„dass wir tatsächlich etwas tun können“ Iris Martin, Schriftstellerin _ Kiel 8.9.2025

Liebe Iris Martin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe sehr früh auf, trinke Kaffee. Dann schreibe ich. Je nachdem, wie lange ich Zeit habe, so etwa zwei bis fünf Stunden. Dann leite ich einen Deutschkurs. Ich unterrichte Deutsch als Fremdsprache. Danach gehe ich oft spazieren oder fahre mit dem Rad nach Hause. Im Sommer schwimme ich so oft wie möglich. Ich liebe das Meer! Später übe ich Klavier. Das ist eine Meditation. Und abends treffe ich Leute, telefoniere, lese, sehe einen Film, eine Oper, ein Ballett. Ich erinnere mich nicht, wer das gesagt hat: „Ich habe es mit der Realität versucht. Es gibt Besseres.“ Ich würde zumindest so weit gehen zu sagen, dass die Realität nur einen Teil meines Lebens ausmacht.

Iris Martina Martin, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, dass es wichtig ist, sich darüber klar zu sein, dass wir tatsächlich etwas tun können. Nichts bleibt, wie es ist. Auch wenn es an einem Tag so scheint, als ob wir keine Chance hätten, auch nur gehört zu werden, kann es einige Zeit später ganz anders aussehen. Dinge ändern sich, und plötzlich gibt es eine Chance. Bereit sein. Beharrlichkeit.

Um Kraft zu schöpfen, können wir uns darauf besinnen, was wir haben. Wir können immer wieder innehalten, um die Kostbarkeit des Lebens zu fühlen. Ich halte es für wichtig, dass wir uns darüber klar sind, dass wir die Fähigkeit zur Sublimation haben, d.h. negative seelische Energie in positive zu verwandeln. Eine erstaunliche Fähigkeit. Aber sicher ist nicht für alle Menschen das Gleiche wichtig. Vielleicht ist es nicht einmal wichtig, sich darüber klar zu sein, was einem wichtig ist. Nicht um glücklich zu sein, wenn es das ist, worum es geht. Es gibt so eine Art unbewussten Glücks.

Wenn ich Dinge als schwer empfinde, sage ich mir, dass uns Milliarden Jahre der Evolution genau darauf vorbereitet haben, und sicher nicht darauf, dass es leicht ist. Es war niemals leicht. Viele sind untergegangen. Aber jeder einzelne unserer zahllosen Vorfahren hat die Fackel des Lebens weitergereicht. Mir hilft dieser Gedanke seltsamerweise. Aber ich kann mir leicht vorstellen, dass ein anderer dazu nur sagt: „Aha.“

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Besonnenheit und Klugheit werden ganz besonders wichtig sein. Ich halte es in dieser Situation für gefährlich, einfach nur Gefühlen zu folgen. Jede unserer Handlungsoptionen muss bis zum Ende durchdacht sein. Wie leicht lassen sich Feindbilder aufbauen. Wie leicht kann man Menschen manipulieren, wenn sie Dinge nicht zu Ende denken.

Wir sollten nicht naiv sein, aber auch nicht meinen, dass ganz klar ist, was passiert. Wir sollten die Perspektiven der anderen verstehen. Wir sollten jede Möglichkeit nutzen und vor allen Dingen an den Frieden glauben. Wir sollten uns nicht auf unsere Führer verlassen, sondern uns selbst ein Bild machen. Vielleicht haben sie eigene Ziele. Vielleicht haben sie den Überblick längst verloren.

Laut sein, nachdrücklich und beharrlich immer wieder sagen, dass wir Frieden wollen. Widersprechen, Diskutieren, Angebote machen, auch und besonders Zuhören sind wichtig. Auch Vorstellungsvermögen. Manchmal denke ich, dass vielen Menschen gerade das fehlt. Die Toten sind dann nur noch Zahlen. Vielleicht brauchen wir die Fähigkeit, das unermessliche Leiden auf der Welt auszublenden. Aber wir sollten uns doch zumindest noch daran erinnern, dass wir es ausblenden.

Die Kunst erweitert Perspektiven. Sie hilft dabei, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Über den Bezugsrahmen hinauszugehen. Sie hilft dabei neue Lösungswege zu entdecken, andere Möglichkeiten aufzuzeigen. Kunstwerke sind auch Gedankenexperimente. Was wäre, wenn…? Und muss es überhaupt so sein, wie es ist? Die Kunst macht uns glücklich und positiv und liebevoll. Sie gibt uns Hoffnung, Energie und Freude.

Was liest Du derzeit?

Virginia Woolf: Between the Acts.

Diese begnadete Schriftstellerin ist eine Meisterin darin, den Moment des Glücks inmitten eines Meers von Angst und Unsicherheit einzufangen und für ihre Leser*innen erlebbar zu machen. Ob es sich lohnt? Wer fragt danach?

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Mann in Kalkutta hat ein Kinderheim gegründet, in dem er 25 obdachlosen Waisenkindern ein Zuhause gab. Man fragte ihn, was für einen Unterschied das mache, 25 Kinder von 10.000. Darauf sagte er: „Für die 10.000 macht es keinen Unterschied, wohl aber für die 25.“

Vielen Dank für das Interview, liebe Iris, Schriftstellerin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Iris Martina Martin, Schriftstellerin

Zur Person/über mich: Iris Martina Martin ist in Freiburg i.Br. geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Kommunikationswissenschaft studiert. Ihre Magisterarbeit beschäftigt sich mit dem Komischen in Thomas Bernhards „Die Billigesser“. Nach dem Studium war sie an verschiedenen deutschen Bühnen als Regieassistentin tätig. Dann absolvierte sie eine Fortbildung zur PR-Referentin. Sie lebte bislang überwiegend in Hamburg, wo sie rund zwanzig Jahre als Texterin, Ghostwriter und freie Journalistin arbeitete. Seit rund zehn Jahren unterrichtet sie Deutsch als Fremdsprache. Heute lebt sie in Kiel und widmet sich ihrer Leidenschaft, dem fiktionalen Schreiben. Neben Romanen schreibt sie Novellen, Theaterstücke und Lyrik.

Aktuelles Buch von Iris Martina Martin: Iver. Roman.

Ein atmosphärisch dichtes m/m Beziehungsdrama mit Crime-Elementen.

In der Einsamkeit der norwegischen Wälder arbeitet Iver als Pilot für einen Technologiekonzern. Eines Tages lernt er bei einem Auftrag Sander, einen der Firmengründer, kennen. Sie verlieben sich fast auf den ersten Blick. Doch Sander hat ein dunkles Geheimnis, und ihre leidenschaftliche Beziehung basiert von Anfang an auf einer Lüge. Denn der weltgewandte Tatmensch Sander kann nicht glauben, dass der träumerische Iver seinen wahren Charakter akzeptieren kann. Erst Jahre später entdeckt Iver die ganze Wahrheit über seinen Freund. Und auch Sander steht noch eine Überraschung bevor…

Der zweite Teil des Romans spielt in Brasilien, wo die Firma eine Niederlassung aufbaut. Die Helden bewegen sie sich einerseits in Sanders Welt, der Welt der Technologiewirtschaft, Korruption und des Verbrechens. Andererseits entdecken sie aber auch Ivers Welt. Sie erleben die Faszination einer großartigen Natur, reisen an den Amazonas und zum Fujijama und lernen von der Mystik und Weisheit der Kulturen.

Das Grundthema des Romans sind mangelnde Offenheit sowie falsche Erwartungen und Erwartungserwartungen, die eine leidenschaftliche Beziehung bedrohen. Schuldgefühle auf der einen und Verlustängste auf der anderen Seite erschweren den Liebenden eine offene Kommunikation. Daneben bildet die Auseinandersetzung der Figuren mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen und Grundwerten ein durchgehendes Thema der Geschichte.

Iver. Roman. Iris Martina Martin.

207 S., Taschenbuch, 12,85×19,84, 11,99 €

ISBN 979-8297361980

198 S., eBook, 8,99 € (Kindle) Mit Leseprobe auf Amazon.

https://www.amazon.de/Iver-Iris-Martina-Martin/dp/B0FN7GMGGR/ref=tmm_pap_swatch_0?_encoding=UTF8&dib_tag=se&dib=eyJ2IjoiMSJ9.f7eeM0CXj1WB6K_Whl7l79hyzhNbtp5mTzawiB0LlcXOPFhfV5o4Ir86Gwh5NyrRQH7uAVYRjUA7A5_ZcX2E8s7quOYSNVesbr-itQXNjhZqajTf_gkJzEQr102oYUtPciXPI6syYARZLugH_X8vyg.rlNwVqH-HuzR_CgW7H5MzlAQbEX_NS9IwGmBBLbzaDo&qid=1757159345&sr=8-1

Ab 17. September 2025 auch im deutschen Buchhandel und für Tolino Reader.

236 S., Taschenbuch, 12,5x19cm, 11,99 €

ISBN 9783819440472

236 S., eBook, 8,99 € (Tolino)

ISBN 9783819440540

Foto: privat/ Coverdesign: Ingo Martin Mediadesign

Walter Pobaschnig 7/9/25

https://literaturoutdoors.com

„Perspektiven und Reflexionen zu erweitern“ Norma Norvald, Schriftstellerin _ Krems a.d.Donau 7.9.2025

Liebe Norma Norvald, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Erstmal Kaffee und dann alles andere…– Mein Tag fängt langsam und früh an. (Ich gehöre zu der Gattung nerviger Frühaufsteher, die vor sechs Uhr herumsingen). Nach einem ausgiebigen Frühstück stehen organisatorische Sachen auf dem Programm, bevor ich vormittags trainiere und Zeit in der Natur verbringe.  Am Nachmittag lasse ich meinen poetischen Vogel im Caféhaus oder am Schreibtisch daheim frei fliegen, und insofern ich keine Abendkurse leite oder Freunde/ KollegInnen treffe, schreibe ich am Abend oft weiter. Zurzeit schreibe ich an einem Buch über Schafe… und Elfen… und Orchas…, und abwechselnd schreibe ich auch Lyrik. Wenn ich kann, gönne ich mir den Luxus früh ins Bett mit guter Lektüre zu gehen.

Norma Norvald, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Entschleunigung:  In der Langsamkeit sehen wir das Leben um uns klarer, in der Langsamkeit lässt sich der Mensch in uns besser erkennen, in der Langsamkeit wird unser Herz wieder sanft – in der Langsamkeit erinnern wir uns an unsere wichtigste Aufgabe und an unseren Seelensinn; eben Mensch füreinander zu sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Mut zu finden, um unser Denken zu befreien, und damit uns selbst die eigenen Haltungen zu entblößen. Das versetzt uns in die Lage, unsere Umwelt bewusster wahrzunehmen und den Bedarf zu entwickeln, noch mehr Gutes für unsere Umwelt zu tun. Kunst und Literatur fordern uns zu poetischem Denken auf, statt abgefertigte politische und wirtschaftliche Schablone und Floskeln zu konsumieren und produzieren. Das Ergebnis ist: eine eigene Stimme mit individueller Sprachfärbung und Klang.

Kunst und Literatur haben die Aufgabe, Perspektiven und Reflexionen zu erweitern, und so Denkprozesse und Handlungen auszulösen. Dieses bewirkt wiederum ein Stück Befreiung von der allgemeinen Masse und fördert gesunde, tatkräftige Individuen.

 Was liest Du derzeit?

The well of loneliness  von Radclyffe Hall

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Tage sind heller, wenn man liebt. (Ruth Maier Wien 1920 – 1942, Auschwitz)

Vielen Dank für das Interview, liebe Norma, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Norma Norvald, Schriftstellerin

Zur Person/über mich: Anfangsweise führte ich meinen Pinsel unsicher, bescheiden, schüchtern. Aber dann! Mit dem steigenden Farbenklang der Polarnacht wurde ich immer schwunghafter, dreister: großzügig, flirtend fegte ich in unsterblichen Schreibserenaden unter den Sternen – an diesem Winterabend wurde ich geboren, an diesem Winterabend schrieb ich mir über den Nachthimmel frei

Norma Norvald *1978/ Norwegen, seit 2015 sesshaft in Österreich. Lebt und arbeitet mit einem schwarzen Kater im Waldviertel. Beruflich: Schriftsteller, Schreibpädagoge, Kursleiter für Deutsch und Basisbildung, Skandinavische Sprachen und Literatur. Studium: Sprachwissenschaft an der Universität Bergen / Norwegen.

Mitglied von IG Autorinnen und Autoren, Podium Literatur und kollektiv 22 https://kollektiv22.at/author/norma-del-camino/. Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften.

Zuletzt gesehen: Grand Café Oslo in Gesellschaft eines schwarzen Katers.

Sonstiges: Vorliebe für alte Schreibmaschinen und noch ältere Achterbahnen, schwarzen Kaffee mit goldenen Perlen, Waldlaufen, Stegreifphilosophie und Wortetymologie.

Fotos: privat

Walter Pobaschnig 6/9/25

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„Generäle“ Norma Norvald, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Krems a.d.Donau 7.9.2025

GIVE PEACE A CHANCE

    „Newsflash

Tausende ukrainische Kinder wurden

bisher durch Russland verschleppt.

Die Dunkelziffer ist groß.

KINDER SIND GEFÄHRLICH!“


Generäle,

Ihr

Verrat,

Ein



Präludium

Eskalierter

Apokalypse von

Courage und

Ehre



Alte



Chansons von

Heimattal,

Ankunft in

Neufremdland

Circulum Virtiosus

Ende gut?


Norma Norvald, 6.9.2025

Norma Norvald, Schriftstellerin

GIVE PEACE A CHANCE

Norma Norvald, Schriftstellerin

Zur Person/über mich: Anfangsweise führte ich meinen Pinsel unsicher, bescheiden, schüchtern. Aber dann! Mit dem steigenden Farbenklang der Polarnacht wurde ich immer schwunghafter, dreister: großzügig, flirtend fegte ich in unsterblichen Schreibserenaden unter den Sternen – an diesem Winterabend wurde ich geboren, an diesem Winterabend schrieb ich mir über den Nachthimmel frei

Norma Norvald *1978/ Norwegen, seit 2015 sesshaft in Österreich. Lebt und arbeitet mit einem schwarzen Kater im Waldviertel. Beruflich: Schriftsteller, Schreibpädagoge, Kursleiter für Deutsch und Basisbildung, Skandinavische Sprachen und Literatur. Studium: Sprachwissenschaft an der Universität Bergen / Norwegen.

Mitglied von IG Autorinnen und Autoren, Podium Literatur und kollektiv 22 https://kollektiv22.at/author/norma-del-camino/. Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften.

Zuletzt gesehen: Grand Café Oslo in Gesellschaft eines schwarzen Katers.

Sonstiges: Vorliebe für alte Schreibmaschinen und noch ältere Achterbahnen, schwarzen Kaffee mit goldenen Perlen, Waldlaufen, Stegreifphilosophie und Wortetymologie.

Fotos: Portrait _ privat; Motiv _ Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig 6/9/25

https://literaturoutdoors.com

„Literatur und Kunst sind ein Frühindikator“ Christoph Höhtker, Schriftsteller _ Genf 5.9.2025

Lieber Christoph Höhtker, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, Kaffee, Müsli, kurz eine Textdatei anstarren (aber nicht verändern), dann zum Job, dann wieder zurück, Essen, Schlaf auf dem Sofa, Schlaflosigkeit im Bett, dann wieder Aufstehen usw. (ich spiele den Alltag eines normalen Arbeitnehmers nach, obwohl ich ein normaler Arbeitnehmer bin)

Christoph Höhtker, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nichts ist für alle wichtig. Selbst Gesundheit oder das Leben als solches nicht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Menschheit steht jeden Tag vor einem Aufbruch oder irgendeinem Neubeginn. Momentan werden die Debatten und der vorpolitische Raum von rechts dominiert, das wird in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten vermutlich so bleiben. Literatur und Kunst spielen in diesem wie in jedem anderen Zusammenhang höchstens als Dekor bzw. als Frühindikator eine Rolle.

Was liest Du derzeit?

Noch einmal „Der Himmel über der Wüste“, da ich mich demnächst in Tanger aufhalten werde.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Buch, das nicht scheitert, ist kein Buch. Aber auch das gescheiterte Buch ist kein Buch.

(Alfreda Dimenchoa-Emst, zitiert in „Staaten“)

Vielen Dank für das Interview, lieber Christophviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Christoph Höhtker, Schriftsteller, Diplomsoziologe.

Zur Person/über mich: Christoph Höhtker, geb.1967 in Bielefeld (D), Taxifahrer, Diplomsoziologe, 5 veröffentlichte Romane, zuletzt „Staaten“ (Ventil).

Wohnhaft seit 2004 in Genf (CH)

Aktueller Roman von Christoph Höhtker:

Ein Besuch des Elternhauses mutiert zu einer Reise an die Grenzen der Realität.

Ein in der Schweiz lebender Autor besucht sein Elternhaus in einem Außenbezirk Bielefelds, um sich vorübergehend der Pflege seiner zweiundneunzigjährigen Mutter zu widmen. Im Gepäck hat er mehrere unvollendete Romanprojekte, einen dysfunktionalen Zugang zum Literaturbetrieb und jede Menge durch manische Beobachtungssucht befeuerte schlechte Laune. Angekommen in Bielefeld-Heepen fühlt sich der Autor jedoch deutlich besser als erwartet. Während sich die Protagonist:innen seiner Manuskripte allmählich verselbstständigen, taucht er immer tiefer in das »Tal der Witwen«, sein ebenso durchschnittliches wie gespenstisches Herkunftsmilieu, ein. Eine Reise an die Grenzen der Realität hat begonnen.

https://www.ventil-verlag.de/titel/1974/staaten

Hardcover
368 Seiten
2. Juli 2025
25,00 €(D)
ISBN 978-3-95575-243-9

Foto: privat

Walter Pobaschnig 4/9/25

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„Geben“ Tanja Gurke, Kulturmanagerin _ Give Peace A Chance _ Graz 2.9.2025

GIVE PEACE A CHANCE

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C harisma,

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Tanja Gurke, 1.9.2025

Tanja Gurke, Kulturmanagerin, Kunsthistorikerin

GIVE PEACE A CHANCE

Tanja Gurke, Kulturmanagerin, Kunsthistorikerin

Zur Person/über mich: Tanja Gurke (*1971, Graz)
Ausbildung:
Bundesgymnasium Seebacher in Graz
Diplomstudium Kunstgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Auszeichnung
Doktoratstudium Kunstgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Auszeichnung
Buchhändlerprüfung an der Wirtschaftskammer Graz
Beruflicher Werdegang:
Praktikum in der Neuen Galerie, Landesmuseum Joanneum GmbH
Tutorin in Bibliothek bzw. Diathek am Institut für Kunstgeschichte, Uni Graz
freie Mitarbeit im Büro für Kommunikation am Joanneum Graz
Lektorin am Institut für Kunstgeschichte Bereich Diathek, Uni Graz
Verfassung von englischen Kunstkritiken für eine koreanische Kunstzeitschrift
Angestellte der Buchhandelsfirma Georg Prachner GmbH
Filialleiterin der Zweigstelle Fachbuchhandlung Prachner in Graz
Leiterin Shop Kunsthaus Graz an der Landesmuseum Joanneum GmbH
Leiterin Referat Shops, Buch- + Verlagswesen, Landesmuseum Joanneum GmbH
Angestellte Einrichtungshaus Casa Michaela
Organisation Verlag Wirtschaftsnachrichten
Verlagsleiterin Haus der Architektur Graz Office- und Vertriebsassistenz, ilsinger editions
Organisation Häuser schaun Architekturführungen, Haus der Architektur Graz
Büroleitung und Pressearbeit, Grazer Kunstverein
Geschäftsleiterin, Grazer Kunstverein
Freiberufliche Kuratorin, Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin
Berufsorientierte Ausbildungen:
Italienisch-Kurse, Karl-Franzens-Universität Graz
Sommerschule für Kunstgeschichte, Cambridge
Cambridge First Certificate, Wirtschaftskammer Graz
Kurse des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, Wien
Unternehmerprüfung, Wirtschaftskammer Graz
Education & Mentoring Programm mit St. Bildungspass, BIC Graz
Lehrgänge Kulturmanagement + Kulturvermittlung, Institut für Kulturkonzepte Wien
Weitere Qualifikationen: ausgezeichnete Computerkenntnisse, Englisch fließend, Französisch und Italienisch sehr gut
Hobbies: Reisen, Lesen, Kunst, Kino, Architektur, Fotografie, Pilates, Meditation

Fotos: Portrait _ privat; Motiv _Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 1/9/25

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„Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage“ Tanja Gurke, Kulturmanagerin _ Graz 2.9.2025

Liebe Tanja Gurke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Diesen Sommer hab` ich ein neues Ritual entwickelt: Ich gehe kurz vor 8 Uhr zum Kirchplatz vor der Herz-Jesu-Kirche in Graz, St. Leonhard, und beobachte, wie sich Wasser in einer schönen, in den Boden eingelassenen Betonform sammelt. Egal, welches Wetter ist, es bedeutet Innehalten, Durchatmen, Wirken Lassen und ist fast wie eine Meditation. Danach bin ich fit für den Tag.

Tanja Gurke, Kulturmanagerin, Kunsthistorikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Wir müssen uns wieder mehr auf das Essentielle unseres Lebens fokussieren, dankbar sein für das, was wir trotz aller Turbulenzen haben, aufeinander zugehen, wertfrei, auf Augenhöhe, und unsere Energie positiv lenken.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu? 

Wesentlich ist es, authentisch zu sein und zu bleiben. Sich zu verstellen und zu viele Kompromisse zu schließen ist nicht nur auf Dauer anstrengend, sondern gibt von uns auch ein falsches Bild. Mithilfe der Kunst schaffen wir es, unsere Gefühle und Gedanken auszudrücken und ein Ventil zu finden, um innerlich loslassen und Sorgen ein wenig erleichtern zu können. Wenn wir über Jahrhunderte zurückschauen, passierte dies in allen Kunstphasen, und es kann als Ausdruck jeder Zeit gesehen werden.

Was liest Du derzeit?

Den 14. Bretagne-Krimi von Jean-Luc Bannalec. Ich fühle mich bei jedem seiner Bücher in die dortige Landschaft versetzt, vermag die verschiedenen Stimmungen zu sehen, den Geruch wahrzunehmen und die Kulinarik zu schmecken. Es ist ein Eintauchen in eine andere Welt, die die Sinne schärft.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben? 

„Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er erfordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten ist: Zeit, Zuwendung und Raum“. (Dieter Kienast, 1945-98)

Vielen Dank für das Interview, liebe Tanjaviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Tanja Gurke, Kulturmanagerin, Kunsthistorikerin

Zur Person/über mich: Tanja Gurke (*1971, Graz)
Ausbildung:
Bundesgymnasium Seebacher in Graz
Diplomstudium Kunstgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Auszeichnung
Doktoratstudium Kunstgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Auszeichnung
Buchhändlerprüfung an der Wirtschaftskammer Graz
Beruflicher Werdegang:
Praktikum in der Neuen Galerie, Landesmuseum Joanneum GmbH
Tutorin in Bibliothek bzw. Diathek am Institut für Kunstgeschichte, Uni Graz
freie Mitarbeit im Büro für Kommunikation am Joanneum Graz
Lektorin am Institut für Kunstgeschichte Bereich Diathek, Uni Graz
Verfassung von englischen Kunstkritiken für eine koreanische Kunstzeitschrift
Angestellte der Buchhandelsfirma Georg Prachner GmbH
Filialleiterin der Zweigstelle Fachbuchhandlung Prachner in Graz
Leiterin Shop Kunsthaus Graz an der Landesmuseum Joanneum GmbH
Leiterin Referat Shops, Buch- + Verlagswesen, Landesmuseum Joanneum GmbH
Angestellte Einrichtungshaus Casa Michaela
Organisation Verlag Wirtschaftsnachrichten
Verlagsleiterin Haus der Architektur Graz Office- und Vertriebsassistenz, ilsinger editions
Organisation Häuser schaun Architekturführungen, Haus der Architektur Graz
Büroleitung und Pressearbeit, Grazer Kunstverein
Geschäftsleiterin, Grazer Kunstverein
Freiberufliche Kuratorin, Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin
Berufsorientierte Ausbildungen:
Italienisch-Kurse, Karl-Franzens-Universität Graz
Sommerschule für Kunstgeschichte, Cambridge
Cambridge First Certificate, Wirtschaftskammer Graz
Kurse des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, Wien
Unternehmerprüfung, Wirtschaftskammer Graz
Education & Mentoring Programm mit St. Bildungspass, BIC Graz
Lehrgänge Kulturmanagement + Kulturvermittlung, Institut für Kulturkonzepte Wien
Weitere Qualifikationen: ausgezeichnete Computerkenntnisse, Englisch fließend, Französisch und Italienisch sehr gut
Hobbies: Reisen, Lesen, Kunst, Kino, Architektur, Fotografie, Pilates, Meditation

Fotos: Portrait _ privat; Motive _ Garten _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 1/9/25

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Ernst Jandl. Einer raus, einer rein. Die schönsten Gedichte ausgewählt von Klaus Wagenbach. Wagenbach Verlag.

Ernst Jandl, dessen 100.Geburtstag heuer gefeiert wird, ist eine der originellsten, unverwechselbarsten Stimmen deutschsprachiger Literatur der Moderne. Seine experimentelle Lyrik, in welcher das Hören, der Vortrag ganz wesentlich ist, begeistert und inspiriert Generation um Generation immer wieder neu.

Zum Geburtstag legt der Wagenbach Verlag eine Neuauflage einer sehr spannenden Zusammenstellung von Gedichten aus verschiedensten Werkperioden Jandls vor, die einen sehr guten Ein-, wie Überblick über das Besondere seines Schreibens geben und Form, Rhythmik kennenlernen bzw. vertiefen lassen.

Ein Nachwort und Lebensdaten runden diese sehr gelungene Ausgabe ab.

Ernst Jandl. Einer raus, einer rein. Die schönsten Gedichte ausgewählt von Klaus Wagenbach. Wagenbach Verlag.

96 Seiten. Rotes Leinen. Fadengeheftet

18,– €

ISBN 978-3-8031-1238-5

Walter Pobaschnig  8_25

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Ernst Jandl. Biografie einer Stimme. Bernhard Fetz. Wallstein Verlag.

Ernst Jandl, Schriftsteller, geboren vor 100 Jahren am 1. August 1925 in Wien, gestorben am 9. Juni 2000 ebenda, ist eine der, weit über den deutschsprachigen Raum hinaus, bedeutendsten literarischen Stimmen der Moderne. Sein lyrisches Werk von virtuosem experimentellen Sprachspiel bestimmt, ist untrennbar mit seinem energiegeladenen dynamischen Vortrag verbunden, der einen seiner Höhepunkte am 11. Juni 1965 in der Londoner Royal Albert Hall findet, in welcher der so facettenreiche Autor vor 4000 Zuschauer*innen, mit weiteren internationalen Schriftsteller*innen, darunter Allen Ginsberg, begeisternd unter langanhaltendem Applaus performt. Dieser literarische Anspruch des ganz lebendigen, gleichsam performativen, Vortragens und Hörens von Text, bleibt zeitlebens ein Charakteristikum seines Schreibens, das sich auch in zahlreichen künstlerischen Kooperationen bis zu seinem Tod ausdrückt.

Der Titel der vorliegenden Jandl Biografie von Bernhard Fetz, renommierter Literaturwissenschaftler, Direktor des Literaturarchivs Wien, nimmt auf diese Mitte des künstlerischen Werkes Bezug und geht dann einen spannenden Weg einer „Stimme“ im biographisch-literarischen wie gesellschaftshistorischen Kontext, der viele neue Zugänge in Interviews, der Analyse und Darstellung von Werk- und Lebensstationen öffnet und den Klang dieser so einflussreichen „Stimme“ eindrucksvoll würdigt.

„Eine beeindruckende facettenreiche Biografie einer einzigartigen literarischen Stimme.“

Ernst Jandl. Biografie einer Stimme. Bernhard Fetz. Wallstein Verlag.

268 S., 7 Abb., geb., Schutzumschlag, 12 x 20 cm

ISBN 978-3-8353-5991-8

€ 28,00 (D) / € 28,80 (A)

Alle Preise inkl. MwSt zzgl. Versandkosten

Walter Pobaschnig 8/25

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„Kunst lädt ein, in Offenheit, Kreativität und Achtsamkeit mitzugestalten“ Daniela Ölweiner, Künstlerin _ Klagenfurt 28.8.2025

Liebe Daniela Ölweiner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist nicht einfach zu beschreiben. Mein Alltag folgt keinem festen Plan.  Ich lasse mich von Tag zu Tag treiben. Ehrlich gesagt liege ich abends im Bett, schaue auf meinen Kalender und plane den nächsten Tag rund um meine anstehenden Termine.

Daniela Ölweiner, Künstlerin

Ich liebe diese Tage, an denen nichts im Kalender steht. Dann verbringe ich meine Zeit im Atelier, am See. An Orten, die mir Ruhe schenken und Raum für Kreativität lassen.

An den Tagen mit Terminen verlagert sich mein kreatives Arbeiten oft in die Abendstunden. Diese verbringe ich dann im Atelier oder zu Hause. Manchmal allein, manchmal gemeinsam mit kreativen Freund*innen. Solche Abende können tief in die Nacht hineingehen. Wenn ich einmal im Flow bin, vergesse ich alles um mich herum und genieße die Stille beim Zeichnen und Malen.

Daniela Ölweiner, folgende

Im Sommer nehme ich mir bewusst Zeit für Blumenwiesen und Spaziergänge durch die Natur. Der Sommer ist für mich die wichtigste Zeit im Jahr, denn ich bereite mich auf den Herbst und Winter vor. Da ich mit getrockneten Blumen arbeite, ist diese Jahreszeit essentiell. Doch mein Alltag besteht nicht nur aus Tun, sondern auch aus Staunen. Zum meinem Tagesablauf gehört es, fasziniert und aufmerksam zu sein für das, was mich umgibt: für die kraftvollen und intensiven Farben der Blumen, für Vögelformationen am Himmel, für das Glitzern des Sees im Sonnenlicht. Diese kleinen Momente berühren mich, nähren meine Kreativität und erinnern mich daran, wie lebendig alles ist.

Als Künstlerin kann jeder Tag zu einem neuen Abenteuer werden. Sei es ein Kunstprojekt, eine Ausschreibung, ein neuer Auftrag oder die Kunst, sich selbst immer wieder neu zu begegnen und kennenzulernen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, was uns heute wirklich guttut, ist das Bewahren der Ruhe und ein liebevolles und verständnisvolles Miteinander.

Was ich besonders wahrnehme ist, das viele Menschen unserer Gesellschaft getrieben sind, von ständigem Input, sozialen Medien, Konsum, To-do-Listen und vollen Terminkalendern. Orte und Momente, in denen wir wirklich bei uns sind sind daher besonders wichtig. Nicht erreichbar sein. Nicht funktionieren müssen. Einfach nur sein, atmen, schauen, wahrnehmen, lachen, Neues ausprobieren, Zeit vergessen.

Zwischen all dem Lärm brauchen wir die leisen Räume, in denen wir wieder hören können, was in uns klingt. Für diese Antworten braucht es besonders verständnisvolle Mitmenschen, die einem Zeit schenken, zuhören und Geborgenheit schenken.

Vielleicht geht es genau darum: wieder spüren zu lernen, was wirklich zählt. Nicht das, was sich laut in den Vordergrund drängt , sondern das, was leise da ist, wenn wir still werden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Was dabei wesentlich sein wird, ist das Bewusstsein für Veränderung und die Bereitschaft, uns selbst und unser Umfeld neu zu entdecken. Es braucht Offenheit für Neues und den Mut, Schritte ins Unbekannte zu wagen. Gleichzeitig ist es wichtig, genau hinzuschauen und nicht alles gedankenlos zu übernehmen.

Ebenso wichtig ist es, das Bewährte nicht zu vergessen. Unsere Traditionen und das uralte Wissen, das oft eng mit der Natur verbunden ist, können uns Orientierung und Halt schenken. Das Gefühl, das entsteht, wenn wir etwas mit unseren eigenen Händen herstellen oder verarbeiten, ist kaum in Worte zu fassen. Dabei entsteht eine Verbindung zwischen dem, was wir tun, und dem, was wir sind. Selbst herzustellen bedeutet Verantwortung zu übernehmen., also bewusst mit Materialien, Ideen und Prozessen umzugehen.

Ein Beispiel für solch eine alte Tradition, die ich in meiner Arbeit weiterführe, ist das Pressen und Konservieren von Blumen. Die Arbeit mit getrockneten Pflanzen hat eine lange Geschichte. Man denke an Herbarien, an fein säuberlich gepresste Blätter in dicken Büchern, an getrocknete Blüten zwischen den Seiten alter Lexika. Für viele sind diese Erinnerungen mit der Kindheit verbunden, an Sommernachmittage bei der Großmutter und an das Staunen über die Formen und Farben, die sich beim Trocknen verändern.

Dieses einfache, stille Tun,  das Blumen sammeln, sortieren, pressen und bewahren, ist für mich Verbindung: zur Natur, zur Zeit und zur Erinnerung. Indem ich dieses alte Wissen in meine künstlerische Arbeit einfließen lasse, entsteht etwas Neues, das trotzdem seine Wurzeln kennt. Es ist ein zarter Dialog zwischen gestern und heute.

Meiner Meinung nach spielt Kunst im Prozess des Wandels eine ganz besondere Rolle. Sie ist nicht nur Ausdruck unserer inneren Welt, sondern auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Kunst schafft Räume, in denen Fragen gestellt und Visionen sichtbar werden können. Sie lädt uns ein, innezuhalten, zu reflektieren und neue Perspektiven einzunehmen. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist es wichtig, das Unsichtbare sichtbar zu machen, das Unausgesprochene fühlbar zu machen und dabei auf wesentliche Werte zu erinnern.

Die Kunst öffnet Räume, in denen wir hinter die Kulissen blicken, das Verborgene spüren und neue Perspektiven entdecken können. Sie verbindet das Sichtbare mit dem Unsichtbaren, das Alte mit dem Neuen, das Innere mit dem Äußeren. Für mich ist die Kunst eine Einladung, den Wandel nicht nur zu erleben, sondern ihn aktiv mit Offenheit, Kreativität und Achtsamkeit mitzugestalten.

Kinder sind für mich ein ganz besonderer Schatz in diesem Wandel. Sie tragen eine natürliche Offenheit in sich, einen unvoreingenommenen Blick auf die Welt, der uns Erwachsenen oft verloren geht. Ihre Neugier und ihre Verbundenheit zur Natur sollten wir behüten und bewahren. Es ist essenziell, dass Kinder nicht von der Natur entfremdet werden wie technisierte, künstliche Umgebungen, die den direkten Kontakt zu Erde, Pflanzen und Tieren ersetzen. Stattdessen brauchen sie Räume, in denen sie barfuß über Wiesen laufen, im Regen tanzen und den Wind auf der Haut spüren können. Nur so können sie ihr natürliches Gespür für das Leben entwickeln und mit offenem Herzen in die Zukunft gehen.

Kunst kann Kinder wunderbar unterstützen, indem sie ihnen die Freiheit schenkt, frei und kreativ zu denken, sich mit sich selbst und anderen zu verbinden und ihre eigene Sprache zu finden. Durch das Spielen mit Farben, Formen und Materialien entdecken sie ihre Individualität und lernen gleichzeitig, Teil eines größeren Ganzen zu sein.

Was liest Du derzeit?

Zurzeit begleitet mich The War of Art von Steven Pressfield. Ein Buch, das mit erstaunlicher Klarheit über kreative Prozesse und innere Widerstände spricht. Und es trifft einen Punkt, den viele Menschen kennen. Nämlich, dass das größte Hindernis oft in uns selbst liegt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Art is not what you see, but what you make others see.” – Edgar Degas

Dieses Zitat zeigt, dass Kunst als Brück dienen kann. Eine Verbindung zwischen Menschen, zwischen inneren Welten und der äußeren Realität. Kunst ist nicht nur Ausdruck des Künstlers, sondern öffnet Türen für andere, sich selbst neu zu entdecken, Gefühle zu spüren und Perspektiven zu wechseln. Sie lädt uns ein, genauer hinzuschauen und das Verborgene sichtbar zu machen.

Vielen Dank für das Interview, liebe Danielaviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Daniela Ölweiner, Künstlerin

Zur Person/über mich: Daniela Ölweiner ist eine zeitgenössische Künstlerin mit Sitz in Klagenfurt am Wörthersee. Schon immer von der Natur und ihrer Schönheit fasziniert, fließen florale Elemente organisch in ihre Werke ein.

Ihre einzigartigen Blumencharaktere sind eine spielerische Verschmelzung von Farbe, Form und Emotion – ein Ausdruck von Lebendigkeit und zarter Stärke.

In ihrer Kunst arbeitet sie mit getrockneten Blumen, die als symbolische Repräsentation für die emotionalen und charakterlichen Wurzeln eines Menschen dienen. Diese Blumen verleihen den Bildern einen individuellen Ausdruck, indem sie die vielfältigen Facetten der menschlichen Persönlichkeit und Gefühlswelt verkörpern. Sie machen sichtbar, was oft flüchtig und ungreifbar ist: die feinen Nuancen unserer Emotionen.

​Nach Jahren in der Selbstständigkeit fand sie ihren künstlerischen Weg über die Liebe zum Detail.  Neben Originalkunstwerken bietet die ausgebildete Pädagogin Workshops an, um Kunst greifbar zu machen und Menschen zu inspirieren.

https://www.kunst-oelweiner.com/info

Fotos: Daniela Ölweiner

Walter Pobaschnig 16/8/25

https://literaturoutdoors.com

„Und vor allem: Irgendwie weitermachen“ Johanna Wack, Schriftstellerin _ Hamburg 27.8.2025

Liebe Johanna Wack, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist meistens recht ähnlich: (sehr müde) aufstehen, mindestens zwei Kaffee trinken (vorher bin ich funktionsunfähig), Kind schulfertig bekommen, mich selbst so hinbekommen, dass ich wie ein normaler Mensch aussehe, Arbeit, Arbeit, Arbeit, Haushalt, Kind, Haushalt, feststellen, dass es plötzlich Abend ist, ins Bett fallen. Wenn noch Kraft dafür da ist, lese ich natürlich gern.

Johanna Wack, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Empathie. Lernen, Fake News/KI/Manipulation zu erkennen. Mehr Ehrlichkeit. Und vor allem: Irgendwie weitermachen. (Und hat irgendjemand vielleicht meinen Glauben an die Menschheit gefunden? Ich scheine ihn gerade verlegt zu haben.)

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich habe mich als Kind durch alle Bücher zum Thema Holocaust gelesen, die ich in die Hände bekommen habe. Außerdem durch sämtliche Comics. Und durch medizinisch/psychologische Fachliteratur. Das sind auch heute noch meine großen Themen: Menschen und ihre Motive verstehen, Wissen anhäufen, dabei den Humor nicht verlieren. Die Menschen habe ich in vielerlei Hinsicht bis heute nicht vollständig verstanden, aber durch die Literatur konnte ich in andere Leben und Welten eintauchen und diese besser nachvollziehen und auch nachfühlen und vieles besser verstehen, was sich rein aus den historischen Fakten niemals in dieser Tiefe ergeben hätte. Auch Comics haben mir Perspektiven eröffnet, wenn auch auf anderen Wegen. Ich habe diese Wege schon immer sehr geschätzt, sie sind sehr direkt, leicht zugänglich und unterhaltsam.

Die Perspektiven der anderen einnehmen zu können, sich einfühlen zu können, halte ich für wesentlich. Ein rundum empathischer Mensch kann kein Nazi sein, kann keine Lebewesen quälen oder die Welt aus egozentrischen Gründen zugrunde richten.

Was liest Du derzeit?

„Der Junge auf dem Berg“ von John Boyne. Dazu zwischendurch Comics und Graphic Novels und medizinisch/psychologische Fachliteratur. (Ich bleibe hier offensichtlich bei meinen alten Gewohnheiten.)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nie wieder ist jetzt.

Vielen Dank für das Interview, liebe Johannaviel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Buchprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Johanna Wack, Schriftstellerin

Zur Person/über mich: Johanna Wack wurde 1979 in Hamburg geboren und hat seitdem keinen Grund finden können, ihren Wohnort zu wechseln.

Sie ist eigentlich Ökotrophologin, verirrte sich aber während des Studiums auf eine Poetry-Slam-Bühne und ist dort einfach geblieben. Sie war erfolgreich bei mehreren Slam-Meisterschaften, gewann 2008 den Publikumspreis beim Berliner Literaturwettbewerb open mike und ist Mitgründerin der Hamburger Lesebühnen Randale und Liebe und Soirée Süd.

Im Fernsehen trat sie bei der ARD »Ladies Night« auf, beim »WDR-Poe­try-Slam« oder dem »NDR Comedy Contest«. Sie hat übrigens wirklich mehr Allergien als Freunde. Aber nur, weil sie verdammt viele Allergien hat.

https://johannawack.de/

Aktuelles Buch von Johanna Wack:

„Johanna Wack sucht im Baumarkt nach dem Urks, sie schreibt Märchen aus der Sicht der Wölfe und stellt sich die Frage, wie eigentlich andere Frauen reagieren, wenn sie Penisfotos geschickt bekommen.

Dies ist das lang ersehnte Debüt einer der komischsten Autorinnen Deutschlands. Seit zwanzig Jahren steht Johanna Wack auf den Lese- und Poetry-Slam-Bühnen dieses Landes. Ihre Storys sind wie Sex and the City auf Norddeutsch. Und noch viel mehr.

Johanna datet Männer mit schlechtem Kunstgeschmack, dreht als alleinerziehende Mutter Pirouetten mit Pinguinen, bedichtet den Ü40-Sex, lauscht bei einer Trennungstherapie und weiß, wie man als Frau trotz Penisneid hart bleibt. Stets schreibt sie mit Spaß an Selbstironie, hoher Pointendichte und reichlich schwarzem Humor.“ Pressetext/Verlag

Johanna Wack: MEHR ALLERGIEN ALS FREUNDE. Aber das juckt mich nicht. Geschichten. Satyr Verlag

Klappenbroschur, 176 S., 16 €

ISBN: 978-3-910775-40-4

auch als E-Book für 11,99 €

https://www.shoptyr.de/Wack-Johanna-Mehr-Allergien-als-Freunde

Foto: privat/Verlag.

Walter Pobaschnig 26/8/25

https://literaturoutdoors.com