Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf gestaltet sich folgendermaßen: Ich wache meistens gegen 6:30 auf – allerdings hüte ich das Bett fast eisern bis ca. 8:30. Nach zwei Tassen Kaffee und 1-2 Broten fühle ich mich fit für den Tag. Wenn das Wetter es zulässt mache ich gegen 10:00 einen ausgiebigen Spaziergang. Das ist insofern sehr erholsam, da ich auf dem Land wohne. Ich bin während der Lockdowns regelrecht süchtig an diesem „Beinevertreten“ geworden. Musik höre ich dabei sehr gerne und das Fotografieren der Umgebung bereitet mir dabei großes Vergnügen. Also das „Handy“ ist so gut wie immer dabei. Nach meiner Rückkehr bereite ich das Essen zu (4 – Personenhaushalt mit pflegebedürftiger Oma)
Danach gönne ich mir eine Mittagsruhe, meistens sinniere ich da oder falle in einen Traum. Putzvorhaben werden dann oft auf den nächsten Tag verschoben. Normalerweise mache ich 3x/Woche mit anderen zusammen Sport (jetzt werden es nur 2 Einheiten via Zoom sein).
Katharina Aschauer, Schauspielerin
Im ersten Lockdown hat sich durch Zufall eine inspirierende Onlinebeziehung entwickelt, wo in Lockdownzeiten 5x die Woche „geplankt“ wird und jede Woche eine Steigerung dazu kommt. Das ist gewissermaßen eine Struktur. Also ich bin sicherlich eher eine strukturierte Person, die auch gerne plant und im Austausch mit anderen steht. Momentan bezieht sich das eher auf FB-Bekanntschaften, die ich jedoch sehr schätze.
Grob zusammengefasst besteht mein Leben aus Bewegung und Erholung.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wichtig erscheint mir, dass wir als Gemeinschaft weiter existieren. Die momentane Spaltung bezüglich Impfung beängstigen mich sehr. Unsere Gesellschaft sollte sich zum Miteinander gestalten. Die Unsicherheit über die Zukunft verleitet viele zu vorschnellen Handlungen, die dann oftmals irreparabel beim Gegenüber ankommen. Da muss jede/r an sich selbst arbeiten, damit keine weiteren Spannungen auftreten.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabeidem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich denke die Aufgabe der Kunst – insbesondere des Schauspiels – ist es, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten mit Lösungsansatz. Theater soll Dinge aufzeigen, die im Alltag oft übersehen werden. Es darf und soll in den Abgrund und in die Tiefen geblickt werden. Galgenhumor fällt mir da spontan ein. Das Publikum zu verzaubern und in einen Raum abseits des Alltages eintauchen zu lassen empfinde ich als einen sehr guten Weg. Also praktisch Anregungen zu bieten zur Selbstreflexion.
Ein kollektiveres Auftreten und auch experimentelle, übergreifende Projekte mit anderen Kunstrichtungen würde ich mir wünschen. Dabei auch unbedingt vermehrte Einbindung des Publikums ins Bühnengeschehen. Die Gemeinschaft, also das Menschsein, muss wieder in den Vordergrund gerückt werden. Die Pandemie ist da und wird uns wohl noch einige Jahre begleiten. Wir sind aufgefordert, auch wenn es manchmal angenehmer erscheint, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Der vierte Lockdown fühlte sich eisiger an, als die Lockdowns davor.
Den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren, auch wenn die Situation gerade dagegen spricht, wird wichtiger als je zuvor.
Was liest Du derzeit?
Ich hab schon sehr lange kein Buch mehr gelesen. Ich bevorzuge Filme, insbesondere Stummfilme und beschäftige mich danach gerne mit den jeweiligen Biographien. Da führt dann oft das eine zum anderen 😀 ~Endlosrecherchen ~ sozusagen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Gib niemals auf, für das zu kämpfen, was du tun willst. Mit etwas, wo Leidenschaft und Inspiration ist, kann man nicht falsch liegen.“ Ella Fitzgerald
„Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Man muss in Bewegung bleiben, um die Balance zu halten.“ Albert Einstein
Katharina Aschauer, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
2022 wird des 100.Geburtstages des genialen italienischen Schriftstellers, Regisseur und Aktivisten, Pier Paolo Pasolini, gedacht. In vielen Veranstaltungen, Symposien, Filmretrospektiven und Lesungen wird das künstlerisch so vielseitig innovative wie zeitkritische Werk in Erinnerung gerufen und viele zeitübergreifende Impulse kommen dabei in der Gegenwart lebendig und spannend an.
Der Berliner speaklow Audioverlag bietet dabei einen ganz besonderen Beitrag in der vollständigen Lesung des bahnbrechenden Pasolini Romans „Ragazzi di vita“(1955), welcher die Literatur in schonungsloser sozialkritischer Bestandsaufnahme gleichsam neu definierte, in dem sie mit melancholisch-abgründiger Poesie einmalig verbunden wird. Es sind junge Helden, die dem Leben überlassen ihr Leben lassen müssen.
Der Schauspieler Michael Rotschopf setzt eine geniale Lesung des Romans in das Jubiläumsjahr. Außergewöhnlich wie hier Sprache lebendig wird und in Licht und Schatten von Leben zu allen Zeiten führt. Es trifft den Roman und die Kunst Pasolinis ausgezeichnet.
„Ein ganz besonders Geschenk des wunderbaren Berliner Audioverlages zum 100. Geburtstags eines genialen Künstlers“
Liebe Angelika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Eigentlich wie immer… nämlich immer irgendwie anders. Ich habe für verschiedene Tage eine andere Routine… Das hat zugleich was Beständiges und dennoch Abwechslungsreiches. Ich mag mein Leben. Mir ist nie fad. Ich teile mir wohl das Motto mit einem bekannten Baumarkt: Es gibt immer was zu tun !
Angelika Strahser, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
…Wo fange ich an!?
ATMEN. Inhale. Exhale.
Ja. Atmen ist sowas wie das Grund-Wichtigste. Ich atme 2x täglich ( … 😉 nach anderen Techniken). Und ab und zu atme ich aber auch zusätzlich spontan zwischendurch 🙂. Das beruhigt mich, bringt mich wieder zu mir selbst, in meine Mitte.
(Es gibt echt so viele verschiedene Arten zu Atmen. …da kann einem ja gar nicht fad werden 😉 !)
LIEBE. Bedingungslose… wenn möglich.
Wir alle sind Seelenwesen, auch wenn die einen das Leben anders leben als die andern. Das Wirklich-Wichtigste ist für mich, das Verbindende wahrzunehmen und anderen Menschen mit Liebe zu begegnen. Besonders dann, wenn es besonders schwer fällt.
Und HUMOR. Wenn ich nicht auch manchmal über die allerärgsten Dinge lachen könnte, würde ich gelegentlich durchdrehen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Das Neue, in das wir uns alle bewegen, ist in seinen Details – zumindest für mich – noch nicht klar.
Da sich die Kultur(branche) momentan selbst beschränkt und beschämt, wohl weil sie dem Finanzier gefallen will, agiert sie – zumindest für mich – ihrem eigentlichen Wesen als Aufklärung und Provokateur überraschend fremd. Dadurch versagt sie aber als quasi 5. Säule der Demokratie. Es wird also interessant, woher sie die Kraft und Glaubwürdigkeit nehmen will, das was sie jetzt mit anrichtet, später aufzuarbeiten.
Doch jede Zeit hat ihre Kunst. Und so hat wohl auch jede Kunst ihre Zeit.
Ich bin mir also sicher, dass das vor uns liegende Kreative energisch, energetisch und spannend sein wird!
Was liest Du derzeit?
Kybalion – Die 7 Hermetischen Gesetze
[Eine wunderbare Erklärung wie das Leben funktioniert.]
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
A lie doesn’t become truth, wrong doesn’t become right, and evil doesn’t become good, just because it’s accepted by a majority.
(Booker T. Washington)
Vielen Dank für das Interview liebe Angelika, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Angelika Strahser, Schauspielerin
Foto_privat.
14.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
1961. Die Welt wankt. Es ist die Zeit des Kalten Krieges, doch jetzt hält die Welt den Atem aufgrund der spektakulären Entführung und Verhaftung von Adolf Eichmann, einer Zentralfigur jüdischer Deportation und Ermordung in der Zeit des Nationalsozialismus, an. Eichmann wird von Argentinien nach Jerusalem gebracht und die Anklage erregt weltweites Aufsehen. Es erschüttert, die Berichte von Augenzeugen zu hören, Bilder zu sehen und auch die Worte Eichmanns zu hören, der sich jeglicher Verantwortung zu entziehen suchen.
Die Philiosophin und Journalistin Hanna Arendt ist für das us-amerikanische Magazin „The New Yorker“ am Gerichtsschauplatz in Jerusalem vor Ort und fasst die Anklage wie das Prozessgeschehen in Berichten zusammen.
Die Berichte Arendts werden zu einzigartigen Dokumenten eines Zeitzeugnisses in Information wie politisch-philosophischer Reflexion wie moderner Gerichtsbarkeit gegenüber Völkermord und Kriegsverbrechen. Es geht um das Selbstverständnis und Menschenbild im Nationsozialismus wie auch die Mechanismen schrankenloser Gewalt und Brutaltät als menschliche wie gesellschaftliche Problematik an sich. Ausgehend vom Prozessgeschehen, unterzieht Arendt den modernen Menschen in seiner gesellschaftlichen Verfasstheit in Geschichte und Gegenwart einer kritischen Analyse, die bis heute bahnbrechend ist.
Der Piper Verlag legt nun im Zuge der Neuedition auch dieses zentrale Werk Hannah Arendts wieder auf und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur historischen wie kritischen Gegenwartsgeschichte.