50. Todestag Ingeborg Bachmann _ „Ich bin froh wieder im Löwenrachen zu sein“ _ revisited _ Bocca di Leone/Rom 17.10.2023

Ingeborg Bachmann in der Terrassenwohnung Bocca di Leone 60/Rom

Ingeborg Bachmann bezog 1965 die großzügige Terrassenwohnung Bocca di Leone 60 im Herzen Roms (Via Condotti/Spanische Treppe in unmittelbarer Nähe).

An der Hausfassade befindet sich heute eine Gedenktafel an Ingeborg Bachmann.

„Ich bin froh wieder im Löwenrachen zu sein…“

1968/70 entstand hier eine Portraitserie von Garibaldi Schwarze.

revisited
Ingeborg Bachmann _ Bocca di Leone 60/Rom

17.10.2023 _ 50.Todestag Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Fotos _ Ingeborg Bachmann: Garbaldi Schwarze 1968/70.

_revisited: Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com 10/23

50.Todestag Ingeborg Bachmann _ Undine geht _ „ein anders mächtiges Gegenteil männlicher Weltsicht und -ordnung“ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien 17.10.2023

Undine geht _
Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Undine geht_Erzählung/Monolog Ingeborg Bachmann_Wien_1961

im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Undine

Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien 

50.Todestag_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Umrisse unbenannter Ufer

Neigen nachts neuen

Driften durch Dämme, Deiche, Docks

In irrsinnige Inseln

Nächtlicher Narzissen, nasser Nymphen.

Empfangendes Element, ertrinkende Erde


Gebiert gestrandete Gewässer

Eine Erinnerung eilt  

Hebt hagere Hand

Teichrose taumelt, tiefgrüner Traum

Barbara Deissenberger, 17.10.2023

Liebe Barbara Deissenberger, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Es ist eine Parabel über Männer, ihre Welt, ihre Beziehungen zu Frauen, ihre Ratio, ihre Rücksichtslosigkeit, ihre Sprache, ihr Machtstreben und die Lockung, all dem und allen ein Ende zu bereiten. Für diese Lockung steht allegorisch Undine: die Nymphe, die Sirene. Zuerst lockt ihr Gesang Männer in Momenten der Verlorenheit und jähen Erkenntnis, später klagt er sie als Verräter an. Aber die anklagende Undine will ihnen in ihrem Urteil auch Gerechtigkeit widerfahren lassen. So wie sie zuvor die Schrecklich- und Lächerlichkeiten einer patriarchalen Welt genannt hat, lobt sie gegen Ende das Streben des Geistes, den Wunsch (die Welt) zu retten, zu helfen, Begeisterung und Sprache der Technik und Wissenschaft, wie Männer sie pflegen.

Wie siehst Du „Undine“?

Undine ist die Ahnung der Möglichkeit einer anderen Welt, die Männer manchmal anweht  und lockt. Diese Möglichkeit würden sie in der Erzählung Frauen niemals zugestehen. Aber Undine ist ja das Andere schlechthin, ein anders mächtiges Gegenteil ihrer Weltsicht und -ordnung. Undine kann allegorisch als die Erkenntnis oder die Kunst gelesen werden. Wenn Männer insgeheim darum wissen, dass doch vieles nicht so wichtig ist, das sie aufbauen und auf das sie bauen, hören sie den lockend wehklagenden Gesang der Erkenntnis. Und durch Kunst weht sie die Ahnung einer anderen als der materiellen Macht an. Der Kunst kann man(n) sich nicht immer entziehen. Sie verführt und zeigt die Wahrheit schonungslos anders als das Rationale. Das sind für mich die zwei Seiten von Undine: Weisheit-Geist und Kunst-Seele. 

„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?

Das hängt von der jeweiligen Gesellschaft ab. Im Iran werden Frauen, die ihre Kopfbedeckung angeblich nicht korrekt tragen, von der Sittenpolizei verschleppt, gefoltert und sogar ermordet. Dass solche Vergehen ungestraft in der Welt vorkommen, schreibt man in westlich zivilisierten Gesellschaften anderen und/oder weniger entwickelten Kulturen zu. Was man dabei gern vergisst und in unserer offiziellen Geschichtsschreibung so nicht fortschreibt: Es gab auch bei uns keine „natürliche“ Entwicklung, kein einfaches Voranschreiten „der Moderne“, die eine Besserstellung der Frau bewirkten. Es waren immer Aufstände, Ausschreitungen und Revolutionen, die mit den Forderungen und Petitionen der Frauen einhergehen mussten. Sonst hätte sich auch in unserer Zivilisation an den Rollenbildern nichts geändert. Heute dürfen sich Frauen und Männer in Rollen versuchen, in denen sie früher nichts verloren hatten: die einen in Führungspositionen und technischen Berufen, die anderen in Fürsorgepositionen und sozialen Berufen. Was sich noch ändern sollte, kann man etwa daran ablesen, wie oft Frauen in höchster leitender Position arbeiten und wie oft Männer mehrere Jahre in Karenz gehen. Es braucht psychisch und real die passenden Bedingungen, damit neue Rollenbilder gelebt werden können.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?

Die patriarchale Macht wirkt heute in westlichen Gesellschaften mehr oder weniger unterschwellig weiter. Sie ist oft schwerer zu erkennen, aber sie ist da. Auch in nicht wieder gutzumachenden Spuren aus der Vergangenheit besteht sie fort. Ich durfte die ersten zehn Jahre nicht bei meiner Mutter leben: ein uneheliches Kind, dessen Vormund das Jugendamt war. Meine Mutter und ich hatten keinerlei Recht zu bestimmen, ob wir zusammen leben wollten. Wir wollten. Die Amtsvormundschaft für uneheliche Kinder wurde in Österreich erst 1989 abgeschafft.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?

Um Bachmann, die auch Philosophin war, zu ehren, versuche ich es mit folgender Antwort: Persönlich führt kein Weg am „Erkenne dich selbst“ vorbei. Ein lebenslanger Prozess, aber vielleicht der einzige Weg, um sich jemand anderem wahrhaft nähern zu können. Gesellschaftlich müsste ein radikales Umdenken stattfinden. Ein Systemwechsel weg von immer noch kolonialistisch-imperialistischen Kapitalismus-Strukturen, hin zu einer anderen Definition, was Wohlbefinden, Wohlstand, Lebensqualität und Glück bedeuten. Das könnte  Bedingungen für ein besseres Miteinander der Geschlechter schaffen.

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute  mitnehmen?

Als Frau: Ich möchte nicht untergehen in einer von Männern dominierten Welt. Möchte vielmehr wahrhaben, dass sich etwas geändert hat für uns, zum Besseren.

Als Künstlerin: die Eindringlichkeit von Sprache und Aussage.

Was bedeutet Dir Natur?

Mein Ursprung, mein Rückzugsort, meine letzte Ruhestätte. Das, was lang vor uns war. Das, was uns überleben soll. Das zu Bewahrende, Erste und Letzte.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Leben. Überleben. Sinnlichkeit. Meditation. Das ausgleichende Element schlechthin. Es nimmt jede vorgegebene Form an und verformt doch hartes Gestein. Ich wohne nah an einem Naturgewässer und gehe das ganze Jahr über fast jeden Tag ins Wasser.

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Intensiv, seit ich in Lobau-Nähe wohne und einen Garten habe. Im Frühjahr fange ich wieder mit Schwimmen draußen an, genieße das zunehmende Grün   und halte mich wegen Insekten und Igel zurück, nicht zu früh das Laub im Garten zusammen zu kehren. Im Sommer bin ich täglich mindestens eine Stunde in der Lobau und im Wasser, feiere das Licht, die lauen Nächte, Blühen und Schatten im Garten. Im Herbst sammle, ernte und trockne ich Kräuter, schwimme kürzere Strecken und bade in den Farben des Indian Summers. Im Winter gehe ich meist zu Fuß in die Au statt mit dem Rad zu fahren und das Schwimmen geht in Eisbaden über. Im Garten freu ich mich mit den Amseln über die Efeu-Beeren und liebe mehr noch als sonst die Fichte, meinen immergrünen Freund vorm Haus.

Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?

Reichtum dürfte nicht mehr als das, was wir uns als Einzelne an Materiellem aneignen, empfunden werden. Wir sind reich, wenn wir etwas von dem, das uns in Wahrheit ausmacht, leben können. Was das materielle Sein betrifft: Wir sind  ein Teil der Natur. Das sollten wir nicht als einen durch Technik zu überwindenden Atavismus sehen.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Offenheit und Entwicklung. Zu sehen, was da ist und werden kann.

Was lässt Liebe untergehen?

Nur mehr zu sehen, was nicht oder nicht mehr ist.

Wie war Dein Weg zur Literatur?

Wahrscheinlich habe ich als Kind angefangen, Geschichten gegen die Tristesse der Wirklichkeit zu erfinden. In der Volksschule log ich jedenfalls bereits „wie gedruckt“. Als Jugendliche habe ich – typischer Weise – versucht, Texte der Art, die ich vom Lesen kannte, zu schreiben. Leider hatte ich länger großteils keinen Zugang zu guter Literatur. Erst, als ich mir selber Bücher kaufen konnte, gelangte ich an den Apfel der Erkenntnis und lernte Gutes von Schlechtem zu unterscheiden. Trotzdem las und lese ich querbeetein vieles, das mir unterkommt. Es gibt keinen Dünkel bei mir. Eskapismus spielte sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben von Literatur immer eine Rolle.

Welche aktuellen Projektpläne hast Du?

Ich schreibe an meinem dritten Roman. Er ist im Bereich Climate Fiction angesiedelt. Hat also wie mein voriger Roman „Eine Geschichte in Weiß“ wieder viel mit Natur und dem Umgang der Menschen mit ihr zu tun. Die Handlung spielt in naher Zukunft, 2049. Ich greife einige Romanfiguren und ihre Nachfahren aus meinen vorigen Büchern auf. Malika etwa wird eine nicht unwichtige Rolle spielen. Diesmal als alte Frau. 

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn dir nichts mehr einfiel zu deinem Leben, dann hast du ganz wahr geredet … Dann sind alle Wasser über die Ufer getreten, die Flüsse haben sich erhoben, die Seerosen sind gleich hundertweis erblüht und ertrunken, und das Meer war ein machtvoller Seufzer, es schlug, schlug und rannte und rollte gegen die Erde an …“

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?

Unumwunden

Nimm

Doride

Ich

Nicht

Engels

Gleich

Einer

Haarlocke

Tropfen

Undine geht _
Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Undine geht_Erzählung/Monolog Ingeborg Bachmann_Wien_1961

im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Undine

Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien 

50.Todestag_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 10/23

https://literaturoutdoors.com

50.Todestag Ingeborg Bachmann _ „Träumen. Ganz wild und frei träumen.“ Laura Nunziante, Autorin _Wien 17.10.2023

Liebe Laura Elisa Nunziante, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Grübeln, arbeiten, grübeln, Essen, Schreiben, Lesungen planen, mich mit Chat GPT streiten, aufregen, grübeln, rauchen, lachen, doofe Sprüche machen, nachdenken, ohne Handy einschlafen wollen und kläglich scheitern. Träumen. Ganz wild und frei träumen.

Laura Elisa Nunziante, Autorin 


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich selber richtig unangenehm schlau, schön und bedeutsam finden. Und mit dieser Einstellung die Welt retten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein, den Aufbruch auf eine Stunde am Tag zu minimieren. So ein Neubeginn, der schlaucht. Den Rest des Tages möglichst viel Literatur konsumieren, sie lenkt ab und gibt uns die Illusion zurück, dass wir die Welt doch noch retten können, sofern wir nur das passende Zitat dazu finden. 

Was liest Du derzeit?

Virgina Cowles – Looking for Trouble

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

  “Whatever we do, someone is going to take the time to say it’s shit.”    
  – Virginie Despentes 

Vielen Dank für das Interview, liebe Laura Elisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Laura Elisa Nunziante, Autorin 

Zur Person _Creative Writing an der London Met, Vergleichende Literaturwissenschaften an der Uni Wien. Reportagen bei Droemer Knaur, in der WIRED, ZEIT, STANDARD.

Foto: Alex Gotter

Walter Pobaschnig _ 6.10.2023

https://literaturoutdoors.com

50.Todestag Ingeborg Bachmann _ „bitte ein Licht lassen!“ _ Rom/Ospedale Sant’Eugenio 17.10.2023

Rom/Ospedale Sant’Eugenio _
Ingeborg Bachmann starb hier am 17.10.1973

In der Nacht vom 25. auf den 26. September 1973 erlitt Ingeborg Bachmann in ihrer römischen Wohnung _ Via Giulia 66/Palazzo Sacchetti – schwerste Brandverletzungen. Sie wurde in das Krankenhaus Ospedale Sant`Eugenio/Rom gebracht und verstarb hier am 17.10.1973.

Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _ Heinz Bachmann, 1962

„Ivan fragt: Soll ich das Licht auslöschen?

Nein…bitte ein Licht lassen!

Ich lösche Dir aber einmal alle Lichter aus, schlaf du endlich, sei glücklich.

Ich bin glücklich.

Wenn du nicht glücklich bist – was dann? ….

Ivan geht leise aus dem Zimmer und löscht jedes Licht hinter sich, ich höre ihn gehen,

ich liege ruhig da,

glücklich.“

Malina, Ingeborg Bachmann. Roman, 1971.

Ingeborg Bachmann _
Heinz Bachmann, 1962
Rom/Ospedale Sant’Eugenio _
Ingeborg Bachmann starb hier am 17.10.1973

17.10.2023 _ 50.Todestag Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Fotos _ Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann, Rom, 1962

Rom/Ospedale Sant’Eugenio _revisited: Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com 10/23

50.Todestag Ingeborg Bachmann _ „Dass Du mich so schnell abgetan hast, während ich teilen wollte, mitgehen und mitfühlen wollte.“ Via de Notaris/Rom 17.10.2023

Ingeborg Bachmann _ Foto in der Via de Notaris 1F/Rom_
Heinz Bachmann, 1962
(folgende)

Ingeborg Bachmann bezog mit Max Frisch im Frühjahr 1961 die gemeinsame Wohnung in der Via de Notaris 1F/Rom.

Ostern 1962 kamen Ingeborg Bachmanns Eltern und ihr Bruder Heinz auf Besuch. Ingeborg Bachmann sagte ihrem Bruder „mach` Fotos von mir“. So entstand eine Portraitserie, welche die umfangreichste der Schriftstellerin ist.

Ingeborg Bachmann _ im Hintergrund ihre Eltern Matthias und Olga Bachmann

Im Herbst desselben Jahres trennt sich Max Frisch von Ingeborg Bachmann. Es gibt kein gemeinsames Foto (mehr).

„…dass du (Max Frisch, Anm.) mich so schnell abgetan hast, während ich teilen wollte, mitgehen und mitfühlen wollte.“

Brief Ingeborg Bachmanns an Max Frisch, 13.November 1962.

Via de Notaris
Wohnung von Ingeborg Bachmann und Max Frisch _ 1961-62
Ingeborg Bachmann _ Fotos in der Via de Notaris 1F/Rom_
Heinz Bachmann, 1962

„Aber es ist schon so tiefe Nacht, und es kommen mir immer weniger Worte…

Und es fällt mir ein, dass ich heute für Dich (Max Frisch, Anm.) Häuser gesucht habe den ganzen Tag und Dir darüber berichten muss, das kann ich jetzt nicht mehr…

Ich bin sicher, dass Marianne mit Dir leben möchte und könnte – es hängt nur von Dir ab. Das wollte ich Dir noch sagen, glaube ich…

Seid umarmt, Du und Marianne, und denkt manchmal an Euren Narren.

Addio.

Ingeborg“

Brief Ingeborg Bachmanns an Max Frisch, 13.November 1962.

17.10.2023 _ 50.Todestag Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Fotos _ Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann, Rom, 1962

Via de Notaris _revisited: Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig _ 10/23

50.Todestag Ingeborg Bachmann _ „die Nummer 26, die lange meine Glücksnummer war“ Birgit Radeschnig, Kabarettistin, Musikerin _ acting _Wien 17.10.2023

Station bei Bachmann_
Birgit Radeschnig, Kabarettistin, Musikerin, Schauspielerin_Wienacting _
Romanschauplatz/Lebensort Ingeborg Bachmanns in Wien
50.Todestag_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin
(25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Ingeborg Bachmann bezog 1946 ihre Wohnung in der Beatrixgasse 26, Wien 1030. Es folgten an diesem Ort entscheidende Jahre des literarischen Werdeganges wie der persönlichen Begegnung.

Die in Wien lebende und wie Ingeborg Bachmann in Kärnten geborene Künstlerin Birgit Radeschnig, Kabarettistin, Musikerin, Schauspielerin, wurde im Sommer 2023 zu einer Spurensuche, Fototermin, Performance an diesem Wohnort Ingeborg Bachmanns eingeladen – herzlichen Dank!

Birgit Radeschnig, Kabarettistin, Musikerin, Schauspielerin _ Wien
Birgit Radeschnig _ Briefmarkenserie „Malina“ zum 50.Todestag Ingeborg Bachmanns _ 2023

„Nichts ist mir sicherer als dieses Stück der Gasse, bei Tag laufe ich die Stiegen hinauf, in der Nacht stürze ich auf das Haustor zu, mit dem Schlüssel schon in der Hand, und wieder kommt der bedankte Moment, wo der Schlüssel sperrt, das Tor aufgeht, die Tür aufgeht, und dieses Gefühl von Nachhausekommen, das überschwemmt mich in der Gischt des Verkehrs und der Menschen schon im Umkreis von hundert, zweihundert Metern, in dem alles mir mein Haus ankündigt, das natürlich nicht mir gehört, sondern einer AG. gehört oder irgendeiner Spekulantenbande, die dieses Haus wiederaufgebaut hat, zusammengeflickt vielmehr…“ Malina

Malina, Ingeborg Bachmann. Roman, 1971.

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Performance, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

„…ich könnte tagelang durch das ausgestorbene, sich erhitzende Wien gehen oder hier herumsitzen, ich bin geistesabwesend, mein Geist ist abwesend, ich kann mich hinsetzen, wo ich will…ich könnte mich freuen, weil ich entkommen bin und wieder in der Abwesenheit lebe. Ich bin heimgekehrt in mein Land, das auch abwesend ist, mein Großherzland, in das ich mich betten kann…“

Malina

„Wie bitte?

Nein?

Dann habe ich mich nicht richtig ausgedrückt.

Es muss ein Irrtum sein.

Die Nummer ist 723144.

Ja, Ungargasse 6.

Nein, gibt es nicht.

Hier ist keine Frau.

Ich sage doch, hier war nie jemand dieses Namens.

Es gibt sonst niemand hier…“

Malina

Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971

acting Malina _ Romanschauplatz/Lebensort Ingeborg Bachmanns in Wien:

Birgit Radeschnig, Kabarettistin, Musikerin, Schauspielerin_Wienacting _

50.Todestag_Ingeborg Bachmann_17.10.2023 _  Schriftstellerin
(25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Ingeborg Bachmann _ Rom_ 1962_
Heinz Bachmann

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com 10/23

50.Todestag Ingeborg Bachmann _ „Ich und / Nicht Ich“ Sophie Reyer, Schriftstellerin_Wien 17.10.2023

Station bei Malina_
Sophie Reyer, Schriftstellerin_Wien_

Malina: Meine Worte

Altes

Lasten aus

Ich und

Nicht Ich

Augen ohne Inneres: Malina

Sophie Reyer, 3.10.2023

Sophie Reyer, Schriftstellerin

Station bei Malina_
Sophie Reyer, Schriftstellerin_Wien

2023 _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)_

https://sophiereyer.com/

Fotos_Wolfgang Liemberger

Walter Pobaschnig 3.10.2023

https://literaturoutdoors.com 10/23

50.Todestag Ingeborg Bachmann _ „Das ist der Friedhof der ermordeten Töchter“ Isabel Belherdis, Künstlerin _ Klagenfurt 17.10.2023

Isabel Belherdis, Künstlerin _ Graz _ performing

„Das ist der Friedhof der ermordeten Töchter…“

Malina, Ingeborg Bachmann. Roman, 1971.

Isabel Belherdis, Künstlerin _ Graz _ performing

Isabel Belherdis/Walter Pobaschnig – Das Bachmannprojekt 7/23

Isabel Belherdis, Künstlerin _ Graz _ Performance Klagenfurt 7/23

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

17.10.2023 _ 50.Todestag Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom

Fotos: Ingeborg Bachmann/Fam.Bachmann: Heinz Bachmann

Alles Fotos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig _ 10/23

https://literaturoutdoors.com

50.Todestag Ingeborg Bachmann _ Undine geht „in der Gesellschaft verdammt“ Sylvia Caba, Künstlerin  _ Wien 17.10.2023

Undine geht _
Sylvia Caba, Künstlerin  _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Liebe Sylvia Caba, Künstlerin, wie liest du den Test „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es für dich?

Undine, aus einem dunklen tiefem Ort kommend, führt ihren Monolog mit einem etwas bitterem Grundton..  die wiederholten durch ihre Liebhaber-Männer zugefügten Verletzungen führen Undine vielleicht zu der Grundaussage, dass diese sie besuchenden Männer alle „Hans“ waren und alle zukünftigen „Hans“ sein müssen, der Liebhaber-Mann in seiner Individualität als Mensch ist  ausgelöscht und wird zum Archetyp, oder Symbol „Hans“ umgewandelt

Er, „Hans“ existiert als Uniform, als gedankliches Konstrukt jedoch weniger als konkrete Begegnung. Eine weitere Grundaussage der Undine ist dass sie sich in der Gesellschaft in ihrer Funktion als Opfer-Lamm determiniert oder verdammt fühlt, sowie „Hans“  ihr in Lust zum Opfer fallen muss. Die Lust sucht sich nach getaner Sache einen Sündenbock, Undine.

Wie siehst Du „Undine“?

Undine ist für mich der Archetyp der „verschmähten Frau“. Einer Person die einst begehrt und willkommen war und  nun als „Undine“ ein Dasein alleine, im Schatten fristet.

Sie wandelt, verraten von Allem nur mehr in ihren  Erinnerungen an besseren Zeiten herum. Bessere Zeiten, die ihr Wärme und Sicherheit vorgaukelten während ihr Körper eigentlich in der Kälte der Gewässer zu überleben weiß. Eingeschlossen im Wasserkörper , der mit zunehmender Tiefe auch immer weniger Licht durchlässt, ist Undine auf ihre eigenen Reflexionen  fernab der menschlichen „guten Gesellschaft“ zurückgeworfen.

„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was wird sich noch ändern?

Das Verhalten und die Rollen die wir einnehmen haben meiner Meinung nach viel mit den biologischen Gegebenheiten zu tun. Die Details variieren und sind ideenreich  aber im Großen und Ganzen haben sich Rollenbilder finde ich nicht viel verändert wenn da sie auch an Funktionen gebunden sind.

Hinter den Masken und dem Manierismen sind Menschen immer noch abwechselnd Jäger oder Sammler, Jagende oder Gejagte aus ihrer Männlichkeit oder Weiblichkeit kommend.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?

Patriarchale Macht kann wenn sie zu weit geht in ihrem Streben nach Effizienz, Leistungsstärke und Disziplin etwas Verständnisloses, Lebensfeindliches und Erdrückendes haben. Für zartbesaitet und „schwache“ Menschen wie mich kann es den Eindruck erwecken  keine bedingungslose Daseinsberechtigung genießen zu dürfen.

Je nach System spüre ich die patriarchale Macht schon in einer Stärke, die es mir unmöglich macht  in so einem System zu blühen und frei atmen zu können. Die patriarchale Kraft ist dennoch gut und wichtig, solange sie ausgleichend, liebevoll und nicht zu machtgierig wirkt, sehe ich kein Problem.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen und gesellschaftlichen Leben aus. Welchen Auswege siehst du da?

Undine könnte sich dem Hans ähnlich machen, jedoch finde ich, dass Undine damit Recht ein System in dem es keine funktionierende Kommunikation gibt zu verlassen..

Was kannst du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?

Undine strahlt in ihrem Selbstverständnis als Wasserwesen eine große Faszination und Anziehungskraft aus. Es inspiriert für mich die Idee, dass eine große Schönheit und Ruhe in der vielleicht spirituellen Auflösung und Einswerden mit dem Element Wasser liegen kann.  Gleichzeitig hat die Grundstimmung des Symbols „Undine“ für mich eine große Melancholie, die wie ich glaube, auch in meiner eigenen Malerei immer wieder auftaucht und eine große Rolle spielt.

Was bedeutet dir Natur?

Natur bedeutet für mich das Gegengewicht zur Künstlichkeit und auch zur Kunst. In ihrer Verschiedenheit sind Kunst und Natur jedoch nicht positiv oder negativ zu bewerten. Für mich gibt es das eine wie das andere. Kunst entspringt für mich aus der Natur. Menschen sind auch Natur. Insofern ist es für uns alle wohltuend in der Natur zu sein. Grün tut den Augen und der Seele gut. Der Wald und die Gewässer helfen uns zu uns selbst zu finden, uns zu erden und zu inspirieren, zu lernen in Frieden den Tod zu akzeptieren.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Es ist das Element in dem ich mich heimisch fühle, Wasser mit all sein Qualitäten wirkt beruhigend und Zuversicht gebend. Es bedeutet mir Glück, Reichtum aber auch Introversion. Wasser ist für uns hier zum Glück noch eine Selbstverständlichkeit…

Wie lebst du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Ich probiere saisonal zu essen. Das ist für mich eine Art die Jahreszeiten zu ehren. Meine Umgebung mit dem zu schmücken, was die Natur um mich herum gerade hergibt.

Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?

Für mich ist das größte Problem, dass wir einfach zu viele  Menschen sind. Wenn die Frage der Bevölkerungsexplosion nicht wäre, glaube ich könnten wir gut leben, sogar mit einem gemäßigten Einsatz an Industrie. Die Dosis macht das Gift.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Vielleicht braucht es neben dem Glück eine gewisse Kompatibilität miteinander zu haben, den Raum einander zuzuhören, sich Respekt und Wertschätzung zu geben, woraus dieses bedingungslose Vertrauen erwachsen kann, welches ich auch  unter dem Wort Liebe verstehen möchte.

Was lässt Liebe untergehen?

Ich möchte mir dazu leider keine Antwort anmaßen.Auf dem Feld der Liebe ist mir andauernd etwas untergegangen, klar sehe ich da nicht.

Wie war dein Weg zur Kunst?

Einen Weg zur Kunst hatte ich nicht, künstlerische Dinge waren mir jenseits aller Bemühungen immer  angenehm. In Gedanken hatte ich „die Kunst“ immer und habe ein bisschen gekritzelt und geschrieben. Es gibt wenn man es so nennen kann für mich einen Weg innerhalb der Kunst. Ich muss gestehen, dass dieser Weg auch wenn ich mich nicht völlig am Beginn des künstlerischen Prozesses sehe, noch nicht besonders weit von mir belaufen wurde. Ich wünschte früher mit der Malerei begonnen zu haben, das ist eine Reue. Aber meine Lebenszeit werde ich nichtsdestotrotz auf diesem Weg verbringen.

Welche aktuellen Projektpläne hast du?

Weitere Schritte nach Außen zu setzten, meine Bilder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und hoffentlich mit Erfolg.

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest du und mitgeben?

„…Ich habe euch nicht verstanden, während ihr euch von jedem Drittem verstanden wusstet…“

Undine geht:

Unsere

Namen

Denken unser Denken

Im

Namen aller

Engel

Geht

Er

Heute

Tränen

Give peace a chance:

Glaube

Ist ein

Vergissmeinnicht.

Endlichkeit.

Platzende

Eiskrusten

Auch

Chorgesänge

Entgegen

Aller

Chancen

Haben

Alle

Nahe

Chaoten

Etwas.

Herzlichen Dank, liebe Sylvia!

Undine geht _
Sylvia Caba, Künstlerin  _ Wien _
Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 
50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Undine geht_Erzählung/Monolog Ingeborg Bachmann_Wien_1961

im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Undine

Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien 

50.Todestag_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Walter Pobaschnig, 10_23

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50.Todestag Ingeborg Bachmann _ „Die letzte Reise – Ingeborg Bachmann in Polen“ Hans Marte, Wien 17.10.2023

Ingeborg Bachmann (links sitzend), Hans Marte (rechts sitzend) _
Warschau Mai 1973

Ingeborg Bachmann war im Mai 1973 auf ihrer letzten Lesereise in Polen. Stationen waren Warschau, Torun, Posen, Breslau, Krakau.

Johann Marte, Kulturattaché, von 1971 bis 1974 des Österreichischen Kulturinstituts in Warschau, organisierte die Lesereise und begleitete Ingeborg Bachmann. Eine Station war auch das Konzentrationslager Ausschwitz.

„Die Reise war von großer Wertschätzung auf allen Seiten geprägt“, erinnert sich Hans Marte.

„Es gab viele Gespräche mit Studenten:innen an den Lesestationen. Es war eine sehr offene, wertschätzende Atmosphäre.

In Ausschwitz wollte Ingeborg Bachmann ganz allein sein. Die Initiative dort hinzufahren, kam von ihr. Sie hatte einen roten Mantel an. Es war ein besonderer Moment der Stille für sie und uns alle.“

Hans Marte weist auf die Übersetzung von „Malina“ im polnischen Wörterbuch hin _
„Malina“, Roman von Ingeborg Bachmann, 1971

„Als Ingeborg Bachmann abreiste, fanden wir noch eine Zigarette im Bett. Sie hatte Gitanes geraucht. Es war wie eine Vorahnung.“

Johann Marte, Richter, Ministerialbeamter,
Leiter der Österreichischen Nationalbibliothek

Zur Person: Johann Marte, * 2. Mai 1935 in Feldkirch. Richter, Ministerialbeamter, Leiter der Österreichischen Nationalbibliothek

Johann Martes Vater, ein Finanzbeamter, wurde als entschiedener Gegner des NS-Regimes, zur Wehrmacht eingezogen und kam in einem sibirischen Lager ums Leben. Seine Mutter sorgte alleine für ihn und seinen Bruder. Nach der Matura am Zisterzienser-Gymnasiums in Bregenz studierte Johann Marte in Innsbruck Rechtswissenschaft. Von 1963 bis 1969 arbeitete er als Bezirksrichter in Bregenz und Feldkirch. Daneben unterrichtete Marte von 1966 bis 1969 Religion an der gewerblichen Berufsschule in Bregenz, nachdem er einen Fernkurs für theologische Laienbildung der Erzdiözese Wien absolviert hatte. Außerdem fungierte er als Präsident der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft, engagierte sich in der Österreichisch-Sowjetischen Gesellschaft und hielt Vorträge am Institut für Sozialpolitik und Sozialreform. Sein Interesse für andere Länder und Kulturen führte Marte 1969 nach Wien, in die Sektion für kulturelle Auslandsangelegenheiten im Unterrichtsministerium.

1971 ging er als Kulturattaché an die Österreichische Botschaft in Warschau, ab 1973 leitete er dort auch das Österreichische Kulturinstitut. Von 1974 bis 1982 war Marte Kulturrat an der Österreichischen Botschaft in Moskau.

1985 wurde ihm die Leitung der Abteilung für bilateralen Kultur- und Wissenschaftsaustausch im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten übertragen und im Jänner 1986 betraute ihn der damalige Wissenschaftsminister Heinz Fischer mit der Leitung der Sektion für wissenschaftliche Bibliotheken, Bundesmuseen und Denkmalschutz im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. In dieser Funktion widmete sich Marte vor allem der baulichen Sanierung („Museumsmilliarde“) und der organisatorischen Reform der Bundesmuseen. 1989 wurde die Teilrechtsfähigkeit für Bundesmuseen und Bibliotheken eingeführt. Ebenfalls in Martes Amtszeit als Sektionschef fällt der Aufbau des BIBOS-2-Verbundes, der erstmals Österreichische wissenschaftliche Bundesbibliotheken – Nationalbibliothek und Universitäts- bzw. Hochschulbiblitheken – vernetzt hat.

Von 1993 bis zu seiner Pensionierung 2000 war Johann Marte Generaldirektor der Österreichischen Nationalbibliohek, die er grundlegend reformierte. Von 1989 bis 2003 war Marte Präsident des Vereins zur Erforschung der Geschichte der Juden in Österreich und von 2001 bis 2008 Präsident der österreichischen UNESCO-Kommission. Er war von 1993 bis 1998 Beisitzer im Präsidium der Vereinigung Österreichischer Bibliothekare (VÖB), von 1998 bis 2002 war er 2. Vizepräsident der VÖB. 1990 wurde Johann Marte Kurator von „Pro Oriente“, einer Stiftung zur Förderung der Beziehungen zwischen der römisch-katholischen und den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen, 2001 deren Präsident. Diese Funktion übt er bis heute aus.

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Johann_Marte 15.10.2023

Ingeborg Bachmann/Rom_
Heinz Bachmann, 1962

17.10.2023 _ 50.Todestag Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Fotos _ Ingeborg Bachmann/Hans Marte: Hans Marte, 1973

Ingeborg Bachmann/Rom: Heinz Bachmann, 1962

Alle weiteren Fotos: Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig _ 10/23

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