„Manchmal ist da ein Riss, der nicht heilt, sondern spricht“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _ Anja Knafl, Schriftstellerin _ Klagenfurt 10.1.2026

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
performing „Malina“ Romanschauplatz/Wien _
Walter Pobaschnig, 1/25, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text & Performance  _  Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

MALINA

Manchmal ist da ein Riss, der nicht heilt, sondern spricht.

Alles beginnt dort, wo Sprache sich weigert, harmlos zu sein.

Liebe ist kein Schutzraum, sondern ein Prüfstein.

Ich sage Ich – und weiß doch, dass es zerfällt.

Nichts verschwindet spurlos.

Am Ende bleibt der Satz, der überlebt.

Anja Knafl, 5.1.2026

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
performing „Malina“ Romanschauplatz/Wien _
Walter Pobaschnig, 1/25
.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text & Performance  _  Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _ Romanschauplatz „Malina“ Wien.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Anja Knafl _ acting „Malina“ _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ Walter Pobaschnig 1/25.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Das Besondere an Bachmann ist ihre Unbestechlichkeit“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Anja Knafl, Schriftstellerin _ Klagenfurt 10.1.2026

Anja Knafl _ Ingeborg Bachmann

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in der Bocca di Leone/Rom, um 1970

Im Interview _ Anja Knafl _ Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

Liebe Anja, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?  

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist kein rein literarischer, sondern ein existenzieller. Ich habe sie nie als Autorin gelesen, die man „versteht“, sondern als Stimme, die etwas freilegt, das ohnehin schon da ist. Bachmann schreibt nicht erklärend, sondern was ich als „ehrlich“ betiteln würde. Ihre Texte sind für mich Räume, in denen Sprache plötzlich Verantwortung übernimmt. Für Schmerz, für Widerspruch, für das Unsagbare. Als Schauspielerin begegne ich ihr über den Klang, den Rhythmus, die Brüche der geschriebenen Worte. Als Autorin über die Radikalität, mit der sie Denken und Fühlen nicht trennt, sondern den Lesenden konfrontieren möchte, hinzusehen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus? 

Das Besondere an Bachmanns Schreiben ist für mich ihre Unbestechlichkeit. Sie schreibt nicht, um zu gefallen, nicht, um zu beruhigen, nicht, um Lösungen anzubieten. Sie nimmt Sprache ernst und damit auch die Gewalt, die in ihr liegen kann. Ihre Texte verweigern einfache Lesarten, sie sind fragil und präzise zugleich. Bachmann schreibt mit einer Klarheit, die weh tut, weil sie nichts beschönigt. Und gerade darin liegt eine große Form von Wahrheit, von der wir alle mehr in unserem Alltag brauchen. 

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben? 

„Malina“ ist für mich ein Schlüsseltext. Nicht nur literarisch, sondern menschlich. Dieser Roman zeigt, wie innere Zerstörung gesellschaftlich erzeugt wird, wie Gewalt sich verinnerlicht, wie Sprache zerbricht, wenn sie zu lange gegen sich selbst verwendet wird.

Auch ihre Gedichte begleiten mich stark, vor allem jene, in denen Liebe und Verlust nicht romantisiert, sondern seziert werden. Bachmann schreibt Liebe nicht als Erlösung, sondern als Risiko und damit trifft sie, denke ich, einen wunden Punkt.

Anja Knafl am „Tor mit den Löwen bei Ivan“ _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _
Walter Pobaschnig 1/25, folgende

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute? 

Erschreckend aktuell. Bachmann beschreibt Machtverhältnisse, die bis heute wirksam sind, nur subtiler, besser verpackt. Die patriarchale Gewalt, von der sie spricht, ist keine historische Kategorie, sondern ein fortlaufender Zustand. Sie zeigt, wie Systeme Menschen krank machen, wie private Beziehungen politische Spiegel sind. Dass ihre Texte heute wieder so stark gelesen werden, hat viel damit zu tun, dass wir beginnen, diese Strukturen wieder verstärkt wahrzunehmen und klarer benennen können, auch wenn es unbequem ist.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in einer Vorlesung. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“? 

Ich glaube nicht, dass Schreiben zwangsläufig Martyrium ist. Aber es ist immer ein Risiko. Wer ehrlich schreibt, setzt sich aus: Dem eigenen Denken, den eigenen Widersprüchen, manchmal auch der Einsamkeit. Kunst entsteht nicht aus Leid an sich, sondern aus der Bereitschaft, hinzusehen, wo andere wegschauen und ja, manchmal ist dieser offene Blick mit Schmerz verbunden, aber auch häufig mit einer positiven Verknüpfung. Bachmann hat diese Bereitschaft bis zur Selbstgefährdung gelebt. Das muss kein Ideal sein, aber es ist ihre Wahrheit über die Konsequenzen radikaler Wahrhaftigkeit.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt? 

Ich hätte sie gefragt, ob sie manchmal Zufriedenheit mit sich als Lebewesen gespürt hat. Nicht als Konzept, sondern als Gefühl. Und ich hätte ihr gerne gesagt, dass ihre Texte vielen Menschen Worte gegeben haben für Zustände, die sonst sprachlos geblieben wären. Dass sie nicht allein war mit dem, was sie gesehen hat. Auch wenn es sich für sie so angefühlt haben mag. Ich glaube, dass ich sie gerne umarmt hätte…

Was sind Deine aktuellen Projektpläne? 

Ich arbeite derzeit an mehreren Theater- und Textprojekten, die sich stark mit Macht, Identität und Sprache beschäftigen, unter anderem an eigenen Langtextformaten, in denen persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Analyse ineinandergreifen. Außerdem bin ich als Schauspielerin in verschiedenen Produktionen im deutschsprachigen Raum verteilt tätig und habe große Freude an Spoken-Word-Formaten, die Literatur und Performance verbinden. Bachmann begleitet mich auch dabei immer. Weniger als Vorbild, sondern als Maßstab: für Genauigkeit, für Mut, für Verantwortung gegenüber dem Wort, das auf ewig in der Welt verweilen darf.

Herzlichen Dank für das Interview!

Anja Knafl _ Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
Romanschauplatz „Malina“ Wien.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Anja Knafl _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ Walter Pobaschnig 1/25.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Macht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Ines Edith Oppitz/Naoko Muneoka _ Wien 10.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Romanschauplatz „Malina“ Wien / Donau Wien _
Walter Pobaschnig 7/25, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ

Performance_ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien

Malina

Macht Missbrauch und Spiele

Achtlos verkannt

Liebessehnsucht

Illusion

Negation

Aus

Ines Edith Oppitz, 5.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Romanschauplatz „Malina“ Wien / Donau Wien _
Walter Pobaschnig 7/25

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.

Performance Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien.

 Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.
Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 7/25

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _  Ines Edith Oppitz _ privat.

Fotos _ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ Romanschauplatz „Malina“ Wien / Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 7/25

Literatur outdoors 1/26

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„ein unfassbar konzises Sensorium für Strukturen und Mechanismen in der Gesellschaft“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Petra Ganglbauer, Schriftstellerin _ Wien 9.1.2025

Ingeborg Bachmann _ Petra Ganglbauer

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, um 1971

Im Interview _  Petra Ganglbauer, Schriftstellerin _ Wien.

Liebe Petra, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Ingeborg Bachmann und ihr Werk haben mich schon in frühester Jugend fasziniert; ich habe auch als professionelle Schriftstellerin keine Scheu, mich mit ihr zu befassen; ich registriere nämlich bisweilen in meinem Umfeld ein Zögern im Hinblick auf  eine zu intensive Befassung mit berühmten Autorinnen, wohl auch aus Angst, selbst nicht ausreichend rezipiert zu werden und sich über ein anderes Werk definieren zu müssen. Es ist schon richtig, daß Autor*innentum auch verlangt, vor allem sich selbst als produzierende Kraft in den Mittelpunkt zu stellen, dennoch setzen wir alle letzlich beim Werk jener an, die vor uns geschrieben haben. Das gilt es auch entsprechend zu würdigen!

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Sie hatte ein unfassbar konzises Sensorium für die Strukturen und Mechanismen in der Gesellschaft und die Interaktionen zwischen den Menschen (Geschlechtern). Sie war darüber hinaus imstande, diesem Sensorium eine Sprache zu geben, die einmalig ist und überzeugt.

Petra Ganglbauer _ Station bei Malina _
Romanschauplatz/Wien _ folgende

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ich schätze Malina ganz besonders, aber auch die anderen Arbeiten. Mit ihren Gedichten habe ich mich vor allem in meiner Jugend befasst.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Wenn ich Bachmann lese, habe ich das Gefühl, daß es kaum eine zeitliche Distanz zwischen damals und heute gibt. All die hierarchischen oder auch frauenfeindlichen, zerstörerischen, abschätzigen Strukturen sind nach wie vor leider relevant. Mehr noch, sie werden gerade zur Zeit durch einige alte Männer, die immer gefährlichere Machtallüren an den Tag legen und von denen jeder den anderen und uns allen beweisen will, wie omnipotent er ist, global noch manifester.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

„Immer auch“, würde ich so nicht sagen. Aber wenn ich an meine Genese denke und mir auch die Lebensbedingungen in meinem literarischen Umfeld anschaue, dann kommt diese Charakterisierung meiner persönlichen Erfahrung doch sehr nahe. Schreiben als Berufung, als Profession, als Lebenshaltung fordert bisweilen viel Verzicht ein: es bedeutet Reduktion auf das Wesentliche, eine zwingende Fokussierung, die immer wieder Opfer verlangt. Wenn man so ein fragiles Sensorium wie Bachmann hat, bleiben oftmalige seelische Verletzungen freilich nicht aus. Schreiben ist dann auch nicht, wie oft irrtümlich erwähnt, Trost. Es ist eher eine schmerzerfüllte Reise.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte sie wohl gefragt, wie es sich angesichts eines solchen Werks überhaupt leben lässt.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Eines meiner Bücher wird Dank der Initiative des Essayisten und Übersetzers Erhan Altan ins Türkische übersetzt: „Suretsiz Mektuplar“ („Briefe ohne Gesicht“, Wiener Frauenverlag-Milena, 1992) erscheint in der Reihe Avusturya kitaplığı (Österreich Bibliothek). In diesem Jahr soll auch ein neuer Lyrikband publiziert werden: „Im Augenschein der Dinge“. Ein paar Projekte sind zudem in Planung.

Herzlichen Dank für das Interview!

Petra Ganglbauer, Schriftstellerin

Aktueller Prosaband von Petra Ganglbauer: „Es ist ein Nah und Fern“ Bibliothek der Provinz.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, Rom, um 1970.

Fotos: Petra Ganglbauer: Walter Pobaschnig _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien 4/25

Walter Pobaschnig   1_26

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„Morgen ist Nacht“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _  Petra Ganglbauer/Birgit Fuchs _ Wien 9.1.2026

Birgit Fuchs, Schauspielerin _ Klagenfurt _ acting „Malina“ _
Walter Pobaschnig 4/21 _ folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Petra Ganglbauer, Schriftstellerin Wien.

PerformanceBirgit Fuchs _Schauspielerin, Autorin _ Klagenfurt.

MALINA

Morgen ist Nacht

Alles wird zur Traumsequenz

Liebe endet im Nirgendwo

Ich löse mich auf

Niemals werde ich wieder

Aber ich besinne mich

Petra Ganglbauer, 6.1.2026

Birgit Fuchs, Schauspielerin _ Klagenfurt _ acting „Malina“ _
Walter Pobaschnig 4/21

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Petra Ganglbauer, Schriftstellerin Wien.

PerformanceBirgit Fuchs _Schauspielerin, Autorin _ Klagenfurt.

 Petra Ganglbauer, Schriftstellerin _ Wien.
Birgit Fuchs _Schauspielerin, Autorin _ Klagenfurt.

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _  Petra Ganglbauer: „Station bei Malina“ Walter Pobaschnig 4/25.

Fotos _ Birgit Fuchs: acting „Malina“ _ Walter Pobaschnig 4/21.

Literatur outdoors 1/26

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„Ich bin die ich bin“ Gabriele Vasak. Roman. Selbstverlag, Wien.

Kugelschmerz

„Es sind spitze, scharfe Schmerzen,

es ist Schatten roter Angst,

Es ringt tief hinein in Herzen,

wo der Irrsinn traurig tanzt

…..

Lässt sich all das denn verbergen?

Oder soll man davon schrei`n?….“

Es beginnt in der Schule. Plötzlich, unerwartet. Der Schmerz schlägt wie ein Blitz in den Bauch. Schlägt ein, schlägt aus, schlägt zu, erschlägt…dann die Kette der Aufmerksamkeit, Lehrerin, Mutter, Arzt, Vater…

„Mein Vater kam und sagte, dass ich krank sei und hierbleiben müsste. Dann schoben sie mich auf der Liege in ein Zimmer, in dem noch viele andere Kinder waren…“. Der Weg geht weiter im Schmerz, der Ungewissheit, Momenten der Ruhe, Hoffnung…kein Entkommen….

Der Schmerz, das Leiden ergreift Körper und Geist, da und dort. Drei Frauen, die durch Dunkelheiten des Ungewissen wandern müssen, nach Halt suchen und in Existenz, Welt und Umwelt ihren Weg gehen in Krankheit, Verzweiflung und Hoffnung…

Gabriele Vasak, eine der vielseitigsten wie spannendsten Schriftstellerinnen im deutschsprachigen Raum, spannt in ihrem neuen Roman einen ganz großen existentiellen wie gesellschaftskritischen und metaphysischen Bogen des Leidens, der Krankheit und des damit verbundenen Weges in allen Herausforderungen, Rat- und Hoffnungslosigkeiten und Horizonten- wie Perspektivensuche.

Die in Wien lebende Autorin und langjährige Medizinjournalistin beeindruckt in diesem sehr eindringlichen wie mitreißenden Roman in selbstbewusster Formsprache, die mit sehr anschaulicher, bildmächtiger Schilderung der Leidenserfahrung verbunden, ein storyboard bietet, das drei Frauenwege in je individuellen Kontexten öffnet und ganz außergewöhnlich verdichtet. Das erzählerische Konzept filmschnittartiger collagengleicher Situativität, die wunderbar gesetzt in Reflexionen übergeht und zwischen Leid, Sinn und Wille ganz fein wie dramatisch oszilliert, ist eine der ganz großen Stärken dieses Romans, der schon im Titel „Ich bin die ich bin“ (Gottesoffenbarung in jüdisch-, christlicher Tradition) auf das Erschüttern, Zusammenfallen von Halt und Orientierung im Zustand des Leidens und den Kampf ins Leben zurück im Ausgesetztsein der täglichen individuellen Erschütterung und Selbstbehauptung.

„Ein erschütternder Existenz- und Gesellschaftsroman, der in selbstbewusster Erzählvirtuosität wie Dramatik einzigartig ist!“

ICH BIN DIE ICH BIN (Roman) 2022. Gabriele Vasak, Wien. Bestellbar unter info@gabriele-vasak.at

Walter Pobaschnig 1/26  

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„der Militarismus als Krankheit der patriarchalen Welt“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D 8.1.2025

Ingeborg Bachmann _ Sabine Burkhardt

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, auf der Terrasse ihrer Wohnung in der Bocca di Leone,
um 1971

Im Interview _ Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D

Liebe Sabine, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Natürlich ihre Gedichte, zuallererst und immer wieder zu ganz anderen Zeiten. Schule, Literaturkurs, Schauspielschule, Universität. Immer mal wieder ploppten auch ihre Lebensgefährten/Freunde im Zusammenhang mit ihr auf: Paul Celan, Max Frisch, Hans Werner Henze, und überhaupt viele Geschichten um sie herum.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Da steckt für mich Philosophie, ein tiefes Nachdenken über die Welt, manchmal über sich, über Religion, die Gesellschaft und Macht, Krieg, Verbrechen und Schuld drin. Eine Menge also.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

GEDICHTE: Hinter der Wand, Paris, Die gestundete Zeit, Früher Mittag, Im Gewitter der Rosen, Anrufung des Großen Bären, Nebelland, Harlem, Reklame, Exil, Böhmen liegt am Meer, Keine Delikatessen

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

„Und die Krankheit, die Folter darin und die Krankheit der Welt und die Krankheit dieser Person, ist die Krankheit unserer Zeit für mich“, sagt Ingeborg Bachmann über ihren Roman Malina. Wenn man bedenkt, dass ihr Schreiben sich intensiv mit der Zeit der Nationalsozialisten in ihrer Heimat beschäftigte, ist mit der Krankheit der (patriarchalen) Welt sicher auch der Militarismus gemeint, die Macht, die sich in Kriegen, Zerstörung auch in der Mann-Frau (Mensch-Mensch)-Beziehung zeigt. Es droht aus heutiger Sicht, eine Rückwärtsbewegung.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Hier kann ich nur für mich persönlich sprechen, die ohne das Schreiben das größere Martyrium sieht. Eine Art von Regulation und Erhebung in andere Gefilde (um einmal dieses poetische Wort zu gebrauchen) bedeutet mir das Schreiben. Doch keinesfalls ist mein Schreiben so intensiv in Dauer und Umfang wie das ihre. Ihre Wahrnehmung steht für sich.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Singst du gern, Ingeborg? Die Melodie in deinen Vorträgen, in deinen Gedichten und deiner Sprache, das Schreiben von Libretti, das ist eigenwillige Musik. So würde mich deine Singstimme interessieren.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich freue mich auf den privaten Druck von: STADTPOETINNEN VICE VERSA SCHWABACH WIEN. 2022 und 2023,entstanden zusammen mit der Wiener Poetin Brigitta Hoepler. Wir besuchten uns gegenseitig, lasen jeweils die Stadt der anderen auf poetische Weise und machten gemeinsame Schreibübungen im öffentlichen Raum. Wir taten das absichtslos und offen. Es wirkt noch lange nach.
Für 2026 werde ich an dem Kunstwandler-Projekt teilnehmen, das später im Jahr (Kulturlokal Fürth) präsentiert wird. Hierfür werden Künstler aus verschiedenen Sparten in Teams gelost, die dann kreativ aufeinander reagieren: https://www.projekt-kunstwandler.de/

Herzlichen Dank für das Interview!

Sabine Burkhardt, Schriftstellerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Foto: Sabine Burkhardt: Iwona Lompart

Walter Pobaschnig 1/26

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„Männer“ 100.Geburtstag _ Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Sabine Burkhardt/Nahoko Fort _ Wien 8.1.2026

Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _
Romanschauplatz Wien 11/24 _

Walter Pobaschnig _ folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _ Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D

PerformanceNahoko Fort, Schauspielerin _ Wien.

MALINA


Männer

Aber

Lieben

Immer

Nicht

Alles

Sabine Burkhardt, 4.1.2026

Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _
Romanschauplatz Wien 11/24 _

Walter Pobaschnig

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _ Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D

PerformanceNahoko Fort, Schauspielerin _ Wien.

Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D
Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Sabine Burkhardt: Iwona Lompart

Fotos: Nahoko Fort acting Malina : Walter Pobaschnig 11/24.

Walter Pobaschnig 1/26

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„eine sehr eigenständige, frauliche, selbst-bewusste Stimme“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Susanne Rasser, Schriftstellerin _ Rauris/Sbg. 7.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Susanne Rasser

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone,
Rom um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_

Im Interview _ Susanne Rasser, Schriftstellerin, Fotografin

Liebe Susanne, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Bachmann’s Texte habe ich verschlungen. Die lyrischen Arbeiten genauso wie die Romane. Räume haben sich dadurch erschlossen. Welten galt es zu entdecken. Welten, mit einer sehr eigenständigen, fraulichen, selbst-bewussten Sichtweise / Stimme. Mich hat ja auch die Stimme der Bachmann berührt. Und ihr Privatleben fand ich ebenso interessant. Vielleicht auch, weil ich den Geburtstag mit ihr teile.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Diese Eigenständigkeit. Der klare Blick. Diese Grundhaltung des Bei-sich-Seins. In ihren Gedichten fand Bachmann zu einem „Klang“, den ich so nie wieder „hörte“. Eindringlich. Bestimmt. Musikalisch. Und in den Bildern sehr einfach. Im Sinne von edel.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Nach dieser Sintflut
möchte ich die Taube,
und nichts als die Taube,
noch einmal gerettet sehn.

Ich ginge ja unter in diesem Meer!
flög’ sie nicht aus,
brächte sie nicht
in letzter Stunde das Blatt
.

(Anm: „Nach dieser Sintflut“ Ingeborg Bachmann, 1957)

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Das Angehen gegen das Patriachat ist mir in Bachmann’s Werken nicht so sehr ins Auge gesprungen. Vielleicht, weil ich danach nicht Ausschau gehalten habe.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Dass manche Künstler und die Literaten um ihre Kunst und Literatur immer so ein Theater machen müssen.

Ob das Schreiben ein Martyrium ist? Also, für mich nicht. Schreiben hat für mich etwas mit Befreiung, mit dem Aufzeigen und manchmal auch mit dem Aufbegehren zu tun. Und mit dem Einstehen für sich und andere.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Danke.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ein neues Theaterstück. Und ein etwas älteres Theaterstück noch einmal neu bearbeiten.

Herzlichen Dank für das Interview!

Herzlichen Dank!

Susanne Rasser, Schriftstellerin, Fotografin

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Foto: Susanne Rasser _ privat.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Ich spreche, also verletze ich“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Eva Reichl&Lola Lindenbaum _ Wien 7.1.2026

Lola Lindenbaum, Künstlerin _ performing _ Romanschauplatz Malina/Wien _ Walter Pobaschnig 8/19, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Ingeborg _ Akrostichon

Text _ Eva Reichl, Schriftstellerin Ried/Riedmark/

PerformanceLola Lindenbaum, Künstlerin_ Wien.

Ingeborg

Ich spreche, also verletze ich

Nichts ist unschuldig, nicht einmal Liebe

Gewalt trägt bei uns zivile Kleidung

Erst im Schweigen erkennt man den Schaden

Beziehungen sind Schlachtfelder ohne Waffen

Ordnung heißt oft: Unterwerfung

Räume werden klein, wo das Schweigen regiert

Gehen bleibt der einzige Ausweg

Eva Reichl, 4.1.2026

Lola Lindenbaum, Künstlerin _ performing _ Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _
Walter Pobaschnig 8/19, folgende

Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen ihrer Texte. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin. Mit Wien bleibt die später in Rom lebende Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Undine geht_ Akrostichon

Text _ Eva Reichl, Schriftstellerin Ried/Riedmark/

PerformanceLola Lindenbaum, Künstlerin_ Wien.

Eva Reichl, Schriftstellerin

Aktueller Krimi von Eva ReichlMühlviertler Todesstoß. Kriminalroman. Gmeiner Verlag.

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 Lola Lindenbaum, Künstlerin_ Wien _ vor dem „Tor mit dem Löwen“ bei Ivan/Romanschauplatz Malina _
Walter Pobaschnig 8/19

Lola Lindenbaum, Künstlerin https://www.lolalindenbaum.com/de/

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _ Portrait/Eva Reichl _ Lisa Reichl

Fotos _ Lola Lindenbaum _ Romanschauplatz „Malina“/Wohnort Ingeborg Bachmanns Wien _ Walter Pobaschnig 8/19.

Literatur outdoors 1/26

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