„Paul Celan . Die Gedichte“ Neue kommentierte Gesamtausgabe. Neuerscheinung Suhrkamp Verlag.

„Paul Celan . Die Gedichte“ Neue kommentierte Gesamtausgabe. Neuerscheinung Suhrkamp Verlag.

„Erst jenseits der Kastanien ist die Welt/von dort kommt nachts ein Wind im Wolkenwagen/und irgendwer steht auf dahier…“ Sand aus den Urnen/Drüben.

Der Dichter ist zwanzig Jahre alt als er diese Zeilen schreibt. Geboren 1920 in Czernowitz (Bukowina/Rumänien) kommt das Unheil immer näher. Die Sprache wird zum Ausdruck inneren Ringens mit dem unvorstellbaren Grauen.  In symbolischen Bezügen eindringlich artikuliert (Mythologie/Natur/Märchen). Er muss die Deportation der Eltern und deren Tod miterleben. Er selbst kann überleben und flieht nach dem Krieg nach Wien. Das Schreiben ist ihm immer ein Begleiter. Freunde wie der Dichter und Kunsthistoriker Klaus Demus und dessen Frau die Pädagogin Nani Demus unterstützen ihn. Sein Anspruch über Unsagbares wie persönlich erlittenen Verlust und Leiden zu schreiben wird zu einer gehörten, wenn auch zunächst unverstandenen Stimme im deutschen Sprachraum. Ingeborg Bachmann erkennt die Kraft und das Talent. Sie fördert den Dichter nach Möglichkeit und dieses Band wird sie zu Lebzeiten in allen Stürmen der Liebe und des Lebens begleiten. In Paris findet der Dichter weitere Formkraft und gleichsam ungeahnte sprachliche metaphorische Tiefe, die seine Poesie zum Feuer im Blick auf Klage und Anklage wie der Liebe werden lassen. Seine Frau, die Grafikerin Gisele Celan-Lestrange, ist bis zu seinem frühen Tod an seiner Seite und auch künstlerische Partnerin.

Der Suhrkamp Verlag legt nun eine beeindruckende gebundene Gesamtausgabe des Werkes von Paul Celan vor – hervorragend herausgegeben und kommentiert von Barbara Weidemann – welche in ihrer inhaltlichen Kompetenz (erweiterter Gedichtumfang und Kommentar zur Ausgabe von 2003, ebenso kommen 25 Radierungen von Gisele Celan-Lestrange hinzu) und bibliophilen Ausstattung Maßstäbe in der literarischen Werkedition  setzt.

„Der Suhrkamp Verlag öffnet mit dieser kommentierten Gesamtausgabe die Tür zu Werk und Verständnis Paul Celans sehr, sehr weit. Es ist faszinierendes Lesen wie literarischer Dialog in einem. Ein Zauber und ein Nachdenken, in dem das Wort wie die Gegenwart des Dichters selbst in Gänsehaut zu spüren ist“.

Paul Celan . Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe. 1262 Seiten. 2018, Suhrkamp Verlag.

Walter Pobaschnig 8_18

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„Streetfotografie“ David Gibson. Edition Profifoto. mitp Verlag.

 

„Streetfotografie“ David Gibson. Edition Profifoto. mitp Verlag.

„Es mag seltsam sein, einfach nur herumzulaufen und kein bestimmtes Motiv im Kopf zu haben. Doch wenn dieser eine magische Moment passiert, ist es die natürlichste und wunderbarste Sache der Welt“.

So leitet David Gibson, einer der Gründungsmitglieder von In-Public, dem ersten modernen und internationalen Kollektiv von Streetfotografen, sein Buch über eine der faszinierendsten Fotowege und –inspirationen der Gegenwart ein. Der Autor betont, dass Streetfotografie wesentlich in Freude, Neugierde und Faszination als Motivation gründet und Stilmittel und Technik diesen Ausgangspunkt weiterführen. Ein Fachbuch wie dieses ist gleichsam ein Wegbegleiter, der Möglichkeiten aufzeigt und eröffnet. Es ist ein Teilen von Begeisterung an einer ganz besonderen Form der Fotografie.

Gibson baut sein sehr anschauliches und übersichtlich gestaltetes Buch auf Themen und Fotografen auf, an denen er wesentliche Grundlagen und Möglichkeiten der Streetfotografie aufzeigt. Zunächst gibt er eine sehr kompakt illustrierte Einleitung, die Geschichte und Gegenwart der Streetfotografie wie auch bedeutende Persönlichkeiten wie Henri Cartier-Bresson vorstellt. Die 5 Überblicksthemen sind dann  1) Betriebsam (Bewegung auf der Straße/Plätzen/Orten)  2) Ruhe (Momente des Wartens/Blickwinkel) 3) Abstrakt (Schärfevariationen/Schatten/Reflexionen)  4) Stillleben (Objekte/Leere)  5) Motive (Menschen/Objekte). In der Vorstellung und Erläuterung dieser werden jeweils namhafte Fotografen und deren Zugänge wie grundsätzliche Möglichkeiten geöffnet. Der Autor versteht es dabei ausgezeichnet nicht so viel Theorie und Details abstrakt darzustellen sondern in sehr anschaulicher Weise gleichsam Fotografie als eine Geschichte zu erzählen, der spannend zu folgen ist und die Lust auf eigenes Erzählen in Bildern macht.

„Ein Fotobuch, das ausgezeichnet informiert und motiviert. Eine sehr gute Ein- und Anleitung zur Streetfotografie aber vor allem auch ein wunderbares Erzählen über die Faszination – ein Bild von der Welt – zu machen“

 

David Gibson, Streetfotografie. Edition Profifoto. mitp Verlag.

Walter Pobaschnig, Wien 9_2018

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„Matriarchatsfiktionen – Johann Jakob Bachofen und die deutsche Literatur des 20.Jahrhunderts“ Ulrich Boss, Yahya Elsaghe, Florian Heiniger (Hg.). Neuerscheinung Schwabe Verlag Basel.

„Matriarchatsfiktionen – Johann Jakob Bachofen und die deutsche Literatur des 20.Jahrhunderts“  Ulrich Boss, Yahya Elsaghe, Florian Heiniger (Hg.). Neuerscheinung Schwabe Verlag Basel.

„Mutterrecht“, schon der Titel des 1861 erschienenen Hauptwerkes des Basler Altertums- und Rechtswissenschaftlers Johann Jakob Bachofen forderte umfassend heraus – Wissenschaft, Gesellschaft, Selbstverständnis. Der leidenschaftlich Musen und archäologische Stätten der Zeit bereisende Bachofen entwickelte darin eine Gesellschaftstheorie, die sich in symbolisch-metaphorischer Anlehnung und Assoziation an griechische Mythologie begrifflich zu fassen sucht. Bachofen postuliert ein vergangene Epochen bestimmendes Matriarchat, welches von patriarchaler Gesellschaftsstruktur abgelöst wurde. Dem einher ging auch ein Verlust von ganzheitlichem Lebens- und Kontingenzverständnis sowie gesellschaftlicher Empathie, die nun im Patriarchat von Macht und Gewalt ersetzt ist.

Das Erbe des in wissenschaftlichen Fachkreisen der Zeit größtenteils ignoriertem wie abgelehntem Modell der Gesellschaftstheorie erlebte und erlebt in den folgenden Kulturepochen, besonders auch im Schrecken, Erleben und Bedenken der Weltkriegskatastrophen, eine neue Renaissance der vieldimensionalen Aufmerksamkeit in Moderne und Postmoderne.

Die Schweizer Literaturwissenschaftler Ulrich Boss, Yahya Elsaghe und Florian Heiniger legen nun eine hochinteressante Schwerpunktstudie zur Bachofenrezeption bzw -inspiration in der Literatur des 20.Jahrhunderts vor, die in Beiträgen namhafter Fachwissenschaftler umfassende neue Zugänge eröffnet. Ausgewählte Werke, etwa von Gerhart Hauptmann, Arthur Schnitzler, Franz Kafka oder Elias Canetti (und weiterer), bekommen dabei ganz neue Blickwinkel und Perspektiven und weisen auf die literarische Kenntnis oder auch Auseinandersetzung mit dem Werk Bachofens hin (auch im modernen Film – Metropolis). Bachofens Thesen sind dabei Anstoß zu gesellschaftlich alternativen Denkmodellen im künstlerischen Dialog und Diskurs.

Der Baseler Schwabe Verlag, das Buch erscheint in der Reihe Schwabe interdisziplinär, legt hier innovative wissenschaftliche Analyse und Kritik auf höchstem Niveau vor, die auch narrativ sehr spannend dargelegt wird.

Walter Pobaschnig 8_18

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„Von Beruf Schriftsteller“ Haruki Murakami. Taschenbuch, btb Verlag.

 

„Von Beruf Schriftsteller“ Haruki Murakami. Taschenbuch, btb Verlag.

„Wann genau ich damit begonnen habe, die Texte für das vorliegende Buch zu schreiben, weiß ich nicht mehr, aber es muss vor etwa fünf oder sechs Jahren gewesen sein. Ich hatte schon viel früher den Wunsch, etwas über mich als Schriftsteller zu erzählen und darüber, was es bedeutet, über lange Zeit zu schreiben…“

So beschreibt einleitend der japanische Bestsellerautor, Haruki Murakami, die Entstehung des vorliegenden Buches, welches eine bemerkenswerte Reflexion einer Schriftstellerexistenz in Anfängen, Entwicklungen und Brüchen darstellt.

In elf Kapiteln gibt Murakami einen tiefen Einblick über das Selbstverständnis eines Autors, die Bedeutung von Preisen, die Motivation, Motive und die Inspiration des Schreibens, die umfangreiche Konzeption eines Romans, die literarische Stilisierung und Konzeptualisierung der Romanprotagonisten, die Bedeutung von Schulbildung, das Lesepublikum und die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Reisen und Ortswechsel.

Murakami geht dabei auf literarische Einflüsse und Autorenvorbilder wie grundsätzliche Sprachreflexion und existentielle Fragestellungen ein, die große Themen seiner Bücher sind. Bemerkenswert ist dabei auch das offene, ja gelöste Erzählen des Autors, der selbst die Öffentlichkeit meidet und dessen Medienauftritte sehr rar sind.

 

„Ein Ereignis und Manifest der modernen Literatur. Murakami öffnet Herz und Seele seiner Schriftstellerexistenz“

 

Haruki Murakami, Von Beruf Schriftsteller. btb Verlag.

 

Walter Pobaschnig, Wien 9_2018

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„Handbuch für Pilzjäger“ John Wright. Ulmer Verlag.

 

„Ein Pilz-Buch, das Freude und Wissen in ganz besonderer Weise verbindet und zur Schatzsuche im Wald charmant wie kompetent einlädt“.

 

„Handbuch für Pilzjäger“ John Wright. Ulmer Verlag.

Pilze. Es ist eine „Schatzsuche“, die seit Kindheitstagen begleitet und fasziniert. Wege in wunderbarer Natur, die dann an besonderen Orten oder unmittelbar am Weg Eierschwammerl, Steinpilze oder Parasole erblicken lassen. Eine Erfahrung und Leidenschaft, die lebenslang begleitet…

John Wright, der britische Autor des vorliegenden Pilzbuches, hat seine Leidenschaft und Faszination für das Pilzesammeln und die weite Welt der Botanik, Kulinarik und Kultur drumherum zum Beruf gemacht. Wright ist heute gefragter Pilzexperte im Fernsehen und in Unterrichtskursen.

Es ist persönliche Leidenschaft, jahrzehntelange persönliche Erfahrung im Pilzesammeln und -bestimmen wie umfassende Kenntnis in der Vermittlung des beeindruckenden Wissens, welche dieses Buch von Wright auszeichnen. In gut verständlicher Sprache und leichtem, auch humorvollen, Erzählstil gelingt es dem begeisterten Leser sich persönlich gut einzufinden und damit Anregungen und Ideen zu erhalten, die weiterbilden oder einfach auf die nächste Pilzsuche freuen lassen. Beeindruckend ist auch der umfassende Informationsteil, der kulturgeschichtliche Aspekte, botanische Grundlagen und Besonderheiten und einen detaillierten Erkennungsraster der einzelnen Pilzarten, mit toller Fotodarstellung, bietet. Wright gelingt es auch in sehr guter Sprachform und Erklärung grundlegende Unterscheidungen zwischen Speise- und Giftpilzen zu vermitteln. Viele Rezepttipps zur abwechslungsreichen Zubereitung von Pilzen runden das Buch wunderbar ab. Servicetipps und Register schließen diesen zu sehr zu empfehlenden Pilzbegleiter.

 

Walter Pobaschnig, Wien 9_2018

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„Die Präsidenten der USA“ 45 historische Porträts von George Washington bis Donald Trump. Christof Mauch (Hrsg.). Aktualisierte Auflage 2018. Beck Verlag

 

„Die Präsidenten der USA“ 45 historische Porträts von George Washington bis Donald Trump. Christof Mauch (Hrsg.). Aktualisierte Auflage 2018. Beck Verlag

Es beginnt in Virginia. Am 22.Februar 1732 wird dem Landvermesser und Tabakbauer Augustine ein Sohn geboren, der auf den Namen George getauft wird. Er interessiert sich früh für die Tätigkeit des Vaters und sucht zeitlebens auch persönlich Land zu erwerben. Beruflich schlägt er die Militärlaufbahn ein und wird bald zum kampferprobten Offizier. Jedoch scheidet er aus dem Militärdienst mit 26 Jahren aus und heiratet die wohlhabende Witwe Martha Dundridge Custis. Die Ehe bleibt kinderlos doch George kümmert sich liebevoll um Marthas Sohn und Tochter aus erster Ehe. Als Großgrundbesitzer findet er nun immer mehr in seine politische Rolle, in der er die Loslösung von Großbritannien als wesentlich ansieht. Im September 1774 erscheint er in Uniform im Parlament von Virginia und tritt für einen bewaffneten Widerstand gegen die Kolonialmacht ein. Es folgen Jahre des Krieges, Leidens und der Entbehrung. Schließlich kapituliert 1781 die englische Armee unter Cornwallis und der Weg zu Verhandlungen zur Unabhängigkeit ist frei. Am 4.Februar 1789 wird der erste Präsident der USA einstimmig gewählt. Sein Name: George Washington. Der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Farmersohn hatte es geschafft. Er hat sein Ziel von Freiheit und Selbstbestimmung konsequent verfolgt und dies wird auch in der weiteren Präsidentenfolge beispielgebend sein. Ob in den Weltkriegen des 20.Jahrhunderts oder im aktuellen Friedensgespräch mit Nord Korea, die Rolle der USA als wesentlicher Akteur der Weltpolitik ist unbestritten. Doch wie kam es in den Jahrhunderten seit Washington dazu? Was waren die wichtigsten politischen Meilensteine und Schwerpunkte der Präsidentschaften? Und wer waren diese „mächtigsten Männer“ der Welt persönlich?

Christof Mauch, Professor für Amerikanische Geschichte und Direktor des Rachel Carson Center for Environment and Society der Ludwig-Maximilians-Universität München, legt einen fundierten wie auch gut lesbaren Überblick über Person und politische Wirkungsgeschichte der Präsidenten der USA vor.

„Eine beeindruckende Zeitreise in hervorragender Information und Analyse“

Walter Pobaschnig, Wien 9_2018

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