Lieber Fritz Aigner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wenn ich auf Dreharbeiten bin oder meine Tochter bei mir ist, dann stehe ich auf und frühstücke sofort. Ansonsten hab’ ich da gar keine Lust drauf meistens.
Einen typischen Tagesablauf kenne ich gar nicht, und da bin ich sehr dankbar dafür, dass jeder Tag anders ist. Das ist auch das Schöne am Dasein als Filmemacher – die stete Abwechslung!

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Empathisch bleiben bzw. werden. Die Welt nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien denken. Ach, wenn es nur so einfach wäre, in Gut und Böse einzuteilen!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film, der Kunst an sich zu?
Ist das so? Aufbruch, Neubeginn? Da schwingt soviel Optimismus mit, für mich sind das in unserem Diskurs eher Worthülsen.
Ich sehe in erster Linie, dass die Zeit einfach vergeht, wie sie das immer tut. Und der Mensch bleibt dabei, auf Gewalt in all ihren Spielarten zu setzen. Auf sie zu verzichten – das wäre ein Aufbruch, ein Neubeginn.
Ich würde dem Film, der Kunst, gar keine Rolle zuschreiben. Sie ist einfach. Sie entsteht, weil Mensch ein Schaffensbedürfnis hat.
Was liest Du derzeit?
„Ritual & Verführung. Schaulust, Spektakel & Sinnlichkeit im Film“ vom hochgeschätzten deutschen Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich will dem Zuschauer keine Lösung geben. Weil er dann schlagartig aufhört zu denken.“ (Michael Haneke)
Vielen Dank für das Interview, lieber Fritz, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Film-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:
Fritz Aigner, Filmemacher
Zur Person _ Fritz Aigner, Filmemacher
geboren 1981, Studium der Germanistik/Filmwissenschaft, arbeitet seit 2003 als freischaffender Filmemacher vorwiegend im Bereich des Dokumentarfilms für TV-Stationen, aber auch im Independent-Kino.
Filmographie (Auswahl): Meine jüdische Familie (TV-Doku 2023), Chamäleons (Kino-Doku 2021), Traumschlösser & Ritterburgen (TV-Doku-Reihe 2019 – 2023), Lassing – Die ganze Geschichte (TV-Doku 2018), The Morgenstern & Boyd Trilogy (Kino-Spielfilm 2017),…
Foto_privat
Walter Pobaschnig _ 18.11.2023