Liebe Luisa Stachowiak, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich schlafe bis c.a. halb acht. Dann Kaffee und Lektüre im Bett.Danach erledige ich Schriftkram und kleinere Haushaltssachen.Ab zehn beginne ich zu unterrichten, je nach Anzahl der Schüler*Innen geht das bis 17:00. Da ich momentan an keiner Produktion arbeite, habe ich die Abende zur freien Verfügung.Als passionierte Hobbyköchin verbringe ich sie gerne am Herd.
Luisa Stachowiak, Regisseurin, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Auf der Probe schätze ich einen Zustand besonders: den, des Nicht- Wissens.Damit meine ich keineswegs den Verzicht auf profunde Textkenntnis oder Hintergrundwissen.Theater ist komplexe Materie und je mehr man sich beschäftigt umso komplexer wird sie.Deswegen erscheint es mir komplett unsinnig, dass man meint, BEVOR die Probe überhaupt begonnen hat, zu wissen wie „es geht“. Ich bin immer dann am schlechtesten, wenn ich nur sehen will, was ich mir in meinem Kopf ausgedacht habe.Es ist total okay zu sagen: ich weiß eine Menge, aber ich habe keine Ahnung wie es funktionieren soll.
Wenn ein Schauspieler keine Angst hat zu scheitern, kann er unmittelbare Erfahrungen machen und Erkenntnisse gewinnen, die jenseits der Kopfgeburt liegen. Und diese Erkenntnisse bzw. Fragen übertragen sich dann auch auf die Zuschauenden.
Vielleicht würde es uns allen guttun ein bisschen weniger nach Bestätigung unserer vorgefertigten Weltbilder zu suchen und uns wieder unvoreingenommener entgegenzutreten.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Wesentlich? Unsere Kinder zu guten Menschen erziehen und mit Liebe zu überschütten.
Ansonsten?Beckett sagt es ja: Scheitern, scheitern, besser scheitern.
Aber das Theater als moralische Anstalt?Meiner Meinung nach müsste da gewaltig vor der eigenen Tür gekehrt werden.
Mehr Diversität auf der Bühne und weniger Diversität bei den Gagen wäre ein Anfang.
Was liest Du derzeit?
Gerade fertiggelesen: Tonio Schachinger, „Echtzeitalter“. Ein Schulroman.
Das perfekte Buch für Halloween. Selten gleichzeitig so gelacht und gegruselt.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Erwachsensein ist nichts als eine Illusion.“ J. Brel
Vielen Dank für das Interview, liebe Luisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Luisa Stachowiak, Regisseurin, Schauspielerin
Zur Person _ Luisa Stachowiak wurde 1980 in Köln geboren.
Nach abgeschlossener Schauspielausbildung an der Folkwang Hochschule Essen/ Studiengang Schauspiel Bochum war sie 6 Jahre lang am Nationaltheater Mannheim als Ensemblemitglied und Gast tätig.
2013 zog sie nach Wien und gründete dort das Schauspielstudio Stachowiak.
Ihre letzten Inszenierungen waren „Was ihr Wollt“ (OFF Theater, Wien), „Frau Müller muss weg“ (Schikaneder, Wien), „Kunst“ (Theatertage Weissenbach) und „Der Tod und das Mädchen“ (Theater Arche, Wien), „Betrogen“ (Kunst im Prückel), „Lost Mythologies“, (Semmelweisklinik)
Seine poetische Kraft hat der modernen Literatur Tür und Tor geöffnet. Hier betritt ein Dichter Sprachbühne und Öffentlichkeit, dessen Faszination bis in die Gegenwart ungebrochen ist. Sprache ist für ihn Selbstvergewisserung des Lebens, der Liebe, in allen Facetten und Schattierungen von Rausch, Hoffnung und Entgleiten.
Rilke setzt der Welt die Poesie entgegen, die als Himmelsleiter wie Zufluchtsort zur Tragik des Alltäglichen wird. Vielseitig ist er dabei inspiriert von weiteren Kunstgenres (etwa bildender Kunst) wie den persönlichen Erfahrungen, Erlebnissen, Bindungen und Verlusten. Der Familie wie der Liebe kommt dabei entscheidende Bedeutung zu. Ebenso der Natur und der Suche, Erfahrung von Transzendenz. Rilke strebt in seiner unverwechselbaren Sprache nach Verstehen, Akzeptieren, nach Ganzheitlichkeit in allem. Dies zeichnet lyrisches Hauptwerk wie Prosa aus.
Gunnar Decker, promovierter Philosoph, Autor und Journalist, legt eine umfassende wie facettenreiche Biographie des 1875 in Prag geborenen und 1926 in Montreux/Schweiz früh verstorbenen Dichter vor, der zur Inspiration wie zum Wegbereiter literarischer Moderne wird.
So bedeutsam und bekannt das Werk Rilkes ist, so weitestgehend im Dunklen ist die Persönlichkeit, der Sohn, der Liebende, der Freund, der gesellschaftliche Mensch und genau hier setzt die Biographie des Berliner Autors an und geht den Spuren von Beziehungsebenen eines Lebens und deren Ineinandergreifen von Kunst und Leben nach.
Der Autor wählt einen achtteiligen Kapitelaufbau, der in seiner thematischen Schwerpunktsetzung, der brillanten Erzählform wie der Darstellung werks- und lebensgeschichtlicher Eckpunkte überzeugt. Zudem gelingt es einen Bogen zu Kunst und Leben der Zeit zu spannen und damit Kontexte zu öffnen, die verdeutlichen, eröffnen und vertiefen.
Es gelingt den Menschen Rilke in seinen „wachsenden“ Lebensringen eindringlich vorzustellen, ohne jedes Geheimnis entschlüsseln zu wollen und zu können. Sicherlich eine wegweisende Biographie.
„Rilke als ringender Sohn, Liebender und Sterbender – eine brillante, wegweisende Biographie!“
Rilke. Der ferne Magier. Gunnar Decker. Eine Biographie, Siedler Verlag.
Hardcover mit Schutzumschlag,
608 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 33 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-8275-0103-5
Erscheinungsdatum 01. November 2023 € 36,00 [D] inkl. MwSt.
Zur Person _ Jürgen Seibold ist gelernter Journalist, lebt mit seiner Familie in der Nähe von Stuttgart und veröffentlichte 2007 seinen ersten Krimi. Seit 2012 arbeitet er hauptberuflich als Buch- und Theaterautor und zuletzt auch wieder als Musiker und Songwriter. Von ihm erschienen Komödien, ein historischer Roman und ein Psychothriller, vor allem aber humorvolle Krimis, seit einigen Jahren im Piper-Verlag. Die Gesamtauflage seiner Romane beträgt derzeit gut 530.000 Exemplare.
Aktueller Krimi_„Sherlock ist ausgeflogen“ Jürgen Seibold. Kriminalroman. Piper Verlag
Liebe Matea Novak, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Zurzeit ist mein Alltag sehr energetisch. Ich stehe früh auf, springe aus dem Bett und höre Bossa Nova oder wenn ich mehr Feuer brauche Samba oder Ska, dann mache ich meinem Partner und mir grünen Tee, dann gönn ich mir ein paar Seiten Lesestoff und dann gibt’s Frühstück. Ich bin ein Mensch, der ohne Frühstück nicht aus dem Haus geht. Das habe ich so von meinen Eltern gelernt und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Der Vormittag ist für mich eine heilige Zeit. Die Ruhe, das Auftanken von Energie, Liebe und Erwachen des Körpers.
Matea Novak, Schauspielerin
Um richtig in den Tag zu starten brauche ich Yoga oder Gymnastik. Ich tanze auch sehr gerne am Morgen. Mein Partner ist sehr musikaffin und dadurch bin auch ich ständig mit Musik in Verbindung. Körperliche Bewegung ist in meinem Alltag ein wichtiges Tool.
Meine Stimme wärme ich erst später auf, nachdem mein Körper mehr in Gang ist und ich das Gefühl habe meine Stimme ist jetzt da und ich kann mit ihr arbeiten.
Ja und dann sieht mein restlicher Tag dem Terminplaner entsprechend aus. Die Tage sind immer anders. Mir ist es wichtig alles so gut wie möglich zu planen, darauf verlasse ich mich und es gibt mir Sicherheit.
Neben alle dem Unterricht, den Castings, der künstlerischen, sowie der sozialen Arbeit fülle ich meinen Tag mit Inhalten aus der Mode, Musik, Kunst und ganz wenig Politik.
Neben dem Schauspiel arbeite ich im öffentlichen Dienst als Kinder- und Jugendbetreuerin in einem Jugendzentrum an einem Hotspot in Wien. Mir ist die Nähe zur Öffentlichkeit sehr wichtig. Es gibt Nichts was realer ist als da zu sein, wenn etwas passiert.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zusammenhalt! Gemeinschaft! Und sich eine eigene Meinung bilden über jedes aktuelle Geschehen. Auch wenn ich mit meiner Freundin nicht der gleichen Meinung bin, sind wir trotzdem Freundinnen. Das ist so wie mit der Religion. Meine Freundin ist muslimisch und ich nicht, trotzdem sind wir Freundinnen.
Nicht zu viel Nahrichten schauen, loszulassen von dem aktuellen Weltgeschehen. Das Leben ist voller Widersprüche. Es ist nicht schwarz/weiß. Nichts ist konstant. Alles ist immer im Wandel.
Vor allem auch sehr wichtig, wenn du helfen willst: Dann fange dort an wo du wohnst, mit kleinen Handlungen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Für mich persönlich hat Kunst sehr viel mit Emotionalität zu tun, auch mentale Inhalte anderen Menschen zu übermitteln. Ich denke, Kunst ist ein möglicher Katalysator, das was man in sich trägt und fühlt, nach außen zu präsentieren. Schauspiel ist ein mögliches Tool, um das zu verdeutlichen.
Als Schauspielerin diene ich, als Schauspielerin bewerte ich nicht. Es geht mir darum, den Menschen eine Person näher zu bringen. Zu verstehen, warum ist diese Person so geworden, wie sie ist. Und das kann, muss aber nicht, auch politischen Zwecken dienen. Jedoch möchte ich möglichst wenig politisches Theater betreiben.
Für mich hat Schauspiel mehr mit Dankbarkeit und Spiritualität zu tun. Ich kann mit meinem Spiel etwas in den Menschen auslösen und damit möchte ich sehr bewusst und heilig umgehen.
So wie Schönheit, liegt auch Kunst für mich im Auge des Betrachters. Kunst kann auch destruktiv und zerstörend sein. Es gibt für mich keine genaue einzige Definition davon, was Kunst ist und wie sie helfen kann. Das überlasse ich den Betrachterinnen.
Was liest Du derzeit?
„M Train“ von Patti Smith, zwei Theaterstücke und „The art oft the straight line“ von Lou Reed
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Hach, da gibt’s viele. Das letzte was ich aufgepickt habe:
„Das Leben ist ein Thriller!“ von James Ephraim Lovelock
Matea Novak, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Matea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Matea Novak, Schauspielerin
Zur Person _ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien
Geboren und aufgewachsen in Wels, OÖ. Meine Eltern stammen beide aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Meine schauspielerische Laufbahn begann im Theater Dschungel in Wien. Während der Jahre malte ich Bilder, spinnte die Decks als DJ und entwickelte mich in viele Richtungen weiter. Dazu gehört auch meine Ausbildung als Kinder- und Jugendbetreuerin.
Im Sommer 2024 mache ich die staatliche Bühnenreifeprüfung.
Die Welt des Mittelalters. Könige, Kriege, Kämpfe, Macht – bestimmen Politik und Leben. Alles in Männerhand. Doch wirklich alles?
Wie sieht es über den Blick traditioneller Geschichtsschreibung hinaus aus? Wo waren im Mittelalter Einflussbereiche der Frauen? In welchen Bereichen setzen sie Akzente? Wie sieht diese Geschichte denn aus?
Janina Ramirez, Kulturhistorikerin, Literatur- und Sprachwissenschaftlerin, Dozentin und Forscherin in Oxford, Winchester und Warwick, legt eine spannende Entdeckungsreise zu Persönlichkeiten, Positionen und Wirkungsräume von Frauen in der Zeitspanne des Mittelalters vor.
Das Buch ist in neun Kapitel gegliedert, in denen jeweils ein Schwerpunkt – etwa Künstlerinnen, Unternehmerinnen – exemplarisch geöffnet wird und Frauen in Biographie und Wirkungskreis vorgestellt werden.
Hervorzuheben ist die genaue Quellenrecherche, die gut lesbare, spannende Aufbereitung, das perspektivenreiche Bemühen um Zusammenschau in Zeit und Gesellschaft über Jahrhunderte wie auch Brückenschläge zu Fragestellungen der Gegenwart.
„Eine spannende, überraschende Spurensuche zu Frau und Gesellschaft im Mittelalter!“
Femina. Eine neue Geschichte des Mittelalters aus Sicht der Frauen. Janina Ramirez. Aufbau Verlag.
Übersetzer:in: Karin Schuler
Format: Hardcover mit Schutzumschlag und Abbildungen
Das römische Imperium in seiner Struktur, Expansion und Nachwirkung ist eine der entscheidensten Epochen der Weltgeschichte, die bis heute, und gerade in diesen herausfordernden Zeiten, in ihren Grundlagen, Entwicklungswegen und Folgen bedeutsam ist.
Die römische Herrschaft legt in ihren politischen, religiösen, gesellschaftlichen Ausrichtungen Bausteine für die folgenden Jahrhunderte, ja Jahrtausende. Das Zusammenleben von Mensch, Völkern, Staaten ist bis heute davon geprägt. Das Verhältnis von Okzident und Orient in allen Gemeinsamkeiten, Erschütterungen Perspektiven wie Hoffnungen hat in dieser römischen Epoche politischer Gestaltung und Formung seine Anfänge.
Wie sahen nun diese Anfänge in der Antike und weiteren Entwicklungen bis in das Mittelalter aus? Was waren Herrschafts-, Kommunikations-, und Bruchlinien?
Christian Marek, em.Prof. für Alte Geschichte an der Universität Zürich, legt nun eine bemerkenswerte umfangreiche Darstellung wie Zusammenschau von Ereignissen, Persönlichkeiten und Organisationsstrukturen der römischen Epoche im speziellen Perspektivenblick vor. In 4 umfassenden Überblickskapitel wird eine Fülle von Informationen zu Herrschaft, Leben, Gesellschaft der römischen Herrschaft im Schwerpunkt zum Verhältnis zum Orient über Jahrhunderte erläutert.
Es gelingt dem renommierten Historiker und Autor einen wesentlichen Beitrag zu einem der ganz großen weltgeschichtlichen Themenstellungen zu leisten.
Rom und der Orient. Reiche, Götter, Könige. Marek, Christian. Beck Verlag
Lieber Adria Just-Font, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nach dem Aufstehen mache ich mir erst mal ein großes Frühstück, um gut in den Tag zu starten. Aktuell ist mein Tagesablauf jede Woche ganz unterschiedlich, mal gehe ich arbeiten oder ein neues Casting steht an. Am Abend nehme ich mir Zeit, um Familie oder Freunde zu treffen, der Kontakt zu anderen Menschen ist mir ganz besonders wichtig.
Adria Just-Font, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Freude. In den letzten Jahren hat sich die Welt sehr verändert, leider nicht unbedingt zum Positiven. Viele vergessen was Online und was Realität ist, und lassen sich zu sehr von den vielen negativen Nachrichten beeinflussen. Natürlich sollte man so etwas nicht ausblenden, aber man darf ebenso nicht vergessen mit seinen geliebten Menschen soviel Freude wie möglich zu verbreiten.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Das Schöne an der jeder Kunstform ist, dass sie uns vom Alltag ablenkt, oder uns auch die Realität klar vor Augen führen kann. Es braucht nur Leidenschaft und Spaß an der Sache. Die Möglichkeiten, die uns die Kunst bietet, sind unendlich, wie eine riesige Spielwiese. Die Kunst kann wie eine Sprache sein, die für sich selbst spricht, die jeder verstehen kann, wenn man es richtig macht.
Natürlich ist das in einem Theaterstück oder in einem Buch schwieriger, wenn man die Sprache, die dort verwendet wird, nicht beherrscht. Was ich aber damit meine ist, dass wir mit Kunst in jeder Form so viele Ausdrucksmöglichkeiten haben, und das dies essenziell für uns Menschen ist.
Was liest Du derzeit?
Aktuell lese ich „Abschied von Sidonie“ von Erich Hackl. Die Geschichte zeigt wieder einmal, wie tragisch das Verbrechen, was wir den zweiten Weltkrieg nennen, war. Und zeigt auch wie wichtig es ist, dass Antisemitismus keinen Platz auf dieser Welt hat.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Jeder von uns ist wie eine Blume, die viel Ressourcen braucht, um richtig blühen zu können“
Dieses Zitat hat mir meine Mutter immer mitgegeben, und es hat und mir gezeigt, wie wichtig es ist, über seinen eignen Schatten zu springen.
Vielen Dank für das Interview, lieber Adria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Adria Just-Font, Schauspieler
Aktuelle Produktion mit Max Melo _ TheaterArche Wien:
„NICHTS Was im Leben Wichtig ist“
Premiere: 17. November 2023
Weitere Vorstellungen: 18., 25. und 27. November, 7., 8. und 9. Dezember
jeweils um 19:30
Regie: Jakub Kavin
Choreographie: Carola von Herder
Mit: Livia Andrä, Elizabeth Dorner, Kieran Foglar-Deinhardstein, Theresa Gerstbach, Viktoria Ginzel, Lena Hergolitsch, Adria Just-Font, Jakob Köllesberger, Max Melo
Ticketpreise 24€ | 18€* | 14€ *
* Ermäßigung: Student*innen, Senior*innen und Ö1-Club/Ö1-intro Mitglieder, IGFT-Mitglieder
Gruppenticket ab 10 Personen möglich
* Ermäßigung: Student*innen, Senior*innen und Ö1-Club/Ö1-intro Mitglieder. Gruppenticket ab 10 Personen möglich
Theater Arche: Die TheaterArche ist ein offenes Theater als Spiegelbild einer offenen Gesellschaft, ein Theater das den raschen gesellschaftlichen Wandel im Wien des 21. Jahrhunderts widerspiegelt. Die TheaterArche versteht sich als unabhängige Plattform zur Künstlervernetzung und Kunstproduktion, über alle gesellschaftlichen und kulturellen Gräben hinweg.
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Judith Mahler, „Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Diese Frage greift so weit, dass sie im Rahmen dieses Interviews nicht erschöpfend zu beantworten ist, aber folgendes fällt mir dazu ein: Frauen haben in der westlichen Welt viele Rechte erkämpft. Man darf jedoch nicht vergessen, dass der Schmerz von damals in unserem kollektiven Denken und Fühlen noch da ist. Ich meine, es ist erschreckend, dass es erst ca. 25 Jahre her ist, dass die eheliche Vergewaltigung von Frauen in Deutschland verboten wurde.
Ich fände es wichtig, dass wir Frauen unser inneres Wesen zum Ausdruck bringen, unabhängig von den Tätigkeiten, die wir ausüben. Solange es mit dem Herzen verbunden ist, ist ALLES in Ordnung. Also davon wegkommen, dass es überhaupt so etwas wie ein festgefahrenes Rollenbild gibt.
Wie siehst du Undine?
Eine Frau, die ihr Herz aufgrund von äußeren Gegebenheiten verschließen musste. Eine Frau im Gefängnis. Eine Frau, die Freiheit sucht. Eine Frau mit Lebenserfahrung. Eine Frau, mit Gegensätzen. Eine Frau, die kämpft. Eine Frau, die zu gewissen männlichen Praktiken und Ansichten ganz klar Nein sagt. Eine Frau mit vielen Verletzungen und Enttäuschungen. Eine Frau, die sich wehrt und das Alleinsein in Kauf nimmt. Eine Frau, die sich selbst ermächtigt.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Der Text löst in mir Widerstand aus, irgendetwas will sich in mir wehren gegen das, was in ihr steckt. Ich will ihren Kampf nicht, ich will ihre Abspaltung nicht, ich will ihre Zerrissenheit nicht. Vielleicht liegt es an uns Frauen und Männern des 21sten Jahrhunderts innezuhalten, den Blick nach Innen zu richten, den kollektiven und persönlichen Schmerz zuzulassen, der da dahintersteckt und Mauern abzubauen.
Es ist wichtig, den vergangenen Schmerz anzuerkennen und zu sehen, wie es nicht geht, um im Heute anders zu handeln.
Was bedeutet Dir Natur? Welche Impulse gibt es von der Natur für Dich persönlich?
Sie bedeutet für mich Zuhause, Ruhe, Lebendigkeit, Ankommen. Sie lehrt mich einiges über die Verbindung zu meinem inneren Wesen, über den Tod und das Leben.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
In dem er mit Hingabe einen Weg der Bewusst-werdung geht und eigenen inneren Schmerz und Verletzungen heilt. Davon bin ich ganz fest überzeugt, dass es in uns selber anfängt, dass es eine tiefgehende Auseinandersetzung damit braucht, wie wir mit uns selber in Beziehung gehen. Wie wir mit anderen oder mit unserer Umwelt in Beziehung treten, ist dann nur eine Folge davon.
Was braucht eine Liebesbeziehung immer, um zu wachsen, blühen?
Dafür müsste man erst definieren, was denn für jemanden überhaupt Liebe ist. Das kann, denke ich, sehr unterschiedlich empfunden werden und ich glaube auch, dass man sich auch entscheiden kann, was Liebe denn für einen selbst bedeutet. Aber hier ein paar Dinge, die mir einfallen, was Liebe braucht, um wachsen und blühen zu können:
Vergebung
Zuwendung, immer wieder aufs Neue, Tag für Tag
Verletzlichkeit
Das Sich-Offenbaren
Ehrlichkeit zu sich selbst und zum Gegenüber, auch wenn dies zu einem Konflikt führt
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Erfüllung im Leben außerhalb der Partnerschaft.
Bereitschaft eine Reise anzutreten, in der man mutig genug ist, sich selbst zu begegnen
Das Loslösen von den Eltern, Geschwistern, Ex-Partner*innen
Was lässt Liebesbeziehungen untergehen?
Angst, und das daraus resultierende Kontrollverhalten
fehlende echte Begegnung und Berührung in der Sexualität
fehlendes Bewusstsein der eigenen verletzten Anteile und ein Nicht-Wissen, wie man diese Anteile betreut und integriert.
Angst sich wirklich zu zeigen
Zu häufige Implosion von Gefühlen, Gedanken, Bedürfnissen und zu häufige Explosion von Gefühlen, Gedanken und Bedürfnissen
Kritik
Wie war Dein Weg zum Schauspiel?
Mein Weg zum Schauspiel kam aus einer inneren Überzeugung heraus, dass es das ist, was mir entspricht. Alles andere hat sich dann organisch daraus ergeben.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Ausziehen, anziehen. Frieren, Schwitzen. Schauen, Staunen. Also betrachtend und körperlich.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Ich liebe Wasser in all seinen Formen und Qualitäten; von Tränen über das Malen von Aquarellen bis hin zu Wasserfällen.
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
„Ihr Ungeheuer mit euren Redensarten, die ihr die Redensarten der Frauen sucht, damit euch nichts fehlt, damit die Welt rund ist. Die ihr die Frauen zu euren Geliebten und Frauen macht, Eintagsfrauen, Wochenendfrauen, Lebenslangfrauen und euch zu ihren Männern machen laßt.“
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Elizabeth Dorner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bin momentan Schülerin des BORG für Kunst und Musik, Hegelgasse 12, 1010 Wien und in meinem Maturajahr. Das heißt sehr viel Schulstress. Zum Glück habe ich momentan Proben für unser Projekt „Nichts“, die mich ablenken und mir helfen für einen gewissen Zeitraum alles auszublenden und voll in meine Rolle einzutauchen. Außerdem treffe ich mich gerne mit Freunden und höre Musik. Wenn es sich ergibt spiele ich auch ab und zu Basketball, Klavier und Tanze.
Elizabeth Dorner, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zusammenhalt und Freundlichkeit. Es sind schwierige Zeiten. Auch wenn Österreich nicht direkt von den Naheliegenden Konfilkten betroffen ist, sind wir es jedoch indirekt. Meine Oma ist derzeit in Kiew und ich wünsche mir nichts mehr als, dass es ihr gut geht und dass sie nicht alleine ist. In solchen Zeiten müssen wir zusammenhalten und Freundlichkeit verbreiten, vorallem weil es viele Menschen gibt die gerade schwierige Zeiten durchmachen und ein bisschen Freundlichkeit könnte ihren Tag ausmachen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Vor einem bevorstehenden Neuanfang, sei es gesellschaftlich oder persönlich, stehen wir vor zentralen Herausforderungen. Wichtig ist eine klare, gemeinsame Vision für die Zukunft, die auf Prinzipien wie Gerechtigkeit und sozialem Zusammenhalt basieren. Kunst, insbesondere Theater und Schauspiel, spielt eine bedeutende Rolle. Diese Formen der kreativen Ausdrucksweise haben die einzigartige Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und Emotionen hervorzurufen, was die Kommunikation und das Verständnis in der Gesellschaft vertieft. Sie dienen als Spiegel für gesellschaftliche Fragen und regen dazu an, über diese nachzudenken.
Was liest Du derzeit?
Jetzt gerade lese ich „Girl in Pieces“ von Kathleen Glasgow. Das Buch spricht Tabuthemen wie Suizid und Selbstverletzung an, die für die heutige Jugend sehr wichtig sind. Die Hauptfigur Charlotte hat mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen und ich finde, dass sich viele mit Charlotte identifizieren können.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Zum einen würde ich gerne ein Zitat aus dem Stück „Nichts“ von Janne Teller teilen, in dem ich gerade spiele.
„Und wenn es nicht wehtun würde, wäre es ja auch nichts von Bedeutung.“
Dieses Zitat bringt mich jedesmal zum Nachdenken. Im ganzen Stück wird die Bedeutung immer wieder aufs Neue in Frage gestellt und wenn es die Bedeutung wirklich gibt, sollte sie dann wirklich wehtun?
Zum anderen würde ich auch gerne ein Zitat von Marcus Aurelius teilen.
„Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab“
Dieses Zitat betont die Macht unserer eigenen Gedanken und wie sie unser Glück beeinflussen. Es erinnert mich daran, wie wichtig es ist, positiv und optimistisch zu denken und wie sehr das mein Leben beeinflussen kann.
Vielen Dank für das Interview, liebe Elizabeth, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Elizabeth Dorner, Schauspielerin
Zur Person _Ich heiße Elizabeth Dorner und bin 17 Jahre alt. Derzeit bin ich Schülerin am BORG für Kunst und Musik, Hegelgasse 12, 1010 Wien mit Schwerpunkt Tanz, Schauspiel, Musik und Vokal.
Ich spiele Theater und bin auch ab und zu im Filmbereich tätig. Außerdem spiele ich Basketball, tanze, spiele Klavier und singe.
Lieber Klaus Ungerer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufwachen. Kaffee. Melvyn Bragg. Roman schreiben. Texte schreiben, Bewerbungen schreiben, Anträge schreiben, Hund. Überlegen, wo noch Geld herkommen könnte. Die Geliebte küssen. Die Geliebte drücken. Mails verschicken, Mails abnicken. Fluchen wegen irgendwas. Hund. Tochter. Ozzy Man, Mary Beard, Amala Ekpunobi. Hertha BSC. Die Geliebte streicheln. Auf morgen freuen. Melvyn Bragg.
Klaus Ungerer, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich finde ja immer wichtig, dass man sich vor Scheinsubjekten wie „wir alle“ in Acht nimmt. Sie können nicht anders als dich belügen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Jeder Tag ist ein Neuanfang, wieso heute besonders? Kunst und Literatur sollten jeder Rollenzuschreibung zu entgehen trachten, sollten jedem diskursiven Auftrag zu entgehen trachten, denn sie sind keine Ersatzreligionen und keine Ersatzpolitik. Gute Literatur ist wie eine gute Umarmung, mehr nicht, nicht weniger.
Was liest Du derzeit?
Laura Spinney: Pale Rider
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Etwas Besseres als den Tod findest Du überall.“
(aus den „Bremer Stadtmusikanten“)
Vielen Dank für das Interview, lieber Klaus, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Klaus Ungerer, Schriftsteller
Zur Person _ Klaus Ungerer, Schriftsteller. Wuchs auf in Lübeck, wurde von Frank Schirrmacher als Feuilletonredakteur zur FAZ geholt, lebt heute als Schriftsteller in Berlin. Seine Liebesnovelle „Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben“ benannte die „Welt am Sonntag“ 2022 als „Das Beste Buch“.
„Die Liebe in Berlin: Tim und Nuna. Nuna und Tim. Beim Chatten läuft Nunas Waschbecken über. Dann treffen sie sich, in Friedrichshain. Etwas passiert in Tim, schon auf 50 Meter Entfernung. Nuna sagt, Beziehung kann sie nicht, erfahrungsgemäß, wir wollen es Das Experiment nennen. Tim will ihr zeigen, dass er brennt – aber brennt er? Tim fühlt sich erst sicher, wenn Nuna mit ihm schläft. Nuna schläft erst mit Tim, wenn sie sich sicher fühlt. Tim fragt: Gibt es eine Chance, dass ich in 20 Jahren noch in deinem Leben bin? Da lacht Nuna…“
Klaus Ungerer: Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben. edition schelf. 2022
Softcover: 112 Seiten, 12,99 €, ISBN 9783757507213