Liebe Heide Maria Hager, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nach dem Aufstehen geh ich im Moment entweder in den Unterricht (ich unterrichte in der Schule des Sprechens – ich gebe dort Coachings für Führungskräfte, Politiker, Menschen, die viel sprechen müssen im Bereich Sprechtechnik, Atem, Stimme), oder ich spreche im homestudio für Miri TV Geschichten ein, oder auch für die Hörbücherei des Blindenverbandes – oder ich recherchiere. Ich recherchiere einerseits für eine Ingeborg Bachmann Veranstaltung, andererseits für eine Tournee, die wir mit dem Stück „Das rote Fahrrad“ von Fred Apke planen. Dieses Stück lief heuer unglaublich erfolgreich im Theater Arche, und es gehört – auch laut den vielen Publikumsreaktionen – weiterhin auf die Bühne. Wie es aussieht, werden wir es im Herbst 2023 im Theater Arche wiederaufnehmen. Ab und zu absolviere ich Castings für Werbung und Film.
Am Abend geh ich im Moment viel ins Theater, es finden ja gerade die Wiener Festwochen statt. Außerdem schau ich mir auch immer gerne Kolleg*innen auf der Bühne an. Am Wochenende sorge ich dafür, dass ich in die Natur komme und Zeit mit Familie und Freunden verbringe. Vor kurzem war ich 12 Tage in der Toskana wandern, das Gehen in der Natur macht den Körper fit wie nichts sonst, den Kopf leer, das Herz und die Seele weit.
Heide Maria Hager, Schauspielerin, Sprecherin, Trainerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
HUMOR, feiern und Zusammenhalten – das ist nicht nur jetzt wichtig. Wir müssen unbedingt jede Gelegenheit nützen, um zu lachen und zu feiern. Und bitte sich nicht vereinzeln lassen. Sich nicht auseinanderdividieren lassen – von welcher Obrigkeit auch immer. Immer wieder nach Austausch streben, Kontakt zu anderen suchen. Die Unterschiede aushalten lernen statt allzu schnelle Urteile zu fällen – kommunizieren lernen, wenn es Probleme gibt. Ich denke, Corona hat bei einigen dafür gesorgt, sich mehr in sich zurückzuziehen, bzw. sich mehr in gewohnten communities zu bewegen. Die Neugierde auf die Diversität des Lebens hat gelitten. Diese muss man ja auch üben; sich auf Neues, Anderes einzulassen, bedeutet unter Umständen, eigene Gewohnheiten nicht an die erste Stelle zu positionieren. Das ist ja auch nicht immer leicht, oder schlüssig. Gleichzeitig finde ich es sehr wichtig, auch gesunde Grenzen ziehen zu lernen. In dem Moment, wo ich mich überfordert fühle, meine innere Balance außer Lot gerät, muss ich auch „nein“ sagen dürfen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Hmmm…Aufbruch…mir kommt das gar nicht so „neu“ vor. Hat es diese „Aufbrüche“ nicht schon immer irgendwie gegeben? Der rasant ablaufende technische Fortschritt, fordert uns in der jetzigen Zeit im Besonderen heraus, denk ich. Nicht jeder ist technisch am gleichen Stand – dadurch passiert Ausgrenzung. Das Tempo, indem sich Arbeitsabläufe heutzutage abspielen, ist unglaublich. Da braucht es an der richtigen Stelle Entschleunigung, denn der Körper kommt da oft nicht mehr mit, ist überfordert, reagiert mit Krankheit oder sonstiger Störung. Auch der Geist kann sich ganz schön verwirren, und sucht oft nach einfachen Lösungen – oder lenkt sich ab.
Ich glaube regelmäßige RUHE, STILLE täte vielen gut. Zeit mit sich verbringen. Ohne Ablenkung, ohne Informationsquelle von außen. Die innere Stimme ist oft sehr leise, und ist für mich persönlich eine wichtiger Orientierungsgeber. Auch intelligente Arbeitsabläufe sind not-wendig, neue Systeme, wie wir miteinander besser kooperieren. Weg von der Konkurrenz, hin zur Kooperation. Soviel ich weiß, gibt es hier geniale Ansätze unter Einbindung flacher Hierarchien.
Durch Förderung von mehr Eigenverantwortlichkeit der Arbeitnehmer*innen und auch finanzieller Mitbeteiligung am gemeinsam erwirtschafteten Gewinn, wird mehr Eingebundensein ins Firmengeschehen und dadurch auch mehr eigene Wirkmacht erlebt. So wird Fleiß und Eloquenz belohnt und nicht nur von allen konsumiert. So etwas kann beitragen, Sinn zu stiften.
Die Sinnfrage ist glaube ich ohnehin die große Frage: warum, wozu mach ich, was ich mache? Ich träume von einer Gesellschaft, die kleinteilig so funktioniert, dass es völlig klar ist, bei Problemen hin zu schauen und gemeinsam an der Lösung zu arbeiten, statt sich in Machtkämpfen zu verzetteln.
Wir brauchen endlich sozial hoch kompetente und emotional intelligente Menschen in Führungspositionen. Echte Vorbilder. Gendergerechtigkeit, gleiche Löhne für gleiche Arbeit – die alte Leier. Gelebter Feminismus, der sich bitte dann überall auswirken muss: im Lohn, in der Architektur, im Städtebau, in der Erziehung, in der Forschung, in der Medizin, usw. Wir brauchen vielleicht auch klar definierte Werte, da bleibt die Frage, wer sie vermitteln soll, wenn das Elternhaus aussetzt: – Wieso lohnt sich Ehrlichkeit? Warum sollte man aufrichtig sein? Wieso zahlt sich, auf lange gesehen, Trickserei nicht aus? Wem schade ich, wenn ich den Weg des geringsten Widerstands nehme? Wozu ist Höflichkeit gut? Wie wirkt sich mein Handeln auf andere aus? Kann ich Kritik vertragen?
Mich persönlich interessiert immer auch der Forschungsstand, etwa dass die Nobelpreisträgerin für Physik 2020 Andrea Ghez sagt, dass die Physik an der Grenze des Erforschbaren angekommen sei. Und darüber hinaus aber etwas existiere, das nicht messbar sei. Oder die Quantenphysik, die eigentlich Unbegreifliches beschreibt – was machen wir als aufgeklärte Kultur mit dem (noch?) nicht Erklärbaren? Was ist überhaupt der Sinn des Lebens? Kunst kann dies nicht beantworten, aber zumindest helfen, Eigenreflexion zu erhöhen. Denn um bewusst zu handeln – braucht es bewusstes Auseinandersetzen. Mit sich, mit den anderen, mit „dem Leben“ an und für sich.
Kunst – egal in welcher Form – hat die Möglichkeit Räume in unser Unbewusstes zu öffnen, Räume und Realitäten, die im schnellen Alltag sonst untergehen. „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“, wie Picasso für mich sehr stimmig sagt. Kunst stöbert im Allgemeinen, bevor es spezifisch wird. Somit ist Kunst meistens auch echter Ausdruck ihrer Zeit. Sie kann mithelfen, die richtigen Fragen zu stellen – vielleicht sogar Antworten zu finden. Sie kann ganz unvermittelt berühren und dadurch Verbindung zueinander herstellen. Frida Kahlo sagt: „Ich male Blumen, damit sie nicht sterben“. Angesichts unserer menschlichen katastrophalen Einwirkung auf die Erde, sogar ein sehr pragmatischer Satz, wobei er so nicht gemeint ist, denke ich.
Wenn ich in der Probe auf der Bühne stehe und eine Figur sich aus mir heraus schält, dann gebe ich einen Teil von mir preis. Es öffnet sich in mir ein Raum, ein Fenster, in dem ich mir manchmal selber beim Entstehen von Abläufen zusehe. Bei diesem Schauspielprozess ist also nicht alles bewusst geschöpft, und doch tritt das Ergebnis bewusst zu Tage. Ein magischer Vorgang. Erst recht, wenn dann noch Publikum zuschaut. Dann bekommt oft das in mich hineingehen und von dort wieder heraus eine fordernde Unbedingtheit. Kunst wohnt zuweilen eine Dringlichkeit inne, ein „es tun müssen“, ob sie nun verstanden wird, oder nicht, ob es Publikum dafür gibt oder nicht. Man denke nur an Van Gogh, der in seinem Leben nur ein einziges Bild verkaufen konnte und doch wie wild weiter gemalt hat. Kunst schärft die Sinne und den Verstand. Aber Vorsicht: auch die Kunstschaffenden müssen sich den narzisstischen Fallen bewusst werden, die in uns alles wohnen. Allzu persönlich gefärbte Ergüsse, die nicht ins Allgemeine zu weisen wissen, interessieren mich persönlich schon lange nicht mehr.
Was liest Du derzeit?
„Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer, da muss ich noch ein bisschen hineinfinden, die Geschichte lässt mich aber sehr dranbleiben. Die Dramatisierung wird derzeit übrigens im Burgtheater im Kasino aufgeführt.
„Wovon wir leben“ von Birgit Birnbacher hab ich soeben beendet und muss es dringend empfehlen! Eine ganz und gar unaufgeregte, tiefe, geradlinig erzählte Geschichte, die sehr viele Frauenthemen aufgreift. Und sie interessant abspinnt.
„Ein Zimmer für sich allein“ von Virginia Woolf. In einem durch gelesen – eine dringende Empfehlung für Frau und Mann, ein Klassiker. Immer noch gültig, leider.
Und ja: die Bibel lese ich stetig. Von vorne bis hinten. Ich habe mich durchgerungen, sie bildet einen Grundstock unserer Kultur, und ich will mich eigenhändig kundig machen darüber.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst in der Welt.
Mahatma Gandhi
Trotz allem glaube ich an das Gute im Menschen.
Anne Frank
Heide Maria Hager, Schauspielerin, Sprecherin, Trainerin
Vielen Dank für das Interview Heide Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Heide Maria Hager, Schauspielerin, Sprecherin, Trainerin
Zur Person_Heide Maria Hager, Schauspielausbildung in Wien, Staatliche Prüfung, Engagements u.a. Kammerspiele Hamburg, Kleines Theater Salzburg, Studiobühne Villach, Schauspielhaus Wien, sämtliche freie Bühnen in Wien, internationale Theatertauftritte mit Teatro caprile.
Letzte Theaterproduktionen: „tageslichtlinie – Eine Homage an Elfriede Gerstl, „Ins gelobt Land – In Memoriam Marko Feingold“, „7 Todsünden“, „Andorra“, „Das rote Fahrrad“, Elfriede Nöstlinger – Szenische Lesung
Letze Filme: „Strawberry Moments“, „Wieviele bist Du?“, „Janus“, „Der Erbsenzähler“, „Vienna“, 2020, „Tatort – Alles was recht ist“, „Dunkle Wasser – Salzburg Krimi“, „Vikinger“, „Steirerkrimi“, „Fahndung Österreich“
Ausbildung zur Theaterpädagogin, Unterrichtstätigkeit in der Schule des Sprechens, Hörbuchsprecherin für den BSVÖ, Sprecherin für Miri TV und Loftfilm München
Lieber Carl-Christian Elze, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meistens zu früh geweckt werden von meinem 4-jährigen Sohn (das betrifft natürlich auch meine Frau), dann frühstücken (er: Müsli, ich: vorerst nur Kaffee), auch den größeren Sohn (11) wecken, entweder den Größeren oder den Kleineren in die Kita bzw. die Schule bringen, dann selbst zur Arbeit fahren oder nochmal nach Hause gehen.
Ich unterrichte zur Zeit Biologie an einer Berufsschule, als Brotjob gut geeignet, meistens macht es sogar Spaß. Dadurch aber auch oft ziemlich zerfranste Tage, meistens nur kleinere Schreibinseln täglich oder nicht täglich, für Gedichte meist ausreichend, für längere Prosa eher schwierig (sehr schwierig). Nicht selten der Wunsch, einfach am Schreibtisch sitzen zu bleiben, wenn gerade die Sätze gut fließen, aber dann heißt es: Aufstehen, Biologie, Zellenlehre, Genetik, Immunsystem, Hormonsystem, Nervensystem … Lauter interessante Dinge, aber gerade nicht romanrelevant:)
Ab 16 Uhr sind meistens ebenfalls alle Schreibinseln geschlossen, weil der Kleine (Mio) aus der Kita abgeholt und beschäftigt werden will (Eis essen, mit Duplo-Steinen bauen, auf den Spielplatz gehen, Unsinn machen, …), alles wunderbar im Grunde (solange die Kinder nur gesund sind!) und letztlich ist es auch das erzwungene richtige Leben fern des Schreibtisches, dass es unbedingt braucht, um später am Schreibtisch über genau dieses Leben schreiben zu können.
Abends nach den kleinen Raubtierfütterungen und weiteren Raubtierritualen ca. 21 Uhr endlich Ruhe im Karton. Jetzt kaum noch Energie für echte Schreibtischwunder, zumindest bei mir. Eher schauen, wie weit man noch kommt mit den schweren Augenlidern beim Lesen des neuen Romans von … oder beim Reden mit meiner Frau über … oder beim Bier mit dem alten Freund, den man, seit man Kinder hat, nur noch alle paar Monate sieht statt wie früher jede Woche, jeden Tag.
Carl-Christian Elze, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Etwas zu finden, was uns beruhigt, zumindest für einige Stunden, auch außerhalb des Schlafs.
Diese Welt und ihre tägliche verwirrende, angstgebärende Informationsfülle ist für jedes menschliche Gehirn eine große Herausforderung, ein molekularer Sturm.
Natürlich soll man nicht den Kopf in den Sand stecken und die Probleme dieser Welt ausblenden, im Gegenteil, aber trotzdem den Kopf wieder frei bekommen zwischendurch, zwischen den ganzen Problemen dieser Welt. Am besten hilft es, mit kleinen Kindern zu spielen und sich in ihrer Spielwelt und ihrem kleinen-riesigen Leben aufzuhalten.
Aber auch die Natur hilft, wenn man gerade keine kleinen Kinder zur Verfügung hat, immer der Gang durch die Natur, die bewusste Wahrnehmung einer nicht menschenzentrierten Welt, die ohne uns ihre größten Momente hat und scheinbar völlig losgelöst von uns phantastisch funktioniert.
Die Menschen nicht zu wichtig zu nehmen, das ist das Ziel beim Gang durch die Natur, die Menschen nicht zu wichtig zu nehmen und deshalb auch weniger an ihren Dummheiten zu leiden. Dabei neue Kraft schöpfen, um danach die eigenen und die fremden Dummheiten zu verkleinern, Solidarität zu leben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich glaube immer noch daran, dass uns Kunst – oder weniger abstrakt gesagt: einfach Geschichten, Klänge, Farben und Tänze – wahrscheinlich zu anderen, besseren Menschen machen können.
Bestenfalls entstehen, wenn Menschen von und mit Kunst berührt werden, synaptische Verknüpfungen im Gehirn, die sie empfindlicher, empathischer, aufmerksamer, dankbarer, hilfsbereiter und hoffentlich auch ungefährlicher machen für den Rest ihres Lebens.
Schon immer gab es das Bedürfnis von Menschen, Kunst zu machen bzw. sich Geschichten auszudenken, zu musizieren, zu malen und zu tanzen, und es gab das Bedürfnis eben jene Geschichten, Klänge, Farben und Tänze von anderen zu erfahren. Das tägliche, hektische Leben bietet scheinbar so wenige Zeitinseln für das Erleben von Kunst, denken sich wahrscheinlich viele. Und dabei entsteht der Gedanke, dass auch Kunst eine Insel sei, was sie nicht ist. Sie ist das Gegenteil von einer Insel, sie ist im Grunde das Meer, das uns schon immer umgibt, die Flüssigkeit, in denen unsere Gehirne schwimmen wollen, um sich zu beruhigen und um zu begreifen, dass wir mit allem verbunden sind, dass niemand allein ist und niemand allein bleibt.
Was liest Du derzeit?
In den letzten Jahren habe ich immer gleich nach Erscheinen jeden neuen Houellebecq-Roman gelesen, diesmal alles mit ein wenig Verspätung. „Vernichten“. Ich bin erst am Anfang, aber denke schon jetzt: anders als sonst, weniger ironisch/zynisch, viel verletzlicher, dabei blitzgescheit und kühn wie immer, wahrscheinlich ein toller Roman.
Vorherige Lektüre: „Crossroads“ von Jonathan Franzen und der anschließende Katzenjammer, der sich bei großer Literatur immer einstellt: Warum muss ich diese Franzen-Welt jetzt schon wieder verlassen? Warum sind diese 825 Seiten so schnell zu Ende gegangen? Verdammt, jetzt muss ich womöglich Jahre warten, bis diese Familiengeschichte weitergeht.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Nur der Mensch kann über etwas sprechen, das gar nicht existiert, und noch vor dem Frühstück sechs unmögliche Dinge glauben.“ (von Yuval Noah Harari aus: Eine kurze Geschichte der Menschheit, Pantheon-Verlag, 2013).
Dieses Zitat scheint mir ein Problem oder womöglich das Problem des Menschseins ganz gut anzudeuten. Menschliche Sprache – das ist Panik und Paradies zugleich. Ich möchte allerdings das gesamte Buch von Harari empfehlen, für mich eine staunenswerte Reise auf fast jeder Seite.
Vielen Dank für das Interview lieber
Vielen Dank für das Interview lieber Carl-Christian Elze, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Carl-Christian Elze, Schriftsteller
Zur Person_Carl-Christian Elze wurde 1974 in Berlin geboren und wuchs in Leipzig auf. Sein Vater war Zootierarzt, sodass er einen großen Teil seiner Kindheit im Leipziger Zoo verbrachte. Später studierte er zwei Jahre Medizin, danach Biologie und Germanistik. Von 2004–2009 war er Student am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er schreibt Gedichte, Prosa und Drehbücher.
Seit 2006 erschienen mehrere Gedichtbände, u. a.: ich lebe in einem wasserturm am meer, was albern ist (luxbooks 2013), diese kleinen, in der luft hängenden, bergpredigenden gebilde (Verlagshaus Berlin 2016), langsames ermatten im labyrinth (Venedig-Gedichte, Verlagshaus Berlin 2019) und panik/paradies (Verlagshaus Berlin 2023).
Letzte Prosapublikationen: Aufzeichnungen eines albernen Menschen (Erzählungen, Verlagshaus Berlin 2014), Oda und der ausgestopfte Vater (Zoogeschichten, kreuzerbooks 2018) und Freudenberg (Roman, Voland & Quist/Edition Azur 2022). Carl-Christian Elzes Debütroman Freudenberg stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.
Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Lyrikpreis München (2010), dem New-York-Stipendium der Max Kade-Foundation (2010), dem Joachim-Ringelnatz-Nachwuchspreis (2014), dem Rainer-Malkowski-Stipendium (2014) und einem Stipendium im Deutschen Studienzentrum Venedig (2016). 2023 ist er Stadtschreiber von Dresden.
Carl-Christian Elze ist Mitbegründer der Leipziger Lesereihe niemerlang, Monatsjuror bei lyrix, dem Bundeswettbewerb für junge Lyrik, und Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.
Liebe Lydia Steinbacher, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte hier vertraut?
Nein, das wäre zu viel gesagt. Mein Bruder lebt nicht allzu weit entfernt, aber in der Ungargasse bin ich selten gewesen.
Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?
Ingeborg Bachmanns Werk, vor allem ihre Lyrik, habe ich während meiner Schulzeit kennengelernt. Ich kann mich erinnern, dass wir Gedichtinterpretationen schreiben sollten. Es machte mir keine Angst, nach der Lektüre das Gefühl zu haben, nicht alles verstanden zu haben. Ich setze mich gern mit Fragen auseinander, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt, aber natürlich macht das auch unzufrieden. Ich mag Geheimnisse und das Geheimnisvolle in Bachmanns Sprache.
Beim Wiederdurchblättern des Buches ist mir außerdem aufgefallen, dass Ivan aus Pécs stammt. Vor ein paar Jahren habe ich dort ein Monat verbracht und die Arbeit an meinem letzten Roman begonnen.
Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?
Es war einmalig, mich von dir ins Ungargassenland führen zu lassen, vielen Dank. Das Gefühl am Dach bei Malina brachte mich der Ich-Figur irgendwie näher, ausgesetzt, angreifbar – der Wind war an dem Tag ziemlich stark. Und kurz schien es auch so, als meldeten die Orte sich zurück, der Rauchfang splitterte Teile vom Verputz ab, die Steine im Hof unter Ivans Wohnung wackelten in der vom Regen noch feuchten Erde.
Wie siehst Du den Aufbau und das Konzept des Romans?
Den formalen Aufbau finde ich sehr spannend, die Figurenvorstellung zu Beginn und die Zeitangabe wie im Drama, die Einteilung in die drei Kapitel, davon das zweite eine Aneinanderreihung von Träumen, auch die Miteinbeziehung der verschiedenen Textsorten von ausgedehnten Monologen, Telefongesprächen und Träumen über Briefe bis hin zum Märchen. Auch verweist der Text immer wieder auf sich selbst, Motive werden wiederholt aufgegriffen und variiert. Ich mag diese starke innere Verflechtung.
Insofern ist „Komposition“ sicher ein wichtiges Schlüsselwort, auf struktureller Ebene, aber auch im eigentlichen musikalischen Sinn. Denn bemerkenswert sind ja vor allem die vielen musikalischen Bezüge und Zitate im Text. Sogar Teile von Partituren sind abgedruckt.
Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans?
Es geht um Liebe und Gleichgültigkeit, überhaupt um starke Kontraste und Extreme und die existenzielle Bedrohung an den Stellen, wo das Pendel am weitesten ausschwingt. Schuld und Erlösung, Leid, aber auch die Möglichkeit des Glücks sind zentrale Themen des Romans. Das Weiterleben nach dem Trauma.
Gezeigt wird auch eine Ausweitung der Dissonanz. Ein immer wiederkehrender musikalischer Verweis ist Arnold Schönbergs „Pierrot lunaire“, ein Schlüsselwerk der atonalen Musik.
Wie ist die Beziehung zwischen Mann und Frau im Roman dargestellt und wie ist dies heute zu sehen?
Das weibliche Ich lebt in einseitigen Abhängigkeitsbeziehungen, sie kann oder will in dieser Hinsicht, also in Bezug auf ihre Gefühle, nichts vorspielen. Natürlich ist ein künstlerisches Werk immer auch ein Zeitdokument und mitunter Spiegel gesellschaftlicher Strukturen, so kann man aus dem Roman eine Kritik an der bürgerlich-patriarchalen Gesellschaft herauslesen. Ihn aber nur in diese Richtung auszulegen, wäre ein bisschen zu einseitig.
Für mich sind im Text auch zwei gleichberechtigte, aber divergierende Wege entworfen, die Welt zu ergründen, einerseits durch radikale Einfühlung, andererseits durch analytische Distanz.
Wie beurteilst Du die Protagonisten Ivan, Malina, Ich-Person in ihrem literarischen Kontext bzw. dem Kontext der Autorin und ihrer Biographie?
Es handelt sich um ein autobiographisches Werk, aber nicht um eine Autobiographie. Fakten und Fiktion stehen gleichberechtigt nebeneinander oder liegen übereinander. Wenn man die Worte gegens Licht hält, erkennt man wohl das Durscheinende. Aber davon abgesehen steht ja immer schon die Frage im Raum: Gibt es reine Fiktion und wahre Autobiographie denn überhaupt? In der Sekundärliteratur wird auch gemutmaßt, in Malina habe Bachmann ihre Erfahrungen der Beziehung zu Max Frisch einfließen lassen, aber ich kann das nicht beurteilen, und eigentlich interessiert mich das auch nicht besonders.
Wie siehst Du das literarische Konzept des dreistufigen Aufbaus des Romans?
Ich habe den Eindruck, die Teile drängen schon alle auf das Ende hin, es ist schon dem Anfang eingeschrieben, dieses bedrohliche Gefühl. Da ist der erste Teil „Glücklich mit Ivan“, Ivan als die „konvergierende Welt“, der dem liebenden Ich aber erklärt, dass er niemanden liebe, und für den sie ein „schönes Buch“ schreiben will.
Dann tritt im zweiten Teil der Vater auf, der ihre Traumwelt beherrscht und die Ich-Figur auf verschiedene Weisen misshandelt und tötet. Das Ich erinnert sich an die Verbrechen des Nationalsozialismus, ist stumm, muss wieder um Stimme ringen.
Doch die Ich-Figur erzählt – und erzählt trotz allem weiter; mehr weil sie muss, nicht weil sie will. Die „divergierende Welt“ Malina wird im Fortlauf des Textes immer dominanter, bis er ganz am Ende ins Telefon spricht: „Ich sage doch, hier war nie jemand dieses Namens“, und tatsächlich wurde der Name des Ich nie erwähnt.
Welches Frauen- und Männerbild spricht Ingeborg Bachmann in Malina an und wie aktuell ist dies heute?
Alle Männer seien krank, hat sie einmal in einem Interview gesagt, wenn ich mich richtig erinnere. Auch im Roman wird Ähnliches erwähnt. Vielleicht könnte man das als den Versuch einer im besten Fall „Heilung bewirkenden“ Übertreibung interpretieren, Heilung im Sinne von Verabschiedung von Ungerechtigkeiten und Hinwendung zu geschlechtlicher Gleichstellung in Taten und in geistigen Konzepten.
Welchen Einfluss hatte und hat der Roman auf die Entwicklung von Literatur, Kunst und Emanzipation und Gesellschaft?
Ich habe mich nicht mit der Rezeptionsgeschichte des Romans auseinandergesetzt und kann keine gute Antwort auf die Frage geben. Aber Eines fällt mir ein: In ihrem Essay „Die wunderliche Musik“ unterscheidet Bachmann an einer Stelle zwischen der „leichten“ und der „schweren Musik“. Letztere komme nicht so schnell aus der Mode, der Klang sei dem Hörer, in dem er gleichzeitig zum Leben erwacht und sofort wieder zu Tode kommt, schuldig, ihn im Innersten zu bereichern. Ich denke, Malinas Roman könnte ein Versuch sein, dieses Phänomen bzw. diesen Anspruch auf ein literarisches Werk umzulegen.
Wie siehst Du das Ende des Romans?
Wesentlich ist das Verstummen des Ich am Ende. Schon von Anfang an erschien dessen Stimme als bedroht. Zuletzt verschwindet es in der Wand, aus der „nie mehr etwas laut werden kann“. Es ist der Übertritt in eine verlorene Zeit.
Die Ich-Figur kann auch nichts hinterlassen, denn für Malina werden ihre Gegenstände sofort nach dem Verschwinden bedeutungslos, weswegen er sie entsorgt. Und doch ist da noch etwas Gewalttätigeres in seinem Verhalten: Er entsorgt die Dinge nicht einfach, er zerreißt die Briefe, er zerbricht die Schallplatte, die „den größten Widerstand“ leistet, ehe er sie entsorgt. Die Ich-Figur will Malina vor ihrem Verschwinden noch beschützen, ihn decken wie sie es auch bei ihrem Vater getan hat. Wenn man den Schluss als Selbstzerstörung interpretiert, dann ist dennoch klar, dass Malina nicht unschuldig, sondern zumindest Mittäter ist.
Gab es in Deinen Literatur-, Kunstprojekten Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?
Nein, direkte Berührungspunkte gab es noch nicht. Aber wenn ich mich leer – oder schlimmer: ausgehöhlt – fühle, dann nehme ich gern Gedichtbände aus meiner ziemlich bescheidenen Sammlung zur Hand. Und Verse von Bachmann oder auch Celan wirken sehr inspirierend auf mich.
Du bist wie Ingeborg Bachmann als Schriftstellerin nach Wien gezogen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier als Künstlerin gemacht?
Ich habe mich mit Wien schon in gewisser Weise verwandt gefühlt, bevor ich hierhergezogen bin. Meine Großmutter, mit der ich in meiner Kindheit sehr viel Zeit verbracht habe, ist nämlich am Rennweg aufgewachsen. Einmal sind wir zusammen nach Wien gefahren, und sie wollte ihr Haus wiedersehen. An genau der Stelle klaffte aber ein Loch, in dem ein Bagger wütete. Daran habe ich noch lange denken müssen, ich war wirklich traurig.
Als Künstlerin habe ich fast nur gute Erfahrungen in Wien gemacht, es gibt viele kunstinteressierte Menschen. Und auch, wenn man nicht die Lauteste und Forscheste ist, bekommt man immer wieder Chancen.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Nächstes Jahr soll ein neuer Gedichtband erscheinen und ich arbeite zurzeit an der Fertigstellung des Manuskripts.
Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Gerne. Anfangs wäre es wahrscheinlich gar nicht so einfach gewesen, ins Gespräch zu kommen, da ich auch eher schüchtern bin. Aber wir hätten dann vielleicht über das Thema Träume einen Einstieg gefunden und uns langsam zur Wirklichkeit vorgearbeitet. Und wenn nicht, dann wäre es sicher auch schön gewesen, mit Ingeborg Bachmann einfach durch die Straßen zu wandern, vielleicht irgendwo zum Wasser hin, und gemeinsam lange tagzuträumen.
Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?
Möchtest du glücklich sein? Auch das ist eine Frage Lamentandosi: Ich kann nur Vergebliches tun Nur lass das Grammophon noch laufen Am Ende langsam herausdenken
Zur Person_ Lydia Steinbacher, geboren 1993, lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich, studierte Deutsche Philologie an der Universität Wien. Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung sowie des Literaturkreises Podium. Sie wuchs in Hollenstein an der Ybbs auf und sammelte schon früh Erfahrungen im Schreiben, u. a. im Rahmen der Schreibakademie Niederösterreich. Steinbacher ist Trägerin zahlreicher nationaler und internationaler Aufenthalts- und Literaturstipendien. 2017 sorgte ihr Lyrikband Im Grunde sind wir sehr verschieden (Limbus Verlag) für großes mediales Interesse, es folgte die Teilnahme am Poesiefestival Treci Trg in Belgrad. Ihre Erzählungen erschienen in zahlreichen Anthologien. Ihr Erzählband Schalenmenschen erschien 2019. Wolgaland (2022) ist ihr erster Roman.
E-iner seligen Gemeinschaft, die gegenseitig ins Schenken sich verliert.
Heide Maria Hager, 25.5.2023
Heide Maria Hager, Schauspielerin, Sprecherin, Trainerin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Heide Maria Hager, Schauspielerin, Sprecherin
Zur Person_Heide Maria Hager, Schauspielausbildung in Wien, Staatliche Prüfung, Engagements u.a. Kammerspiele Hamburg, Kleines Theater Salzburg, Studiobühne Villach, Schauspielhaus Wien, sämtliche freie Bühnen in Wien, internationale Theatertauftritte mit Teatro caprile.
Letzte Theaterproduktionen: „tageslichtlinie – Eine Homage an Elfriede Gerstl, „Ins gelobt Land – In Memoriam Marko Feingold“, „7 Todsünden“, „Andorra“, „Das rote Fahrrad“, Elfriede Nöstlinger – Szenische Lesung
Letze Filme: „Strawberry Moments“, „Wieviele bist Du?“, „Janus“, „Der Erbsenzähler“, „Vienna“, 2020, „Tatort – Alles was recht ist“, „Dunkle Wasser – Salzburg Krimi“, „Vikinger“, „Steirerkrimi“, „Fahndung Österreich“
Ausbildung zur Theaterpädagogin, Unterrichtstätigkeit in der Schule des Sprechens, Hörbuchsprecherin für den BSVÖ, Sprecherin für Miri TV und Loftfilm München
Liebe Anna Felnhofer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Jeder Tag ein bisschen anders, aber insgesamt beschleunigter, wie mir scheint, als vor Corona; meist an der Kinderklinik, dazwischen Tagungen, Vorträge, Sport, und immer wieder, sofern es sich einrichten lässt, Lesen und Schreiben.
Anna Felnhofer Schriftstellerin, Wissenschaftlerin, Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das Gefühl der Bedrohtheit bewältigen, die Distanz überwinden, in ein aufrichtiges Gespräch finden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Rolle der Literatur dabei: Beschreiben, nicht urteilen, Lebensrealitäten eröffnen, jene Zwänge sichtbar machen, die diese Lebensrealitäten bedingen, Nuancen herausarbeiten, vorurteilsfrei sein und zärtlich allen Formen gegenüber, die der Mensch anzunehmen im Stande ist.
Was liest Du derzeit?
Witold Gombrowicz, das Tagebuch, als Vorbereitung auf meine Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb, weil Gombrowicz, wie kein anderer, die ebenso zweifelhafte wie zwingende Beziehung zwischen Schriftstellern und ihren Kritikern thematisiert hat.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Zumal es angesichts der Corona-Krise beeindruckend aktuell ist, jenes von Sigmund Freud aus der Massenpsychologie und Ich-Analyse: „eine Religion [muß], auch wenn sie sich die Religion der Liebe heißt, hart und lieblos gegen diejenigen sein, die ihr nicht angehören. […] Wenn eine andere Massenbindung an die Stelle der religiösen tritt, wie es jetzt der sozialistischen zu gelingen scheint, so wird sich dieselbe Intoleranz gegen die Außenstehenden ergeben wie im Zeitalter der Religionskämpfe, und wenn die Differenzen wissenschaftlicher Anschauungen je eine ähnliche Bedeutung für die Massen gewinnen könnten, würde sich dasselbe Resultat auch für diese Motivierung wiederholen.“
Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Vielen lieben Dank!
5 Fragen an Künstler*innen:
Anna Felnhofer, Schriftstellerin, Wissenschaftlerin, Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin
Zur Person_Anna Felnhofer, geb. 1984 in Wien, Studium der Psychologie in Wien und Warschau, Promotion 2015. Arbeitet als Wissenschaftlerin und Klinische Psychologin an der MedUni Wien und ist Gründerin und Leiterin eines Virtuellen Realitäts-Labors (PedVR-Lab) (PedVR-Lab [HYPERLINK: https://kinderklinik.meduniwien.ac.at/paediatrische-psychosomatik/pedvr-lab/]) sowie auch Gründerin und Mitherausgeberin der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift Digital Psychology[HYPERLINK: https://ejournals.facultas.at/index.php/digitalpsychology]. Zu ihrem wissenschaftlichen Werk zählen zahlreiche Publikationen in internationalen Journalen sowie die Herausgabe von vier (Lehr-)Büchern (UTB, BELTZ).
Parallel dazu veröffentlicht sie Erzählungen und Kurzprosa in literarischen Zeitschriften. Im Jahr 2018 war sie auf der Shortlist des FM4 Wortlaut Kurzgeschichten-Wettbewerbs und gewann 2020 den Emil-Breisach Literaturpreis der Akademie Graz (2. Platz, Preis der Energie Steiermark AG). Ihr Debütroman „Schnittbild“ (Luftschacht, 2021, [HYPERLINK: https://www.luftschacht.com/produkt/anna-felnhofer-schnittbild/]) erhielt die Buchprämie der Stadt Wien, wurde mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis 2021 ausgezeichnet und für die Shortlist des Österreichischen Buchpreises Debüt 2021 nominiert.
Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2023 liest sie auf Einladung von Brigitte Schwens-Harrant.
Bachmannpreis 2023 _ von 28. Juni bis 2. Juli finden die 47. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt statt.
Close your eyes before you see the world turning into a wreck
Emergency calls don’t work when all world has already turned into an emergency room
A small „how do you feel today“
Come for a dinner tonight
How long has your longing for peace been?
A gentle caress
Nothing else
Can help us turn
Existence into Life
Inga Pizane, 19.5.2023
Inga Pizane, poet
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Inga Pizane, poet
Zur Person_Inga Pizane is a Latvian poet who loves flowers, cinema and photography. Author of three poetry books in Latvian „Tu neesi sniegs“ (2016, Jānis Roze), „Siena, ko nosiltināt“ (2019, Jānis Roze) and „Tas pats izmisums, tikai ar puķēm“ (2022, Jānis Roze). Her translated poems „Having Never Met“, 2018 were published by an American publisher A Midsummer Night’s Press, translated into English by Jayde Will. Inga has taken part in many European Poetry Festival events as well as America’s Poetry Festival in New York and other festivals and workshops.
Zu den Personen_Mercedes Miriam Vargas Iribar und Miriam Mercedes Vargas Iribar, Balletttänzerinnen, Künstlerinnen.
geb. 1971 in Guantánamo/ Kuba. 1984 besuchten sie die Kunstakademie (ENA) in Havanna. Ausbildung als Tänzerinnen und Tanzpädagoginnen. Schwerpunkte: Moderner Tanz, afrokubanische Folklore und Klassisches Ballett. Seit 1996 und 1999 sind sie ständige Mitglieder des Serapions Ensembles im Odeon Theater Wien.
Miriam Mercedes ist zusätzlich Meisterin der chinesischen Kampfkunst Tai Ji Quan und hat in China den 7. Grad des Kung Fu verliehen bekommen.
Mercedes Miriam hat parallel zum Theater, an der Universität Wien studiert. 2012 hat sie das Diplomstudiums in Romanistik/ Literaturwissenschaft und 2017 das Doktoratsstudiums in Romanistik/ Sprachwissenschaft, erfolgreich angeschlossen. Seit 2019 ist sie als Dozentin für Bewegungslehre an der Filmacademy Wien tätig. Des Weiteren arbeitet sie im Bereich Transkription und Übersetzungen für Kinofilme.
Beide wurden 2023 von der Regisseurin Jacqueline Kornmüller und dem Schauspielern und Produzenten Peter Wolf für das Ganymed-Bridge Stationstheater eingeladen mit dem Stück „Wie die Welt schmeckt“.
Liebe Sada Sultani, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist sehr spannend. Arbeiten in Psychiatrie und überhaupt in der Pflege ist nicht leicht und ich muss noch vieles lernen, da ich relativ neu in diesem Berufsumfeld bin. Aber mein Herz blutet für meinen Beruf und ich liebe mein Team, mit dem ich arbeiten darf und besonders meine Stationsleitung, die immer ein offenes Ohr für mich hat und mir den Rücken freihält. Auch wenn ich täglich Umwege fahren muss wegen eines zu aufdringlichen Fans und der desolaten Verkehrssituation in Berlin – Sada ist geboren um Krankenschwester zu sein. Trotzdem hätte ich gerne ein bisschen mehr Zeit und Raum zum Schreiben. Das würde mir guttun und ich denke, meinem Publikum auch. Nebenbei Fortbildung- und Weiterbildungen, Sport, Lesungen und ab und zu schnacken mit Freund*innen sind mir sehr wichtig. Ich verwöhne gerne meine Freund*innen auch kulinarisch und sie sagen ich sei ihre Reiskönigin Reiskönigin.
Sada Sultani, Dichterin und Liedermacherin, Aktivistin, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Authentizität und wahre Freundschaften, ehrliche Beziehungen zwischen Menschen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die meisten Begegnungen oberflächlich sind und man nur eine Option und Gelegenheit ist. Wir sind nicht bereit in die Tiefe zu gehen und sparen mit unseren Gefühlen. Das finde ich sehr schade. Aber trotz allem bin ich eine sehr offene Seele! Ich bin nicht aus Afghanistan hierher gekommen, hab das alles auf mich genommen, um dann in allen Lebenslagen unbefriedigt durch die Welt zu gehen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ein wirklich modernes Frauen- und Weltbild, nicht nur als Zitat und Gelaber in den Büchern, oder in den Zeitungen. Männer fühlen sich immer noch bedroht, wenn es um Gefühle geht. Wir leben im Jahr 2023 und Frauen verdienen immer noch weniger als Männer. Und zum Thema Krieg: Krieg bedeutet immer tote Menschen: Kinder, Frauen und Männer. Momentan gibt es viele Konflikte überall in der Welt und die sogenannte Erste Welt profitiert davon, dass es der sogenannten Dritten Welt schlechter geht. Wir Künstler*innen sollten mit diesen Thema bewusster umgehen, egal woher man kommt und in welcher Sprache man schreibt. Die Kunst kann eine Stimme der Hoffnung sein.
Was liest Du derzeit?
Die Woche habe ich es endlich geschafft, einen sehr lesenswerten Roman eines guten Freundes Krisha Kops (das ewige Rauschen) zu Ende zu lesen. Die Geschichte und die Art und Weise, wie poetisch und flüssig er schreibt, berührt meine orientalische Seele sehr. Niemand bisher hat eine Geburt so schön beschrieben, wie Krisha Kops in seinem Roman. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
Und der wunderbare Bukowski geht immer und immer und immer wieder… wenn ich von der Welt enttäuscht bin.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Mein Vaterland ist Ghana, meine Muttersprache ist Deutsch, die Heimat trage ich in den Schuhen“.
May Ayim
Sada Sultani, Dichterin und Liedermacherin, Aktivistin, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin
Vielen Dank für das Interview liebe Sada, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sada Sultani, Dichterin und Liedermacherin, Aktivistin, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin
Zur Person_Sada Sultani, *1989 in Masar-e-Sharif/Afghanistan und aufgewachsen in Iran, Dichterin und Liedermacherin, Aktivistin, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Lyrikerin freier postmoderner Lyrik, mit erotischen und politischen Themen, kontroverser und rücksichtsloser Sprache. Autorin von drei Gedichtbänden in persischer und deutscher Sprache. Darstellerin in zwei Dokumentarfilmen, Verfasserin Liedtexten für Ghawgha Taban und Sahar Ariyan, Teilnahme an Poesiefestivals in Afghanistan, Schweden und Deutschland. Lebt seit 2015 in Berlin.
Aktuelle Bucherscheinung_Sada Sultani
Sada Sultani. Gedichte / Poems _ zweisprachig _ Softcover mit Klappen, lieferbar, 200 Seiten. Klak Verlag.