bis das Licht ausgeht…hier im Wohnzimmer…namenlos…
Die Wiener Erstführung von „Über das Anfangen. Wortlaute aus dem Wohnzimmer“ der Schauspieler:innen/Regisseur:innen Alice Mortsch und Alexander Hoffelner wie des Komponisten und Musikers Christian Tesak setzt im reduzierten Bühnenbild einer Wohnzimmeratmosphäre ganz auf die Wort- und Spielkraft authentisch-autobiographischer Dialoge, die in Offenheit, Reflexion und Humor als bestes Schauspieltheater das Publikum in Aufmerksamkeit, Unterhaltung und Impuls packen. Die Pointen in unterhaltsamen wie tiefsinnigen Erzähl- und Reflexionsebenen werden vom großartigen abgestimmten Bühnentrio wunderbar gesetzt und sind bestes Kammerspiel. Ebenso ist die Musik hervorzuheben, die sehr gut die Dialoge trägt und verbindet. Text und Komposition von Christian Tesak kommen Bestes an und begeistern. Die großartige Stimme von Alice Mortsch ist dabei eine der Überraschungen des Abends, bitte mehr davon!
Alice Mortsch und Alexander Hoffelner zeigen einmal mehr welch innovative Spiel- , Bühnen- und Regieideen, sie zu entwickeln und hervorragend umzusetzen vermögen, herzlichen Dank!
Alice Mortsch, Alexander Hoffelner und Christian Tesak knallen unsere nackte Seele auf den Wohnzimmertisch bis das Licht ausgeht – ein hervorragender, leidenschaftlicher Theaterabend!
„Über das Anfangen. Wortlaute aus dem Wohnzimmer“ Alice Mortsch, Alexander Hoffelner, Christian Tesak
„Über das Anfangen. Wortlaute aus dem Wohnzimmer“
Ein Abend von und mit Alexander Hoffelner, Christian Tesak und Alice Mortsch und mit der Stimme von Peter Faerber.
Weitere Spieltermine Wien:
Samstag, 19. November Im Altbau (Landstraßer Hauptstraße 6, 1030 Wien)
Liebe Carola, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Carola von Herder, Regisseurin u. Choreographin _ Odessa/Wien
Seit Mitte März nach meiner Ankunft in Wien nach der Flucht aus Odessa ist mein Tageslauf mittlerweile ausschließlich auf ‚‘Wien tanzt mit Ukraine‘ ausgerichtet‘
Aufwachen um 6 Uhr oder früher, sofort Griff nach dem Handy : Nachrichten. Bin hellwach, liege aber noch in den Federn, deren Wärme ich sehr bewusst genieße. Irgendwann zw. 7 und 8 große Kanne grüner Tee und eine Stunde Tanztraining. Modernes Martha Graham Training, mit Anteilen von klassisch. Erst langsam und dann ziemlich gründlich, Spagat, weicher Rücken pusch ups, auch manchmal an die Schmerzgrenze. Aber immer ist es anders. Manchmal muss ich mich quälen, schaue alle fünf Minuten ob die Stunde nicht bald vorbei ist, manchmal genieße ich jede Minute. In Odessa hatte ich einen großen Spiegel, oft entdecke ich neue Bewegungen, wenn ich gut drauf bin. Aber Training passiert 365 Mal im Jahr. Dabei ist das nur Minimum. Wenn ich auftrete, kommt ein zweites Training abends dazu, auch eine Stunde, während der Nachrichten….normalerweise in Odessa morgens 40 Minuten Rennen ans Meer, 30 Min. schwimmen mit Hund vor dem Training und je nachdem zusätzlich Proben und Unterricht. Mit dem Fahrrad, wo immer ich mich hinbewegen muss. So komme ich auf 20 Stunden Training pro Woche, hier in Wien leider weniger,
Frühstück: große Portion Musli, Bananen etc. griechisches Jogurt, so sahnig wies nur geht 10% Fett.
Dann je nachdem telefonieren viel am Computer, Texte, viele viele e mails, Anrufe, Treffen. Wir bekommen zwar Unterstützung von Wien und Bund, aber auch das fiel nicht vom Himmel. Die gesamte Logistik, Theatersuche, Administration bis in kleinste Detail muss ich machen. Träume von den Zeiten wo ich nur Künstlerin sein kann. Ab und zu passiert das, werde ich zu Projekten eingeladen, oder Film: das ist dann eine völlig andere Daseinsform. Aber je ungewöhnlicher ein Projekt, je mehr muss ich alles selber an Land ziehen.
Carola von Herder, Regisseurin u. Choreographin _ Odessa/Wien
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Meinen wunderbaren bunten Haufen zusammen-, das heißt bei Stimmung zu halten. Jeder muss Freude haben, sich selbst sein zu dürfen. Daher gehen die Proben über einen langen Zeitraum – denn das Stück entsteht aus der Gruppe. Wir sind ja gemischt Amateure und Profis, jeder bringt die eigene Farbe hinein. Das Vereinende ist das gemeinsame Warm up, wo die Leitung ständig routiniert und jeder Führende zur Musik improvisiert, und alle nachmachen. Hier geht’s weniger um Technik als um Ausdruck und spontane Umsetzung der Musik. Unsere älteste Teilnehmerin ist 79 unsere jüngste 9. Es herrscht vollkommene Gleichberechtigung und es wird viel gelacht. Für mich ist die Aufrechterhaltung dieser Leichtigkeit zwischen uns das oberste Gesetz.
Die Musiker sind alle Profis und nehmen erst kürzlich in voller Anzahl an den Proben teil. . Wir sind im Endspurt – und wenn alle Musiker in dieser warm up session Kommunikation zwischen uns allen herstellen, geht die Post ab. Afrikanische Trommel, Marimba, Saxophon, Gitarre, Harmonika – eine sagenhafte Energie, die uns mit einer unerwarteten Elektrizität plötzlich überfällt und mit so etwas wie einer Riesenvorfreude erfüllt. Es hapert an allen Ecken noch, einige Szenen sind noch unausgegoren, aber in so einem Moment wissen wir – wir kriegen es hin – es wird gut, vielleicht so richtig gut.
Tanztheater WIEN TANZT MIT UKRAINE TheaterArche _ Wien 11/12/13 November 2022 19.30 Uhr
Abends dann vor dem Einschlafen höre ich ukrainische Kriegsberichte und Kommentare – das ist ein Muss – kann kein Auge zudrücken, ohne meine Informationsspeicher aufzufüllen. Man bekommt die ungeheure Energie der Ukrainer mit, wie sie ihr Land verteidigen, wie heroisch und professionell sie sich hinein werfen. Habe mittlerweile ein völlig neues Verständnis zum sogenannten Heldentum. Normalerweise kann ich Helden nicht leiden. Aber ohne die Bereitschaft, das eigene Leben zu verlieren für die Verteidigung ihrer Heimat, wären die Ukrainer schon weg vom Fenster. Ich zittere mit ihnen und will meine Energie auch hineinwerfen-eben mit diesem Projekt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich undpersönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?
Ja, wir erleben gerade einen historischen Moment und haben das herrliche Privileg, ihn mitgestalten zu können. Werte bröckeln, neue, konstruktive scheinen durch. Bis jetzt war das Vorrangige die Erderwärmung. jetzt kommt der Krieg dazu. Er hat sich über Jahre abgezeichnet, aber dass er mit so einer Grenzenlosigkeit, so einer bewussten Zerstörung lang erarbeiteter Tabus hereinbrechen sollte, war glaube ich niemanden klar. Aber auch er, so wie die Erderwärmung ist das Endprodukt vieler verpasster Wahrnehmungen und nicht realisierter Verantwortlichkeiten.
Stichwort Krieg: wieso konnten wir nach dem kalten Krieg nicht erkennen, dass wir ein NEUES Friedenssystem erbauen müssten MIT den Russen statt sich auf die Brust zu schlagen über den Sieg über sie. Ich rede von den Amerikanern. Aber das ist Vergangenheit. Jetzt muss Putin mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gestoppt werden. Er will das prekäre Regelwerk der Nachkriegsordnung zerstören. Er hat zu viele Jahre absolute Macht gespürt und ist nicht angehalten worden. Er darf unter keinen Umständen Nutzen aus diesem Krieg ziehen. Es muss Gesetzeshaftigkeit die Oberhand behalten. Die Ukrainer brauchen die Leopold und Haimars und wir hier dürfen nicht murren, wenn wir die Zimmertemperatur auf 18 oder 16 drehen. Ich stricke fleißig Pulswärmer für alle meine Freunde – geniales Oma Rezept aus den Jahren der kalten Winter: macht den ganzen Körper warm.
Soweit zur Eindämmung einer dieser beiden Krisen – aber wir müssen ja auch die Dynamiken verändern, die dazu führten. Co2 muss runter, verstehen wir ja, und trotzdem erfindet jemand SUVs und die werden glatt gekauft als Stadtwagen. Die dominierenden Wertigkeiten sind immer noch zu materialismuslastig, obwohl das allgemeine Bewusstsein doch wächst, dass wir alle in einer einzigen prekären Welt leben und sie bewahren müssen. Solange zu viele Menschen noch meinen: „Ich bin weil ich viel habe“, wird’s schwierig mit dem Co2. Klar, der Mensch will wachsen, ein urmenschliches Bedürfnis, nur müssen wir das Wachstum mehr und mehr ins Ideelle rücken – aus der Entwicklung unserer Fähigkeiten Befriedigung ziehen, nicht aus dem erweiterten Besitz. Fromm brachte es auf den Punkt „Sein oder Haben“ Die jetzt immer größer werdende Frage…
Was ist dann Sein? Wir müssen erst einmal wir selber werden. Darum kommen wir nicht drum rum. Und durch erhöhten Konsum und Sichtbarmachung unseres Status gibt’s in dem Gebiet keine wirklich befriedigenden Ergebnisse. Und schon sind wir bei der Kunst. Sie ermöglicht Ausdruck, das Hochholen des Inneren ins Äußere, die Kommunikation mit der Welt – der unmittel- und der mittelbaren, samt Kosmos. Die Kunst ist eines der effektivsten Vehikel, unsere Eigenart zu realisieren und damit diesem Urbedürfnis nach SELBST Sein Raum zu geben, auf friedliche Art und Weise.
Und zum Tanz: In den Projekten, von denen ich gerade eins davon leite, kommen alle künstlerischen Prozesse ideal in Einklang: der des Selbstausdruckes sowie der der Wahrnehmung und des Respekts für den Selbstausdruck des anderen– es werden Treue und Mut zu sich geschult und gleichzeitig ein großer Sozialisierungsschub bewirkt. Hat alles auch etwas Therapeutisches wegen all dieser Aspekte bin ich der Überzeugung, dass die Gesellschaft der Entfaltung der Kunst viel mehr Bedeutung beimessen muss – sie hat höchste politische Bedeutung. Nur ein Gedanke: Wenn Hitler damals von der Wiener Kunstakademie wegen seiner Malereien nicht abgelehnt worden wäre, hätte es keinen 2.Weltkrieg gegeben. Ebenso stell ich mir die Frage: hätte Putin, der kleinwüchsige Vova, eine andere Kindheit genossen als die, in den Petersburgen Hinterhöfen, wo er bald merkte, dass man ihn erst dann wahrnahm, wenn er mit rücksichtslosen Strassenkampfqualitäten brillierte….. dann ..
Gut, da haben wir eine Menge anderer Aspekte, die diesen Krieg ermöglichten. Will sagen, dass noch vor dem Urbedürfnis zu wachsen, wir Menschen geliebt und wahrgenommen werden wollen. Und dass eine Frustration auf der Ebene verdammt viel Unglück bewirken kann, nicht nur im Falle von Hitler und Putin. Aber vor allem will ich sagen, dass die Gesellschaft Kunst wie die Luft zum Atmen braucht weil die Kunst dem Menschen eine Möglichkeit bietet, sich nicht nur aus seinem Tiefsten mitzuteilen, sich zu verfeinern, die Welt damit zu bereichern, die Wertigkeiten ins Ideelle rückt, sondern sie auch weniger gefährlich macht.
Was liest Du derzeit?
Hab leider fast keinen Platz im Hirn für den Konsum von interessanten Gedanken, so sehr muss ich den Platz dort leer halten für den Inhalt des Projektes. Kann nicht einmal mein geliebtes ZEIT Abonnement in meinem Computer lesen. Sehr frustrierend. ABER habe mir Tanja Maljartschuk: Gleich geht die Geschichte weiter, wir atmen nur gekauft und auch etwas reingelugt!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Primer ser hombre, segundo poeta Atahualpa Yupanqui
(frei übersetzt: erst Mensch werden, dann Künstler oder sonst was sein).
ps ist ein bisschen viel geworden, .sorry. Aber Ihre Fragen trafen so genau in meinen schwarzen Punkt
Carola von Herder, Regisseurin u. Choreographin _ Odessa/Wien
Vielen Dank für das Interview liebe Carola, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Carola von Herder, Regisseurin u. Choreographin _ Odessa/Wien
Zur Person Carola von Herder:
In München geboren. Schulbildung in Deutschland,Amerika und Frankreich(einjähriges Stipendium in Amerika mit ASSIST, Abschluss Baccalaureat Franco-Almand in Paris). Tanzausbildung : eine volle klassische sowohl als moderne Tanzausbildung (Ballett Akademie München, Martha Graham School New York, LCDT London-the London Contemporary Dance Theatre). Universitätsausbildung:Erstes Studium an der LMU (Uni München) und London University, BA in Geschichte und Philosophie. Kürzlich zweites Studium: BA Slavistik LMU. Sie spricht fünf Sprachen.
Sie tanzte und choreographierte in England, Deutschland, Frankreich, Spanien und der Ukraine und choreographierte über zwei Dutzend abendfüllende Aufführungen. Sie arbeitete als Tänzerin und Choreographin, davon über 10 Jahre in England (London und Lancashire) und fast 10 Jahre in Odessa am schwarzen Meer.
Unter anderem erhielt sie die Auszeichnung ‘Pick of the Fringe’ für ihre Choreographie und Darstellung des Tanztheaters ‘A Dance for Anne Frank’ (Link zu Kritiken) als beste Tanzperformance des Edinburgh Festivals, dem größten Theater Festival der Welt. Gründete die Dance Companie AVIS DANCE.
Liebe Celina, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Romy Schneider ist für mich ein großes Schauspiel-Idol. Ich hatte mich in den vergangenen zwei Jahren tiefer mit ihrer Seele und ihrem Wirken beschäftigt. Schon als Kind faszinierten mich ihre Sissy Filme, die ich mit meiner Oma ganz interessiert guckte. Es gibt Menschen, die mich in der Vergangenheit angesprochen hatten und meinten, sie sähen den Romy-Geist, eine gewisse Ähnlichkeit in mir.
Schloss Goldenstein, Elsbethen bei Salzburg._ Romy Schneider besuchte von 1949 – 1953 hier die Privatschule der Augustiner-Chorherrinnen_ Foto_Celina Hubmann_10_2022
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
Besonders die Sissy-Filme, die für mich so viel Ästhetik darstellen, obwohl sie es angeblich in ihrem späteren Schaffen satt hatte, immer nur mit Sissy in Verbindung gebracht zu werden. Ich muss gestehen die anderen Filme kenne ich nicht gut.
Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Künstlerin die Darstellerin Romy Schneider in Ihrem Kunstgenre?
Ihre Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit beim Spielen sind ein einzigartiges Geschenk an die Welt.
Wie intensiv müssen sich Persönlichkeit und Kunst verbinden, um das Publikum erreichen zu können?
Persönlichkeit und Kunst sollten EINS werden, wobei man sich selbst nie verlieren darf.
Gibt es Momente in der Kunst, in der sich gleichsam die Kontrolle im Kunstprozess verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?
Selbstverständlich gibt es solche Momente immer wieder. Die innere Bewusstwerdung, dass ich ja immer noch Celina bin und nur in die Rolle schlüpfe.
Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne spielen und wenn ja, warum?
Sehr gerne, „Swimmingpool“ und ihren ersten berühmten Sissy-Film. Dazu gibt es die Operette SISSY von Fritz Kreisler, in welcher ich gerne mitwirken würde.
Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera? Ist sie da Schauspielerin oder Privatperson oder beides?
Beides.
Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?
Ich habe mich mit Ihren Fotos auseinandergesetzt. Eine bedeutsame Rolle nimmt für mich die Natürlichkeit der Fotos ein, dass ich mich frei fühle und so zeigen darf, wie ich wirklich bin und nicht verstellen muss. Dafür ist das Vertrauen zwischen Fotograf und Fotomodel und die Umgebung besonders relevant.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich (Kunstberuf)?
Es sollte stets eine gewisse Privatsphäre gesichert sein, um sein Leben ungestört leben zu können.
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Kunstberuf?
Das kann ich sehr gut nachvollziehen, dass da bei Romy der Drang nach Neuem ganz stark ausgeprägt war. Ich finde man sollte als Künstlerin flexibel und offen sein für das was kommt und sich nicht selbst zu sehr einschränken. Der Weg ist das Ziel. Natürlich sollte man selbst seine Stärken dabei im Auge behalten und diese noch mehr ausbauen.
Wie war Dein Weg zur Kunst und welche Erfahrungen hast in Wien gemacht?
Für mich war schon ganz früh klar, dass ich geborene Musikerin, Herzenssängerin bin und dieser inneren Stimme bin ich gefolgt. Ich habe mir meinen persönlichen Lebenstraum erfüllt. Begonnen hatte meine Musikerlaufbahn beim renommierten Kinderchor den Gumpoldskirchner Spatzen, bei denen ich nun selbst als Stimmbildnerin tätig bin. Studiert hatte ich an der Universität Mozarteum Salzburg, sowie an der MUK und momentan noch an der mdw bei KS Daniela Fally und KS Angelika Kirchschlager.
Was wünscht Du Dir für den Kunstberuf?
Mein Herzenswunsch ist es, weniger mit Ellbogentechnik, sprich Konkurrenzdenken durchs Leben zu gehen und dass man Künstler*innen mehr als Mensch und weniger als Maschinen behandelt. Ein schöpferisches Umfeld, wo man ausprobieren, sich entfalten darf, ohne bewertet, abgestempelt zu werden und das Gefühl haben zu müssen, man ist sofort austauschbar.
Was sind Deine aktuellen, kommenden Projekte?
Am 18.10.22 hatte ich das Glück im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins „Die Jahreszeiten“ von J. Haydn mit Ivor Bolton am Dirigentenpult und dem Tonkünstler-Orchester im neu gegründeten „Konzertchor Interpunkt Vokalensemble“ mitzuwirken. Im November und Dezember 2022 stehen einige Operndebüts an, zB. Marzelline und Leonore aus Beethovens „Fidelio“ und Pamina aus Mozarts „Zauberflöte“ mit der Kinderoper Papageno als Deutschland Tournee. Des weiteren Griletta aus Haydns „Der Apotheker“ und den Taumann/Sandmann in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ im Schlosstheater Schönbrunn.
Was möchtest Du Musikstudenten*innen mitgeben?
Glaubt an euch und eure Fähigkeiten, wisst was ihr könnt und noch lernen dürft. Habt Vertrauen in Euch selbst. Wenn ihr etwas wirklich wollt, dann bleibt dran, bis es sich manifestiert hat. Ihr lebt einen wunderbaren Beruf – eure Berufung. Herzenswünsche gehen in Erfüllung – erweist Geduld und Fleiß.
Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?
Besonders tragisch, wenn man seinen Sohn verliert und auch im Liebesleben kein Glück hat. Romy schien so verzweifelt zu sein, dass scheinbar für sie der einzige Ausweg erschien, sich das Leben zu nehmen.
Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
„Wenn Du noch einmal leben und wählen könntest, was hättest Du erkannt und anders gemacht?“
Was kann eine Künstlerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Ihre Natürlichkeit, Authentizität und dass Ruhm und Ansehen nicht alles ist. Die eigene Berufung zu leben, inneres persönliches Wachstum und Zeit für Familie, Freunde zählen, um ein glückliches Leben zu führen.
Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?
„Eine günstige Gelegenheit ergreift man nicht zaghaft; man packt sie am Schopf und baut sie aus, mit Fleiß.“
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?
Liebe Kathrin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Bis vergangenem Mittwoch: Endprobenmodus! Von früh bis spät im Kosmos Theater. Jetzt: Neuorientieren, neuen Rhythmus finden und den Berg an Liegengebliebenem verkleinern. Step by Step.
Kathrin Herm, Regisseurin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Kommunikation! Auch, wenn es frustrierend sein kann, sich nicht zu verstehen. Oder wie es die Lüftungsanlage in unserem Stück (O Kosmos!) formuliert: „Ich freu mich, dass Du mir Fragen stellst. Austausch, das fordert mich heraus.“
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Theater ist für mich ein Ort der gemeinschaftlichen Auseinandersetzung mit dem, was uns umgibt und uns herausfordert. Ich glaube, das Besondere am Theater ist der gemeinsame, geteilte Moment, in dem – im besten Fall – Empathie, kritisches und differenzierte Denken, Humor und Sinnlichkeit in aufregende Verbindung miteinander geraten.
Was liest Du derzeit?
Im Zuge unserer Stückentwicklung ist mir Rainer Maria Rilkes „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ wieder in die Hände gefallen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Aber nun, da so vieles anders wird, ist es nicht an uns, uns zu verändern? Können wir nicht versuchen, uns ein wenig zu entwickeln und unseren Anteil Arbeit in der Liebe langsam auf uns nehmen nach und nach?“
Aus „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“
Vielen Dank für das Interview liebe Kathrin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Kathrin Herm, Regisseurin
Aktuelle Produktion von Kathrin Herm_
O KOSMOS!
Eine Versuchsanordnung. Eine Stückentwicklung von tangent.COLLABORATIONS in Koproduktion mit dem Kosmos Theater _Wien
geboren 1986 in Berlin, absolvierte sie ein Studium der Theater- Film- und Medienwissenschaft in Wien und ein Politikwissenschaftsstudium in Berlin, bevor sie fürs Regiestudium ans Thomas Bernhard Institut nach Salzburg ging. Mit ihrer Diplominszenierung GRILLENPARZvon Thomas Arzt wurde sie 2016 zum Körberstudio für junge Regie und zur Woche junger Schauspieler der Akademie der Darstellenden Künste eingeladen. Nach dem Studium folgten Inszenierungen u.a. am Schauspielhaus Wien und am Staatstheater Mainz. Am Kosmos Theater inszenierte sie 2020 FRAU VERSCHWINDET (VERSIONEN)von Julia Haenni. 2021 wurde ihre Inszenierung WEITER LEBENnach Ruth Klüger – eine Produktion von makemake produktionen in Co-Regie mit Sara Ostertag – für den Nestroy „Beste Off-Produktion“ nominiert.
Seit 2014 ist Kathrin Herm außerdem Mitglied des Kollektivs tangent.COLLABORATIONS. Als solches realisierte sie zuletzt 2020 DIE REISE. EIN TRIPnach Bernward Vesper, eine Kooperation mit dem Théâtre National du Luxembourg, in Kooperation mit dem Werk X-Petersplatz, und gründete 2021 die Magistratsabteilung für demokratische Geschichtsschreibung und Erinnerungspraxis im Stadtraum (MA16), eine künstlerisch-aktivistische Intervention mit der Agenda einer lebendigen und multiperspektivischen Erinnerungspraxis.
Foto_Apollonia T. Bitzan
4.11.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
JEDE(R).NOW – Uraufführung _ das.bernhard.ensemble / DAS OFF THEATER Koproduktion
Da sind der Nebel und das grelle Licht. Die Party beginnt. Wie immer. Du und Ich. Tanz mit mir! Unser Herz schlägt. Laut. Im grellen Licht. Der Tod ist weit…
Doch dann geht es auf das Boot. Ein Auftrag. Eine Suche. Weg vom Ufer. Hin zu ihm…wer?
Unser Herz schlägt laut in der Finsternis. Jede(r).now. Der Tod ist da. Oder war er es immer schon?…
Weiter, weiter…bis es endet?
In seiner neuesten Mashup Produktion lassen Regisseur Ernst Kurt Weigel, Gründer und Leiter des Wiener bernhard.ensemble und Leonie Wahl, Choreografie, wie das Schauspielensemble Kristina Bangert, Yvonne Brandstetter, Sophie Resch, Kajetan Dick, Hubsi Kramar, Gerald Walsberger und Ernst Kurt Weigel, Hugo von Hofmannsthals Bühnenklassiker “Jedermann“ (Uraufführung 1911, Berlin) und Francis Ford Coppolas Filmklassiker “Apocalypse Now” (1979, impulsgebend war dabei Joseph Conrads Erzählung „Herz der Finsternis“, 1899) in einem fulminanten zeitkritisch dramatisch-Gegenwartstransfer zu einem wilden Tanz von Körper und Sprache ineinanderfließen, der einzigartig expressiv, wie still und eindringlich, getragen von der großartig abgestimmten Musik, Licht, Bühne einen einzigartigen Wiener Walzer des Todes als Tragikomödie der Gegenwart formt. So direkt und so hintergründig, so gesellschaftskritisch und so körperpoetisch schön wird nur auf Wiener Bühnen gestorben und das bernhard.ensemble ist hier einzigartiger Zeremonienmeister.
Regie, Choreografie und Ensemble ist mit diesem sehr mutigen Projekt der Mashup Produktion zweier der bedeutendsten literarisch-dramatischen, cineastischen Werke der Moderne ein Theaterkunstgriff gelungen, der sowohl in Interpretation wie Konzeption neue Wege weist. Die unverwechselbare Regie-, Choreografie- wie Ensemblehandschrift sind klar erkennbar und machen Thema und Szene zu einem mitreißenden dynamischen Klangraum von Körper und Sprache. Ernst Kurt Weigel und Leonie Wahl sind da ein geniales grundkonzeptionelles Duo, welches mit jeder neuen Produktion innovativ wie beeindruckend in Sprach-, Körper wie Dramaturgiearbeit überrascht.
Die Ausnahmeschauspieler*innen Kristina Bangert, Yvonne Brandstetter, Sophie Resch, Kajetan Dick, Hubsi Kramar, Gerald Walsberger und Ernst Kurt Weigel, können alles und begeistern auf engstem Boot-Bühnenraum in einzigartiger individueller Spielkraft und Präsenz, der Szenen Koordination im atemlosen Tempo wie einem unglaublichen Balancegefühl (Schlauchboot!).
Hervorzuheben sind ebenso die Musik, Live Mix: Bernhard Fleischmann, Video: Jakob Hütter, Hand mit Auge wie Bühne und Kostüme: Pia Stross und Lichtdesign/Technik: Julian Vogel, die hervorragend Spiel und Szene mitentwickeln und wirken lassen.
Hugo von Hofmannsthal ist in seine Geburtsstadt zurückgekehrt und feiert mit Joseph Conrad und Francis Ford Coppola Leben und Tod, Abgrund und Innenschau, Mensch und Zeit im Off Theater Wien in einzigartiger Spielfreude – danke, thank you bernhard.ensemble!
JEDE(R).NOW – Uraufführung
Mashup nach Hugo von Hofmannsthals “Jedermann“ und Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now”
das.bernhard.ensemble / DAS OFF THEATER Koproduktion
Regie/Konzept: Ernst Kurt Weigel
Choreografie: Leonie Wahl
Performance: Kristina Bangert, Yvonne Brandstetter, Sophie Resch, Kajetan Dick, Hubsi Kramar, Gerald Walsberger und Ernst Kurt Weigel
Video: Jakob Hütter, Hand mit Auge
Live Mix:Bernhard Fleischmann
Bühne und Kostüme:Pia Stross
Lichtdesign/Technik:Julian Vogel
Regie- Dramaturgieassistenz: Christina Berzaczy
Dramaturgieassistenz:Nadine-Melanie Hack
Produktionsleitung:Monika Bangert
Presse: SKYunlimited, Daniela Müller
Social Media:Nadine-Melanie Hack
Premiere: 4. November, 19:30 Uhr
Weitere Spieltermine:
Nov: 5.|8.|11.|12.|15.|18.|19.*|22.|25.|26.|29.
Dez: 2.|3.|6.|9.|10.
Beginnzeit: immer 19:30 Uhr _WHITE.BOX
*Europäische Theaternacht
das.bernhard.ensemble das.bernhard.ensemble wurde 1997 gegründet. Bereits mit seiner dritten Theaterproduktion HAIN erhielt das junge Ensemble den Nestroypreis 2001 für die beste Off-Produktion. Seit 2006 ist das OFF THEATER die ständige Spielstätte des Ensembles.
das.bernhard.ensemble erarbeitet sich seine Produktionen in freier Improvisation. In den Proben wird ein loses dramaturgisches Szenengerüst hergestellt. Während der Vorstellungen gehen die Performer:innen dann frei mit den Texten und Bewegungsabläufen um. Das Markenzeichen des Ensembles ist das, von seinem Leiter Ernst Kurt Weigel entwickelte, Theaterformat „Mashup“. Dabei werden internationale Kultfilme mit österreichischen Theaterklassikern dramaturgisch verwoben. Es entstehen ganz neue, eigenwillige und zeitrelevant-kritische Abende. Zu den bekanntesten Mashups zählen WEIT.WAY.LAND (2011), WIENER.WALD.FICTION (2014 Nestroy nominiert), THE.BIG.LUMPAZI (2015), WELT.UNTER.MELANCHOLIA (2016), TAXI.SPEIBER (2017), LILIOM.CLUB (2019 Nestroy nominiert), THE.HELDENPLATZ.THING (2020) und BLADE.UNWICHTIG (2021).
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Wesentlich in Zeiten von großen Krisen,finde ich, ist es:
NICHT in Ängste und Panik abzugleiten.
Die Rolle der Kunst (Theater erc) ist:
Den Menschen in der Gesellschaft, seine Freuden, Leiden, Dystopien und Utopien zu verstehen und als Künstler einen positiven künstlerischen Beitrag dazu zu leisten.
Was liest Du derzeit?
Bücher die ich momentan lese:
Joseph Conrad „Herz der Finsternis“
begleitend dazu
Caligila von Camus (der mich ohnehin immer wieder begleitet) und von
Salman Rushdie: „Mitternachtskinder“
Hubert Kramar, Schauspieler, Regisseur
Vielen Dank für das Interview lieber Hubert, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Viel Freude und Erfolg für die kommende Premiere!
5 Fragen an Künstler*innen:
Hubert Kramar, Schauspieler, Regisseur
Zur Person:
HUBSI KRAMAR
Matura, Reinhardtseminar, Filmhochschule und Harvard USA Theater gelernt bei Grotowski La Mama Jerome Savary, Lee Strassberg, Strehler engagiert: Staatsoper, Burgtheater, Josefstadt, Theater an der Wien, diverse Deutsche Theater wie zb Bochum unter Zadek. Gründung diverser eigener Theater wie zB Kabelwerk, Residenztheater, 3raumTheater.
Als Schauspieler für Theater Film und TV in zahlreichen Produktionen beschäftigt.
Als Produzent und Regisseur ebenfalls zahlreiche Produktionen realisiert und etwa 20 eigene Theaterstücken entwickelt und geschrieben. Viele theoretische und praktische Beiträge zur Entwicklung der Freien Theaterszene Österreichs. Und diverse öffentliche, politisch relevante Performances
Aktuell ist Hubert Kramar zu sehen in:
JEDE(R).NOW
Mashup _ nach Hugo von Hofmannsthals “Jedermann“ und Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now”
das.bernhard.ensemble / DAS OFF THEATER _Koproduktion
In Berlin kamen sehr viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine an. Viele von ihnen sind nun Teil dieser beweglichen, offenen, nimmermüden Stadt.
Es gab und gibt zum Glück viel Interesse und Hilfsbereitschaft. Ich hoffe sehr, beides hält an, auch im Winter und auch, wenn von verschiedenen Seiten nun leider „Stimmungsmache“ betrieben, die „Energiekrise“ politisch zu instrumentalisieren versucht wird.
Tanja Dückers, 11.9.2022
Tanja Dückers, Schriftstellerin
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Tanja Dückers, Schriftstellerin,Literaturwissenschaftlerin, Publizistin_ Berlin _ aktuell writer-in-residence-Aufenthalt in den USA