„Bachmann in den 80er Jahren“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Andreas Frank, Schriftsteller _ Leverkusen/D 4.2.2026

Andreas Frank _ Ingeborg Bachmann

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf dem Markt,
Rom um 1971

Im Interview _ Andreas Frank, Schriftsteller

Lieber Andreas, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Da gibt es wenig Zugang, weil ich kaum etwas von ihr gelesen habe. Und das Letzte, was ich von ihr gelesen habe, nämlich die im Suhrkamp Verlag veröffentlichen Briefe an Max Frisch, hat mich eher abgeschreckt und mir den weiteren Zugang zu ihrem Werk versperrt.

Während der Vorlesungen in meinem Germanistik-Studium wurde Ingeborg Bachmann bestenfalls als temporäres Mitglied der Gruppe 47 erwähnt. Meine männlichen Professoren haben eher das Werk bundesrepublikanischer Autoren hervorgehoben, als da wären Grass, Böll, Lenz, Johnson und, als Österreicher, der frühe Peter Handke. Zu Ingeborg Bachmann hieß es dann, sie habe mit einigen Autoren der Gruppe 47 sexuellen Umgang gehabt. So sah das Studium in der 80er Jahren aus.

 Andreas Frank, Schriftsteller

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Da müsste ich in die Sekundärliteratur schauen, oder gleich in Wikipedia. „Ingeborg Bachmanns Gedichte und Erzählungen gehören zu den frühesten feministischen Äußerungen in der deutschsprachigen Literatur der Nachkriegszeit.“ Das wird es wohl sein. Was ich über offensives feministisches Schreiben weiß, habe ich mir bei anderen Autorinnen angelesen. Elfriede Jelinek oder Sibylle Berg. Oder bei den Klassikerinnen der amerikanischen Literatur, von Gertrude Stein über Susan Sontag zu Joyce Carol Oates. Oder bei den Französinnen Catherine Millet und Virginie Despentes.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Vor allem ein Gedicht ist mir im Gedächtnis geblieben, das in vielen Anthologien veröffentlicht wurde: Die gestundete Zeit. Davon habe ich mir in jüngeren Jahren ein klein wenig abgeschaut und dann auch ziemlich dreist abgeschrieben.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Das ist mir zu allgemein und hört sich eher nach den Überschriften aus den frühen Emma-Magazinen an. Wenn sie es 1971 gesagt hat, passt es zumindest in die Zeit.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Schreiben ist Inspiration + Zeitaufwand + Übung und Erfahrung  + Leidenschaft. So würde es der alte weiße Mann in mir formulieren. Ein persönliches Martyrium kann ich darin nicht erkennen.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Muss das denn alles so schwer sein?

Im Ernst, ich weiß es nicht. Als ich mich in die Korrespondenz zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch vertieft habe, musste ich mich ständig fragen, wie zwei offenbar hochbegabte und sensible Menschen sich über Jahre hinweg in einer derart zermürbenden  toxischen Beziehung verfangen konnten. Dann hätte ich beiden am Liebsten zugerufen: Macht endlich Schluss miteinander!

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich suche weiterhin nach einem Verlag, der meinen zweiten Gedichtband „Im Zeitalter der Stürme“ veröffentlicht. Mein erstes Büchlein „Hier unten gibt es nichts“ ist im Songdog-Verlag erschienen (damals noch in Wien ansässig), doch mittlerweile schreibe ich viel besser.

Herzlichen Dank für das Interview!

Andreas Frank, Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Andreas Frank _ privat.

Walter Pobaschnig   1_26

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