Liebe Eva Surma, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?
Nachdem ich mit 58 zum allerersten Mal in meinem Leben alleine lebe, ist für mich alles neu. Als hätte ich immer noch Kinder, die den Schulbus erreichen müssen, bin ich besonders morgens zwanghaft.
Im freien Spiel der Mächte bin ich eine Frühaufsteherin und eigentlich auch eine Früh-Einschläferin. Ich bemerke jetzt an mir Ähnlichkeiten mit meiner Mutter, die 20 Jahre allein gelebt hat. Es hat sich schon in der ersten Woche des Alleinlebens nicht das Syndrom des leeren Nests eingestellt, sondern eine unbändige Freude darüber, frei und selbstbestimmt meine Zeit zu strukturieren. Ich hab jetzt sehr viel Ruhe und Ideen zum Schreiben, Zeit zum Lesen, zum Laufen, Zeit um ans Meer zu fahren oder Ausstellungen zu besuchen. Der Broterwerb als Beraterin in der Leibnitzer Frauenberatungsstelle, die ich selbst mit einer Kollegin vor 20 Jahren gegründet habe, ist eine zentrale und nicht wegzudenkende Beschäftigung.
Eva Surma, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Selbstfürsorge und Besonnenheit. Wer nicht gut auf sich selbst schaut, verliert den Anschluss an die Gesellschaft. Ruhiges Nachdenken kann da hilfreich sein. Wer für sich selbst interessant ist, weiß auch worauf bei den Mitmenschen zu achten ist. Dadurch entsteht Beziehung, Bindung, Nähe und dafür ist der Mensch gemacht. In der heutigen Gesellschaft müssen wir uns nicht dadurch verleugnen, dass wir uns alles leisten (können). Gemeinsames Schwingen ist etwas Unbezahlbares. Das erlebe ich gerade in der Gleisdorfer Konvergenzzone des Martin Krusche, im Lyrik.Treff.Punkt der Karin Klug und in der IGfem, bei den feministischen Autorinnen, um Gerlinde Hacker und Doro Pointner. Wer mit sich selbst anständig umgeht, kommt auch mit neuen und vielen und sehr unterschiedlichen Menschen gut aus. Und es braucht eine Bezugsperson, der wir uns anvertrauen können, Liebe spüren. Für mich ist das meine Tochter, der ich nicht immer so nahe war.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn, also in unserer jetzigen Situation: Welche Rolle kommt dabei der Kunst, der Literatur zu?
Tatsächlich stehen wir an jedem neuen Tag vor einem Neubeginn, der uns nicht auf Ewigkeiten gewährt ist. In der Kunst teilen wir uns mit. Wir bringen unser Innerstes zum Ausdruck. Das macht uns für die Außenwelt interpretierbar, aber auch wir selbst lernen dadurch immer wieder neue Seiten an uns kennen. Die Kunst besteht nicht darin, sich möglichst clever zu verkaufen. Die Kunst liegt in der Freude am Perspektivenwechsel, liegt in der Wertschätzung der Arbeiten, die bei persönlichen Auseinandersetzungen mit mir und der Welt entstehen und dem ständigen Austausch darüber mit den mir Nahestehenden. Wer sich für meine Gedichte nicht interessiert, hat an einem wesentlichen Bestandteil von mir kein Interesse. Das habe ich viel zu spät verstanden und daher mein Schreiben immer hintangestellt. Den Menschen, die mir etwas bedeuten bringe ich Interesse entgegen. Ich hebe ihre Talente und lasse sie glänzen. Alles andere, was nur mir zum Nutzen ist, was Kohle bringt, was mir Bequemlichkeit beschert, ist kapitalistische Ausbeuterei. Das macht den Gendergap so richtig weit auf. Auch wir Feministinnen sind Teil des Patriarchats. Jammern bringt nix. Wir leben die Sisterhood. Und glaub mir: Das ist eine Kunst!
Was liest du derzeit?
Dunkelgrün fast schwarz, von Mareike Fallwickl, nachdem mir Die Wut, die bleibt so gut gefallen hat.
Immer wieder: Die Liebe ruht von Drago Jancar.
Lieblingsbücher habe ich viele. Allen voran Brigitte Schwaiger: Wie kommt das Salz ins Meer. Atwoods Report der Magd. Das Fünfte Kind von Doris Lessing, Stay away from Gretchen von Susanne Abel. Die Gedichte der Kaschnitz. Mascha Kaleko.
Die Postkarte von Anne Berest hat mich auch sehr beeindruckt.
Und ich liebe die Filme von Doris Dörrie. Und Undine vom Petzold. Auch In den Gängen ist ein steiler Film.
Welches Zitat möchtest du hier teilen?
Simone de Beauvoir: Das Private ist politisch und das Politische ist Privat.
Das spricht für sich selbst, finde ich. Und erklärt, warum Feminismus für alle da ist. Augen auf!
Vielen Dank für das Interview, liebe Eva, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Eva Surma, Schriftstellerin
Zur Person_Eva Surma, gebürtige Grazerin. Lebt und schreibt in Leibnitz, in der Südsteiermark, aber auch sehr gern am Meer. Sie hat Deutsch als Fremdsprache in Graz, Judenburg und Modena im MA-Studium abgeschlossen und darf sich, nach einem Studium an der Donau Universität Krems, Akademische Expertin der Migrationswissenschaften nennen. Feminismus ist ihr Beruf und ihre Berufung. 2005 gründet sie gemeinsam mit der Geschlechterforscherin Sandra Jakomini den verein-freiraum, der fortan die Frauenberatungsstelle Leibnitz trägt. 2021 gründet sie mit Mark Klenk den Verein Worte und Taten, der aktuell in der Ukrainehilfe sehr aktiv ist. Seit 2022 ist Eva Surma Mitglied der IGfem und gründet in selben Jahr zusammen mit der IGfem-Präsidentin Gerlinde Hacker und der Wordrapperin Anna Cech die IGfem Bezirk Leibnitz Schwesternvereinigung. Eva Surma ist seit vielen Jahren leidenschaftliches Mitglied der internationalen Plattform literatur*grenzenlos und seit 2023 PEN Mitglied.
Als dem Chaos verbundene Grenzgängerin ist sie immer auf der Suche nach Altem und nach Neuem. Seit 15 Jahren ist Eva Surma Mitglied des Lebringer Literaturkreises. Jüngster Poetik-Preis: 2022 Un Monte di Poesia, Florenz, „Premio Oltre Confine“. Am 26. Mai 2023 reklamiert sie ihre Meerschutzgedicht „Mare, il grande fratello blu“ auf der Piazza Unitá in Triest auf Italienisch und Deutsch, im Rahmen der Veranstaltung von Mare Nordest gemeinsam mit ihrer feministischen Künstlerkollegin Qing Yue.
Henrik Szántó, Schriftsteller, Spoken Word-Künstler und Literaturvermittler, Bachmannpreis Nominierung2024
Henrik Szántó, Schriftsteller
Lieber Henrik Szántó, herzliche Gratulation zur Nominierung zum Bachmannpreis! Was war Deine erste Reaktion dazu und auf was freust Du Dich besonders?
Vielen Dank! Ich hatte schon eine Weile auf Neuigkeiten gewartet und mit jedem weiteren Tag wich die Zuversicht der Sorge, es sei nichts geworden. Und dann: Mail von Mara Delius, Herzklopfen, geballte Faust und Wochen der Warterei, die auf einmal von den Schultern fließen. Ich habe die Nachricht immer wieder gelesen, bis das stadtweite Mittagsgebimmel losging (keine Sorge, die Mail kam um 11.53).
Seit Jahren verfolge ich den Bachmannpreis und freue mich sehr darauf, die anderen Nominierten und ihre Texte kennenzulernen – und meinen eigenen zu lesen.
Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?
Es ist schon famos, Literatur in dieser Weise zu inszenieren: Als Fernsehformat mit Jury, die natürlich auch gewissen archetypisierten Showlogiken folgt, die Dynamiken, die Meinungsverschiedenheiten und der Geist, der über allem schwebt und flüstert: „Das sind die aktiv gestalterischen Kräfte der deutschsprachigen Literatur.“
Ich schätze sehr, dass der Bachmannpreis eine Gelegenheit bietet, sich zu vernetzen, Perspektiven kennenzulernen und eine Eintrittskarte in neue Bereiche des literarischen Geschehens zu lösen.
Die Mischung aus arrivierten schriftstellerischen Persönlichkeiten und vergleichsweise noch wenig bekannten – darin liegt eine ungeheure Wertschätzung des Schreibens. Das gilt es zu würdigen.
Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?
Neugier. Neugier auf Menschen, Neugier auf das Übersehene, die Suche nach dem, was droht, in den Ritzen zu verschwinden.
Ein achtungsvoller Umgang mit Schmerz, der nicht romantisiert oder verklärt, sondern ernst nimmt und ergründet, ob aus diesem Schmerz eine Hoffnung gewonnen werden kann.
Das mag naiv klingen – auch das Naive ist mir beim Schreiben wichtig. Es ist so einfach, zynisch zu sein. Das langweilt mich.
Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?
Auch ich bewege mich gern in verschiedenen Textformen, am liebsten im erzählerischen Schreiben und in der Lyrik.
Ich vermute Gemeinsamkeiten in der Weise, wie wir auf Schmerz blicken – auch wenn die Schlussfolgerungen sich unterscheiden mögen.
Welche drei Dinge kommen unbedingt nach Klagenfurt nicht mit?
Ich habe eine gut sortierte und wohlbehütete Sammlung meiner treuesten Selbstzweifel, die lasse ich gerne zuhause.
Vielen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!
Zur Person:Henrik Szanto, D/FIN/UK
Geboren 1988 in Frankfurt/Main, lebt in Hannover. Finnisch-britisch, liest auf Einladung von Mara Delius.
Henrik Szanto ist halb Ungar, halb Finne und lebt als Autor, Spoken Word-Künstler und Literaturvermittler in Hannover. In Schreibwerkstätten bereitet er Bühnen für neue und arrivierte Stimmen. Die Kernthemen seiner Arbeit sind Mehrsprachigkeit, Erinnerungsarbeit, Neugier und das Übersehene.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Es hat 18 Buchstaben und neun davon sind Ypsilons, überarb. Neuauflage 2023, Lektora Verlag Paderborn
Im Gehege, In: Literatur und Kritik, Mai 2022, Otto Müller Verlag Salzburg
Entscheidungen und die Äxte, mit denen wir sie fällen, 2021, Lektora Verlag Paderborn
Auszeichnungen und Stipendien:
Arbeitsstipendium für Literatur 2022 des Landes Niedersachsen
Liebe Uta Alexander, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mit meinem Long Covid hat sich mein ganzer Tag-Nachtrhythmus verschoben. Ich gehe erst gegen 4 Uhr ins Bett, schlafe bis 11, frühstücke ausgiebig, und versuche mir dann, den Tag energiemäßig sehr gut einzuteilen. Dinge, die mir Energie geben und nicht nehmen, werden da zuerst geplant. Dazu gehört alles Kreative. Der Rest muss sich um die Kunst drumrumlegen!
Uta Alexander, Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Bewusster mit sich selber und anderen, sowie mit Ressourcen umzugehen. Genauer sehen, woher Energien kommen, und wohin sie gehen. Besser auswählen, wo man Energien hineingibt
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Qualität des Lebens ist wichtiger als Quantität von Dingen, und die Kunst spiegelt uns immer das Wesentliche
Was liest Du derzeit?
Ich lese viel englischsprachige Bücher, im Moment Andy Weir: Project Hail Mary
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„She loved me, but when a broken person loves you, it isn’t a whole expression, and it brings with it its own pains.”“ (Delemhach)
Vielen Dank für das Interview, liebe Uta, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
LiebeAnne Hashagen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich arbeite in einer Bank, beschäftige mich also beruflich mit Zahlen, insbesondere der Finanzierung von Assets. Tagsüber bin ich also im Büro, abends widme ich mich – zumindest häufig – dem Schreiben. In den letzten dreizehn Jahren, seitdem habe ich meine private Leidenschaft fürs Schreiben (wieder-)entdeckt, habe ich sechs Bücher (Sachbuch und Fiktion) sowie einige Drehbücher geschrieben. Ein Buch zu schreiben ist schön – ein eigenständiges Projekt, Selbstverwirklichung im wahrsten Sinne. Allerdings mag ich nur das Schreiben selbst, alles, was danach kommt (Verlagssuche, Vermarktung) finde ich eher unangenehm. Der Buchmarkt ist kein Markt, den ich mag, das merkt man sicher auch beim Lesen meines Romans „Fucking Famous“ …
Anne Hashagen, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Leben und leben lassen, weg von der Empörungskultur, Diskurs statt Erregung. Der Siegeszug der sozialen Medien hat Hauptanteil daran, dass sich ein Klima verbreitet hat, das die Gesellschaft so gespalten wie nie erscheinen lässt. Influencer nutzen Empörung als Mittel für Clickbait und Follower-Fishing, man überhäuft sich gegenseitig mit moralischen Belehrungen, aber digitale, moralische Indoktrination führt zu nichts, Erregung ohne Wirkung. Wichtig wäre auch, die Algorithmus-gesteuerten Plattformen einer schärferen Kontrolle zu unterziehen. Über fünfzig Prozent der jungen Menschen geben als Berufswunsch Content Creator an – „Berühmtwerden“ und Reichweite-Besitz werden stillschweigend und völlig ohne Hinterfragen als Nummer 1- Ziel akzeptiert, „Mach dich zur Marke“ ist das neue Mantra. Die Algorithmen fördern Penetranz, Trivialität und Trash zu Lasten von Qualität. Der Content Creator wird zum „Herrn“, der „Follower“ zum Knecht. Hyper-Narzissmus zur gewinnenden Ideologie. Über diese Themen schreibe ich in meinem Roman „Fucking Famous“. Ich habe mich sehr gewundert, dass es keinen satirischen Roman dieser Art bisher gab.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich denke, Literatur und Kunst können den Finger in Wunden legen. Belehrende Literatur, die Weltanschauungen oder dringende Botschaften vermitteln will, schätze ich nicht sonderlich. Ebenso wenig interessiert mich Wohlfühl-Literatur. Ich denke, Literatur erfüllt ihren Zweck am besten, wenn sie zum ausführlichen Nachdenken anregt, einen vielleicht sogar verärgert.
Was liest Du derzeit?
Ich lese (zum zweiten Mal) Faserland von Christian Kracht, der auch meinen Roman „Fucking Famous“ inspiriert hat. Ansonsten „Yellowface“ von R.F Kuang, da dieser Roman ähnliche wie meiner Social Media-Mechanismen und den Literaturbetrieb durchleuchtet.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Meine Eltern haben zum Beispiel nur sehr wenig Follower“ (Zitatgeber unbekannt)
Vielen Dank für das Interview, liebe Anne, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
Anne Hashagen, Schriftstellerin
5 Fragen an Künstler*innen:
Anne Hashagen, Schriftstellerin
Zur Person_Anne Hashagen, Schriftstellerin.
Anne Hashagen erblickte in Wuppertal das Licht der Welt und liebte als Kind Astrid Lindgren, Enid Blyton und ganz besonders Michael Ende. Als promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin arbeitet sie als Bankerin im Finanzwesen. Ihre private Leidenschaft ist das Schreiben.
Ihr psychologischer Ratgeber Ja! 10 Regeln den Mann fürs Leben zu finden wurde u. a. bei 3nach9 vorgestellt und in mehrere Sprachen übersetzt. Es folgten ihre beiden Jugendbücher um die Figur Anton Pfeiffer, die von zahlreichen Literaturblogs empfohlen wurden. Ihr Roman Die Wette wartet als englisches Drehbuch auf Verfilmung. Das Sachbuch Ich denke, aber wer ist Ich? Neue Antworten auf die alte Frage nach dem Sinn des Lebens veröffentlichte sie zusammen mit dem Philosophieprofessor und Robotiker Riccardo Manzotti. Fucking Famous ist ihr sechstes Buch, ein zeitgeistiger Roman, in dem sie sich – inspiriert von existierenden Prominenten und eigenen Erfahrungen – satirisch, humorvoll aber auch bitterböse mit Social Media und dem Influencer-Phänomen auseinandersetzt.
Bibliografie
2024: „Fucking Famous – Wie ich zu einer Million Followern kam und dabei unendlichen Spaß hatte“
2021: „Ich denke aber wer ist Ich? Neue Antworten auf die alte Frage nach dem Sinn des Lebens“, zusammen mit Prof. Riccardo Manzotti
2018: „Die Wette“.
2013: „Anton Pfeiffer und der Hexensabbat“
2012: „Anton Pfeiffer und der Zauberkongress“
2011: „Ja! Zehn Regeln den Mann fürs Leben zu finden und zu heiraten“
Wie ich zu einer Million Followern kam und dabei unendlichen Spaß hatte.
Sind eine Million Follower es wert, mit dem Teufel ins Bett zu steigen?
Lotte Hohenfeld, 39 Jahre, studiert, ambitioniert, attraktiv, hat die Nase voll. Nach gescheitertem Start-up ist auch ihr erstes Buch gefloppt. Höchste Zeit, dem Leben noch etwas Großartiges abzutrotzen. Aber wie? Freundin Tessa, eine IT-Beraterin, weiß die Lösung: berühmt werden! Gemeinsam rufen sie das Projekt „Lotte“ ins Leben. Mit Witz und Verstand, Lug und Trug, Deep Fake und einem falschen Adelstitel wird Lotte zur Celebrity, die tief in die Welt der Influencer und B-Prominenz eintaucht. Doch alles hat seinen Preis. Aber wie sagte Anna Delvey: „Prison is the new sex tape“ …
Deutschlands abgründigste Roman-Satire über Instagram & Co., schamlose Selbstdarstellung im Zeitalter der Algorithmen, Hyper-Narzissmus und das allgegenwärtige Mantra der Influencer: Mach dich zur Marke! (Presse Text _ Solibro Verlag)
Liebe Tamara Stajner, herzliche Gratulation zur Nominierung zum Bachmannpreis! Was war Deine erste Reaktion dazu und auf was freust Du Dich besonders?
Danke vielmals! Es war neun Uhr. Gerade hatte ich meine Sportsachen angezogen, da kam die Mail von Brigitte Schwens-Harrant. Meine Hände zitterten und so sorgte an dem Morgen erstmal die Nominierung für einen hohen Puls, nicht das Laufband.
Danach musste ich an die vielen Sommer in Slowenien denken, als das Schuljahr gerade zu Ende ging und im Fernsehen der Bachmannpreis übertragen wurde. Ich habe immer zugeschaut, ohne viel zu verstehen. Also war ich erstmal sehr gerührt, jetzt selbst auf dieser Bühne zu lesen. Ich wollte es so vielen Menschen mitteilen! Durfte aber nicht. Paul, mein Mann, bekam also den ersten großen Jubel ab. Gleich meldeten sich aber auch meine Nerven – beim Bachmannpreis zu lesen ist ja ein Rodeo.
Ich freue mich jedenfalls, Teil eines Jahrgangs, einer Gruppe zu sein, die sich bestimmt gegenseitig motiviert und vielstimmig ist.
Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?
Das Setting ist schon mal einmalig: Eine Kärntner Stadtkulisse am See, eine Fachcommunity, untergebracht in verschiedenen Hotels, eine Bubble, die sich Tag für Tag in einer von Medien und Publikum vollbesetzten Arena versammelt. Die Zuschauer an den Bildschirmen. Die oft skurrilen Dynamiken, die sich daraus entwickeln. Und trotzdem die Transparenz, die dieses Vortragen und Nachdenken über Texte in der Öffentlichkeit hat.
Bachmannpreis ist Bachmannpreis: Mir bedeutet er sehr viel. Ich halte es nicht für selbstverständlich, dass ich da lesen darf, dass mein Text und ich als Autorin diese Aufmerksamkeit erfahren. Das ist bei Weitem nichts Gewöhnliches. Ich habe Respekt davor.
Bereits der Klagenfurter Literaturkurs, an dem ich vor zwei Jahren teilnahm, war für mich unglaublich bereichernd. Wir konnten uns mit tollen – im Stil und im Umgang ganz verschiedenen Autor:innen – austauschen und bekamen den Zugang zu den Bachmannpreis-Lesungen und dem Reigen drum herum. Daraus wurden Freundschaften.
Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?
Hinzugehen, wo es ambivalent wird. Da finde ich meistens, was ich fürs Schreiben brauche. Auch Humor und doppelbödige Verwandlungen.
Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?
Die Beatrixgasse 26. Sie wohnte von 1946 bis 1949 dort. Das ist im dritten Bezirk, damals noch im sowjetischen Sektor von Wien. Während meines Studiums 2006 bis 2012 ging ich wöchentlich dahin, weil mein Bratschenprofessor in der Beatrixgasse 26 lebte und der Unterricht meistens bei ihm zuhause stattfand. Ein leises Haus mit üppigen Laubbäumen im Innenhof. Auch der hintere Eingang zur Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw) liegt z.B. gegenüber den Romanschauplätzen von Malina in der Ungargasse.
Welche drei Dinge kommen unbedingt nach Klagenfurt nicht mit?
Meine beiden Bratschen und das Rosshaar. Irgendwer muss ja die Wohnung hüten!
Vielen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!
Geboren 1987 in Novo mesto, Slowenien. Lebt in Wien, liest auf Einladung von Brigitte Schwens-Harrant.
Tamara Stajner wurde 1987 in Novo mesto geboren und wuchs in Krsko auf. Seit 2006 lebt sie in Wien. Sie schloss ihr Master-Studium im Konzertfach Viola an der mdw Wien ab. Derzeit promoviert sie in Musiktheorie.
Sie war Gastdozentin u.a. an der MUK Wien, KU Graz sowie dem Williams College (USA). Sie erhielt START-Stipendien für Musik und darstellende Kunst (2015) sowie für Literatur (2020) des BMKÖS. Mitglied der Jungen Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz). 2022 war sie Stipendiatin des 25. Klagenfurter Literaturkurses. 2024 gewann sie den Lyrikpreis Meran.
Veröffentlichungen/Auswahl:
2023: Raupenfell, Roman, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg
2022: Schlupflöcher, Gedichte, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg
Beiträge in Zeitschriften und Sammelbänden (Auswahl)
Station bei Hedy Lamarr_Daniela Mitterlehner, Schauspielerin_ Leipzig _ performing _ Hedy Lamarr (Hedwig Eva Maria Kiesler; *9.11.1914 Wien * +19.1.2000 in Casselberry/Florida/USA)Schauspielerin, Erfinderin_ Fotos _ Wien/Donau_
Station bei Hedy Lamarr_Daniela Mitterlehner, Schauspielerin_ Leipzig _ performing _ Hedy Lamarr (Hedwig Eva Maria Kiesler; *9.11.1914 Wien * +19.1.2000 in Casselberry/Florida/USA)Schauspielerin, Erfinderin_ Fotos _ Wien/Donau_
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Hedy Lamarr (Hedwig Eva Maria Kiesler; *9.11.1914 Wien * +19.1.2000 in Casselberry/Florida/USA)Schauspielerin, Erfinderin_
Liebe Daniela Mitterlehner, welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Hedy Lamarr?
Hedy Lamarr beeindruckt mich immer wieder, weil sie in mehreren recht ungewöhnlichen Feldern herausragende Pionierarbeit geleistet hat. Sie war Schauspielerin UND Erfinderin und ich bewundere Multitalente (die aus ihren Talenten auch tatsächlich etwas machen). Auch ich versuche in verschiedenen Bereichen meine Fähigkeiten einzusetzen, auch wenn ich mich dabei immer im künstlerischen Rahmen bewege. So bin ich Schauspielerin, Regisseurin, Jongleurin, Sprecherin, Moderatorin und arbeite mit Feuer. Und ich leite – mit einem tollen Kollegen gemeinsam – unser eigenes, kleines Tourneetheater, mit dem wir Klassiker an Schulen bringen und so Interesse an Sprache, Kultur, Literatur und Theater zu erwecken versuchen. Mit Hedy Lamarr will ich mich dabei aber nicht vergleichen, denn ihre Felder waren viel weiter auseinander als meine und ihre Arbeit hat die Welt verändert. Unsere verändert vielleicht nur das Denken und das Interesse (an Theater/Literatur/Kunst) einzelner. Aber auch das ist viel wert.
Außerdem beeindruckt mich an Hedy Lamarr, dass sie sich in einer absoluten Männerdomäne – damals noch mehr als heute – der Technik durchgesetzt hat. Das hat etwas sehr Feministisches und das mag ich sehr an ihr.
Und als Schauspielerin war sie natürlich auch ganz besonders, wegen ihres Könnens, aber auch wegen ihrer Ausstrahlung. Daran fasziniert mich besonders, dass sie das Weibliche , Emotionale und Sanfte so sehr ausstrahlt und verkörpert, während sie sich als Erfinderin trotzdem in einer Männerwelt behaupten musste, was sicher eine gewisse Härte, Durchsetzungskraft, Ausdauer und Toughness erfordert und das auch hervorragend geschafft hat.
Das Thema unseres Shooting ist auch der Film „Ekstase“ (1933), der aufgrund der Nacktszenen zum Skandal wurde. Wie siehst Du den Film und die Reaktion, Rezeption?
Zur Zeit seiner Entstehung war dieser Film enorm mutig und auch Hedy Lamarr hat damit einiges riskiert. Dieser Film wurde zum Erfolg. Er hätte ihr aber genausogut ihre Karriere als Schauspielerin und jedes gesellschaftliche Ansehen ruinieren können. Dass sie den Mut hatte, das in dieser Zeit trotzdem zu tun und erfolgreich daraus hervorging, ist bewundernswert. Auch ich versuche immer wieder, mutige Entscheidungen zu treffen und mit Optimismus an Herausforderungen zu heranzugehen. Wer nie ein Risiko eingeht, wird auch nur selten gewinnen.
Heute ist Nacktheit im Film oder auf Fotos ganz normal. Überall sieht man nackte Menschen. Das finde ich einerseits toll, weil es ein viel freieres Denken zeigt, andererseits wird es aber manchmal auch ein Bisschen inflationär und ich finde es schade, wenn es dabei manchmal eben nicht mehr um eine Aussage oder ein notwendiges Element geht, mit dem eine Geschichte erzählt wird, wenn es nur um Schaulust und ein Mensch durch Bilder oder Videos zum reinen Objekt ohne Wert verkommt, wenn die Hülle alles ist und das, was in ihr steckt, gar nicht mehr interessiert. Das ist für mich ein Grund, mich selber vor der Kamera nicht (ganz) auszuziehen. Vielleicht kommt irgendwann der Moment, in dem ich das für sinnvoll halte, weil es eine Geschichte wirklich weiterbringt. Aber nur, um ein Stück Fleisch unter vielen solcher Fleischstückchen zu sein, mache ich das definitiv nicht. Da fehlt mir der Sinn und Wert. Und nach wie vor gilt, dass man sich damit auch einiges kaputt machen kann, wenn man es falsch oder nicht mit voller Überzeugung tut. Außerdem finde ich es persönlich viel spannender, wenn man eben nicht gleich alles sieht und noch ein Bisschen Platz für die eigene Phantasie bleibt, auch wenn ich mir selber tolle Fotos von anderen Menschen anschaue.
Wie siehst Du als Schauspielerin die Schauspielerin Hedy Lamarr?
Sie hat definitiv Pionierarbeit geleistet und war eine tolle Schauspielerin. Außerdem hat sie eine unglaublich starke und beindruckende weibliche Energie, die zugleich Sanftmut und Emotionalität, aber auch Energie und Durchsetzungskraft vermuten lässt. Das finde ich super!
Gab es in Deinen Musik-, Theaterprojekten bisher Berührungspunkte zu Hedy Lamarr?
Ich durfte mal die Off-Stimme für zwei Info-Videos zum Lamarr Security Research Center der TU Graz sprechen, das nach Hedy Lamarr benannt wurde und in denen es nicht nur um diese Forschungseinrichtung ging, sondern eben auch um Hedy Lamarr und warum man diese Einrichtung nach ihr benannt hat. 🙂
Wie war Dein Weg zu Musik/Theater und was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Ich habe als Jugendliche angefangen in einem der Jugendspielclubs des Linzer Landestheater zu spielen, dort Schauspiel-, Sprech- und Improunterricht bekommen und bald auch angefangen, dort gemeinsam mit anderen auch eigene Theaterstücke und Szenen zu entwickeln. Spätestens nach der ersten Premiere war für mich klar, dass ich das Spielen zum Beruf machen möchte, um möglichst viel Zeit damit verbringen zu können. So habe ich dann – nach ein paar Kurven – eine Schauspielausbildung angefangen und auch abgeschlossen und konnte – gegen alle gängigen Erwartungen – auch sofort davon leben. (Allerdings habe ich von Anfang an auch immer wieder mal Regie geführt, als Moderatorin, Jongleurin, Sprecherin und mit Feuer gearbeitet und anfangs auch immer wieder mal Workshops gegeben.)
Der Grund, warum ich überhaupt angefangen habe zu spielen, war der Gedanke, dass es mir – wenn es mir mal nicht gut ging – immer geholfen hat, einen guten Film oder ein Theaterstück zu sehen und ich wollte diese Fähigkeit auch selbst lernen: Menschen für ein paar Stunden aus ihrem Alltag herauszunehmen, sie ihre Sorgen, Ängste, Trauer, Wut oder auch nur Langeweile vergessen zu lassen, ihnen eine gute Zeit zu geben und sie dann – mit einem Lächeln, neuen Gedanken und/oder einem guten Gefühl wieder in Ihrer eigenen Welt abzusetzen, den Menschen durch meine Arbeit sozusagen das Leben ein Bisschen schöner und unbeschwerter zu machen. 🙂
Mein derzeit (und hoffentlich auch langfristig) wichtigstes Projekt ist unser eigenes kleines Tourneetheater – das ÜBERALL-THEATER – das ich im Sommer letzten Jahres mit einem guten Freund und tollen Kollegen gemeinsam gegründet habe. Damit bringen wir lehrplanrelevante Klassiker an Schulen, versuchen so (Deutsch-)Lehrer:innen das Unterrichtsleben zu erleichtern, ein Bisschen Farbe in den Schulalltag zu bringen, aber vor allem auch, Schüler:innen für Theater, Kultur, Sprache und Literatur zu begeistern. Und es gelingt uns! 🙂 An einer Schule, an der wir gespielt haben, wollten die Schüler:innen danach sogar eine eigene Theatergruppe gründen. 🙂
Was wünscht Dir für Deinen Beruf als Künstlerin?
Weiterhin viele spannende, künstlerisch herausfordernde, aber auch schöne, lustige und abwechslungsreiche Rollen und Stücke, Zusammenarbeiten mit tollen Menschen und Künstler:innen (was jetzt umso einfacher für uns möglich ist, da wir ja als Theaterchefs nun selbst entscheiden, wen wir mit auf Tour nehmen :-)), gegenseitige Inspiration, sich dabei entwickelnde, echte Freundschaften, gemeinsame Erfolge und natürlich genug Buchungen, um auch weiterhin davon leben zu können. 🙂 Und: Trotz dem Schwerpunkt auf meine geliebte Arbeit auch intensive zwischenmenschliche Kontakte (mit Freunden, Familie, Kolleg:innen, etc.) zu pflegen, halten und bestenfalls sogar ausbauen zu können. Das ist manchmal nämlich gar nicht so einfach, aber zum Glück möglich, wenn man es darauf anlegt. 🙂
Was möchtest Du Künstler:innen am Anfang Ihres Weges mitgeben?
Einfach machen! Auch wenn alle sagen, das ist schwierig oder man kann davon nicht leben. Doch! Kann man! Man wird in den meisten Fällen dadurch nicht reich, aber es ist – wenn man ihn gerne macht und nicht aufgibt – der schönste Beruf der Welt. Und: Durchhalten, kreativ sein, weiterentwickeln, weitermachen! Irgendwann läuft’s dann. 🙂 Dann aber bloß nicht aufhören mit dem Arbeiten und Weiterentwickeln, sondern immer weiter fleißig dranbleiben! Und: Geht euren eigenen Weg! Niemand hat die Qualitäten und Besonderheiten, die ihr habt. Nützt das! (Ich mische zum Beispiel oft Schauspiel oder Moderation mit Jonglage oder Feuer, weil das eben was Besonderes ist, was nur wenige können, eben ein Unique Selling Point.) Und: Was viele leider oft vergessen: Nicht zu Hause sitzen und warten, dass euch jemand findet und engagiert! Nur wenn ihr aktiv seid, werdet ihr auch wahrgenommen und gebucht. Ihr seid nicht nur Künstler:innen, sondern auch Unternehmer:innen, die ihr Produkt (sich selbst) vermarkten müssen. Sonst hilft das größte künstlerische Talent nichts, wenn ihr euch nicht dahinter klemmt, dass ihr immer besser und besser werdet und dass ihr gesehen werdet! Und wenn euch erstmal keiner engagiert, dann stellt eben selber was auf die Beine und macht. So bekommt ihr Erfahrung, könnt was herzeigen und zeigt, dass es euch gibt. Und Spaß macht das obendrein! (Arbeit auch, aber das gehört nunmal dazu.) Was übrigens auch enorm hilft ist unkompliziert sein und (potentiellen) Arbeitgeber:innen zeigen, dass man sich wirklich für den Job einsetzt und sich freut, ihn zu haben, gerade weil es eben in unserer Branche nicht selbstverständlich ist, dass man einen (guten) Job hat. Das kann ich sowohl als Künstlerin sagen als auch als Arbeitgeberin in diesem Bereich. Wenn wir merken, dass ein:e Schauspieler:in, der/die für uns spielt, wirklich mit Freude und Energie dabei ist, ständig daran arbeitet, besser und besser zu werden, sich einbringt und auch mal bereit ist, das eine oder andere kleine Opfer für den Beruf und den Job an unserem Theater zu bringen (z. B. auch mal einzuspringen, wenn ein:e Kolleg:in ausfällt oder mitanzupacken, wo er/sie vielleicht nicht unbedingt müsste oder nicht zu meckern, wenn ein Tag mal sehr anstrengend war, …), dann werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um diese:n Kolleg:in immer und immer wieder zu engagieren, weil so jemand einfach ein Geschenk und eine Freude für jede:n Arbeitgeber:in und für jede Zusammenarbeit ist. Und genau dasselbe habe ich als Künstlerin erlebt, wenn ich für andere gearbeitet habe, dass ich eben immer wieder engagiert oder verlängert werde, weil ich zeige, wie wichtig mir der Beruf und die jeweilige Zusammenarbeit ist. Und: Seid verlässlich und verbindlich! Wenn man was zusagt, dann hält man das auch, komme was wolle! Ein:e Künstler:in, bei dem/der man nie weiß, wann und ob er/sie auftaucht, ob die Vorbereitung gemacht wurde, ob die vereinbarte Leistung so erbracht wird wie ausgemacht, den/die holt man kein zweites Mal, und wenn er/sie noch so gut ist.
Hättest Du mit Hedy Lamarr gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Ja, sehr gerne! Ich glaube, ich würde den Tag mit ihr einfach gerne in einem Café sitzend und redend verbringen, von ihr lernen, zuhören und Fragen stellen, Erfahrungen austauschen.
Was inspiriert Dich als Schauspielerin an Hedy Lamarr heute?
Vieles! Ihre Vielseitigkeit, ihr Feminismus (über den sie gar nicht groß reden musste, sondern den sie einfach gelebt hat, auch dadurch, dass sie Erfinderin war und technisch gearbeitet hat), ihren Pioniergeist, ihre Neugier (die braucht man, sowohl als Schauspielerin, sicher aber auch als Erfinderin), ihre tolle Ausstrahlung, ihre Stärke (die sie einfach ausstrahlt), ihr Mode- und Stielbewusstsein, ihren Mut und ihren Fleiß.
Darf ich Dich abschließend zu einem Hedy Lamarr Akrostichon bitten?
Heute noch aktuell
Eine tolle Frau
Damals und jetzt
You are special!
Lernen und anwenden
Anders, im besten Sinne
Modebewusst, malerisch
Aktiv
Ruhe und (emotionale) Stärke ausstrahlend
Riesenerfolge
Station bei Hedy Lamarr_Daniela Mitterlehner, Schauspielerin_ Leipzig _ performing _ Hedy Lamarr (Hedwig Eva Maria Kiesler; *9.11.1914 Wien * +19.1.2000 in Casselberry/Florida/USA)Schauspielerin, Erfinderin_ Fotos _ Wien/Donau_
Lieber Stefan Heuer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Generell geht der Wecker wochentags um 6.00 Uhr und ich brauche ein bisschen, um in den Tag zu finden … aber heute: angenehm ruhig! Ich habe frei und nutze die Zeit, um an neuen Collagen für eine Serie zu arbeiten. Wie immer läuft dabei ein Hörspiel, gerade ist es eine Holmes-Folge mit den wunderbaren Stimmen von Christian Rode und Peter Groeger. Später werde ich es ausnutzen, dass der Schreibtisch gerade relativ aufgeräumt ist, und an den Feinheiten eines Kindergedichts weiterschreiben, das ich gestern skizziert habe. Und wenn es das Wetter denn zulässt, werde ich heute auch endlich noch die Kohlrabi-Setzlinge pflanzen, die schon einige Tage neben dem Hochbeet stehen …
Stefan Heuer, Schriftsteller, Bildender Künstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Gerade jetzt ist genau das wichtig, was immer wichtig ist: den Kopf oben behalten! Sich nicht von schlechten Nachrichten lähmen lassen, nicht in sich hineinmeckern, sondern gut informiert dagegenhalten, wo immer es geht und nötig ist. Seine Meinung vertreten, auch wenn es mal unangenehm sein und Freundschaften kosten sollte. Keinen Fußbreit der Dummheit und Ignoranz, auch nicht im Freundeskreis oder der Verwandtschaft! Und natürlich Körperlichkeit. Gegen Isolation, KI und schlechte Gedanken hilft nur Körperlichkeit.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Der Kunst kommt genau die Rolle zu, die man selbst ihr in seinem Leben zugesteht, nicht mehr und nicht weniger. Das kann viel sein, in anderen Fällen nichts bedeuten. Dass sie heutzutage gesellschaftliche Tendenzen beeinflussen kann, denke ich nicht.
Was liest Du derzeit?
Wie viele andere auch, lese ich immer mehrere Bücher/Hefte gleichzeitig – aus unterschiedlichen Anlässen und an unterschiedlichen Orten. Selten zielgerichtet – meistens ziehe ich blind etwas aus dem immer höher werdenden Bücherstapel heraus. Gerade gestern habe ich mit Jürgen Ploogs »Der Raumagent« begonnen; einem Buch, das ich zu Social Beat-Zeiten das letzte Mal gelesen und nun zum Geburtstag in wunderbarer Aufmachung (Galrev) von einem Freund geschenkt bekommen habe. Parallel dazu genieße ich die ersten drei Gedichtbände (Sabine Göttel, Caroline Hartge und Hans Georg Bulla) der neuen Lyrikedition Hannover. Außerdem stecke ich mitten in der OXEN-Reihe, Krimis von Jens Henrik Jensen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Viele Zitate sind leidlich überstrapaziert, und so halte ich mich an die erste Zeile aus dem Song »Der Mann aus Russland« des großen Poeten Stephan Sulke, die eigentlich alles sagt: Im Grunde klingt die Story schrecklich simpel …
Vielen Dank für das Interview, lieber Stefan, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Stefan Heuer, Schriftsteller, Bildender Künstler
Zur Person_Stefan Heuer, Schriftsteller, Bildender Künstler _geb. 1971 in Großburgwedel.
Verheiratet, Vater, Raucher ohne Suchtpotenzial. Lebt und arbeitet in Burgdorf/Hannover.
Malerei, Assemblage, Collage, Combine Painting.
Einzel- und Gruppenausstellungen, Mail-Art-Projekte.
● „langustenbäume, die auch reden“, Gedichte von Frank Milautzcki zu Collagen von
Stefan Heuer
● „Anleitung zur Ersten Hilfe bei Unfällen“, Collage-Kollaboration mit Susanna Lakner
● „Einheitskurzschrift“, Collage-Kollaboration mit Susanna Lakner (Redfoxpress)
● „Wonderful Holiday Picture-Stories“, Collage-Kollaboration mit Geronimo Finn
● „Sprechnotiz / orange“, Collage-Kollaboration mit Sabine Remy
● „augen I höhen“, Gedichte von Stefan Heuer zu Alpenlomos von Maks Dannecker
● „SPIELZEIT“, Collage-Kollaboration mit Susanna Lakner (Redfoxpress)
● „Silence Break“, Collage-Kollaboration mit Susanna Lakner
● „Look“, Collage-Kollaboration mit Sabine Remy
● „THE IMPOSSIBLE EXILE“, Collage-Kollaboration mit Brandstifter (Redfoxpress)
● „Kühle Tips für heiße Tage“, Collage-Kollaboration mit Sabine Remy (Redfoxpress)
● „(aus dem) Schneider“, Collage-Kollaboration/Dialog mit Boris Kerenski (Moloko+)
● „Scharfe Schere – Nacktes Beil“, Collage-Kollaboration/Dialog mit Boris Kerenski
(Moloko+)
● “ KLEPPER (special one)“, Collage-Kollaboration mit Svenja Wahl
Zahlreiche Veröffentlichungen von Lyrik, Prosa, Rezensionen und experimentellen Kurzdramen in Literaturmagazinen, Anthologien, Kalendern und Internetforen.
Seit 1997 unterschiedlichste Einzelpublikationen, zuletzt:
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Liebe Gudrun Nikodem-Eichenhardt, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Das Leben, die Liebe und der Schmerz stehen für mich im Vordergrund. Die Sehnsucht nach einem heilen Ort, der sich in Hans spiegelt und der doch nicht bleibt. Enttäuschung, Trauer, Wut und Verbitterung finden sich in der Anklage an das Leben und es so erleben zu müssen, wieder. Gefangen in einem Weltbild ohne Weitblick, indem sich Frauen unterwerfen und Männer nehmen, anstatt zu geben.
Wie siehst Du „Undine“?
Emanzipiert. Auflehnend. Leidenschaftlich. Eine Frau, die droht, an gesellschaftlichen Vorgaben zu ersticken. Immer auf der Suche nach Erlösung. Sie hadert, ist wütend und ein Opfer ihres Schmerzes, den kein Mensch hören, noch verstehen kann.
„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Im Moment werden alle Rollen aufgebrochen und neu definiert und doch ist das klassische Rollenbild in uns nach wie vor verankert und wird größtenteils gelebt. Dies ist unsere moralische Diskussionsgrundlage. Das, was richtig und falsch ist. Eine Frau soll schön und salonfähig, sanftmütig und klug sein. Darf nicht wütend oder dominant sein. Dies sind männliche Attribute, die aber bitte auch nicht von den Männern gelebt werden sollen. Wir beschneiden unsere Lebendigkeit, intellektualisieren die Geschlechter und verlieren uns dabei selbst auf einem Weg zur Selbstdefinition und Erklärung. Ändern sollten wir den Umgang mit uns selbst. Es ist, meiner Meinung nach, erfüllend mehr über sich zu wissen und nach und nach die eigenen Strategien und Gewohnheiten aufzudecken. Mein Menschsein. Mein Frausein, mein Mannsein. Mein Anderssein und mein Gleichsein. Darüber wie ich denke, wie ich fühle und damit in einen Austausch zu gehen, statt leere Worte für Analysen, Definitionen und Rollenbilder zu finden und diese wiederum zu benutzen, um zu kämpfen und Recht zu haben.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Gleich zerstörerisch wie eh und je. Patriarchale Strukturen haben uns alle geprägt. Die einen lehnen sich dagegen auf, die anderen verherrlichen sie und dazwischen gibt es viel Unwissenheit und Orientierungslosigkeit. Das Patriarchat lehrt uns Widerstand, Kampf, Rechthaberei und Machtgehabe. Das lähmt uns alle und macht uns ohnmächtig. Um das nicht fühlen zu müssen, kämpfen wir weiter, so lange, bis wir erschöpft sind. Um anschließend in der Zerstörung unser Fehlverhalten zu erkennen und geläutert zu sein. Erst dann entwickeln wir in der Nachbetrachtung die Fähigkeit zur Reflexion und sind erst ab diesem Zeitpunkt in der Lage, wahre Veränderung herbeizuführen. Wir geben der Intuition keine Chance, bzw. hat das Patriarchat uns Frauen gelehrt, wenn wir dafür einstehen, werden wir als Hexen verbrannt. Wir haben gelernt, wenn wir klug sind und in der ersten Reihe stehen, werden wir auf unseren Platz in der zweiten Reihe verwiesen, um nicht all die Männer in der ersten Reihe bloßzustellen.
Das Patriarchat lehrt die Frauen, nur dann geliebt zu werden, wenn sie schutzsuchend, hilfsbedürftig, naiv und folgsam sind. Begehrt wird zwar das Wilde, Verruchte und Leidenschaftliche, doch weil es frei und nicht zu bändigen erscheint, muss es vom Patriarchat abgewertet werden, damit Kontrolle und Macht nicht verloren gehen.
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?
Jeder Mensch ist angehalten zu reflektieren und Empathie zu erlernen. Mitgefühl für sich und andere zu entwickeln. Verständnis für den anderen zu haben. Zu erkennen, dass es keine Entwicklung ohne Schmerz geben kann und dass es in meiner Verantwortung liegt, meinen eigenen Schmerz zu heilen, der sich im Nahsein und Miteinander mit einem anderen Menschen zeigt. Mein Gegenüber ist der Auslöser für das, was in mir noch nicht geheilt ist.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Authentisch sein. Für mich und meine Bedürfnisse einstehen. Mich in keine Rolle pressen lassen. Ungerechtigkeit benennen und diese laut und immer wieder aussprechen. So lange, bis sie Gehör findet. Mich dem Leben und der Liebe hingeben und jeden Moment nutzen.
Was bedeutet Dir Natur?
Natur ist eine Kraftoase. Sie ist ein Ruhepol. Ein Ort der Stille und des Lebens. Eine fantastische Realität, in der die Seele baumeln darf.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Wasser ist der Quell des Lebens. Der Anfang und das Ende.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Zu wenig. Ich habe einen sehr bewussten Umgang mit dem Jahreswechsel, doch unter dem Jahr fehlt mir noch die Achtsamkeit für die Schätze der Natur.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Indem er die Welt achtet und ihr mit Demut begegnet. Leider werden diese Eigenschaften in der Konsumgesellschaft entwertet und durch fehlgeleitet suggerierte Bedürfnisse, verdrängt.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?
Die Bereitschaft zum Schmerz.
Was lässt Liebe untergehen?
Verdrängung. Vermeidung. Kontrolle und Machtausübung.
Wie war Dein Weg zum Kabarett, Schauspiel?
Begonnen hat alles mit einem Befreiungsschlag aus dem elterlich gelebten Patriarchat. Darin geschult, habe ich ebenso meinen Willen durchgesetzt und meinen Traum realisiert Musical zu studieren. Das Kabarett ist mir aufgrund fehlender Engagements „passiert“ und wiederum hat mich mein unbändiger Wille voran getrieben.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du?
Ich bin meinen Herzensprojekten, den „Kernölamazonen“ als Musikkabarettistin und dem „Märchensommer“ als Liedtexterin treu. Werde als „Die steirische Eichin“ meine Stimme als Frau und Sängerin erheben und meine Coaching- und Trainerausbildung nutzen, um meine Gesangsschüler:innen gut zu begleiten.
Ab Herbst 2024 werde ich zum Einen die Kursleitung für Kulturmanagement am WIFI Wien übernehmen und zum Anderen mit dem Projekt Bahöfakur, der bildenden Schnitzeljagd: „Auf dem Weg zum ICH“, Leben einhauchen.
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
Doch vergesst nicht, dass ihr mich gerufen habt in die Welt, daß euch geträumt hat von mir, der anderen, dem anderen, von eurem Geist und nicht von euerer Gestalt, der Unbekannten, die auf eueren Hochzeiten den Klageruf anstimmt, auf nassen Füßen kommt und von deren Kuss ihr zu sterben fürchtet, so wie ihr zu sterben wünscht und nie mehr sterbt: ordnungslos, hingerissen und von höchster Vernunft.
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Gudrun Nikodem-Eichenhardt und Walter Pobaschnig _ 5/24
Lieber Manuel Sonnleitner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe immer relativ früh auf. Morgens nehme ich mir Zeit für mich, bevor ich in den Tag starte. Ein guter Kaffee und ein ausgiebiges Frühstück sind für mich dabei besonders wichtig. Nebenbei schaue ich mir den Text für die Proben an, derzeit für die Raimundspiele. Sonst gehe ich gerne ins Fitnessstudio.
Abends habe ich unter anderem Vorstellungen in der Josefstadt, wenn nichts ansteht, gehe ich gerne selbst ins Theater oder unternehme etwas mit Freunden.
Manuel Sonnleitner, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
In der heutigen Zeit gibt es verschiedene Aspekte, die für uns alle besonders wichtig sind. Gerade jetzt, wo um uns herum Krieg herrscht und wir in den letzten Jahren gesehen haben, wie schnell sich alles ändern kann – sei es durch Krisen oder wie gerade die Inflation – ist es wichtig, sich Zeit für sich selbst und seine Mitmenschen zu nehmen. Unsere individuellen persönlichen Werte sind grundlegend für ein erfülltes Leben. Sie dienen als Leitlinien, die unser Denken, unseren Glauben und unser Handeln beeinflussen. Jeder Mensch hat einzigartige persönliche Werte, die uns ein stabiles Gerüst für Entscheidungen bieten und uns authentisch machen. Zeit für uns selbst, für Familie und Freunde, ist von großer Bedeutung. Gemeinsam Probleme zu teilen und über Ängste und Themen zu sprechen, die einen beschäftigen, kann schon enorm helfen, sich nicht allein zu fühlen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die Kunst dient als Ventil für unsere seelischen Bedürfnisse. Sie ermöglicht es uns, unsere Gefühle und Emotionen auszudrücken und zu verarbeiten. Kunst schafft Verbindungen zwischen Menschen. Sie bringt Künstler und Publikum zusammen und ermöglicht einen Austausch von Gedanken, Ideen und Empfindungen. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist diese Verbindung von großer Bedeutung. Sie erinnert uns daran, dass wir Teil einer größeren Gemeinschaft sind. Kultur ermöglicht es in andere Perspektiven einzutauchen. Durch die Darstellung von Charakteren und Geschichten können wir uns in unterschiedliche Lebenswelten hineinversetzen und neue Sichtweisen gewinnen. Sie kann Missstände aufzeigen, zum Nachdenken anregen und Veränderungen bewirken.
Was liest Du derzeit?
Das Kind in dir muss Heimat finden von Stefanie Stahl
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“Die Liebe ist der Stoff, den die Natur gewebt und die Phantasie bestickt hat.” –
Voltaire
Vielen Dank für das Interview, lieber Manuel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Manuel Sonnleitner, Schauspieler
Zur Person_Manuel Sonnleitner wurde in der Steiermark geboren und folgte im Alter von 19 Jahren seiner Leidenschaft, indem er nach Wien zog, um an der Schauspielschule Krauss zu studieren. Nach seiner Ausbildung folgten Engagements u.A. im Theater in der Josefstadt, dem Theater Akzent sowie den Raimundspielen Gutenstein, wo er im Sommer im Stück „Der Verschwender“ die Rolle des Valentins übernimmt. Für seine schauspielerischen Leistungen im Filmbereich erhielt er einige Auszeichnungen.
ALL ABOUT ME. Kein Leben nach mir. Uraufführung. aktionstheater ensemble _ Theater am Werk Wien8.6.2024
Was für eine großartige Hommage an die Kraft und Leidenschaft des Theaters in aller Notwendigkeit und Unersetzbarkeit von Expression, Reflexion der unerträglichen Leichtigkeit der Poesie des Lebens auf der Bühne!
Und so eine innige, herzzerreißende Liebeserklärung an den Wert des Theaters in der Verbundenheit von Bühne und Publikum in einer Gesellschaft, einer Welt, die im Kleinen und Großen so viel fordert und überfordert. Ein einzigartiges Plädoyer für die Unersetzlichkeit des Theaters in allen Jahreszeiten von Leben und Gesellschaft.
Theater als ein Ort, der all dem Unaussprechlichen, Erschütternden der Alltäglichkeit Raum gibt und den das aktionstheater ensemble zu seinem 35jährigen Bühnenjubiläum in einem Feuerwerk höchster Spielkunst zelebriert und in allen Farben der Menschlichkeit explodieren lässt. Was für ein Geburtstagsfest, was für ein Abend!
Der dramaturgische Bogen spannt sich genial über die Reflexion des Bühnenberufs in Vision und Zweifel, dann über die Entlarvung des gesellschaftlichen Narzissmus, der auch über das Leben hinaus nicht Halt macht– „Ich kann mir das Leben danach ohne mich gar nicht vorstellen“ – das Politische im Privaten treffsicher wie erschütternd dargestellt in aller Sehnsucht nach Anerkennung und dem Schmerz der Abweisung und als unglaubliches Finale das Ende einer Liebe…
Ein Geburtstagsfest als grandioses Theatergeschenk, herzlichen Dank und Gratulation liebes aktionstheater ensemble, ad multos annos!
ALL ABOUT ME. Kein Leben nach mir. Uraufführung. aktionstheater ensemble
Theater am Werk Wien8.6.2024
Konzept/Inszenierung _ Martin Gruber
Text _ Martin Gruber/aktionstheater ensemble/Wolfgang Mörth
Dramaturgie _ Martin Ojster
Mit _ Isabella Jeschke / Andreas Jähnert / Thomas Kolle / Kirstin Schwab / Tamara Stern / Benjamin Vanyek
Musik _ Andreas Dauböck
Bühne/Kostüme _ Valerie Lutz
Videoinstallation _ Resa Lut
Regie-Assistenz _ Sanna Hufsky
Medienkontakt _ Gerhard Breitwieser
Live-Musik _ Andreas Dauböck / Ernst Tiefenthaler / Emanuel Preuschl /Jean Philipp Viol
Weitere Spieltermine: 11.6.: 12.6.; 13.6.; 14.6.; 15.6.;