Station bei Bachmann _ „ihre Art zu schreiben hat mir Mut gemacht und eine Tür geöffnet“ Annett Krendlesberger, Schriftstellerin_Wien 19.5.2024

Station bei Bachmann/Malina_
Annett Krendlesberger, Schriftstellerin_Wien_
am Wohnort 1946-49 Ingeborg Bachmanns in Wien und am Romanschauplatz „Malina“ Wien  
Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Liebe Annett Krendlesberger, sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien, wie auch von biographischen Bezugspunkten der 1946 nach Wien gezogenen Schriftstellerin. Sind Dir die Orte hier, die Umgebung vertraut?

Ich fahre zwar öfter mit dem Rad durch den dritten Bezirk, aber ich bin noch nie hier im Haus Beatrixgasse 26 gewesen.

Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und ihrem Werk?

Im Gymnasium habe ich „Malina“ zum ersten Mal gelesen; besonders das zweite Kapitel, „Der dritte Mann“ hatte es mir damals angetan, diese schonungslose Selbstoffenbarung der Ich-Erzählerin, und die Art, wie Ingeborg Bachmann sich stilistisch über konventionelle Vorgaben der Romangestaltung hinweggesetzt hat; ihre Art zu schreiben hat mir Mut gemacht und eine Tür geöffnet, meine Texte genau so zu gestalten, wie ich es mir vorstelle und mich nicht von meinem Weg abbringen zu lassen.

Wie war Dein Weg zur Literatur, welche Stationen gibt es da?

Ich habe erst ziemlich spät begonnen, Texte zu veröffentlichen; zunächst ausschließlich Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien (wie z.B. in den Lichtungen, Freibord oder Podium), später dann auch Lyriktexte; mittlerweile sind sechs Prosabände von mir erschienen. Wobei DALIEGENDE. UNBEWEGT, mein neuer Band (im Dezember 2023 erschienen), wohl eher als lyrische Prosa zu bezeichnen ist.

Im Roman „Malina“ ist der Hauptschauplatz Wien. Du bist in Wien aufgewachsen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen machst Du hier als Schriftstellerin?

Ich liebe Wien und möchte in keiner anderen Stadt leben. In gewisser Weise könnte man DALIEGENDE. UNBEWEGT, meinen neuen Band, ja auch als Hommage an Wien und all jene Wiener Künstlerinnen betrachten, deren Namen (und Schicksale) beinah schon in Vergessenheit geraten sind: 2019 gab es eine wunderbare Ausstellung im Unteren Belvedere „Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938“; sie hat mich so berührt, dass ich begonnen habe, das Buch zu schreiben. 21 Exponate der Ausstellung sind in den Text mit eingeflossen, darunter Werke von Teresa Feodorowna Ries, Mileva Roller, Lilly Steiner, Friedl Dicker-Brandeis u.v.a.; überhaupt werde ich oft durch Ausstellungen inspiriert.

Welche Eindrücke hast Du von den biographischen Bezugspunkten Bachmanns und Romanschauplätzen in der Ungargasse?

In der Beatrixgasse spüre ich eine angenehme, friedliche Energie; der begrünte Innenhof, fast schon ein Park, wäre für mich ein idealer Rückzugsort zum Schreiben. Beeindruckend finde ich die Tore der beiden gleichermaßen herrschaftlichen Altbauten in der Ungargasse, die schon ein wenig auf die Charaktere der Romanfiguren hinweisen: Auf der einen Seite das etwas verspielte schmiedeeiserne Tor in der Ungargasse 6, dem Wohnort der Ich-Erzählerin, das Sicht auf ein Foyer mit weißer Marmorstatue freigibt (die „Ewige Jugend“ als ganz eigener Ausdruck für das Wünschen oder die Sehnsucht, eine Hoffnung …). Und dann im Gegensatz dazu das riesige helle Holzportal in der Ungargasse 9, dem Wohnort Ivans, eines doch eher „nüchternen“ Bankers, dessen Wohnung sich (natürlich) im obersten Stockwerk befindet. Auch die Innenhöfe der Altbauten scheinen einander entgegengesetzt: verwinkelt klein und schattig (unsicher?) versus großzügig, feudal (selbstherrlich?).

Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans „Malina“?

Der Roman „Malina“ ist für mich in erster Linie ein Ausdruck immensen seelischen Schmerzes, ein Ausdruck von Fassungslosigkeit, ohnmächtigen Entsetzens darüber, dass das Unfassbarste, der Holocaust, und die Verbrechen und Gräueltaten des 2. Weltkrieges, passieren konnte. Dass Derartiges überhaupt möglich war. Die Ich-Erzählerin übernimmt Verantwortung für das unendliche Leid, das in den Menschen seither fortwirkt, von Generation zu Generation, und geht innerlich zugrunde daran.

Möchte sie in einer derartigen Welt leben? (Möchten wir in einer derartigen Welt leben?) Ein Mahnmal. Ein Statusbericht. Der Statusbericht eines Menschen, der im Wissen um die Grausamkeit der Welt innerlich zerbricht. Wie im Grunde jeder Mensch innerlich zerbrechen müsste, wären ihm die entsetzlichen Geschehnisse und Grausamkeiten (damals und heute) jede Sekunde seines Lebens in ihrer ganzen Dimension und Tragweite bewusst.

Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?

Oh, darüber darf ich leider gar nichts verraten. Das bringt Unglück!

Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?

Selbstverständlich, es wäre mir eine große Ehre gewesen! Wahrscheinlich würde ich mit Ingeborg Bachmann im Volksgarten spazieren gehen, dort, wo die Rosen sind, und danach würde ich mit ihr einen Kaffee im Landtmann trinken, und würde lange sitzen bleiben. Ganz lang.

Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?

Mein

Atem, ich –

Licht aus, keine Türen –

Ich halt mich –

Nicht EIN Fenster! – halt mich

An meinem Atem an

Station bei Bachmann/Malina_
Annett Krendlesberger, Schriftstellerin_Wien_
am Wohnort 1946-49 Ingeborg Bachmanns in Wien und am Romanschauplatz „Malina“ Wien  
Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Station bei Bachmann/Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien

Annett Krendlesberger, Schriftstellerin_Wien

Zum Projekt: Das Literatur outdoors Projekt „Station bei“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst/Fotografie.

Dabei kommt den werk-topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person in Wort&Bild beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Aktuelle Bucherscheinung von Annett Krendlesberger: “DALIEGENDE. UNBEWEGT

DALIEGENDE. UNBEWEGT. Annett Krendlesberger. Fabrik.transit Verlag.

mit einem Nachwort von Birgit Schwaner

13,6 x 20,6 cm, Hardcover

ca 160 Seiten, 5 farbige Abbildungen

Erscheint im Dezember 2023

ISBN 978-3-903267-58-9

€ 22,00

https://www.fabriktransit.net/daliegende-unbewegt.html

Interview&alle Fotos _ Walter Pobaschnig  5/24

https://literaturoutdoors.com

„Literatur lädt uns ein, wieder zu träumen, zu wagen, uns nicht klein zu halten“ Doris Wirth, Schriftstellerin _ Berlin 19.5.2024

Liebe Doris Wirth, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche, kurz nach 6 aufzustehen, um genügend Zeit zu haben, und scheitere regelmäßig. Ich meditiere, mache etwas Yoga, treffe meinen Sohn um sieben in der Küche. Dann radle ich zur Arbeit und unterrichte Jugendliche in Deutsch als Zweitsprache. Wenn nach dem Unterricht keine Sitzungen oder Termine anstehen, bin ich glücklich. Ich genieße den Heimweg durch den Park oder den Wald und sauge so viel Grün wie möglich in mich auf. Wenn ich viel Glück habe, bin ich nicht zu müde, um noch Sport zu machen.

Abends genieße ich den Moment, wenn ich meinen Sohn zu Bett bringe (so lange er es noch will…), dann bereite ich vor und falle ins Bett, wo ich manchmal noch sinnlos in den sozialen Medien herumklicke, als gälte es, da etwas zu finden, wofür mir der Tag nicht genug Zeit ließ – was dazu führt, dass ich am nächsten Morgen wiederum müde bin.

Nur freitags ist es anders: Freitag ist mein heiliger Tag. Da darf ich länger schlafen oder genau so früh aufstehen und ins Atelier radeln und schreiben. Wenn. Wenn nicht gerade Steuern anstehen, ich mich um eine falsche Mobilfunkrechnung kümmern muss oder sonst das Leben reinplatzt: zum Beispiel mit totaler Erschöpfung, so dass der Freitag Pausentag wird statt Schreibtag.

Zurzeit heißt Schreiben nicht wirklich schreiben, sondern: alles rund um Lesungen, Promo, Einladungen organisieren, Netzwerk pflegen, Website, Insta, Fotos – um meinen Roman zu bewerben und weiter in die Welt hinauszubringen.

Doris Wirth, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sanftheit und Mitgefühl. Ich merke selbst, wie ich, im Grunde ein zarter und positiver Mensch, mehr und mehr mitgerissen werde von einer Welle des „ich zuerst“, und aggressiv werde, ich sehe an manchen Schüler*innen und auf den Straßen im Verkehr, wieviel Dicke-Hose-Gehabe und wie wenig Empathie vorhanden sind. Auch in den sozialen Medien ist König, wer gewinnt, wer glänzt – es fehlt eine Kultur des Scheiterns, eine Kultur des Fühlens. Befindlichkeit ist Trumpf, ja, aber immer nur auf eine vorteilsorientierte Weise, wenn das „ich fühle mich grad so“ diskussionsdienlich ist – es braucht so viel Mut, sich wirklich empfindlich, nackt, berührbar – oder eben auch mal stumpf, abgestumpft, entleert, stumpfsinnig zu zeigen – so, wie es jeweils nicht vom gesellschaftlichen Kontext vorgesehen und goutiert wird. NICHT zu funktionieren und dazu zu stehen. Und bei all dem eben auch das Mitgefühl mit sich selbst UND den anderen, die es möglicherweise nicht verstehen können, nicht zu verlieren. Und bei aller Empfindsamkeit: auch zu merken, wann es Zeit ist, sich eine dicke Haut zuzulegen und klare Grenzen zu setzen.
Das Gefühl der Liebe nicht nur in den rosa Momenten und beim Liebsten zu spüren, sondern hinüber in alle manchmal auch Rohheit oder Hässlichkeit oder Kleinheit des Alltags zu retten, hin zu den Feinbildern, hin zu den vermeintlich „so anderen“. Wenn uns allen das öfter gelänge – wäre in meinen Augen viel gewonnen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich nehme an, der Satz bezieht sich noch auf die Corona-Krise? Mir kommt es manchmal vor, als wäre seither ständig noch etwas draufgekommen. Als würde es mit Schreckensnachrichten und Katastrophen gar nicht mehr aufhören – wahrscheinlich ist es wichtig, immer wieder auch in die Vergangenheit zu blicken. Um die Relation zu behalten. Ich mag es, in alten Zeitungen zu lesen. Ich mag es, wenn „schlimme“ Dinge längst Geschichte sind und nur noch eine in diesen Nachrichten beinah nostalgische Reminiszenz. Wenn da mitschwingt, dass es vorbei ist und dass es weiterging. Und auch gut weiterging! Zeitweise.

Gesellschaftlich finde ich es sehr wichtig, dass der Dialog wieder mehr gefördert wird. Gerade auch im Internet, wo jede*r seine Meinung so laut und ungefragt herausposaunen kann, gibt es so viele Spaltungen. Das eigene Lautsein und sich Behaupten ist wichtiger als das Zuhören, so wird es gelebt – dabei ist richtig Zuhören eine absolute Kerntugend. Auch das sich Anhören, was nicht unserem Denken, unserer Bubble entspricht. Und genau darüber in den Austausch zu gehen. Ich bin kein Fan davon, Menschen mundtot zu machen. Selbst und gerade Menschen, die in Extreme abrutschen, sollten eingebunden werden, ihre wahren Gründe aufgedeckt, und sich nicht mehr und mehr separieren. Ich halte Abspaltungen und Separierungen für sehr gefährlich und beobachte zunehmende Grabenentwicklungen mit Unbehagen. Auch Unbehagen bereiten mir zu starke Leitlinien, WIE man über etwas sprechen soll – parallel zu den vielen Spaltungen gibt es eine starke Mainstream-Kultur, ein Ja-Sagen und Gefallen-Wollen und das Richtige machen um jeden Preis. Ich wünsche mir und uns allen mehr Mut zu wirklich eigenen Standpunkten.
Für einen Neubeginn, persönlich und gesellschaftlich, braucht es Hoffnung, Mut, Visionen und Disziplin.

Der Literatur kommt die Rolle zu, dass sie langsamer ist als das Tagesgeschehen, die Tagespresse. Sie atmet zuerst, ehe sie spiegelt, in Frage stellt, erzählt. Sie hat den Vorteil der Distanz. Und genau darum eröffnet sie uns auch so große Räume und Freiheiten. Sie ist es, die uns immer wieder auch Distanz zu uns selbst und dem eigenen Leben, der eigenen Zeit, ermöglicht. Die uns aber auch einlädt, wieder zu träumen, zu wagen, uns nicht klein zu halten.
Persönlich bin ich so unendlich glücklich, dass Berlin wieder zugekleistert ist mit Plakaten und Ankündigungen, dass die Stadt wieder lebt und bebt und nicht so geisterhaft stillgelegt ist wie während der Pandemie.

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade „Töchter“ von Lucy Fricke, ein Geschenk vor vielen Jahren, das ich jetzt erst hervorgezogen und zu lesen begonnen habe. Und ich lese „Ein Reiskorn auf meiner Fingerkuppe“, ein sehr schöner Lyrikband von Ruth Loosli mit tollen Schrift-Kunstwerken (Abbildungen) der Autorin. Auch Lyrik verlangsamt für mich die Zeit. Ähnlich wie Meditation.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Sanftmut ist ein Schlüssel zum Himmel (gerade gegoogled)

(Julius Langbehn)

Vielen Dank für das Interview, liebe Doris, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Doris Wirth, Schriftstellerin

Zur Person_ Doris Wirth, geboren 1981 in Zürich, lebt seit dreizehn Jahren als freie Autorin in Berlin. Sie war Stadtschreiberin in Rottweil und Stipendiatin in Scuol und Lübeck. Zuletzt erschien im März 2024 ihr Debütroman „Findet mich“ beim Geparden Verlag.

Aktueller Roman von Doris Wirth: Findet mich

„Krawatte, Dienstgrad, Feierabendbier: Es könnte immer so weiter gehen. Doch Erwin, Mittfünfziger, Familienvater, bricht aus. Einst ein Freigeist, stürzt er sich nach Jahrzehnten wieder in ein wildes, ungebundenes Abenteuerleben. Er taucht unter, flieht in die Natur, gilt bald als vermisst. FINDET MICH zeichnet das Psychogramm eines Mannes, dem letztlich eine Psychose diagnostiziert wird und dessen Familie ihn nicht mehr wiedererkennt. Doris Wirth erzählt diese Geschichte als Langzeitporträt, das wechselnde Perspektiven einnimmt; sie blendet zurück in die Vergangenheit von Erwins Ehe, in die sozialen Umstände der Familiengründung und die Reaktionen der in diesen Umständen aufwachsenden Kinder. FINDET MICH ist ein packendes Romandebüt, das nach den Auswirkungen der Selbstdefinition über Leistung und Arbeit fragt und Zwänge und Begrenzungen in unserer Gesellschaft aufzeigt.“

Doris Wirth, Findet mich .Roman 

ca. 320 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 21 x 12,7 cm

ISBN: 978-3-907406-11-3

CHF 32.-, Euro (D) 30.-

ET: März 2024

Foto Cover: Miklós Klaus Rózsa

https://www.gepardenverlag.ch/b%C3%BCcher/

Foto_ Yousif Al-Chalabi

Walter Pobaschnig _ 26.4.2024

https://literaturoutdoors.com

„Entdecken“ Janine Gerber, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Lübeck 18.5.2024

GIVE PEACE A CHANCE

G lauben

I nnerlich

V ertrauen

E inlassen



P ainting

E ndlichkeit

A nders

C hance

E ntdecken



A ufdecken



C hauffieren

H alten

A nnehmen

N ehmen

C haos

E rleben


Janine Gerber, 10.5.2024

Janine Gerber, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Janine Gerber, Künstlerin

Zur Person_ Janine Gerber studierte Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Sie arbeitet in einer ehemaligen Schmiede auf dem Land nicht weit von Lübeck und ihr Thema ist die Fläche, in die sich äußere Faktoren wie das natürliche Licht, Bewegung, Geruch einweben. Sie arbeitet in den Bereichen Malerei, Fotografie, Skulptur und Performance.

http://www.janinegerber.de

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 10.5.2024

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„dass wir nicht alleine auf dieser Welt sind“ Harry Lampl, Schauspieler _ Hamburg 18.5.2024

Lieber Harry Lampl, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment genieße ich, dass es Frühling wird in Hamburg. Ich stehe meist vor sieben Uhr auf und im Winter ist es hier im Norden lange dunkel. Das schlägt aufs Gemüt. Aber dafür geht es mit der Laune, wenn die Tage wieder länger werden, auch umso schneller wieder bergauf.

Die Vormittage nutze ich zum Sport. Körperlich und geistig. Ich versuche jeden Tag ein paar Zeilen zu schreiben. Seien es Gedanken, Ideen, Lieder oder Vorbereitungen für Rollen oder auch für Stadtführungen, die ich seit kurzem ebenso mache.

Die Nachmittage und Abende bin ich am liebsten unter Menschen. Entweder einfach draußen oder im Theater, bei Konzerten oder im Kino. Und sonst warte ich darauf, dass Sturm endlich Meister wird! 🙂

Harry Lampl, Schauspieler, Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das ist eine schwierige Frage, die viel offen lässt. Ich denke zur Zeit ist es besonders wichtig, dass wir Menschen nicht vergessen, dass wir nicht alleine auf dieser Welt sind. Ein Bewusstsein zu haben, dass es andere Lebewesen und eine lebendige Erde gibt auf der wir leben. In Zeiten der Selbstoptimierung und in der uns durch gezielte Werbung immer weiß gemacht wird, dass das „Ich“ im Zentrum steht, sollten wir darauf achten, den Bezug zu unserem Umfeld und unserer Umwelt nicht zu verlieren. Auch wenn natürlich jede Veränderung bei einem selbst beginnt. Nur so können wir den Bedrohungen unserer Zeit, die ich vor allem in der Zerstörung unseres Lebensraums, im Klimawandel und im immer stärker werdenden Rechtsruck in der Gesellschaft sehe, entschieden entgegentreten. Hass, Gewalt und Menschenfeindlichkeit, Themen die von rechten Parteien in kleinen Sticheleien und Provokationen immer weiter in den öffentlichen Diskurs gedrängt werden, sind schlechte Lehrmeister und der Boden, auf dem nur Unglück fruchtbar wächst.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Meiner Meinung nach müssen wir darauf aufpassen, die Schwächsten in unseren Reihen bei diesem Aufbruch nicht zu vergessen. Das Theater und die Kunst nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und Missstände aufzuzeigen. Natürlich darf die Unterhaltung auch nicht zu kurz kommen, aber ich denke Kunst ist niemals unpolitisch, gerade dann wenn sie behauptet unpolitisch zu sein.

Was liest Du derzeit?

Mein Bruder hat mir zum Geburtstag Be Useful – Seven Tools for Life von Arnold Schwarzenegger geschenkt. Das lese ich grade und passt natürlich ironischer Weise perfekt zur Selbstoptimierung, die ich angesprochen habe 😀 Aber als Grazer natürlich quasi eine Pflichtlektüre.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Na dann doch gleich ein Zitat vom Arnie:

I am the living proof that the classroom where young people are likely to learn the most is out in the world.

Vielen Dank für das Interview, lieber Harryviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Harry Lampl, Schauspieler, Musiker

Zur Person_ Harry Lampl ist seit 36 Jahren auf dieser Welt und seit dem als Überlebenskünstler und meistens auch als Schauspieler aktiv. Neben zahlreichen Rollen in Film und Fernsehen oder im Theater spielt er auch seine eigenen Lieder begleitet von Akkordeon und Gitarre. Falls ihr ihn auf der Bühne oder der Leinwand vergeblich sucht, findet ihr in vielleicht bei einer Stadtführung in Hamburg, dem neuesten seiner zahlreichen „Side-Gigs“ oder auf dem Fußballplatz. Bzw. daneben. Vor allem wenn Sturm spielt.

Foto_ Jehann Gisli Brunk

Walter Pobaschnig _ 8.5.2024

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„Gilt es doch prinzipiell zuallererst“ Stephan Lack, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Wien 17.5.2024

GIVE PEACE A CHANCE

G ilt es doch prinzipiell zuallererst

i n sich selbst hineinzuhören, zu

v ersuchen, die eigenen Ressentiments

e rnsthaft in den Griff zu bekommen


P ersönliche Vorurteile zu

e ntdecken und sich mit ihnen

a useinanderzusetzen, heißt: sich die eigenen

C haraterschwächen

e inzugestehen, das wäre ein


A nfang, denn


C hronisten der eigenen Unzulänglichkeiten bringen

h offentlich mehr Geduld für

a ndere auf, teilen die Welt

n icht vorrangig in Gut und Böse ein, sind möglicherweise weniger

c holerisch und stärker

e mpathisch



Stephan Lack, 6.5.2024

Stephan Lack, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Stephan Lack, Schriftsteller

Zur Person_  Stephan Lack ist österreichischer Autor. Mit dem Theaterstück „Verschüttet“ gewann er 2006 den Niederösterreichischen Dramatikerpreis. Seitdem entstanden mehr als 50 Stücke im Bereich Sprech-, Musik- und Kindertheater, darunter Auftragsarbeiten für das Theater an der Josefstadt, die Sommerspiele Melk, das Landestheater Niederösterreich, Werk X, das Theater Lilarum, den Dschungel Wien, das Schubert Theater Wien, das Salzburger Straßentheater, die Brüder-Grimm-Festspiele oder die Barocktage Melk, sowie Aufführungen u.a. am Burgtheater Wien. Er arbeitet zudem als Dramaturg für Theater und Film, Übersetzer, Kulturjournalist, sowie als Lehrender im Bereich Theater, Film und literarisches Schreiben.

www.sesslerverlag.at

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 6.5.2024

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„Kunst ist der Schlüssel“ Birgit Obrowsky, Künstlerin _ Wien 17.5.2024

Liebe Birgit Obrowsky, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeden Tag anders. Ich lebe vorwiegend im Moment. Einzig immer wiederkehrende Konstante: Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichsten Formen, Orten und Berufungen.

Birgit Obrowsky, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Selbstreflexion und Erkenntnis. Den Finger vom Außen nach Innen zu richten und die Welt – so schwer es fällt – als Bühne zu sehen. Jeder erfüllt seine Aufgaben in der Form, wie es nach jeweiligem Bewusstsein möglich ist. Jeder Mensch hat seine eigene, individuelle Geschichte. Dahinter sind wir alle gleich. Alle haben dieselben Wunden, dieselbe Aufgabe. Und diese lautet: in uns selbst ankommen und dort den Frieden erkennen, der unser Geburtsrecht war und ist. Der trainierte Verstand glaubt, dass ein Streben nach mehr der Schlüssel sei. Nicht erkennend, dass er sich damit noch weiter von sich selbst entfernt. Wer in sich den Frieden wiedererkennt, der wird sich seiner wahren Aufgabe aus dem Herzen heraus bewusst werden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Kunst ist der Schlüssel. Kunst ist – vor ALLEM, dann, wenn sie frei fließen kann – frei von Normen, Vorgaben oder Ausbildungen und damit Einschränkungen – die Verbindung zu unserem höchsten Bewusstsein. Kunst will nichts Neues erschaffen. Sie will das Verborgene, unbewusste aus uns allen hervorkehren. Sie ist Lebendigkeit, Hoffnung, Liebe, Schmerz, Freude, Ekstase. Sie ist Ausdruck dessen, was in der tiefsten Tiefe wartet und entspringen möchte – ohne jeglichem Wissen in immerwährender Bereitschaft neu aus uns geboren zu werden. Durch den Schmerz oder die Freude öffnet sich eine Türe, die daraus Nacktheit und Verletzbarkeit zulässt. Kunst ist der bloße Ausdruck der Seele, wenn man von ihr nichts will und sich ihr vollkommen hingibt.

Was liest Du derzeit?

Mein eigenes, vor Kurzem veröffentlichtes Buch „Rotkäppchen & der Wolf – wie es sein kann, wenn die Liebe eine Brücke bildet“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nur in der Tiefe deines Selbst findest du, wonach du suchst.

Birgit Obrowsky, Künstlerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Birgitviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Birgit Obrowsky, Künstlerin

Zur Person_  Birgit Obrowsky, Künstlerin, geboren 1982 in Wien, lebend in Perchtoldsdorf. Die Kunst verbindet Birgit mit ihrer angeborenen Hellfühligkeit, Worte fliessen genauso durch sie, wie Farben über den Pinsel.

Seit kurzem malt sie ihre „Herzgeflüster* Light & Shadow Werke mit Acryl auf Leinwand in Form von Energiebildern und bringt zum Ausdruck, was anderen an Emotionen noch unbewusst verborgen liegt. Das Eintauchen in die Bilder führt ins Fühlen und damit ins Fließen von Energie. Stil: abstrakt

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 6.5.2024

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Station bei Gert Jonke _ „Durchhaltevermögenssteuerberechnung“ Norbert Maria Kröll, Schriftsteller_ Wien 16.5.2024

Station bei Gert Jonke_ Wien_
  Norbert Maria Kröll, Schriftsteller_ Wien _
Fotos _ im/vor dem Haus des Schreibateliers von Gert Jonke in Wien _

Gert Jonke, Schriftsteller * 8. Februar 1946 Klagenfurt  † 4. Jänner 2009 Wien.
Norbert Maria Kröll, Schriftsteller_ Wien

Zum Projekt _ Das Projekt Literatur outdoors ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten in Portrait/Performance/Interview beizutragen.

Gedenktafel _ Schreibatelier Gert Jonke _ Wien

Lieber Norbert Maria Kröll, wir sind hier in Wien beim Haus des Schreibateliers von Gert Jonke, Schriftsteller *1946 Klagenfurt  +2009 Wien, ist Dir die Umgebung  hier vertraut? Welche Eindrücke hast Du vom Schreibort Jonkes in Wien?

Die Umgebung ist mir bekannt, aber nicht vertraut. Die Wohnung, in der er gearbeitet hat, habe ich ja nicht gesehen. Aber ich konnte mir Jonke gut vorstellen, wie er auf der Terrasse sitzt und schreibt.

Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Gert Jonke und seinem Werk? Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Werkes Jonkes?

Das zentrale Thema Jonkes ist meiner Meinung nach die Musik, die aber nicht (nur) inhaltlich zum Tragen kommt, sondern dem Text quasi eingeschrieben ist. Wie Anton Thuswaldner bereits angemerkt hat: Jonke „schrieb seine Texte nicht, er komponierte sie“. Ich habe beinahe alle Prosatexte und Gedichte von Jonke gelesen. Er hat mein anfängliches Schreiben stark beeinflusst. In meinem Debütroman „Sanfter Asphalt“ erwähne ich in einer Szene in der Wiener Hauptbücherei auch seine Bücher: Der Hauptprotagonist entleiht sie der Reihe nach. Leider habe ich Jonke nur ein einziges Mal lesen gehört. Ich war damals noch Musiker und hatte sein Schaffen sozusagen erst mit dieser Lesung kennengelernt, dann lange wieder vergessen, und viele Jahre später zum Glück wiederentdeckt.

Norbert Maria Kröll vor dem Schreibatelier von Gert Jonke
Blick in den Terrassengarten vor dem Atelier
Atelierfenster zum Terrassengarten

Schreiben und Musik waren für Gert Jonke wesentliche Lebensprojekte. Auch das verbindet Euch, Du hast mehrere erfolgreiche Bandprojekte initiiert und bisher drei Romane veröffentlicht. Was verbindet für Dich Literatur und Musik?

Das stimmt, diese Verbindung könnte als Gemeinsamkeit erkannt werden. Wobei ich das Gefühl habe, dass bei ihm die Musik und die Sprache (fast) eins sind, wohingegen bei mir die Musik in einiger Entfernung, sozusagen von den Zuschauerrängen aus zusieht. Vielleicht wird sie irgendwann wieder näherkommen. Wir werden sehen. Da ich Schlagzeuger war, würde ich meinen, dass mir der Rhythmus – auch wenn meine Texte (im Moment) nicht experimenteller Natur sind, wo diese Verbindung sicherlich wichtiger erscheint –, immer sehr wichtig ist. Beim Lesen muss der Takt stimmen.

Stiegenhaus zum Atelier

Wie war Dein Weg zum Schreiben?

Zuerst war die Musik, dann war das Lesen, dann war das Schreiben. Das Lesen ist der wichtigste Teil. Ich wünschte, ich hätte nach wie vor so viel Zeit zum Lesen wie damals, als ich nach der Matura von Kärnten nach Wien gezogen bin.

Was inspiriert Dich und ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?

Ein wiederkehrendes Thema meines Schreibens ist die Kunst. Dort liegt gewiss auch ein Teil der Inspiration. Als zweiten wichtigen Punkt könnte vielleicht die Freundschaft herangezogen werden. Welche Arten sind möglich. Wo endet sie, wo beginnt eine Beziehung.

Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?

Mein vierter Roman „Arcus“ erscheint im Herbst bei Kremayr & Scheriau. Da bin ich nach wie vor mit dem Überarbeiten des lektorierten Manuskripts beschäftigt. Dann kommen erst mal die Lesungen. Und danach – wie immer – der nächste Roman!

Hättest Du mit Gert Jonke gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie hätte dieser ausgesehen?

Ja, das wäre schön gewesen. Ein Kaffee auf seiner Terrasse. Ein Spaziergang vielleicht. Ein Konzert?

Darf ich Dich abschließend zu einem Jonke Akrostichon bitten?

Anstelle eines Jonke Akrostichons, füge ich hier ein Gedicht ein, das ich 2011 geschrieben habe. Ein Akrostichon für „Winfried Kudszus“, der sich in einer Publikation eingehend mit Literatur und Schizophrenie beschäftigt hat. Hier habe ich mich von Jonkes „Sprachgewitter“ inspirieren lassen und ihm daher auch das Gedicht gewidmet:

APOKALYPTICHON

(Hommage an Gert Jonke)

Warteschlangentonspurengekrächz

Instrumentalverherrlichungsopposition

Naturforscherdurchhaltelattenrost

Findelkindhinterlassungsgewerkschaftsverbund

Radfahrerverbotszonengebälk

Intonationsmuskelbauchgefühlsverschiebung

Erdumfangstolerierungsgesetztesmissbrauch

Durchhaltevermögenssteuerberechnung

Kundendienstbetreuungsgeldumverteilung

Umrissverteidigungszonengeleut

Druckkabinenumrundungsverlautbarung

Sarginspektionsunternehmensverfahren

Zungenpiercingdurchschussgerätsverblödung

Urheberrechtsgebenedeitenauslosungsgefahr

Sonnenuntergangsverherrlichungsverein

Station bei Gert Jonke_ Wien_
  Norbert Maria Kröll, Schriftsteller_ Wien _
Fotos _ im Haus des Schreibateliers von Gert Jonke in Wien _

Gert Jonke, Schriftsteller * 8. Februar 1946 Klagenfurt  † 4. Jänner 2009 Wien.

Zum Projekt _ Das Projekt Literatur outdoors ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten in Portrait/Performance/Interview beizutragen.

Station bei Gert Jonke_

Norbert Maria Kröll, Schriftsteller_ Wien _
Gert Jonke, Schriftsteller * 8. Februar 1946 Klagenfurt  † 4. Jänner 2009 Wien.

Fotos _ im Haus des Schreibateliers von Gert Jonke in Wien _

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 5/24

Norbert Maria Kröll und Walter Pobaschnig
vor dem Schreibatelier von Gert Jonke in Wien
Station bei Gert Jonke_ Wien_
  Norbert Maria Kröll, Schriftsteller_ Wien _
Fotos _ im Haus des Schreibateliers von Gert Jonke in Wien _

Gert Jonke, Schriftsteller * 8. Februar 1946 Klagenfurt  † 4. Jänner 2009 Wien.

Walter Pobaschnig 5/24

https://literatzuroutdoors.com

Lawrence Ferlinghetti. Notizen aus Kreuz und Quer. Travelogue. Kupido Verlag.

Er ist eine der herausragendsten literarischen Persönlichkeiten der amerikanischen Beat-Generation der 1950/60er Jahre wie der folgenden Jahrzehnte. Und es ist eine Doppelfunktion, die er dabei über Jahrzehnte bis zu seinem Tod mit 102 Jahren 2021 innehatte.

1953 gründete der in New York geborene Schriftsteller Lawrence Ferlinghetti in San Francisco den City Lights Bookstore und ermöglichte damit die Veröffentlichung mittlerweile legendärer Lyrik&Prosa Buchtitel, welche die Nachkriegsliteratur wie Gesellschaft und Kultur wesentlich prägten und beeinflussten. Er wurde damit zum Verleger und Buchhändler und war in der Mitte des kulturellen Geschehens Kaliforniens, der USA und weltweit.

Kennzeichnend für die Beat-Generation wie für die Literatur der Zeit ist auch eine umfassende Korrespondenz wie das Führen von Notizbüchern, in denen Erleben, Zeitgeschehen weltweit auf Reisen festgehalten wird.

Die erstmalige Veröffentlichung der Reisetagebücher Ferlinghettis ist nun eine literarische Sensation ersten Ranges. Leserin und Leser dürfen hautnah am Gesehenen, Reflektierten von Ort und Zeit in den USA, Mexiko, Europa, dem geteilten Deutschland, Italien, der UDSSR, Nordkorea und mehr in Begegnung und Gespräch und den Schriftsteller wie Verleger Ferlinghetti prägenden Erfahrungen, Erleben teilhaben.

Es ist so ein gesellschaftliches wie literarisches Zeitdokument, das Zeit, Politik, Kunst in den Jahren 1960-2010 in allen Hoffnungen und Enttäuschungen wie Aufbrüchen eindrücklich darstellt.

„Eine literarische Sensation als vielseitiges Vermächtnis der Beat-Generation!“

Lawrence Ferlinghetti. Notizen aus Kreuz und Quer. Travelogue. Kupido Verlag.

Aus dem amerikanischen Englisch von Pociao

Kupido Travelogue N° 4

€ 62,00 (D) | € 63,50 (A)

ISBN 978-3-96675-260-2

Walter Pobaschnig  5/24

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„Menschen, welche regelmäßig Kultur konsumieren haben ein erfüllteres Leben“ Michael Schwarzenbacher, Akkordeonist _ Essen 16.5.2024

Lieber Michael Schwarzenbacher, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem obligatorischen Kaffee am Morgen, relativ unregelmäßig. Durch mein Studium läuft jeder Tag etwas anders ab. Mal habe ich Vorlesungen, mal unterrichte ich, oder habe den ganzen Tag, um ihn mir frei einzuteilen. Natürlich kommt aber das Üben meines Instrumentes nicht zu kurz und ist fixer Bestandteil eines jeden Tages. Vor allem als Akkordeonist finde ich es wichtig auch regelmäßig ausgleichenden Sport zu betreiben, um das Gewicht des Akkordeons besser handhaben zu können.

Mein durchschnittlicher Tag ist also ein Mix aus Uni, Üben, Sport und Zeit mit Freunden.

Michael Schwarzenbacher, Akkordeonist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Empathie, Menschlichkeit und der Wille zur Positivität.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Jeder Wandel birgt auch Potenzial für Neues.

Die Wichtigkeit der Musik und der Kunst im Allgemeinen kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Durch Musik kann ausgedrückt werden, was mit Worten oft unmöglich ist. Sie berührt uns im tiefsten Inneren und steuert dabei Ebenen an, die sonst zwischenmenschlich unerreichbar sind. Genau das bietet eine großartige Chance, um Botschaften zu senden, zum Nachdenken anzuregen, oder einfach auch mal dem Alltag zu entfliehen.

Ich bin davon überzeugt, dass Menschen, welche regelmäßig Kultur konsumieren ein erfüllteres Leben haben und das gesellschaftliche Leben positiv beeinflussen.

Was liest Du derzeit?

Momentan bin ich sehr vernarrt in Sachbücher jeglicher Art. Zur Zeit sind es „Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg und „Breath“ von James Nestor. Ein Buch über die Wichtigkeit der Atmung, die uns das gesamte Leben begleitet.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Music can change the world because it can change people.“ – Bono

Michael Schwarzenbacher, Akkordeonist

Vielen Dank für das Interview, lieber Michaelviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Michael Schwarzenbacher, Akkordeonist

Zur Person_ Michael Schwarzenbacher ist ein junger aufstrebender Akkordeonist aus Österreich. Das Akkordeon passt bei ihm keinesfalls in eine Schublade, sondern zeichnet sich vielmehr durch seine Vielfältigkeit aus. So vereint er diverse Musikstile in seinem Schaffen und ist stets auf der Suche nach Neuem.

Seit Herbst 2023 studiert Michael Schwarzenbacher an der Folkwang Universität der Künste
in Essen, wo er bereits im Studienjahr 2021/22 einen Auslandsaufenthalt bei der
international renommierten Akkordeonistin Mie Miki absolvierte. Im Jahr 2023 schloss er
sowohl sein Instrumental- als auch sein Instrumentalpädagogikstudium an der Universität
für Musik und darstellende Kunst Graz bei Univ. Prof. MuM Janne Rättyä mit
ausgezeichnetem Erfolg ab.

Seinen ersten intensiven Kontakt zur Musik hatte der 1999 geborene Künstler jedoch schon im Alter von 10 Jahren. Als Wiener Sängerknabe bereiste er zahlreiche bekannte Konzertstätten, darunter die Carnegie Hall in New York und die Suntory Hall in Tokio. Mit 14 Jahren erkannte Michael, dass die Musik, aber vor allem das Akkordeon, weiterhin einen zentralen Platz in seinem Leben einnehmen soll. Er begann mit dem Vorstudium am Kärntner Landeskonservatorium im Fach Akkordeon bei Prof. Mag. Roman Pechmann und besuchte das Musikgymnasium Klagenfurt-Viktring.

Sein künstlerisches Schaffen prägen unter anderem die Meisterkurse bei Richard Galliano,
Teodoro Anzellotti, Veli Kujala, Andreas Borregaard, Vincent Lhermet und Klaus Paier. Er ist
mehrfacher Preisträger von nationalen, als auch internationalen Wettbewerben. Darüber
hinaus spielte er unter anderem bereits als Solist mit diversen Orchestern und trat im
Wiener Musikverein, sowie im Wiener Konzerthaus auf.

Michael Schwarzenbacher gastierte mit seinem Soloprogramm beispielsweise beim Kultursommer Wien und den Brandenburgischen Sommerkonzerten. Michael erhielt im Jahr 2023 den Bruno-Gironcoli-Förderpreis der Stadt Villach, sowie den Kulturförderungspreis für Musik des Landes Kärnten für seine bisherige künstlerische Tätigkeit

Fotos_ 1 Hannah Friedl; 2,3 Florian Fradler.

Walter Pobaschnig _ 6.5.2024

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„Kleopatra. Ein Leben.“ Stacy Schiff. Bassermann Verlag.

Kleopatra, ein klingender Name der Welt- und Kulturgeschichte, der von vielen Bildern im Kopf begleitet ist, die im Laufe der Jahrtausende entstanden und bis heute Anlass zu verschiedenen Zugängen zu dieser faszinierenden  ägyptischen Herrscherinpersönlichkeit in den Jahren 51 v. Chr. bis 30 v. Chr. sind.

Kleopatra VII, aus derDynastie der Ptolemäer, Nachfolger von Alexander dem Großen, steht von Beginn ihrer Regentschaft an, die sie zunächst mit ihrem minderjährigen Bruder Ptolemaios XIII teilt,im Brennpunkt der politischen Weltgeschichte zwischen dem Mächteringen in Rom und dem Versuch die Autonomie des ägyptischen Reiches zu bewahren. Dabei erweist sich die Herrscherin als mutige Taktikerin, die wiederholt größtes politisches wie persönliches Risiko nimmt und schließlich tragisch scheitert.

Der Weg Kleopatras selbst nun zwischen Liebe und Politik, Hoffnung und Untergang, ist ein vielschichtiger, der in zahlreichen Texten wie Kunstdarstellungen erzählt, dokumentiert ist.

Das vorliegende Buch der Pulitzerpreisträgerin Stacy Schiff beeindruckt in seiner großen Erzählkraft in Zusammenschau, Dokumentation wie Reflexion des Lebens wie des Mythos „Kleopatra“. Zudem ist der große Bildteil hervorzuheben, der wunderbar Text und Erzählung begleitet.

„Ein spannendes biographisches Meisterwerk!“

„Kleopatra. Ein Leben.“ Stacy Schiff. Bassermann Verlag.

Aus dem Amerikanischen von Helmut Ettinger, Karin Schuler

Originaltitel: Cleopatra

Originalverlag: Little, Brown and Company

Sonderausgabe, Pappband, 448 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

16 Seiten farbiger Bildteil

ISBN: 978-3-8094-4780-1

Erschienen am 17. Januar 2024

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€ 9,99 [A] | CHF 14,50 * (* empf. VK-Preis)

Walter Pobaschnig 5/24

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