Liebe Nadine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bin am Theater Phönix in Linz im Festengagement. Wir haben gerade ein neues Stück „Draußen vor der Tür“ fertig geprobt und warten jetzt darauf, dass wir wieder spielen können. Im März war ich ein Monat auf Kurzarbeit. Ich nutzte diese Zeit für mich: mit Sport, Literatur und Meditation.
Jeden Morgen lese und schreibe ich in das Buch Glücksperiment.
Nadine Breitfuß, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ruhe bewahren und sich sinnvoll weiterentwickeln. Fast jeder hat jetzt die Zeit dazu, die bisherigen Lebensroutinen zu hinterfragen. Sich zu fragen, was macht mich richtig glücklich und was brauche ich wirklich dazu.
Mir persönlich hilft gerade Sport, Bewegung, Meditation, Tanzen und frische Luft.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt gesellschaftlich und persönlich stehen. Welche Rolle kommt dabei dem Theater, Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Seit Corona ist viel mehr Menschen klar, dass sich in unserer Gesellschaft was verändern muss. Die Kunst muss die Gesellschaft mit ihren Missständen und Fehlern porträtieren, um in Zeiten der Veränderung, dieser mit Beispiel an Humanismus voranzugehen.
Was liest Du derzeit?
Ich lese immer mehrere Bücher. Zurzeit: „Frag den Buddha“ von Jack Kornfield, „Ich bin der Sturm“ von Michaela Kastel und „Das Buch der Freude mit Dalai Lama & Desmond Tutu“ von Douglas Abrams
Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?
Der Regen hat aufgehört,
die Wolken haben sich verzogen,
und es ist wieder klar.
Ist dein Herz rein,
dann sind alle Dinge in deiner Welt rein…
Dann wirst du vom Mond und den Blumen
auf deinem Weg geführt.
Nadine Breitfuß, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Nadine, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Violetta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich seit 14 Monaten für einen kleinen Menschen sorge, sieht mein Tagesablauf auch ohne Pandemie sehr sehr anders aus, wie er als Vollzeit Schauspielerin ausgesehen hat. Er wird nicht mehr von IntendantInnen und RegisseurInnen und Spielplänen dominiert, sondern von einem Wesen, das die Welt entdeckt. Ebenfalls ein sehr schönes und anstrengendes Schauspiel.
Zwischen 6 und 7 Uhr werde ich aufgeweckt, weil der besagte kleine Mensch auf mir herumturnt und in den Tag starten möchte. Ich eher immer nicht so. Über ein Jahr Babywecker hat meinen vom Theater indoktrinierten Rhythmus noch nicht in den eines Morgenmenschen verwandeln können. Aber es wird wohl oder übel das Bett verlassen. Danach wird Zähne geputzt und Frühstück gemacht und gespielt und so gut wie möglich für den Tag vorgekocht und Wäsche aufgehängt und auch sonst langweiliger langweiliger Haushalt erledigt.
Violetta Zupancic, Schauspielerin
Dann gibt es ein Vormittagsschläfchen und da lege ich mich gleich mit dazu. Ich finde ich habe das verdient, da ich in der Nacht ohnehin mehrmals geweckt werde. Es ist mir sowieso unbegreiflich, dass ich seit 14 Monaten eigentlich nie länger als drei Stunden am Stück geschlafen habe (und tendenziell sind es eher 1 ½ Stunden) und dass ich noch am Leben bin.
Am späten Vormittag geht es raus Besorgungen machen und einen nahegelegenen Spielplatz stürmen. Sandkiste ist neuerdings hoch im Kurs. Sowie allen Menschen winken. Ein freundliches Kind. Dann geht es wieder heim und es gibt Mittagessen und ein Mittagschläfchen. Das nehme ich meistens auch in Anspruch. Weil ich kann. Und will. Und muss.
Am Nachmittag geht es meistens wieder nach draußen und Freunde treffen. Nur draußen wird sich getroffen, wenn nicht getestet worden ist. Wenn getestet wurde und wenn alle negativ getestet sind dann gehen wir zu uns in die Wohnung und ich koche für uns alle und der Besuch darf den kleinen Menschen bespaßen. Spielen, essen, baden, spielen, ein Buch anschauen, in den Schlaf stillen … und wenn der kleine Mensch friedliche eingeschlafen ist, wird das Babyphone angemacht und auf Zehenspitzen rausgeschlichen. Danach wird alles erledigt, was den Tag über liegen geblieben ist im Haushalt. Oder es wird Bürokratisches abgearbeitet. Oder wenigstens ein bisschen versucht die Website endlich neu zu gestalten und zu aktualisieren und neue Showreel Szenen zu schneiden und Mails zu schreiben mit „Hallo es gibt mich noch ich möchte gerne wieder arbeiten, wenn man eines Tages wieder arbeiten kann und darf“ … was man eben so macht, also freischaffende arbeitslose Künstlerin während einer Pandemie, die gerade auch noch ein Kind bekommen hat. Manchmal muss man dann auch versuchen, die Existenzängste nicht überhand gewinnen zu lassen. Und dann macht man Yoga. Und liest. Und schaut was auf dem Laptop. Und dann geht man ins Bett. Ohnehin viel zu spät. Und wenn man gerade sanft am Einschlafen ist, dann wird der kleine Mensch daneben wach und will wieder zurück ins Land der Kinderträume begleitet werden. Ob sie von weißen Masken in der Straßenbahn handeln? Meine handeln gelegentlich davon. Und dann wiederholt sich alles von vorne.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich würde gerne sagen durchhalten. Aber ich kann eigentlich fast auch nicht mehr. Aber trotzdem. Durchhalten!
Lieb zueinander sein. Auch mit Maske und Abstand. Aber trotzdem: an die Regeln halten und brav testen gehen!
Humor Kinder. Humor.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich denke bitter notwendig wäre eigentlich ein Systemwechsel. Diese Pandemie hätte eine Chance sein können aber dafür haben wir leider eine falsche Regierung. Weg vom Kapitalismus und der Leistungsgesellschaft. Systemrelevante Berufe aufwerten vor allem in der Bezahlung. Bedingungslosen Grundeinkommen einführen. Endlich klare radikale Klimaziele schaffen und durchziehen. Und ich meine RADIKAL. Ich vermute, die Pandemie ist ein Witz im Gegensatz zu dem, was mit einer Klimakrise noch auf uns zukommen wird. Da kommen dann wahrscheinlich auch noch ein paar mehr Pandemien. Und man hat ja gesehen, wie schnell plötzlich Gesetzte beschlossen werden können und die Staaten zu einer Zusammenarbeit fähig sind. Und dass auch die Menschen sich adaptieren können, wenn es sein muss. Das bitte auch bei der Klima- oder zum Beispiel auch der Flüchtlingsthematik. Ich könnte die Liste noch weiter fortführen … Und eigentlich hab ich wahrscheinlich auch gar keine Ahnung von gar nichts …
Das Theater und die Kunst allgemein müssen diese Themen weiter im Diskurs halten und im Idealfall auch vorantreiben. Das Theater muss weiterhin hinschauen und hinzeigen und sowohl die Utopien als auch die drohenden Dystopien erzählen. Wenn die Theater aber endlich wieder öffnen dürfen, dann sollen die Menschen auch einen Hafen der Freude und Lust und Fröhlichkeit finden. Endlich wieder kollektive Erlebnisse, die nicht aus Homeoffice und Stäbchen in der Nase bestehen. Ein Wechselspiel zwischen SchauspielerInnen und Publikum und Text live und in Person. Ein knisternder Theaterabend und danach ein bis fünf Spritzer. Es ist nicht immer schlecht, wenn es menschelt nach einem Theaterabend. Es ist sogar schön.
Was liest Du derzeit?
„Dicht“ Stefanie Sargnagel
„Vegan für unsere Sprösslinge“ Carmen Hercegfi und Anna Maynert
„Dein kompetentes Kind“ Jesper Juul
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Zu Ehren von Rosa Luxemburg, die dieses Jahr am 5. März 150 Jahre alt geworden wäre:
„Sieh, dass du Mensch bleibst.
Mensch sein ist vor allem die Hauptsache. Und das heißt:
fest und klar und heiter sein, ja,
heiter trotz alledem.“
Violetta Zupancic, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Violetta, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Günther, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Eigentlich sehr unterschiedlich, weil ich jeden Tag planen muss und eine Tagesstruktur schaffen will. Immer dabei ist Frühstück, Mittagessen, Abendessen, hie und da ein Spaziergang und sehr oft ein Mittagsschlaferl. Ansonsten schreibe ich sehr viel. (Soloprogramm, Buch und Kolumnen in den OÖN) Sonst habe ich wenig Termine.
Günther Lainer, Kabarettist, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was für uns wichtig ist, kann ich nicht sagen. Ich denke das sollte jeder für sich wissen. Ich versuche trotz dieser eigenartigen Zeit positiv zu bleiben. Quellen, die einen Energie und Kraft geben zu suchen, zu finden und zu nutzen. Bleiben wir positiv bei der Einstellung und negativ bei Corona!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Kabarett, der Kunst an sich zu?
Ich hoffe wir lernen aus dieser Krise. Ich denke es hat sich viel verändert. Es ist nicht alles selbstverständlich. Nehmen wir das Positive aus der Krise mit und lassen wir das Negative zurück. Kabarett kann mit Humor die Situation erträglicher machen.
Was liest Du derzeit?
Arznei gegen die Sterblichkeit von Christoph Ransmayr. Den Falter (Abo) und die Spatzenpost (auch ein Abo – kein Witz)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Gib nur so viel auf deinen Teller, wie du essen wirst. Essen ist zum Wegwerfen zu schade! (aus der aktuellen Spatzenpost, Ausgabe 7, März 2021)
Vielen Dank für das Interview lieber Günther, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kabarett-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!