„Herz und Kopf sollten immer Freiheit haben“ Fanny Kant, Autorin _ Station bei Bachmann_Wien 30.8.2020

Orte sind wichtig. Sie können Geschichten erzählen. Da ist viel Kraft. Viel Anziehung oder auch Ablehnung. Ich schaue bei Orten immer genau hin. Etwa hier zum Fenstersims oder diese Taube am Weg. Ich liebe diese Besonderheiten eines Ortes.

IMG_6918mk98

 

In Wien schätze ich etwa den Arkadenhof und Brunnen im Palais Harrach sehr. Schönheit, Ästhetik, Ruhe. Das ist ein besonderer Ort für mich.

Velden am Wörthersee ist für mich auch so ein „Kraftplatz“ des Rückzugs und der Stärkung. Die Wege, die Natur, das ist mir sehr vertraut und ich schätze dies sehr.

Ich bin in Wien und Kärnten aufgewachsen. Beides ist für mich Heimat, Herkunft. Das Hier und Jetzt ist aber das Wichtige, Wesentliche. Wohin der Weg führt. Weiter führt. 

 

IMG_6847mki

 

 

Worte sind genauso wichtig wie Orte. Auch sie haben viel Kraft. Können trösten wie verletzen. Da liegt auch viel Verantwortung für uns Menschen. Wie bei Orten. Es geht um Respekt, Rücksicht, auch um bewahren.

 

IMG_6777kiomko

 

Sprache in all ihren Möglichkeiten von Ausdruck und Ansprache, etwa auch von Hilfe, kommt leider immer mehr in Vergessenheit. Menschen sprechen weniger miteinander und sie wissen oft nicht mehr wie sie sich ausdrücken sollen in Worten, Sätzen, der Welt der Sprache an sich.

Ich selbst schätze Sprache sehr und gehe sehr bewusst und vorsichtig damit um. Ich sage nicht so schnell etwas, sehe lieber einmal hin. Nicht alles muss kommentiert werden.

 

IMG_6774mknju

 

In der modernen Kommunikation wird heute oft vergessen, dass auf der anderen Seite auch ein Mensch sitzt. In der Anonymität wird das Wort dann auch leider immer wieder zum Instrument der persönlichen Verletzung. Das hängt auch viel mit Erziehung, Gespräch zusammen. Der Respekt vor dem Menschen ist ganz wichtig. Das vergessen Menschen heute so schnell.

Der Hass im Netz wurzelt in der Unzufriedenheit mit sich selbst, dem eigenen Leben und dies wird nach außen projiziert. 

 

IMG_6804nju67

 

Schreiben ist alles für mich. Ich habe immer schon geschrieben. Schreiben ist Phantasie, das Öffnen eines Fensters in eine andere Welt. Und dieses Fenster kann ich öffnen wann und wie ich will.

Schreiben und lesen war vom frühesten Zeitpunkt an ganz wichtig. Ich habe gelesen und gelesen. Bücher um Bücher. Diese Begeisterung ist bis heute geblieben. Ich lese überall. In der U-Bahn muss ich allerdings aufpassen, um den Ausstieg nicht zu verpassen.

Die Genres sind dabei sehr vielfältig. Von Paolo Coelho bis Georg Orwell. Ich lese immer wieder gerne Klassiker. Diese sind immer aktuell. Ich lese auch gerne Lyrik, etwa Rilke. Oder auch die poetry slammerin Julia Engelmann.

Schreiben ist der Blick ins Freie. Der Spalt in der Wand. In allem.

 

IMG_6794koi

 

Es ist wichtig am Lebensweg nach Vorne zu blicken. Herkunft, Geschichte ist wichtig aber die Gegenwart ist Aufgabe und Ziel. 

Herz und Kopf sollten immer Freiheit haben.

Selbst Gedanken machen! Nicht das Vorgekaute essen.

 

IMG_6886nju56

 

Ich weiß bis heute sehr genau was ich will. Irrungen und Wirrungen gehören natürlich dazu. Diese sind ja oft Wegweiser.

Es gibt heute so viele Zurufe dieses oder jenes zu tun, zu sein, zu werden. Am Besten nicht darauf hören.

Worte helfen am Weg. Immer. Gesprochene. Gelesene.

Selbstbewusstsein und das Wissen, ich bin als Frau nie allein.

 

IMG_6866mjkui8

 

 Wege abseits von Standards stören mich nicht.

 Am Besten ist es, jemanden zu finden, der mit einem den Weg geht.

 

IMG_6989mkibnmk

 

Das Suchen, Fragen nach sich selbst im Roman „Malina“ bleibt auch heute aktuell, es ist menschlich, zeitlos.

 Sich verlieren, sich suchen und hoffentlich sich finden.

 Lebenssuche ist sehr individuell. Es ist Lebenssehnsucht. Es ist mehr als eine Affäre.

 

IMG_6817mki

 

Wissen wer ich bin. Nur das ist der Weg zum happy end. Scheitern gehört dabei dazu. Suche. Versuchen. Immer wieder versuchen. Ohne Fehlversuche gebe es wohl kein Feuer.

Worte, klare Worte eröffnen Wege. Gerade auch neue Wege.

Die Wahrheit muss immer zumutbar sein. Die Wahrheit vor, in und hinter der (stummen) Wand. Der eigenen und der anderen. 

Ich bin eine starke Frau. Wir Frauen können alles.

 

IMG_6803nju

 

 

Lieben und Liebe zulassen können. Keine Angst davor zu haben.

Bauchgefühl ist ganz wichtig.

Liebe auf den ersten Blick – JA!  Der Liebe gegenüber nie verschlossen sein.

 

IMG_6789nju

 

Station bei Bachmann _ Fanny Kant _ Autorin, Bloggerin 

https://www.diedrittefrau.at/steckbrief/

 

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 8_20.

https://literaturoutdoors.com

 

 

 

 

„Besser ein lebender Hund als ein toter Löwe“ Peter Hodina, Schriftsteller _Berlin 1.9.2020

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Wesentlichen nicht anders als sonst. Nur zu den Spitzenzeiten von COVID-19
in Österreich, als bereits an bestimmten Orten die Berge abgesperrt worden
waren, kaum noch Autos fuhren, die Busse komplett leer waren, kam es vor,
dass ich ganz gegen die Uhrenvernunft bereits um halb fünf in der Früh einen
Spaziergang machte. Das Schauspiel der leeren Straßen und des reinen Himmels
habe ich auch genossen, in mich eingesogen. Andererseits machte ich schon vor
Corona lange Spaziergänge immer, in langsamem Tempo, wie mir andere
sagen. Durch Corona gab es viel zusätzlich zu schauen. Furcht hatte ich sehr
lange nicht, erst als die Kurve wirklich exponentiell anstieg und es tausend
Neuinfektionen pro Tag gab, teilweise Hamsterkäufe sich abzuzeichnen
begannen, wurde mir die Sache unheimlich. Dann aber gingen bald und
kontinuierlich die Zahlen zurück. Ab Mitte April war für mich Corona kein
wirkliches Thema mehr, zumindest was Österreich betrifft. Als die Gastronomie
wieder aufmachte, war das für mich spürbar eine Lebenserleichterung, weil ich
kein Koch bin. Ich hielt problemlos alle Schutzmaßnahmen ein. Erst im Juli dann
wieder zeichnete sich eine zweite Welle ab.

 

ptfbty

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Maske aufzusetzen, Abstände einzuhalten und nicht die Nerven zu verlieren.
Und es nicht in Leichtsinn umschlagen lassen (Corona-Partys usw.) wie in
einigen Ländern. Das ist unsozial und gemeingefährlich, das müsste mit saftigen
Geldstrafen abgestellt werden.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die alte Rolle und die alte Bedeutung, die sie, seit es sie gibt, gehabt hat. Sie
dient der Konkretisierung der Situation, ihrer Bewusstwerdung, aber vermittelt
diese mit den Gefühlen, sie hat auch eine kommunikative Funktion. Es ist zwar
ein unmodernes Wort: eine tröstende und tröstliche. Und als LeserInnen sind wir
ja schon in eine gewisse Isolation eingeübt: meist sitzt man ja mit sich allein bei
einem Buch. Abwarten, Lesen und Teetrinken. Abenteuerromane lesen, Joseph
Conrad etwa. Oder Camus‘ „Die Pest“, warum nicht?

 

 

Was liest Du derzeit?

Mehreres. Die Heimito-von-Doderer-Biographie von Wolfgang Fleischer, ferner
die Memoiren von Chateaubriand („Aufzeichnungen von jenseits des Grabes“),
einige Bände von Leo Schestow. Auch erarbeite ich mir das philosophische
Hauptwerk von Salomo Friedlaender/Mynona, „Das magische Ich“, das 60 Jahre
brauchte, um posthum veröffentlicht zu werden und das Dokument des
Durchhaltens eines Einzelnen unter widrigsten Außenbedingungen ist: hier eines
jüdischen Künstlerphilosophen im besetzten Paris, der, wenn ich es etwas
salopp formuliere und verkürze, so lange im Bett blieb, bis der
Nationalsozialismus vorbei war.

 
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Tja, das wird jetzt schwierig. Ich schau mal in die Bücher vor mir, ob ich etwas
angestrichen habe. Es bringt ja doch alles nichts, wenn ich eins suche, finde ich
kein Geeignetes. Ja, bleiben wir beim genannten Mynona, einem Freund von
Alfred Kubin: „Das Ich wird nicht gesucht, sondern gefunden.“ Und noch aus der
Bibel, aus dem Buch Kohelet, schicke ich nach: „Besser ein lebender Hund als ein
toter Löwe.“

 

Vielen Dank für das Interview lieber Peter viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Peter Hodina, Schriftsteller

http://www.dielavoir.com/category/hodinas-lavoir-philosophie/

 

24.7..2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com