Liebe Christiane Warnecke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich momentan am Theater engagiert bin, widme ich mich in der Früh bei einem Kaffee noch einmal dem Text, mit dem ich gerade arbeite. Jetzt gerade „Corpus Delicti“ von Julie Zeh, was Ende Januar in Salzburg Premiere haben wird.
Dann geht es zur Probe. Ich habe das große Glück, mit sehr feinen Kolleg:innen zu arbeiten, was in ausprobieren, lachen, suchen und immer mehr finden mündet.
Die freien Spätnachmittage verbringe ich mit nacharbeiten, Sport und Büchern.
Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr Zeit zu finden. Für Dinge. Für mich. Mal gucken.
Christiane Warnecke, Schauspielerin in „Corpus Delicti“ Juli Zeh _ Schauspielhaus Salzburg _laufende Spieltermine
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Mehr zuhören. Sich selbst und anderen. Die Freude nicht verlieren – oder sie wiederfinden. Binarität verlernen. Es gibt nicht nur das eine und das andere.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Lebensrealitäten erzählen, nicht nur Althergebrachtes. Mutig bleiben. Herausfordern. Konfrontieren. Wagen. Und zum Lachen bringen.
Ich würde mir wünschen, dass die alten Strukturen aufgebrochen werden, dass die Gehälter zum Leben reichen und dass wir uns weniger als Konkurrenz zueinander fühlen müssen. Aus dem Mangel von Fülle, der Unsicherheit von Träumen und der Überforderung von Freiheit zu erzählen wird schwer, wenn es ein Dauerzustand bleibt.
Was liest Du derzeit?
Erzählende Affen von Samira El Ouassil und Friedemann Karig
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Geradeaus kann man nicht sehr weit kommen.“
– Zitat aus „Der Kleine Prinz“ –
„Hier dröhnen einem ja die Ohren von all eurem Gezanke und Krakeelen. So fahrt und saust und schert euch doch allesamt zum Donnerdrummel, wenn ihr euch nicht vertragen könnt!“
Lovis aus Ronja Räubertochter
Christiane Warnecke, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Christiane, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Christiane Warnecke, Schauspielerin
Zur Person _Christiane Warnecke, geboren nahe der Weser in Niedersachsen. Schauspielstudium und Arbeiten am Schauspielhaus Salzburg, Salzburger Landestheater, Theater Kosmos Bregenz, Theater an der Effingerstrasse Bern, Off Theater Salzburg sowie bei Lawine Torrén, Theater.direkt und auf dem Theaterschiff Saarbrücken.
Lieblingsarbeiten: „Vergiss nie dass ich dich liebe“ als Marlene Dietrich, „Diener zweier Herren“ als Beatrice Rasponi, „KasparHäuserMeer“ als Silvia, „Emilia Galotti“ als Gräfin Orsina, „Union Place“ als Sophie, „Rechnitz“ als Bote, „Lamm Gottes“ als Katze.
Aktuelles Projekt mit Christiane Warnecke: „Corpus Delicti“ Juli Zeh _ Schauspielhaus Salzburg
Corpus Delicti“ Juli Zeh _ Schauspielhaus Salzburg _laufende Spieltermine
Spieltermine: bis 11. März 2024 Dauer: 1:45 Stunden, keine Pause
Lieber Raphael Miro Holzer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bin eine Nachteule, Abends kommen mir die besten und schlechtesten Ideen , die du dir vorstellen kannst. Am Morgen danach habe ich aus meinen Jahren als Tänzer meine Morgen – Routine, die pflege ich immer noch täglich und das hilft mir zurück zu mir zu finden und mich morgens zu sammeln.
Danach ein bisschen Realität; Emails checken, Einreichungen abarbeiten, meinen Kalender füllen. Dann ist es ca. 12 Uhr. Da hängt mein Tagesablauf ganz davon ab welches Projekt mich gerade beschäftigt. Ich war zuletzt in Sofia, Bulgarien da war von 12 – 19 Uhr Proben im Theater für meine neue Produktion. Achja, und ich esse stündlich, ohne essen schaffe ich nichts davon!
Raphael Miro Holzer, Choreograph, Tänzer
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Empathie. Wir leben in einer Zeit, in der ich den Eindruck habe, die Extreme gehen so weit auseinander, dass es Meinungen, Positionen, Arbeiten und Menschen nur noch in Schwarz und Weiß beurteilt werden. Das Leben ist voller Grautöne, wenn man das einmal verstanden hat, lebt es sich bunter.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Kunst ist ein täglicher Neubeginn. Sie erfindet sich immer wieder neu, ob alte Texte die neu interpretiert werden, berühmte Persönlichkeiten, deren Leben in neuen Perspektiven gezeigt werden oder der Körper, der das Unaussprechliche darstellen kann.
Mit Blick auf die österreichische Tanzszene ist ein vorsichtiger Aufbruch zu spüren. Tanz braucht in erster Linie Raum und Zeit. Ersterer hat uns in den letzten Jahrzehnten zurückgehalten im internationalen Vergleich. Langsam entwickeln sich aber neue Infrastrukturen, neue Künstler*innen, Kollektive und Projekte. Diesem gilt es jetzt Zeit zu geben sich zu entfalten.
Was liest Du derzeit?
Ich lese derzeit den “Boxer “von Felix Mitterer, und einen Gedichtband mit Texten von Francisco de Quevedo.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“Der Körper ist unser politisches tool” frei zitiert aus einem Gespräch mit meinem viel zu früh verstorbenen Mentor Ismael Ivo.
Vielen Dank für das Interview, lieber Raphael, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Raphael Miro Holzer, Choreograph, Tänzer
Zur Person _Raphael Miro Holzer ist ein preisgekrönter Choreograph, mit Sitz in Wien und Barcelona. Er genoss seine Ausbildung am MUK Wien, der Anton Bruckner Universität Linz und dem prestigeträchtigen Institut del teatre in Barcelona. 2021 gründete er die Tanzkompanie vanholzers als Plattform für seine weiteren choreografischen Arbeiten. Im selben Jahr ernannte ihn das katalanische Magazin Fila Zero zu einem der zehn aufstrebenden Künstlern, die man im Auge behalten sollte. Raphael erhielt den Premio Fundación AISGE und den dantzaZ Residency Preis für seine erste choreografische Kreation. 2023 wurde er zur Rückkehr in sein Heimatland Österreich eingeladen. Im Rahmen der tanztage23 präsentierte der Posthof – Linz eine dreifache premiere von Holzers Auftritten und erhielt fantastische Kritiken. Zuletzt erhielt er vom Moving Body Festival den Preis „Beste Choreografie“ für den Film „Truth is in the Details“ der derzeit auf Filmfestivals weltweit gezeigt wird.
Als Gast Choreograf arbeitete er derzeit mit dem Ballet Arabesque (Nationale zeitgenössische Tanzkompanie Bulgariens) zusammen. Die Kreation wird am 20. Jänner im Staatlichen Musik- und Ballettzentrum Sofia aufgeführt. Des Weiteren beginnt er das Jahr mit einer RAW Matters Performance in Wien am 29.01, gefolgt von Arrangements im Ausland. Ab Oktober24 tritt er seine Position als Künstlerischer Leiter von blueboxhub.eu in Wien an.
Es ist ein Leben, das Ende des 19.Jahrhunderts in Russland seinen Ausgang nimmt, das von starken gesellschaftlichen Veränderungen und der Revolution im Jahre 1917 geprägt ist und weit über Land und Zeit hinausreichen und in Leben und Nachleben die politische Geschichte weltweit wesentlich beeinflussen wird:
Wladimir Iljitsch Lenin, *22. April 1870 Simbirsk +21. Januar 1924 Gorki bei Moskau.
Lenin – dies ist das Leben eines Politikers, Revolutionärs, welches im Lauf der Jahrzehnte vielfach dargestellt und perspektivisch geöffnet worden ist. So gibt es eine Fülle von Biographien wie gesellschafts-, polittheoretischen Abhandlungen und es fällt schwer hier den Überblick wie den Durchblick zu erlangen. Genau hier setzen die Historiker:innen und Autor:innen Verena Moritz und Hannes Leidinger an, stützen sich auf Originaldokumente und versuchen Leben und Werk von den Ausgangspunkten wie umfassend im Kontext von Familie, Politik, Zeit, Gesellschaft darzustellen. Und es gelingt. In achtzehn gut gewählten wie biographisch-historisch komponierten Kapitel und über 600 Seiten entsteht ein spannendes menschliches wie polithistorisches Mosaik, das, auch in Verbindung zahlreicher Abbildungen als unmittelbares Panoptikum, Leserin und Leser sehr anschaulich ein fundiertes wie gut lesbares Lenin-Bild kennenlernen lässt.
„Ein wegweisendes biographisches Meisterwerk.“
Zu den Autoren/innen:
Verena Moritz, geboren 1969 in Eisenstadt, studierte Geschichte und Russisch in Wien. Mehrjährige Forschungsaufenthalte in Russland. Lektorin an den Universitäten Salzburg und Wien. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „1917 – Österreichische Stimmen zur Russischen Revolution“ (2017). und zusammen mit Hannes Leidinger „Lenin“ (2023)
Hannes Leidinger, geboren 1969, studierte Geschichte, Klassische Archäologie und Ur- und Frühgeschichte in Wien. Kurator von Ausstellungen, Lehrtätigkeit am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Leiter der Außenstelle Wien des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt im Residenz Verlag zusammen mit Christian Rapp „Hitler – prägende Jahre“ (2020), zusammen mit Christian Rapp und Birgit Mosser- Schuöcker „Freud – Adler – Frankl“ (2022).und zusammen mit Verena Moritz „Lenin“ (2023)
„LENIN“ Die Biografie. Eine Neubewertung. Verena Moritz/Hannes Leidinger. Residenz Verlag.
Mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover, 656 Seiten, Format 140 x 215
Purzelbäume in der Nähe der leeren Staubtuchfabriken
Eijajaja rufen und es nicht so meinen
Am Anfang war die Angst
Citronenbaumschmuck für Alle
Einigen sich Fix und Foxi endlich?
Alle drehen ab, drehen durch, alle, alle, alle
Citronenbäume hören stundenlang die Dire Straits
Hoffen auf geringen Zugzwang
Auf zu den alten Radios, die den ganzen Tag bosnische Lieder spielen
Nähe ist die Berührung der Fingerkuppen
Citronenbäume sitzen auf den Bänken
Es beginnt mit dem Verschwinden des Anfangs
Hans-Jürgen Hilbig,30.1.2024
Hans-Jürgen Hilbig, Dichter
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Hans-Jürgen Hilbig, Dichter
Zur Person_15 Januar geboren, irgendwann kam eine Schreibmaschine angeflattert, Veröffentlichungen in der von Sibylle Berg herausgegebenen Kult (gibt es leider nimmer) Hörbuch, Elke erzählt gesprochen von der allerliebsten Jo Kern…
Lieber Hans-Jürgen Hilbig, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
wenn ich nicht arbeiten muss, trinke ich morgens erst einmal ein wenig Marina Zwetajewas Gedichte, wenn das nicht hilft, wird es ein verlorener Tag.
Mittags sitze ich meistens rum und betrachte abwechselnd Bilder von Taylor Swift und Samuel Beckett, ich entdecken eine Ähnlichkeit, über die ich nicht gerne rede und auch nicht reden kann. Denn diese Ähnlichkeit ist das Schweigen, mit dem das Pferd das Einhorn betrachtet.
Hans-Jürgen Hilbig, Dichter
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Für uns? Ich mag nicht für uns sprechen, für uns existiert nicht, selbst wenn man es tausendfach schreibt, es gibt kein uns, es gibt nur Kaffeetassen, nach denen sich der Vergessene ausstreckt, den Schriftsteller und Dichter sind Vergessene, nur das erlaubt es ihnen jeden Morgen zu erwachen und weiterzumachen, warum man weitermacht, weiß kein Mensch, aber dieses Uns ist seltsam, uns kann keiner was, das gefällt mir, weil es für sich spricht, ansonsten ist das Uns seltsam.
Es gibt eine einzige Gemeinsamkeit die ich uns tatsächlich zutraue, das ist die Liebe. Die Liebe unbedingt. In all ihren Formen, mit all ihren Narben, wie Sarah Connor singt oder um Taylor Swift zu zitieren, „ Ladies and gentlemen, will you please stand?
With every guitar string scar on my hand I take this magnetic force of a man to be my lover My heart’s been borrowed and yours has been blue All’s well that ends well to end up with you Swear to be overdramatic and true to my lover And you’ll save all your dirtiest jokes for me And at every table, I’ll save you a seat, lover (Taylor Swift, Lover)
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Hm, ich sehe keinen Aufbruch, ich sehe einen Abbruch, überall, die literarischen Schwächen in diesem Land werden weiter ausgebaut, was mich wenig zu kümmern hat, da das alles ohnedies ohne mich abläuft, natürlich gibt es Ausnahmen, oh ich liebe diese Ausnahmen, der Roman von Britta Boerdner „Am Tag als Frank Z. in den grünen Baum kam“, ist für mich ein Beispiel, dass es möglich ist, gute Literatur ist möglich.
Was liest Du derzeit?
Die Gedichte von Selma Meerbaum- Eisinger
John Fosse Melancholie
Herve Le Tellier Die Anomalie
und immer wieder Kafka, Beckett, Borges, Kis und so weiter und so fort
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Can I go where you go? Can we always be this close forever and ever? And ah, take me out, and take me home (forever and ever) You’re my, my, my, my Lover
(Taylor Swift, Lover)
Vielen Dank für das Interview, lieber Hans-Jürgen, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Hans-Jürgen Hilbig, Dichter
Zur Person _15 Januar geboren, irgendwann kam eine Schreibmaschine angeflattert, Veröffentlichungen in der von Sibylle Berg herausgegebenen Kult (gibt es leider nimmer) Hörbuch, Elke erzählt gesprochen von der allerliebsten Jo Kern…
Interviewzum Tod von Helena Adler_Barbara Deißenberger, Schriftstellerin
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Liebe Barbara Deißenberger, wann, wie begegnete Dir der erste Text von Helena Adler und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?
Ich hörte sie auf der Buch Wien aus ihrem Roman „Fretten“ lesen und kaufte mir dann zunächst ihren ersten Roman „Die Infantin trägt den Scheitel links“, weil der ohnehin schon länger auf meiner Wunschliste stand. Der Text wirkte auf mich, als würde mich eine heimliche Halbschwester an der Hand in ihre Kindheit, Jugend und ihr Erwachsenwerden in dunkel-heller Wüstheit ziehen. Ich hörte allerorten im Text die abgeklärte, gewitzte Autorin sprechen, fühlte aber das Kind und die Heranwachsende sich durchs Leben schlagen.
Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?
In der „Infantin“ schafft sie es, gleichzeitig kindlichen Animismus und Phantasie bunt-saftig zu literarischem Leben zu erwecken und doch eine Erzählfigur aus der Distanz einer Erwachsenen alles luzide durchschauen und teils bitterböse schildern zu lassen. Hier ein Beispiel: „Wenn ich im Frühling zu lange barfuß herumlief, hast du gesagt, zieh deine Socken an, sonst beißt dich das Märzenkalb. (…) Ich habe es mir wild vorgestellt, zornig herumspringend, mit nach hinten verdrehten Augen (…) Fasziniert hat es mich immer, das Morbide. (…) Ich wollte von der Tarantel gestochen und von König Blaubart entführt werden.“ (Aus: „Die Infantin trägt den Scheitel links“,S. 26)
Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?
Ich habe sie nur einmal persönlich erlebt, bei einer Lesung auf der Buch Wien. Da ist sie mir als vielfarbige Persönlichkeit in Erinnerung geblieben. Ich nehme sie mir insofern zumVorbild, als ich mir selbst treu bleiben und weiterhin literarisch das mir Bestmögliche schaffen will. „Vita brevis, ars longa“: Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang. Weil sie uns überdauert.
Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?
Für mich steht Helena Adler mit ihrem Debütroman in der Tradition von Marlen Haushofers „Himmel, der nirgendwo endet“ und Maja Haderlaps „Engel des Vergessens“. Alle drei Bücher erzählen vom Aufwachsen mit allen Sinnen in einfachen, ländlichen Verhältnissen, wie es außergewöhnlich fantasiebegabte Mädchen gegen den Strich ihrer Erziehung, schwieriger familiärer Verhältnisse und gesellschaftlicher Erwartungen durchleben. Alle drei gestalten Vergangenes atmosphärisch dicht.
Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?
Eine Autorin, die ihren Protagonistinnen starke, unbeugsame Stimmen verleiht und Bilder von bestürzender Sprachsinnlichkeit und nachvollziehbarer Widersprüchlichkeit schöpft: „Die Berge bluten, die Felder brennen, weil sie ahnen, dass ihre Bewirtschafterin jetzt selbst almen geht. (…) Die Mutter soll nicht sehen, dass mich die Trennung schmerzt wie ein langsamer Schnitt durch die Kehle.“ (Aus: „Die Infantin trägt den Scheitel links“, S. 99-100) – „Gänsehaut überzieht unsere vom Kampf gerupften Körper. Doch der Moment ist zu bedeutend, um ihn nicht bis zum letzten Zug auszukosten, der grausiger schmeckt als zerkaute Rinde.“ (Aus: „Die Infantin trägt den Scheitel links“, S. 111)
Ich freue mich darauf,nun bald auch ihren Roman „Fretten“ zu lesen!
Barbara Deißenberger, Schriftstellerin
Zur Person _Barbara Deißenberger wurde 1970 in Niederösterreich geboren. Nach Erwerbstätigkeiten in Österreich, England, Frankreich und den U.S.A. studierte sie Vergleichende Literaturwissenschaft und Französisch in Wien und promovierte in Germanistik. Von Deutsch- und Französisch- bis hin zu Literaturkursen dreht sich alles bei ihr um Sprache. Neben Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien erschienen 2017 der Roman „Malika“ und 2022 der Roman „Eine Geschichte in Weiß“.
Barbara Deißenberger, Malika
Wien – Montreal und wieder retour: die atmosphärisch dicht erzählte Geschichte einer ungewöhnlichen Ménage à trois…
Am Beginn steht Malikas Wiederbegegnung mit Margarethe, ihrer Freundin aus Kindheitstagen. Friedrich, ein voyeuristisch veranlagter Schriftsteller, beobachtet das Wiedersehen und verliebt sich in die androgyne Margarethe. Das wiederum ist der undurchsichtigen Stewardess Tsira ein Dorn im Auge und sie tut alles, um diese Beziehung zu zerstören. Sinnliche Anziehung und neurotische Spleens, Kindheitsfantasien und Traumata, wechselnde Identitätsentwürfe und die ewige Suche nach Liebe werden in Malika auf poetische und manchmal tragische Weise miteinander verwoben.
„Malika ist ein literarisches Forschungsprojekt über die Unberechenbarkeit des Eros: zwischen Freundinnen, zwischen Geschwistern, zwischen Männern und Frauen. Barbara Deißenberger macht den Voyeur zum Gegenstand der Beobachtung und entdeckt die Sinnlichkeit beileibe nicht nur in der körperlichen Liebe – mit ansteckender Lust am Detail und viel Gespür für die Fragilität dessen, was man Identität nennt.“ Daniela Strigl
„Ein Roman, der mit viel Empathie und großem sprachlichem Engagement erzählt wird.“ Andreas Tiefenbacher, Literaturhaus Wien Rezension des Romans auf literaturhaus.at
Barbara Deißenberger: Malika, Wien: Hollitzer Verlag, 2017, 360 S., 13,8 x 21,7 cm, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-99012-426-0 (hbk) € 21,90 ISBN 978-3-99012-427-7 (epub) € 18,99
Es ist ein ganz sanfter wie selbstbewusster Rhythmus von Sprache und Sinn, der schon auf den ersten Seiten in den Bann zieht und narrativ wie mitteilend zu einem inneren Dialog einlädt, der in Überraschung, Humor, Geheimnis, Mut, Weltaufmerksamkeit und Kritik, Inspiration, Impuls begeistert.
Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin versteht es in diesem Gedichtband einmalig zu einer Poesiereise zu Leben und Liebe einzuladen und mitzunehmen. Wahrnehmung, Erfahrung, Ausblick, Hoffnung in täglicher Begegnung als Selbstbegegnung werden zu Sprachbildern, die immer wieder genießen, erschüttern, hin- und ausblicken lassen auf den einmaligen Moment und Augenblick, der die ganze Welt ist.
Hervorzuheben sind auch die wunderbaren Zeichnungen der Autorin, mit denen sie die Gedichtzyklen einleitet wie eine sehr gelungene Brücke von Wort und Bild setzt, die sich wechselseitig inspiriert. Ein sehr gelungener Kunstgriff.
„Ein Gedichtband, der virtuos Leben und Liebe in aller Sanft- wie Klarheit zu packen weiß!“
Ein Reiskorn auf meiner Fingerkuppe. Gedichte. Ruth Loosli, mit Schreibbildern von Ruth Loosli. Caracol Verlag.
128 Seiten
12 × 20.5 cm
Reihe: Caracol Lyrik, Band 14
ISBN 978-3-907296-28-8
20 CHF 20 €
Zur Autorin _
Ruth Loosli, Schriftstellerin
Ruth Loosli ist 1959 in Aarberg geboren und im Berner Seeland aufgewachsen. Sie ist ausgebildete Primarlehrerin und hat drei Kinder. Seit 2002 lebt und arbeitet Ruth Loosli in Winterthur, wo sie sich in verschiedenen literarischen Projekten engagiert. Neben dem Schreiben von Prosa und Lyrik gestaltet sie auch Schreibbilder.
Ruth Loosli ist Mitglied des A*dS (Autorinnen und Autoren der Schweiz).
Auszeichnungen
Kulturelle Auszeichnung der Stadt Zürich, 2023, für Ein Reiskorn auf meiner Fingerkuppe
Werkbeitrag der Stadt Winterthur, 2019, für das Manuskript ihres ersten Romans
Anerkennung «Goldene Feder» vom Kulturmagazin Coucou, 2019
Text des Monats, Literaturhaus Zürich, 2006, 2010 und 2015
Preis des Spiegeltheaters Kanton Zürich, 1997, für den Einakter Jura
Ein ganz klein wenig ein besserer Mensch werden wollen
Leonora Leitl, 20.1.24
Leonora Leitl ist eine österreichische Autorin und Illustratorin von Kinder- und Jugendliteratur
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Leonora Leitl, Autorin und Illustratorin von Kinder- und Jugendliteratur
Zur Person_ Leonora Leitl ist eine österreichische Autorin und Illustratorin von Kinder- und Jugendliteratur. Nach der Meisterklasse für Grafik- und Kommunikationsdesign in Linz/Ö wandte sie sich dem Schreiben und Illustrieren von Kinderbüchern zu. Sie lebt mit ihrer Familie und fünf Hühnern in Gramastetten im oberösterreichischen Mühlviertel.
Ihre Bücher sind mit zahlreichen Preise ausgezeichnet, darunter dem Outstanding Artist Award der Republik Österreich, dem Österreichische Kinder- und Jugendbuchpreis und dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien
Lieber Michael Pockberger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe auf, arbeite, versuche meine angeschlagene Stimme wieder ins Lot zu bringen, gehe spazieren, bereite mich auf die kommenden Stücke vor, in denen ich mitspiele, und freue mich schon auf das nächste Tennismatch.
Michael Pockberger, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Immer daran zu glauben, dass das Leben immer Chancen bietet, die man aber nutzen sollte. Für einen selbst aber auch für die Gesellschaft im Gesamten. Und man sollte NIE zu lange zögern. Frei nach dem Motto: „Überlange Wartezeit ist der Tod jeder Idee“. Und man sollte NIE aufhören zu lernen!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Nietzsche sagte: „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde zu gehen“. Ich glaube, das trifft es am besten, welche wichtige Rolle das Theater, aber auch die Kultur im Allgemeinen in diesem Zusammenhang spielen.
Michael Pockberger in„Die Hinrichtung“ Qualtinger/Merz _ „IL Vero Teatro“_Premiere 3.10.2022 _ Theater Arche_Wien(folgende)Michael Pockberger in„Die Hinrichtung“ Qualtinger/Merz _ „IL Vero Teatro“_Premiere 3.10.2022 _ Theater Arche_Wien
Die Textbücher von: „Die Hochzeitreise“ von Noel Coward; „Der Tod und das Mädchen“ von Ariel Dorfmann; Sonny Boys von Neil Simon; „Oscar“ von Claude Magnier.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Am Anfang steht immer die Leidenschaft, um etwas Gutes, etwas Schönes, etwas Großartiges, aber auch nur um etwas Banales zu tun. Hauptsache man hat sie ein Leben lang…
Michael Pockberger, Schauspieler
Vielen Dank für das Interview, lieber Michael, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Filmprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Michael Pockberger, Schauspieler
Zur Person _Michael Pockberger, geboren am 13.01.1970 in Wien, Schauspieler.
Michael besuchte 2015 als Spätberufener ein Jahr das Prayner Konservatorium und nimmt seit 2016 regelmäßig privaten Schauspielunterricht für Film und Bühne. 2019 legte er die staatliche paritätische Bühnenreifeprüfung ab.
Er wirkte bisher in diversen Theaterproduktionen u. a. im OFF-Theater, Dschungel Wien, Experiment; Theater Arche, Theatercenter Forum, Unser Theater am Kaasgraben oder am Theater am Steg/Baden mit.
Darüber hinaus wirkte Michael auch in mehreren Kurzfilmen mit. 2024 wird er in 4 Produktionen auf der Bühne zu sehen sein.
Aktuelle Produktionen mit Michael Pockberger:
Die Hochzeitsreise von Noel Cowards
Rolle: Victor Prynne
Inszenierung: Il vero teatro
Wann: 14.Feb. – 1.März; 20.00 Uhr!
Wo: Theater-Center-Forum, Forum II Porzellangasse 50, 1090 Wien
Kerstin Zimmermann, Schauspielerin, Model_ Wien_ acting Falco/L.Cohen_80thies _ Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)_ Leonard Cohen, *21.September 1934 Westmount/Quebec/Kanada +7.November 2016 Los Angeles/USA
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Kerstin Zimmermann, welche Bezugspunkte gibt es von Dir zu Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik) und Leonard Cohen, singer-sonwriter, writer (*21. September 1934 Québec, Kanada † 7. November 2016 Los Angeles/USA) Singer-Songwriter, Schriftsteller, Maler?
Als Kind der 80er in Deutschland war Falco für mich im Radio und der Hitparade präsent, die Wahrnehmung von Leonard Cohen begann erst später.
Was macht für Dich diese Künstler aus?
Bei Falco natürlich die Vorreiterrolle über Musikgenres hinweg die und provokative Sprachlastigkeit der eher abgehackten Songs samt den dazugehörigen opulenten Videos.
Im Gegensatz dazu die eher besinnlichen, musikalischen Lieder Cohens mit ihren eingänglichen Melodien.
Gibt es Lieblingssongs dieser so erfolgreichen Musiker?
Ganz klar Jeanny von Falco und Halleluja von Cohen.
Was habe beide gemeinsam?
Auf jeden Fall ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl, das ihre jeweiligen Liedtexte unterstreicht.
Was bedeutet Dir Musik und wann und wo hörst Du gerne Musik?
Für mich ist Musik Ausdruck von Emotionen, die ich privat aber eher im Hintergrund zu anderen Tätigkeiten höre wie beim Autofahren. Beim Schauspiel unterstreicht und ergänzt sie hingegen die Handlung des Theaterstücks.
Träume, Sehnsucht, Erfolg wie Enttäuschung, Angst finden in Kunst wie Leben dieser Künstler eindringlichen, intensiven Ausdruck. Wie gehst Du mit diesen Lebensthemen künstlerisch und persönlich um?
Man sollte sich der Bandbreite der Gefühle bewusst sein, sie einerseits ausleben können, ohne sich andererseits von ihnen beherrschen zu lassen. Im Alltag hilft mir da die Trennung zwischen Beruf und Kunst.
Im Falco Song „Junge Römer“, dessen Video 1984 im nahen Palais Auersperg im Rosenkavaliersaal und auf der Feststiege gedreht wurde, geht es um Lebensfreude, Lebenslust. Was bedeutet dies für Dich heute?
Gemeinsam feiern trotz Krisen! Es darf auch mal opulent sein.
In „Take this waltz“ von L.Cohen steht Wien im Mittelpunkt. Wo trifft dieser Song das Herz Wiens?
Natürlich beim ¾ Takt, der aber auch einen gewissen Weltschmerz enthalten kann.
Was bedeutet Dir Wien?
Mein Lebensmittelpunkt seit über 20 Jahren und eine lebenswerte Stadt mit reichhaltigem Kulturangebot. Hinzu kommt, dass sich Wien trotz Weltstadt verglichen mit anderen Hauptstädten eine gewissen Gemütlichkeit bewahrt hat, auf der anderen Seiten als Smart City aber auch hoch innovativ ist.
Hättest Du Dir ein Projekt mit Falco/L.Cohen vorstellen können und wenn ja, welches?
Auf jeden Fall, sei es ein Videodreh/ Fotoshooting oder auch eine Interpretation der Texte.
Es ist ein großartiger 80thies Style, den Du zum Fotoshooting hier gewählt hast. Was bedeutet Dir Mode, Style?
Mode ist für mich Ausdruck der Persönlichkeit und verkörpert immer auch einen gewissen Zeitgeist. Aufgrund der Theaterrollen verfüge ich auch über einen privaten Fundus ,-)
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
theater privat wird auch 2024 wieder eine Produktion auf die Bühne bringen und im Sommer werde ich wieder als Setfotografin bei einer Filmproduktion dabei sein.
Was kannst Du als Künstlerin von Falco/L.Cohen mitnehmen?
Wie sehen Beziehungsmodelle abseits des Mainstreams aus?
Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?