Lieber Jill Marc Münstermann, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, Fertigmachen, Frühstück für die Kinder machen, damit diese zur satt zur Schule kommen und im Anschluss widme ich mich meiner vielseitigen Tätigkeit als Verleger, Autor und Selfpublishing-Coach. Als Ausgleich zum PC-lastigen Job gehe ich alle zwei Tage joggen.
Jill Marc Münstermann, Autor und Verleger
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich bin kein Freund von Pauschalisierungen, daher fällt mir eine Antwort auf diese Frage schwer. Wenn aber jede und jeder in seinem/ihrem Einflussbereich auf andere Menschen achtet, kommen wir bereits ein großes Stück weiter.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Stehen wir vor einem Aufbruch oder Neubeginn? Ich bin mir da nicht sicher.
Was liest Du derzeit?
Das sehr kontroverse „Der Untergang des Abendlandes“ von Oswald Spengler.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Mit dem Wissen wächst der Zweifel“ von Goethe.
Vielen Dank für das Interview, lieber Jill Marc, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Verlagsprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Jill Marc Münstermann, Autor und Verleger
Zur Person _ Jill Marc Münstermann, Jahrgang 1988, leidenschaftlicher Autor; hat nach sechs Jahren bei der Bundeswehr eine kaufmännische Lehre abgeschlossen und seinen Bachelor in International Business gemacht. Nach einigen Jahren im Verkaufsteam einer großen Bank, leitete er das Callcenter des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Nordrhein-Westfalen.
Von 2014 bis 2017 schrieb er nebenher für vier verschiedenen Verlage.
Seit 2018 betreibt er seinen eigenen Verlag, den er zu einem erfolgreichen Unternehmen ausgebaut hat. Zudem unterstützt Jill Selfpublisher und Kleinverlage dabei, ihre Bücher erfolgreich zu vermarkten.
Es ist ein Neuanfang für Richard in der Kleinstadt Ballantyne. Schwierig ist es. Vor allem auch neue Freunde zu finden…
Er lernt Tom kennen und die Natur wird zum Abenteuerspielplatz. Es ist Frühjahr und der Fluss ist ein Anziehungspunkt. Richard beeindruckt Tom mit einer Luke-Skywalker-Figur, die er in das reißende Wasser wirft, um zu sehen, was passiert dann mit dem Sternenkrieger und überhaupt.
Die Figur versinkt…
Und dann passiert das Schreckliche. Tom ist nicht mehr zu sehen. Ist er wie Luke am Grund des Wassers? Verzweifelt sucht Richard nach ihm…
Erfolglos.
Doch nun beginnen sich dunkle Geheimnisse zu öffnen…im reißenden Wasser von Gegenwart und Vergangenheit in Ballantyne…
Bestsellerautor Jo Nesbø legt mit seinem neuen Roman wieder eine spannende, abgründige Reise zu Mensch, Ort und Zeit vor, die von Beginn an packt und fesselt. Ein Leseereignis!
Das Nachthaus, Jo Nesbø. Roman. Ullstein Verlag.
Verlag _Ullstein Hardcover
Einbandart _Hardcover mit Schutzumschlag
Seitenanzahl _288 Seiten
Originaltitel _Natthuset
Übersetzung _Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob
Lieber Fritz Aigner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wenn ich auf Dreharbeiten bin oder meine Tochter bei mir ist, dann stehe ich auf und frühstücke sofort. Ansonsten hab’ ich da gar keine Lust drauf meistens.
Einen typischen Tagesablauf kenne ich gar nicht, und da bin ich sehr dankbar dafür, dass jeder Tag anders ist. Das ist auch das Schöne am Dasein als Filmemacher – die stete Abwechslung!
Fritz Aigner, Filmemacher
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Empathisch bleiben bzw. werden. Die Welt nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien denken. Ach, wenn es nur so einfach wäre, in Gut und Böse einzuteilen!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film, der Kunst an sich zu?
Ist das so? Aufbruch, Neubeginn? Da schwingt soviel Optimismus mit, für mich sind das in unserem Diskurs eher Worthülsen.
Ich sehe in erster Linie, dass die Zeit einfach vergeht, wie sie das immer tut. Und der Mensch bleibt dabei, auf Gewalt in all ihren Spielarten zu setzen. Auf sie zu verzichten – das wäre ein Aufbruch, ein Neubeginn.
Ich würde dem Film, der Kunst, gar keine Rolle zuschreiben. Sie ist einfach. Sie entsteht, weil Mensch ein Schaffensbedürfnis hat.
Was liest Du derzeit?
„Ritual & Verführung. Schaulust, Spektakel & Sinnlichkeit im Film“ vom hochgeschätzten deutschen Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich will dem Zuschauer keine Lösung geben. Weil er dann schlagartig aufhört zu denken.“ (Michael Haneke)
Vielen Dank für das Interview, lieber Fritz, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Film-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Fritz Aigner, Filmemacher
5 Fragen an Künstler*innen:
Fritz Aigner, Filmemacher
Zur Person _Fritz Aigner, Filmemacher
geboren 1981, Studium der Germanistik/Filmwissenschaft, arbeitet seit 2003 als freischaffender Filmemacher vorwiegend im Bereich des Dokumentarfilms für TV-Stationen, aber auch im Independent-Kino.
Filmographie (Auswahl): Meine jüdische Familie (TV-Doku 2023), Chamäleons (Kino-Doku 2021), Traumschlösser & Ritterburgen (TV-Doku-Reihe 2019 – 2023), Lassing – Die ganze Geschichte (TV-Doku 2018), The Morgenstern & Boyd Trilogy (Kino-Spielfilm 2017),…
Sabine Dengscherz, Schriftstellerin und Wissenschaftlerin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Sabine Dengscherz, Schriftstellerin und Wissenschaftlerin
Zur Person_Sabine Dengscherz, geb. Selzer, *1973 in Grieskirchen (OÖ), Schriftstellerin (Lyrik und Prosa), Wissenschaftlerin und Journalistin. Studium der Germanistik, Kommunikationswissenschaft und Hungarologie an der Universität Wien. Doktorat 2005, Habilitation 2019 am Zentrum für Translationswissenschaft. Unterricht an Universitäten in Ungarn, Russland, Österreich, Deutschland und Indonesien.
Seit 2016 Mitglied der GAV. Literarische Publikationen in Zeitschriften und Anthologien (v.a. im Fröhlichen Wohnzimmer). Lebt in Wien und Dénesfa.
Jede Jahreszeit hat ihre besonderen Qualitäten, Genüsse wie Geheimnisse und lädt dazu ein, die Fülle des Lebens zu erfahren und anzunehmen. Die Natur bietet hier sehr vieles für Leib und Seele. Obst, zu allen Tageszeiten, ein Aktivitäts- und Gesundbrunnen, ist dies auch in vielfältiger Form.
Liköre und Schnäpse, hergestellt mit besten Früchten im Erntekreislauf, sind eine Form des Zelebrierens besonderer Lebensmomente in Gemeinschaft oder persönlicher Stille an langen ruhigen Winterabenden wie in den folgenden Monaten des Frühlings, Sommer, Herbstes in ihrem je eigenen Rhythmus der Natur.
Das vorliegende Buch zu Likören/Schnäpsen bietet in wunderbarer Aufbereitung in Wort und Bild einen Überblick über die Fülle der Sorten wie den Möglichkeiten der Herstellung mit einfachen Mittel. Die Rezeptanleitungen sind Bestens aufbereitet und leiten hervorragend an.
Es ist aber auch ein Buch, um sich etwa über die stilvolle Präsentation in Gläsern, Karaffen zu informieren und da so manche Anregung mitzunehmen.
„Ein Buch als vielfältiger Sinnesschmaus zu allen Jahreszeiten!“
Lieber Rolf Blessing, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der Wochentag beginnt mit einem ungestörten Zeitungs- und Radiofrühstück, dem eine Zeit im Büro folgt, wo ich Korrespondenz pflege, über Nacht entstandene Ideen verarbeite, an Korrekturen arbeite, Telefonate erledige, recherchiere.
Zum Abschluss des „Morgenbüro’s“ schaue ich sehr gerne in die digitalen Tageszeitungen dieser Welt (Times, Monde, Pais, Sydney Morning usw), um mir ein internationales Bild zu verschaffen.
Es folgen Spaziergänge, Einkäufe und div. Erledigungen. Nachmittags schließt sich im Sommer Gartenarbeit an, im Winter dem Wetter entsprechende Aktivitäten (Malen, Bildhauern, Schreiben usw.).
Die Abendstunden gehören der Muße.
Rolf Blessing, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die Zeiten nehmen eine gefährliche Struktur an, die verlangt, zu polarisieren. Davor sollten wir uns hüten.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und Kunst waren schon immer – da, wo sie frei waren, – sowohl ein Spiegel/Dokument ihrer Zeit als auch Vorläufer von Aufbruch und Neubeginn. Letztlich haben beide nun die Chance, etwas zu verändern, und zwar im Sinne einer humanitäreren Welt.
Was liest Du derzeit?
Chaim Soutine – Gegen den Strom
von Susanne Gaensheimer und Susanne Meyer-Büser (eine Biographie über den heute nahezu unbekannten, aber zu seiner Zeit einer sehr breiten Öffentlichkeit bekannten französisch / polnisch/ jüdischen Maler)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„den Pfeil in der Ferse
den Speer im Rücken
Ruhm auf ewig
hätten die Helden
dieser Welt
auf andere gehört
was wäre
aus ihnen geworden“
aus „Helden“ (War ich bisher ein Drachentöter – Gedichtband Rolf Blessing)
Vielen Dank für das Interview, lieber Rolf, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Rolf Blessing, Schriftsteller
Zur Person _ Rolf Blessing, Jahrgang 1957, studierte Verwaltungswissenschaften in Duisburg und Betriebswirtschaft in Bochum, lebt in Mülheim an der Ruhr, Autor mit dem Schwerpunkt Lyrik, veröffentlicht sind bisher 7 Gedichtbände, 1 Erzählband, 1 Roman, 1 Kinderbuch, vertreten in zahlreichen Anthologien auch im deutschsprachigen Ausland.
Liebe Annett Krendlesberger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich habe gerade die Recherche für eine längere Arbeit abgeschlossen und igle mich am Vormittag und späteren Abend meistens zu Hause zum Schreiben ein (zumindest mit Ohropax, manchmal sogar zusätzlich mit Gehörschutz). Auch habe ich wieder begonnen zu laufen, wegen einer Sportverletzung musste ich leider längere Zeit pausieren. Ich laufe gern bergauf (bei uns ist es recht hügelig), aber dafür wirklich langsam. Dieser Trott hat etwas Meditatives für mich. Die Runde bis zum Ende durchzuhalten ist das (einzige) Ziel.
Annett Krendlesberger, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich muss mittlerweile richtiggehend aufpassen, nicht von Ohnmachts- oder Resignationsgefühlen wegen fast ununterbrochener Schocknachrichten aus aller Welt weggetragen zu werden. Vor allem manche Bilder sind kaum noch aus dem Kopf zu kriegen, wenn sie einmal hineingelangt sind. Immer öfter sehne ich mich fast nach absoluter Medienabstinenz. Ich kann das globale Leid nicht schultern oder auch nur lindern, aber vor dem Fernseher zu heulen oder zu fluchen bringt niemandem etwas. Stattdessen versuche ich, halbwegs bei mir zu bleiben und im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten, also zunächst einmal in meinem direkten Umfeld, bei Bedarf effizient zu helfen oder sonst wenigstens Solidarität zu zeigen, und Mitgefühl.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Jede ernsthafte künstlerische Arbeit steht für sich, das muss sie. Sie ist. Und sie bewegt als Ausdruck, als ganz eigene Sicht auf die Welt. Ob dieser Ausdruck jetzt eher leiser ist oder ganz laut, sollte dabei eigentlich überhaupt keine Rolle spielen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass in unserer Kulturrealität gerade die besonders laute Darstellung oft viel Aufmerksamkeit bekommt. Zu viel in meinen Augen. Auch Leises, Zartes kann bewegen; vielleicht nicht immer so direkt oder offensichtlich, aber umso nachhaltiger.
Was liest Du derzeit?
Von Ilse Helbich Anderswohin, von Dorina Marlen Heller und Sophie Morin Schwestern im Vers, und auch immer wieder Gedichte von Mascha Kaléko, und auch die Texte aus dem Nachlass und ihre Briefe.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Einen Ausschnitt aus Ilse Helbichs Buch Anderswohin, Vom Träumen, Suchen und Finden (S. 76):
„(…) Sonst geschah nichts. Die Stille, die immer dichter wurde, wollte nichts von ihr, und sie wollte nichts in dieser Stille. Sie war da in diesem Raum, der der Pferdestall war. Nach einer Weile, sie wusste nicht, wie lange sie so dagesessen war, kletterte sie von ihrem Hochsitz. Sie schloss die Stalltür hinter sich so leise, wie sie sie geöffnet hatte. Sie würde jetzt nachhause gehen. Zeit zum Abendessen. Die große Stille nahm sie mit. (…)“
Vielen Dank für das Interview, liebe Annett, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Annett Krendlesberger, Schriftstellerin
Zur Person _Annett Krendlesberger 1967 in Wien geboren, lebt dort als freie Autorin. Studium der Philosophie, Theaterwissenschaft und Betriebswirtschaft an der Universität Wien. Berufstätigkeit in verschiedenen Dienstleistungsunternehmen, zuletzt Projektarbeit in der Erwachsenenbildung. Seit 2005 Veröffentlichung von Prosa- und Lyriktexten in Literaturzeitschriften (Freibord, Lichtungen, Podium, u.a.) und Anthologien (Versnetze, Jahrbuch österreichischer Lyrik, u.a.).
„Kein Du tritt auf. Im Dunkeln tappen Kein Du. Wie lange noch?“
Es geht um Sprache, um die Grenzen der Mitteilbarkeit, ums Verstehen, Verstanden-werden-Wollen. Annett Krendlesberger lotet Beziehungen aus. Das literarische Ich flüchtet in die Bildersprache, die Sprache der Kunst. Das Kunstwerk als Rettungsanker, als wahrhaftigstes Mittel beim Versuch, ein Du, das seiner Sinne beraubt, zu erreichen, an seiner Gefühlswelt teilzunehmen, seine Ängste zu teilen. Es geht um Verbindung, um einen verbindenden Prozess, ums Bewahren und Annehmen, Sich-eines-anderen-Annehmen. Sodass aus Angst Hoffnung werden kann.
Vom Kunstwerk zum Text, vom Text zum Gedankenbild, vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte: Eine Gedankenbilderspur, basierend auf Werken von Johanna Kampmann-Freund, Lilly Steiner, Mileva Roller, Friedl Dicker u.v.a.
Liebe Connie Albers, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf sieht so aus, dass ich mich jeden Morgen zunächst mit guten Gedanken bzw. Meditationen auf den Tag einstimme, Kaffee trinke und meine E-mails lese und abarbeite. Sodann beschäftige ich mich mit Marketing überwiegend in Social Media, akquiriere Lesungen und Ausstellungen und das tue, was ansonsten getan werden muss, um einen erfüllten Tag zu haben. Ich bin ja auch schon Großmutter und da darf die Familie nicht zu kurz kommen. Aber ich male und schreibe zwischendurch immer, was mir gerade in den Sinn kommt. Morgens schreibe ich als erstes oft Tagebuch. Das hilft mir dabei, meine Gedanken zu sortieren.
Connie Albers, Autorin, Malerin, Kunsttherapeutin, Psychologische Beraterin und Coach
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht aufzugeben und nicht wegschauen. Unsere Talente sinnvoll für das Allgemeinwohl einzusetzen, der Kunst den Stellenwert wieder einzuräumen, den sie ursprünglich hatte. Nämlich Menschen anzusprechen, sie zu inspirieren und zum Nachdenken anzuregen.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und mit der Zeit verlieren schreckliche Nachrichten ihren Schrecken. Dennoch achtsam bleiben und mitfühlend Anteil nehmen. Den Leidtragenden Achtung zollen und Worte schenken ist das Mindeste. Menschen Mut machen und Inspiration geben ist mir ein wichtiges Anliegen. Mit meinen Engelbildern und -botschaften versuche ich den Wirrungen im Außen entgegenzusteuern. Wir können die Welt nicht retten, aber wir können dort, wo wir zuhause sind und wirken für ein wenig Frieden sorgen und Licht bringen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Die Aufgabe der Kunst muss es sein, wenn nötig, den Finger in die Wunde zu legen und aufmerksam zu machen auf Missstände. Dorthin schauen und sichtbar machen, was gerne verborgen wird. Den Menschen eine Stimme geben, die keine mehr haben. Kunst soll aber auch inspirieren, die Sinne anregen, die Seele berühren. Kunst wirkt heilsam. Beim Malen kommt der Mensch mit seiner Seele in Berührung, und auch beim Schreiben entdeckt er sich immer wieder neu. Wer künstlerisch tätig ist, kommt nicht auf die Idee, Kriege zu inszenieren. Gerade in der heutigen, unruhigen Zeit, in der viele Menschen die Orientierung verloren haben, finde ich es wichtig, dass die heilende Wirkung der Kunst noch mehr Beachtung findet.
Was liest Du derzeit?
Ich lese meistens Fachbücher im Bereich Psychologie, aber auch lyrische Texte, z. B. von Ulrich Schaffer. Im Prinzip mag ich Literatur, die stärkend und aufbauend ist. Wichtig ist, dass das, was ich lese, mich in der Seele berührt. Es darf aber gerne auch heiter sein und mich zum Schmunzeln anregen. Ich habe da keine speziellen Vorlieben, ich lese einen Klappentext oder eine Rezension und entscheide spontan, das muss ich haben.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Aus meinem Buch „Mohnrot-Einundzwanzig Tage im Ukraine-Krieg“:
Träume weben
Die meisten
Träume werden gewoben
aus Fäden der Verzweiflung
oder der Trauer.
Sie werden zu einer Decke,
die schützend ist
und wärmt.
Aus welchen Fäden
sind deine Träume?
Wusstest du,
dass die reißfesteten
Stoffe aus den Fäden
der Hoffnung
entstehen?
(Connie Albers, 2022)
Connie Albers, Autorin, Malerin, Kunsttherapeutin, Psychologische Beraterin und Coach
Vielen Dank für das Interview, liebe Connie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Connie Albers, Autorin, Malerin, Kunsttherapeutin, Psychologische Beraterin und Coach
Zur Person _ Connie Albers, geb. 15.03.1956 in Frankfurt am Main, lebt mit ihrer Familie in Kelkheim im Taunus. Sie hat zwei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder.
Ihr Berufsleben brachte sie mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen. Daraus resultiert ihr Interesse für den Mensch und seine Alltagsnöte, das sich nun in ihren Büchern widerspiegelt. Seit vielen Jahren malt sie Engel und sendet diese mit mutmachenden Botschaften in die Welt. Neben ihrer Autorentätigkeit ist Connie Albers Malerin, Kunsttherapeutin, Psychologische Beraterin und Coach.
Ihre Vision, Spirituelles, Künstlerisches und Heilendes miteinander zu verbinden und in einem Buch zusammenzufassen, verwirklichte sie 2017 mit „Umarmt von Deinem Engel“ und im Jahr 2020 mit „Der Schatz liegt in dir – Krisen bewältigen mit Hilfe der Engel.“ Die Bilder, Botschaften und Texte ihrer Engel sind inspirierend und wohltuend. Die Leser bekommen Impulse, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und es mit mehr Farbe und Freude zu füllen. „Jöpe mit dem Himmelslicht“ ist ein weiteres Herzensprojekt, das sie für kleine und große Menschen geschrieben hat. In diesem zauberhaften Buch geht es vor allem darum zu zeigen, dass jedem Menschen Talente und Fähigkeiten innewohnen und sie ihr Licht am besten zum Strahlen bringen, wenn sie den für sie richtigen Ort gefunden haben.
Im Frühjahr 2022 ließ sie sich vom Schicksal der aus der Ukraine geflüchteten Frauen mit ihren Kindern berühren. So entstanden die lyrischen Texte „Mohnblumenrot“, in denen es um die unterschiedlichen Emotionen geht, die mit Krieg, Flucht und Vertreibung einhergehen.
Die Inspiration, ihre Empfindungen ins Lyrische zu übersetzen, erhielt die Autorin durch das Symbol Mohnblume. Sie stieß bei Recherchen auf die Geschichte des kanadischen Offiziers John McCrae, der im Jahr 1915 zur Zeit des Ersten Weltkrieges in Flandern seine Empfindungen am Grab seines gefallenen Freundes aufschrieb. Ihm war aufgefallen, dass zwischen den Soldatengräbern bevorzugt Mohnblumen wuchsen. Aufgrund dieses Gedichts wurde die Mohnblume vor allem in Belgien und England zum Symbol des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg. Leider erlebte John McCrae selbst die Veröffentlichung seiner Zeilen nicht, er starb 1918 an den Folgen einer Meningitis.
Veröffentlichungen:
2017 „Umarmt von deinem Engel“ Brighton Verlag
2020 „Der Schatz liegt in dir“ Book on Demand
2020 „Jöpe mit dem Himmelslicht“ Florett Verlag
2021 „Weihnachten im Taunus“ (Anthologie) Wellengeflüster-Verlag
2023 „Mohnrot – einundzwanzig Tage im Ukraine-Krieg“ Edition Pauer
Liebe Laura Theis, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der kann je nach Projekt ganz verschieden aussehen, aber jeder Tag enthält Spaziergänge durch die schöne und oft verregnete Landschaft meiner Wahlheimat Oxford mit meinem Hund… An einem idealen Tag außerdem eine lange Schreib-Session in der Bücherei und ein Schreib-Workshop oder eine Lesung/ein OPEN MIC…
Laura Theis,Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Gemeinschaft, do-it-together, Toleranz, Offenheit, für einander und den Planeten sorgen…
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir uns nicht zu individualistisch und vereinzelt fühlen. Ich hoffe, dass Literatur uns verbindet und hilft, uns in andere hineinzuversetzen und Empathie zu entwickeln und uns vorzustellen, was alles möglich ist…und auch wahrzunehmen, was jetzt schon da ist.
Laura Theis,Lindi Dedek – book launch „tinted trails“
Was liest Du derzeit?
Zurzeit lese ich den Kurzgeschichtenband Normal Rules Don’t Apply von Kate Atkinson und Bright Fear, den neuesten Gedichtband von Mary-Jean Chan.
Und natürlich die Tinted Trails Anthologie!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Diese End-Zeilen aus dem Gedicht “We Weren’t Raised By Wolves But” – das letzte Gedicht aus meinem neuen Buch „A Sotter`s Guide To Invisible Things.“
“…the pet birds let us know that
if the people in charge forget about you
you soon run out of water and die
so you must sing to survive”
Vielen Dank für das Interview, liebe Laura viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Laura Theis,Schriftstellerin
Zur Person _Laura Theis’ Texte erschienen bisher in Poetry, Mslexia, Magma, Rattle und weiteren. Ihr Debut how to extricate yourself wurde für den Elgin Award nominiert, war ein Oxford Poetry Library Buch des Monats und gewann den Brian Dempsey Memorial Preis. Theis wurde bisher ausgezeichnet mit dem AM Heath Preis, EAL Oxford Brooks Lyrikpreis, Mogford Preis, Hammon House International Literaturpreis, und für den Forward Preis nominiert. Sie war auf der Shortlist für den Women Poets’ Preis und den Bridport Preis sowie Finalistin in der National Poetry Competition, der Alpine Fellowship und für den BBC Short Story Award. Ihr zuletzt erschienenes Buch A Spotter’s Guide To Invisible Things wurde mit dem Live Canon Collection Preis ausgezeichnet und mit dem Arthur Welton Award der Society of Authors prämiert.
Aktuelles internationales Buchprojekt mit Laura Theis_
Tinted Trails Exploring Writings in English as a Second Language
Texte von Laura Theis, die in Tinted Trails erschienen sind: Theis‘ Gedicht „Sito“ (Neuveröffentlichung)
AN ANTHOLOGY BY TINT EDITED BY Lisa Schantl, Filippo Bagnasco, Andrea Färber and Chiara Meitz
GUEST EDITORS Marjorie Agosín and Juhea Kim
CONSULTING EDITORS Matthew Monroy and John Salimbene
ART CURATOR Vanesa Erjavec
FORUM STADTPARK
Tined Trails
Exploring Writings in English as a Second Language
features a best-of Tint Journal texts from issues #01 to #10, as well as new works by renowned ESL authors to show the wide and bright kaleidoscope of worldwide literature in English.
The book holds 35 texts, both poetry and prose, organized in four chapters, carefully assembled by guest editors Marjorie Agosín and Juhea Kim, consulting editors John Salimbene and Matthew Monroy, and the anthology editors Lisa Schantl, Filippo Bagnasco, Andrea Färber and Chiara Meitz. The artworks were curated and the illustrations drawn by Tint Art Editor Vanesa Erjavec.
Release: November 2023 Publisher: Verlag FORUM STADTPARK Price: € 22,- ISBN: 978-3-901109-84-3
Tint Journal is the leading online literary journal for those who write prose and poetry in English as their second or non-native language.
By choosing English as their creative tool, these writers provide an extensive audience with a window into their values, ideas, and beliefs. Coming from a wide variety of backgrounds, they bridge borders and blend cultures, offering the purest and deepest understanding of their fiction and nonfiction worlds.
Over the years, Tint has become a multifaceted platform for emerging and established ESL writers, and it encourages them to embrace their non-native English backgrounds. Their unique linguistic landscapes shape their creative voices and influence their readers’ experiences. This quality has been ignored— even shamed— for too long.
Through the innovative, tinted lenses of ESL writers, Tint shines a light on the ways that authors all over the globe can contribute to what we know as literature in English
„Helnwein“ _ laufende Ausstellung Albertina Wien _ 25.10.2023 – 18.02.2024_ Fotos_Walter PobaschnigHELNWEIN. Hg. Elsy Lahner, Klaus Albrecht Schröder. Hirmer Verlag
Es ist eine der spektakulärsten Ausstellungen des Kunstjahres. Der 75.Geburtstag des Ausnahmekünstlers Gottfried Helnwein ist in der Albertina Wien (seiner Heimatstadt) Anlass für eine große Retrospektive, die sein umfangreiches Werk eindrücklich vorstellt.
Hervorzuheben ist im Werk Helnweins zunächst die außergewöhnliche Intensität, die beim Betrachten sofort umfängt, fasziniert und erschüttert. Die angewandte Technik, die mittels der Materialien Öl/Acryl eine außerordentlich in den Bann ziehende Ausdruckstärke erreicht, die gleichsam Fotografie, Film und Malerei ineinander führt, ist einzigartig. Diese neue, innovative Form der Kunst wird zum unverwechselbaren stilistischen Markenzeichen.
Der außergewöhnlichen Form korrespondiert die Thematik die Werke, die von der Gewalt, dem Krieg, den Tabus in der Gesellschaft ausgehen und diese in der Form des Hyperrealismus darstellen. Beim Besuch der Ausstellung fällt das faszinierte Verweilen der Besucher:innen auf, die sich dieser thematischen Sichtbarmachung stellen. Helnwein trifft hier in das Herz der Gesellschaft in all ihren tragischen Verstrickungen und Auswirkungen von unterdrückter, unaufgelöster Gewalt bis in die Gegenwart.
Der Ausstellungsband, in gewohnt hervorragender Editionsqualität, bietet eine wunderbare Zusammenschau in Werk und Analyse und lässt die sehr gelungene Ausstellung wiedererleben bzw. neu kennenlernen.
HELNWEIN. Hg. Elsy Lahner, Klaus Albrecht Schröder. Hirmer Verlag.
Zum 75. Geburtstag von Gottfried Helnwein: die große Schau in der Albertina
Beiträge von E. Lahner, K. Speidel
152 Seiten, 130 Abbildungen in Farbe
24,5 x 28,5 cm, gebunden
ISBN: 978-3-7774-4207-5
Deutsche Ausgabe
34,90 € [D] | 35,90 € [A]
GOTTFRIED HELNWEIN
Realität und Fiktion
Zum 75. Geburtstag von Gottfried Helnwein zeigt die ALBERTINA eine große Ausstellung der Werke der letzten zwei Jahrzehnte. Das Werk des in Wien geborenen Künstlers Gottfried Helnwein ist von der Auseinandersetzung mit den Themen Schmerz, Verletzung und Gewalt geprägt. Als zentrales Motiv dient ihm die Figur des verletzbaren und wehrlosen Kindes, das stellvertretend alle psychologischen und gesellschaftlichen Ängste verkörpert.