„Den Blick ändern – guck mal, wer oder was neben dir existiert“ Wienke Treblin, Künstlerin und Autorin _ Krefeld/D 8.6.2024

Liebe Wienke Treblin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe früh auf. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit meiner Tochter erledige ich meine verschiedenen Brot-Jobs, die mir insgesamt viel Freude machen – dafür bin ich dankbar! Für meine schriftstellerische und künstlerische Arbeit versuche ich jede Zeitnische zu nutzen, die mich findet.

Das funktioniert oft dann gut, wenn ein Ziel vor Augen ist, eine Abgabe, eine Ausstellung oder Lesung. Trotz alledem ist es manchmal schwer, sich so sehr zu disziplinieren, zusätzlich zu allen Alltags-Fallstricken. Was mir hilft als ausgleichende Elemente: Schwimmen (Sport und Bewegung allgemein), Singen und Musik, möglichst viel draußen in der Natur sein und der Austausch mit anderen.

Kollaboratives Arbeiten empfinde ich als erfüllend, wenn durch gemeinsames Denken Ideen wachsen, und daraus etwas Neues entsteht, das man zusammen umsetzt.

Wienke Treblin, Künstlerin und Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Blick ändern, weg vom ewig Selbstbezogenen – guck mal, wer oder was neben dir existiert. Vielleicht wird dadurch auch die Mecker-Mentalität ein wenig im Zaum gehalten. Ich empfinde es als übergriffig, wenn einem ständig mit Gejammer und schlechter Laune begegnet wird. Oft hauen die Eigendreher:innen, die zu sehr im eigenen Saft schmoren, der Welt ungefiltert ihre schlechte Laune um die Ohren, das ist einfach unsäglich, und verstärkt noch die Abgrenzung und die narzisstische Grundhaltung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ehrliche Empathie ist essentiell, sich selbst nicht so wichtig nehmen. Und natürlich Humor! Humor ist sehr wichtig.

Ich denke, das gilt auch für die Literatur und die Kunst.

Aktuelle Buchneuerscheinung von Wienke Treblin:

„heimwehen“ (Lyrik und Illustrationen) Corvinus Presse Berlin, 2024

https://www.corvinus-presse.de/

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer in mehreren Büchern, momentan sind es folgende:

„Das langsame Fallen von Staub an einem ruhigen Ort“ Steve Rasnic Tem

„So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!“ Christoph Schlingensief

„Die Zimtläden“ Bruno Schulz

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Keine Angst, die Liebe kennt den Weg, …“ Eric Pfeil

Vielen Dank für das Interview, liebe Wienkeviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Wienke Treblin, Künstlerin und Autorin

Zur Person_ Wienke Treblin lebt seit ihrem Designstudium in Krefeld. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Niederrhein, als Kulturpädagogin bei Mobifant Krefeld, als Projektassistenz bei den Kunstmuseen Krefeld und als freie Künstlerin und Autorin.

Aktuelle Veröffentlichungen und Ausstellungen: „heimwehen“ (Lyrik und Illustrationen) Corvinus Presse Berlin, 2024; „ohne Titel , Linoldrucke zur Ästhetik des Wartens, deutsch-chinesisches Kunstprojekt, 2023;  

Lyrik und Illustrationen „Sentimentale Eiche No. 5“, 2023; Lyrik für die Literaturkarte Rheinland auf Einladung von Literatur Rheinland 2023; „Stadtstimmen“ Lyrik für eine Cross-Media-Inszenierung mit Formkultur auf Einladung des Niederrheinischen Literaturhauses, 2022;  Lyrik in der Anthologie „In einem anderen Land“, RUP 2022;

Beuys und Duchamp – Künstler der Zukunft, ein Kinder-Mitmach-Buch zur Ausstellung (Konzeption, Texte, Illustrationen), Kunstmuseen Krefeld, 2021; Lyrik und Cover-Illustration in der Anthologie „ Mixtape Seite B“, Hrsg. Marco Kerler und Christoph Kleinhubbert, Moloko Print 2021; „kann spuren von heartbreak enthalten“ (Lyrik und Illustrationen) Corvinus Presse Berlin, 2020.

Instagram: @wienkes_welt

Foto_ Herbert Hindringer

Walter Pobaschnig _ 15.5.2024

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„Das Theater bringt Leute zum Lachen, Weinen, Nachdenken und manchmal auch zum Einschlafen.“ Marius Lackenbucher, Schauspieler _ Wien 7.6.2024

Lieber Marius Lackenbucher, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan ist mein Tagesablauf nicht sonderlich spektakulär, weil es geradeetwas ruhiger ist, aber das genieße ich, auch weil ich mit Stress ohnehin nicht umgehen kann. Ich mache mir einen entspannten Morgen, schlafe mich aus, genieße eine Tasse Kaffee und/oder Tee, lerne etwas Französisch oder lese.

Dann widme ich mich den Vorbereitungen anstehender Projekte, lerne meinen Text, singe und wenn mich die Muse küsst, versuche ich wieder an eigenen Projekten zu schreiben, von denen nicht sicher ist, ob auch nur eines davon jemals das Licht der Welt erblickt. Ich gehe spazieren, meist im Böhmischen Prater, weil er nicht weit weg von mir ist, gehe Einkaufen und koche.

Und abends arbeite ich entweder die Liste der Filme und Serien ab, die ich mir ansehen möchte, spiele auf der Playstation oder aber ich gehe ins Theater oder Kino. Doch die bevorstehende Probenzeit für das Sommertheater rückt immer näher und dann kehrt auch wieder mehr Struktur in meinen Alltag ein, also genieße ich das entspannte Jetzt wie es ist und lebe in den Tag hinein.

Marius Lackenbucher, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns alle ist gerade sehr wichtig, dass wir uns nicht zu sehr von negativen Emotionen wie Hass oder Angst steuern lassen. Hass ist eine Emotion, die zu unserem menschlichen Wesen gehört und sie hat durchaus auch ihre Berechtigung, aber vor allem wenn sich Hass gegen Personen richtet, dürfen wir nicht vergessen, dass immer noch ein Mensch wie wir auf der anderen Seite steht. Menschen mit einem tiefen und komplexen Wesen wie wir selbst, Menschen mit einer Geschichte, Menschen die wiederum anderen Menschen in ihrem Leben haben die sie lieben und schätzen und die von ihnen geliebt und geschätzt werden und für die es eine Tragödie wäre einander zu verlieren. Ich sehe oft, dass wir einander diese Menschlichkeit absprechen, oder gar nicht erst darüber nachdenken. Und wir urteilen schnell aus der Emotion heraus, was auch verständlich ist, aber deswegen ist es wichtig sich dann nicht vom Hass leiten zu lassen, sondern einen Schritt zurückzugehen und den Menschen auf der anderen Seite zu erkennen. Das ist sehr schwer aber aus Hass kann niemals etwas Gutes entstehen.

Und gleich verhält es sich mit der Angst. Wenn wir Angst haben, dann sind wir sehr fokussiert auf die Dinge, die uns Angst machen und verlieren den Überblick. Angst bedeutet Gefahr, und diese Gefahr gilt es im Auge zu behalten damit wir schnell handeln können – wir bekommen einen Tunnelblick und treffen dann oft Entscheidungen, die uns entweder nicht helfen oder sogar schaden. Und auch hier ist es wichtig sich von der Angst nicht leiten zu lassen, sondern sie wahrzunehmen, zu benennen und zu akzeptieren und mit diesem Bewusstsein die Dinge zu betrachten und zu sagen „Okay, ich habe diese Angst, aber jetzt schau ich mal was hier eigentlich los ist, was sonst noch auf dem Spiel steht, wo meine Angst da vielleicht hineinspielt und wie man da am Besten wieder rauskommt.“ Was uns helfen kann den Hass und die Angst zu überwinden ist offenen Kommunikation – das heißt für mich aufeinander zuzugehen und einander zuzuhören und dadurch versuchen einander und uns selbst besser zu verstehen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Das Theater kann vieles – es bringt Leute zum Lachen, Weinen, Nachdenken und manchmal auch zum Einschlafen. Es kann furchterregend sein, aber auch hoffnungsvoll. Das gesamte emotionale Spektrum kann vom Theater in all seinen verschiedensten Formen abgedeckt werden. Es ist auch eine Möglichkeit, sich selbst und die eigenen Meinungen herauszufordern, unsere Gesellschaft und Systeme zu kritisieren und zu hinterfragen und Diskurse anzustoßen. Dabei ist es wichtig, Dinge anzusprechen, die vielleicht unangenehm sind, mit denen wir uns nicht so gerne beschäftigen wollen. Aber wir leben in einer Zeit, in der wir den unangenehmen gerne aus dem Weg gehen anstatt uns damit zu beschäftigen. Anstatt in eine Diskussion zu gehen und sich mit einem Thema auseinanderzusetzen zu gehen, wird abgeblockt.

Das Theater und die Kunst im Allgemeinen dürfen sich davon nicht mitreißen lassen. Sie müssen frei sein können, frei, um jedem Menschen den Platz bieten zu können, sich zu entfalten. Denn nur so kann das Theater seine Geschichten ehrlich und authentisch erzählen. Und dann liegt es sowieso in den Händen und Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer, was sie damit machen.

Was liest Du derzeit?

Aktuell lese ich zuhause die Semi-Autobiographie von David Lynch „Room To Dream“ und weil das doch ein dickes und schweres Buch ist, habe ich für Unterwegs momentan immer „Serge“ von Yasmina Reza dabei.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wie sehr die Menschen, die sich zu Hunderttausenden auf einem kleinen Erdenfleck angesammelt hatten, diese Erde, auf der sie sich drängten, zu verunstalten suchten, wie sehr sie sie mit Steinen zupflasterten, damit nichts mehr auf ihr gedeihen konnte, wie sehr sie noch jedes Kräutchen, das da keimte, wegrupften, wie sehr sie alles mit Steinkohle und Petroleum verqualmten, wie sehr sie die Bäume stutzen und Tiere und Vögel samt und sonders verjagten – der Frühling war Frühling, selbst in der Stadt. Die Sonne wärmte, das Gras lebte auf, wuchs und grünte überall, wo man es noch nicht weggekratzt hatte, nicht nur auf den Rasenstreifen der Boulevards, sondern auch zwischen den Steinplatten; Birken, Pappeln und Traubenkirschen entfalteten ihre klebrigen und duftenden Blätter, die Linden spreizten die geplatzten Knospen; Dohlen, Spatzen und Tauben bauten schon frühlingsfreudig ihre Nester, und die Fliegen summten an sonnengewärmten Wänden. Fröhlich waren die Pflanzen, die Vögel, die Insekten und die Kinder. Aber die Menschen – die großen erwachsenen Menschen – hörten nicht auf, sich selbst und einander zu hintergehen und zu quälen. Die Menschen glaubten, heilig und wichtig sei nicht dieser Frühlingsmorgen, nicht diese Schönheit der Welt Gottes, zum Wohle aller Lebewesen gegeben, eine Schönheit, die für Frieden, Harmonie und Liebe einstimmt, nein, heilig und wichtig sei das, was sie sich selbst ausgedacht hatten, um Macht übereinander auszuüben.“ – Auferstehung von Lew Tolstoi

Vielen Dank für das Interview, lieber Mariusviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich alles Gute! 

Marius Lackenbucher, Schauspieler

5 Fragen an Künstler*innen:

Marius Lackenbucher, Schauspieler

Zur Person_ Marius Lackenbucher _geboren 1995 in Kärnten. Schauspielausbildung an der Schauspielschule Krauss in Wien (Diplom 2019 mit dem Stück Kunst von Yasmina Reza). Spielte 2019 Schabelskij in Anton Tschechows Ivanov (Off Theater, Regie: Andreas Simma) und Bertl in Ladies Night (Komödienspiele Neulengbach, Regie: Theresa und Joseph Prammer); 2022 als Brian in der österreichischen Uraufführung von Avenue Q im Stadttheater Mödling und dem Theater Scala in Wien (Regie: Marcus Ganser), Becket oder Die Ehre Gottes (Theater Arche, Regie: Dunja Tot), 2023 als Peter Lehmann in Das Wochen-Ende (Komödienspiele Neulengbach, Regie: Theresa und Joseph Prammer), Frederick in Ein ganz besonderer Tag (Theater Heuschreck), Montfleury/Captain Carbon in Cyrano de Bergerac (Stadttheater Mödling/Theater Scala, Regie: Bruno Max) Darüber hinaus zahlreiche Projekte in der Freien Szene.

Fotos_ Corinna Harrer

Walter Pobaschnig _ 12.5.2024

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Bachmannpreis 2024 _ „Authentizität“ Ulrike Haidacher, Schriftstellerin _ Wien 7.6.2024

Bachmannpreis 2024 _  im Interview:

Ulrike Haidacher, Schriftstellerin, Bachmannpreis Nominierung 2024

Ulrike Haidacher, Schriftstellerin,
Bachmannpreis Nominierung 2024

Liebe Ulrike Haidacher, herzliche Gratulation zur Nominierung zum Bachmannpreis! Was war Deine erste Reaktion dazu und auf was freust Du Dich besonders?

Danke! Ich habe mich kurz geschreckt und mich gleichzeitig gefreut.

Am meisten freue ich mich auf das Erlebnis und darauf, einige Tage bei einem Literaturfestival mit vielen anderen Menschen zu sein. Ich habe gerade meinen Roman fertig geschrieben, da ist der Alltag eher isoliert am Schreibtisch. Am Wörthersee bei diesem Event zu sein, das wird sicher super.

Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?

Er ist sicher eine gute Möglichkeit für Autor:innen, sich in der Literatur weiter zu etablieren.  Außerdem bekommt für eine Woche Literatur und die Diskussion darüber große Aufmerksamkeit und das Publikum bekommt die Möglichkeit, Autor:innen kennenzulernen, die vielleicht davor nicht so im Fokus der Öffentlichkeit gestanden sind.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?

Authentizität

Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?

Ich habe sie nie kennengelernt, darum kann ich das nicht beantworten.

Welche drei Dinge kommen unbedingt nach Klagenfurt nicht mit?

Laptop, Strickpullover, Auto

Vielen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Ulrike Haidacher, Schriftstellerin,
Bachmannpreis Nominierung 2024

Zur Person: Ulrike Haidacher, A

Geboren 1985 in Graz, lebt in Wien. Liest auf Einladung von Klaus Kastberger.

Ulrike Haidacher studierte Germanistik und lebt als freie Autorin und Kabarettistin in Wien. Sie schreibt Romane und Bühnenprogramme sowie satirische Kolumnen für das Radio (FM4). Ihr Debütroman „Die Party“ wurde 2024 am Schauspielhaus Graz uraufgeführt, ihr zweiter Roman „Malibu Orange“ erscheint im Juli 2024 im Leykam Verlag.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • „Malibu Orange“. Roman (Leykam, Juli 2024)
  • „Die Party. Eine Einkreisung“. Roman(Leykam 2021)
  • „Fasching und Schuh“. Erzählung. In: Worte bewegen. Literatur im Stieglerhaus. 1. Österreichischer Literaturpreis für Erzählungen. Braumüller 2022
  • „Schlangenschnaps und Sauerteig“. Erzählung. In: in Worte bewegen. Literatur im Stieglerhaus. 1. Österreichischer Literaturpreis für Erzählungen. Braumüller 2020
  • Niemand redet über die Vorteile“. Kurzprosa. In: perspektive. hefte für zeitgenössische literatur, Ausgabe 94+95 „State of the Art“
  • „Mit Haarkranz in Berkeley“. Kurzprosa. In: Lichtungen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik, Ausgabe 153 / XXXIX. Jg.
  • „Ausziehmonolog“. Bühnenmonolog. In: in „Querulantinnen.Kabarett und Poesie.“ Reclam 2018

Auszeichnungen und Stipendien (Auswahl)

  • 2022: Peter-Rosegger-Literaturpreis des Landes Steiermark
  • 2022: 1. Preis beim Österreichischen Literaturpreis für Erzählungen
  • 2019: Startstipendium für Literatur des Bundeskanzleramts Österreich
  • 2017: Österreichischer Kabarettpreis (für Flüsterzweieck)

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257215/Präsentation

Bachmannpreis 2024 _ Tage der deutschsprachigen Literatur _ 26. bis 30. Juni 2024 Klagenfurt

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257422/

v.l. Heimo Strempfl (Robert Musil Literatur-Museum), Bettina Kugi (BKS Bank), Klaus Wachschütz (Technischer Leiter ORF Kärnten & Regisseur Ingeborg-Bachmann-Preis), Ursula Schirlbauer (ORF/3sat), Horst L. Ebner (Koordinator „Tage der deutschsprachigen Literatur), Karin Bernhard (ORF Landesdirektorin), Christian Scheider (Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee), Reinhard Draxler (Kelag), Inga Horny (Stadtmarketing Klagenfurt)

Nominierte:

Kaska Bryla, A/POL

Semi Eschmamp, CH

Ulrike Haidacher, A

Jurczok, CH

Christine Koschmieder, D

Miedya Mahmod, D

Sarah Elena Müller, CH

Denis Pfabe, D

Johanna Sebauer, A/D

Tijan Sila, D/BIH

Tamara Stajner, A/SLO

Sophie Stein, D

Henrik Szanto, D/FIN/UK

Olivia Wenzel, D

Infos zum Bachmannpreis 2024_

https://bachmannpreis.orf.at/

Fotos_ Portrait_Walter Pobaschnig; Präsentation Bachmannpreis_Johannes Puch.

Walter Pobaschnig  6/24

https://literaturoutdoors.com

Bachmannpreis 2024 _ „Das Schreiben muss mich rühren“ Johanna Sebauer, Schriftstellerin A/D 6.6.2024

Bachmannpreis 2024 _  im Interview:

Johanna Sebauer, Schriftstellerin, Bachmannpreis Nominierung 2024

Liebe Johanna Sebauer, herzliche Gratulation zur Nominierung zum Bachmannpreis! Wie war Deine erste Reaktion darauf und auf was freust Du Dich besonders?

Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich war auf der Arbeit, als ich die E-Mail von Klaus Kastberger geöffnet habe. Mein Puls ist mir sofort bis in die Ohren geschnalzt. Dann wollte ich gleich mit irgendjemandem darüber reden, mit meiner Kollegin im Nebenzimmer, aber dann dachte ich: „Moment mal, darf ich das überhaupt? Das ist ja alles noch geheim bis zur offiziellen Pressekonferenz…“

Johanna Sebauer, Schriftstellerin,
Bachmannpreis Nominierung 2024

Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?

Außerhalb der Literaturszene wird der Preis, glaube ich, kaum wahrgenommen. Innerhalb der Szene merke ich, dass alle ganz aufgeregt werden, sobald es um den Bachmannpreis geht. Ich bin sehr gespannt, wie die Stimmung vor Ort ist.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?

Das Schreiben muss mich rühren. Dann rührt es im besten Falle hinterher auch den Leser.

Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?

Wir haben beide Vorfahren in Heidenreichstein.

Welche drei Dinge kommen unbedingt nach Klagenfurt nicht mit?

Nicht mitkommen sollen meine eigene Unsicherheit, schwere Gedanken und schlechtes Wetter. Mitkommen sollen meine bessere Hälfte, angenehme Gelassenheit und ein Gurkerlglas. Ach ja und Badesachen! Man sagte mir, nach den Lesungen gehen immer alle zusammen an den See. Darauf freu ich mich.

Vielen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Zur Person: Johanna Sebauer, A/D

Geboren 1988 in Wien, lebt in Hamburg. Liest auf Einladung von Klaus Kastberger.

Johanna Sebauer veröffentlichte Kurzgeschichten und Essays in verschiedenen Anthologien, bevor sie sich an ihren ersten Roman wagte. Dieser erschien 2023 unter dem Titel „Nincshof“, und handelt von einem Dorf, das vergessen werden möchte. Im echten Leben arbeitet sie in der Wissenschaftskommunikation.

Veröffentlichungen (Auswahl)

„Ein Versuch übers Sowohl-als-auch“, in: Vom Kommen und Gehen. Betrachtungen von Zu- und Weggereisten, Böhlau Verlag (2021)

„Nincshof“, Roman. DuMont (2023)

„Schmetterlinge jagen“, in: Ziegel #18. Hamburger Jahrbuch für Literatur, mairisch Verlag (2023)

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257226/

Präsentation _ Bachmannpreis 2024 _ Tage der deutschsprachigen Literatur _ 26. bis 30. Juni 2024 Klagenfurt

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257422/

v.l. Heimo Strempfl (Robert Musil Literatur-Museum), Bettina Kugi (BKS Bank), Klaus Wachschütz (Technischer Leiter ORF Kärnten & Regisseur Ingeborg-Bachmann-Preis), Ursula Schirlbauer (ORF/3sat), Horst L. Ebner (Koordinator „Tage der deutschsprachigen Literatur), Karin Bernhard (ORF Landesdirektorin), Christian Scheider (Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee), Reinhard Draxler (Kelag), Inga Horny (Stadtmarketing Klagenfurt)

Nominierte:

Kaska Bryla, A/POL

Semi Eschmamp, CH

Ulrike Haidacher, A

Jurczok, CH

Christine Koschmieder, D

Miedya Mahmod, D

Sarah Elena Müller, CH

Denis Pfabe, D

Johanna Sebauer, A/D

Tijan Sila, D/BIH

Tamara Stajner, A/SLO

Sophie Stein, D

Henrik Szanto, D/FIN/UK

Olivia Wenzel, D

Infos zum Bachmannpreis 2024_

https://bachmannpreis.orf.at/

Fotos_ 1 Birte Filmer; 2 Johannes Puch/Bachmannpreis 2024

Walter Pobaschnig  6/24

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„Wege finden, zur Ruhe zu kommen“ Raoul Biltgen, Schriftsteller _ Burgenland/AUT 6.6.2024

Lieber Raoul Biltgen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, mit dem Hund spazieren gehen, frühstücken, Emails und den ganzen anderen leider notwendigen Kram erledigen, dann schreiben. Hoffentlich erst am Nachmittag aufhören damit, zu Abend essen, den Tag ausklingen lassen, vielleicht mit ein wenig Gartenarbeit. Aber manchmal ist das alles auch ganz anders.

Raoul Biltgen, Schriftsteller, Schauspieler und
Psychotherapeut

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zur Ruhe kommen. Wege finden, zur Ruhe zu kommen. Wir werden dermaßen von allem Möglichen erschlagen, was alles in unseren Kopf will, womit wir uns beschäftigen sollten, dass die Gefahr der Überforderung groß ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur kann uns dabei helfen, ein wenig zu uns selbst in Distanz zu gehen, um einen neuen Blick auf uns selbst werfen zu können. Den brauchen wir. Sowieso und jetzt noch mehr. Damit wir uns zurechtfinden mit uns und in dieser sich sehr schnell wandelnden Welt.

Was liest Du derzeit?

Die Rivers of London-Bücher von ben Aaronovitch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Der Roman, den einer gelebt hat, ist immer noch eine unvergleichlich größere schöpferische Leistung, als der, den jemand geschrieben hat.“ – Viktor Frankl

Vielen Dank für das Interview, lieber Raoulviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

Raoul Biltgen, Schriftsteller und
Psychotherapeut

5 Fragen an Künstler*innen:

Raoul Biltgen _ Schriftsteller, Schauspieler und Psychotherapeut

Zur Person_ Raoul Biltgen, geboren 1974 in Luxemburg. Schauspielausbildung in Wien, dann Ensemblemitglied am Landestheater Bregenz, anschließend Dramaturg am Theater der Jugend Wien. Raoul Biltgen lebt und arbeitet seit vielen Jahren als freier Schriftsteller und Theatermacher in Österreich. Er ist Autor zahlreicher Theaterstücke, die bereits in mehreren europäischen Ländern, aber auch in China oder Mexiko zu sehen waren. Raoul Biltgen schreibt auch Prosa und hat mehrere Bücher bei verschiedenen Verlagen in Österreich und Luxemburg veröffentlich. Er wurde mehrfach für seine Werke nominiert und ausgezeichnet, u.a. Mülheimer Theatertage, Niederländisch-deutscher Kinder- und Jugenddramatikerpreis, Eurodram, GLAUSER …

Seit 2015 arbeitet Raoul Biltgen zusätzlich als Psychotherapeut in Wien und im Burgenland.

http://www.raoulbiltgen.com

Aktueller Roman von Raoul Biltgen: MEINE INSEL, eine Robinsonade.

Erschienen bei Hydre Éditions

„Auf einer einsamen Insel steht ein Mann am Strand und erzählt einen Witz über einen Mann am Strand auf einer einsamen Insel. Dabei hat er nichts zu lachen. Der Schiffbrüchige, der einst Jean-Marie hieß und sich nun Robinson nennt, hat sich ein neues Leben geschaffen: Vorräte angelegt, eine Hütte gebaut – und Zäune errichtet. Denn den mühsam angehäuften Besitz soll ihm niemand wegnehmen. Piraten zum Beispiel. Oder gar Menschenfresser, wie bei Robinson Crusoe. Wer weiß, wie lange man auf einer einsamen Insel allein bleibt?…“

  • Autor: Raoul Biltgen
  • Reihe: Fiction
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-99987-883-6-7
  • Format:  140 × 215 mm
  • Seiten: 216
  • Preis: 17,00 €
  • Erscheinungsdatum: Oktober 2023

https://hydreditions.eu/de/meine-insel-de/

Foto_ Philippe Matsas

Walter Pobaschnig _ 22.5.2024

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„Kunst ist beseelt. Das kann KI nicht.“ Marlies Blauth, Bildende Künstlerin und Autorin _ Düsseldorf 5.6.2024

Liebe Marlies Blauth, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Er ist nicht jeden Tag gleich. Schreibtisch- und Textarbeit mache ich am liebsten morgens. Oder ich gehe in mein Atelier. Oder in meinen Garten. Manchmal ergibt sich ein Treffen mit Kolleginnen und Kollegen aus Kunst und Literatur, die Planung gemeinsamer Projekte.

Meine Gedichte schreibe ich am liebsten unterwegs; dann sitze ich mit einem Becher Kaffee im Zug skizziere und notiere. Lieber auf Papier als digital, aber mein Laptop ist meist dabei. Der Feinschliff geschieht dann am nächsten Morgen.

Ich liebe die Vielfalt und erfreue mich daran, immer wieder etwas anderes machen zu können. Tägliche Routine ist nichts für mich.

Marlies Blauth, Bildende Künstlerin und Autorin
Bild: Marlies Blauth _
folgende

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Frieden. Innen und außen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist ganz sicher die KI / Künstliche Intelligenz. Wir Menschen sollten uns auf unsere Stärken besinnen – und da denke auf ziemlich spiritueller Ebene: Wir können kreativ sein, inspiriert werden, Geistvolles schaffen. Das kann die KI nicht.

Vielleicht sollte man das Pfingstfest auch unter diesem Aspekt betrachten? Ich halte die Vorstellung des Göttlichen im Menschen für sehr wichtig. Was wir tun, lässt sich nicht berechnen oder bis ins Letzte analysieren. Die Künste lassen das erspüren; sie kommen aus keiner Konserve, sondern sind „beseelt“. Sie können aus geradezu Nichts einzigartig erschaffen werden. Mich begeistert – schon wieder: der Geist 🙂 –, dass alle, die schöpferisch tätig sind, mit ganz ähnlichem „Handwerkszeug“ völlig Verschiedenes Gestalt werden lassen. Ein schlichtes Beispiel ist die Handschrift. Die ist noch keine Kunst, zeigt aber auf, was ich meine.

Was liest Du derzeit?

Lyrik; kreuz und quer. Ich liebe auch Zufallsfunde aus öffentlichen Bücherschränken.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Einen Aphorismus (von mir)

Warnhinweis: Zu viele Warnhinweise könnten Ihre Gesundheit gefährden.

Vielen Dank für das Interview, liebe Marlies, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Marlies Blauth, Bildende Künstlerin und Autorin

Zur Person_ Marlies Blauth, *1957 in Dortmund, lebt in Meerbusch bei Düsseldorf.

Bildende Künstlerin und Autorin (Studium Kunst, Biologie, Kommunikationsdesign),

4 Lyrikbände, zuletzt: morgens ein Atemzug Winter. Hrsg. Jürgen Brôcan, Dortmund 2024; zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, ein paar kleinere Preise / Auszeichnungen.

Mitgliedschaft bei der GEDOK und beim VS.

https://kunst-marlies-blauth.blogspot.com/

Fotos_ Marlies Blauth

Walter Pobaschnig _ 5.5.2024

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„Clowns“ Juliane Aixner, Regisseurin _ Give Peace A Chance _ Wien 5.6.2024

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Juliane Aixner, 27.5.2024

Juliane Aixner, Regisseurin _ aktuelle Produktion: „Körper [sic!]“ _
Theater Arche _ laufende Vorstellungen
„Körper [sic!]“ _Szenenfoto (folgende) _
Uraufführung Wien _ 20. Mai Theater Arche _
laufende Spieltermine
https://www.theaterarche.at/

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Juliane Aixner, Regisseurin

Zur Person_ Juliane Aixner (*1996 Klagenfurt a. Wörthersee) hat im Zuge ihres Skandinavistik-Studiums die Sprachen Isländisch und Norwegisch erlernt und einige Zeit in peripheren nordischen Gegenden verbracht. Bereits während ihres Studiums absolvierte sie Regiehospitanzen (Bronski& Grünberg Theater und Burgtheater Wien) und war in den Spielzeiten 2017/18 und 2018/19 EnsembleMitglied von striktambivalent im Zuge der OffenenBurg am Burgtheater Wien.

Seit 2020 arbeitet sie als freie Regieassistentin in Wien und Kärnten. Arbeiten mit Valerie Voigt Firon, Anna Marboe, Fanny Brunner, Igor Bauersima, Isabella Sedlak, Blanka Radoczy u. a. Des weiteren war sie 2022/ 2023 sie am interdisziplinären, performativen Festival Unter dem Pflug der Zeit/ Nën braza të kohës im Kosovo beteiligt.

2024 feiern ihre ersten Regiearbeiten Collective Rage und Körper[Sic!] Premiere.

Aktuelle Produktion von Juliane Aixner : „Körper [sic!]“ Ars ex Machina _ Der menschliche Körper als Abbild einer Gesellschaft.

„Körper [sic!]“ ist der Titel des neuen Projektes von Ars ex Machina, einem Verein, der 2022 von Schauspieler und Kulturjournalist Clemens Janout gegründet wurde, um mit innovativen Formen im Sprechtheater zu experimentieren. Für die aktuelle Produktion hat das vierköpfige Kernteam eigens ein Theaterstück verfasst, das die Bedeutung des menschlichen Körpers in unserer Gesellschaft auslotet.

Jeder Mensch hat einen Körper. Eine Gemeinsamkeit, die noch lange keinen Garant für Gleichberechtigung darstellt, das war dem Theaterkollektiv Ars ex Machina schnell klar. Ob im TV, auf der Kinoleinwand oder im Internet: Die Masse an stereotypisierten Abbildungen von Menschen prägt unser Verständnis davon, was schön ist. Mit negativen Folgen, denn Schönheit als Ware verkauft sich nur so lange sie exklusiv, also für den Großteil der Menschen unerreichbar bleibt. Welche Auswirkungen heutige Schönheitsideale auf junge Menschen haben, das hat erst kürzlich eine Studie von Saferinternet.at festgestellt. Die jungen Generationen fühlen sich zunehmend von stereotypisierten Körperbildern unter Druck gesetzt. Wenig verwunderlich, führt man sich die französische Kosmetikkette Sephora vor Augen, die mit einer Anti-Faltencreme für Achtjährige wirbt.

Wiener Erstaufführung

Ob jung oder alt, groß oder klein, dick oder dünn: Unser Körper ist und bleibt ein Thema, das uns Menschen unser ganzes Leben lang beschäftigt. Genug Stoff also für einen Theaterabend, so der Gedanke von Schauspieler Clemens Janout, der für die Stückentwicklung „Körper [sic!]“ ein junges Künstler:innenkollektiv versammelt hat, um die Verflechtungen zwischen dem menschlichen Körper und der Gesellschaft zu erforschen. Neben ihm zeichnen die Schauspielerinnen Lara Bumbacher und Julia Hammerl sowie die Regisseurin Juliane Aixner für Konzept und Text verantwortlich. Nach der Uraufführung des mit humorvoller Gesellschaftskritik gespickten Theaterstücks am 1. Mai beim klagenfurter ensemble in Kärnten, gastiert „Körper [sic!]“ zwischen 20. Mai und 8. Juni für sechs weitere Vorstellungen im Rahmen einer Kooperation mit der Theater Arche in Wien.

Aufstrebendes Künstler:innenkollektiv

Bei dem Projekt handelt es sich nicht nur um die zweite Produktion von Ars ex Machina, sondern auch um die zweite Regiearbeit von Juliane Aixner, die erst vor wenigen Monaten ihr Regiedebüt mit „Collective Rage“ am Wiener Ateliertheater gefeiert hat. Zur Mitwirkung bei „Körper [sic!]“ animiert hat die Jungregisseurin auch den Künstler Philipp Pettauer, dessen musikalische Kreationen neulich in Produktionen des Theater am Werk und Kosmos Theater zu hören waren, sowie die aufstrebende Kostüm- und Bühnenbildnerin Svea Egger. Das Schauspielensemble besticht durch die aus der Schweiz stammende Lara Bumbacher, die gebürtige Wienerin Julia Hammerl und den Kärntner Clemens Janout.

Wien-Debüt für Ars ex Machina

Vereinsgründer Clemens Janout hat mit dem interaktiven Monologstück „All das Schöne“ vergangenen Herbst den Einstand von Ars ex Machina gefeiert. Nachdem der Theatertext des britischen Autors Duncan Macmillan ausschließlich in Kärnten gespielt wurde, wird mit der Stückentwicklung „Körper [sic!]“ wenige Monate später erstmals eine Ars ex Machina[1]Produktion in Wien präsentiert.

Neuer künstlerischer Zugang

Statements setzen möchte der Verein sowohl mit der Kunst an sich, als auch mit der Art und Weise, wie sie produziert wird. Ein Arbeiten auf Augenhöhe ohne große Hierarchien stellt vor allem in den darstellenden Künsten nach wie vor die Ausnahmeerscheinung dar – oft zum Leidwesen der mitwirkenden Künstler:innen. Der Zugang von Ars ex Machina soll auch neues Publikum erschließen und Theater wieder zu einem Ort des gesamtgesellschaftlichen Diskurses machen.

http://www.arsexmachina.com

Die Wiener Erstaufführung von „Körper [sic!]“ – ein Theaterstück, das die Bedeutung des menschlichen Körpers in der Gesellschaft auslotet – findet am 20. Mai um 20 Uhr in der TheaterArche, Münzwardeingasse 2a, 1060 Wien statt. Weitere Vorstellungstermine28. und 29. Mai sowie 6., 7. und 8. Juni, jeweils 20 Uhr. 

Schauspiel: Lara Bumbacher, Julia Hammerl, Clemens Janout
Regie: Juliane Aixner
Konzept, Text: Juliane Aixner, Lara Bumbacher, Julia Hammerl, Clemens Janout
Musik: Philipp Pettauer
Bühne, Kostüm: Svea Egger

https://www.theaterarche.at

Alle Fotos_ Tim Dornaus

Walter Pobaschnig 27.5.2024

https://literaturoutdoors.com

Bachmannpreis 2024 _ „Die Worte und wozu sie sich verbinden“ Christine Koschmieder, Schriftstellerin _ D 5.6.2024

Bachmannpreis 2024 _  im Interview:

Christine Koschmieder, Schriftstellerin, Bachmannpreis Nominierung 2024

Christine Koschmieder, Schriftstellerin

Liebe Christine Koschmieder, herzliche Gratulation zur Nominierung zum Bachmannpreis! Wie war Deine erste Reaktion darauf und auf was freust Du Dich besonders?

Ich freue mich darauf, das erste Mal, seit ich zu den TDDL nach Klagenfurt fahre, die Reisekosten bezahlt zu bekommen und den Texten der lesenden Autor*innen auf Einladung des ORF zuhören zu dürfen. So eine Literaturreise ist ansonsten ziemlicher Luxus.

Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?

Diejenige, die ihm die Teilnehmenden, die Organisator*innen, das Feuilleton, der ORF, 3SAT, die Öffentlichkeit, das Publikum, die Klagenfurter*innen und Gewerbetreibenden zuschreiben. Also eine höchst unterschiedliche. Bis hin zur Bedeutungslosigkeit.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?

Die Worte und wozu sie sich verbinden.

Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?

Ein i, ein n, ein e, ein o, ein r, ein ch, ein m.

Welche drei Dinge kommen unbedingt nach Klagenfurt nicht mit?

Das „unbedingt“ in der Frage gibt den Dingen, die nicht mitkommen, ein unangemessenes Gewicht. So wichtig sind die Dinge, die nicht mitkommen, nicht. Sonst kämen sie ja mit.

Vielen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Christine Koschmieder, Schriftstellerin,
Bachmannpreis Nominierung 2024

Zur Person: Christine Koschmieder, D

geboren 1972 in Heidelberg, lebt in Sachsen-Anhalt. Liest auf Einladung von Mithu Sanyal.

Studium der Theater-, Medien- und Kommunikationswissenschaft und Off-Theater-Arbeit in Leipzig, 2003 Gründung der Literaturagentur Partner + Propaganda. Autorin, Literaturvermittlerin und Fundraiserin. Lebt seit 2023 in Sachsen-Anhalt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Schweinesystem (Blumenbar/Aufbau Verlag 2014), nominiert für den aspekte-Literaturpreis
  • Trümmerfrauen. Ein Heimatroman (Edition Nautilus 2021)
  • DRY (Kanon Verlag 2022)
  • Schambereich. Über Sex sprechen (Kanon Verlag 2023)

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257218/

Bachmannpreis 2024 _ Tage der deutschsprachigen Literatur _ 26. bis 30. Juni 2024 Klagenfurt

Nominierte:

Kaska Bryla, A/POL

Semi Eschmamp, CH

Ulrike Haidacher, A

Jurczok, CH

Christine Koschmieder, D

Miedya Mahmod, D

Sarah Elena Müller, CH

Denis Pfabe, D

Johanna Sebauer, A/D

Tijan Sila, D/BIH

Tamara Stajner, A/SLO

Sophie Stein, D

Henrik Szanto, D/FIN/UK

Olivia Wenzel, D

Präsentation _ 48. Tage der deutschsprachigen Literatur _ Robert-Musil-Literaturmuseum Klagenfurt

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3257422/

v.l. Heimo Strempfl (Robert Musil Literatur-Museum), Bettina Kugi (BKS Bank), Klaus Wachschütz (Technischer Leiter ORF Kärnten & Regisseur Ingeborg-Bachmann-Preis), Ursula Schirlbauer (ORF/3sat), Horst L. Ebner (Koordinator „Tage der deutschsprachigen Literatur), Karin Bernhard (ORF Landesdirektorin), Christian Scheider (Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee), Reinhard Draxler (Kelag), Inga Horny (Stadtmarketing Klagenfurt)

Infos zum Bachmannpreis 2024_

https://bachmannpreis.orf.at/

Fotos_ 1 Grit Hartung; 2 Antje Kroeger; 3 Johannes Puch/Bachmannpreis 2024

Walter Pobaschnig  6/24

https://literaturoutdoors.com

„Initiative, Ehrlichkeit und Authentizität“ Karin Maria Bauer , Sängerin _ Wien 4.6.2024

Liebe Karin Maria Bauer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus

Kein Tag ist bei mir wie der andere, was ich sehr genieße. Ich versuche jeden Tag auf’s Neue wertzuschätzen und seine positiven Aspekte wahrzunehmen. Das spiegelt sich auch in meinem künstlerischen Schaffen wieder, einmal übe ich ein Wiener Lied für ein Konzert, dann schreibe ich einen Song auf Englisch, dann muss ich einen Text für mein Stück fertig schreiben.

Ich liebe die Vielfalt, das bringt Abwechslung und hält mich künstlerisch „in Bewegung“.

Karin Maria Bauer _ Sängerin, Schauspielerin, Songwriterin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Uns gegenseitig Empathie und Verständnis entgegenbringen. Selbstreflexion und Mut zu Fehlern, und auch Eingeständnis dieser. Hoffnung und Humor. Initiative, Ehrlichkeit und Authentizität.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Musik, Kunst verbindet. Sie bringen uns einander näher. Und sind n der Lage, uns leichter unseren Emotionen zu nähern. Sie laden zum Spüren ein, berühren. Sie können uns aber auch Denkanstöße geben und uns inspirieren. Sie sind unsere emotionale Nahrung und wir können durch sie auf dieser Ebene weiterwachsen und uns entwickeln.

Was liest Du derzeit?

Frauen gegen Hitler. Schicksale im Nationalsozialismus – Martha Schad

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Unsere tiefste Angst ist es nicht, ungenügend zu sein. Unsere tiefste Angst ist es, dass wir über alle Maßen kraftvoll sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, was wir am meisten fürchten. Wir fragen uns, wer bin ich denn, um von mir zu glauben, dass ich brillant, großartig, begabt und einzigartig bin? Aber genau darum geht es, warum solltest du es nicht sein? Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu machen, nützt der Welt nicht. Es zeugt nicht von Erleuchtung, sich zurückzunehmen, nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen. Wir alle sind aufgefordert, wie die Kinder zu strahlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen. Sie ist nicht in einigen von uns, sie ist in jedem. Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis, das Gleiche zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unser Dasein Automaisch die Anderen.“

                                                                                                          Marianne Williamson

Vielen Dank für das Interview, liebe Karin Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Karin Maria Bauer _ Sängerin, Schauspielerin, Songwriterin

Zur Person_ Karin Maria Bauer_ Sängerin, Schauspielerin, Songwriterin. Gesangsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und am Complete Vocal Institute, Kopenhagen, Dänemark, Paritätische Bühnenreifeprüfung für Schauspiel und Musical.

Als Sängerin, Schauspielerin und Songwriterin in vielen, unterschiedlichen Stilrichtungen und Projekten tätig, Debütalbum „Done“ unter dem Künstlernamen Kareen
www.karinmariabauer.at
www.kareenmusic.com

http://www.karinmariabauer.at

Foto_Reinhard Gombas

Walter Pobaschnig _ 18.5.2024

https://literaturoutdoors.com

„cultivate an awareness of our interconnectedness“ Jaskaran Anand, Transdiscplinary and Performance Artist _ Wien/Linz 3.6.2024

Hi dear Jaskaran Anand, what`s your routine at the moment?

Regarding my daily routine, it involves a significant amount of networking and concept development. I spend a lot of time meeting with artists, cooperation partners, and running between funding institutions. Since I am currently working in the freelance market, my daily schedule varies depending on meetings, deadlines for fundraising, and assisting artists or team members with concept development.

Jaskaran Anand_
Transdiscplinary and Performance Artist, Researcher and pedagogue


What`s now particularly important for all of us?

What’s particularly important for all of us now is to move beyond identity politics and focus on internal transformation. We need to stop seeing each other as victims or perpetrators and instead, cultivate an awareness of our interconnectedness. It’s crucial to consistently work towards psychological well-being within the web of relationships we inhabit.

Askaran Anand/trivium, Playful Bodies series, Klasse für Alle _
photo: Andrea Lumplecker
Askaran Anand/trivium,
What happens when Goddess Kali meets Kaiserin Sisi, Sonnensteinloft gathering, 13. Apr 24
photo: Jean Claude

To „Dance“/ celebrate and enjoy with a focus on how different body parts are connected… as I believe it helps to understand also the abstraction, glitches and flow amongst the decison making and helps to deal with paradoxes and dogmas

a) first within ourselves and

b) one that makes the society and thereby us. It helps to understand the performance/performativity we as individuals are inthe society play due to agential realism (Karen Barad).


Further, each step in a way that we take to consistently work towords our own psychology in the well-connected web that could „flower-out“ the  inter-, rather intra-connectedness.

New start, new beginning. What will be essential and which roles will art play on society?

We are indeed facing a new departure and a fresh beginning, both socially and personally. In this context, art plays an essential role as a tool for reflection, community building, and celebrating awareness. It serves as a base for individual expression and can create spaces for personal and societal development. I’m particularly interested in exploring how art can foster transformative self-culture through rituals, self-reflection, and research. It can help establish the inside-out apaproach for understanding transitions and transformations..

What are you reading currently?

Currently, I am reading through the letters from my social project „City Voices/Lettes of Trans(T*).DisCity“ which was held in Linz until April, as I am finding text for my new immersive theatre performance, and how the data could be mapped to bring the information to required institutions and politicians for transformation.
I am also reading about „Tawaif’s“ , courtesans from the Indian sub-continent whose status changed in the society after the British colonialisation.
I question, whether we, as a society,  have adapted a culture long ago of monetising bodies and have never changed them? For me, here it is also interesting to compare Tawaif’s multifaceted identity with artists especially performers due to the exposure of the self to larger public for „money, resources and survival“.

Meanwhile, I am immersing myself in various texts, ranging from philosophical treatises and scientific papers on self-awareness, and transformation. like The Ending of Time dialogue between J.Krishnamurthi and David Böhm… Revisiting „Glitch Feminism“ by Legacy Russel…..
Each offers unique insights into the human experience and informs my approach to networking, concept development, and fostering inter-, rather intra-connectedness.
Moreover, as I am also a social media consumer, I have recently got into texts of Vedic cultures, aesteroids, and spirits.

Which quote, text will you propose to us?

One quote that resonates with me is by Alan Watts: „The only way to make sense out of change is to plunge into it, move with it, and join the dance.“ It encapsulates the essence of embracing change and finding harmony amidst chaos, which aligns with my vision for navigating the complexities of our current socio-cultural landscape.


Thank you for the opportunity to share my thoughts and insights.

Warm regards,
Jaskaran Anand/Harmonical.Self

Jaskaran Anand_
Transdiscplinary and Performance Artist, Researcher and pedagogue

Thank you very much for the interview, dear Jaskaran, all the best for your great art and you and in these days!

5 questions on artists: Jaskaran Anand_
Transdiscplinary and Performance Artist, Researcher and pedagogue

Jaskaran Anand is an internationally recognized* performance artist* and lives in Vienna and Linz. Jaskaran works in directing, project management, choreography, education, cultural initiatives and film. In his* work he* explores the formation of reality and interconnectedness within the geopolitical human body and space-time anomalies. He* explores this through philosophy and the avatar Harmonical.Self. With a mix of scientific, technical, artistic and cultural development skills and experiences, his* transdisciplinary works include dance, choreography, directing, creative contributions, writing, performance, music, film, scientific ontologies and technological interfaces.

His* long-term projects place of attachment and L-INKED (imagetanz Festival 2021 and 2022 at brut) deal with transdisciplinary approaches, and his more recent works In-between Privacy, Hibernating Further and MachinegedHuman! deal with transdisciplinary approaches and digitalization, ecological-psychological aspects, body politics and posthumanism. Since 2009 he* has been performing, choreographing and teaching throughout Europe and India. He* performed at the ImPulsTanz Vienna International Dance Festival, the Ars Electronica Festival, the European Theater Night, the Long Night of the Museun, the Opéra de Lausanne, the Tanztage Burgenland and Roma Europa Festival, among others. He also worked in collaborations and performance projects with/by renowned artists such as Ivo Dimchev, Salvo Lombardo/CHIASMA, Dr. Sandra Chatterjee and Liz King.

Based on dance theater, meditation and art pedagogical practices, he* leads and organizes improvisation-based workshops and educational projects designed under the ideologies Deforming-Body, City Swarming – a dance marathon, Moving Energies and the very famous Playful Bodies.

https://www.jaskarananand.com/

Fotos_  3,4, Claudia Erblehner / erblehner.com Erblehner.com , otherwise Jaskaran Anand

Walter Pobaschnig _ 8.5.2024

https://literaturoutdoors.com