Nebelatlas“ von Gabriel Wolkenfeld und „Prinzenverstecke“ von Steffen Marciniak. Und auch immer irgendwas von Stephen King. Als Nächstes freue ich mich auf die neuen Bücher von zwei Autoren-Kolleginnen aus Berlin, die ich auch persönlich sehr schätze: „Marie – Wenn ich schlafe darfst du träumen“ von Regine Wendt und den Erzählband „Alle Eine“ von Carla Bessa, die deutsche Übersetzung ihres jüngsten brasilianischen Erfolgs „Todas uma“ erscheint im Herbst bei Transit.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Passend zum Akrostichon-Impuls einen Text von Yoko Ono, geschrieben im Herbst 1963, aus ihrem herausragenden, 1964 erschienenen Buch „Grapefruit“:
LIGHT PIECE
Carry an empty bag.
Go to the top of the hill.
Pour all the light you can in it.
Go home when it is dark.
Hang the bag in the middle of your
room in place of a light bulb.
Ich habe das übrigens neulich einfach mal gemacht. Das Licht reicht jetzt noch, um diese Zeilen dabei zu schreiben.
Vielen Dank für das Interview lieber Michael Georg, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunst-, Journalismusprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Michael Georg Bregel, Autor, Übersetzer, Redakteur und bildender Künstler
Zur Person _ Michael Georg Bregel (*1971 in München, lebt in Berlin) ist gelernter Rundfunkjournalist, war Tageszeitungsredakteur, ist Diplom-Politologe und freiberuflich als Autor, Übersetzer, Redakteur und bildender Künstler tätig. Diverse Ausstellungen, Preise für Lyrik und Journalismus. Neben Herausgaben und zahlreichen Beiträgen in Anthologien und Zeitschriften erschienen von ihm als Einzelveröffentlichungen bislang eine Erzählung, eine Graphic Novel und drei Lyrikbände, zuletzt 2021 „Diesseits“ (edition ..,- Berlin).
Tanja Maria Troll, Schauspielerin, Produzentin und Projektmanagerin.
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Tanja Maria Troll, Schauspielerin, Produzentin und Projektmanagerin
Zur Person_
Tanja Maria Troll wurde 1991 in Graz geboren, seit ihrem abgeschlossenen Schauspielstudium 2021 in Wien wirkt sie bei verschiedensten Produktion nicht nur auf, sondern auch hinter und vor der Bühne mit.
In kulturschaffenden Vereinen vereint sie nun die Arbeiten als Schauspielerin, Produzentin und Projektmanagerin.
Es beginnt in einem Supermarkt. Wie jeder Tag für Rita. Die Lieferung der Bananen ist angekommen. Jetzt gilt es die Kartons zu öffnen. Die Plastikfolie zurückzuschlagen und dann die Bananen auszupacken und in das Regal zu sortieren. Für Rita die tägliche Arbeit. Alles wie automatisiert.
Doch während sie die Fracht aus Südamerika für den Verkauf bereit macht, träumt sie. Vom Meer, vom Strand und dem Himmel darüber und einem anderen Leben voller Überraschungen und Phantasie. Sie schließt die Augen…
Und dann passiert das gänzlich Unerwartete. Im Karton erscheint nicht das vertraute Gelb der Bananen sondern ein Weiß blitzt auf, in Plastik verpackt. Kokain. Rita reagiert schnell. Das könnte ein Weg zum Himmel sein. Jetzt, mit 53 Jahren. Neu beginnen, ein neues Leben, irgendwo…
Und Rita folgt dieser Versuchung und jetzt wird sich alles verändern. Wie sie es nie erträumt hätte…
Bestsellerautor Bernhard Aichner ist mit „Der Fund“ ein Ausnahme-Thriller gelungen, der in Spannung wie dramaturgischer Konzeption zu überraschen wie begeistern weiß. Es ist eine wunderbare Erzählregie, die in Rückblenden, Interviews, Gesprächen Leben, Liebe und Verhängnis einer Person nachzeichnet und Leser und Leser so auf eine Thrillerreise mitnimmt, die alles zu bieten hat, was dieses Genre auszeichnet.
„Ein Thriller, der in Erzählspannung wie dramaturgischem Konzept begeistert!“
„Der Fund“ Bernhard Aichner. Thriller. btb Taschenbuch. 2023
Lieber Johannes Sautner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Zurzeit spiele ich gerade in 3 Stücken bei den Komödienspielen Porcia in Spittal an der Drau. Das ist nicht wenig Arbeit, bereitet mir aber viel Freude! Ich stehe für gewöhnlich auf, trinke zu viel Kaffee und versuche, 1-2 To-Do‘s als Vorbereitung für meine nächsten Projekte weiterzubringen. Wenn das Wetter mitspielt mache ich dann einen Drauspaziergang oder fahre mit dem Motorrad an den Millstätter See. Dann geht‘s ab ins Schloss Porcia zur (Doppel-)Vorstellung. Ich spiele in „Der Weltuntergang“, „Ziemlich beste Freunde“ und „Schneewittchen“. Abschließend folgt noch das wohlverdiente Feierabendbier mit den liebgewonnenen Kolleg:innen im Stammlokal.
Johannes Sautner, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir lernen, zuzuhören. Sich selbst, dem eigenen Körper, Expertinnen und Experten; vor allem einander. Dass wir anfangen, Verbindendes vor Trennendes zu stellen und uns die Chance geben, zueinander zu finden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Das kommt für mich darauf an, worauf man diese großen Begriffe bezieht. In vielen Dingen wie beispielsweise der Klimakrise habe ich leider nicht das Gefühl, dass wir unmittelbar vor einem Aufbruch stehen. Andererseits sorge ich mich anhand mancher (geo-)politischen Entwicklungen und Strömungen vor einer Art „Alt“beginn bei dem wir als Gesellschaft wieder in Muster und Denkweisen zurückfallen, die wir eigentlich seit Jahrzehnten überwunden geglaubt haben. Hier spielt das Theater meiner Meinung nach eine entscheidende, vorbeugende Rolle, denn es regt den/die Zuseher:in in einer Zeit, in der Menschen laufend via Social-Media-Algorithmen ect. in Ihren Ansichten bestärkt werden zu selbständigem Denken, zur kritischen Auseinandersetzung, zur Selbstreflexion und -entwicklung an.
Was liest Du derzeit?
„Med ana schwoazzn Dintn“ – Gedichte von H.C. Artmann
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Soll der Mensch in uns sich einst befreien,
Gibt‘s dafür ein Mittel nur allein:
Stündlich fragen, ob wir Menschen seien,
Stündlich uns die Antwort geben: Nein!
– Jura Soyfer, Lied des einfachen Menschen
Johannes Sautner, Schauspieler
Vielen Dank für das Interview lieber Johannes, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Johannes Sautner, Schauspieler
5 Fragen an Künstler*innen:
Zur Person_Johannes Sautner ist in Wien geboren und aufgewachsen und hat seine Schauspielausbildung in New York und an der Schauspielschule Krauss in Wien absolviert. Seit 2017 ist er in Österreich und Deutschland als Schauspieler, Sänger und Sprecher tätig und konnte bereits in über 30 Produktionen in der Theaterlandschaft Fuß fassen, die von Engagements an Sprechbühnen über diverse Lesungen bis hin zum Musiktheater reichen.
Bisherige Wegstationen waren unter anderem das Theater Nestroyhof Hamakom, Scala Wien, Werk X, Wiener Stadthalle, Off-Theater, Comödie Dresden, Stadttheater Mödling, Komödie Graz und die Festspiele Schloss Tillysburg.
Seit 2022 ist Johannes Sautner Ensemblemitglied bei den allsommerlichen Komödienspielen Porcia in Kärnten in Spittal an der Drau, wo am 05. Oktober 2023 auch sein erstes eigenes Programm „Es geht um nix“, ein bunter Abend gemeinsam mit Claudia Waldherr und Severin Salvenmoser Premiere feiern wird.