Erinnerungen an Helena Adler – „Ihr Lächeln war stets echt. Sie war ein Feuerwerk“ Michael Beisteiner, Schriftsteller _ Wien 10.1.2024

Erinnerungen an Helena Adler _ Michael Beisteiner, Schriftsteller

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Lieber Michael Beisteiner, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983) ?

Sie starb am Geburtstag meines verstorbenen Bruders. Ihr Lächeln war stets echt. Sie war ein Feuerwerk.

Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?

Ich blätterte in „Die Infantin trägt den Scheitel links“ hinein und schmunzelte. Auf Facebook veröffentlichte sie später einen Auszug des in Arbeit befindlichen „Fretten“, ich las und schmunzelte wieder.

Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?

Kraft. Eine ungeheure Energie. Man kann etliche Texte gut finden, Begeisterung löst jedoch selten einer aus. Helena Adlers Stil erhellte mich.

Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?

Eher aus der Distanz, wir begegneten uns nur einmal flüchtig im Museums-Quartier.

Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?

Das können Literaturwissenschafter besser beantworten. Vielleicht kann sie als würdige Nachfolgerin eines Thomas Bernhard gelten.

Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?

Als mutig, kraftvoll und unvollendet.

Michael Beisteiner, Schriftsteller

Wien, 10.1.2023

Herzlichen Dank für Dein Interview, lieber Michael!

Michael Beisteiner, Schriftsteller

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

Helena Adler, Schriftstellerin
(Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:  

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/   

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/ 

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Foto _ Michael Beisteiner: privat

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 10.1.2024

https://literaturoutdoors.com

Erinnerung an Helena Adler – „die Blau“ Frieda Paris, Schriftstellerin _ Wien 10.1.2024

Erinnerungen an Helena Adler _ Frieda Paris, Schriftstellerin

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

die Blau

geträumt

den Satz geträumt

: die Blau

ich trieb

in einem Fluss

vor einer Gabelung

nur eine Gabel

Floß an Land

ich kam an Land

: die Blau

das hätte ihr

schreibt die Frau Jung

gefallen : die Blau

die Adlerin

die fehlt der Tod

das Bleibende

die Wörter

kann er nicht

die Wörter nicht

die bleiben : die Blau

vielleicht hab ich

der Adlerin : die Blau

für sie geträumt


Frieda Paris, Schriftstellerin

Wien, 10.1.2024

Herzlichen Dank für Dein Gedicht, liebe Frieda!

Frieda Paris, Schriftstellerin

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

Helena Adler, Schriftstellerin
(Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:  

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/     

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/ 

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Foto _ Frieda Paris: El Menges

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 10.1.2024

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Erinnerungen an Helena Adler – „Wir werden sie vermissen: Mit Herz-Haft!“ Petra Ganglbauer, Schriftstellerin _ Wien 10.1.2024

Erinnerungen an Helena Adler _ Petra Ganglbauer, Schriftstellerin

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Vermächtnis aus Herz & Wort  

Es gibt sie, diese große dunkle Gewissheit, die für uns alle ihren Schatten vorauswirft; und es gibt dieses Wissen um die Endlichkeit.

Helena Adler hat uns mit ihrem erfrischendem chromatischem Wesen beides beinahe vergessen lassen:

*Mit ihrem unprätentiösem Auftreten, mit ihrer Lebendigkeit.

*Mit ihrem Mut, die Tradition des Antiheimatromans fortzusetzen.

*Mit ihrer genauen, analytischen Beobachtungsgabe.

*Mit Verve, mit Ironie, mit Humor, mit Überhöhung.

Die Auswüchse ländlicher Herkunft, großfamiliärer Verhältnisse und damit verbundener sozialer Mechanismen hat sie mit Haut und Haaren selbst erlebt; sie für sich selbst, aber auch für uns in eine adäquate und beeindruckende Sprache übersetzt.

Das ist ihr Vermächtnis.

Wir werden sie vermissen: Mit Herz-Haft!

Petra Ganglbauer, Schriftstellerin 10.1.2024

http://ganglbauer.mur.at/

Wien, 10.1.2024

Herzlichen Dank für Deine Worte, liebe Petra!

Petra Ganglbauer, Schriftstellerin 

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

Helena Adler, Schriftstellerin
(Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:  

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/     

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/ 

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Foto _ Petra Ganglbauer: Marko Lipus

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 10.1.2024

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Erinnerung an Helena Adler – „Sie schlug Saltos zwischen den Zeilen und haderte wie eine Christine Lavant“ Hubert Maria Moran, Schriftsteller _ Glanegg/Ktn., 10.1.2024

Erinnerungen an Helena Adler _ Hubert Maria Moran, Schriftsteller

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Lieber Hubert Maria Moran, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983) ?

Lieber Walter, nach anfänglichen Zögern will ich doch Stellung beziehen. Helene Adler kannte ich nicht persönlich. Die Tragik ihres Todes ist erschütternd. Als junge, begabte Sprachkünstlerin stand sie mit vollem Schwung und Esprit im Leben.

Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?

Alles, was ich über sie weiß, ist mir aus literarischen Meldungen aus sozialen Medien bekannt. Einige Textpassagen habe ich gelesen und sie lassen die Meinung zu, dass Helene Adler das schöne Leid der Provinz in ihrem zärtlichen Zorn doch liebte.

Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?

Helene Adler war eine Sprachkünstlerin, die mit leichter Feder feinsinnig schrieb. Mit Psychologie führt sie die Leser gekonnt aufs Trapez ihrer Gedankenwelt. Sie schlug Saltos zwischen den Zeilen und haderte wie eine Christine Lavant über Gott und die Welt.

Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?

Bei Katja Gasser hörte ich erstmals von ihr, leider habe ich sie nie persönlich kennengelernt.

Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?

Ich konnte sie literarisch kaum einordnen, ihr Oeuvre bleibt erhalten, sie war eine aufsteigende Schriftstellerin, die ihr Leben noch vor sich hatte. Das Schicksal nahm auch bei ihr keine Ausnahme, der Weggang steht über alle Götter! Der Tod ist die Wandlung. Er sagt: stirb und werde, – du wirst nicht vergessen, Orpheus Töne können nicht verstummen!

Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?

Vielleicht mit diesem Gedicht: Wenn die Nachtigall singt, zum Sterben schön, – so schön der Tod. Er hält die Sense himmelhoch, – sie fällt ins dunkle Loch! Schön das Licht, – der Tod beileibe nicht, die Lebensspur mit dem schöne Licht der Tod nicht bricht! Wenn es nur so leicht wäre …

Ruhe in Frieden, Helena Adler!

Hubert Maria Moran, Schriftsteller

https://kaerntner-schriftsteller.at/schriftstellerinnen/hubert-maria-moran/

Glanegg/Ktn., 10.1.2023

Herzlichen Dank für Dein Interview und Dein Gedicht, lieber Hubert!

Hubert Maria Moran, Schriftsteller

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

Helena Adler, Schriftstellerin
(Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:  

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/   

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/ 

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Foto _ Hubert Maria Moran privat

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 10.1.2024

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„Menschlichkeit“ Yulia Kuleshova, Tänzerin _ Wien 10.1.2024

Liebe Yulia Kuleshova, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Proben zwischen 2 bis 10 Stunden sind immer dabei. Rundherum ganz unterschiedlich.

Yulia Kuleshova, Tänzerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Menschlichkeit

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich sehe 2 Rollenaspekte von Kunst:

(1) Kunst als Bühnen-Kunstprodukt, welches das Publikum lustvoll, kritisch genießen kann.

(2) Kunst, Tanz, als individuelles Bedürfnis des Menschen sich auszudrücken, was, so denke ich, auch ein intrapsychischer Mechanismus der Selbst-Regulierung, eine Therapie, ist.

Beide Rollen sind für mich wichtig. Manchmal kommen die Rollen näher zueinander, manchmal gehen sie mehr auseinander.

Was liest Du derzeit?

Robert und Elisabeth Bergmann, Wie bist du, Mensch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ist leider auf Spanisch: Presumes que eres la ciencia, yo no lo he entendío así; porque siendo tú la ciencia no me has comprendío a mí.

Vielen Dank für das Interview, liebe Yulia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Yulia Kuleshova, Tänzerin

Zur Person _ Yulia Kaleshova   Bio

Ich bin Tänzerin. Das ganze Leben habe ich als Amateurin getanzt, aber jetzt habe ich vor als professionelle Flamencotänzerin zu konvertieren, mein Tanzniveau entspricht schon dem Profi Tanz. Die letzten zwei Jahre lebte ich in Bad Ischl, davor 20 Jahre in Wien und ab Juli des Jahres wieder in Wien.

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 4.1.2024

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„Gestern hast du sie noch gesehen“ Sandra Schößler, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Wien 10.1.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Femizid

G estern hast du sie noch gesehen

I n meinen Augen – Angst

V ielleicht auch leiser Zweifel

E ngstirnig wie du bist


P acktest die Gelegenheit beim Zopf

E in Schmerz durchzuckte mich

A ber du machtest weiter

C haradenhaft entzog ich mich

E rstarkte unter Schmerzen


A bertausend Nadelstiche in meiner Kopfhaut


C haraktere wie du

H aben keine Geduld

A uch kein Friede sei mit dir

N och einmal deine Hand spüren

C hamäleonhaft wechsle ich die Farbe

E in weiteres Opfer wird es nicht geben

Sandra Schößler, 7.1.2024

Sandra Schößler, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sandra Schößler, Schriftstellerin

Zur Person _ Sandra Schößler, Schreibende. Geboren 1972 in Wien. Sie studierte Psychologie und Wirtschaft in Wien und London. Lebte vier Jahre in Hamburg und arbeitet als UX Designerin in einer Digitalagentur in Wien.

In ihrer Freizeit schreibt sie Gedichte und arbeitet an einem Roman.

Fotos_ privat

Walter Pobaschnig _ 7.1.2024

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 Erinnerung an Helena Adler – „Sie blieb für mich nicht im „Herkunftshader“, im Leiden an der Provinz stecken“ Gunther Neumann, Schriftsteller _ Wien 9.1.2024

Erinnerungen an Helena Adler _ Gunther Neumann, Schriftsteller

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Lieber Gunther Neumann, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983) ?

An einen authentischen, unprätentiösen, heiteren, klugen und zugewandten Menschen. Und klar, an eine tolle Schriftstellerin. Wir haben uns gelegentlich ausgetauscht, über das Schreiben, auch über unsere Kinder, die Freude und die Angst um sie.

Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?

Sie hatte mich 2020 nach der Publikation der Longlist des österreichischen Buchpreises kontaktiert. Sie war mit der „Infantin“ dann auf der Shortlist, und bekam später noch viel unbedingt verdiente Anerkennung. Die Infantin war für mich voll mitreißender Wucht, sprühend und poetisch, zum Lachen und zum Weinen. Und rasch die Frage: hält sie in diesem Sprachsturm die Balance und das Niveau? Sie hat – auch in „Fretten“, ihrem nächsten und leider letzten Roman.

Was zeichnete ihr Schreiben für Dich aus?

Das Wort sprach-gewaltig wird oft strapaziert. Bei ihr war es weniger Sprach-Gewalt als Sprach-Kunst, leichtfüßiges Sprach-Spiel, Sprach-Lust mit Assoziationen, Übertreibungen, Verdichtungen, drastisch genau, existentiell, liebevoll, zärtlich, zornig und abgründig bis ins Absurde. „Es wuchert vor Sprache“, hat es Katja Gasser einmal genannt. Ein großer Lesegenuss.

Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?

Sie war voll Anerkennung & Wohlwollen. Ich habe nie erlebt, dass sie andere als Konkurrenten wahrnahm – was beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Viele Worte treffen auf sie zu: witzig bzw. vielmehr sehr humorvoll, kreativ, rebellisch, unkonventionell, eigen-sinnig ebenso wie warmherzig und noch viel mehr. Ihre Schlag-Fertigkeit war für mich nie böse oder verletzend, sondern gepaart mit Sensibilität und Nachdenklichkeit. Eine rundum anziehende und einnehmende Mischung.

Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?

Sie passt nicht in die hierzulande beliebte Schublade Antiheimatroman. Sie blieb für mich nicht im „Herkunftshader“, im Leiden an der Provinz stecken – sie hat sich darüber erhoben. Jetzt leider in einem ganz anderen und sehr schmerzlichen Sinn.

Ihre Einordnung in die österreichischen Literatur maße ich mir nicht an.

Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?

Es ist bitter, dass du gegangen bist und es war wunderbar, dass du hier warst – das schreibt sich leichter als es sich anfühlt. Sie hat uns bereichert, mit Beobachtungen, Worten, Sprachbildern und ihrem so-Sein. Es bleibt ein riesiger Dank für die Inspiration und Wärme, die sie geschenkt hat. Sie hinterlässt eine nicht zu schließende Lücke, und Schmerz. In allererster Linie wohl für ihren Sohn, ihren Mann, die Familie und die engen Freunde.

Danke auch an Walter – Dein Engagement, dass sie unvergessen bleibt.

Gunther Neumann, Schriftsteller  

http://www.gunther-neumann.com

Wien, 9.1.2024

Herzlichen Dank für Dein Interview und Deine Erinnerungen, lieber Gunther!

Gunther Neumann, Schriftsteller

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:  

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/       

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/ 

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Foto _ Gunther Neumann: privat

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 9.1.2024

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„Keine Angst vor anderen Meinungen“ Sigrid Faltin, Regisseurin _ Freiburg/Breisgau D 9.1.2024

Liebe Sigrid Faltin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn es irgendwie geht, trinke ich morgens im Bett eine Tasse Tee zusammen mit dem besten aller Ehemänner und wir erzählen uns vom vergangenen Tag, von unseren Freuden & Sorgen. Dann mache ich irgendeine Form von Sport (joggen, radeln, schwimmen) und freue ich auf meinen Schreibtisch. Dort kommt aber immer wieder so viel Unerwartetes rein (Anfragen wie diese, Steuer, Rechnungen, etc.), dass ich erst gegen Mittag zur eigentlichen Arbeit komme, auf die ich mich eigentlich schon den ganzen Tag freue. Dem darf ich mich widmen bis die Nachrichten mich rufen und das Essen, das der beste aller Ehemänner für uns bereitet hat.

Und dann am Abend: lesen, lesen, lesen. So sieht mein Wunschtag aus.

Sigrid Faltin, Regisseurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht nur JETZT, sondern IMMER: zuhören, auseinandersetzen, wertschätzen statt verachten. Keine Angst vor anderen Meinungen – nur in der Diskussion, im Ringen miteinander, kommen wir weiter. Die Bubble macht nichts besser (muss ich mir auch immer wieder selbst sagen).

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kreativität und Neugier bringen uns weiter. Das sind für mich Literatur und Kunst.

Was liest Du derzeit?

„Lorenz“ von Ilona Jerger – ein großartiges Buch nicht nur über den Nobelpreisträger Konrad Lorenz, sondern auch über die Zeit, in der er lebte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Immanuel Kant – gilt immer noch. Das Antidot gegen Hass und Gewalt.

Vielen Dank für das Interview, liebe Sigrid, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Filmprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Sigrid Faltin, Regisseurin

Zur Person _ Dr. Sigrid Faltin studierte Englisch, Germanistik und Geschichte in Bonn und Freiburg und promovierte über „Die Auswanderung aus der Pfalz nach Nordamerika“ in Neuerer Geschichte. Nach einem journalistischen Volontariat war sie Freiburger Regionalkorrespondentin beim SWF und moderierte im Hörfunk und Fernsehen. Sie arbeitet als Film- und Buchautorin und als Produzentin für Fernsehdokumentationen und Dokumentarfilme. Ihre Filme wurden und werden international prämiert und gezeigt. Sie lebt in Freiburg im Breisgau.

Filmografie (Auswahl):

Anne-Sophie Mutter – Vivace

Kinodokumentarfilm von Sigrid Faltin

91 / 60 / 52 Min. dt./engl.

SWR 2023

Kinoverleih Filmwelt

Weltvertrieb Naxos Audiovisual

Musikfilmfestival Oberaudorf 2023

Toronto International Women Film Festival 2023

Miami Women Film Festival 2023

Golden Prague Festival 2023

Berlin Women Cinema Fest 2023

Chicago Women Film Festival 2023

San Jose Independent Film Festival Dezember 2023

Tokyo International Cinema Award 2023

Ein Hauch von Amerika – Die Doku

Dokumentation zu der 6teiligen gleichnamigen Spielfilmserie

SWR 2021

45 / 30 Min.

Erfolgreichste Dokumentation der ARD-Mediathek 2021 (2 Mio. Zuschauer)

RIAS TV-Award 2022

Frank Lloyd Wright – Der Phoenix aus der Asche

SWR in Zusammenarbeit mit ARTE 2020

53 Min.

Silbermedaille New York Festivals 2021 (Kategorie Biografien)

Best Feature Documentary Legendary Doc Film Festival 2021

Kinder! Liebe! Zukunft!

Coproduktion von Behring Film und Klotz Media mit White Pepper Film und dem SWR 2016

93 Min.

auch als Doku-Serie 4 x 45 Min.

Dietmar-Heeg-Medienpreis der Karl-Kübel-Stiftung 2017

Der Dokumentarfilm

Kinder! Liebe! Hoffnung! – Ein dramatisches Jahr mit einer Patchworkfamilie

SWR 2013, 90 Min.

nominiert für den Deutschen Fernsehpreis 2013

Caritas-Medienpreis Baden-Württemberg 2014

Journalistenpreis der Diakonie Baden-Württemberg 2014

Letzte Saison – Wenn es Zeit ist zu sterben, SWR 2011, 90 Min.

Preis der „Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben“ 2011

Europäischer Journalistenpreis der Medizinjournalisten 2011

Richard-von-Weizsäcker-Preis des Unionhilfswerkes 2012

Nestwärme auf Zeit – Das Leben einer Pflegefamilie, SWR 2009, 90 Min.

Medienpreis des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte 2010

La Paloma. Sehnsucht. Weltweit., Eine Coproduktion von White Pepper Film und Seppia Sàrl Strasbourg mit NDR / WDR / ZDF in Zusammenarbeit mit Arte, gefördert von MFG Filmförderung Baden-Württemberg, MEDIA Plus, Région Alsace, Communauté Urbaine de Strasbourg, Deutschland / Frankreich 2008, 93 Min. (deutsche und englische Fassung) 35 mm Dolby Digital,

25 Festivals weltweit

nominiert für den Silverdocs Music Award 2008

nominiert für den Prix Italia 2008

nominiert für den 2008 IDA International Documentary Award

nominiert für den Grand Prix URTI TV-Festival Monte Carlo 2010

Golden Palm Award Winner Mexico Film Festival Kalifornien 2009 (Best Documentaries)

Best Film of Art / Pärnu International Documentary Film Festival

Die Baroness und das Guggenheim – Die Geschichte der Hilla von Rebay

Coproduktion White Pepper Film mit ZDF/arte, AVRO, YLE, MFG Filmförderung Baden-Württemberg und MEDIA Plus 2004, 76 Min., gezeigt auf acht Festivals,

Bronzemedaille New York Festivals 2005 (Kategorie Dokumentarfilm)

nominiert für den baden-württembergischen Dokumentarfilmpreis 2005

nominiert New York Festivals 2005 (Kategorie Fernsehfilm)

Foto_ Britt Schilling

25.12.2023 _Walter Pobaschnig

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„Es wäre eine Utopie auf Erden“ Kersten Knipp, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Köln 9.1.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Give peace a chance

Immer wieder gehört,

Verzaubert, entrückt

Ein Song als Utopie


Pop und Philosophie machen es möglich

Ewiger Friede“, Immanuel Kant 1795

Aufklärung. Credo und

Charta für ein Volk von Teufeln

Es wäre eine Utopie auf Erden




Aber




Chauvinismen zerstören

Humanitären Anspruch

Aufrüstung, Wehrfähigkeit, heißt das:

Nach dem Pop, nach der Philosophie?

Chancenlos, der Friede?

Eine Frage nur. Keine Option!


Kersten Knipp, 4.1.2024

Kersten Knipp, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Kersten Knipp, Schriftsteller

Zur Person _ Kersten Knipp lebt seit vielen Jahren in Köln. Gereist – im Kopf, im Zug und im Flugzeug – ist er von dort immer wieder ins Ausland, nach Frankreich zunächst, dann in die anderen romanischen Länder, ganz wesentlich auch nach Brasilien, der Sprache und der verhaltenen Eleganz der Bossa Nova wegen.

Studiert hat er Romanistik und ist sich inzwischen sicher: Er würde das noch einmal tun (vermutlich könnte er gar nicht anders). Entstanden sind so einige Bücher über romanische Themen, teils mit Abstechern ins feinkörnig Subtile, so etwa in seinem jüngsten Buch „Im Gespräch“. Irgendwann, fast über Nacht, drang ihm die Schönheit des Arabischen ins Ohr, das er dann lernte – nicht zuletzt als Hommage an die Globalisierung, die den europäischen Horizont auch sprachlich weitet. Romantisch (Palmen, Kamele, Wüstenwege) fand er die Region auch mal, allerdings nur kurze Zeit. Als Journalist für die Politik im Nahen Osten weiß er um die finsteren Seiten der Region, an deren Entwicklung er mit trotziger Hoffnung weiter glauben will.

Aktuelle Bucherscheinung _

„Die Erfindung der Eleganz“ Knipp, Kersten. Europa im 17. Jahrhundert und die Kunst des geselligen Lebens. Reclam Verlag. 2022

Ein Buch, das europäische Kulturgeschichte spannend wie variantenreich öffnet!

Literatur outdoors 

https://wordpress.com/post/literaturoutdoors.com/60445

Bibliographie

„Flamenco“, Suhrkamp. 2006

„Das ewige Versprechen. Eine Kulturgeschichte Brasiliens“, Suhrkamp, 2013

„Nervöser Orient. Die arabische Welt und die Moderne“, Theiss / WBG, 2016.

„Im Taumel. 1918 – ein europäisches Schicksalsjahr“, Theiss / WBG, 2017

„Die Kommune der Faschisten. Gabriele D’Annunzio, die Republik von Fiume und die extreme des 20. Jahrhunderts, Theiss / WBG, 2018

„Paris unterm Hakenkreuz. Alltag im Ausnahmezustand“, Theiss / WBG, 2020.

„Die Erfindung der Eleganz. Europa im 17. Jahrhundert und die Kunst des geselligen Lebens“, Reclam, 2022

„Im Gespräch. Wie wir einander begegnen“, Zu Klampen Verlag, März 2024.

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 4.1.2024

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Erinnerung an Helena Adler – „Sie lässt ihre Heimat, auch die innere, zu meiner werden“ Thomas Raab, Schriftsteller _ Wien 8.1.2024

Erinnerungen an Helena Adler _ Thomas Raab, Schriftsteller, Musiker

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Lieber Walter,

Du hast mich gebeten etwas Persönliches zu Helena Adler zu schreiben. Doch mehr als mein großes Mitgefühl und mein Entsetzten über ihren frühen Tod zum Ausdruck zu bringen, steht mir nicht zu.

Es war mir zwar, als kenne ich sie. Doch einer von jenen Menschen, die Helena Adler Stephie nannten, die sie tatsächlich persönlich kannten, bin ich leider nicht.

Mir ist allein ihre Textsprache vertraut, und sie berührt mich in einem Ausmaß wie kaum eine andere. Sie ist voll Kraft und Poesie, von solch nachhaltiger Stärke, ganze Phrasen bleiben da hängen. Wie Gedichte.

Sie öffnet mir die Tür zu ihrer Heimat, auch der Inneren, und lässt sie zu meiner werden. Geht so nahe, als wäre mir auch Helena Adler nahe. Darum trifft mich auch die Nachricht ihres Ablebens ganz besonders.

Ich wusste von den Erzählungen anderer, welch wunderbare, herzenswarme, humorvolle Persönlichkeit sie ist, bereue es zutiefst, nie aus meinem Loch gekrochen zu sein, um sie zumindest Lesen zu hören oder vielleicht sogar persönlich kennenzulernen. Und allein der Gedanke, wie es einem so hochempfindsamen Menschen in dem Wissen um das eigene Sterben mit der Tatsache ergangen sein muss, ihr geliebtes Kind – dem sie ihr letztes Buch gewidmet hatte –  zurückzulassen… unfassbar bitter… Von dem Schmerz der Hinterbliebenen ganz zu schweigen. Viel trauriger hätte das Jahr für die österreichische Literatur gar nicht beginnen können.

Danke Dir lieber Walter, für den Raum, den Du hier gibst, um Emotionen zu teilen und auf diesen Wege unser ganzes Mitgefühl und Beileid zum Ausdruck zu bringen.

Alles Liebe

Thomas

Thomas Raab, Schriftsteller, Musiker

Wien, 8.1.2023

Herzlichen Dank für Deine Worte, lieber Thomas!

Thomas Raab, Schriftsteller, Musiker

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:  

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/       

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/ 

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Fotos Thomas Raab _ Simone Heher-Raab

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 8.1.2024

https://literaturoutdoors.com