Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Blitzlicher von _Peter Clar, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler _ Wien
Frischmuthforschungsteam _ von links nach rechts: Peter Clar, Matthias Schmidt, Julia Lingl, Anna Babka, Barbara Frischmuth
Peter Clar im Arbeitszimmer von Barbara Frischmuth_folgende Fotos
Peter Clar und Barbara Frischmuth
Vielen Dank für die wunderbaren Fotos, lieber Peter!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Peter Clar, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
Zur Person: Peter Clar, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview_Sabine Scholl, Schriftstellerin
Liebe Sabine, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Wir saßen nebeneinander, waren zu „Literatur im Herbst“ eingeladen. Ich lebte in Chicago. Sie erzählte unter anderem von der vielen Fanpost, die sie bekam und dass sie es niemals schaffen könne, alle Zuschriften zu lesen und zu beantworten. Ich war beeindruckt von dieser Popularität. Später moderierte sie ein Gespräch mit Assia Djebar und obwohl ich deren Bücher gelesen hatte, wurde mir während Djebars Vortrag deutlich, wie sehr die algerisch-französische Autorin mit oralen Traditionen von Berber-Frauen arbeitete. Es war augen- und ohrenöffnend, unvergessen. Frischmuths Engagement für Literatur anderer Kulturen war bedeutsam. Sie hielt auch die Laudatio für Djebar, als diese den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekam.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Während meiner Schulzeit faszinierten mich ihre Romane mit fantastischen Anklängen. So wollte ich schreiben, tat es aber nie. Frischmuth blickte über Grenzen hinaus und brachte Fremdes herein. Immer plädierte sie für den Austausch von Kulturen, von Sprachen, von Literaturen und sogar von Religionen. Ich verließ den deutschen Sprachraum bald, sie blieb und wurde Lieblingsautorin meiner Mutter, die sie auch wegen ihrer Leidenschaft für Gärten und ihrer Pflanzenkenntnis mochte. Sicherlich bekam Frischmuth dafür noch sehr viel mehr Fanpost, denn auch Gärten sind ein verbindendes Element über Kulturen und Grenzen hinweg. Barbara Frischmuth verfasste im Laufe der Jahrzehnte außerdem ein vielfältiges Werk in verschiedenen Genres, das ist eher unüblich für die österreichische Literatur. Sie blieb nicht bei dem einen, einmal entwickelten Modell, sondern probierte immer wieder was Anderes, Neues. Vielleicht ist es diese Offenheit, in der ich mich erkennen kann?
Vielen Dank für das Interview!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview_Eva Holzmair, Schriftstellerin
Liebe Eva, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Meine ersten Begegnungen mit Barbara Frischmuth waren ihre ersten Romane, angefangen von Die Klosterschule über Die Mystifikationen der Sophie Silber und dann noch Kai und die Liebe zu den Modellen. Aus letzterem las ich heraus, dass sie, wie ich damals, im 3. Bezirk wohnte, und aus ihrer Bio, dass sie, so wie ich, Dolmetsch studiert hatte. Und – damals gab es weder Internet noch E-Mail – sie stand im Telefonbuch! Ich hatte gerade meine ersten literarischen Gehversuche gestartet und wollte dazu eine Meinung einholen. Also packte ich zwei meiner Kurzgeschichten in ein Kuvert und schickte sie samt schüchternem Beibrief an Barbara Frischmuths Adresse. Drei Tage später ihr Anruf: „Ihre Geschichten haben mich mitgerissen, so sehr, dass ich mir Sorgen um meinen Sohn machte.“ (Eine Geschichte handelte von einem schwerkranken Kind.) Sie sprach lange mit mir, gab mir Tipps, wie ich in die Literaturszene hineinrutschen könnte, und wünschte mir viel Glück. Ich war überwältigt und habe – aus diversen beruflichen wie privaten Gründen – keinen ihrer Tipps befolgt, sondern nach den ersten Absagen von Verlagen das Schreiben sein lassen. Aber dass ich schreiben kann, das hat Barbara Frischmuth mir bestätigt. Und das hat mir den Mut gegeben, viele Jahre später erneut einen Versuch zu starten, der mich dann doch noch am Rand in die Literaturszene hineinrutschen ließ.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Sie ist zu einer Zeit bekannt geworden, in der die Literaturszene, von wenigen Ausnahmen abgesehen, von Männern beherrscht wurde. Davor ziehe ich noch heute den Hut. Schon ihr Anfangserfolg (Die Klosterschule) zeigte sie zudem als scharfe Beobachterin der (Nachkriegs)Verhältnisse. Aufgrund ihrer Ausbildung als Dolmetscherin für Ungarisch und Türkisch bzw. Aufenthalten in Ländern des Orients (nicht nur Türkei, auch Ägypten etc.) hat sie in ihrem Schreiben stets über den Tellerrand geblickt und diese faszinierenden Kulturen als das wahrgenommen, das sie für uns sein könnten: eine Bereicherung.
Gibt es ein Lieblingsbuch von ihr und warum dieses?
Die Schrift des Freundes
Weil sie darin einen wunderbaren Spannungsbogen hält, und ich so viel über die Aleviten lernen durfte.
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Unbeirrt von Erfordernissen des Literarturmarkts den eigenen Weg gehen, sich treu bleiben und offen auf die Welt zu blicken.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
In Die Schrift des Freundes führt Frischmuth die Computerspezialistin Anna u.a. so ein: „Nach jedem Kriegsbeginn kauft Anna sich neue Schuhe. Die Welt hat ihre Freude bitter nötig, schon wegen der Gesamtatmosphäre. Vielleicht kann sie etwas von den positiven Schwingungen um den Globus jagen, als mentalen Antrieb.“
Senden wir positive Schwingungen aus! Es muss ja nicht unbedingt durch Schuhkäufe geschehen …
Vielen Dank für das Interview!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview_ Monika Vasik, Schriftstellerin
Liebe Monika, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Ich bin Barbara Frischmuth lange nur in ihren Büchern begegnet. Im September 2022 habe ich sie auch persönlich getroffen, als ich ihre Lesung aus dem Buch „Der unwiderstehliche Garten. Eine Beziehungsgeschichte“ bei den Literaturtagen im Weinwerk moderierte. Die damals 81-jährige ist erst am selben Tag mit einer Freundin aus Altaussee angereist und wirkte nach der langen Autofahrt zunächst ein wenig müde. Nichts davon war bei ihrer Lesung zu bemerken. Auch bei unserem Gespräch auf dem Podium war sie zugewandt und wirkte in sich ruhend, meinungsstark, dennoch bescheiden. Beim gemütlichen Nachspann erzählte sie, dass sie an ihrem nächsten Buch arbeite. Es sei „wieder“ ein Gartenbuch, weil sich das der Verlag von ihr wünsche. Dabei schmunzelte sie, meinte, dass das Thema Garten für sie ja schon ziemlich ausgeschöpft sei, aber diesmal ginge es um Gartengeräte. Lieber, meinte sie, würde sie allerdings weiter an literarischen Texten arbeiten, aber die müssten jetzt eben noch ein wenig warten. Das angesprochene Buch „Schaufel, Rechen, Gartenschere. Was die Hände brauchen“ erschien dann wenige Monate später in der Reihe Dinge des Lebens im Residenz Verlag.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Ich bin weder Germanistin noch Literaturwissenschaftlerin, Frischmuths Platz in der österreichischen Literaturgeschichte mögen daher andere beurteilen. Als Leserin und Schriftstellerin beeindruckt mich die stilistische und thematische Vielfalt sowie die außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit ihres Schaffens und ihre sprachliche Sorgfalt. Ich schätze auch Frischmuths Belesenheit sowie ihr breit gestreutes Interesse, vor allem ihre Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften, denen ich nahestehe, und mit der Philosophie, die sie immer wieder in ihre Bücher einfließen lässt.
Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?
Meiner Erinnerung nach haben wir in der Schule nie ihren Namen gehört, weil wir fast nur Texte männlicher Autoren durchnahmen. Als junge Frau aber stolperte ich in einer Buchhandlung über Frischmuths Romandebüt „Die Klosterschule“, eines der wenigen Bücher, das ich mehrmals gelesen habe, dessen Sprache mich damals begeisterte und bis heute packt. An ihren Naturbüchern wie „Der unwiderstehliche Garten“ oder „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ schätze ich u.a. ihre Kritik an der „humanen Überheblichkeit“, die gelegentlich aufblitzende (Selbst)Ironie und wie Frischmuth ihre Beschäftigung mit Natur und Literatur, aber auch mit anderen Fachgebieten ineinanderfließen lässt. Für sie war der Garten „eine Ansammlung von Leben, in der Pflanze Tier und Mensch ihren Platz finden“. Er machte „ästhetische[s] Vergnügen“, „gute Laune und eine Art körperliches Glücksgefühl“. Durch ihn begriff sie die Bedeutung von Symbiosen in der Natur, die Macht der Pilze, die eine „kooperative Untergrund-Ökonomie“ mit anderen Pflanzen eingehen, aber auch, dass Gärten keine Idylle sind und „dass jedes Verschwinden eine Leerstelle hinterlässt.“
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Vielleicht vorrangig ihre Behutsamkeit, ihre Neugier, ihr begabtes Staunen sowie ihr beispielhaftes Festhalten am „trotzdem“: Barbara Frischmuth hat sich in einer patriarchal durchtränkten Gesellschaft als Autorin etabliert und interessante Frauenfiguren in ihrer Prosa erschaffen. Sie hat hartnäckig an ihrem Schaffen festgehalten und obendrein vorgelebt, dass man bis ins hohe Alter literarisch produktiv sein kann, weil „ein schmerzender Rücken manchmal glücklicher macht als die Idee, es sich im Alter immer bequemer machen zu müssen“.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
Ein Zitat, das sowohl für ihre Literatur, ihr Leben wie auch ihr Arbeiten im und mit dem Garten stehen kann: „Es blieb nur die Methode von trial and error, die ich auch gehörig nutzte, indem ich meiner Phantasie entsprechend Raum ließ. Dabei verliefen die trials der vielen errors wegen (Überschätzung, Unterschätzung, schlichte Unwissenheit und unerfüllte Erwartungen) bei weitem nicht immer so, wie ich es mir gedacht hatte.“
Vielen Dank für das Interview!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Monika Vasik, Schriftstellerin
Monika Vasik, Schriftstellerin
Zur Person: Monika Vasik, Schriftstellerin
Lyrikerin, Rezensentin, Moderatorin, Ärztin _ Wien
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview_Brigitta Huemer, Schriftstellerin
Liebe Brigitta, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Lesungen von und mit Barbara Frischmuth waren für mich immer von besonderer Bedeutung. Persönliche Begegnungen und Gespräche ergaben sich während meiner ‚Grundlsee – Jahre‘ in der Heimatregion Salzkammergut. Als Gründungsmitglied des Literaturmuseums Altaussee, setzte sie sich maßgeblich für dessen Aufbau ein und verantwortete in den Folgejahren, ein vielfältiges Lesungsprogramm. Altaussee verdankt ihr seine heutige Bedeutung und Etablierung als namhaftes Literaturdorf.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Das umfangreiche Werk Barbara Frischmuths, wird sie literaturgeschichtlich überdauern. Ihr unmittelbar einnehmender, lebensnaher, feministisch unterlegter Erzählstil und der kosmopolitische Impetus haben das Format von Alleinstellungsmerkmalen. Vor allem den späteren Werken, ist eine lyrisch angelegte Natur – Obsession immanent. Für mich ein weiteres, unverkennbares Indiz ihrer literarischen Meisterschaft.
Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?
Neben ihren bekannteren Werken, hat mich der biografisch angelehnte Roman ‚Das Verschwinden des Schattens in der Sonne‘, nachhaltig beeindruckt. Er thematisiert ihren Aufenthalt in der Türkei als Studentin der Orientalistik. Ein Mut machendes, von Hoffnung und Aufbruch getragenes Werk. Besonders anregend sind auch die Erzählung ‚Bindungen‘, sowie die Erzählbände ‚Rückkehr zum vorläufigen Ausgangspunkt und ‚Haschen nach Wind‘. Überzeugende Belege, ihres humanistischen Wertekanons und einer emanzipatorischen, eigenständigen Handschrift mit Vorbildpotential.
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Viele ihrer Bücher waren in den Achtziger – und Neunzigerjahren, für mich essentiell und wegweisend. Sie befeuerten das Zutrauen in die eigene Schreib – Ambition. Barbara Frischmuth wird mir auch als eine zugewandte, klar benennende und anregende Gesprächspartnerin in Erinnerung bleiben.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
Ein Zitat bleibt nah an mir:
„In der Vielfalt, im heterogenen Nebeneinander bleibt das biografische Gedächtnis lebendiger.“
Eine Textstelle hallt nach:
„Du darfst dem Vogel deiner Seele keine Körner streuen. Wenn er die Federn abwirft, wirst du dein Gesicht im Wasser deiner Taten sehen.“
Vielen Dank für das Interview!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview_Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin
Liebe Ines, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrtausends hatte die geniale Kulturvermittlerin und Begründerin verschiedener großformatiger kultureller Ereignisse über lange Zeit, Jutta Skokan, die literarischen Sprechtage Wels ins Leben gerufen. Schriftstellerinnen und Schriftsteller von Rang und Namen waren eingeladen und gaben sich Jahr für Jahr ein Stelldichein in unserer Stadt. Und auch wir ansässig Schreibende erhielten die Chance zahlreicher Lesungen. An einem dieser Sprechtage las auch Barbara Frischmuth, weckte großes Interesse und Begeisterung für ihre Literatur und Freude an der wohlwollenden, humorvollen, offenen Zugewandtheit zu uns Youngsters. Es bot sich uns allen die Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Ich aber war dafür viel zu schüchtern, saß während einer Lesung in der Zuhörerreihe hinter ihr und spürte mein Herz rasen, als sie sich strahlend lachend zu mir umwandte ….. Jahre später war u.a. Elke Erb eingeladen. Ihr konnte ich bereits selbstbewusster begegnen, welch ein Glück für mich!
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Ungemein reizvoll und spannend war und ist es wohl noch immer (ich werde das eine und andere Buch sicher wieder lesen) für mich, wie souverän Barbara Frischmuth die Härte und Klarheit realistischen Erzählens ins Märchenhafte, Mystische gleiten ließ und darin Inhalt und Anliegen immer wieder so wandeln konnte, dass sie selbstverständlich auch die Meinen wurden. „So wird aus dem Nebeneinander von Geschichte und Gegenwart plötzlich ein Ineinander; mystische Erfahrung und politisches Bewusstsein sind nicht mehr absolute Gegensätze“ schrieb mir die Frankfurter Allgemeine über den Roman „Das Verschwinden des Schattens in der Sonne“ (dtv 1980) aus dem Herzen. Diese Erzählweise ist gewiss einzigartig in die österreichische Literaturgeschichte eingegangen.
Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?
Auf Anhieb geradezu hineingefallen bin ich in die Trilogie „Die Mystifikation der Sophie Silber“, „Amy oder Die Metamorphose“ und „Kai und die Liebe zu den Modellen“. Als junge Frau allmählich und schrittweise in die Gesellschaft hineinzuwachsen und sich aus den üblichen weiblichen Lebensläufen (mir von meinem Vater suggestiv, aber unwidersprechlich eingeimpft) hinauszuwagen, betraf mich selbst und wurde mir als Möglichkeit durch die Lektüre vor Augen geführt. Dass es besonderer und langwieriger Umwege bedurfte, war natürlich auch klar. „Traum der Literatur – Literatur des Traums“ war mir ebenfalls unverzichtbar geworden und mir eine wunderbare Grundlage für literaturpädagogische Seminare. Lädt alles zum Wiederlesen ein, da diese Begegnungen mit Frischmuths Literatur doch sehr weit zurückliegen.
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Frischmuths literarisches und zeitgenössisches Engagement für ein friedliches Miteinander, respektvollen, geduldigen, offenen Umgang im politischen und mitmenschlichen Diskurs ist aktueller denn je. Ihr Einsatz für ein rücksichtsvolles, feinfühliges, achtsames Leben, eingebunden in die Natur, als Teil der Natur und Mitgeschöpf menschlicher und tierischer Mitgeschöpfe wäre endlich unbedingt ernst zu nehmen, rettend und konsequent ins eigene Dasein umzusetzen. Die Einklangstifterin (Frankfurter Allgemeine im Nachruf auf die Dichterin) hat ein unmissverständliches Vermächtnis für Leben und /in Kunst hinterlassen.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
Eine Textstelle aus „Traum der Literatur – Literatur des Traums“ möchte ich uns mitgeben und ihrer Erfinderin – sich erfüllend – wünschen: „Wünsche offen zu haben, wie diesen obskuren, privaten: nach dem eigenen Tod jemandem zu begegnen, der oder die lacht – und zurücklachen.“
Vielen Dank für das Interview!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin
Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ
Fotos_
Portrait Barbara Frischmuth: Franz Johann Morgenbesser
Eine Ballettoper Uraufführung E3 Ensemble in Koproduktion mit Theater am Werk _ Wien 3.4.2025
Eine großartige Allegorie auf den Narzissmus moderner Gesellschaft als Gesamtkunstwerk fantastischer Revue von Tanz, Pantomime, Musik, Kostüm, Stimm-, Sprechakrobatik, Expressivität und herzzerreißender poetischer Dramatik in treffsicherer Dramaturgie, die in wunderbar abgestimmter Ensemblebewegung das Publikum auf emotionale Hochschaubahnen mitreißend mitnimmt.
Staunen, Überraschung, Lachen, Weinen, in dieser „Ballettoper“ ist alles drin was Leben und Theater ausmacht. Das E3 Ensemble beweist einmal mehr ihr so beeindruckendes Repertoire an erstklassiger Bühnendynamik, die in Idee und Perfektion zum Feuerwerk höchster Schauspielkunst wird.
Ein Theaterabend als einmaliges Ereignis, das mit langanhaltendem Applaus belohnt wird!
Eine Ballettoper
Uraufführung
E3 Ensemble in Koproduktion mit Theater am Werk
Premiere: 3. April 2025, 19:30 Uhr
Konzept
Isabella Jeschke
Gerald Walsberger
Sebastian Spielvogel
Mit
Antonia Dering
Lilian Gartner
Isabella Jeschke
Leon Lembert
Michaela Schausberger
Gerald Walsberger
Inszenierung und Text
E3 Ensemble
Dramaturgie
Thomas Bischof
Bühne
Sebastian Spielvogel
Kostüm
Studio Dering van Dieken
Bewegungscoaching
Katharina Senk
Künstlerische Beratung
Susanne Brandt
Fotografie
Thomas Steineder
Trailer
Aled Ordu
Komposition und Live-Musik
Clemens Sainitzer
Weitere Vorstellungen: 5., 6., 9., 10. und 11. April 2025, 19:30 Uhr
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview_Peter Clar, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
Lieber Peter, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Ich habe nicht nur eine Erinnerung an Barbara, als Kollegin, als Beforschte, als Freundin. Ich kannte sie seit 2016, als ich anlässlich ihres 75. Geburtstags in Danzig, Polen, ein Symposium zu ihr organisiert habe. Barbara ließ es sich nicht nehmen, bei allen Vorträgen und Diskussionen dabei zu sein, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, alles besser zu wissen… und ich erinnere mich, wie sie, topfit, uns bei einem Strandspaziergangfast ‚davongelaufen‘ ist. Seitdem (seit dem Symposium nicht seit dem Davonlaufen) waren wir miteinander befreundet. Sie war bei der zweiten Auflage der von mir (mit-) organisierten und -kuratierten zweiten Literaturmeile Zieglergasse, dem, behaupte ich einmal, größten eintägigen Open-Air-Literaturfest des deutschsprachigen Raums, der ‚Hauptact‘. Und ich durfte u. a. zu ihrem 80. Geburtstag in Altaussee die Laudatio halten, mit Anna Babka gemeinsam zum gleichen Anlass eine in Wien, bin bei drei Sammelbänden zu ihr der Mitherausgeber. Mit Anna, zudem Carolin Guckler, Julia Lingl und Matthias Schmidt, forsche ich zudem seit einigen Jahren an ihrem Vorlass – der nun leider zum Nachlass wurde, nicht zuletzt analysieren wir alle ihre Texte, egal ob Lyrik oder Prosa, Hörspiel oder Essay, kurz oder lang. Wir waren oft beruflich bei ihr, Anna und ich auch privat. Eine besonders schöne Erinnerung ist der Juli letzten Jahres, als Barbara, schon krank, wenn wir auch nicht wussten wir schwer, Dirk (ihrem Mann), Anna und mir aus ihrem neuesten Buch „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ vorgelesen hat – fehlerfrei, mit fester Stimme und einer unendlichen Lust und Freude an ihrem Tun. Sie wolle, hat sie uns ein paar Monate später, schon deutlich gezeichnet, erzählt, noch ein Buch schreiben, werde deshalb den Kampf gegen den Krebs aufnehmen… So viel Energie war in ihr, so viel Literatur, so viele Gedanken – fast bis zum Schluss.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Anna Babka schreibt in ihrem wunderbaren Nachruf für das Franz-Nabl-Institut der Universität Graz, dass „Barbara Frischmuth […] den Traum von der selbstverständlichen Anwesenheit der Frauen in der Literatur nicht nur geträumt, sondern verwirklicht“ habe. Das geht weit über die österreichische Literaturgeschichte hinaus. Sie hat es geschafft, gegen alle Widerstände, der patriarchal geprägten Avantgarde wie einer sie lange Zeit völlig ignorierenden Academia ihren Weg zu gehen. Nach einem Erfolg wie „Die Klosterschule“, das Erfolgsmuster nicht zu wiederholen, sondern gegen jeden Widerstand ‚zurück zum Erzählen‘ (von dem sie nie weg war) zu gehen, eine eigene literarische Stimme zu entwickeln, erfordert höchste Bewunderung. Und es ist diese sehr eigene Stimme, die sie in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur eingeschrieben hat. Ob man ihre Texte mag oder nicht (oder manche mag und manche nicht): Man erkennt einen Frischmuth-Text. Und diese Eigenständigkeit haben nicht viele Autor*innen. Bezieht man dann noch ihre Rolle, bei der Gründung des Forum Stadtparks, als Förderin junger Kolleg*innen etc., mit ein, dann muss man sagen, dass Barbara Frischmuths literarisches Schaffen auf eine Stufe zu stellen ist, mit den ganz Großen der österreichischen Literatur der zweiten Hälfte des 20. und dem ersten Viertel des 21. Jahrhunderts. Davon bin ich felsenfest überzeugt.
Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?
Eines nicht. Mehrere vielleicht. Darf ich drei nennen?
„Die Frau im Mond“, eines ihrer experimentelleren Bücher, das von den Geschichten dreier sehr unterschiedlichen Frauen konturiert wird. Diese Vermischung von Fantasiewelt und Realität, die Frage nach der Wirklichkeit des eigenen Seins, der immer wieder versuchten (und immer wieder scheiternden) Vergewisserung seiner selbst, ist sprachlich so schön und handwerklich so gut gemacht (letzteres zeigt sich vor allem im völlig unvorhersehbaren Ende, daran, wie die unterschiedlichen Erzählstränge zusammengeführt werden), ist einfach ganz große Literatur.
„Macht Nix oder Der Lauf, den die Welt nahm“, nicht nur, aber auch, weil es eines der Lieblingsbücher Barbaras war oder, besser, eines jener Bücher, die Barbara als ihr unterschätztestes angesehen hat. Eine Dystopie (wieder so eine Mischung aus Traum und Wirklichkeit) die trotzdem auch etwas Positives hat, vielleicht ein Jugendbuch, aber ganz bestimmt auch für Erwachsene geeignet, voller absurd-komischen Sprachwitz – und doch bleibt einem das Lachen im Halse stecken.
„Kai oder die Liebe zu den Modellen“. Teil drei der sogenannten ‚Sternwiesertrilogie‘. Wie Barbara vom Leben einer (fast) alleinerziehenden Schriftstellerin berichtet, von dem ständigen Kampf, sich „a room of one‘s own“, um Woolf zu bemühen, zu erkämpfen, um wenigstens in der Nacht ein paar Zeilen zu Papier bringen zu können, ist auch fast 50 Jahre nach seinem Erscheinen ein Lehrstück über die Schwierigkeit Mutter und (zugleich) Künstlerin zu sein.
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Dieser unbedingte Wille zur Literatur. Barbara hat 1966, mit 25 Jahren, ihr Dolmetschstudium aufgegeben, um als freie Schriftstellerin zu leben und hat dies auch nicht aufgegeben, als sie Mutter wurde. Und sie hat Ende der 50er, Anfang der 60er an, bis knapp vor ihrem Tod, also 65 Jahre lang (!) Literatur veröffentlicht. Ihre große Toleranz. Barbara wusste, was sie konnte, sie hatte ihre Meinungen und keine Scheu, diese zu artikulieren. Aber sie war immer und überall für das Gespräch. Ihre Lust am Lernen, auch hier: bis zum Schluss. Mit welcher Begeisterung sie und immer erzählt hat, wenn sie sich gerade in ein Thema eingearbeitet hat, war und ist und wird immer Inspiration bleiben.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
Bitte, auch hier zwei nennen zu dürfen:
„Du / dieses Wort / tanzte lange / auf meinen Augenlidern. / Alle Wimpern / hat es mir verbrannt.“
Und:
„Als junges Mädchen hatte sie nach ihrem Tod ein Baum werden wollen, so sehr glaubte sie an die Möglichkeiten der Metamorphose. Sie stellte sich vor, wir sie langsam hinüberwuchs in ein gänzlich anderes Dasein, und sie fragte sich, ob sie dann mit ihrer Rinde oder mir ihrem Wipfel sehen konnte oder ob sie ein völlig anderes Bild der Welt haben würde, durch Sinne vermittelt, die mit Sehen und Hören gar nichts zu tun hatten.“
Vielen Dank für das Interview!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Peter Clar, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
Zur Person: Peter Clar, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview_ Eva Schörkhuber, Schriftstellerin
Liebe Eva, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Ga es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Persönlich bin ich Barbara Frischmuth leider nur ein einziges Mal begegnet: Im Rahmen einer Lesung bei der Literaturmeile in der Zieglergasse, das ist schon einige Jahre her.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Es ist Barbara Frischmuths literarische Hinwendung zum Konkreten, die mich fasziniert – zu konkreten Geschichten und Lebewesen, aber auch zu Brüchen, die einen als normal betrachteten Lauf der Dinge aus den Angeln heben.
Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?
Ja, mein Lieblingsbuch ist „Woher wir kommen“: Den geografischen, historischen und sozialen Ort zu befragen, von dem aus eine schreibt und denkt, halte ich (nicht nur für Schriftsteller:innen…) für ein sehr wichtiges Unterfangen. Dieses Buch ist darin wegweisend für mich, eine literarische Reflexion auf die Geschichte eines Ortes und ihre Komplexität.
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Eben dieses: Den Mut zu finden, mich immer wieder zu fragen, woher ich komme, von welchem Standpunkt aus ich schreibe.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
[habe ich momentan keines/ keine zur Hand]
Vielen Dank für das Interview!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Lieber Peter, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Barbara Frischmuth ist eine der Heldinnen unserer frühen Literaturbegeisterung. Während meines Studiums und während meiner jungen Jahre als Gymnasiallehrer lasen wir ihre Werke mit großer Bewunderung. Davon zeugen die zahlreichen Buchexemplare in meiner Bibliothek. Es waren Erzählungen, die Hoffnung machten, die uns ermutigten, eigene ehrliche, aber auch friedvolle Wege zu gehen. Ihr Stimme fehlt nun sehr als Stimme gegen die Kriegsschreier. Sie propagierte ein Miteinander zwischen Politikern und Staaten.
Persönlich bin ich ihr einmal im Salzburger Literaturhaus en passant begegnet und ein Andermal etwas länger in Altaussee, wo sie Julian Schutting ins Literaturmuseum eingeladen hatte. Eine faszinierende Dame der Literatur.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Sie war eine der großartigen SchriftstellerInnen der Siebziger und Achtziger, so wie Jelinek, Mayröcker, Evelyn Schlag etwas später, oder auch Handke, Bernhard, Wolfgruber, Henisch, Innerhofer u.a.. Sie war v.a. auch Vorbild für uns, die wir literarisch zu schreiben begannen. Ein eigenständiger literarischer Ton war da, Werthaltung, Ehrlichkeit, sie war einer sinnlichen und sinnvollen Wirklichkeit verpflichtet, dem Glauben an Entwicklung einer fairen und friedlichen Gesellschaft.
Es war eine neue Art der Sinnlichkeit, es war eine neue Art der Ehrlichkeit, auch der politischen Entschlossenheit. Gerade die Gesellschaft der Nachkriegsjahrzehnte strotzte in Österreich vor Verlogenheit (etwa bis zum Skandal rund um „Heldenplatz“ 1988). Gleichzeitig war da diese Bewegung zu etwas Neuem hin, in der Frischmuth u.a. auch mit ihren emanzipatorischen Texten eine wesentliche Rolle spielte.
Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?
Besondere Faszination haben für mich die Bücher, die von Befreiung erzählen und mythologische Elemente haben, wie „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ aus den Siebzigern oder „Amy oder Die Metamorphose“ und „Kai und die Liebe zu den Modellen“ aus den Achtzigern. Natürlich ist auch die analytische und emotionale Schärfe von „Die Klosterschule“ eine Sensation, ihr Debut von 1968, in dem sie das strenge Reglement in einem katholischen Internat in seiner Destruktivität für Kinder vorführte.
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Neben dem oben Gesagten habe ich von Barbara Frischmuth die Anregung, biographisches Erzählen zu wagen. In diesem kulturellen Biotop ist sicherlich auch mein erstes Buch „Forsthaus“ (1997) entstanden. Im Übrigen bleibt sie uns allen Modell, wir sind wie sie aufgerufen, Neues zu finden, den Weg des Humanen niemals zu verlassen.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
Da gäbe es viele, ich nehme relativ beliebig zwei Sätze aus „Kai und die Liebe zu den Modellen“:
„Unsere Kinder werden alle Trottel, weil man sie nicht mehr auslassen kann. Nicht einmal allein von der Schule dürfte man sie nach Hause gehen lassen, heutzutage.“
„…wir sind so für die Berührung eingerichtet, dass wir uns notfalls selber streicheln. Andererseits die Empfindlichkeit…
Vielen Dank für das Interview!
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025
Peter Reutterer _Schriftsteller
Peter Reutterer _Schriftsteller, Musiker
Zur Person:Peter Reutterer, geboren am 13.5.1956 in Waidhofen a.d.Thaya, bis zum achten Lebensjahr im Waldviertel. Übersiedelung nach Salzburg. Neusprachliches Gymnasium, Studium (Germanistik, Psychologie-Pädagogik, Latein), Gymnasiallehrer seit 1980, Veröffentlichungen seit 1987. Lebt mit Familie in Bergheim bei Salzburg.
Buchpublikationen:
„Forsthaus“.Kurzprosa.-Bibliothek der Provinz, 1997 „Lokalaugenschein“. Kurzprosa.- Bibliothek der Provinz, 1998 „Movies“. Lyrik.-edition aramo, 2002 “Der Filmgänger”. Eine Erzählung.-Bibliothek der Provinz, 2002 „Silbercolt und Silbersee“. Jugendroman.- edition nove, Jänner 2007 „Schräglage“. Satiren. – Bibliothek der Provinz, Herbst 2007 „Gegenlicht“ .Kriminalerzählung. – arovell, 2008 „Siesta mit Magdalena“. Eine Novella.- arovell, 2010 „Augen.Blicke“. Gesammelte Lyrik.-Edition Tandem, 2010 „Auf den Punkt“. Gedichte mit Geschichten – arovell, 2012 „Unter dem Himmel und in Berlin“. Gedichte mit Geschichten. – arovell, Jänner 2014 „World Wide und auf der anderen Seite“. – Gedichte mit Geschichten. arovell, 2016 „Um das Leben gespielt“. – Gedichte mit Geschichten. arovell, 2018
„Fugato in S-Moll“. In: „Leben in Salzburg“(MM-Verlag, 1987) „Ad verba“. In: LITERATUR AUS ÖSTERREICH (1993) „Der entschwundene Durst“. In: STERZ (Nr.64/ 1994) „Biomüll“. In: „Mord vor Ort. Neue Kriminalgeschichten aus Österreich“(Vlg. für Gesellschaftskritik, 1994) „Abenteuerspielplatz“. In: „Väter“ (Edition Doppelpunkt, 1996) „Heideland“. In: „Waldviertler Weisheiten“(Edition Stoareich, 1996) „Waldschneisen“. In: SALZ 89, 1997 „Videohelp“. In: STERZ, Nr.76/ 77 (1998) „Lyrik“. In: LITERATUR AUS ÖSTERREICH, Nr.252 (1998) „Demolition“. In: STERZ, Nr.78/ 79 (1998) „Ich rieche“. In: Doppelklick 5, neue edition BUCHKLUB 1999 „Despabilate, amor“. In: STERZ, Nr.82 (1999) „Filmesdichte“. In: SALZ 102, Dez.2000 „Mein Bier am Abend“. In: Edition Aramo, Krems 2001 “Wie Fußball”. In: Mein Leid am Mittwoch. Edition Aramo, Krems 2002 “Rom”. In: SALZ 110, Nahaufnahmen 8. Salzburg 2002 “Movieangels”. In: Beyond, Marsilius 2003 “Erdäpfelklauben”. In:Über das Land, Öst.Agrarverlag (Literaturwettbewerb) 2003 „Bewegende Bilder“. In: Litertatniktechtur 03 (Siemens-Literaturwettbewerb) „Augenlicht und Ewigkeit“. In: SALZ 114, Nahaufnahmen 9. Salzburg 03 „Die Fußballanalysten“. Satire in DIEPRESSE, 10.7.06
Lesungen:
zunächst bei Gruppenlesungen in Salzburg, Graz und Wien. Buchpräsentationen im Salzburger Literaturhaus, in Zwettl und Reichenau, Stifterhaus Linz, Oktober, Hollabrunn u. Raabs, im Literaturhaus Wien, Literaturhaus Krems, im Musilhaus Klagenfurt, 2003 in Budapest, 2004 in Bonn RADIOSENDUNGEN zu „Forsthaus“, (Radio Salzburg 97), zu „Lokalaugenschein“ am Sept.98. In „Beispiele, Ö1“ 1998, in „Literaturminiatur“, Ö1 1999 und 2003 ebenfalls in Ö1, „Leseprobe“ zum „Filmgänger“
Preise:
1995 beim Lieferinger Literaturwettbewerb Herbst 1996: Manuskript-Förderpreis vom Land NÖ März 97: Preisträger beim Hermes-Lyrik-Wettbewerb (Burgenland) 1998: Preisträger „freies lesen“ (Lungau) 1998: 5.Platz beim Bewerb um den Preis des Salzburger Kulturfonds Juli 98: einmaliges Arbeitsstipendium vom Bund, 1999 vom Land Salzburg Juli99: Preisträger bein NÖ-Donaufestival („Die großen Prophezeiungen“) Juli 2000, Preisträger beim KIMNARAS-Wettberb (Drosendorf) September 2003, Landesstipendium Salzburg mit Fritz Popp (Jury Britta Steinwendtner, Werner Thuswaldner und Gudrun Seidenauer) Romstipendien des Bunde 04 und 05 Oktober 20005, Anerkennungspreis „Offener Himmel“
TEILNEHMER an Workshops mit Julian Schutting Mitglied bei der SAG und bei prolit MITARBEIT beim Projekt „Virtuelle Schule“ (PI-Niederösterreich, 2000) Vom Land Salzburg gefördertes Buchprojekt mit Schülern „Lies langsam“, 2002
Musik _Bandprojekte mit:
Wukasin Radulovic (tb), Thomas Müller (p): EVERGREENCOMBO
(Tanzbare Oldies und Soft Jazz)
Zsuzsanna Kiss (voc, viol.), Peter Brugger (b), Rainer Furtner (dr): TRIO EXQUISIT
(Standards für die Lounge, Ungarischer und Wiener Jazz)
Oliver Baumann, Florian Oberholzer, Johannes Helmreich: ABENDBROT