„Die Tauben von Brünn“ Bettina Balaka. Roman. Neuerscheinung Deuticke Verlag.

 

„Die Tauben von Brünn“ Bettina Balaka. Roman. Neuerscheinung Deuticke Verlag.

„Sie leben unter den Menschen wie Geister…“ Eine Stadt hat viele Gesichter. Im oben und unten, hüben und drüben. Manche sehen wir und manche bleiben im Dunkeln. Kommen und verschwinden. Beobachten. Und manchmal werden diese Unsichtbaren sichtbar – die Tauben. Sie leben in den Zwischenräumen. Berta kennt sich gut aus mit diesen. Mit den Tauben und den Zwischenräumen des Lebens. Den Möglichkeiten und den Notwendigkeiten. Den Tatsächlichkeiten und den Wendungen, die möglich sind. Da können Tiere ein Vorbild sein. Der Biber etwa, der nur im Dunkel der Nacht sein Werk verrichtet. Und die Taube, die zur Wasserstelle kommt, wenn niemand dies sieht. Es geht um das Überleben. Das Überleben in der Stadt. Wien. Das Überleben in der Zeit. Es ist das 19.Jahrhundert und alles ist in Bewegung…

Seit dem Tod des Vaters, der Brieftaubenzüchter war, ist für die Geschwister Berta und Eduard alles anders geworden. Der Nachbar, Johann Karl von Sothen, bringt beide nach Brünn zu Verwandten. Berta nimmt die Brieftaubenzucht wieder auf. Doch wie die Tauben hoch oben auf Palästen und Schlössern spazieren, tut dies jetzt auch von Sothen. „Das Glück is a Vogerl“ – und diese abgründige Wahrheit findet nun immer mehr in das Bewusstsein von Berta und Eduard. Und es gilt für Sie zu handeln…

Die in Salzburg geborene Schriftstellerin Bettina Balaka legt mit Ihrem neuen Roman „Die Tauben von Brünn“ eine mitreißende Spiegelschau der hinter- und abgründigen Facetten zeitlosen Menschseins vor. Der aufmerksame Sprach- und Erzählstil öffnet eine feine Balance zwischen Spannungsaufbau und Persönlichkeits- wie Zeitanalyse. Die Autorin nimmt in ein historisches Ringen von Skrupellosigkeit und Ohnmacht mit und stellt darin ganz dezidiert die Frage nach Glück, Gerechtigkeit und Selbstbewusstsein über die Zeit hinweg.

„Ein Roman, der in Spracheleganz und Spannung mitreißt und zeitlose Fragen nach Maske und Wahrheit des Menschen stellt“.

Walter Pobaschnig 8_19

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„Die Zeit, die es dauert“ Hanne Orstavik. Roman. Neuerscheinung Rauch Verlag.

 

„Die Zeit, die es dauert“ Hanne Orstavik. Roman. Neuerscheinung Rauch Verlag.

Es ist tiefer Winter. In vier Tagen ist Weihnachten. Ein Tannenbaum steht auf dem Vorplatz und Ellen ruft nach ihrer Mutter Signe, um nach dem Pfefferkuchen zu sehen. Dann bringen sie Einar einige Kostproben. Signes Mutter ruft wegen ihrem Besuch an. Alles scheint wie im Bilderbuch. Das lang ersehnte Leben auf dem Land für Einar und Signe, ihre Tochter, die sich im stillen Dasein wohlfühlt. Doch da ist auch viel an nicht erfüllter Erwartung bei Einar und Signe da. Jetzt vor Weihnachten ist es besonders zu spüren. Die Worte zwischen ihm und Signe werden lauter. Er setzt sich hin und dreht eine Zigarette…Es wird besser, sagt er.

Doch das sagt Einar schon so lange, denkt Signe. Doch so ist es nicht. Jetzt fällt Signe ihr Bruder in den USA ein. Wie er wohl mein Leben hier sieht, malt Signe Gedanken an den Bruder in den gespiegelten Mond im Fenster. Dann der Besuch, Vater und Mutter, ihr Bruder. Ein Teil der Kindheit kehrt zurück. Die Rollen von damals und der neue Weg Signes stehen sich gegenüber. Es sind Spannungen zu spüren bei jedem Schritt im Haus, dem Knarren der Tür und dem Klang der Gabel am Stück Kuchen am Keller.

Doch sind jetzt alle bereit für Fragen des Lebens? Für Richtungen und Ziele? Wie geht es weiter hier und dort….ja, es ist „Die Zeit, die es dauert“…

 

Hanne Orstavik legt einen Roman vor, in dem es um tiefe Selbstreflexion des modernen Menschseins im Spannungsfeld von Familie, Individualität und Selbstbestimmung geht. Die Autorin versteht es Aufmerksamkeit und Sensibilität mit situativem Spannungsaufbau zu verbinden. Das Familientreffen wird so zu einem fulminanten Erzählszenario moderner Lebensfragen.

 

„Ein Roman, der in einzigartiger Weise vom Leben und dessen wiederkehrenden wie ungelösten Fragen zu erzählen weiß“

 

Walter Pobaschnig 8_19

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„Gugelhupf_Geschwader“ Ein Provinzkrimi, Rita Falk. Neuerscheinung dtv Verlag.

 

„Gugelhupf_Geschwader“ Ein Provinzkrimi, Rita Falk. Neuerscheinung dtv Verlag.

Dicke Luft im Dorf. Der Bürgermeister ist außer sich und das heißt dann, dass sein Ärger über den Köpfen aller wie ein schweres Gewitter liegt. Worte prasseln nieder wie Hagel. Da heißt es in Deckung gehen. Alle und auch der Eberhofer weiß das. Aber ihn trifft es jetzt, er muss ins Rathaus und der Bürgermeister lässt es krachen in Eitelkeit und Ärger…

Und ist dieses Donnerwetter im Bürgermeisteramt nicht genug liegt auch weitere Spannung über dem Dorf. Das große Geld ist jetzt im Lotto zu haben. Ein Jackpot steht an. „Siebzehn Millionen“ sagt die Oma „während sie Kreuzchen für Kreuzchen macht“. Und auch viele Geschichten machen jetzt die Runde im Dorf. Der Lotto_Otto weiß da so einiges und ein menschliches Gewitter beginnt sich über all den Geldträumen so vieler zusammenzuziehen. Die Stimmung ist am Explodieren wie an einem heißen Sommertag. Und dann passiert es tatsächlich. Eine Explosion…

Und Eberhofer ist jetzt gefordert in all dem Rauch und Qualm menschlicher Abgründe klaren Blick zu finden und eine Spur aufzunehmen…

 

Rita Falk, die bayrische Bestseller Autorin, legt mit „Gugelhupf Geschwader“ ihren zehnten Krimi vor und sie trifft zu diesem runden Jubiläum wiederum ins Herz ihrer großen Fangemeinde. Es ist ein Falk-Krimi, der all die unverwechselbaren Kennzeichen ihres erfolgreichen Schreibens bietet – Sprachwitz, Direktheit und ein augenzwinkernder Spannungsaufbau, der von der ersten Seite an mitreißt.

 

„Ein Krimi, der die menschliche Seele unverwechselbar abgründig wie einfühlsam offenlegt“

 

Walter Pobaschnig 8_19

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„Menschen geben das Gefühl zuhause zu sein“ Olivia Pflegerl Schauspielerin – Station bei Bachmann, Wien 29.8.2019.

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Wir treffen uns an einem sonnigen Augustvormittag in 1090 Wien. Die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann ist hier im Herbst 1946 angekommen. Sie konnte vorübergehend bei Verwandten wohnen und zog dann in das „Ungargassenland“ in 1030.

Ingeborg Bachmann ist hier mit 20 Jahren angekommen. Sie sprach später „von einem langen Weg und dem Wunder so weit gekommen zu sein“ – wie war Dein Ankommen hier?

Ich bin in Klagenfurt aufgewachsen und mit 16 Jahre nach Wien gekommen. Das Ankommen war sehr schwer, weil ich viel Vertrautes zurückgelassen habe. Dann eine neue Schule und die Großstadt. Kein Wald, viel Wände. Etwas zurückzulassen und neu anzufangen ist nicht einfach.

Es braucht Zeit, aber im Kennenlernen von neuen Menschen ergibt sich wieder ein gutes Ankommen. Und so keine eine neue Stadt auch ein Zuhause werden. Wien ist das für mich mittlerweile im besten Sinne geworden.

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Was half Dir beim Ankommen in Wien?

Die Begegnung mit Menschen, Gespräche, Freundschaften. Besonders meine Mutter und ebenso die Musik. Ich habe mich mit 16 Jahren sehr in lateinamerikanische Musik verliebt, ich begann auch zu tanzen. Gerade auch Kunst und Kultur haben mir am Weg die neue Stadt sehr geholfen.

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Welche Orte sind Dir jetzt in Wien wichtig?

Ich bin wohl eine Nomadin, bin oft umgezogen in Wien. Theater und Kunst sind grundsätzlich sehr wichtig, auch im unmittelbaren Lebensraum. Es gibt viele Orte, die ich sehr schätze, etwa den Burggarten – und dort in den Himmel zu blicken, oder die Albertina, das Spazieren am Donaukanal und im Türkenschanzpark, das wunderbare Blühen der Rosen im Volksgarten, Wien ist eine wunderbare Stadt.

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Du bist Schauspielerin. Wie kam es zu diesem Weg?

Ich war schon mit fünf Jahren auf der Bühne. Das war am Stadttheater Klagenfurt im Musical Anatevka mit Karl Merkatz. Ich war regelmäßig im Kinderchor und der Statisterie. Es war immer sehr schön und ein Teil meines Lebens. Ich war da in einer Bühnengeschichte und spürte schon die Energie des Publikums. Damals dachte ich noch nicht, dies wird mein Beruf.

Es war aber schon damals faszinierend zu erleben, wieviel mit und auch ohne Worte erzählt werden kann. Ganz egal was in der Schule war, oder ein Problem im Alltag, jedesmal, wenn ich auf die Bühne kam, war das weg. Es war dann einfach nur die Bühne. Es ist dann ein Gefühl, das nie wieder weggeht und dass vermisst wird.

Viele Möglichkeiten boten sich mir da im Theater aber auch Zuhause. Ich erinnere mich an die große Bücherwand in unserem Haus und das Klavier, natürlich die Musikanlage und die vielen CD´s meiner Eltern. Ich habe in diesem Raum Choreographien vor dem Spiegel geübt und Musik entdeckt. Ich bemerke jetzt wie früh Kunst, Musik in mein Leben gekommen ist und wie stark es mich beeinflusst. Wir glauben oft nicht wie scheinbar kleine Momente, Erfahrungen, jetzt große Auswirkungen haben auf das Leben, auf die persönliche Zukunft.

Mit sechzehn Jahren dann als mein Vater verstarb (Anm: Dietmar Pflegerl (1943-2007), Regisseur, 1992-2007 Intendant des Stadttheaters Klagenfurt) und ich nach Wien zog, habe ich gemerkt, es fehlt etwas hier. Ich interessierte mich zunächst für verschiedene Ausbildungswege doch dann dachte mir, ich will doch auf die Bühne. Ich habe dann diesen Entschluss gefasst und gehe diesen Weg seither mit Freude und Neugierde.

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Gibt es noch Verbindungen zu Klagenfurt?

Jedesmal, wenn ich vor dem Theater in Klagenfurt stehe, habe ich Tränen in den Augen. Es war ja mein zweites Zuhause. Ich war jeden Tag dort. Es war wie in einem Traumland. Ich lernte so viele Menschen aus allen Teilen der Welt kennen und versuchte schon mit fünf Jahren Englisch mit Ihnen zu reden. Das hat mich extrem geprägt, künstlerisch wie menschlich.

Ich lernte im Theater schon sehr früh eine Offenheit anderen Menschen gegenüber. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Und dass es nicht nur im Theater so war. Unser Haus in Klagenfurt stand immer offen, meine Mutter hat für unsere Gäste viel gekocht und um den großen Tisch saßen die unterschiedlichsten KünstlerInnen. Und ich hörte zu wie sie über ihr Leben sprachen. Das war schon besonders als Kind so viele Geschichten zu hören.

 

Ingeborg Bachmann reflektiert in ihrer Erzählung „Drei Wege zum See“ ihr Leben und die vielfältigen Herausforderungen im Gehen. Wie weit ist das Gehen, das Spazieren für Dich im Ankommen in Klagenfurt wichtig?

Jedes Mal, wenn ich in Klagenfurt bin, gehört ein Spaziergang durch die Stadt und am Wörthersee dazu. Das Schwimmbad Maria Loretto ist mir seit meiner Jugend sehr vertraut. Wir waren da sehr oft schwimmen. Besonders auch die Seerosen beim Schlossturm sind mir in Erinnerung.

Ich war immer sehr verbunden mit der Natur. Schlief im Baumhaus. Formte Sandkuchen. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Energie und Kraft die Natur gibt. Etwa zwei Stunden spazieren in der Natur. Das ist sehr wichtig für die Erholung.

Auch das Gehen als Konfliktmanagement erlebte ich unmittelbar. Wenn es ein Problem gab in meiner Familie, dann gingen wir spazieren, in der Bewegung denkt man besser. Und daher machten wir in diesem Fall immer lange Spaziergänge. Wir gingen und als wir angekommen sind, war das Problem gelöst.

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Welche Bedeutung hat das Schreiben für Dich?

Das Schreiben begann für mich mit dem Tagebuchschreiben. Es war im ersten Verliebtsein. Ich halte es für sehr wichtig Emotionen auf ein Blatt Papier zu bringen. Einmal habe ich in jungen Jahren an einem Literaturwettbewerb zum Thema „Liebe“ teilgenommen. Der Text entstand im Urlaub mit meinen Eltern in der Türkei. Der Text wurde zurückgeschickt, weil er zu lang war. Grundsätzlich hat und bedeutet mir Schreiben sehr viel. Jetzt schreibe ich Songtexte, weil ich die Musik so liebe.

Was sind Deine nächsten Pläne? Du wirst auch beruflich in Klagenfurt zu sehen sein?

Aktuell spielte ich im Sommer bei den Seefestspielen in Mörbisch in der Produktion „Das Land des Lächelns“. Im Januar folgt dann die Wiederaufnahme von „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ (Nestroy), Regie: Gerhard Ernst, im Theater-Center Forum Wien.

Reisen ist mir aber auch sehr wichtig, gerade auch für den Beruf der Künstlerin. Auf Reisen lernen wir sehr viel über uns selbst und über die Menschen. Ich liebe es, die Welt zu entdecken, weil es ein Entdecken der eigenen Persönlichkeit ist. Ende des Jahres werde ich länger in Südamerika sein.

Im neuen Jahr freue mich auch auf die Rolle im szenischen Bachmann outdoors Projekt „Drei Wege zum See“ (Sa 20.6.2020) in Klagenfurt.

 

Liebe Olivia Pflegerl vielen Dank für das Interview&Fotoporträt und alles Gute für Deine Pläne und Reisen.  – schön, dass Du 2020 auch für ein Ingeborg Bachmann Projekt nach Klagenfurt kommst, viel Freude für alles!

Gespräch&alle Fotos_Walter Pobaschnig