Lieber Lojze, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nach dem Aufstehen ein Häferl warmes Wasser, danach kommt der Kaffee, dazwischen eine Suppe oder ein Müsli, Zeitungen durchblättern, dann die Mails durchsehen und beantworten; waschen, anziehen oder, wenn Dringendes ruft, am Laptop das Dringende erledigen. Es drängt sich, zwei Jahre nach der aktiven Verlegerzeit, immer noch Einiges auf. Vorarbeiten dazu finden nächtens, in den Phasen des Munterseins, am Samsung statt. Weiters Recherchieren, Organisatorisches das Archiv betreffend erledigen. Der Vormittag wird mit diesen Dingen verbracht. Mit Barbara gemeinsam Mittagessen kochen und essen. Danach ein wenig ruhen. Luft schnappen, Heimtrainer für eine halbe bis dreiviertel Stunde treten, später noch Chi Gong Übungen. Ab späterem Nachmittag lesen und schreiben. Nachrichten schauen. Film im TV finden. Ein Glas Wein trinken. Im Bett wieder lesen. Schlafen, meist unruhig, in der Nacht ein bis zweimal zum Klo wanken. Zwischen sieben und halb acht aufstehen. Nach dem Aufstehen – siehe oben.
Lojze Wieser, Verleger
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Für uns? Kann ich das so überhaupt sagen, wo ich im Selbstzweifel nicht einmal über die Geschehnisse der Zeit für mich nicht immer weiß, was wichtig ist. Vieles erscheint zeitgleich und ist laut und man hat das Gefühl, dass sich nur die Lauten und ihre Behauptungen durchsetzen. Sie stehlen uns die Zeit, darüber nachzudenken, was tatsächlich vorgeht und auf uns zukommt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und Kunst: Beobachten, Notieren, Finden, (Be)fragen, Ausloten …
Was liest Du derzeit?
Ivan Cankar, Na klancu; Peter Handke, Ponovitev slowenische Ausgabe, 1988 (Die Wiederholung), und Innere Dialoge an den Rändern, 2016 – 2021; Dimitré Dinev, Zeit der Mutigen; Eveline Hasler, Ibicaba; Carlo Levi, Christus kam nur bis Eboli; France Prešeren, Pesmi (Gedichte); »Lesezirkel« der Wiener Zeitung aus dem Jahre 1987 und historische Kochbücher.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich zitiere hier aus der Vorlesung einen entlegenen Satz von Ingeborg Bachmann („Umgang mit Namen“, nach Sigrid Weigel, Ingeborg Bachmann, Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses, Wien 1999). Im Zauberatlas ihrer Welt spielt das Galizien der K & K-Monarchie hinein. Als Synonym für Mehrsprachigkeit, das auch ihr Schreiben seit den Anfängen im Honditschkreuz, als 17jährige, begleitet, die sie in ihren Figuren – wie in Das Buch Franza – auferstehen lässt. Im Interview, nach Reisen durch Osteuropa (Prag 1964, Polen Mai 1973, Auschwitz und Birkenau) findet sie sich gewissermaßen wieder:
„Ich war vor kurzem in Polen, zum ersten Mal habe ich wieder bemerkt, wo ich hingehöre. Denn ich bin ja eine Slawin und Slawen sind anders (…)“. (Weigel, in: Elisabeth Soos, Ingeborg Bachmann und das Gailtal, S. 318)
Gerade im Gedicht Prag Jänner 1964 findet sich dieses Hingehören.
„Seit jener Nacht / gehe ich und spreche ich wieder, / böhmisch klingt es, / als wäre ich wieder zu Hause, // wo zwischen der Moldau, der Donau / und meinem Kindheitsfluß / alles einen Begriff von mir hat.“
Lojze Wieser, Verleger
Vielen Dank für das Interview, lieber Lojze,viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Lojze Wieser, Verleger
Zur Person/über mich:Lojze (Alois) Wieser, * 9. Juni 1954 Klagenfurt, Verleger.
Biografie
Wieser wuchs im Südkärntner Ort Tschachoritsch (Čahorče), Teil der zweisprachigen Gemeinde Köttmannsdorf (Kotmara vas) auf. Nach der Volksschule besuchte er das slowenische Gymnasium in Klagenfurt. In weiterer Folge absolvierte er eine Buchhandelslehre und gründete eine eigene Druckerei in Wien. Von 1981 bis 1986 leitete der Kärntner Slowene den Drava Verlag, der sich auf slowenische Bücher bzw. Übersetzungen slowenischer Literatur ins Deutsche spezialisierte. 1987 gründete er den Wieser Verlag, den er bis 2024 leitete. 2016 übernahm dieser auch den Drava Verlag.
Ausgehend von der Überzeugung, dass Literatur Vorurteile abbauen und Brücken zwischen Kulturen errichten kann, begann er, slowenische, kroatische, serbische, albanische, bulgarische, rumänische, ungarische, tschechische, slowakische und polnische Belletristik in deutschen Übersetzungen zu publizieren und damit fremdsprachige Klassiker im deutschen Sprachraum bekanntzumachen. Er begründete die Reihen „Europa erlesen“, das Kulinarikjournal „Der Geschmack Europas“ und die „Wieser Enzyklopädie des Europäischen Ostens“. Laut Verlagswebsite verlegte Wieser fast 1.000 Werke, darunter rund 350 Übersetzungen aus dem ostmittel- und südosteuropäischen Raum. Er ist selbst Autor und Herausgeber einer Vielzahl an Publikationen zur Kultur im weitesten Sinn (inklusive der Kulinarik).
Von 2013 bis 2024 betrieb Lojze Wieser in ORF und 3sat die eigene Sendereihe „Der Geschmack Europas“. In deren Rahmen er durch europäische Länder und deren Küchen streift, auf außergewöhnliche Menschen trifft und unerwartete Blicke auf Geschichte und Kultur Europas eröffnet. Er zehrt aus eigenen Reiseerfahrungen, erforscht kulturgeschichtliche Hintergründe, gewürzt mit Anekdoten eines weitgereisten Feinschmeckers und Hobbykochs.
Für seine Verdienste um die Kultur-, insbesondere Literaturvermittlung, wurden der Verleger und seine Werke mehrfach ausgezeichnet. Wieser war aber auch das Ziel von Morddrohungen und Anschlägen. 1994 war er einer der Adressaten einer von Franz Fuchs im Zuge dessen Anschlagserie verschickten Briefbombe.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Liebe, Leben und Gesellschaft in Erinnerung und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Liebe Eva, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Lieber Walter, Deine Fragen zu Ingeborg Bachmann erreichen mich in Rom, wo sie ja jahrelang gelebt hat und schließlich auch gestorben ist. Es freut mich, dass ich nun die Gelegenheit habe, hier, vor Ort, schreibend über sie nachzudenken.
Rom, Tiber _ Eva Schörkhuber, 1/26, weitere
„Gelernt habe ich etwas von den Italienern, das ist schwer zu erklären. Denn man kann von ihnen etwas lernen, wenn man alles wegwirft, jede Vorstellung, die man sich vorher gemacht hat davon. Es sind nicht die Schönheiten, nicht die Orangenbäume und nicht die herrliche Architektur, sondern die Art zu leben. Ich habe hier leben gelernt.“ Ingeborg Bachmann im Interview mit der Wiener Journalistin Gerda Haller im Juni 1973 in Rom. „Ein Tag wird kommen“ Jung und Jung Verlag, 2004.
Ingeborg Bachmann zog im Frühjahr 1954 nach Rom und blieb hier bis zu ihrem Tod *17.10.1973. In zahlreichen Texten, Interviews nimmt sie auf „ihr erstgeborenes Land“ Bezug.
Das erstgeborene Land In mein erstgeborenes Land, in den Süden zog ich und fand, nackt und verarmt und bis zum Gürtel im Meer, Stadt und Kastell. Vom Staub in den Schlaf getreten lag ich im Licht, …. Und als ich mich selber trank und mein erstgeborenes Land die Erdbeben wiegten, war ich zum Schauen erwacht. Da fiel mir Leben zu. Da ist der Stein nicht tot. Der Docht schnellt auf, wenn ihn ein Blick entzündet.
aus „Anrufung des Goßen Bären“ Ingeborg Bachmann, 1956
Das Werk von Ingeborg Bachmann hat für mich insofern eine große Bedeutung, als sie und ihr Schreiben zu den allerersten Weggefährtinnen meines eigenen Schreibens zählen – ein sprachlicher Leuchtturm, an dem ich mich, schwankend und schaukelnd auf der aufgewühlten See der Worte, zu orientieren begonnen habe; das in diesem Werk immer wieder mutig und leidenschaftlich aufgenommene Unterfangen, das zu verhandeln, was Lesenden und Denkenden zugemutet werden muss, um tatsächlich Unzumutbares zu verhindern – das ist mir bis heute Vorbild und Fluchtpunkt.
Eva Schörkhuber am Romanschauplatz „Malina“ (Ingeborg Bachmann, 1971) im dritten Wiener Gemeindebezirk, Walter Pobaschnig 7/25, folgende
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Genau darin liegt für mich auch die Besonderheit von Ingeborg Bachmanns Schreiben: Die Schönheit ihrer Sprache verschließt sich nicht vor der Welt, vor einer Wirklichkeit, die sowohl ihre Gedichte als auch ihre Prosa heimsucht.
Der Einsatz von Rhythmen, die Mischungen sprachliche Farbtöne und schillernde Wortschöpfungen passieren in ihrem Schreiben nicht um ihrer selbst Willen, sondern als Akt der Annäherung, als Akt der Auseinandersetzung – nicht in einem sezierenden, brutalen und zersetzenden Sinn, sondern als Hin- und als Zuwendung an die Welt und Verstörungen.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Es fällt mir schwer, einzelne Werke hervorzuheben – ich würde lieber einen bestimmten sprachlichen, aber auch inhaltlichen Zug in ihren Texten hervorheben, und zwar den widerspenstigen, den häretischen: In ihren Rom-Texten hat sie sich auch dezidiert auf den auf dem Campo de’ Fiori verbrannten Häretiker Giordano Bruno bezogen – unter anderem wurde er dafür verurteilt, dass er daran festhielt, dass die Erde nicht der einzige, von Gott auserkorene Planet sei, auf dem Leben möglich ist, sondern dass um die Sterne, die „wie andere Sonnen“ sind, ebenfalls belebte Planeten kreisen könnten.
Diese Art, sich zentralisierenden, allumfassenden Paradigmen, die immer – und zwar wirklich immer – zu verheerender Gewalt führen, zu widersetzen, entdecke ich sowohl auf sprachlicher als auch auf thematischer Eben im gesamten Werk von Ingeborg Bachmann.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ingeborg Bachmann hat sich in dem leider unvollendet gebliebenen Todesarten-Zyklus, für den sie Malina als Ouvertüre verfasst hat und zu dem auch die Romanfragmente Der Fall Franza und Requiem für Fanny Goldmann zählen, mit, wie sie es nannte, „privatem Faschismus“ befasst: Dabei ging es darum, wie sich die verdrängten, zum allergrößten Teil nicht aufgearbeiteten faschistischen bzw. nationalsozialistischen Denk- und Handlungsweisen in den privaten Räumen fortsetzen und mit viel älteren patriarchalen Strukturen ‚kollaborieren‘.
Die Symptome dieser seit Jahrhunderten pandemischen „Krankheit“ treten heute wieder auf besonders offensichtliche Weise zutage: Sie greifen global um sich und setzen ein Vernichtungswerk fort, zu dem Kolonialismus und Genozide ebenso zählen wie struktureller und so genannter alltäglicher Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Ableismus, Klassismus etc.
Die argentinisch-brasilianische Anthropologin Rita Segato spricht von einem „toxischen Mandat der Männlichkeit“, das sowohl trans- als auch intergenerationell weitergegeben wird – ein (selbst)zerstörerischer Auftrag, das Andere (etwa in Form weiblicher, brauner und schwarzer Körper) einzuhegen und darüber unter Einsatz repressiver, gewaltvoller Mittel zu verfügen.
Diese zeitgenössische feministische Analyse mit Ingeborg Bachmanns literarischer Analyse zu verbinden, halte ich für sehr fruchtbar – und wesentlich, denn die konkreten Ausprägungen in all ihren Dimensionen zu verstehen ist ebenso wichtig für einen Kampf gegen diese „Krankheit“ wie die Kritik ihrer strukturellen Auswüchse.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ich bin sehr vorsichtig gegenüber einer einfachen Verschränkung von Schreiben bzw. einer schriftstellerischen Existenz und „Martyrium“: Es stimmt, dass das Schreiben selbst eine Tätigkeit ist, die eine:r meistens alleine durchführt, aber sie speist sich unweigerlich aus sozialen Zusammenhängen und Erfahrungen und stellt auf ganz unterschiedliche Weisen soziale Beziehungen her.
Schreiben experimentiert immer mit unterschiedlichen Beziehungsweisen – zur Sprache, zu etwas oder jemand Anderem (zu anderen Lebewesen, zu Natur, Landschaften, Orten, Räumen usw.), in erzählerischen Formen auch zu Figuren.
Wenn das „Martyrium“ darin besteht, eine widerspenstige, ketzerische Haltung gegenüber einer allumfassenden, zentralisierende Gewalt einzunehmen und dafür mit Ausschluss, Ächtung, Exil oder Gefängnis bestraft zu werden, kann ich diesen Ausdruck bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen – er ist mir allerdings dann doch zu metaphysisch, das heißt allzu sehr an einem göttlichen Übermaß und an einem Jenseits orientiert, an das ich nicht glaube.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ingeborg Bachmanns Biografie wird bis heute oft als eine sehr tragische erzählt – die geniale Dichterin mit unglücklichen, komplizierten Männerbeziehungen, die schließlich alkohol- und medikamentensüchtig elend zugrunde geht bzw. „verbrennt“.
Ich würde sie sehr gerne fragen, wie sie sich die Erzählung ihres Lebens wünscht; was die hellen und heiteren Momente waren, die ausgelassenen, übermütigen.
Ich würde ihr gerne sagen, dass ich gemeinsam mit ihr die tragische Ikone der deutschsprachigen Dichtung von ihrem steinernen Sockel stoßen würde, um sie durch ein vielschichtigeres und auch lebendigeres Bild zu ersetzen.
Ingeborg Bachmann mit ihren Eltern _ Rom, folgendes
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich bin gerade dabei, ein Prosamanuskript abzuschließen und arbeite aktuell an einem Theaterstück über die Wiener Psychiatrie in den Jahren 1945 bis 1947: In diesen unmittelbaren Nachkriegsjahren sind die psychischen und physischen Beschädigungen und Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus sehr deutlich sichtbar – da sie, wie wir heute wissen, gesellschaftlich nicht bzw. viel zu wenig behandelt werden, wuchern sie weiter, münden in dem, was Ingeborg Bachmann eben den „privaten Faschismus“ nennt und setzen sich in den Köpfen und Körpern auch der nachfolgenden Generationen fest.
Herzlichen Dank für das Interview!
Eva Schörkhuber, Schriftstellerin _ Wien
Fotos: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann, 1962.
Fotos: Rom, Eva Schörkhuber, 1/26.
Fotos: Eva Schörkhuber am Romanschauplatz „Malina“ (Ingeborg Bachmann, 1971) im dritten Wiener Gemeindebezirk, Walter Pobaschnig 7/25.
Liebe Miriam, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Meine ersten Berührungen mit ihrem Werk waren, meiner eigenen Suche geschuldet, die mir alles abverlangte, unzureichend tief und umfangreich. Als schon früh lyrikaffin, bekam ich zunächst die „gesammelten Werke“ ihrer Lyrik in die Hand, die mich sehr beeindruckt haben. Im Besonderen die Schwere der Themen, die umfassend große Bildung, aber auch die Klarheit und der Rhythmus der Sprache, haben mich bewegt, so sehr, dass ich Mühe hatte, mich daneben zu finden. (Ich habe schon sehr früh zu schreiben begonnen, war aber noch ohne Spiegel.) Das haben andere Dichterinnen wie z.B. Else Lasker – Schüler, Mascha Kaléko oder Rose Ausländer, die ich möglicherweise emotional schneller zugänglich empfand, nicht in dieser Weise ausgelöst. Vielleicht war es dieses „Große“, dass mein eigenes Schaffen in Frage stellte.
Später habe ich den Briefwechsel mit Paul Celan gelesen, der mich oft bedrücktzurückließ, ob diesem typisch weiblichen Bemühen um den Mann, der sich, wiewohl er Ingeborg ja sehr liebte, einfach doch „nach hinten lehnte“, aus meiner Sicht immer wieder unzureichend Antwort gab. Ein Merkmal, das ich noch immer überaus verbreitet finde, welches die weibliche und männliche Kommunikation maßgeblich und weitreichend unterscheidet.
(Ich kann kaum sagen, wie oft ich erfahren habe, dass Männer nicht genau antworten, sich nicht die Mühe machen, genau zu lesen, als solle ich mir meinen Teil dazu denken oder wieder und wieder nachfragen. Auch ein Zeichen dazu wie zum Beispiel einen herzlichen Gruß, scheinen sie für überflüssig zu halten…Da kann man auf den sozialen Medien bis zur Erschöpfung fündig werden. Auch ist man natürlich weniger angreifbar, wenn man Herzlichkeit rauslässt..Es lässt mich wieder und wieder sprachlos zurück. Wie oft musste ich erleben, dass jede konkrete Bitte, Fragen, denen Antwort fehlte, nur dazu führten, dass sich das männliche Geschlecht empfindsam zurück zog oder sich noch mehr nach hinten lehnte…)
Auch zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, dieser besonderen Konstellation zweier Dichterpersönlichkeiten, gab es viel Hin und Her, was möglicherweise auch dem geschichtlichen Hintergrund geschuldet ist. Wie weit das Thema Schuld und mögliche Wiedergutmachung von Ingeborg Bachmann, dem Wissen, dass ihr eigener Vater mit den Nazis kooperierte, und Paul Celan seine jüdische Familie im Krieg verlor, hineinspielte, ist nicht eindeutig zu beantworten, aber sicher war diese Tatsache von Bedeutung.
Später habe ich mir die Werke von Ingeborg Bachmann, wie z.B. das dreißigste Jahr, den Roman Malina, ihre Biografie und den Briefwechsel mit Max Frisch, wieder dem Mangel an Zeit geschuldet, meist in Form von Hörbüchern, erschlossen.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Sicher ist ihre Sprache, im Besonderen die ihrer Lyrik, die Klarheit hier, der Klang, Rhythmus, ihre großartigen Mataphern, aber auch ihre umfassende Bildung verschiedenster Bereiche aus Politik, Philosophie, Psychologie, Mythologie und Geschichte, zeitlos, einzigartig und unverkennbar. Für mich hat sie, neben aller emotionalen Tiefe, eine Wortstrenge und etwas fast „Sachliches“. Es wundert mich daher nicht, dass Ingeborg Bachmann später im Kontext der Figur von Malina bemerkte, „sie habe immer gewusst, dass sie aus der männlichen Sicht schreiben muss“. In dem Roman Malina empfinde ich eine fast grenzenlose Freiheit, eine Direktheit, eine Wucht und Fantasie der Sprache, die hier den Kampf der Geschlechter zur Sprache kommen lässt, die einzigartig und überraschend zeitlos ist.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Neben den besonderen lyrischen Werken wie “Die große Fracht, die gestundete Zeit, Erklär mir Liebe“ und „Böhmen liegt am Meer“, die vermutlich bekanntesten Gedichte, möchte ich im Wesentlichen auf den Roman „Malina“ eingehen. Dieses Werk hat eine derart aktuell bedeutsame Thematik, dass es fast ein wenig „seherisch“ anmuten könnte. Ingeborg Bachmann hat darin ihr Ich zwei Personen verschrieben, dem männlichen Malina und dem weiblichen Ich, das sich zu Ivan bis zur Selbstaufgabe hingezogen fühlt. „Ich habe in Ivan gelebt und sterbe in Malina“, (der ansich alle Voraussetzungen der Nüchternheit und damit der Contenance, für einen guten Stand und ein Überleben in der Welt, hatte), heißt es an einer Stelle gegen Ende des Buches. Das Doppelgängermotiv von männlicher und weiblicher Identität, integriert in einer Person, war, ist vielleicht, noch immer ein Novum.
Es stellte sich also schon dort die Frage, inwieweit wir eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen sind, inwieweit dieses gesellschaftlich, obligatorisch existiert und wie ich als Frau darauf reagieren kann, in einer von Männern dominierten Welt, in der Ingeborg Bachmann schon damals, mehr noch als heute, zu Ansehen gelangte und sich zu behaupten versuchte.
Auch im Gedicht „Die gestundete Zeit“ geht Ingeborg Bachmann auf die „Waffe“ sowie ihrer tiefen Verwundung der Männer ein, mit dem Satz „und willigt dem Abschied nach jeder Umarmung“.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Wiewohl ich grundsätzlich vorsichtig mit Verallgemeinerungen und Zuschreibungen bin, wird allein an der aktuellen männlichen Führung der Weltmächte die Brisanz und Aktualität einer in höchstem Maß patriarchal orientierten Welt deutlich. Es hat den Anschein, dass sie, die Präsidenten, die Männer, die Patriarchen, wie auf einer großen Spielwiese toben, als ginge es einfach um Macht und Anerkennung, denn zu lieben hieße fühlen, hieße emotionales Risiko, nicht sicher sein zu können, in dieser Auslieferung und möglichen Abhängigkeit, hieße sich mit:teilen zu müssen, ein Miteinander nicht ein „Dagegen“, sondern ein Füreinander, ein Leben in Verbundenheit.
Hier ist möglicherweise weit auszuholen, auch wie evolutionär geprägt die Geschichte ist, dass es Jahrhunderte die Männer waren, die in Kriege zogen, lernten „Muskeln zu zeigen“ oder gar jagen gingen.
Inwieweit das in den Genen steckt, weiß ich nicht, aber wesentliche Wirkung haben diese Bilder wohl noch immer, auch in der Hilflosigkeit mancher junger Männer heute, neue Bilder oder überhaupt eine Geschlechtsidentität zu finden, siehe auch die gesamte Transgender-Thematik.
Frauen verloren sich in der Liebe, wurden Opfer ihrer Abhängigkeit. Davon gibt es ebenso viele Filme, Mythen und Märchen. Real, rein physisch, biologisch betrachtet, tragen sie innen.
Der Mann gibt ab, kann gehen ohne Verantwortung zu tragen. Männer, die verletzt sind, und das sind sie meiner Meinung nach meist sehr viel massiver, als Frauen sich das leisten (können), da sie nicht lernten mit ihren Gefühlen umzugehen, Worte zu finden, sich zu zeigen, in die Not zu brauchen zu kommen, zerstören, wollen durch Macht, (am besten über ganze Kontinente, die verletzte) Eitelkeit befrieden. Das ist ein Drama, noch immer.
In Malina gibt es in der Figur des Vaters, den Despoten. Er ist die alles dominierende Autorität, die wir alle haben, der Familien- und Ehetyrann, der Prediger, der Therapeut usw. Er ist die universelle Autorität, die ihre Macht missbraucht. In Albträumen erlebt das Ich in dem Roman Malina auf mannigfache Weise diese Zerstörung neu. Ivan sieht sie nicht, ist mit sich zu beschäftigt, um seine seelische Verwundung/Verwundbarkeit mit Liebschaft und Abwesenheit zu bekämpfen.
Die weiblich, emotionale Seite, (Intelligenz) hat dort, wie heute, keinen oder nur einen äußerst unzureichenden Platz in der Gesellschaft. Das Ich verschwindet in der Wand. „Es war Mord“, so der letzte Satz im Roman.
Malina ist auch ein utopischer Liebesroman. Es heißt dort wiederkehrend: „Ein Tag wird kommen! Menschen werden eine Freiheit über die Maßen erleben, eine Freiheit, die größer ist als jede Vorstellung davon.“
Malina ist mit seiner gesamten Thematik, ein hochaktueller Roman, selbst wenn der Vater in den Träumen des Romans in die Gaskammer schickte. (Explizit geht es um den 2. Weltkrieg und Nationalsozialismus, sowie hier die Tatsache, dass der Vater von Ingeborg Bachmann in der NSDAP Mitglied war.) Auch dieser Aspekt, der Faschismus, ist heute, im Zuge der weltweiten Flüchtlings- und Migrationsproblematik und der Frage, der Ausländerfeindlichkeit, wieder zentral.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Das ist eine bedeutsame und interessante Fragestellung, für die es wohl nur eine subjektive Antwort gibt, die ich aber gerne wage.
Unter dem Aspekt, dass Ingeborg Bachmann sicher einen Weg suchte, dem Patriarchat zu entkommen, ihm die Stirn zu bieten und mit Paul Celan, wie auch Max Frisch auf zeitgeschichtlich, noch stark vom Patriarchat beeinflusste Männer traf, die ihre Waffe des emotionalen Entzugs, der Flucht in die Arme von Geliebten usw. einsetzten, sowie ihre bahnbrechende Literatur in der Kritik einer Männerherrschaft standhalten musste, der sie sich zu entziehen versuchte, ist es sicher auch ein persönlicher Anteil, mit welchem sie beteiligt war.
Auch sie nahm sich Geliebte ( während der Beziehung zu Max Frisch). Sie wollte nicht heiraten und doch schien sie sich haltloser, intensiver in diese Beziehung hinein zu begeben, an der sie, auch bedingt ( und dieser Tatsache wird m.E. viel zu wenig Beachtung geschenkt!, ) durch einen Schwangerschaftsabbruch, mit gravierenden Folgen einer Gebärmutterentfernung, den sie schlichtweg nicht verkraftet hat. Sie hat gearbeitet bis zur totalen Erschöpfung, vermutlich als ihre Art, diesem hochgradig physischen und emotionalen Trauma zu entkommen. Daher ist es schwer, eine grundsätzliche Antwort auf die Frage des Martyriums des Autorenlebens zu geben. Aber zugegeben sind auch meine, mir am größten erscheinenden Gedichte durch sehr große Erfahrungen (v.a. auch von Leid) entstanden.
Wenn ich als Leser*in bewegt bin, dann von großen Stoffen, die über das Alltägliche hinaus relevant, im Grunde mindestens Fragestellungen der Mythologie und Philosophie, Psychologie u.a.m. bearbeiten und so ein Zugewinn sind.
Und schließlich sind Schriftsteller*innen Denker*innen, d.h. sie lassen sich nicht in Uniformen pressen, denken über jedes Denken hinaus! Damit haben sie nicht nur Freunde, suchen im besten Fall wieder und wieder nach „der Wahrheit“…
Ein Zitat von Bachmann ist auch: „Ich glaube, ich bin unheilbar einzelgängerisch, im Grund.“Es erfordert viel, einer derart großen Bildung und Persönlichkeit „das Wasser zu reichen“.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Gehe immer diesen einen Schritt über die Idee von dir (und des Martyriums) hinaus! Glaube daran, dass du genug bist, dass du es wert bist, gesund zu leben, wer immer zu klein war, dich zu lieben!
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Neben der Tatsache, dass ich mein Geld nicht mit der Lyrik, dem Schreiben (und Sprechen) verdiene, was ich sehr bedaure, denn sie macht mit einem Dreiviertel meiner Arbeit meine eigentliche Beschäftigung, meine eigentliche Identität aus, muss ich meine Existenz beschreiten. Ich schreibe, wenn machbar, täglich an weiteren Gedichten, beteilige mich an Ausschreibungen, habe Lesungen und Zusammenkünfte, wie z.B. die Bieler Gespräche, Lyriker*innentreffen u.a.m.
Mein Hauptansinnen ist längst ein nächstes Buch( der Titel ist auch schon klar) und ggf. eine Biografie. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation werden diese Vorhaben jedoch vermutlich noch beträchtlich lang meine Geduld fordern. Ich wünsche mir sehr viel mehr Zusammenkünfte in Form von Lesungen usw. mit Autor*innen, die mich intellektuell und emotional bereichern.
Herzlichen Dank für das Interview!
Ich danke auch von Herzen für diese bereichernde Beschäftigung mit einer so bedeutenden Person und Thematik, lieber Walter!
Verena Dolovai, Schriftstellerin__ Wien _ performing_ Originalschauplatz Wien _ Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Fotonovel am Originalschauplatz _ „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_ Walter Pobaschnig f.,
INGEBORG
ich bin
nicht immer wie ich
gewollt hab zu sein
es hat mir abverlangt
beinah zu viel für die
ohren der anderen das
richtige zu sagen, doch ich hab nur
gelogen
Verena Dolovai,10.1.2026
Verena Dolovai, Schriftstellerin__ Wien _ performing_ Originalschauplatz Wien _ Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Fotonovel am Originalschauplatz _ „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_ Walter Pobaschnig f.,
MALINA Text/Performance _ Originalschauplatz
Verena Dolovai, Schriftstellerin__ Wien _ performing „Malina“ _
Walter Pobaschnig _ Idee/Regie/Fotos
Ingeborg Bachmann Rom 1962
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca de leone, Rom um 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview: Lojze Wieser, Verleger, Autor
Lieber Lojze, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Als ich knapp zwanzig Jahre war, las ich das Honditschkreuz, das Ingeborg Bachmann mit siebzehn Jahren, noch während des Krieges, geschrieben hat. Sie eröffnet die Geschichte mit der Erwähnung der „Windischen“. Das war zu der Zeit, Mitte der Siebziger Jahre in meinen Augen (und vieler in Kärnten lebender Slowenen) ein politisch verbrauchtes Wort, dass die slowenische Sprache deformierte. Wie sie es gebrauchte, darüber machte ich mir keine Gedanken, das Politische überwog das Literarische. (siehe Anhang)
Viel später las ich die Gedichte Prag Jänner 1964 und Böhmen liegt am Meer sowie die Vorlesung Umgang mit Namen von Sigrid Weigel zum Zauberatlas von Ingeborg Bachmann und habe erst im Laufe der Jahre sie und ihr Werk zu verstehen begonnen. Ich schämte mich regelrecht über mein jugendliches Ungestüm, zumal ich nicht verstand, dass die junge Bachmann schon damals auf der Suche danach war, wo sie hingehört.
Siehe Anhang: WINDISCH
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ich möchte Hans Höller antworten lassen, der vor zehn Jahren in Der Standard schon alles sagte, was zu Ingeborg Bachmann heute lesen zu sagen wäre:
Balzac hätte sie beneidet um diese lyrischen Ausbrüche, diese weit zurückhörenden Erinnerungsfetzen, diese Gedichte in der Romanprosa, in deren evokative, freche und ungehobelt schöne Sprache sogar der nüchterne Bruder in Das Buch Franza verfällt, wenn er die Schwester in ihrer einstigen Jugendgestalt beschwört in seiner Anrufung, die eine Litanei aus Kärnten ist, aus der österreichisch-slowenischen Dorfwelt, voll von magischen und antiken Einsprengseln: „Enigma, meine einzige Schwester, anima, meine Dorfelektra, meine Wilde von Tschinowitz und von den Blechhütten, meine Schwimmerin aus der Gail, meine anima. Meine Blöde vom Land, meine kleine Idiotin, meine gegrillte Seele, wenn ich eine habe, meine einzige und meine nicht vorhandene“ (Das Buch Franza (Todesarten)).
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Das Honditschkreuz, das Frühwerk der Autorin, dem ich in meiner Jugend unrecht getan habe. Auch hier soll Hans Höller zu Wort kommen:
Die Erzählerin hätte aber noch immer auch den alten Mut, die Unbekümmertheit, die Freiheit und den Glanz, die in ihren Büchern leuchten, die „goldne gallizische Haut“, die man ihr so oft abziehen wollte – und ihre kärntnerisch-slowenische Empörung aus der Zeit der NS-Verbrechen gegen die österreichisch-slowenische Bevölkerung, als sie 1943 mit 17 Jahren die Erzählung Das Honditschkreuz schrieb.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Im Erzählen!,„… getragen von einer geradezu organischen Sympathie für den gekränkten, krankgemachten Menschen und seine Verstörung im Wahnsinn einer gewaltbereiten Welt.“ (Hans Höller)
„Wie der Schriftsteller die anderen zur Wahrheit zu ermutigen versucht durch Darstellung, so ermutigen ihn die anderen, wenn sie ihm, durch Lob und Tadel, zu verstehen geben, dass sie von ihm fordern und in den Stand kommen wollen, wo ihnen die Augen aufgehen. Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar“, sagt Ingeborg Bachmann anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden 1959 in Bonn. Wie ist dieses wohl berühmteste Zitat Bachmanns heute als Künstlerin:er in Werk, Leben und Gesellschaft zu verstehen?
Indem man danach handelt und es nicht laufend zitiert!
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Beim Tanz mit Peter Handke damals: Wer von Euch übernahm beim Tanz die Führung? Und: An welche Kindheitsspeise erinnerst Du Dich gerne?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Das Archiv des Wieser Verlages seit 1987 bis 2024 und des Drava Verlages 1980 -1986 mit erfahrenen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren und Archivaren so weit aufzuarbeiten, dass es der Wissenschaft zur weiteren Forschung übergeben werden kann. Es soll zeigen, wie die slowenische Literatur in die weite – deutschsprachige – Welt trat und wie sich süd-ost europäische Literatur in dieser Gehör verschaffte. Weiters bin ich dabei, zu jedem Buch der von mir verantworteten rund 1.800 Bücher einen Kommentar zu schreiben. Warum haben wir uns – als Verlag, im Lektorat und ich als Verleger – entschlossen, dieses Buch ins Programm zu heben und zu finanzieren.
Es wird wohl auch einige Lesungen mit meiner Frau Barbara und die eine oder andere Culinaire L`Evrope Veranstaltung mit Martin Kušej geben.
Es gibt noch viel zu tun. – Lesen, lieben schreiben, kochen, essen, trinken, reisen…
Herzlichen Dank für das Interview!
Lojze Wieser, Verleger
Zur Person: Lojze (Alois) Wieser, * 9. Juni 1954 Klagenfurt, Verleger, Autor.
Biografie
Wieser wuchs im Südkärntner Ort Tschachoritsch (Čahorče), Teil der zweisprachigen Gemeinde Köttmannsdorf (Kotmara vas) auf. Nach der Volksschule besuchte er das slowenische Gymnasium in Klagenfurt. In weiterer Folge absolvierte er eine Buchhandelslehre und gründete eine eigene Druckerei in Wien. Von 1981 bis 1986 leitete der Kärntner Slowene den Drava Verlag, der sich auf slowenische Bücher bzw. Übersetzungen slowenischer Literatur ins Deutsche spezialisierte. 1987 gründete er den Wieser Verlag, den er bis 2024 leitete. 2016 übernahm dieser auch den Drava Verlag.
Ausgehend von der Überzeugung, dass Literatur Vorurteile abbauen und Brücken zwischen Kulturen errichten kann, begann er, slowenische, kroatische, serbische, albanische, bulgarische, rumänische, ungarische, tschechische, slowakische und polnische Belletristik in deutschen Übersetzungen zu publizieren und damit fremdsprachige Klassiker im deutschen Sprachraum bekanntzumachen. Er begründete die Reihen „Europa erlesen“, das Kulinarikjournal „Der Geschmack Europas“ und die „Wieser Enzyklopädie des Europäischen Ostens“. Laut Verlagswebsite verlegte Wieser fast 1.000 Werke, darunter rund 350 Übersetzungen aus dem ostmittel- und südosteuropäischen Raum. Er ist selbst Autor und Herausgeber einer Vielzahl an Publikationen zur Kultur im weitesten Sinn (inklusive der Kulinarik).
Von 2013 bis 2024 betrieb Lojze Wieser in ORF und 3sat die eigene Sendereihe „Der Geschmack Europas“. In deren Rahmen er durch europäische Länder und deren Küchen streift, auf außergewöhnliche Menschen trifft und unerwartete Blicke auf Geschichte und Kultur Europas eröffnet. Er zehrt aus eigenen Reiseerfahrungen, erforscht kulturgeschichtliche Hintergründe, gewürzt mit Anekdoten eines weitgereisten Feinschmeckers und Hobbykochs.
Für seine Verdienste um die Kultur-, insbesondere Literaturvermittlung, wurden der Verleger und seine Werke mehrfach ausgezeichnet. Wieser war aber auch das Ziel von Morddrohungen und Anschlägen. 1994 war er einer der Adressaten einer von Franz Fuchs im Zuge dessen Anschlagserie verschickten Briefbombe.
Im Wieser Verlag wurden bis dato um 1.300 Bücher, darunter um 400 Übersetzungen aus dem ostmittel- und südosteuropäischen Raum publiziert.
Im Drava Verlag ist Lojze Wieser von 1980 – 1986 für knapp 100 Buchveröffentlichungen und ab 2016 – 2024 für weitere 250 Werke verantwortlich.
Anhang: Die Windischen
Von Janez Stergar
Der Begriff „Windisch“ fungiert als Bezeichnung für die in nationaler Hinsicht nicht bewusste slowenische Bevölkerung in Kärnten. Das alte deutsche Ethnonym für die Slowenen bzw. Slawen – Wenden, Winden, Windische – hat seit der Durchsetzung der modernen Bezeichnung vor allein in Kärnten und in der Steiermark seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine abwertende oder sogar beleidigende Bedeutung bekommen, da dieser Begriff dort mit dem subalternen gesellschaftlichen Status der slowenischen Bevölkerung sowie mit der vermeintlichen Unterentwickeltheit bzw. „Minderwertigkeit“ der slowenischen Sprache verbunden wurde.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg (so etwa in dem Buch Die Wahrheit über Kärnten, 1914), vor allem aber im darauffolgenden Konflikt um die Kärntner Südgrenze wurde mit dem Begriff der „Windischen“ die „deutschfreundlichen“ und „österreichisch-heimattreuen“ Kärntner Slowenen bezeichnet, deren slowenischer Dialekt aufgrund der großen Zahl deutscher Lehnwörter von den deutschnationalen Ideologen als selbständige, „windische Sprache“ betrachtet wurde.
Der Historiker Martin Wutte, der in seinen wissenschaftlichen Arbeiten selbst nur von zwei Ethnien in Kärnten spricht, entwickelte für die deutschnationale Publizistik und Politik die sogenannte „Windischentheorie“, mit den „Windischen“ als einer eigenen ethnischen Gruppe, als einem „Mischvolk“ mit eigener Landes- oder Regionalidentität (Deutsch – Windisch – Slowenisch, 1927). Wuttes Nachfolger behaupteten sogar bis Ende des 20. Jahrhunderts, dass die „Windischen“ gar nicht slowenischer Herkunft seien, sondern Nachkommen alter germanischer Stämme, der Wenden, oder gar der Veneter, obgleich Wuttes „Windischentheorie“ von Sprachwissenschaftler und Historiker sowohl aus Österreich wie auch aus Slowenien wissenschaftlich längst widerlegt wurde.
Eine neue Stufe des Missbrauchs der „Windischentheorie“ als Instrument der Trennung des national nicht bewussten Teiles der slowenischen Bevölkerung in Kärnten (in der slowenischen Publizistik werden dafür meist die Ausdrücke „nemčur“ und „nemškutar“ – slowenische Deutschtümler– verwendet) vom national bewussten Kern der Minderheit, von der Zugehörigkeit zur slowenischen Nation sowie vor allem von der Verbindung mit seinem Mutterland nach dem „Anschluss“ stellten die Delegierung eines gewissen Mikula als Abgeordneter der Kärntner „Windischen“ zur Nationalversammlung sowie die Volkszählung vom 17. 5. 1939 dar. In der „Ostmark“ wurde auch die Zahl der Sprecher des „Windischen“ erhoben: demnach wurden in Kärnten 21.478 (5,15 % der Bevölkerung) als „Windische“ gezählt, neben einem Bevölkerungsanteil von 21.701 Slowenischsprachigen; in der Steiermark waren es 161. In Kärnten bekannten sich weiters 106 Menschen als Angehörige des „windischen Volkes“.
Die nationalsozialistische Praxis wurde auch von der Statistik der Zweiten Republik für die Zählungen zwischen 1951 und 1991 in Kärnten übernommen, wobei 19.728 (4,16 %), 11.469, 3.972, 2.354 und 888 (0,16 %) Bewohner „mit windischer Umgangssprache“ gezählt wurden, bei der letzten Zählung in der Steiermark waren es nur noch 2. Dieses statistische „Aussterben“ des „Windischen“ illustriert faktisch den Übergang von der slowenischen zur deutschen Sprache, die sog. Germanisierung. Eine genaue Analyse zeigt, dass bei der Sprachenzählung „Windisch“ als Umgangssprache „vorwiegend von der bäuerlichen, ländlichen, älteren und weniger gebildeten Bevölkerungsgruppe“ angegeben wurde (J. Zupančič), die dem Assimilationsdruck sowie den Suggestionen und auch nachgewiesenen Fälschungen der Volkszähler selbst stärker ausgeliefert war.
Im Nachkriegsjahrzehnt der britischen Verwaltungszone in Kärnten war allein schon die Bezeichnung „Windisch“ im öffentlichen Gebrauch verboten. Unmittelbar nach der Wiedererlangung der staatlichen Souveränität Österreichs jedoch sorgten antislowenische Kreise dafür, dass am 13. 5. 1956 – wieder nach nationalsozialistischem Vorbild – zwei Vertreter der „Windischen“ in den Kärntner Landtag gewählt wurden, Valentin Einspieler (auf der Liste der ÖVP) und Erich Silla (auf der Liste der FPÖ). Ein Jahr danach wurden sie zum Präsidenten bzw. Vizepräsidenten des Bundes der Windischen gewählt, der sich an den damals neugegründeten antislowenischen Heimatdienst anschloss. Der „Bund der Windischen“ soll nie mehr als zwei Dutzend Mitglieder gehabt haben, ihr Vorsitzender stellte in Bezug auf dieses „Völkchen aus der Retorte“ (Andreas Moritsch spricht von einer „Pseudoethnie“) selbst fest, es läge bei dieser Gruppe „die Tragik darin, dass sie keine geschulte Intelligenz“ gehabt habe, weil diese zur „deutschen Intelligenz“ übergegangen sei. Nach Auffassung des österreichischen Experten Theodor Veiter „war die Erfindung eines windischen Volkes, das mit dem slowenischen nichts gemein haben sollte, in der Zwischenkriegszeit eines der Hauptinstrumente zur Diskriminierung der Kärntner Slowenen, und wie es sich später zeigte, auch eines der effektivsten“.
Literatur:
L. Ude, Koroško vprašanje, Ljubljana 1976; T. Zorn, Vindišarska „teorija“ na avstrijskem Koroškem po drugi svetovni vojni (in: Koroški koledar 1978, Celovec 1977, 162-175); R. L. Lencek, The terms Wende – Winde, Wendisch – Windisch in the historiographic tradition of the Slovene lands (in: Slovene Studies 12/1, 1990, 93-97); A. Moritsch, Das Windische – eine nationale Hilfsideologie (in: Problemfelder der Geschichte und Geschichtsschreibung der Kärntner Slowenen / Problemska polja zgodovine in zgodovinopisja koroških Slovencev, Celovec-Ljubljana-Dunaj 1995, 15-31 (Unbegrenzte Geschichte / Zgodovina brez meja, 1); T. Priestly, Zur Rechtfertigung des Unentschuldbaren: Politische Manipulationen ethnischer Bezeichnungen in Gebieten mit slowenischen Minderheiten in Österreich und Ungarn (in: Slowenische Steiermark, Wien 1997, 297-344; J. Zupančič, Slovenci v Avstriji / The Slovenes in Austria, Ljubljana 1999 (Geographica slovenica, 32).
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Lieber Andreas, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Da gibt es wenig Zugang, weil ich kaum etwas von ihr gelesen habe. Und das Letzte, was ich von ihr gelesen habe, nämlich die im Suhrkamp Verlag veröffentlichen Briefe an Max Frisch, hat mich eher abgeschreckt und mir den weiteren Zugang zu ihrem Werk versperrt.
Während der Vorlesungen in meinem Germanistik-Studium wurde Ingeborg Bachmann bestenfalls als temporäres Mitglied der Gruppe 47 erwähnt. Meine männlichen Professoren haben eher das Werk bundesrepublikanischer Autoren hervorgehoben, als da wären Grass, Böll, Lenz, Johnson und, als Österreicher, der frühe Peter Handke. Zu Ingeborg Bachmann hieß es dann, sie habe mit einigen Autoren der Gruppe 47 sexuellen Umgang gehabt. So sah das Studium in der 80er Jahren aus.
Andreas Frank, Schriftsteller
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Da müsste ich in die Sekundärliteratur schauen, oder gleich in Wikipedia. „Ingeborg Bachmanns Gedichte und Erzählungen gehören zu den frühesten feministischen Äußerungen in der deutschsprachigen Literatur der Nachkriegszeit.“ Das wird es wohl sein. Was ich über offensives feministisches Schreiben weiß, habe ich mir bei anderen Autorinnen angelesen. Elfriede Jelinek oder Sibylle Berg. Oder bei den Klassikerinnen der amerikanischen Literatur, von Gertrude Stein über Susan Sontag zu Joyce Carol Oates. Oder bei den Französinnen Catherine Millet und Virginie Despentes.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Vor allem ein Gedicht ist mir im Gedächtnis geblieben, das in vielen Anthologien veröffentlicht wurde: Die gestundete Zeit. Davon habe ich mir in jüngeren Jahren ein klein wenig abgeschaut und dann auch ziemlich dreist abgeschrieben.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Das ist mir zu allgemein und hört sich eher nach den Überschriften aus den frühen Emma-Magazinen an. Wenn sie es 1971 gesagt hat, passt es zumindest in die Zeit.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Schreiben ist Inspiration + Zeitaufwand + Übung und Erfahrung + Leidenschaft. So würde es der alte weiße Mann in mir formulieren. Ein persönliches Martyrium kann ich darin nicht erkennen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Muss das denn alles so schwer sein?
Im Ernst, ich weiß es nicht. Als ich mich in die Korrespondenz zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch vertieft habe, musste ich mich ständig fragen, wie zwei offenbar hochbegabte und sensible Menschen sich über Jahre hinweg in einer derart zermürbenden toxischen Beziehung verfangen konnten. Dann hätte ich beiden am Liebsten zugerufen: Macht endlich Schluss miteinander!
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich suche weiterhin nach einem Verlag, der meinen zweiten Gedichtband „Im Zeitalter der Stürme“ veröffentlicht. Mein erstes Büchlein „Hier unten gibt es nichts“ ist im Songdog-Verlag erschienen (damals noch in Wien ansässig), doch mittlerweile schreibe ich viel besser.
Herzlichen Dank für das Interview!
Andreas Frank, Schriftsteller
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
2015. Ein heißer Sommer – nach dem nichts wie vorher war. Emotionale politische Debatten prägen Europa angesichts der dramatischen Fluchtbewegungen, besonders aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan, Irak. Rund 90 000 Flüchtende suchen in diesem Jahr in Österreich um Asyl an. Große Hilfsbereitschaft und Engagement in gesellschaftlichen Institutionen wie der Zivilgesellschaft und auch Polarisierung prägen einen politisch heißen Herbst – „Wir schaffen das“.
In diesem Jahr der großen Herausforderungen, Taten, Diskussionen und Veränderungen setzt der neue Roman des Wiener Autors und Juristen Daniel Zipfel, der in der Asylrechtsberatung tätig ist, an. Sein gleichsam alter ego und Protagonist Benjamin Weiß muss sich dabei zunächst einer Lebensbewegung der besonderen und doch so alltäglichen Art stellen – die Oma, stolze neunundachtzig Jahre, lebt in Deutschland, aber jetzt soll ein Umzug nach Wien und damit die Nähe von Angehörigen Sorgen erleichtern und Sicherheit geben. Aber Oma will nicht recht, das gewohnte Umfeld, das liebevoll grantige Miteinander vor Ort, fehlt schon in den ersten Gesprächen. Aber der Enkel macht sich samt widerspenstiger Oma auf den Weg nach Wien.
Auf einen Weg, auf dem sie nicht alleine sind. Die Fluchtbewegung führt Menschen aus Kriegs-, Krisengebieten nach Europa, Österreich, Deutschland und diesen begegnen Oma und Enkel am Weg in Blicken aus dem Autofenster. Nah und fern zugleich.
Angekommen in Wien wartet auf Benjamin Weiß, Jurist in einer Beratungsstelle für Geflüchtete, der Fall eines syrischen Flüchtlings, dem auch Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden. Wie jetzt vorgehen? Die Fragen im Kopf kreisen. Erinnerungen kreisen auch im Kopf der Oma, angekommen in der neuen und doch alten Umgebung in Wien, kommt die Erinnerung an den Krieg zurück und all das Vergessene im Dunkel von Gewalt und Tod, das sich nun meldet. Benjamin Weiß steht nun mitten und zwischen familiärer Geschichte in allen Abgründen von Zeit und Schuld wie der Gegenwart eines Bürgerkriegslandes. Wie nun Verantwortung und Konsequenz da und dort persönlich wahrnehmen? Was ist zu tun, muss getan werden? Alles ist nun unmittelbar. Drängend und herausfordernd. Und Benjamin Weiß sucht seinen Weg der Entscheidungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart…
Daniel Zipfel legt einen Roman zur Zeit vor, welcher die Fragen von Krieg und persönlicher Positionierung wie Aufarbeitung in einem beeindruckenden literarischen Panorama der Aus-, Weiterwirkungen von Gewalt und Verbrechen spannend wie in vielfacher Perspektive thematisiert. Der Autor versteht es einzigartig Mikro.- und Makrogeschichte in einem lebensnahen Plot zu verweben und situativ zu verdichten wie gesellschaftlich einzuordnen.
„Ein großartiger mitreißender Roman über Krieg, Gewalt einst und heute wie Erinnerung und Verantwortung als Aufgabe von Generationen!“
„Walküre“ Daniel Zipfel. Roman. Leykam Verlag.
Gebunden mit Lesebändchen, 256 Seiten
ISBN 978-3-7011-8395-1
€ 25,50 (A), € 25,- (D), sFr 35,70 (CH)
Zum Autor:
Daniel Zipfel, Schriftsteller
Daniel Zipfel 1983 in Freiburg geboren, lebt und arbeitet in Wien als Autor und Jurist in der Asylrechtsberatung. Sein Roman »Eine Handvoll Rosinen« (Kremayr & Scheriau 2015) wurde von der Kulturabteilung des österreichischen Bundeskanzleramts als »besonders gelungenes Debüt« ausgezeichnet.
Zuletzt erschien »Nichts als Papier« (Leykam 2023). Alle seine Romane erhielten die Buchprämie der Stadt Wien. (Presseinfo/Verlag)