Dagmar Strobl_Model_Performerin_Make Up Artist _ reenacting Romy Schneider
Liebe Dagmar, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Der erste Zugang ist für mich, wie hier in Österreich wohl üblich, über die „Sissi“ Filme. Das würde Romy Schneider wohl nicht gern hören wollen (lacht).
Als Romy Schneider starb, war ich sehr jung, aber mir sind die Berichte, Spekulationen von damals bei Gesprächen der Eltern in Erinnerung. Mich hat das Thema damals angezogen. Die Fragen und auch das Geheimnisvolle, Mystische um ihren Tod haben mich fasziniert. Ich verlor das dann später auch wieder aus den Augen, aber die Erinnerung blieb.
Wie siehst Du Werk und Leben von Romy Schneider?
Ihr Werk, ihre schauspielerische Leistung ist in Österreich/Deutschland viel zu wenig anerkannt. Es gibt viele großartige Filme mit ihr. Teilweise auch nicht so gelungene Filme, aber sie als Schauspielerin agiert toll.
Sie ist auch hier ein Star, aber ich denke wenige haben wirklich die guten Filme von ihr gesehen und damit diese hervorragende Schauspielerin.
Im Leben ist wohl von Anfang an viel an purer Katastrophe.
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
Ja, ihren letzten Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ (1982).
Einerseits spricht mich die Thematik sehr an, andererseits weil es unheimlich faszinierend ist wie Romy Schneider, nachdem was ihr alles widerfahren ist, im Film agiert und es überhaupt geschafft hat, dies zu spielen mit einem Jungen, der im Alter ihres verstorbenen Sohnes war. Das fasziniert, berührt mich total.
Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Kunstprojekten?
Nein.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?
Ich finde es bewundernswert und auch faszinierend wie es möglich ist, trotz größter Herausforderungen und auch dem Scheitern im privaten Leben im Beruf so erfolgreich zu sein. So auf dem Punkt seine Leistung abrufen zu können, ich weiß nicht, ob das viele können.
Vielleicht nimmt eine Schauspielerin/ein Schauspieler viel von einer Rolle in das private Leben mit, unbewusst und vielleicht auch bewusst. Vielleicht schützt ein Rollenverständnis auch im Privatem. Oder man hofft es. Ich traue mich das nicht zu sagen, da ich keine Schauspielerin bin. Vorstellen kann ich es mir.
Ich glaube, dass es sehr schwierig ist, aus verschiedenen Rollen wieder rauszukommen, einen cut zu machen und zu sagen, jetzt beginnt wieder mein normales Leben. Ich stelle mir das gerade bei manchen sehr fordernden Rollen, in denen es eine hohe fordernde Identifikation gibt, extrem schwierig vor.
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er Jahren das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges in einem künstlerischen Beruf?
Es gibt sehr viele künstlerische Bereiche, die ganz verschiedene Möglichkeiten bieten, das hängt dann auch von den persönlichen Zielen ab. Und es hängt auch vom Glück ab, auch von der Bekanntschaft mit den „richtigen“ Leuten, das Ganze ist sehr komplex.
Möglichkeiten gibt es im künstlerischen Bereich genug. Man muss diese suchen und finden. Unermüdlich. Das ist nicht einfach. Für Romy Schneider bedeutete es, das Land zu wechseln. Sie musste das tun. Es hätte auch ein anderes Land als Frankreich sein können. Aber Österreich, Deutschland konnte es nicht mehr sein, zu diesem Zeitpunkt.
Jeder Mensch muss seine Möglichkeiten selbst suchen, sehen, entscheiden und diesen Weg gehen. Das macht das Leben aus. Das künstlerische wie das private.
Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?
Sehe ich nicht. Ich sehe Romy Schneider auch nicht als Wienerin. Sie ist ja nicht in Wien aufgewachsen und auch zur Familie ihres Vaters gab es ja relativ wenig Bezug.
Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Kunstbereich gemacht?
Wien ist meine Heimatstadt und ich mag es hier zu leben. Ich mag die Stadt, mag die Leute, die Natur und Kultur, die einem in dieser Stadt umgibt. Ich mag auch andere Städte, aber ich will immer wieder nach Wien zurückkommen und nicht woanders leben.
Vor der Pandemie dachte man, dass Wien Kunst und Kultur schlechthin ist. Aber dann zeigte sich, dass häufig darauf vergessen wird. Ich habe das Gefühl, dass da oft andere Bereiche vorgezogen werden und Kunst dann zurückgestellt wird.
Wie siehst Du die Möglichkeiten als Künstlerin in Wien/Österreich?
Es ist nicht leicht und es gilt Möglichkeiten zu finden. Und wenn es klappt, steht man gut da. Das ist hart, aber die Realität.
Generell glaube ich, dass die Möglichkeiten in Österreich gut sind.
Was wünscht Du Dir für den Kunstberuf?
Dass wieder mehr Augenmerk auf den Kunstberuf gelegt wird.
Die Aufmerksamkeit darf dabei nicht nur den „großen“ Kunsthäusern gelten, sondern auch den „kleinen“, die ja immer kämpfen und sich um alles selbst kümmern müssen.
Viele Künstler*innen sind jetzt aufgrund der Pandemie an Ihre Grenzen des Möglichen gestoßen. Da ist jetzt eine Wand zwischen ihnen und der Bühne. Sie wollen dabei nicht reich werden, nur spielen. Machen, was ihre Freude, Sinn ist. Auf diese Künstler*innen sollte mehr politisch Acht in Unterstützung und Ermöglichung gegeben werden, denn sie halten den Beruf der Künstlerin/des Künstlers in Ehren. Es sind für mich die wahren Künstler*innen.
Was sind Deine kommenden künstlerischen Projektpläne?
Ich möchte mich jetzt auch mehr neben Model- und Performanceprojekten auf die Maskenbildung konzentrieren. Ich habe da einige Ideen und gehe jetzt in die Planungsphase, freue mich darauf.
Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
Wie sie es geschafft hat trotz aller persönlichen Belastungen und den langen Nächten der Gedanken, Fragen, auch des versuchten Vergessens, Verdrängens, wieder am Morgen am Set am Punkt abrufbar zu sein. Es ist faszinierend, wie sie das schaffte. Nicht jeder steht da wohl wieder auf. Romy Schneider war aber immer da und sie war bis zum Schluss immer da für ihren Beruf. Ich würde ihr das sagen und sie danach fragen wollen, wie sie das geschafft hat.
Was kann eine Künstlerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Eben diese vorhin erwähnte Disziplin, dieses Da-Zu-Sein trotz allem. Und natürlich diese absolute Leidenschaft für den Beruf. Im Enddefekt hat Romy Schneider für den Schauspielberuf gelebt.
Leidenschaft und Disziplin, dies wäre es für mich.
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?
R ealität
O ptimismus
M ama
Y oga
Dagmar Strobl_Model_Performerin_Make Up Artist _ reenacting Romy Schneider
40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:
Dagmar Strobl_Model_Performerin_Make Up Artist
Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien 18.2.2022
Vater, Mutter, Tochter und Sohn sitzen auf dem Boden in ihrem Keller und spielen an diesem dritten UntertaGe ‚Ich packe in unseren Keller …‘ Über dem Unten richtet sich Ruhe in Ruinen ein. Manchmal verbringt sie dort Stunden, die Ruhe, einzig nachts schimpfen Sirenen.
Vater, Mutter, Tochter und Sohn sprechen kleinlaute Sätze miteinander. Heute am dritten Tag darf Vater einmal mit dem Packen anfangen.
„Ich packe In unseren Keller drei Plasteo fünfundzwanzig Liter Getränke- Wasserkanister mit einem Hahn und drei Schraubdeckeln.“ Erwartet einfach und erleichtert sucht sein Rücken die Wand auf.
Danach flüstert Sohn das nächste Packen auf: „Ich packe in unseren Keller drei Plasteo fünfundzwanzig Liter Getränke- Wasserkanister mit einem Hahn und drei Schraubdeckeln und eine Powkey tragbare Powerstation Vierhundertsieben Wh Solar Generatoren Akku mit zweihundertdreißig Volt.“
Im Danach ein Wändewanken.
„Es ist nichts.“ Es ist immer nichts, befriedet Mutter die Kauerrunde, die in die nächste Runde geht.
Mutter packt nichts.
Denn jetzt ist Tochter mit dem Packen dran: „Ich packe in unseren Keller drei Plasteo fünfundzwanzig Liter Getränke- Wasserkanister mit einem Hahn und drei Schraubdeckeln und eine Powkey tragbare Powerstation vierhundertsieben Wh Solar Generatoren Akku mit zweihundertdreißig Volt und eine CONVAR – Seven – High Energy Bar Multi Vitamin, benutzbar als Notvorrat, Notverpflegung, Notration, für Outdoor Aktivitäten, Krisenvorsorge.“
Tochter ist schon immer gut im Koffer packen gewesen, unter anderem auch in „Memory.“ In vielen Merk- und Gedankenspielen.
„Stellt doch mal diesen verdammten Krieg ab“, kehlt die Angst Vaters mit geringer Stimme über seine Lippen
Mutter schaltet gleich den Krieg aus und wechselt auf einen Sender, der sedierende Klassik spielen kann.
Und der Vater sagt: „Ich packe in unseren Keller drei Plasteo fünfundzwanzig Liter Getränke- Wasserkanister mit einem Hahn und drei Schraubdeckeln und eine Powkey tragbare Powerstation vierhundertsieben Wh Solar Generatoren Akku mit zweihundertdreißig Volt und eine CONVAR – Seven – High Energy Bar Multi Vitamin, benutzbar als Notvorrat, Notverpflegung, Notration, für Outdoor Aktivitäten, Krisenvorsorge und zwölf Mal fünfhundert Gramm Sonnenblumendosenbrot und Vollkornbrot von Mestemacher.“
Bodenbeben.
„Die Situation wird immer schwieriger und wir müssen noch so viele Sachen packen“, reicht Vater einen Nachsatz in die Kauerrunde ein.
„Wir packen das schon, Vater“, antwortet Sohn und auch, “Ich packe in unseren Keller drei Plasteo fünfundzwanzig Liter Getränke– Wasserkanister mit einem Hahn und drei Schraubdeckeln und eine Powkey tragbare Powerstation vierhundertsieben Wh Solar Generatoren Akku mit zweihundertdreißig Volt und eine CONVAR – Seven – High Energy Bar Multi Vitamin, benutzbar als Notvorrat, Notverpflegung, Notration, für Outdoor Aktivitäten, Krisenvorsorge und zwölf Mal fünfhundert Gramm Sonnenblumendosenbrot und Vollkornbrot von Mestemacher und einen B-Camping Germany Gaskocher mit acht Gaskartuschen Campingkocher einflammig maximale Leistung zweikommaeins KW.“
Dann Deckendröhnen.
„Es ist nichts.“ Es ist immer nichts, befriedet Mutter erneut ihre Kauerrunde, die das Dröhnen der Decke aber längst in ihrem Innern integriert hat und sofort weiterspielt.
Mutter spielt noch immer nicht mit. Sie hat alle Sachen längst gepackt, die eine Mutter packen muss, in Unsicherzeiten wie diesen.
Indessen denkt Tochter: ‚Ein YEVHEV Survival Kit: 60 in 1 mit Klappmesser, Taktikstift, Erste-Hilfe-Set, Drahtsäge, Feuerstarter, Rettungsdecken, Pfeife, Angelgerät, Klemme, Feuerstein, Wundschnellverband können wir auch in unseren Keller packen.‘ “ Wie gerne würde sie jetzt backpacken weit und weg. Und auf Laut sagt sie: „Ich packe in unseren Keller drei Plasteo fünfundzwanzig Liter Getränke- Wasserkanister mit einem Hahn und drei Schraubdeckeln und eine Powkey tragbare Powerstation vierhundertsieben Wh Solar Generatoren Akku mit zweihundertdreißig Volt und eine CONVAR – Seven – High Energy Bar Multi Vitamin, benutzbar als Notvorrat, Notverpflegung, Notration, für Outdoor Aktivitäten, Krisenvorsorge und zwölf Mal fünfhundert Gramm Sonnenblumendosenbrot und Vollkornbrot von Mestemacher und … „ Und dann denkt sie an das backpacken weit und weg, vergisst einen B-Camping Germany Gaskocher mit acht Gaskartuschen Campingkocher ein flammig maximale Leistung zweikommaeins KW zu Packen.
Vater schweigt.
Mutter schweigt
„Mach weiter“, sagt Sohn.
Mutter weint.
Vater schreit: „Sie hat ihn wirklich vergessen, mein Gott, wie kann sie nur den B-Camping Germany Gaskocher vergessen. Ich habe das tausend Mal gesagt, wenn wir den vergessen, werden wir nicht überleben, dann sind wir alle so richtig tot“, und Vater weint: „ Wir haben verloren.“
Lou A. Probsthayn, 6.4.2022
Lou A. Probsthayn_Schriftsteller, Verleger, Veranstalter, Buchautor
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Lou A. Probsthayn_Schriftsteller, Verleger, Veranstalter, Buchautor
Liebe Christine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Bis vor ein paar Tagen habe ich jeden Tag am Theater geprobt, die Endproben hatten gerade begonnen. Jetzt gerade bin ich allerdings in Quarantäne, auch mich hat es erwischt, zum Glück allerdings symptomfrei. Shitty timing. Zur Premiere werde ich vermutlich wieder freigetestet sein und spielen können. Diese Erfahrung erinnert mich wieder, wie sehr sich alles von einem auf den anderen Tag ändern kann. So ging es mir auch am ersten Tag des allerersten Lockdowns. Gerade noch den ganzen Tag beschäftigt, aktiv, im Austausch – am nächsten Tag plötzlich Stillstand, viel Zeit, Handlungsunfähigkeit. Und jetzt gebe ich noch einen Satz von mir, der mit Sicherheit schon in zig Feuilleton-Artikeln von ganz vielen scharfsinnigen Menschen geschrieben wurde: Ich glaube, in gewisser Weise machen wir als Gesellschaft gerade alle kollektiv diese Erfahrung, dass Umbruch und Neusortierung zum Alltag werden. Das macht was mit uns. Und es hält zumindest wach.
Christine Tielkes, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das ist eine große Frage. Ich weiß ja an manchen Tagen nicht mal, was für mich jetzt besonders wichtig ist. Auch wenn uns das alle irgendwo eint, was gerade passiert, so sind wir doch sehr unterschiedlich davon betroffen oder beeinflusst. Strukturell allein schon. Es gibt überall Gemeinsamkeiten und Übereinstimmung und gleichzeitig auch Unterschiede und Dissens. Und sehr viel Welt zwischen diesen beiden ‚Polen‘. Das müssen wir doch aushalten und aushalten wollen. Mir kommt vor, das wird immer weniger. Oder ich habe es vor ein paar Jahren noch nicht so mitbekommen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Als Theaterschaffende muss ich natürlich an eine Bedeutung glauben (tue ich auch). Ich würde sagen: Im Theater wird etwas verhandelt. Auf welche Art und in welchem Genre auch immer. Wir müssen als Menschen im Verhandeln bleiben. Das Theater/der Film bzw. die Kunst generell hält uns dabei, hält uns dran, wenn auch manchmal unbewusst.
Was liest Du derzeit?
The Dangers of Smoking in Bed von Mariana Enriquez. Wunderschön und schwarzhumorig erzählte Kurzgeschichten des modernen Horrors.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Puh, es fällt mir schwer, sogenannten ‚inspirational quotes‘ nicht sofort mit Ironie und Zynismus zu begegnen. Ich muss dann immer an Tschibo Wandtattoos denken. Bisher kam ich gut ohne Lebensmotto oder ähnlichem aus, aber sicherlich gibt es viele Textstellen und Zitate, die mir viel bedeuten. Ich tu mir nur schwer, mit ihnen hausieren zu gehen. Das steckt sie in ein hässliches Kostüm.
Vielen Dank für das Interview liebe Christine, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Christine Tielkes, Schauspielerin
Foto_Julia Dragosits.
30.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.