Lieber Richard Weihs, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe auf, höre Nachrichten und vermeine zu träumen, obwohl ich wach bin.
Richard Weihs, Autor, Musiker und Kabarettist
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht die Nerven wegschmeißen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?
Sich nicht von Verschwörungstheoretikern, Wissenschaftsleugnern und bierbasierten bärbeißigen Blut- und Hoden-Poeten ins Bockshorn jagen lassen.
Was liest Du derzeit?
Susanna Germano: Faust I und die Tante Helene
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Bleibe im Lande und wehre dich täglich!
Vielen Dank für das Interview, lieber Richard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buch-, Musik-, Kabarettprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Richard Weihs, Autor, Musiker und Kabarettist
Zur Person/über mich:Richard Weihs,
geboren am 6.10.1956 in Wels, OÖ, seit 1964 in Wien wohnhaft, seit 2004 auch in NÖ. Seit 1976 als Autor, Musiker und Kabarettist tätig. Veröffentlichte bisher neun Bücher und neun Tonträger.
Preise: u. a. Luitpold Stern-Förderungspreis, Alfred Gesswein-Literaturpreis, Buchprämie der Literaturabteilung des BKA, zahlreiche Kleinbühnen-Prämien von Stadt und Staat.
Mitglied u. a. bei IG Autoren, Grazer Autorenversammlung und Literaturkreis Podium. Organisierte 25 Jahre lang die Lesereihe „Wilde Worte“.
Aktuelle Bucherscheinung:
ZERTRÜMMERTE ERINNERUNG AM SEMMERING
Ansichtskarte, künstlerische Darstellung nach einer Photographie, Fotocredit: Sammlung Weihs.
ZERTRÜMMERTE ERINNERUNG AM SEMMERING
Viele Jahre lang hat der Autor, Musiker und Kabarettist Richard Weihs am Buch über die Geschichte seiner jüdischen Familie gearbeitet. Diese erstreckt sich über vier Generationen und zeichnet ein bewegtes und bewegendes Bild von mehr als hundert Jahren österreichischer Zeitgeschichte. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Umgang mit der jüdischen Bevölkerung – daher auch der Untertitel „Eine österreichisch-jüdische Geschichte“.
Eine wichtige Figur ist die Großtante des Autors, Henriette Weiss, die in Breitenstein am Semmering ein berühmtes Sanatorium betrieb. Als Initiatorin und Leiterin mehrerer anderer Heilstätten und sozialer Einrichtungen war sie eine bekannte Persönlichkeit der I. Republik. Der Autor ist bei seinen Recherchen in verschiedenen Archiven auf viele bisher unerschlossene Quellen gestoßen und hat die bizarren Vorgänge um die Enteignung und lange verhinderte Restitution des Sanatoriums umfassend dokumentiert.
Die Mitglieder der Familie wurden von den Nationalsozialisten vertrieben oder ermordet. Darunter befanden sich Prominente wie Leon Kellner, engster Mitstreiter und Nachlassverwalter von Theodor Herzl. Seine Tochter Dora Sophie Kellner war mit dem Philosophen Walter Benjamin verheiratet, der mit ihr öfters zu Gast im Sanatorium am Semmering war. Dort weilten auch immer wieder bedeutende Protagonisten des Roten Wien: Karl Seitz war über viele Jahre Stammgast, weitere Gäste waren Otto Bauer, Friedrich Adler und Otto Glöckel.
Der Vater des Autors war eines der wenigen Familienmitglieder, die nach dem Ende der NS-Schreckensherrschaft nach Österreich zurückkehrten. Dies musste er bitter büßen: Er ging durch ein Komplott der ehemaligen Ariseure seiner Fabrik verlustig und war jahrelang inhaftiert. Außerdem kassierte der österreichische Staat entschädigungslos seine wertvollen Erdöl-Schürflizenzen.
Im letzten Teil des Buches schildert Richard Weihs den steinigen Weg zur Restaurierung der kleinen Villa beim Breitensteiner Sanatorium, dessen riesige Ruine er auf eigene Kosten abreißen lassen musste. Es gelang ihm aber die Errichtung einer Gedenkstätte durchzusetzen und auch die Umbenennung einer nach einem NS-Verbrecher benannten Straße am Semmering.
Seine Recherchen über die Enteignung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen BürgerInnen des Semmerings waren so umfangreich, dass sie nächstes Jahr in einem zweiten Band „Die kuriose Geschichte eines Kurortes“ veröffentlicht werden. Bereits heuer konnte Weihs zwei Kapitel und zahlreiche Informationen für das von Drin. Danielle Spera herausgegebene Buch „Stammgäste – Jüdinnen und Juden am Semmering“ beitragen. (Presseinfo _ Gamuekl _ Gabriele Müller-Klomfar)
ZERTRÜMMERTE ERINNERUNG AM SEMMERING
Band I „Eine österreichisch-jüdische Geschichte“
Autor: Richard Weihs
Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft
ISBN 978-3-903522-22-0 / € 36,00
Band I „Eine österreichisch-jüdische Geschichte“
Band II „Die kuriose Geschichte eines Kurortes“ erscheint im Frühjahr 2025)
Beide Bände: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft
Buchpräsentation:27. 11. 2024 (18 Uhr 30)
Einleitende Worte: Marcus G. Patka / Historiker JMW
Jüdisches Museum Wien: 1010 Wien, Dorotheergasse 11
Platzreservierung empfohlen unter T: +43-1-535 04 31 1512
Da ist das Wohnzimmer. Vater, Mutter, Kind, Hund. Alles ist geordnet am großen Teppich des Lebens, alles geht seinen Gang, wie immer…
Doch Brandstifter sind unterwegs….
Nein, nicht hier. Das kann nicht sein, darf nicht sein…die Ente ist doch bereit für das Abendessen, zwei sind bereit, eine kleine Unaufmerksamkeit…
Brandstifter. Nein, nicht hier…
Doch dann ein Gast mit einer Bitte. Ein zweiter Gast.
Und jetzt verschwimmen die Grenzen der scheinbar so gut eingerichteten Welt. Der Teppich wird mehr und mehr zum Schauplatz von Eskalation und Gewalt…
Dem Bernhard Ensemble gelingt in seiner neuesten Mash-up Produktion ein genialer Theatercoup, der ausgehend von den literarischen/cineastischen Vorlagen _ „Biedermann und die Brandstifter“ Max Frisch, Uraufführung 1958 wie „Funny Games“ Michael Haneke, Film, 1997 _ am Puls der Zeit Fragen nach Manipulation, Gewalt und Eskalation in zu einem großartig gespielten, choreografierten abgründigen Kammerspiel zusammenführt und das Publikum in mitreißender Aufmerksamkeit und Staunen begeistert.
Es ist die einzigartige Raffinesse in Regie, Choreografie, Spiel hervorzuheben, die in einem ganz starken Rhythmus der Körpersprache im wunderbaren Ensembledialog wie gesellschaftskritischer Tiefe und Witz einen Bogen zu spannen vermag, der das Publikum gebannt in den Bühnenspiegel von Mensch, Gesellschaft, Zeit blicken und nachdenken lässt. Der langanhaltende Applaus zeigt, dass dieser Theaterabend bestens funktioniert und „Funny Brandstifter“ zu einem Ereignis der Möglichkeiten von Bühne und Welt in vielseitiger, auch selbstkritischer – was ist auf der Bühne an Darstellung und Expressivität möglich? – Perspektive werden lässt.
Es ist eine sehr präzise, ungemein aufmerksam durchdachte Theaterarbeit in Dramaturgie und Choreografie, die sowohl die gesellschaftspolitischen wie psychologischen Referenzen der Entstehung, Eskalation von Gewalt in der literarischen wie cineastischen Vorlage aufnehmen und beeindruckend in einem Bühnendialog von Körper, Bewegung und Wort darstellen wie auch in einer ästhetischen Metaebene die Frage nach der Darstellungsmöglichkeit von Aggression, Eskalation thematisieren.
Dem gesamten Bernhard Ensemble Team ist zu dieser Produktion einmal mehr zu gratulieren und es unterstreicht beeindruckend seine innovative wie impulsgebende Mitte im Theaterleben Wiens wie im deutschsprachigen Raum.
FUNNY.BRANDSTIFTER
das.bernhard.ensemble
Uraufführung _ Off Theater Wien
Regie / Konzept / Ausstattung: Ernst Kurt Weigel
Kostüme: Julia Trybula
Soundscape: Bernhard Fleischmann
Choreografie: Leonie Wahl
Performance: Yvonne Brandstetter, Kajetan Dick, Ylva Maj, Sophie Resch, Christian Kohlhofer, Ernst Kurt Weigel
Regieassistenz: Beatrice Leodolter Lichtdesign / Technik: Josef Morawek & Max Smirzitz
Liebe Lisa Reimitz, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus
Gegen 6:30 Uhr gehts los, zwischen 22&23 Uhr ists meist vorbei. Bunte, abwechslungsreiche, oft anstrengende Familien- und Festivalarbeit liegt dazwischen:
Kochen, Mails, Termine, Sitzen&Schauen, Singen, Spielen, Kaffee, Putzen, Skizzen, Listen, Windeln, Trösten, Interviews, Konzepte, Begehungen, Musik hören, Wasser trinken. Kuscheln, Denken, telefonieren, nicht-telefonieren, Besuche empfangen, Besucherin sein, Schreiben, Spazieren, Radfahren, Organisation; Tag für Tag. Auch, wenn die Vereinbarkeit nicht immer einfach ist, kann ich beide Bereiche aktiv gestalten – ein großes Glück!
Lisa Reimitz, Intendantin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ein Bewusstsein für die eigenen Privilegien zu entwickeln, sie in Kontext zu setzen, sie ins Denken und Tun einfließen zu lassen. Austausch und Kreativität anzuregen wo möglich. Offen und aufmerksam zu sein. Sich selbst ernst zu nehmen. Solidarisch zu denken und zu handeln. Die eigenen Potentiale kennenzulernen, sie zu nützen; in Bewegung zu bleiben und ausgiebig zu rasten, nichts überstürzen, nicht erstarren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Vertrauen und eine positive Grundhaltung tun uns sicher gut. Das beginnt für mich mit dem spontanen Gespräch mit Unbekannten auf der Straße, mich einzulassen auf die Erzählungen anderer, Verständnis aufzubringen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Ich tu mir oft schwer, einen Ausdruck für die großen Themen zu finden – das kann aber die Musik, das kann die Kunst. Ich bin keine Künstlerin, aber ich kann einen Rahmen dafür bieten. Mir sind Musik und Kunst die liebsten Influencer!
Was liest Du derzeit?
Nochmal von vorne – Dana von Suffrin
Muslimisch jüdisches Abendbrot – Saba-Nur Cheema und Meron Mendel
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Schritt nach dem anderen
Und es muss immer nur der nächste Sein
– Violetta Parisini
Lisa Reimitz, Intendantin
Vielen Dank für das Interview, liebe Lisa viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Lisa Reimitz, Intendantin
Zur Person/über mich:LISA REIMITZ (Festivalintendanz ab 2024)
Geb. 1988, Kulturmanagerin, Intendantin
Ab 1.1.2024: Festivalintendanz (gemeinsam mit Franziska Hatz)
Internationales Akkordeonfestival Wien
KlezMORE-Festival
Musikalischer Adventkalender
Tätigkeiten in Kulturmanagement, Festivalproduktion und Kommunikation,
Projektauszug seit 2015:
stadtform Magazin
Raumpioniere Agentur
wellenklaenge Lunz am See
Baulückenkonzerte
urbanize! Festival
Radsommer am Donaukanal
Homestage Festivals
weiters:
Programmkuratorin, Textproduktion/Redaktion/Presse, Crowdfunding- und Kampagnenberatung
sowie Tätigkeiten als Gutachterin
Ausbildung:
Raumplanung und Eventmanagement
Zertifikatslehrgang Kulturmanagement
Alumni Robert Bosch Stiftung: Internationales Kulturmanagement und Organisationsentwicklung (Tandem Europe Programm in Bulgarien, Portugal, Italien, Griechenland, Frankreich und Deutschland)
ausgebildete Sprecherin
RE/GENERATION
16. MUSIKALISCHER ADVENTKALENDER _ Wien 1. – 24. 12. 2024
IN ALLEN WIENER BEZIRKEN
Öffnung Abendkassa: Jeweils eine Stunde vor Beginn
Der Musikalische Adventkalender öffnet von 1.- 24. Dezember gemeinsam mit über 120 Künstler:innen kulturell-musikalische Kalendertürchen in allen 23 Wiener Bezirken:
vom 1.12. im 1. Bezirk bis 23.12. im 23. Bezirk.
Am 24.12. wird heuer erstmals gemeinsam mit der Tafel Österreich für die Bewohner:innen eines Mutter-Kind-Hauses der Caritas ein kulinarisch-musikalisches Fest ausgerichtet. Das Publikum kann die Feierlichkeit ab 1. Oktober mit dem Kauf ideeller Tickets um € 10,– finanziell unterstützen.
DER MUSIKALISCHE ADVENTKALENDER
– 24. 12. 2024
Der Musikalische Adventkalender öffnet heuer von 1.-24. Dezember zusammen mit über 120 Künstler:innen kulturell-musikalische Kalendertürchen in den 23 Wiener Bezirken. Die diesjährige Ausgabe findet erstmals unter der Leitung von Lisa Reimitz und Franziska Hatz (Internationales Akkordeonfestival, KlezMORE Festival) statt und komplettiert somit die Festival-Trilogie des neuen Intendantinnen-Duos.
“Bei der Kuratierung versuchen wir von Anfang an, eine zeitgemäße Identität, aber auch eine in seinen Formaten und Inhalten, nachhaltige Neugestaltung zu entwickeln. Schnell wurde klar: Das ist ein Prozess, der nicht mit einer Ausgabe erledigt ist. Deshalb gibt es ab nun Jahresthemen, die sich explizit mit der Zukunft von Musikfestivals auseinandersetzen. Mit Re/Generation beginnen wir bei uns, das ist unser Generationenwechsel, wir erdenken und erarbeiten unsere Festivals weiter – auch mit inhaltlich relevanten Formaten als feste Programmpunkte während dem Festival.” – so Lisa Reimitz.
Vielfältiges Programm und vielfältige Formate an vielfältigen Orten
Der Blick auf das Programm verrät, dass es Veranstaltungen gibt, die bei freiem oder geringerem Eintritt stattfinden und in Teilen erstmals ein familien- und kinderfreundliches Programm veranstaltet wird. Lesung, Performance, Workshop, Kinderprogramm und Film Screening finden gleichermaßen statt wie auch die bisherig reinen Abendkonzerte im gelungenen Mix von bereits etablierten, sowie aufsteigenden Künstler:innen. Es wird zudem sichtbar, dass großer Wert auf die Vielfalt in der Auswahl der Spielstätten gelegt wurde:
Vom renommierten Jazzclub in 1010 zum Marktstand in 1100, vom Off-Space in 1150 ins Gasthaus in 1210 , vom Kreativ-Hub in 1050 in den Öffentlichen Raum in 1220 will man nicht nur die Diversität der Musiklandschaft aufzeigen sondern auch, wo in Wien überall kulturelles Leben und kulturelle Teilhabe möglich ist.
“Die große Bandbreite an Spielstätten zieht sich durch all unsere Festivals, der Musikalischen Adventkalender ermöglicht es uns aber, noch eine Ebene tiefer in die Grätzl zu gehen und so die Nachbarschaften und Menschen im Bezirk zu erreichen. Das Zusammenspiel aus Spielstätte, Umgebung und Act ist für uns eine wichtige Komponente bei der Programmierung des Festivals.” – so Franziska Hatz.
So finden trotz Dezemberwetter Programmpunkte also erstmals auch im öffentlichen Raum/Outdoor statt (Chorauftritt mit Paula Barembuem, 11.12, Weihnachtsmarkt Schloss Neugebäude; Live-Musik Tanzperformance „Promenadenmischung“, 22.12, Seepromenade Seestadt Aspern…) und im 13. Bezirk soll am 13.12 überhaupt der “Altgassenziaga” mit musikalischer Darbietung des Folk-Pop-Musikers „Yunger“ von Lokal zu Lokal führen.
Von der musikalisch begleiteten Lesung im Social Design Space „Viktoria“ im 15. Bezirk bis zum fulminanten Konzertperformance des „Schmusechor“ in der Evangelischen Auferstehungskirche in 1070, einem DJ-Workshop für Mädchen im Creative Cluster Margareten, dem Adventkalender-Alltime-Favorite „Die Goas“ im Weinhaus Sittl sowie der jungen Wienerlied Generation mit „Stubenfliege“ im Heurigen Hengl-Haselbrunner in 1190 bis zu einem Nachmittag mit dem LaLaLa Kinderkonzert mit Sakina Teyna, Özlem Bulut und Rina Kaçinari in Kooperation mit „Kulturen in Bewegung“ im 10. Bezirk und der Albumpräsentation der Musikerin Clara Montocchio mit Band als Abschluss des Festivals im F23 Liesing sind als weitere Konzerthighlights etwa die Festivaleröffnung im Porgy&Bess: 15 Jahre Tini Trampler und Playbackdolls bis zum Max Gaier und Willi Landl Duo, Marie Spaemann und dem jungen Ensemble „no string_quartet“ und zu nennen.
Erweiterung der 23 Türen, ideelle Tickets
Wien hat 23 Bezirke, ein Adventkalender im klassischen Sinne 24 Türen.
15 Jahre lang endete das Festival am 23. Dezember – und für das öffentliche Festivalublikum ist auch heuer wieder in Liesing Schluss. Für die Bewohnerinnen einer karitativen Einrichtung wird der Musikalische Adventkalender gemeinsam mit der Tafel Österreich allerdings ein kulinarisch-musikalisches Fest ausrichten und so die bisher fehlende Türe erstmals thematisieren. Das Publikum kann die Feierlichkeit ab 1. Oktober mit dem Kauf ideeller Tickets um € 10 finanziell unterstützen.
Tini Trampler / Stimme; Stephan Sperlich / Klavier, Theremin, Stimme; Lina Neuner / Bass;
Tino Klissenbauer / Akkordeon; Bernhard Rabitsch / Trompete, Stimme; Alexander Lausch / Gitarre;
David S. Strobl / Schlagzeug, Perkussion
Wer sonst würde die erste Türe der 16. Edition des Musikalischen Adventkalenders so charmant, feinsinnig, poetisch und phantastisch zur ganzen großen Stadt öffnen wie Tini Trampler & Playbackdolls?
Was für ein Glück, dass die Formation mit den bittersüßen Stadt-Chansons heuer ihr 15 jähriges Bestehen ohnehin mit einem besonderen Konzertabend feiern und wir einen Eröffnungsabend der besonderen Art veranstalten wollen. Lassen Sie sich erregen und erfreuen, vom virtuosen Zusammenspiel von Gesang, Klavier, Kontrabass, Schlagzeug, Akkordeon, Trompete, Gitarre und Theremin. Vergleichen Sie die Soundtexturen gerne mit Waits – er wird sich freuen!
Wodurch, wie und wann klingt meine Stimme nach Gesang? Die ersten Schritte ins Singen zu entmystifizieren, dazu lädt Jessica Slavik in diesem Workshop alle Klang-Verwunschene und Geräusch-Verschreckte ein, die ihrer Stimme (noch) nicht (mehr) über den Weg trauen. J. S. folgt hier dem Ansatz, dass wir die Ressourcen zu praktisch allen Gesangsstilen bereits in unserer alltäglichen Prosodie finden. Mit der Absicht, alle Teilnehmenden stiloffen abzuholen, bietet sie praktische, physiologisch fundierte Anleitungen samt mentaler und emotionaler Konzepte aus der Schauspiel- & Traumapädagogik. Ob ausschließlich zusehen oder verspielt mitmachen… hier bin ich Mensch, hier darf ich schrei`n.
Di., 3.12.2024 (17.00 Uhr) im 3. Bezirk / Café am Heumarkt
Moderiertes Kaffeehausgespräch für Interessierte, kein Vorwissen nötig
Die Re/generation braucht Schlüsselerlebnisse. Dazu gehört es auch, die Grenzen im eigenen Denken und Handeln aufzubrechen, Raum zu schaffen, in den Austausch zu gehen, mit Blicken und Expertise von Innen und Außen zu arbeiten. Wenn wir schon von Türen sprechen, die sich öffnen – wer geht schlussendlich hindurch?
Vor wem verschließen sie sich, wer kann sie überhaupt finden? Wer hat den Schlüssel zum Öffnen und wer beschließt das? Von welcher Art Türen wollen wir beim Musikalischen Adventkalender zukünftig sprechen und wieviele Schlüssel hängen wir auf den Bund?
Die große Tür des Kleinen Ehrbar Saals gibt am 4.12 den Blick auf das Liedduo „Mina.Mas“ frei und wir empfehlen einen raschen Ticketkauf, da bei diesem Abend beinahe von einer limited edition gesprochen werden kann:
Mina.Mas erzählt in seinem Liederzyklus „Risse. Eine Verdichtung“ von den Herausforderungen einer weiblich gelesenen Person im 21. Jahrhundert, dabei werden historische Lieder von traditionsreichen Komponist:innen mit innovativen Eigenkompositionen und Improvisationen verbunden.
Im niederschwelligen Liederabend werden die starren Rollenbilder, Grundlage vieler Kunstlieder, bewusst nicht weiter verstärkt, sondern aufgeweicht und hinterfragt. Das traditionell passive lyrische Ich bricht aus den alten Zuschreibungen weiblich, jung und schön aus und wird aktiv, facettenreich und unbequem.
Do., 5.12.2024 (10.00 Uhr) im 5. Bezirk / Creative Cluster
1050 Wien; Viktor-Christ-Gasse 10
Eintritt frei
Eine Veranstaltung von turntablista.
Turntablista DJ Workshop
mit Masha Dabelka
Musik ist auch Handwerk. Auch Handwerk will erlernt werden. Gerade auch Handwerkerinnen brauchen Räume, Möglichkeiten, Sichtbarkeit. Und Freude an der Sache, auch!
Masha Dabelka – DJ, Produzentin, findet unerwartete Verbindungen zwischen verschiedenen musikalischen Genres und beleuchtet die verborgenen Ecken des weltweiten musikalischen Erbes. In ihrer DJ-Schule “Turntablista“ für Frauen lernt man am 5. Dezember bei einem kostenfreien DJ-Workshop (in) der alten Schule – Creative Cluster, Incubator for Art and Culture das “Beatmatching by Ear“ und die Grundlagen des DJ-Handwerks, das Verständnis für musikalische Komposition sowie die Arbeit mit analogen und digitalen Medien.
Fr., 6.12.2024 (20.00 Uhr) im 6. Bezirk / TAG Theater
1060 Wien; Gumpendorfer Straße 67
VVK/AK € 25,–; Erm. € 23,–
In Kooperation mit dem TAG Theater
MARIE SPAEMANN
support: no string_quartet
Ursprünglich haben wir an einen reinen Streicherinnen-Abend gedacht, doch dann schloss sich mit dieser Auswahl ein Kreis.
Die Idee der vier jungen, aufstrebenden Musikerinnen des no string_quartet ist es, die Gattung „Streichquartett“ genauer zu beleuchten, Genres aufzubrechen: die Musik des Ensembles bedient sich sowohl klassischer, als auch zeitgenössischer, Volks-, Jazz- und Weltmusik sowie Elementen der Improvisation und schafft so eine einzigartige Klangsprache und Atmosphäre.
MARIE SPAEMANN
Im September veröffentlicht Marie Spaemann ihre neue EP „Both“, beim Musikalischen Adventkalender werden ihre Nummern bei einem Solo-Abend in Wien präsentiert.
Ihr Album „Gap“ (2019) zeigte Kluften auf, ihre neue Veröffentlichung „Both“ führt scheinbar gegensätzliche Welten zusammen und wird die erste Labelkooperation mit der Medienmanufaktur Wien. Inspiriert von der Kreativität und Furchtlosigkeit ihrer Berliner Urgroßmutter, der verspielten Suche nach Vertrauen im Nachtnebel des Ungewissen, und der Weite der Entdeckung ihrer west- afrikanischen Wurzeln schöpft sie Kraft und Hoffnung für die Begegnung mit einer immer komplizierter werdenden Welt.
Sa., 7.12.2024 (19.30 Uhr) im 7. Bezirk / Evangelische Auferstehungskirche
1070 Wien; Lindengasse 44A
VVK/AK € 25,–; Erm. € 23,–
Abendkonzert/Performance
SCHMUSECHOR
Verena Giesinger – Künstlerische Leitung, Dirigat / Die Sänger:innen des Schmusechors
Der Schmusechor steht für eine prickelnde Mischung aus Popmusik, Performance, Haute Couture und Leidenschaft. Unter der künstlerischen Leitung von Verena Giesinger – Ausnahmedirigentin, Herzschlag, Beat und Taktstock des Schmusechors – wird eine Vielfalt an Fulminanz dargeboten, die ihresgleichen sucht. Das am 7. Dezember in der Evangelischen Auferstehungskirche kein Auge trocken und kein Körper regungslos bleiben wird, weiß, wer den Schmusechor schon einmal live erlebt hat. Mit raffinierten Arrangements von David Bowie über Aretha Franklin bis hin zu James Blake und Billie Eilish erleben wir ein edgy Potpourri, das sämtliche Gefühlskanäle an- und erregt und auch vor Genregrenzen nicht Halt macht.
Zuckerfee und Sternenstaub: Wunderschöne, besinnliche Musikstücke zum Zuhören und Mitsingen. Schon die Jüngsten reagieren mit Interesse bis Begeisterung auf die komplexen Töne, wiegen sich zum Rhythmus der Musik und lassen sich von der zauberhaften Stimmung anstecken.
Mo., 9.12.2024 (19.30 Uhr) im 9. Bezirk / Schubert Theater
Beeinflusst von Julia Lee, Ella Mae Morse, Etta James, Louis Jordan, Nat King Cole, Anita O‘Day, Billie Holiday und Ruth Brown – um nur einige zu nennen – lassen die fünf Musiker:innen die Zeit des Swing, Jazz & R&B der 40er und 50er Jahre wieder aufleben. Das schaffen sie unprätentiös, ohne Schnörkel und mit charmantem Witz. Es wird geswingt und gelacht, so dass es Freude macht!
Di., 10.12.2024 (16.00 Uhr) im 10. Bezirk / Kulturhaus Brotfabrik
1100 Wien; Absberggasse 27 / Stiege 3
Eintritt frei
In Kooperation mit Kulturen in Bewegung – eine Initiative des VIDC und Kulturhaus Brotfabrik
Kinderprogramm
LaLaLa Konzert mit Sakina Teyna, Özlem Bulut und Rina Kaçinari
Lalala… weltumspannend, unmittelbar, direkt, spontan, himmelhochjauchzend, melancholisch, traurig, feinfühlig, rasend schnell oder im Schneckentempo. 2024 bringen die drei in Wien lebenden Musikerinnen Rina Kaçinari, Özlem Bulut und Sakina Teyna zum ersten Mal in dieser Konstellation Eigenkompositionen von Leben, Liebe und den alltäglichen Dingen für die ganze Familie auf die Bühne. Jazz über Klassik, Avantgarde und Traditionell bis hin zu Pop, sowie Klänge aus ihrer Heimat öffnen am 10. Dezember die Tür des Kulturhaus Brotfabrik.
Mi., 11.12.2024 (18.00 Uhr) im 11. Bezirk / Weihnachtsmarkt Schloss Neugebäude
1110 Wien; Otmar-Brix-Gasse 1
Eintritt frei
PAULA BAREMBUEM CHÖRE
Einladung zum Mitsingen
Paula Barembuem inspiriert seit vielen Jahren singfreudige Menschen, Musik in der Gruppe zu erleben: Sie leitet drei Laienchöre, ein monatliches offenes Singtreffen in Wien sowie regelmäßige Gesangsworkshops in ganz Österreich. Zum besonderen Anlass des Musikalischen Adventkalenders wird Paula Barembuem gemeinsam mit Mitgliedern aller ihrer Chöre am Weihnachtsmarkt des wunderschönen Schloss Neugebäudes erfreulichen Liedern aus aller Welt die Tore zum Schlosshof öffnen und zum unbeschwerten Mitsingen einladen!
Do., 12.12.2024 (19.30 Uhr) im 12. Bezirk / Café Kosmos
1120 Wien; Tanbruckgasse 14 / Ecke Ratschkygasse
VVK/AK € 25,–; Erm. € 23,–
Veranstaltung mit Dolmetschung in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS)
Abendkonzert
WILLI LANDL UND MAX GAIER DUO
Zum wohl schönsten Datum des Jahres öffnet sich die 12. Tür im Café Kosmos, treten Sie ein, denn…
Max Gaier textet, komponiert und singt für und mit 5/8erl in Ehr’n und Sadfrancisco und Willi Landl ist Chansonnier und Songschreiber. In ihrem gemeinsamen Programm geben sie sich alle Freiheiten: Es wird Solo und im Duo musiziert; sie bringen gegenseitige Covers und unerhörte Duette, die ihnen gefallen, zu Gehör; mit Gitarre oder Klavier oder a cappella oder gar einem Playback.
Felix Junger / Gitarre; Stella for Strangers / Stimme; Johannes Peer / Trompete
Funkkopfhörer-Konzert im Gehen
Wir geben Felix Junger die Altgasse, besser gesagt, wir geben der Altgasse Felix Junger – und dem Publikum Funkkopfhörer, fertig ist der Altgassenziaga!
Als Folk-Pop-Sänger YUNGER tourt er seit einigen Jahren mit großer Leidenschaft durch Städte und Länder und am 13. Dezember nun auch durch die Gasse. Weil der „Ziaga“ ansich schon ein wirklich ehrwürdiges Format ist, schauen wir uns an, was passiert, wenn er vom Künstler selbst gestaltet wird: Wir bewegen uns von Solo-Singer-Songwriter Konzert zum folkigen Duo und münden in einen geschmeidig-jazzigen Abschluss mit seinem Trio Stellaccord, oder ganz anders, jedenfalls aufgepasst:
Begrenzte Kopfhöreranzahl!
Kopfhörer-Kaution: Ausweis, Kopfhörerausgabe nur an Personen ab 12 Jahren
Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt.
Sa., 14.12.2024 (19.30 Uhr) im 14. Bezirk / Breitenseer Lichtspiele
Eine der tiefsten Stimmen Wiens gehört einer jungen Songwriterin, deren Name nicht ohne Zufall nach einer Kunstfigur von Tom Waits getauft wurde. Mit Inspirationen von Joan Didion und Patti Smith erschafft sie ihr eigenes dunkles Universum. Die Türe der Breitenseer Lichtspiele öffnet sich am 14. Dezember für das Konzert mit Edna Million und da die Breitenseer Lichtspiele zwar auch Konzertbühne sein können, in ihrem eigentlichen Amt als ältestes Kino Wien aber vor allem tolle Filme vorführen, kann man dies vor dem Konzert gerne tun: Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach.
So., 15.12.2024 (16.00 Uhr) im 15. Bezirk / Viktoria
1150 Wien; Viktoriagasse 5
Tickets € 15,–; keine Ermäßigungen
Veranstaltung mit Dolmetschung in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS)
Musikalische Lesung
BRUNO SCHERNHAMMER mit FRANZISKA HATZ und RICHIE WINKLER
Bruno Schernhammer liest aus seinem Roman “Am weißen Fluss – Die Kinder des Almtals”, die Lesung wird von Franziska Hatz (Akkordeon) und Richie Winkler (Saxophon, Klarinette) musikalisch begleitet.
“Bruno Schernhammer betreibt mit seinem Buch eine besondere Art der „Heimatkunde“. Er legt dar, dass Beheimatung nur dort möglich ist, wo es Erzähler gibt, die vom lange Verdrängten und Totgeschwiegenen berichten.”Ursula Seeber, Literaturhaus Wien
Mo., 16.12.24 (19.30 Uhr) im 16. Bezirk / Weinhaus Sittl
1160 Wien; Lerchenfelder Gürtel 51
VVK/AK € 25,–; Erm. € 23,–
Abendkonzert
DIE GOAS
Markus Binder: Stimme, Tuba
HP Falkner: Stimme, Steirische Harmonika
Am Anfang war nicht die Henne oder das Ei, sondern «die Goas»! Und aus dieser wurde in den 1990er-Jahren schließlich das Duo «Attwenger». Als «die Goas» frönen die beiden Musiker der oberösterreichischen Volksmusik mit zünftigen Gstanzln, Landlern und Zwiefachen und wir ergänzen: Die Goas is Attwenger / Und Attwenger is fein / Aber nur ois die Goas / Wollns beim Adventkalenderl sein.
Di., 17.12.2024 (18.00 Uhr) im 17. Bezirk / Kulturcafé Max
1170 Wien; Mariengasse 1
Freie Spende
Mitmachen!
KLEZMER SESSION SPEZIAL
Die Vienna Klezmer Sessions sind seit 2019 ein Fixpunkt für Wiener und internationale Musiker:innen im Kulturcafé Max in Wien Hernals. Sie bieten einen Raum für erfahrene, angehende oder interessierte Klezmorim um gemeinsam zu musizieren, neues zu Lernen und sich auszutauschen. Auch Klezmeraffines Publikum ist herzlich willkommen um zu lauschen oder das Tanzbein zu schwingen. Jede Session beginnt mit einem Opener Konzert aus bestehenden oder rising stars der (inter)nationalen Klezmerszene. Danach ist die Bühne eröffnet und alle Musiker:innen eingeladen, unter der fachkundigen Leitung von Esther Wratschko zu jammen.
Mi., 18.12.2024 (18.12 Uhr) im 18. Bezirk / Café Mocca
1180 Wien; Gersthofer Straße 2A (in S-Bahn Station Gersthof)
VVK/AK € 25,–; Erm. € 23,–
Kaffeehauskonzert
ANA SCHENA OIS DA AUNDARE
Joachim Regler / Gitarre, Stimme; Simon Scharinger / Gitarre, Stimme
Was sie am 18.12 im Cafe Mocca so treiben werden, das wissen wir gar nicht so genau, das war der Deal. Ana wird dabei aber vermutlich Schena Ois Da Aundare sein – finden Sie es heraus und sagen Sie es niemandem!
Ana Schena Ois Da Aundare (ASODA), das sind Joachim Rigler und Simon Scharinger. Nebst ihrem Wirken in der Gesangskapelle Hermann, haben es sich die beiden Musiker mit ihrem Duo-Projekt zur Aufgabe gemacht, alltägliche Abgründe – von humorvollen Beobachtungen bis hin zu schwermütig-poetischen Innenwelten – in Kombination mit eingängiger Musik zu einem großen Ganzen zu verschmelzen. Unaufgeregt und charmant tänzeln die beiden durch verschiedene Genres, bleiben aber dennoch treffsicher und genau in Sprache, Rhythmus und Melodie.
Do., 19.12.2024 (19.30 Uhr) im 19. Bezirk / Heuriger Hengl-Haselbrunner
1190 Wien; Iglaseegasse 10
VVK/AK € 25,–; Erm. € 23,–
Veranstaltung mit Dolmetschung in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS)
Dass es Heurige auch zur Weihnachtszeit gibt, das ist nicht selbstverständlich. Auch ob der Hengl-Haselbrunner die 19. Türe heuer auch wieder für uns öffnen wird, das wollten wir erstmal vorsichtig erfragen. Er hat gsagt: sicher! Schön, denn nun können wir den Frageball weiter an Stubenfliege spielen:
Gibt es Stubenfliegen eigentlich auch zur Weihnachtszeit? Wie viele Sorten Weihnachtsbäckerei müssen es wohl heuer sein? Und was würden eigentlich Jesus, Maria und Josef dazu sagen? Fragen wie diese stellen sich Eva Stubenvoll, Laurenz Hacker und Matthias Pfeiffer – kurz: Stubenfliege – in ihrem weihnachtlich angehauchtem Trio-Programm. Mit einer Mischung aus altbekannten und neuen Weihnachtssongs im Dialekt, aufgelockert durch Gedichte und humorvolle Texte. Denn, so wie immer, benötigt man gerade zur Weihnachtszeit viel davon, um diese auch unbeschadet zu überstehen!
Fr., 20.12.2024 (19.30 Uhr) im 20. Bezirk / Kulturcafé Henriette
Mary Broadcast / Stimme, A-Bass; Jimi Dolezal / A-Gitarre, Stimme; Thomas Hierzberger / Klavier, Stimme; Andreas Senn / Schlagzeug, Stimme;
Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass Unplugged-Abende ihren eigenen Charme haben. Weil die Stimmung intimer, die Aufmerksamkeit höher, die Verbindung zu den Musiker:innen intensiver ist. Manche meinen sogar, dass ein Unplugged-Konzert dazu führen kann, sich neu in Musik zu verlieben. Wir verdoppeln all das, weil Ihr wisst ja, es ist Weihnachten und so öffnen wir am 20.12. Tür und Bühne für gleich zwei Künstlerinnen und ihre Bands:
Bad Ida Trio – Garage–Soul–Pop–kräftigt–fließt–dicht
Mary Broadcast – Indie–Pop–Rock–mächtig–intensiv–zart
Im Anschluss wird zum Tanz unter der Discokugel im Dining-Bereich des ehemaligen Chinalokals geladen, mit Klängen, dann doch aus Boxen und Kabeln und Computern kommen – das Festivalteam legt seine und eure Lieblingsgassenhauer auf!
Sa., 21.12.2024 (19.30 Uhr) im 21.Bezirk / Strandgasthaus Birner
Vier ehemalige Mitstreiter:innen, Bewunder:innen und Kolleg:innen von Willi Resetarits finden sich an seinem Geburtstag zusammen und spielen ein Konzert mit vielen Liedern aus seinem Repertoire – sowie eigenen Hadern, die dem Birner, Willis Stammwirtshaus, eine ganz besondere Stimmung verleihen werden.
Die Musik- und Tanzperformance PROMENADENMISCHUNG bettet sich in das Geschehen verschiedenster Outdoor-Areale ein und passt sich an die architektonischen und natürlichen Gegebenheiten dort an. Modern Jazz Folk trifft zeitgenössischen Tanz – am 22. Dezember tauschen, filtern und mischen sechs Künstler:innen ihre Eigenkompositionen und Bewegungssprachen zu einem „Best of“ und definieren so den Begriff der „Promenadenmischung“ neu.
Die Re/generation braucht Schlüsselerlebnisse. Dazu gehört es auch, die Grenzen im eigenen Denken und Handeln aufzubrechen, Raum zu schaffen, in den Austausch zu ge- hen, mit Blicken und Expertise von Innen und Außen zu arbeiten. Wenn wir schon von Türen sprechen, die sich öffnen – wer geht schlussendlich hindurch? Vor wem verschließen sie sich, wer kann sie überhaupt finden? Wer hat den Schlüssel zum Öffnen und wer beschließt das? Von welcher Art Türen wollen wir beim Musikalischen Adventkalender zukünftig sprechen und wieviele Schlüssel hängen wir auf den Bund?
Workshop für Interessierte, kein Vorwissen nötig
19.30 Uhr: Abschlusskonzert / F23 saal.eins
VVK/AK € 25,–; Erm. € 23,–
CLARA MONTOCCHIO Album Release
Clara Montocchio / Stimme, Gitarre, Klavier, Komposition; Anna Tropper-Lener / Violine, Stimme;
Niki Waltersdorfer / Gitarre, Stimme; Gregor Aufmesser / Kontrabass
Ein Festivalabschluss ist, gerade dann besonders schön, wenn er mit einem Anfang beginnt. Die Wiener Singer-Songwriterin mit südafrikanischen Wurzeln präsentiert am letzten Abend des Musikalischen Advent- kalenders ihr Debüt-Album „My Vreemde Kind“ mit Band. Ihre tief metaphorischen Texte sind durchdrungen von persönlicher Geschichte und erzählen Geschichten von Verbundenheit und Sehnsucht auf Englisch und in ihrer Muttersprache Afrikaans. Mit einer Stimme, die zwischen warmen, erdigen Tönen und schillernder Klarheit oszilliert, webt sie Folk-Pop-Landschaften voller Poesie und emotionsgeladener Improvisation. Wien Premiere!
Di., 24.12.2024 / Spezialveranstaltung TAFELN!
Für die Bewohner:innen des Mutter-Kind-Hauses der Caritas Wien veranstaltet der Musikalische Adventkalender gemeinsam mit Tafel Österreich und der Musikerin Mira Perusich (Gesang, Klavier) einen musikalisch-kulinarischen 24. Dezember. Gemeinsam essend, lauschend und singend öffnen wir mit „Tafeln!“ die finale Türe des Musikalischen Adventkalender 2024. Mit dem Kauf eines ideellen Tickets für diese geschlossene Veranstaltung unterstützt das Festivalpublikum diesen Tag wesentlich und ermöglicht ein Zusammenkommen voll Herz, Musik und gutem Essen.
Wir danken unseren Fördergeberinnen, Sponsorinnen und KooperationspartnerInnen
Stadt Wien Kultur
SKE Fonds
OKAY Märkte
Die Tafel Österreich
Caritas
Kulturhaus Brotfabrik
WITAF
Kulturen in Bewegung
Hunger auf Kunst & Kultur
sowie allen kooperierenden Spielstätten
Das komplette Programm und alle Spielorte finden Sie detailliert unter:
ALLE unter 27: € 15,– sowie Tickets für Besitzer:innen des Hunger auf Kunst und Kultur Kulturpasses (Achtung! Limitiertes Kontingent bei beiden Kategorien, geltend nur für Eigenproduktionen des Musikalischen Adventkalenders)
Achtung!Preisabweichung beim Ticketverkauf durch Spielstätten möglich. Zusätzliche Ermäßigungen je nach Spielstätte möglich. Die Abendkasseist jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn geöffnet!
Zur Person/über mich:Ralph Michael Stieber, geboren in Aschaffenburg, ist ausgebildeter Schauspieler. Nach fast zehn Jahren auf der Bühne und vor der Kamera wechselte er in die Werbebranche und arbeitete als Texter für verschiedene Agenturen. Gemeinsam mit seiner Partnerin gründete er 2018 die Storytelling-Agentur Story Berlin. Er ist Autor von drei erzählenden Sachbüchern (erschienen im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag), zwei Fachbüchern (Vahlen / C. H. Beck) und zwei Theaterstücken. Seine Gedichte und Stories wurden in zahlreichen Literaturmagazinen und Anthologien veröffentlicht. Er erhielt ein Stipendium des Literaturhauses Pazin in Kroatien und wurde mehrfach für seine Arbeit als Texter ausgezeichnet. Wenn er nicht in Europa unterwegs ist, lebt er in Berlin.
Aktuelle Bucherscheinung: Ralph Michael Stieber: Wir waren hier
Wir waren hier – Gedichte, wie Graffiti auf den Wänden der Zeit
In seinem Lyrik-Debüt nimmt uns Ralph Michael Stieber mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen der Jugend, die Herausforderungen des Erwachsenwerdens und das intensive Leben in der Großstadt. In den Gedichten begleiten wir verschiedene Menschen durch extreme Situationen und alltägliche Momente. Er erzählt uns kleine Geschichten – Momentaufnahmen, die das Leben in all seiner Widersprüchlichkeit und Intensität einfangen. Gedichte, die Spuren hinterlassen
Die Gedichte in Wir waren hier sind wie Graffiti auf den Wänden der Zeit: Sie hinterlassen Spuren. Sie erzählen von den Menschen, die unser Leben prägen, von denen, die in uns Erinnerungen und Narben zurücklassen. Der Dichter gibt diesen Menschen eine Stimme – denen, die uns nah waren und denen, die wir vielleicht nur kurz getroffen haben, die aber dennoch ihre Spuren hinterließen. Stieber hat aus solchen Spuren Poesie gemacht. Gedichte, die wirken wie ein komprimierter Roman oder eine Serie voller Wendepunkte, in denen die Charaktere eine Veränderung durchlaufen.
Stieber widmet sich in seinen Gedichten sowohl den großen Fragen des Lebens als auch den kleinen, oft übersehenen Augenblicken, die unser Dasein formen. „Ich schreibe Gedichte, die Geschichten erzählen. Geschichten, die uns daran erinnern, dass wir existieren, fühlen und dass das, was wir in anderen zurücklassen, Bedeutung hat“, sagt Stieber.
In Gedichten wie Teen Spirit beschreibt Stieber diese jugendliche Energie und Verwirrung: „Unsere Wut war eine Patronenkugel mit Schmetterlingsflügeln auf dem Skateboard schwebend.“ Es ist die Zeit, in der das Leben seltsam einfach, aber auch unberechenbar sein konnte – eine Zeit voller Überraschungen, Schmerz und Wunder. Das Erwachsenwerden wird nicht als linearer Prozess dargestellt, sondern als ein Mosaik aus Erfahrungen, das sich im Rückblick nur teilweise entschlüsseln lässt.
Auch die urbane Existenz spielt in Stiebers Werk eine zentrale Rolle. In Berlin Blues vergleicht er die Stadt mit einer „Prinzessin gefangen im Körper eines Proleten“. Diese Metapher fängt die Widersprüche des urbanen Lebens ein – die ständige Spannung zwischen Schönheit und Trash, zwischen Chaos und Ordnung.
Gedichte, die man versteht – und von denen man sich verstanden fühlt Stiebers Metaphern und Sprachbilder sind zugänglich und verständlich – seine Gedichte sprechen direkt zu uns, als ob sie nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die Leser:innen geschrieben wären, die in ihnen ein Stück von sich selbst entdecken können. „Gedichte können zugänglich und direkt sein, ohne dabei an Tiefe zu verlieren – genau das versuche ich in Wir waren hier umzusetzen“, betont Stieber. Wer nach moderner Poesie sucht, die Geschichten erzählt und Emotionen weckt, wird hier fündig. Ein Gedichtband, den man nicht nur lesen, sondern auch erleben kann.
Wir waren hier ist eine Hommage an die Komplexität des Daseins und an die Spuren und Narben, die wir in anderen und in der Welt hinterlassen – und die andere in uns hinterlassen.
Ralph Michael Stieber, Wir waren hier, Gedichte Verlag: Stadtlichter Presse, Buxtehude (ET: 22. November 2024) Taschenbuch, 98 Seiten ISBN-13 978-3-947883-45-5, € 14 (D
Zur Person/über mich:Achim Engelberg, geboren 1965, schreibt u.a. für die Neue Zürcher Zeitung, die Blätter für deutsche und internationale Politik und Sinn und Form. Er ist Gründungskurator bei piqd. Als Historiker publiziert er Sachbücher und wertet den in der Berliner Staatsbibliothek vorliegenden Nachlass seines Vaters aus. Bei Siedler erschienen »Die Bismarcks. Eine preußische Familiensaga vom Mittelalter bis heute« (2010, zusammen mit Ernst Engelberg) und die von ihm herausgegebene Neuedition von Ernst Engelbergs »Bismarck. Sturm über Europa« (2014).
Lieber Jul Dillier, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Obwohl ich ein starkes Bedürfnis nach geregelten Tagesabläufen habe, macht es mir meine Arbeitsrealität meist schwer, feste Rituale und Strukturen einzuhalten, nicht zuletzt, weil ich oft zwischen Österreich und der Schweiz hin und her pendle. Generell bin ich ein ausgesprochener Morgenmensch; ich mag es früh aufzustehen und die ruhigen Morgenstunden für Meditation, Sport und ein sorgfältig zubereitetes Frühstück zu nutzen. Überhaupt hilft mir das Kochen, meinen Tag zu strukturieren. Bis zum Mittag erledige ich meist Büroarbeit, damit ich das hinter mir habe. Die Nachmittage gehören entweder dem Üben und Proben für aktuelle Projekte oder dem Komponieren / Forschen am eigenen Instrument. Die Abende verbringe ich entweder mit dem Besuch von Konzerten oder sehr gerne auch lesend zuhause.
Jul Dillier, Musiker und Klangkünstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Mir fällt da als Erstes Verbundenheit ein. Ich habe das Gefühl, dass die Lebensrealitäten von uns Menschen immer weiter auseinanderdriften, dass die Tendenz zunimmt, uns in Bubbles zu verlieren. Diese Tendenz gab es wahrscheinlich auch früher schon, aber durch die sozialen Medien hat sich Bandbreite an Informationen über unsere Welt enorm vergrößert. Das hat auch Vorteile, aber es kann dazu führen, dass wir in völligen Parallelwelten leben und das Gefühl von Verbundenheit und das Verständnis anderer Perspektiven und Realitäten abhanden kommt. Die Lösung kann nicht sein, alle auf eine Line zu bringen, sondern die Vielfalt von Meinungen, Wünschen und Bedürfnissen auszuhalten und damit umzugehen. Möglichkeiten des persönlichen Austauschs und Dialogs, Aufbau und Erhaltung von Empathie und gegenseitiger Rücksichtnahme sind daher meiner Meinung nach wichtiger denn je.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich finde das eine sehr schwierige Frage. Ich höre die Frage nach der Rolle oder Aufgabe oder dem Sinn der Kunst sehr oft, natürlich stelle ich sie mir auch regelmäßig selbst. Irgendwie hat sie für mich einen komischen Beigeschmack. Kunst entsteht für mich nicht aus einer Position der politischen oder gesellschaftlichen Pflichterfüllung, sondern ist vielmehr eine sehr persönliche Reaktion auf die Welt und das eigene Leben, das mit dieser Welt in Resonanz steht. Sie entsteht aus der Notwendigkeit, seinen Gefühlen und Empfindungen eine Form zu geben. Und dem Bedürfnis, diese in Form gegossenen Empfindungen mit anderen Menschen zu teilen. KünstlerInnen sind somit vielleicht in dem Sinne wichtig, dass sie feine Antennen haben, dass sie eine Art von sinnlichen Seismografen sind, die sehr sensibel auf den Ist-Zustand der Welt reagieren. Gerade die Musik ist eine sehr abstrakte, sehr intuitive Form des Ausdrucks, weil sie weder mit Worten noch mit Bildern arbeitet und nicht greifbar ist. Und das macht sie für mich so wertvoll: man kann nicht so sehr darüber reden, was sie aussagt oder bedeutet, sondern nur, was sie in einem selbst auslöst.
Ich glaube, Kunst kann ein Ort sein, um uns als fühlende Wesen auszudrücken und darüber auszutauschen, was die Welt mit uns macht. Und dieser Austausch kann Verbundenheit schaffen. Kann helfen, uns als Teil der Welt zu begreifen und zu erleben.
Was liest Du derzeit?
‚Verschiebung im Gestein‘ von Mariann Bühler
‚Deeper Mindfulness‘ von Mark Williams und Danny Penman
Gerade fertig gelesen: ‚Verletzlichkeit macht stark‘ von Brené Brown
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Zerreiss deine Pläne
Sei klug, und halte dich an Wunder
Jage die Ängste fort,
und die Angst vor den Ängsten
(Mascha Kaléko)
Vielen Dank für das Interview, lieber Jul, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Jul Dillier, Musiker und Klangkünstler
Zur Person/über mich:Jul Dillier ist Musiker und Klangkünstler und lebt in Wien. Er wuchs in der Zentralschweiz auf und studierte Jazzklavier und improvisierte Musik in Luzern, Basel und Linz. Seine Projekte bewegen bevorzugt sich in Grenzbereichen zwischen Improvisation und Komposition, Geräusch und Ton, Wort und Musik, Konzert und Performance, Klang und Stille. Derzeit ist er in der Schweiz als Musiker und Performer im Theaterstück „Ob das Glück stets hinter Wolken“ über die Dichterin Mascha Kaléko zu sehen. Weitere aktuelle Projekte sind: Chuffdrone, other:M:other, Ei Gen Klang und sein Soloprojekt solétudes.
Lieber Ralph Stieber, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Kaffee und dazu ein paar Seiten Gedichte lesen. Mit meinem Hund in den Park gehen und andere Hunde anpöbeln (bin überzeugt, mein Hund ist die Wiedergeburt von Kinski). Frühstücken. 2-3 Stunden an Gedichten schreiben. Mails beantworten. Auf Stipendien bewerben. Mäzene suchen und umgarnen. Viel lesen. Viel Musik hören, zu wenig Musik machen. Gedichte überarbeiten. Mit dem Hund raus, Revier markieren. Lesen bis ich einschlafe und davon träumen, 100 Jahre früher geboren zu sein und mit Ginsberg, Kerouac und Burroughs um die Häuser ziehen. Diese Routine wird in unregelmäßigen Abständen aufgepeppt durch: Essengehen mit meiner Frau, Theater, Kino und Konzerte.
Ralph Michael Stieber, Autor, Poet, Storyteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht durchdrehen, während die Welt am Durchdrehen ist. Sich in die Kunst retten und erkennen, warum nur die Kunst (Literatur, Musik, Theater usw.) uns gerade in solchen Zeiten, Halt gibt und nicht die Politik, nicht die Nachrichten, nicht Social Media, nicht Trash-TV – nein, nur die Kunst schafft es uns mit dem Wesentlichen zu verbinden: unserer Menschlichkeit, unseren Emotionen, unseren tiefsten Gedanken – und sie zeigt uns, dass es inmitten des Chaos immer noch etwas Echtes, Ehrliches und etwas tief Berührendes gibt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ein Aufbruch und Neubeginn erfordert sowohl gesellschaftlich als auch persönlich ein Innehalten – eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem, was hinter uns liegt, und eine Vision für das, was kommen soll. Wesentlich wird sein, dass wir den Mut finden, neu zu denken, bestehende Strukturen zu hinterfragen und Raum für Empathie, Kreativität und Wandel schaffen.
Hier kommt der Literatur und der Kunst eine zentrale Rolle zu: Sie eröffnen uns neue Perspektiven, fordern uns heraus, uns selbst und die Welt kritisch zu betrachten und geben uns gleichzeitig die Freiheit, Utopien zu entwerfen. Kunst schafft Verbindung und Identität in Zeiten des Wandels und kann uns gerade in den Momenten des Zweifels den Weg weisen, indem sie Fragen aufwirft, auf die es keine einfachen Antworten gibt.
Was liest Du derzeit?
Ich lese oft in dieser Dreier-Konstellation: Biografie / Poesie / Roman. Im Moment:
Eine turbulente Biografie über die Dichterin Anne Sexton. Eine Anthologie mit Persona Poems: „A Face to meet the Faces“, als Inspiration für meinen nächsten Gedichtband „Animal Kingdom“ (über den Abgrund in uns Menschen) und den Roman „Gelächter im Dunkel“ von Vladimir Nabokov.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich ergreife die Chance und wähle einen Auszug aus dem Gedicht „musikkörper“ von meinem kommenden Gedichtband „Wir waren hier“:
warum tanzt ihr nicht fragt der mann das junge paar
in der story von raymond carver warum tanzt ihr
nicht und das runde schwarze stück vinyl dreht sich
die nadel senkt sich und nach einem knacken und einem
knistern erklingt musik und sie beginnen zu tanzen
im garten in einem kleinen amerikanischen vorort
in einer zeit in der fassaden frisch gestrichen waren tanzt
es ist egal was die leute denken tanzt
zu beethoven zu blues zu rap zu punk tanzt
je mehr ihr tanzt desto weniger tot fühlt ihr euch
je mehr ihr tanzt desto mehr fühlt ihr euch tanzt
Vielen Dank für das Interview, lieber Ralph MIchael, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Ralph Michael Stieber, Autor, Poet, Storyteller
Zur Person/über mich:Ralph Michael Stieber, geboren in Aschaffenburg, ist ausgebildeter Schauspieler. Nach fast zehn Jahren auf der Bühne und vor der Kamera wechselte er in die Werbebranche und arbeitete als Texter für verschiedene Agenturen. Gemeinsam mit seiner Partnerin gründete er 2018 die Storytelling-Agentur Story Berlin. Er ist Autor von drei erzählenden Sachbüchern (erschienen im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag), zwei Fachbüchern (Vahlen / C. H. Beck) und zwei Theaterstücken. Seine Gedichte und Stories wurden in zahlreichen Literaturmagazinen und Anthologien veröffentlicht. Er erhielt ein Stipendium des Literaturhauses Pazin in Kroatien und wurde mehrfach für seine Arbeit als Texter ausgezeichnet. Wenn er nicht in Europa unterwegs ist, lebt er in Berlin.
Aktuelle Bucherscheinung: Ralph Michael Stieber: Wir waren hier
Wir waren hier – Gedichte, wie Graffiti auf den Wänden der Zeit
In seinem Lyrik-Debüt nimmt uns Ralph Michael Stieber mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen der Jugend, die Herausforderungen des Erwachsenwerdens und das intensive Leben in der Großstadt. In den Gedichten begleiten wir verschiedene Menschen durch extreme Situationen und alltägliche Momente. Er erzählt uns kleine Geschichten – Momentaufnahmen, die das Leben in all seiner Widersprüchlichkeit und Intensität einfangen. Gedichte, die Spuren hinterlassen
Die Gedichte in Wir waren hier sind wie Graffiti auf den Wänden der Zeit: Sie hinterlassen Spuren. Sie erzählen von den Menschen, die unser Leben prägen, von denen, die in uns Erinnerungen und Narben zurücklassen. Der Dichter gibt diesen Menschen eine Stimme – denen, die uns nah waren und denen, die wir vielleicht nur kurz getroffen haben, die aber dennoch ihre Spuren hinterließen. Stieber hat aus solchen Spuren Poesie gemacht. Gedichte, die wirken wie ein komprimierter Roman oder eine Serie voller Wendepunkte, in denen die Charaktere eine Veränderung durchlaufen.
Stieber widmet sich in seinen Gedichten sowohl den großen Fragen des Lebens als auch den kleinen, oft übersehenen Augenblicken, die unser Dasein formen. „Ich schreibe Gedichte, die Geschichten erzählen. Geschichten, die uns daran erinnern, dass wir existieren, fühlen und dass das, was wir in anderen zurücklassen, Bedeutung hat“, sagt Stieber.
In Gedichten wie Teen Spirit beschreibt Stieber diese jugendliche Energie und Verwirrung: „Unsere Wut war eine Patronenkugel mit Schmetterlingsflügeln auf dem Skateboard schwebend.“ Es ist die Zeit, in der das Leben seltsam einfach, aber auch unberechenbar sein konnte – eine Zeit voller Überraschungen, Schmerz und Wunder. Das Erwachsenwerden wird nicht als linearer Prozess dargestellt, sondern als ein Mosaik aus Erfahrungen, das sich im Rückblick nur teilweise entschlüsseln lässt.
Auch die urbane Existenz spielt in Stiebers Werk eine zentrale Rolle. In Berlin Blues vergleicht er die Stadt mit einer „Prinzessin gefangen im Körper eines Proleten“. Diese Metapher fängt die Widersprüche des urbanen Lebens ein – die ständige Spannung zwischen Schönheit und Trash, zwischen Chaos und Ordnung.
Gedichte, die man versteht – und von denen man sich verstanden fühlt Stiebers Metaphern und Sprachbilder sind zugänglich und verständlich – seine Gedichte sprechen direkt zu uns, als ob sie nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die Leser:innen geschrieben wären, die in ihnen ein Stück von sich selbst entdecken können. „Gedichte können zugänglich und direkt sein, ohne dabei an Tiefe zu verlieren – genau das versuche ich in Wir waren hier umzusetzen“, betont Stieber. Wer nach moderner Poesie sucht, die Geschichten erzählt und Emotionen weckt, wird hier fündig. Ein Gedichtband, den man nicht nur lesen, sondern auch erleben kann.
Wir waren hier ist eine Hommage an die Komplexität des Daseins und an die Spuren und Narben, die wir in anderen und in der Welt hinterlassen – und die andere in uns hinterlassen.
Ralph Michael Stieber, Wir waren hier, Gedichte Verlag: Stadtlichter Presse, Buxtehude (ET: 22. November 2024) Taschenbuch, 98 Seiten ISBN-13 978-3-947883-45-5, € 14 (D
Am 16.11.2024 um 15 Uhr findet im Theater Olé (www.theater-ole.at) die Premiere des Stückes „Johnnybär – der furchtlose Affe“ statt; ein Clownstück für Menschen ab vier Jahren, gerade auch für solche, die mit der chronischen Krankheit DIABETES leben.
Das Stück bildet den Auftakt zu dem Projekt DIE ZUCKERERBSEN – eine Initiative, die ihre Aufgabe darin sieht, Menschen im Allgemeinen, aber eben ganz gezielt auch Menschen, besonders junge Menschen, die der Diabetes begleitet, mit Kunst, Humor und Leichtigkeit zu unterstützen.
Der gemeinnützige Verein DIE ZUCKERERBSEN setzt sich aus ClownInnen zusammen, die bereits jahrelang als Krankenhaus – bzw. BühnenclownInnen gearbeitet haben und teilweise selbst mit Diabetes leben. Sie bringen ein hohes Maß an Lebenserfahrung, Empathie und Sensibilität mit!
Ziel des Vereines ist einerseits, Familien und deren Kinder als UnterstützerInnen, als humorvolle BegleiterInnen und „Zuckererbsenmaskottchen“ in diesen herausfordernden Lebensumständen zu betreuen. Andererseits können DIE ZUCKERERBSEN auch von Institutionen gebucht werden, um mit theatralischen und clownesken Mitteln bei der Aufklärung rund um das Thema DIABETES mitzuwirken.
DIABETES TYP 1 ist eine Autoimmunerkrankung und gehört zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen im Kindesalter. Bei diesem DIABETES-Typ greift das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie.
DIABETES TYP 2 ist eine Erkrankung des Stoffwechsels. Sie führt dazu, dass der Blutzucker dauerhaft zu hoch ist; da der Zucker im Blut von den Körperzellen nicht mehr richtig aufgenommen und verarbeitet werden kann.
Der DIABETES eines Kindes ist eine umfassende Herausforderung für die ganze betroffene Familie. Der Alltag muss neu organisiert werden und alle müssen den DIABETES als ständigen Begleiter akzeptieren lernen.
Die Initiatorin des Projektes, Verena Vondrak, bringt eine 30 jährige Berufserfahrung als CliniClownin mit. Sie hat jahrelang onkologische PatientInnen im St. Anna Kinderspital betreut und ist auch
Co-Direktorin des Clowntheaters Olé. Vor einigen Jahren ist dann der DIABETES in ihr Leben getreten und hat vieles durcheinandergewirbelt: eine ständige Auseinandersetzung mit den eigenen Zuckerwerten, ohne Pause. Aber wie bereits ihre „Zuckerschwester“ Christa Diethör immer wieder betont: „ALLES IST MÖGLICH“. Und genau das ist denn auch der Leitgedanke dieses Projektes. ALLES IST MÖGLICH.
Das Projekt DIE ZUCKERERBSEN hebt ab November 2024 ab und hat viel Buntheit, Leichtigkeit, Spaß und Clownerie im Gepäck!
Christa Diethör (Lilli)
Seit über 40 Jahren begleitet mich Diabetes mit allen Höhen und Tiefen, die so ein Leben mit sich bringt. Mein Lebensmotto war immer „Alles ist möglich“!
Man kann sich seine Wünsche und Träume erfüllen, es ist vielleicht manchmal schwieriger, anstrengender und aufwendiger, aber trotzdem ist es machbar.
Ich bin seit 1982 im Pflegeberuf tätig und beschäftige mich seit ca. 6 Jahren mit Clownerie, die mir sowohl in der Arbeit, wie auch im Alltag ein sehr wertvoller Begleiter geworden ist.
Ich versuche das Schöne, die Freude und das Humorvolle zu leben und dies mit Anderen – vor allem auch Betroffenen – zu teilen!
Gabriele Schwarz (Pipetta)
Geboren in Wien mit einer Vorliebe fürs Wandern und Tanzen. Übersetzerin und Sprachlehrerin gewesen. Erst spät – aber noch rechtzeitig – die Clownerie entdeckt. 25 Jahre als CliniClownin für Kinder und Erwachsene in Spitälern und Pflegeheimen im Einsatz.
Verena Vondrak (Kiki)
Eigentlich wollt ich Prinzessin werden.
Schön, verwegen und unwiderstehlich…
Dann hab ich kein passendes Krönchen und keinen passenden Prinzen gefunden. So bin ich halt Clownfrau geworden. Auch nicht schlecht.
Hab das passende Näschen und den passenden Frosch gefunden und lass mich ganz schön vom Lachen treiben. Das ist schön, verwegen und unwiderruflich! Ich bin ausgebildete Grundschullehrerin und Puppenspieltherapeutin (nach Käthy Wüthrich).
Ich studierte an der Theaterschule J. Lecoq in Paris und an der Puppentheaterschule in Prag, arbeitete 30 Jahre als Cliniclown (viele Jahre an der Kinderonkologie des St. Anna Kinderspitals Wien) und war künstlerische Leitein der Cliniclowns, Workshopleiterin, Mitbegründerin des erstbesten Clowntheaters Wien – Theater Olé (www.theater-ole.at),
Geboren und gewachsen in Wien, ab 1963 /Schule Medizinstudium, relativ lang und doch nicht fertig Akademie für Sozialarbeit, kurz und bündig mit Diplom In der Sozialarbeit vor allem tätig in den Bereichen: Beratung und Begleitung von Langzeitarbeitslosen/ Einzelarbeit mit Jugendlichen/Mobile Jugendarbeit und Streetwork
Liebe zum Clown seit schon immer, erste kleine Schritte in den späten 90er Jahren wieder aufgeflammt 2008,seither regelmäßige WS und Kurse. Absolventin des ClownLeergang Wien, durchgeführt von Verena Vondrak und Hubertus Zorell. Teilnahme an verschiedenen Formaten und Produktionen des Theater Olé www.theater-ole.at (erstbestes Clowntheater in Wien)
Teil des Direktoriums des Theater Olé,
Interesse an Medizin, sowohl an der Schul- als auch der Alternativmedzin immer geblieben
Liebe für Tanz und Musik, Leidenschaft fürs Menschliche. Lieblingsfarbe wechselt kaum – bedenklich?
Jutta Vranovsky (Kostüme)
Physikerin, Dekorateurin, Cake-Pops Kreateurin, Kostümentwicklerin z.B. für „Agathes Wunderkoffer/Musikverein u.a
Ich liebe es, mit Stoffen zu arbeiten. Deshalb kümmere ich mich darum, dass die „Zuckererbsen“ auch optisch fein in Szene gesetzt sind. So eine schöne Aufgabe!
1919. Weimar. Der Schrecken des Krieges ist zu Ende und Lebenswege beginnen sich wieder zu finden. Alles kommt wieder in Gang, geht seinen Gang. Wie es immer war…immer?
Paula, Tochter eines Orgelbauers, sucht einen neuen, eigenen Weg. Ausgerechnet im Beruf ihres Vaters, einer Männerdomäne, und noch dazu bei dem ehemaligen Kompanion…
Und jetzt ziehen Gewitter da und dort auf und Paula sucht auszuhalten, durchzuhalten, ihrem Lebenstraum und auch ihrer Liebe zu folgen im Rausch und Sturm von Tradition und Wagnis…
„Du hast doch getan, was du konntest, vielleicht nicht bis ins Letzte durchdacht, aber nach bestem Gewissen…“
Martin Meyer, vielseitiger wie virtuoser Autor, legt mit „Die Orgelbauerin“ einen Roman als mitreißende Lebens-, und Liebesgeschichte vor, die von der ersten Seite an fesselt und bis zum furiosen Ende nicht loslässt.
Es sind ganz fein durchdachte Gedanken-, Gesprächs-, und Entscheidungsszenen, die diesen Roman filmgleich auf eine Lebens- und Entwicklungssbühne heben und zu einem exzellenten Kammerspiel vor historischem Hintergrund werden lassen. Da passt alles, historisch-gesellschaftliche Bezüge in Bewegung, Spannung und Überraschung eines unverwechselbaren Lebensweges. Leserin und Leser sind dabei mittendrin und mit unterwegs.
Ein weiteres Meisterstück eines faszinierenden Autors, der mit jedem Buch überrascht wie begeistert!
Die Orgelbauerin, Martin Meyer. Roman. Gmeiner Verlag
Clowns sind diejenigen, die hinter dem Spiegel stehen
Habe immerzu ein wachsames Auge
Atme tief ein, atme aus
Nenne die Dinge beim Namen, ob Feind, ob Freund
Clown zu sein, schützt nicht immer
Ewigkeiten währen nur im Traum
Tuncay Gary, Berlin, 20.10.2024
Tuncay Gary, Schauspieler für Film und Theater, Lyriker, Theaterautor, Regisseur und Dramaturg, Literaturpädagoge & Theaterpädagoge.
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace
Tuncay Gary, Schauspieler für Film und Theater, Lyriker, Theaterautor, Regisseur und Dramaturg, Literaturpädagoge & Theaterpädagoge.
Tuncay Gary, Schauspieler für Film und Theater, Lyriker, Theaterautor, Regisseur und Dramaturg, Literaturpädagoge & Theaterpädagoge.
Zur Person/über mich:Tuncay Gary, in Kars (Türkei) geboren, Schauspieler für Film und Theater, Lyriker, Theaterautor, Regisseur und Dramaturg, Literaturpädagoge & Theaterpädagoge.
Tuncay Gary spielt unter anderem am Wiener Burgtheater, am Deutschen Theater und am Maxim-Gorki-Theater. Er ist Gründer des »Theater Windmühle – Teatro de molino de viento« für das er in wechselnden Besetzungen eigene wie fremde Theaterstücke für Kinder und Erwachsene inszeniert. 2015 gründet er die Literaturwerkstatt und die Theaterwerkstatt in Berlin-Wedding. Hier lernen Kinder und Jugendliche aus einer sozial benachteiligten Umgebung die Liebe zur Sprache.
Seine Leidenschaft für Worte bringt er in Prosatexten und Gedichtbänden sowie in seinem Programm »Poetry & Dance by Rajaa and Tuncay« zum Ausdruck. Gary erhielt 1996 den Lyrikpreis von »Young Life Berlin«. 2014 nominierte man ihn für den Ehren-Preis von »Levure Littéraire Poetry-Performance«. 2024 wurde er von der Bingel Stiftung für Literatur zur 14. Hochstädter Lyriknacht eingeladen.
Seit Jahren engagiert sich Tuncay Gary für Menschenrechte, u.a. für Amnesty International. Mit »Nicht ich bin der Mörder« sensibilisiert er das Theaterpublikum für den Völkermord an den Armeniern. Tuncay Gary ist Botschafter der Stiftung Sicher-Stark, um Kinder vor Gewalt und Missbrauch zu schützen.
Kommende Neuerscheinung/Herbst 2024 von Tuncay Gary: