Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_ performing „Undine geht“_ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 6/24, f.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Wort & Bild
Undine geht _ Akrostichon
Text _ Franziska Bauer, Schriftstellerin
Performance_ Lisa Fertner, Schauspielerin
Mit gutem Grund zurück ins Wasser
Akrostichon zu Ingeborg Bachmanns Erzählung UNDINE GEHT aus dem Erzählband „Das dreißigste Jahr“
Undine ist ein Wasserwesen,
Nur eine Seele hat sie nicht.
Das hofft für sich sie so zu lösen,
Indem sie sich von Hans verspricht,
Nie enden wollend, dessen Liebe.
Er würd’ ihr, wenn er treu ihr bliebe,
Genau so eine Seele schenken.
Er scheitert just an dieser Pflicht.
Hans kann man dies wohl kaum verdenken:
Treu auszuharren liegt ihm nicht.
Franziska Bauer, 6.1.2026
Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_ performing „Undine geht“_ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 6/24, f.
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Liebe Brigitta, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Es manifestiert weibliches Hindurchsterben und Anfragen; Zeugt von erkämpftem Selbstverständnis, von konsequentem Sich – auffinden und Wiederzusammenfügen, an den zentralen Wendepunkten und Bruchlinien menschlicher Existenz. Auch meiner eigenen dicht gedrängten, wie unsteten Biografie. Es steht für eine nachhaltige Lebenserschütterung im allerbesten Sinn. Ingeborg Bachmann war mir Verhinderung, Maß und Anlass zugleich, den eigenen literarischen Ausdruck aufzuspüren, ihm zu trauen und ein früh verinnerlichtes ‚Schreibverbot‘ sukzessive zu überwinden.Meine Annäherung an ihr Werk, ist von einer forschenden und lernenden Haltung getragen; Einer achtsamen Auseinandersetzung, auf Basis großer Wertschätzung und geistiger Nähe, die weit zurückreicht und auf Lebenstangenten beruht. Ausreichend, um die ‚Hand des Schicksals‘ für den Umstand zu bemühen, dass ich heute – wie von ungefähr – ausgerechnet in unmittelbarer Nähe ihrer Herkunft lebe.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ingeborg Bachmann ist eine kritische, visionäre Schriftstellerin und Philosophin. Eine „lodernde Fackel“ für Freiheit und monetäre Unabhängigkeit.Eine Feministin, die den großen Themen der Menschheit einen klugen, radikal weiblichen Blick schenkt und den Finger in die Wunden des Zusammenspiels patriarchaler Strukturen und Unterdrückung legt. Bis zur Selbstaufopferung.
„Mit meiner verbrannten Hand, schreibe ich von der Natur des Feuers.“
Ihr gesamtes Werk ist von Musikalität durchdrungen. Es ist ausschließlich vor ihrem biografischen Hintergrund lesbar und politisch, psychologisch – philosophisch, weitgehend auch theosophisch interpretierbar. Nichts darin ist zufällig, in Allem verbirgt sich Wahrheit, Erkenntnis und Bezugnahme. Bachmann bedient eine tiefgründige Metaphorik und greift häufig auf Elemente der Mythologie zurück. Sie deutet an, verschlüsselt, gibt Rätsel auf, mahnt, mutet zu und deckt auf. Sie zielt auf ernsthafte Auseinandersetzung, auf Verstehen und entzieht sich einer oberflächlichen Deutung. In ihrer Prosa, wie auch in der Lyrik, verschreibt sie sich der Phänomenologie der Wahrheit. Sie ist eine präzise Analytikerin der Gelechterdifferenz und grassierenden Geschichtsvergessenheit.
MENSCH SEIN (Hommage an Ingeborg Bachmann)
Als randvolle Gestalt als Gegründete im Grundlosen im Wissen um Wagnis vor dich hinzutreten ist viel Denn es ist was uns eint nicht bloße Tändelei Das zuunterst Erworbene das Hindurch-Gestorbene ist das Anfragende Benennendes `Du` Anderes /unterscheidbares SEIN
Nicht Lockung / noch Kurzweil Nicht Andeutung Spiel und Flammenwurf Nicht betörend kluge Wortgirlanden Meisterhafte Sprachimpulse Wundersam geschlungen um Sinnleere und ach – so fragile Seele
Nein Es ist was ich bin – das Urbare Der dammbrechende Ruf ins bekennende Lieben Schnörkellos / zweifelsfrei und ohne den raffiniert hingestreuten Anreiz eines `Vielleicht` und `Irgendwann`
Brigitta Huemer Aus: ‚GEDANKEN AN ROT‘ ISBN 978-3-903190-03-0
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Neben den Gedichtbänden ‚Die gestundete Zeit‘ und ‘Anrufung des großen Bären‘, natürlich den Roman ‚Malina‘, die Romanentwürfe ‚Requiem für Fanny Goldmann‘ und ‚Der Fall Franza‘; Den posthum erschienenen Lyrikband ‚Ich weiß keine bessere Welt – unveröffentlichte Gedichte‘, mit herausgegeben von den Geschwistern Isolde Moser und Heinz Bachmann;
Unter Vorbehalt, den Briefwechsel mit literarischen Größen ihrer Zeit. Setzt er doch voraus sich dem Spannungsfeld – Intimität und Geheimnis, versus literarisch relevantes Allgemeingut, bewusst zu stellen. Vielleicht legitimiert eine pietätvolle Haltung, den mannigfach darin enthaltenen Erkenntniszuwachs.
‚Undine geht‘, im Erzählband ‚Das dreißigste Jahr‘, hat mich in meinem Frausein besonders angesprochen und für ihre literarische Genialität eingenommen. Eine schonungslose Thematisierung der Geschlechterdifferenz, die dem Ursächlichen nachgeht und einem reif agierenden Feminismus das Wort redet. Dieser Text ist ein emanzipatorisches Monument und als solches zu meinem ‚persönlichen Evangelium‘ avanciert. Das Mann- Frau – Paradigma ist heute auch in meinem eigenen Schaffen zentral auffindbar.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
In dieser generalisierenden Aussage scheinen mir ihre zahlreichen Kontakte und unterschiedlich gelagerten Beziehungen zu bekannten Männern der Literatur, Philosophie und Psychologie, ausgenommen zu sein.
Ingeborg Bachmann hielt ihre Dankesrede anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden (1959), für ‚Der gute Gott von Manhattan‘ vor Kriegsversehrten. Im jüngsten Film von Margarethe von Trotta: ‚Reise in die Wüste‘, spricht sie symbolträchtig vor einer Armada von Männern mit Augenbinden und versteinerter Miene. Ob die Regisseurin diese Assoziation gezielt einsetzt oder nicht; Es drängt sich einem unweigerlich die Frage auf: Hat sich an dieser zur Schau gestellten Blindheit – auf zumindest einem Auge – bis heute etwas zum Besseren gewendet? Die Antwort darauf, gaben in ihrer Zeit und geben heute wieder, beklemmende Aktualitäten.
„Wir müssen wahre Sätze finden.“ riet Ingeborg Bachmann. Eindringlich. Sie hat sich selbst beim Wort genommen. Wahr ist ihr Satz. Er wagt den Alleingang. Er schält sich aus dem Kontext, steht frei. Ein Satz, wird zum Monument im Text. Er setzt sich aus. Er hält die Botschaft hoch. Ein Satz der bleibt. Schlicht und vollkommen: „Die Geschichte lehrt dauernd, sie findet aber keine Schüler.“ (Ingeborg Bachmann)
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ja, “es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren“. Vor Allem dann, wenn Schreiben Obsession ist, Überlebensmotiv, innerer Auftrag, alles bestimmende Notwendigkeit.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Einsamkeit, in die ich dir nachfolge. Und: „Wohin aber gehen wir?“
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ein weiteres Buchprojekt
Mehrere Beiträge zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann
Unter Anderem:
Kulturforum Amthof Feldkirchen (Kärnten)
SA, 13. Juni 2026, 20h
WAS WAHR IST
Musikalische Lesung anlässlich des 100. Geburtstags von INGEBORG BACHMANN, mit anschließender Podiumsdiskussion zu Leben und Werk
Es lesen: Brigitta Huemer & Claudia Rosenwirth-Fendre
Moderation & Diskussionsleitung: Ingrid Schnitzer
Musik: Friedegund Rainer (Violoncello)
Lieber Walter, ich danke für Dein vielfältiges Wirken im Dienst der Kultur, vornehmlich der Literatur.
Im Interview _ Julia Kulewatz,Schriftstellerin, Verlegerin, Literaturwissenschaftlerin, Dozentin
Liebe Julia, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Wenn die Bachmann gegen etwas angeschrieben hat, so begegnet mir das täglich. Es sind auch die Männer mit Namen Hans, aber nicht allein das märchenhafte Rollenbild. Das hat und hätte uns niemals gereicht, das erschöpft uns nicht, es lässt uns vielleicht die Moore und Menschen und Myzelien verlassen, so weit und so klar und in einer solchen Überlichtgeschwindigkeit, dass wir uns von uns selbst überrascht wiederfinden, irgendwo im All, zwischen Sternen, nicht tot, nicht lebendig, umgeformt, erneuert, vielleicht als ein Fackelbaum, brennend, sich vor aller Augen im Abglanz selbst verzehrend, mahnend, himmlisch verheerend sind wir dann, gemacht aus geborgten Wörtern oder aus müde herübergeschenkten Versatzstücken, nur die verborgenen, die zwischen den Zeilen hausen, die sind nicht so einfach zu haben, wie wir waren, so wie Hans, wie Ivan, wie die meisten Menschen. Ein Zugang kam über Hans:
Männer mit Namen Hans
für I. B. und all die anderen Wasserfrauen,
bekannt und unbekannt
Hans,
Immer Einer nur unter den Vielen mit Namen.
Einer zog aus, das Fürchten zu lernen,
Ein Anderer, es Hans zu lehren,
Einer nur hat es gelernt,
Den Dirnen und Trinen,
Der Gretel,
Den Dummen und Gescheiten,
Der Geliebten,
Der starke Hans im Glück,
Eisenhans, dann Hänschen klein,
Hans mein Igel.
Unter Waffen,
Unter Wasser,
Unversehrter Hans-Guck-in-die-Luft,
Hast Schwein gehabt, Hans,
Und eine goldene Gans,
Versierter Hans-Dampf-in-allen-Gassen.
Fürchte dich, Hans!
Vor Wiederholung,
Vor Auflösung
Und vor Ohne-Namen-Sein,
Auf der Lichtung liebend,
Und in Wassern,
Undine kommt.
Kulewatz, Julia: Männer mit Namen Hans, aus: Orkaniden. Sturmgedichte, 3. Auflage, 2023, kul-ja! publishing, Erfurt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
„An schönen Oktobertagen kann man, von der Radetzkystraße kommend, neben dem Stadttheater eine Baumgruppe in der Sonne sehen. Der erste Baum, der vor jenen dunkelroten Kirschbäumen steht, die keine Früchte bringen, ist so entflammt vom Herbst, ein so unmäßiger goldener Fleck, daß er aussieht, als wäre er eine Fackel, die ein Engel fallen gelassen hat. Und nun brennt er, und Herbstwind und Frost können ihn nicht zum Erlöschen bringen.
Wer möchte drum zu mir reden von Blätterfall und vom weißen Tod, angesichts dieses Baums, wer mich hindern, ihn mit Augen zu halten und zu glauben, daß er mir immer leuchten wird wie in dieser Stunde und daß das Gesetz der Welt nicht auf ihm liegt?“
Zit. Bachmann, Ingeborg: Auszug aus Jugend in einer österreichischen Stadt, in: Das dreißigste Jahr. Erzählungen, ungekürzte Ausgabe, 1. Auflage, 1966, Deutscher Taschenbuchverlag, München.
Sie setzt sich als Schriftstellerin den Elementen vollkommen aus: „Mit meiner verbrannten Hand schreibe ich über die Natur des Feuers.“ Ingeborg Bachmann ignoriert in ihrem Schreiben das Offensichtliche, enttarnt es durch ledigliche Benennung als bloßes Blendwerk, Ablenkung vom Wesentlichen. So geht die Erzählperspektive mit uns vorüber am Stadttheater, streift es nicht einmal, hängt den Blick lieber an einen flammenden Baum, wohl wissend, dass sein Simulacrum besser zu tragen ist als eine Bühne, als Inszenierung und großes Theater, wohl wissend, das auch davon nichts bleiben wird. „Das Krematorium von Wien ist seine geistige Mission, sehen Sie, wir finden die Mission doch noch, man muß sich nur weit genug auseinanderreden, aber schweigen wir darüber, hier hat das Jahrhundert an seinem brüchigsten Ort, einige Geister zum Denken befeuert und es hat sie verbrannt, damit sie zu wirken beginnen […].“ (Bachmann, I.: Malina, Piper,Sonderausgabe 1982, Gesamtherstellung in Wien) –
Bachmanns Blick allein inszeniert für die Rezipienten und vor sich selbst als eine Rechtfertigung des In-der-Welt-sein-Müssens, ein In-ihr-Stehen und -Sehen, ist in diesem Augenblick selbstbestimmter Direktor einer eigenen Gedankenbühne als Momentaufnahme und führt, weg vom Theater, nicht hinter die Kulissen, sondern zu dem, was vorher war und auch nachher sein muss, nach allen Bühnen sein muss, den Kulturstätten und „kultischen Administrationen eines Totenreichs“ zum Trotz zurück zu einer gefährdeten und zu gleich gefährdenden, vermeintlich ursprünglichen Natur. Aber sogar dort geht alles in Flammen auf, weil keine Einheit bestehen kann und die Sehnsucht als Suche nach dieser bleiben muss. Was zuvor schon fruchtlos war, muss brennen, damit es wirken kann und das wird nicht zu löschen sein.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Nicht spezifische Werke an sich, aber vielleicht Aspekte ihres Schreibens, die mir wichtig erscheinen …
Mich beschäftigen vor allem die Werke, wo die Dichterin (die Erzählstimme) über den Denker spricht, als eine Art absonderlicher Archetypus. Es ist meines Erachtens nur Wenigen gelungen, das Dichterdenken als eine zyklisch wiederkehrende Hybridform des ewigen Übergangs beider Disziplinen ineinander zu begreifen, zu leben, festzuhalten, abzubilden. Bachmann hat das im Gedicht nicht weiter verfolgt, dieses bewusste Abbrechen, das ich nie als ein Innehalten begriffen habe, das hat mich schon als Vierzehnjährige erstaunt und dann tatsächlich innehalten lassen, vor jedem Gedicht. Ich habe viele Eindrücke nie versprachlicht. Wie hätte man das seinem Deutschlehrer erklären sollen? Das brauchte einen langen Atem wie Ertüchtigungen und Übungen, fließend bis zum Ätherhauch hin. Das war keine Verweigerung, aber doch ein Zutrittsverbot für die, die das nicht mitfühlen oder denken konnten oder schlimmer, sich nicht einließen mit etwas wie Dichtung. Für mich war es, wie sich in die Sprache hineinatmen zu müssen, später auch über den perpetuierten Akt des Sprechens an sich, schließlich über gelebte Performanz. Es war ein Aus-sich-herausgehen-Müssen, ein Sich-auf-Zeit-Verlassen, Sichhingeben und Von-sich-selbst-Ablösen.
In einem Interview mit Kuno Raeber aus dem Jahr 1963 wird Bachmann gefragt, was ihr am wichtigsten in ihrer Produktion sei, Lyrik, Hörspiel oder Prosa. Sie antwortet: „Die sind mir alle eins […]“ und betont daraufhin, dass sie aufgehört habe, Gedichte zu schreiben, als ihr der Verdacht kam, sie „[…] »könne« jetzt Gedichte schreiben, auch wenn der Zwang, welche zu schreiben, ausbliebe. Und es wird eben keine Gedichte mehr geben, eh’ ich mich nicht selbst überzeuge, daß es wieder Gedichte sein müssen und nur Gedichte, so neu, daß sie allem seither Erfahrenen wirklich entsprechen.“
Ich muss dazu sagen, dass das Lesen ihrer Dichtung meine eigenen ersten lyrischen Versuche gestoppt und mich darüber lange im Gefühl reflektieren lassen hat, ich habe mich dann in mir selbst eingesponnen und einfach alles archiviert, was die Welt uns angetan hat in unvergleichlicher Brachialität, in ihrer radikalen Poetik, in ihrem schmerzhaft poetischen Ausdruck, der gewissermaßen ewig ist. –
Das hat sie mir gegeben, die Bachmann. Deshalb lese ich ihre Briefe nicht. Das wiederum möchte ich ihr geben, einen privaten, indifferent diffusen, nicht lesbaren Raum, eine Art Dunkelkammer, eingebettet in meiner Vorstellungskraft, sinnierend in meinem Denken, das manchmal das Gedicht, der Gedanke, die Erzählung einer anderen wird, etwas, das ich mit niemandem teile: Zutritt verboten. „Weil es darüber nichts zu sagen gibt. Das gehört in die Intimität von zwei Personen.“
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Diese Lesart ist für mein Empfinden natürlich gegeben, bleibt aber an der Oberfläche. Nehmen wir ihre Erzählung „Undine geht“. Die Lichtung der Begegnung mit Hans initiiert den ersten Schwellenmoment als ein unbestimmbarer Ort ohne Fokus, ein Ort, der immer ist und doch nie, ein Reich im Dazwischen. Denn es liegt überhaupt nicht in der Natur einer Undine (die personifizierte Natur ist) „zu gehen“, zu verführen, zu locken, zu rufen hingegen schon. Erst die Verbindung mit Hans, der, so die Erkenntnis Undines, alle Hänse ist, aber Undine ist auch alle Undinen (was aber nicht gezeigt wird), ermöglicht das Sich-Aufrichten in weiblicher (anscheinend übermenschlicher) Wut (und ja, die wird in unserer Zeit noch immer nicht genug wahrgenommen und oft als überemotionaler Ausbruch ohne Berechtigung gewertet). Wir schauen als Rezipienten aus Undines verletzter Sicht auf Hans, die eine fließende ist. Hans währenddessen ist das rationale, (aktiv) verletzende männliche Prinzip. Das Gehen wird doppelt aufgeladen, im Sinne eines Verlassens und gleichzeitig ist es ein Sich-Erheben, denn Undine ist und bleibt ein (in der Literaturgeschichte zumeist unbeseeltes) äußerlich menschlich anmutendes Wasserwesen aus einem dem Menschen verloren geglaubten Zauberreich. Sie ist nicht die vollendete (ganze, heile) Frau, sondern bekommt durch Hans erst die Möglichkeit, gehen zu lernen. Oder nehmen wir Malina, den männlichen Doppelgänger der Ich-Erzählerin, der bleibt, während Ivan (wie ein Hans von vielen) als Reibungsfläche, als Widerspieglung von Gewalt verschwindet. Ivan ist letztendlich nicht mehr als ein männlich geartetes/codiertes Symptom einer Krankheit, die unsere Zeit bestimmt. Tatsächlich geht es um die viel schwerwiegendere Integration des männlichen Doppelgängers, die Integration von überstandener Verletzung in einer an Dualität (auch im Sinne von Trennung) krankenden Welt.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ich bin mir nicht sicher, ob man sich da bewusst hineinbegibt, sagt, jetzt werde oder bin ich Schriftsteller, und so begründe ich jetzt mein Leiden, das ein edles ist, weil ich doch etwas zu sagen habe, das alle lesen/hören/sehen müssen. Da spricht auch die Verlegerin aus mir, die die absonderlichsten Geschichten hört, warum Menschen schreiben und warum ihr Buch in diese Welt muss, die es verändern wird. Persönlich habe ich mich lange zurückgehalten, was das literarische Schreiben angeht. Und ja, das Leben hat sich in mich eingeschrieben und doch ist es aus meiner Sicht nur eine mitunter sehr begrenzende Ausdrucksform. Das reicht mir nicht und es reicht mir auch nicht, diesen Weg als Martyrium zu versinnbildlichen. Aber ich verstehe genau, was es heißt, wenn Bachmann sagt: „[…] eh man sich nicht die Hand verbrannt hat, kann man nicht darüber schreiben.“ Für mich persönlich hat es drei Gräber (ein anonymes, ein Familiengrab und ein Dichtergrab), drei Formen zerstückelter Erinnerungen in ihrer Rückführung und drei Träume (einen ersten, zweiten und letzten) gebraucht, um für eine Zeitlang im Schreiben so unverwundbar heil zu sein, dass die Nachtgedichte (O Nyx. Nachtgedichte, kul-ja! publishing, 2025) entstehen konnten. Ich habe die Verbrennungen erst archivieren und dann überwinden müssen, die Erkenntnis dahinter war, dass ich sonst meine Leser verwunde, wie es Bachmann mit mir getan hat, und nicht jeder will und kann zur übertragenen Fackel werden, wohl aber sollte man Ausschau nach dem Brennen halten, denn das wird, wie Bachmann sagt, weder durch Frost noch Herbstwind zu erlöschen sein, es wird in der Welt wirken.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Keine Sorge, ich lese deine Briefe nicht.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Auf meine Nachtgedichte folgen mit Nereiden reden nicht in diesem Jahr endlich meine Tiefseegedichte begleitet von den Unterwassercollagen von Patrizia Spieker in die Welt. Sie erscheinen am 19. März zur Leipziger Buchmesse. Auch wird es bald eine Zusammenfassung aller meiner Kurzgeschichten in einem Band geben. Da hole ich mir gerade die Rechte von anderen Verlagen zurück. Die multidisziplinäre Künstlerin Sara Stubenbaum wird das im Bild umsetzen. Darauf freue ich mich von ganzem Herzen.
Mit der Verleihung des Deutschen Verlagspreises 2025 haben sich die Manuskripteinsendungen für kul-ja! publishing verdreifacht, das hat mein eigenes Schreiben leider etwas in den Hintergrund gedrängt. Das Verlagsteam arbeitet gemeinsam mit mir fieberhaft und bereits in Vorfreude auf die großen Buchmessen hin. Durch meine Vorlieben und unsere Autoren im Verlag rückt jetzt natürlich auch Wien in den Fokus. Außerdem baue ich gerade internationale Künstlerkooperationen auf, um weiterhin Talente sichtbar zu machen. Dafür brauchte es viele verschiedene Formen des Ausdrucks und eine gute, klar strukturierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Lieber Walter, und das möchte ich Dir schon länger sagen, es ist eine große Arbeit, die du für uns Kulturschaffende tust und die kann man nicht genug wertschätzen. Wir haben zu danken.
Undine geht_ Clara Montocchio, Sängerin, Schauspielerin_acting _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 5/24, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Wort & Bild
Undine geht _ Akrostichon
Text _ Harald Darer, Schriftsteller
Performance_ Clara Montocchio, Sängerin, Schauspielerin
UNDINE GEHT
Und
Niemals
Dachte
Ich:
Niemals
Erlöst
Gott
Eine
Horde
Täter
Harald Darer, 8.1.2025
Undine geht_ Clara Montocchio, Sängerin, Schauspielerin_acting _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 5/24.
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Kaffeetrinken, Nachrichten hören. Tief durchatmen. Hoffen, dass der Tag ohne die ganz großen Katastrophen vergeht. Und hoffen, dass der Widerstand gegen Verbrecher und Diktatoren anschwillt und zur befreienden Welle wird.
Dann setze ich mich an mein Manuskript. Mein neuer Roman spielt vor mehr als 2000 Jahren, in einer Zeit des Umbruchs, des Imperialismus und der Kulturkämpfe. Wissen muss bewahrt, Geiseln müssen gerettet werden, eine starke Frau sucht ihren Weg im zerstrittenen Europa. Ein topaktueller Roman also. Vor allem aber eine spannende Abenteuergeschichte vor historischem Hintergrund.
Runa Corvin, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht verzweifeln, nicht den Mut verlieren, nicht schweigen. Als ich jung war, hat unsere Generation die Älteren gefragt: Warum habt ihr das zugelassen? Uns selbst haben wir gefragt: Wie hätten wir gehandelt? Mit jugendlicher Überheblichkeit waren wir überzeugt, wir hätten das Richtige getan.
Was wollen wir unseren Kindern und Enkeln einmal antworten?
Wir können aus der Geschichte lernen, ob sie 100, 1000 oder 2000 Jahre zurückliegt. Wir müssen nicht hinnehmen, was ABBA damals sangen: „The history book on the shelf Is always repeating itself“.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kunst und Literatur müssen unbequem bleiben und sich nicht wegducken oder zähmen lassen. Sensitivity Reader scheinen einen höheren Stellenwert zu haben als Lektoren, die sich um Geschichte und Stil kümmern.
Schon im ersten Pandemiejahr fiel mir auf, dass die Verlage den Markt mit Wohlfühlbüchern überschwemmten. Der Blick auf die Büchertische in den Buchhandlungen verursachte mir Sodbrennen. Ein bisschen Herzschmerz hier, ganz viel idyllische Landschaft da, selbst die Krimis boten nur noch lustige Morde und nette, kauzige Ermittler. Überall leuchtende Farben und eine Prise Glitzer. Auch romantische Fantasy funkelt in allen Facetten. Kontroversen, echte Probleme und Gesellschaftskritik scheinen viele Verlagen heute als Kassengift zu sehen. Der Eskapismus blüht.
Natürlich will man sich auch mal in einen Roman oder Film hineinkuscheln, aber der Kokon darf nicht zum Grab des Verstandes werden.
Was liest Du derzeit?
Wie meist mehrere Bücher und Zeitschriften parallel, je nach Tageszeit und Stimmung zur Entspannung oder zur Recherche. Zum Beispiel „Rette die Katze“ von Blake Snyder. Immer zur Hand als Nachschlagewerk ist Jean-Louis Brunaux: „Druiden. Die Weisheit der Kelten“. Ich war froh, als ich es doch noch in der deutschen Übersetzung fand, nachdem ich mich durch das französische Original gequält hatte. Jetzt stehen beide nebeneinander in meinem Handapparat, der knapp zwei Regalmeter umfasst. Ich bin von Haus aus Journalistin, Recherche zählt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber wie bei jedem Artikel findet nur ein Bruchteil des Erlesenen den Weg in den fertigen Text. Der Unterbau muss stimmen, damit die Erzählung glaubhaft wird. Dann können die Leserinnen und Leser in die Story eintauchen und den Menschen folgen, die ich erschaffen und gemeinerweise sofort in Schwierigkeiten gebracht habe.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
J.R.R. Tolkiens Satz: “Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinaus zu gehen. Du betrittst die Straße und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.”
Runa Corvin, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Runa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Runa Corvin, Schriftstellerin
Zur Person/über mich:Runa Corvin wurde in einem Schwarzwaldtal geboren und lebt heute in der Weite Niedersachsens. Nach vielen Jahren als Journalistin ist sie es gewohnt, präzise zu recherchieren und komplexe Inhalte zugleich spannend und verständlich aufzubereiten. Unter ihrem Klarnamen veröffentlichte sie bereits drei Kriminalromane und zahlreiche Kurzgeschichten. Ihre neue Romanreihe verbindet ihre Erfahrung im Spannungsgenre mit ihrer Begeisterung für historische Stoffe.
Zur Person/über mich:Runa Corvin wurde in einem Schwarzwaldtal geboren und lebt heute in der Weite Niedersachsens. Nach vielen Jahren als Journalistin ist sie es gewohnt, präzise zu recherchieren und komplexe Inhalte zugleich spannend und verständlich aufzubereiten. Unter ihrem Klarnamen veröffentlichte sie bereits drei Kriminalromane und zahlreiche Kurzgeschichten. Ihre neue Romanreihe verbindet ihre Erfahrung im Spannungsgenre mit ihrer Begeisterung für historische Stoffe.
Fotos: Portrait: privat; Motiv _ Walter Pobaschnig.
Liebe Jacqueline McNichol, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tag beginnt meist ruhig und gemächlich, mit einer Tasse Kaffee in der Hand und einem Buch auf dem Schoß – ein Moment, um die Gedanken zu ordnen, bevor der Alltag startet und das Chaos der Termine hereinbricht. Gelegentlich arbeite ich projektbezogen als Dramaturgin, Regieassistentin oder auch in der Soufflage. Derzeit liegt mein Schwerpunkt jedoch auf meinem Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft sowie auf der Vorbereitung meines bald beginnenden Doktorats der Theaterwissenschaft. Anschließend widme ich mich dem Schreiben, überarbeite Kurzgeschichten oder beschäftige mich mit Theatertexten, die mich bewegen.
Zwischendurch gehe ich spazieren, lasse meine Gedanken schweifen und finde neue Impulse für meine Geschichten. Abends führt mich mein Weg entweder zu einer Vorstellung – hinter die Bühne oder als Zuschauerin ins Publikum.
Es ist die Fähigkeit, aufmerksam zuzuhören und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Gerade in Zeiten, die unübersichtlich oder belastend sein können, helfen Klarheit, Geduld und gegenseitige Wertschätzung, um die eigenen Ideen und Bedürfnisse wahrzunehmen. Gleichzeitig ist es wichtig, Räume für Kreativität, Reflexion und gemeinsames Nachdenken zu bewahren. Kleine Gesten, ehrliche und direkte Worte sowie ein offenes Herz können viel bewegen – im Theater wie auch im Alltag.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Vor einem Neubeginn wird es entscheidend sein, aufmerksam zu sein – für uns selbst und für andere. Theater und Kunst bieten dafür einen besonderen Raum: Sie machen Gefühle und gesellschaftliche Prozesse erlebbar, eröffnen Perspektiven und regen zum Nachdenken an. Schauspiel und Geschichten erlauben, Erfahrungen zu teilen, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen. Sie geben Orientierung, schaffen Empathie und zeigen, dass Veränderung möglich ist. Kunst kann Brücken bauen zwischen Menschen und zwischen Ideen, sie kann uns reflektieren, inspirieren und ermutigen.
Was liest Du derzeit?
Derzeit lese ich Versagen von Nora Weinelt – ein Essay, der sich mit der Bedeutung von Scheitern und dem Begriff des Versagens in unserer Gesellschaft auseinandersetzt. Weinelt zeigt, wie der aus der Mechanik stammende Begriff des Versagens in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden hat und wie sehr uns soziale wie innere Zuschreibungen darüber bestimmen, was als Erfolg oder Misserfolg gilt. Was mich besonders fesselt, ist der Anspruch des Textes, Scheitern nicht als bloßes Defizit zu lesen, sondern als kulturelle Kategorie, die unser Selbstverständnis wie auch unser Urteil über andere prägt. Die präzise Sprache und die klare Analyse laden dazu ein, die eigenen Erfahrungen von Bruch, Bewertung und Erwartung neu zu befragen – ein Prozess, der sowohl literarisch spannend als auch persönlich anregend ist.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Textimpuls, der mich beim Lesen von Versagen besonders berührt hat, stammt aus der einleitenden Beschreibung des Begriffs:
„Jemanden einen Versager zu nennen, ist die größtmögliche Beleidigung, wurzelt darin doch das Urteil, dass sich im Versagen der angesprochenen Person etwas Bahn gebrochen hat, das ohnehin nicht zu vermeiden war.“
Dieses Zitat bringt in wenigen Worten auf den Punkt, wie tief unser Denken von Zuschreibungen wie „Versager*in“ geprägt ist – und wie fundamental verletzend sie wirken können. Es lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir in Sprache und Bewertung mit Menschen und uns selbst umgehen, was wir als Scheitern markieren und welche narrative Kraft wir dem Begriff geben. Für mich ist das kein bloßer theoretischer Gedanke, sondern ein praktischer Impuls: unsere Sprache und unsere Zuschreibungen bewusst zu hinterfragen, um Raum für Verständnis, Offenheit und neue Perspektiven zu schaffen – sowohl im Theater als auch im Alltag.
Vielen Dank für das Interview, liebe Jacqueline, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Zur Person/über mich:Jacqueline McNichol | Dramaturgin | Regieassistentin | Souffleuse
Geboren in Wiesbaden, aufgewachsen in Oberösterreich, begann Jacqueline McNichol 2016 ihr Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien. Schon während der Studienzeit war sie an verschiedenen Theaterhäusern tätig, darunter am Landestheater Linz, am Volkstheater Wien, am Theater in der Josefstadt sowie am Burgtheater. Nach dem Studium arbeitete sie von 2019 bis 2021 als Regieassistentin am Salzburger Landestheater, von 2021 bis 2023 am Theater in der Josefstadt sowie 2023 und 2024 bei den Seefestspielen Mörbisch. 2022 wirkte sie als Dramaturgin bei der Theaterproduktion „Die gefesselte Phantasie“ (Regie: Achim Freyer) im Rahmen der Raimundspiele Gutenstein mit. 2023 betreute sie die Produktion „Die Kirche des Teufels“ am Ateliertheater Wien dramaturgisch. 2024 war sie als Dramaturgin bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf engagiert. Im Jahr 2025 schloss McNichol ihr Masterstudium ab. Ihre Masterarbeit wurde im selben Jahr in Buchform veröffentlicht. Während ihrer bisherigen Theaterlaufbahn arbeitete sie mit Regisseur*innen wie unter anderem Alexandra Liedtke, Claus Peymann, Stephen Medcalf und Andreas Gergen zusammen. McNichol lebt und arbeitet in Wien.
Bestsellerkultautor Jo Nesbø legt einen neuen Roman vor und das ist ein Spannungs- und Leseereignis erster Klasse! Der norwegische Autor versteht es auf einmalige Weise das Krimi Genre zu einem literarischen Kunstwerk zu formen, in dem er in Sprache und narrativer Form seit Jahrzehnten Maßstäbe setzt und dieses ständig weiterentwickelt. Das ist sehr beachtlich und zeichnet jedes seiner Bücher aus.
Die Geschichte selbst spielt mitten in den persönlichen Schicksalsschlägen wie gesellschaftlichen Zerrüttungen und Herausforderungen im mittleren Westen der USA, in welchen der Ermittler Bob Oz einen Mörder im Milieu von Waffenhandel und Drogen jagt. Es scheint ein undurchdringliches Geflecht von Rache, Gewalt und dunklem Geheimnis zu sein, dem Oz gegenübersteht. Doch er gibt nicht auf, schöpft gleichsam manisch aus dem Schmerz des Unfalltodes seiner dreijährigen Tochter Energie und jagt einem Phantom hinterher und sucht es zu fassen…eine Hochschaubahn zwischen Leben und Tod beginnt, doch die Zeit ist knapp…
„Das Krimi Genre als literarisches Kunstwerk – Jo Nesbø regiert!“
„Minnesota“ Jo Nesbø. Kriminalroman. Ullstein Verlag.
Zur Person/über mich:Jacqueline McNichol | Dramaturgin | Regieassistentin | Souffleuse
Geboren in Wiesbaden, aufgewachsen in Oberösterreich, begann Jacqueline McNichol 2016 ihr Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien. Schon während der Studienzeit war sie an verschiedenen Theaterhäusern tätig, darunter am Landestheater Linz, am Volkstheater Wien, am Theater in der Josefstadt sowie am Burgtheater. Nach dem Studium arbeitete sie von 2019 bis 2021 als Regieassistentin am Salzburger Landestheater, von 2021 bis 2023 am Theater in der Josefstadt sowie 2023 und 2024 bei den Seefestspielen Mörbisch. 2022 wirkte sie als Dramaturgin bei der Theaterproduktion „Die gefesselte Phantasie“ (Regie: Achim Freyer) im Rahmen der Raimundspiele Gutenstein mit. 2023 betreute sie die Produktion „Die Kirche des Teufels“ am Ateliertheater Wien dramaturgisch. 2024 war sie als Dramaturgin bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf engagiert. Im Jahr 2025 schloss McNichol ihr Masterstudium ab. Ihre Masterarbeit wurde im selben Jahr in Buchform veröffentlicht. Während ihrer bisherigen Theaterlaufbahn arbeitete sie mit Regisseur*innen wie unter anderem Alexandra Liedtke, Claus Peymann, Stephen Medcalf und Andreas Gergen zusammen. McNichol lebt und arbeitet in Wien.
Fotos: Portrait: privat; Motiv _ Walter Pobaschnig.
Petra Ganglbauer, Schriftstellerin_ Wien _ performing „Undine geht“ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 8/25 _ folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Wort & Bild
Undine geht _ Akrostichon
Text& Performance _ Petra Ganglbauer, Schriftstellerin_ Wien.
UNDINE GEHT
Uferlos weht meine Seele
Niemand findet es
Dieses Halbleben
Im Wellenspiel
Noch hoffe ich weit
Entfernt
Gehen ist Haltung
Eine poetische Erfindung
Hält das Gedicht
Trägt es weithin
Petra Ganglbauer, 6.1.2026
Petra Ganglbauer, Schriftstellerin_ Wien _ performing „Undine geht“ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 8/25
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.