C (Orangen aus Spanien, Wasserreservoir ausgeschöpft)
Ein Windstoss eine falsche Anweisung kann uns
Aufhalten. Anhalten.
Chaos entsteht.
Heute stehen wir dennoch
Auf um
Neu und hell zu rufen: diese
Chance ergreifen wir aus dem
Elend heraus: nie wieder Krieg! (Was als hilflose Anrufung daherkommen könnte, entpuppt sich als kraftvolle Manifestation, wenn wir alle es wollen/denken. Die Kraft des Denkens neu erfinden; mit neuen Bildern den Prägungen trotzen).
Tja, das Jetzt hat sich wohl radikal geändert und mit ihm auch ein wenig mein Tagesablauf. War ich selbst in den schwersten Zeiten der Pandemie kein Nachrichten-Junkie, so suche ich nun schon am Morgen nach den letzten Meldungen aus der Ukraine und klicke auch untertags immer wieder einmal auf orf.at, cnn.com, tv5monde.com etc. Ansonsten bin ich diszipliniert und teile die Stunden zwischen Übersetzen/Dolmetschen und Schreiben auf, je nach Auftragslage mal mehr dem einen zugewandt, mal mehr dem anderen.
Aber egal womit ich gerade beschäftigt bin, eines muss sein: die Kaffeepause am Nachmittag! Bei Kongressen (die nun nicht mehr ausschließlich virtuell stattfinden) ist sie Teil des Programms und für mich als Dolmetscherin eine willkommene Verschnaufpause. An einem Schreibtischtag ist sie der Startschuss für den Gang ins Kaffeehaus oder aber in die Küche, um die Kaffeemaschine einzuschalten. Auf Reisen bin ich eine Meisterin im Auskundschaften von geeigneten Lokalen für diese kleine, aber wichtige Unterbrechung, die auch mein Mann liebt. Oft sehen wir uns nach dem Frühstück erstmals beim Nachmittagskaffee wieder und genießen die Entspannung, das Loslassen, das damit einhergeht. Zum Ausgleich fürs ständige Sitzen und begeisterte Kuchenessen (Kaffee ohne Mehlspeise geht gar nicht) wird auch mal zwischendurch gejoggt oder das Fitness-Center aufgesucht. Bewegung macht das Hirn frei für neue Gedanken und literarische Ideen.
Eva Holzmair, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Angesichts des Unsinns, der in Sachen Corona verzapft wird, und des völkerrechtswidrigen Überfalls auf die Ukraine, der u.a. mit dem hanebüchenen Argument der Entnazifizierung gerechtfertigt wurde, sollten wir besonders wachsam sein und nicht allen Aussagen trauen, die in den sozialen Netzwerken kursieren. Doch nicht nur dort bedarf es erhöhter Vorsicht. Es gilt, möglichst viele Medien zu konsultieren, um eine eigene Meinung zu bilden und keinen Fake News aufzusitzen. Bei diesem Wust an Informationen und Bildern keine leichte Aufgabe, aber für unsere persönliche Psychohygiene und generell für eine funktionierende Demokratie enorm wichtig.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ob es einen Aufbruch oder „more of the same“ geben wird, kann ich nicht sagen. Aber vielleicht bewirkt gerade der unselige Krieg in der Ukraine ein Umdenken, und die Politik geht die Energiewende, den Klimaschutz endlich ernsthaft an. Die Kunst spielt dabei keine Rolle. Sie ist vielmehr Kommentatorin und Archivarin des Geschehens, nicht jedoch dessen treibende Kraft.
Was liest Du derzeit?
„Winterrezepte aus dem Kollektiv“ von Louise Glück (ins Deutsche übertragen von Uta Gosmann), Luchterhand, eine zweisprachige Ausgabe, die mich natürlich auch als Übersetzerin interessiert, und „Knochenblüten“ von Monika Vasik, Elif Verlag, über Feministinnen und Frauenrechtlerinnen verschiedener Epochen und Herkunft. Glücks Lyrik ist in der Wortwahl einfach und doch so tiefgründig, ja geheimnisvoll, während Vasik ihr Thema mit überraschenden Sprachbildern angeht, die lange nachklingen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Im Hinblick auf die gleichgeschalteten Medien und das brutale Vorgehen gegen Oppositionelle in Russland, Belarus und zahlreichen anderen Staaten drei Zitate:
„Rede- und Pressefreiheit bedeuten in erster Linie Recht und Kritik. Niemand hat jemals das Lob der Regierung verboten.“ – Wladimir Konstantinowitsch Bukowski, russischer Menschenrechtsaktivist und Autor
„Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne Kritik Demokratie geben kann. Damit fängt sie an.“ – Michail Gorbatschow, vormaliger Staatspräsident der UdSSR und Generalsekretär der KPdSU
„Ich bin eine leidenschaftliche Zeitungsleserin. Nicht alles, was ich da über mich lesen muss, gefällt mir. Aber als Ministerin gehört auch das zum Berufsleben dazu. Ich will jedenfalls nicht in einem Land Politik machen, in dem es keine Pressefreiheit gibt.“ – Barbara Hendricks, deutsche Politikerin
Vielen Dank für das Interview liebe Eva, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Die meiste Zeit tue ich vorplanen, herausfinden was das Schicksal noch alles mit mir vorhat. Ich weiß nur eines: jetzt ist nicht die Zeit, um zu zagen und zu verzweifeln. Jetzt ist die Zeit, um dranzubleiben und nicht aufzugeben.
Max Wenning, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dranbleiben, nicht den Mut verlieren, neue Entscheidungen treffen, auch wenn alles aussichtslos scheint. Ich denke Corona weist besonders jetzt auf Brüche in unserem gesellschaftlichen System hin. Jetzt ist die Zeit was Neues auszuprobieren, neue Impulse zu setzen, bevor wieder alles zum Stehen kommt.
Was wird wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Kunst hat die Aufgabe zu verbinden. Künstler verbinden was getrennt scheint. Denn wenn wir alles im Augenschein nehmen, dann sind die alltäglichen Unterschiede nicht so groß wie es den Anschein hat. Kaum der Rede wert.
Kunst hat jetzt besonders die wichtige Aufgabe, dass der Verzweifelnde nicht in größere Abgründe stürzt. Corona hat vieles bewegt, doch jetzt ist es wichtig auf der Welle der Erneuerung und Chancen zu reiten, nicht in der Angst zu ersticken. Um es mit einem Wort zu sagen: Mut haben!
Was liest Du derzeit?
Don Juan und Faust von Grabbe Die Bibel.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Da fällt mir nur das erste Zitat von David Mamets brillanter Komödie ein: „Wenn die Götter uns wahnsinnig machen wollen, erhören sie unsere Gebete.“ Jetzt hat jeder von uns die Möglichkeit zu handeln und neue gesellschaftliche Impulse zu setzen. Lasst uns gemeinsam diese Herausforderung bestehen, damit wir am Ende wieder zusammenkommen können und diese Zeit einen guten Abschluss findet.
Vielen Dank für das Interview lieber Max, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
1947. Es ist eine archäologische Sensation und ein kulturgeschichtlicher Krimi, der sich in der Stille der Höhlenlandschaft des Toten Meeres und jahrtausendealter Schätze der Menschheit darin ereignet. Und es ist ein Junge, ein Hirte, der zum Entdecker von Schriftrollen wird, die das Bild des religiösen Lebens vor zweitausend Jahren anschaulich werden lassen.
Das archäologische Puzzle und die neuen Erkenntnisse über jüdisches Glaubensleben der Zeit prägen bis heute Wissenschaft und interessierte Öffentlichkeit. Es ist ein noch nicht abgeschlossener Prozess der Forschung, der immer wieder Neues, Sensationelles ans Licht bringt.
Ein Abenteuer, das staunen und Religionsgeschichte neu bzw. tiefer verstehen lässt…
Reinhard G.Kratz, Professor für Altes Testament an der Georg-August-Universität Göttingen, sowie Leiter der dortigen Qumran-Forschungsstelle sowie Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, legt nun einen aktuellen Gesamtüberblick über Funde, Schriften und Inhalt dieses ganz besonderen archäologischen Schwerpunktes antiker Kultur- und Religionsgeschichte vor, der in Fachinformation wie der verständlichen erläuternden Aufbereitung davon, beeindruckt.
Es ist gleichsam eine große „Übersetzungsleistung“ der Erkenntnisse moderner Wissenschaft, die hier hervorragend gelingt und eine Mitteilungs-, Erzählform bietet, die auch nicht Archäolog*innen und Theolog*innen begeistert. Dazu ist zu gratulieren und zu danken!
„Archäologie und Theologie als Abenteuer – ein Lesereignis!“