„Umjubelte Uraufführung!“ „Sommer.hunds.traum“ das.bernhard.ensemble _ Off Theater Wien 12.4.2024

Wien. Der Tag beginnt. Im Supermarkt. Das Licht geht an und die Welt zwischen täglicher Arbeit wie täglicher Bühne menschlicher Begegnung beginnt sich zu drehen. Hier leuchten grell und verschwinden brutal Komödie und Drama des Lebens zwischen bunter Reklame und Musik, Regalgängen und Imbisstand.

Hier wird gekauft und gekauft und alles kommt in den Einkaufswagen, der ein Panzerwagen der Einsamkeit ist und aus dessen Kanonenrohr Gewalt und Verletzung ohne Ende niederknallen, auf die, die es nicht aus der Schusslinie schaffen. Und Puck zaubert und vernichtet die unbezahlten Rechnungen der Liebe und des Lebens. Jeden Tag im Supermarkt bis das Licht verlischt…

Das bernhard.ensemble bittet in seinem neuesten Mash-up William Shakespeares Sommernachtstraum und Ulrich Seidls „Hundstage“ (Film, 2001) zur Wiener Supermarktkassa und diese Rechnung geht in einem Feuerwerk genial spielfreudiger, rabenschwarzer und hintergründiger Drama-Komödie mit langanhaltendem Publikumsapplaus begeisternd auf.

Regie, Choreografie, Ensemble, Bühne, Kostüm, Musik und Lichttechnik spielen all ihre einzigartigen Talente aus und führen sie zu einem Gesamtkunstwerk zusammen, welches das bernhard.ensemble so einzigartig macht und auszeichnet. Wie sich hier William Shakespeare und Ulrich Seidl zu einer Theatermelange der Wiener Seele in aller Abgründigkeit wie schwarzem Humor verbinden, ist einmalig. Beeindruckend ist wie Regie, Choreografie, Ensemble das Publikum zu einer mitreißenden wie erschütternden „shades tour“ alltäglicher Lebensdramen zwischen Supermarktregalen und Würstelstand entführen und dabei unglaublich spielstark direkt wie hintergründig gesellschaftliche Mechanismen von Gewalt und Leid offenlegen. Sehr stark auch wie die „vierte Wand“ (Publikum) in aller narzisstischen Bösartigkeit durchbrochen und das Publikum in Irritation, Überraschung einbezogen wird. Dies wird ganz souverän gespielt, auch seitens des schlagfertigen Publikums.

Ernst Kurt Weigel, einer der erfahrensten Wiener Regisseure, zieht alle Register seines Ausnahmetalentes in künstlerischer Werkanalyse wie kritischer Gegenwartsadaption und -transformation. Hier ist alles zu finden was modernes Theater in Spielfreude und Aussagekraft wie kritischer Gesellschaftsvision gewürzt mit ganz feinem Wiener Humor und spitzen Seitenhieben ausmacht. Eine wunderbare Mischung, die auch auf die Bühnenbildkomposition des Regisseurs zutrifft.

Leonie Wahl, seit Jahrzehnten ein leuchtender Fixstern in Innovation, Experiment höchster moderner Tanzkunst, liefert in der wunderbaren Choreografie und Konzeption dieses einmaligen Theaterabends ein Meisterstück, das zweifellos zum Besten gehört was auf europäischen Bühnen zu sehen ist. Beeindruckend und hervorzuheben ist ebenso ihr Schauspiel der „Jelena“, die unglaublich zart, zerbrechlich wie stark in aller Sehnsucht und Einsamkeit die Bühne einnimmt.

Sophie Resch lässt die Szenenfigur „Anna“ aus den „Hundstagen“ mitreißend ihre alltägliche Supermarkt-/Theaterbühne zelebrieren und dies in einer sensationellen Sprach- und Körperexpressivität, in der innere Tragik und Einsamkeit großartig hintergründig dargestellt sind. Ein weiteres sehr beeindruckendes Bühnenerlebnis- und -ereignis mit der so vielseitigen wie erfolgreichen Wiener Schauspielerin und Regisseurin.

Matthias Böhm überzeugt einmal mehr in einer Rollendarstellung, die in ihren dunklen Charakterfarben alles abverlangt und dies wird nicht nur ganz souverän vom Wiener Schauspieler gemeistert, sondern er weiß auch beeindruckend Akzente zu setzen, die das Publikum ganz auf sich ziehen, wenn ein echter Wiener zwar auf die Knie geht aber nie untergeht.

Kajetan Dick lässt den „Ing.Walter“ mit genialem schwarzen Wiener Esprit zwischen Geisterbahn und Beserlpark über die Bühne im Rollwagen schlittern und der so vielseitige Wiener Schauspieler und Regisseur konzipiert einen Charakter in erschütternd beängstigender Maskerade täglichen Lebens und ungeahnten Abgründen.

Yvonne Brandstetter, eine mittlerweile großartige Fixgröße im bernhard.ensemble spielt „Maria“ mit ganz außergewöhnlicher Spielkraft, Präzession und Variation. Es ist ein Wirbelwind, ja Orkan, der dunklen Emotion und Gewalt, den die Ausnahmeschauspielerin zu entfesseln weiß und der das Publikum atemlos staunen lässt.

Bernhardt Jammernegg, seit Jahrzehnten einer der vielseitigsten und beeindruckendsten Wiener Schauspieler, gibt  „Herrn Ruby“ ein wunderbares Bühnenleben zwischen Supermarkt und Vatersein und zeigt einmal mehr, dass er ein Stück und Ensemble großartig inspirieren und führen kann.

Christian Kohlhofer setzt in „Luis“ genial einen Wiener Casanovastrizzi zwischen Massageliege und Lignano in Szene und zeigt, dass er alle Theatergenres meisterhaft beherrscht. Großartig wie er aus dem Publikum kommend den Rollenwechsel der ewig liebeshungrigen männlichen Einsamkeit zelebriert. Schön, dass er nun auch dieses Mashup bereichert.

Ylva Maj besticht in der Rolle der „Klaudia“ in perfektem Spiel, das den Charakter des Ausgeliefertseins der umgebenden Gewalt beklemmend auf den Punkt trifft. Beeindruckend ist auch das wunderbar abgestimmte Ensemblespiel wie auch die großartige Gesangsdarbietung.

Bernhard Fleischmann breitet in der Soundkonzeption einen wunderbar schillernden fliegenden Musikteppich aus, der Spiel und Publikum beiderseits großartig in allen Szenenfolgen mitnimmt.

Julia Trybula liefert die feinen sehr gelungenen Kostümideen zum Stück und findet dabei, was in einem Mash-up nicht so leicht ist, beste Wahl.

Es ist ein sensationeller Theaterabend, in dem das bernhard.ensemble beeindruckend zeigt, dass sie eine der innovativsten und genialsten Bühnen Wiens wie weit darüber hinaus sind.

Sommer.Hunds.Traum das.bernhard.ensemble Off Theater Wien

Regie / Konzept / Ausstattung: Ernst Kurt Weigel

Kostüme: Julia Trybula

Choreografie: Leonie Wahl

Soundscape: Bernhard Fleischmann

Wall Visuals: Evi Jägle

Performance: Yvonne Brandstetter, Ylva Maj , Sophie Resch, Leonie Wahl, Matthias Böhm, Kajetan Dick, Bernhardt Jammernegg und Christian Kohlhofer,

Dramaturgieassistenz: Nadine-Melanie Hack, Beatrice Leodolter

Regieassistenz: Beatrice Leodolter

Lichtdesign / Technik: Josef Morawek

Produktionsleitung: Monika Bangert

Presse: SKYunlimited, Alina Groer

Social Media / künstl.Assistenz: Nadine-Melanie Hack

eine Produktion von: das.bernhard.ensemble und OFF THEATER

Spielort: DAS OFF THEATER, Kirchengasse 41, 1070 Wien

Premiere: 6.April (ausverkauft), 20:00 Uhr

Weitere Vorstellungen:
9.|12.|13.|16.|19.|20.|23. 

Spezial: Artist Talk im Anschluss
|26.|27.|30. April,

3.|4.|7.|10.|11. Mai 2024

Beginnzeit: immer 20:00 Uhr

https://bernhard-ensemble.at/

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 4/24

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„Welche Rolle die Kunst hat? Die Flucht nach vorn“ Friederike Bernhardt, Musikerin _ Leipzig 13.4.2024

Liebe Friederike Bernhardt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, Hasen streicheln, komponieren, proben, essen, diskutieren, essen, spielen, schlafen.

Friederike Bernhardt, Musikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir nicht in ein schwarz-weiß-Denken verfallen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein, mit WELCHER Souveränität wir uns WOZU positionieren – welche Rolle die Kunst dabei hat? Die Flucht nach vorn.

Was liest Du derzeit?

Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

The youth is wasted on the young.

Vielen Dank für das Interview, liebe Friederike, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Friederike Bernhardt, Musikerin

Zur Person _ „Mit Fasbender hören wir einer Frau zu, die im Grenzstreifen zwischen Klassik und Elektronik neue Maßstäbe setzt, zwischen analogem Klang und virtuellem Raum schlafwandlerisch navigiert – zuletzt festgehalten auf ihrem Debut 13 RABBITS, erschienen als Split-Release bei Sony’s XXIM Records und Edition Dur/Dusssmann. Sie arbeitet mit einer ganz spezifischen Aufmerksamkeit gegenüber Hallräumen und Störgeräuschen und setzt Elektronik ein wie ein Chefkoch seine Gewürze.“  Max Dax“

Moritz Fasbender“ pendelt zwischen Klaviermusik und Elektroakustik wie zwischen Theatermusik und Radiokunst.

Foto_ privat.

Walter Pobaschnig _ 11.4.2024

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Station bei Franz Kafka _ „unheimlich, faszinierend und einzigartig zugleich“ Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Wien 13.4.2024

Bild: Lola Lindenbaum (folgende)
Station bei Franz Kafka _
Lola Lindenbaum, Künstlerin_Wien _
performing Franz Kafka „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

Kafka war wiederholt in Wien zu Gast.
Station bei Franz Kafka _
Lola Lindenbaum, Künstlerin_Wien _
performing Franz Kafka „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

Kafka war wiederholt in Wien zu Gast.
Franz Kafka, Schriftsteller _
100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Liebe Lola Lindenbaum, welche Zugänge gibt es von Dir zu Franz Kafka?

Kafka ist für mich nicht per se durch sein literarisches Werk täglich präsent, sondern durch die Art wie er Situationen trefflich beobachtet und in Worte gegossen hat und sich somit der Terminus „kafkaesk“ gebildet hat, der kaum anders zu beschreiben ist.

Kafkaeskes en masse.

Was macht für Dich den Schriftsteller Kafka aus?

Eben die Art und Weise seiner Erzählform, die Situationen und Begebenheiten, die er beschreibt.

Er löst das Gefühl aus, den Leser besser zu kennen als dieser sich selbst. Das ist unheimlich, faszinierend und einzigartig zugleich.

Wann bist Du erstmals mit den Texten Kafkas in Berührung gekommen und welche Aussagen gibt es da für Dich?

In meiner Gymnasialzeit über den „Hungerkünstler“. Ich konnte damals noch nicht so viel mit Kafka anfangen, war total auf Hesse versessen.

Wie siehst Du seine Beziehung zu Wien?

Er wurde ja nur 41 Jahre alt und war in den Jahren 1913, 1920 und 1924 in Wien. Er hatte auch eine Geliebte in Wien, die Romanze hielt nur einige Tage, es gibt Literatur dazu.

Wie verstehst Du die Erzählung „Die Verwandlung“? Welche Aussagen zu Mensch, Familie, Beruf, Welt gibt es da?

Nun, für mich geht es um ein Familien- also Beziehungskonstrukt. Die Verwandlung des Protagonisten in einen Käfer verstört die Familie so sehr, dass sie ihn zuletzt grausam wegsperrt.

Gerade in Familien ist Veränderung oder Wachstum einzelner Mitglieder so verstörend und irritierend- weil man sich vermeintlich so gut kennt. Dann kommt man drauf, dass dies nicht der Fall ist und einem das transformierte Familienmitglied fremd ist und das befremdet einen, weil man sich dadurch selbst auch nicht mehr so gut zu kennen scheint, wie vermutet.

Was ist Dir als Künstlerin in Deinen Projekten wichtig?

Ein Bruch, eine Auflösung des Vermutbaren und eben auch Transformation – auch von Materialen, die ursprünglich eine andere Nutzung hatten. Wie nahezu jeder Maler versuche ich das Erlebte, Gesehene und Erspürte aus Ausschnitt der Welt, meiner Welt, auf die Leinwand zu übertragen, ein Gefühl oder Situation für mich manifest zu machen.

Wie bist Du zur Kunst gekommen?

In meiner Gymnasialszeit. Ich habe eine sehr profunde Ausbildung bei Prof. Laurenz Hudetz erfahren, er war ehemaliger Böckl- Schüler und hat mich sehr gefördert.

Wie ist das Setting Deines künstlerischen Arbeitens? Wann, wie, wo arbeitest Du?

Am liebsten im Freien in meinem Atelier am Land oder in meinem Atelier in der Leopoldstadt. Inspirationen fallen mir aber 24/7 zu.

Was inspiriert Dich?

Es gibt eigentlich kaum etwas, was mich nicht inspiriert. Wörter, Situationen, Menschen, Fotos, Stimmungen.

Ist Kafka als Schriftsteller ein künstlerisches Vorbild?

Nicht unmittelbar, aber Inspirationsquelle. Kafkaeskes wird verarbeitet oder ist das Resultat.

Was sind Deine nächsten Projektpläne?

Eine große Solo-Show im Mai in der ÖAG (österreichisch-amerikanischen Gesellschaft) in Wien sowie eine Ausstellung bei Lobmeyr.

Darf ich Dich abschließend zu einem „Verwandlung“ Akrostichon bitten?

Versuch

Eingebung

Rough

Wild

Anmutung

Neon

Düster

Licht

Ultramarinblau

Nächtliches

Genuss

Station bei Franz Kafka _
Lola Lindenbaum, Künstlerin_Wien _
performing Franz Kafka „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

Kafka war wiederholt in Wien zu Gast.

Station bei Franz Kafka_

Lola Lindenbaum, Künstlerin _Wien

https://www.lolalindenbaum.com/de/

Performing – „Die Verwandlung“, Franz Kafka. Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).

Fotos: Ungargasse/Wien _ MERCURE GRAND HOTEL
BIEDERMEIER WIEN_ Wien.

Franz Kafka war wiederholt in Wien zu Gast.

Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Wien

Performing & alle Bilder _ Lola Lindenbaum.

Alle Fotos&Interview _ Walter Pobaschnig 4/24

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„Künstler*innen müssen subversiv bleiben, provozieren, irritieren und konfrontieren“ Ines Urach, Künstlerin _ Klagenfurt 12.4.2024

Liebe Inés Urach, wie sieht Dein Tagesablauf aus?

Ein verständnisloser Naturgeräusch-Wecker läutet um 6.20 Uhr und schmeißt mich sanft aus dem Bett. Mein Tag bzw. die Woche ist ausgefüllt und kontrastreich – es gibt zwei Jobs die auf mich warten – zum einen bin ich künstlerisch selbständig und zum anderen angestellt.

Inés Urach, Künstlerin

Passend dazu möchte ich gerne auf die aktuelle Ausstellung – „Kann man davon leben?“ im Künstlerhaus Klagenfurt, übrigens noch bis zum 12.04.2024 zu sehen – aufmerksam machen.

https://www.kunstvereinkaernten.at/aktuell.html

Am Nachmittag bin ich dann in meinem Studio ARTe in Klagenfurt, dort wo Kreativität und Stille zu finden sind – an dem Ort wo ich  male, drucke, zeichne, denke, beobachte, hinterfrage, erkenne, finde und mich erfinde und mich ständig weiterentwickle.

Die Kunst legt weder an Wochenenden noch an Feiertagen einen Stop ein und das ist auch gut so.

_ „Distanz trotz Sehnsucht, distance dispite longingMT 120x120cm _
Inés Urach (folgende)
„Erdenschwer“
„Federleicht“

Was ist für uns alle jetzt besonders wichtig?

Ich denke es geht nicht um das „jetzt wichtig“, sondern was ist „immer schon“ für uns alle wichtig.

Positives Denken ist grundsätzlich eines der wichtigsten Eigenschaften, denn nur mit positiven Gedanken kann man Kraft schöpfen, Lösungen finden und gute Ergebnisse erzielen.

Jeder Mensch sollte die wichtigen Dinge im Leben für sich erkennen, selbstreflektiert sein, die Umwelt und Mitmenschen wahrnehmen, miteinander kommunizieren und lachen, die Natur spüren und hören, Ansichten hinterfragen, digitale Pausen gönnen, kreativ werden und die Herausforderung suchen.

Ich denke es ist wichtig, sich täglich mit Dingen zu beschäftigen, die Freude bereiten und den „Energieräubern“ möglichst wenig Beachtung schenken.

Identität – Identity MT 100x120cm 2020 II
„Loslassen“
Höhenflug
Foto_Tanja Prusnik

Vor Aufbruch und Neubeginn werden wir alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird das Wesentliche sein und welche Rolle kommt der Kunst an sich zu?

Die Ontogenese drückt aus, dass sich Lebewesen ständig Veränderungen aussetzen müssen, dieser Wandel nennt sich Evolution.

Unser aller Leben ändert sich ständig, besteht nicht nur aus „schwarz oder weiß“ – das Leben besteht vielmehr aus Selbsterfahrung, Selbstfindung und Selbstbestimmung.

Zur Rolle der Kunst:

Diese Veränderungen zwingen auch KünstlerInnen dazu, Tag für Tag, bei jedem neu angefangenem Kunstwerk neue Wege zu gehen.

Es war und ist (!!) für jeden Künstler ein „Muß“ von Routinen abzuweichen, da sonst die eigene, so wichtige Weiterentwicklung verhindert wird. Zudem müssen KünstlerInnen subversiv bleiben, provozieren, irritieren und konfrontieren.

Ungesagt/Untold“ MT 80×100 cm
„Worthalten – Keep word“ MT 100x120cm 2020
Foto _ Kärntner Kulturstiftung

Was liest du derzeit?

„Der Ruf der Stille“ von Michael Finkel und „Die Knochennadel“ von Andreas Gruber. (man sollte auch „abstrakt“ lesen)

Verlorene Handschrift – Lost manuscript MT 90x110cm 2020

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Kunst gehört zu den Funktionen der Menschheit, die dafür sorgen, daß Menschlichkeit und Wahrheit fortbestehen, daß nicht die ganze Welt und das ganze Menschenleben in Haß und Partei zerfällt.“ (Zitat: Hermann Hesse, Nobelpreisträger 1946)

Inés Urach, Künstlerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Ines, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Ich möchte mich für die Möglichkeit der Wortgebung und den sehr schönen philosophischen Nachmittag recht herzlich bedanken.

5 Fragen an Künstler*innen:

Inés Urach, Künstlerin

Zur Person _ Inés Urach, Künstlerin

Ausbildung: 2013 – 2017: Studium an der Freien Akademie der Bildenden Künste in Klagenfurt am Wörthersee, AT

Juli 2017: Diplomausstellung „DA.DA.IST“ in Velden am Wörthersee, AT

2018 – 2020: Meisterklasse bei Dozent Luka Anticevic

Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen

Ausstellungen im In- und Ausland siehe Homepage Inés Urach.

„INSIDE ME – HAVE A LOOK“

Die Philosophie der Romantik und die Phantasie sind verloren gegangen, die Menschen verarmen seelisch und wir sollten uns nicht nur auf die Informationen für unsere Entscheidungen beschränken, die durch den Verstand zur Verfügung stehen –  da setze ich meinen Pinsel an.

Der Prozess des Erstellens ist mir ebenso wichtig wie das Ergebnis.

Bei meinen Werken stellt nicht der Gegenstand das Motiv dar, sondern sein gedanklicher Inhalt.

Was ist sichtbar? Was verbirgt sich?

Ein Kunstwerk weckt erst Interesse, wenn es sich nicht unmittelbar erklären lässt.

Dadurch bleibt die Möglichkeit, seine eigene Wahrnehmung neu zu interpretieren und die malerische Umsetzungsform als Erlebnisform zu entdecken.

Ich beschäftige mich in meinen Arbeiten unter anderem mit dem Dialog zwischen Papier und Malerei.

Das Interessante daran für mich ist, dass Papier so gewöhnlich scheint. Wir alle verwenden es jeden Tag, aber wir nehmen es nicht wirklich als Material wahr, es ist für viele nur ein nützlicher Informationsträger.

Doch Papier ist viel mehr als das, ein unterschätzter Rohstoff, jahrhundertealt, mit vielen Charaktereigenschaften. 

So wird dieses Material zur Materialität meiner Bilder und die Information zur abstrakten Struktur.

Inés Urach

https://www.inesurach.at/

Fotos_ Inés Urach

Walter Pobaschnig _ 8.4.2024

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„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“ Lexa Stein, Schriftstellerin _ Düsseldorf 11.4.2024

Liebe Lexa Stein, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite Vollzeit im Vertrieb einer mittelgroßen Firma. Abends schreibe ich. Ich schreibe Romane, mein erstes Buch „Sehnsüchte des Lebens – die Gegenwart (Band 1)“ ist im November 23 veröffentlicht worden. Ich hoffe das zweite dieses Jahr noch herauszubringen. Zudem arbeite ich gerade an einem Thriller-Roman.

Lexa Stein, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann nur für mich sprechen. Wichtig ist mir die Familie und natürlich die Gesundheit, denn ohne sie ist kaum etwas möglich im Leben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Schwierig zu sagen, wir stehen nicht alle gleich davor. Manche werden es sicherlich besser wegstecken und andere werden mehr Schwierigkeiten haben.

Was liest Du derzeit?

Der Fehler von K.L. Slater

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Vielen Dank für das Interview, liebe Lexa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lexa Stein, Schriftstellerin

Zur Person _ Lexa Stein ist in Frankreich geboren und mehrsprachig aufgewachsen. Nach der Schule ließ sie sich zur Fremdsprachenkorrespondentin ausbilden und arbeitet heute als Exportmanagerin im Vertrieb. Schon als Kind entdeckte sie ihre Liebe zum Lesen wie zum Schreiben. Sie schrieb auf Französisch, Englisch und Deutsch Gedichte und verschlang damals wie heute unzählige Bücher. Der Traum von einem eigenen Buch begleitet sie schon lange und erfüllt sich nun endlich mit „Sehnsüchte des Lebens – die Gegenwart“.

Lexa Stein lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und einem Hund auf dem Land in der Nähe von Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) und geht gern golfen.

www.lexa-stein.com

Aktuelles Buch von Lexa Stein:

Lexa Stein, Sehnsüchte des Lebens – die Gegenwart – Band 1. Verlangen und Hoffnung. Novum Verlag.

Format: 13,5 x 21,5 cm

Seitenanzahl: 268

EUR 19,90

ISBN: 978-3-99146-371-9

https://www.novumverlag.com/onlineshop/belletristik/sonstiges-allerlei/sehnsuechte-des-lebens-die-gegenwart-band-1.html

Foto_ privat.

Walter Pobaschnig _ 8.4.2024

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„Großzügigkeit“ Ingo Ospelt, Schauspieler _ Give Peace A Chance _ Zürich 11.4.2024

GIVE PEACE A CHANCE

G roßzügigkeit

I nteresse

V ielfalt

E insamkeit


P artnerschaft

E rfahrung

A chtsamkeit

C haos

E rnst


A lbernheit


C hancengleichtheit

H eiterkeit

A bendrot

N atur

C hemie

E rleben


Ingo Ospelt, 3.4.2024

Ingo Ospelt, Schauspieler

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ingo Ospelt, Schauspieler

Zur Person _  Ingo Ospelt, Schauspieler, 1961in München geboren, in Vaduz, Liechtenstein aufgewachsen, lebt in Uster bei Zürich in der Schweiz. Seit vielen Jahren arbeitet er als freischaffender Schauspieler am Theater (Schauspielhaus Zürich, Stadttheater Bern,Theater an der Winkelwiese Zürich, Theater am Kirchplatz Schaan, Theater St. Gallen und verschiedene freie Theatergruppen), sowie für Film („Tatort“, „Der Kreis“, „Die göttliche Ordnung“, „Zwingli“, „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, „Und morgen seid ihr tot“ ua.), als auch als Sprecher.

Zur Zeit steht Ingo Ospelt in Proben zu dem Stück „Fischer Fritz“ von Raphaela Bardutzky am Theater St.Gallen, welches am 17.4.2024 Premiere haben wird.

https://www.konzertundtheater.ch/programm/kalender/fischer-fritz/183/

Weitere Informationen: http://www.ingo-ospelt.ch

Foto_ Anne Morgenstern

Walter Pobaschnig _ 3.4.2024

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Abbey Road, Die Geschichte des berühmtesten Musikstudios der Welt. Hepworth, David. Hannibal Verlag.

Es ist eines der eindrücklichsten, wenn nicht das berühmteste Schallplattencover der Musikgeschichte – Abbey Road/The Beatles (1969) – das nach dem legendären Londoner Tonstudio benannt und dessen Bandfoto davor am Straßenübergang gemacht wurde. Ebenso gab es ein legendäres release Konzert der Beatles am Dach des Studios in London. Das alles ist moderne Rock/Popgeschichte, in welcher der Name „Abbey Road“  (der Zebrastreifen davor steht unter Denkmalschutz) einen ganz besonderen gleichsam mythischen Klang hat.

In 22 Kapitel öffnet nun der renommierte Musikjournalist David Hepworth die Geschichte eines der Zentren moderner Musikgeschichte mit so klingenden Namen wie The Beatles, Pink Floyd, Tina Turner und vielen weiteren, die hier bahnbrechende Songaufnahmen und Klangvariationen schufen. Im Vorwort des Buches hebt Paul McCartney die Innovation und Kreativität der Musikproduzenten, Tontechniker, Soundspezialisten und der Aufnahmemöglichkeiten vor Ort hervor und er selbst erinnert sich an viele außergewöhnliche Momente wie etwa die Orchesteraufnahme bei „A Day In The Life“.

Es ist eine spannende, überraschende und umfassend informative Reise zu den Entstehungsbedingungen, kreativen Prozessen und technischen Innovationen moderner Musikgeschichte.

„Ein ganz außergewöhnliches faszinierendes Stück moderner Musik(studio)geschichte“

Zur Person_ David Hepworth gehört zu den bekanntesten Musikjournalisten Großbritanniens. Neben Magazinbeiträgen für Mojo, Q und Smash Hits hat der preisgekrönte Autor 1985 von Live Aid berichtet und The Old Grey Whistle Test moderiert. Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche Bücher zur Rockgeschichte
und Bände über die Beatles und die Rolling Stones. (Pressetext Hannibal Verlag)

David Hepworth, Musikjournalist _
@Imogen Hepworth

Abbey Road, Die Geschichte des berühmtesten Musikstudios der Welt. Hepworth, David. Hannibal Verlag.

1. Auflage März 2024, 376 Seiten, Broschur

Format: 23,5 x 16,5

Tepper, Alan (Übersetzung)

McCartney, Paul (Vorwort)

ISBN 978-3-85445-770-1

30,00 EUR

Walter Pobaschnig  4/24

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„Ein sensationeller, mitreißender Theaterabend!“ Das Wechselbälgchen.Christine Lavant. Hof-Theater/Höf-Präbach _ Off Theater Wien 10.4.2024

Das ist das Stroh auf dem nackten Boden. Und darauf das nackte Leben in kratzende Jute gehüllt. Arbeit, Armut, Einsamkeit. Ein tagtäglicher Kreislauf, dem das werdende Leben am bäuerlichen Grund in aller Unerbittlichkeit folgt, folgen muss. Zwischen Recht und Ordnung.

Da ist Gesetz und Tradition. Angst und Aberglaube. Und die Angst, die Ausweglosigkeit gebiert Schatten, die alles an sich ziehen und in Dunkelheit verschwinden lassen…

Wrga, die einäugige Magd am Hof, hat ein uneheliches krankes Kind, das vom Pfarrer den brandmarkenden Namen Zitha erhielt. Die Liebe zu diesem neuen Leben ist ein zart flackerndes Licht des Herzens und der Seele für Wrga, das sie mit aller verzweifelten Kraft festhalten will…denn die Schatten werden größer und größer…der Pfarrer, der Knecht Lenz sind nicht auf der Seite des schutzlosen Lebens, das als Wechselbälgchen, als vom Teufel getauschtes Leben, der Gewalt ausgeliefert ist…und so nimmt das Drama seinen Lauf in Leiden, Stummheit und Tod…

„Das Wechselbälgchen“, eine Erzählung der Kärntner Schriftstellerin Christine Lavant (1915 – 1973), deren Lyrik- wie Prosawerkzu den herausragendsten Stimmen österreichischer Literatur gehört, ist zweifellos ein zentrales Schlüsselelement ihres Schreiben zwischen sozialer Topographie bäuerlichen Milieus der Zeit wie traditionsbezogener Mythologie und dem kritischen scharfen wie anklagenden Blick auf das Leiden und deren sozialen Autoritätsstrukturen in ihrem Gehorsam und Akzeptanz fordernden Legitimationsordnungen und -anordnungen.

Christine Lavant _ Literaturarchiv Kärnten

Das Hof-Theater/Höf-Präbach nimmt sich nun in seiner aktuellen Produktion dieses zeitübergreifenden Themas sozialer Exklusion an und setzt es in einem mitreißend-fulminanten Abend in Szene, der das Publikum in langanhaltendem Applaus begeistert danken lässt!

Regie, Dramaturgie und Ensemble gelingen ein Kunststück, welches in wunderbarer Narration wie äußerst beeindruckender Rollenvariation und dialogischer Abstimmung in Wort und Bewegung das Publikum gleichsam mitnimmt in die Emotion und den Spannungsaufbau der bestens gewählten Szenenfolge. Die Erzählung Lavants bekommt hier ein mitreißendes Bühnenleben, in einem Feuerwerk großartiger Schauspiel-, Puppenspielkunst. Es ist allen Beteiligten – Kostüme, Puppe wie Bühnenbild – wurden vom Ensemble selbst beeindruckend hergestellt, herzlich zu gratulieren! Die Puppe „Wechselbälgchen“ ist in ihrer Form und Ausdruckskraft von Stefanie Elias sensationell konzipiert und wird von der so vielseitig begabten Wiener Schauspielerin grandios bespielt. Jula Zangger, welche die großartigen Jute-Kostüme hergestellt hat, die auch beste Spieltauglichkeit haben, wie die zentrale Maria-Statue in Gips (mit Tränen am Schluss) toll erschaffen hat, brilliert in Erzähl- wie Spielkraft und zeigt einmal mehr, dass sie zu den herausragendsten, vielseitigsten Bühnenpersönlichkeiten Österreichs gehört. Großartig ebenso Rainer Juratti, der im anspruchsvollen Rollenwechsel das Publikum und wohl auch Christine Lavant bestens beeindruckt und unterhält in Präsenz, Dynamik seines wunderbaren Schauspielkolorit. Sehr stark auch Benjamin Klug am großartig dezent akzentuierten Akkordeon wie Gruppenspiel. Regisseurin Ursula Leitner, zweifellos eines der größten Talente wie seit Jahren renommierte Größe österreichischer Bühnenwelt begeistert mit einer Inszenierung, die alle Register höchster Theaterkunst in Werkadaption, Spannungsaufbau, Ensemblespiel zieht und dabei wesentliche Maßstäbe im modernen literarischen Bühnentransfer setzt. Das ist Spitzenklasse wie Literatur hier in Anspruch, Aussage wie Spannung kraftvoll lebendig wird. Sophie Benedikte Stocker ist die kongeniale Dramaturgin, die ein Feuerwerk an Interaktion, Aktion wie Präsenz und Wirkung zu zünden vermag, das in allem voll aufgeht.

Herzliche Gratulation und vielen Dank für dieses großartige literarische Theatererlebnis!

Das Wechselbälgchen. Christine Lavant. Hof-Theater/Höf-Präbach _ Off Theater Wien 10.4.2024

Erzählung von Christine Lavant in einer Dramatisierung von Sophie Stocker. Regie: Ursula Leitner. Mit: Stefanie Elias, Rainer Juriatti, Jula Zangger, Benjamin Klug

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Weitere Spieltermine Off Theater Wien: Do 11.4. u. FR 12.4. 20h    

DAS OFF THEATER – Off-Theater

Regisseurin Ursula Leitner

Walter Pobaschnig  4/24   

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

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„Jede*er kann sich in der österreichischen Literatur für Thomas Bernhard halten und die Deutschen lieben es“ Bettina Balaka, Schriftstellerin _ Wien 10.4.2024

Liebe Bettina Balàka, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da gibt es keine Regelmäßigkeit, das ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits habe ich als Schriftstellerin viel Abwechslung, andererseits wenig Struktur. Es gibt Tage mit Recherchen, Interviews (führen oder geben), Unterrichten, Lesereisen usw., und dann gibt es die Tage, wo man richtig schreibt. Die plane ich streng und lasse mich nicht ablenken. Da es sich zwangsläufig um eine sitzende – oder allenfalls liegende – Tätigkeit handelt, sind mir sportliche Intermezzos wichtig (Fitnessstudio, Kraulen, Pilates, Yoga, Tanzen, viel Bewegung an der frischen Luft), das beugt auch gegen Schreibblockaden vor.

Bettina Balàka, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist in der Literatur und auch der allgemeinen Konversation Österreichs Usus, auf Österreich zu schimpfen. Jeder kann sich so für Thomas Bernhard halten und die Deutschen lieben es. Da sitzt man dann gemütlich in einem der bequemsten und sichersten Länder der Welt, nippt an seinem Welschriesling und gebärdet sich als Opfer unzumutbarer Verhältnisse. Für den Fall, dass uns irgendwann wieder eine Diktatur ereilen sollte, empfehle ich dringend, die Gegenwart zu genießen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Je schneller alles wird, desto wichtiger erscheinen mir Bücher. Anders als ein Reel oder TikTok-Video kann man ein Buch nicht in wenigen Sekunden erfassen. Solange man es nicht von vorne bis hinten gelesen hat, ist es Schrödingers Buch: Man weiß nicht, wie es aufgebaut ist und sich entwickelt, ob es enttäuscht oder die Erwartungen übertrifft, es ist eine Übung im langsamen Kennenlernen, im Auf und Ab, in Impulskontrolle und Geduld.

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade sehr viele Bücher von vergessenen österreichischen Schriftstellerinnen, da ich in Kooperation mit der Wienbibliothek und dem Haymon Verlag ab 2025 eine Reihe von Neuauflagen herausgeben werde. Wir starten mit dem sensationellen Buch „Eine Frau zwischen gestern und mogen“ von Doris Brehm aus dem Jahr 1957.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wir unterschätzen das, was wir haben, und überschätzen das, was wir sind.“

Marie von Ebner-Eschenbach

Vielen Dank für das Interview, liebe Bettina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Bettina Balàka, Schriftstellerin

Zur Person _ BETTINA BALÀKA, geboren 1966 in Salzburg, lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt: Georg-Trakl-Förderungspreis für Lyrik, Kinderbuchpreis der Jury der jungen Leser*innen. Zuletzt erschienen: „Der Zauberer vom Cobenzl“, Roman, Haymon Verlag 2023, „Die glücklichen Kinder der Gegenwart“, Gedichte und Kurzprosa, Haymon Verlag 2024.

Aktuelle Buchneuerscheinung von Bettina Balàka:

Bettina Balàka, Die glücklichen Kinder der Gegenwart. Gedichte und Kurzprosa. Haymon Verlag.

160 Seiten, gebunden

22,90 € Preis inkl. Mehrwertsteuer

ISBN 978-3-7099-8218-1

https://www.haymonverlag.at/produkt/die-gluecklichen-kinder-der-gegenwart/

Foto_ Minitta Kandlbauer

Walter Pobaschnig _ 6.4.2024

https://literaturoutdoors.com

„An einem anderen Ort“ Essays. Zdenka Becker. Mit Fotos von Nikolaus Korab. Literaturedition Niederösterreich.

Es geht in den vorliegenden Essays, Geschichten um Erinnerungen, Erfahrungen, Begegnungen der in Eger/Tschechien geborenen und in der Slowakei aufgewachsen und nun in Wien lebenden Schriftstellerin, Zdenka Becker, die dabei einen vielfarbigen Bogen von der Kindheit, Reisen, dem Ankommen in Österreich in den 1970er Jahren und den folgenden Lebenswegen, Reisen spannt, der interessant, spannend wie unterhaltend zu lesen ist. Ein Mosaik in allem Licht und der Fülle von Hoffnung, Erlebnis, Aufbruch, Erwartung wie auch dunklen Lebensmomenten –

„Manchmal kann ein Leben wie ein Puzzle aus mehreren Teilen bestehen, die völlig unterschiedlich sein können. Rückblickend habe ich auch selbst das Gefühl, zweimal auf die Welt gekommen zu sein…“

Die Essays der vielfach ausgezeichneten Schriftstellerin sind dabei in einen wunderbaren Dialog mit Fotografien des bildenden Künstlers Nikolaus Korab  gesetzt und ergeben gleichsam ein Reiserlebnis in Wort & Bild zu Lebens- Begegnungsorten, die in vielem ein Wiedererkennen eröffnen und auf dem individuellen und doch in vielem gemeinsamen Weg in unsere bunte Welt in Offenheit, Mut und Miteinander inspirieren.

„Ein ganz besonders Reiseerlebnis zu Leben und Welt in Wort und Bild!“

„An einem anderen Ort“ Essays. Zdenka Becker. Mit Fotos von Nikolaus Korab. Literaturedition Niederösterreich.

220 Seiten, 17 x 22 cm, Hardcover

ISBN 978-­3­-902717-­75­-7, € 22,–

Erscheinungsjahr: 2024

Walter Pobaschnig 4/24

https://literaturoutdoors.com