Liebe Anna Sanner, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?
Ich wecke unseren Sohn auf, mache ihm Frühstück und „Raupenfutter“ und bringe ihn in den Kindergarten, während mein Mann meiner Tochter hilft, sich für die Schule startklar zu machen und gut loszukommen. Danach mache ich Wäsche und andere alltägliche Haushaltsaufgaben. Dann arbeite ich. Das kann darin bestehen, zu einem Dolmetscheinsatz zu fahren oder aber, wie meistens, darin, am Schreibtisch zu arbeiten – an Übersetzungen und, wenn die Seele drängt und Zeit und Geld es zulassen, an eigenen Werken. Danach Willkommenheißen meiner Tochter nach der Schule, Kümmern um alles Mögliche (Stichwort Sorgearbeit und mentale Belastung), Abholen meines Sohnes und Beschäftigung mit den Kindern. Abends bringe ich unseren Sohn ins Bett, während mein Mann unsere Tochter ins Bett bringt. Danach ist, falls die Energie noch ausreicht, vor dem Schafengehen noch ein wenig Zeit für Lesen und andere Genüsse.
Anna Sanner, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Anerkennen, dass jeder etwas anderes wichtig findet, dies respektieren, miteinander reden, einander zuhören, mild zu anderen, streng zu uns selbst sein, und unser Bestes geben, zu einem harmonischen Miteinander beizutragen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
In Kunst und Literatur sollten wir ehrlich miteinander darüber kommunizieren, wer wir sind und was für Erfahrungen uns auf welche Weise geprägt haben. Dadurch können wir zu uns selbst und zueinander finden, und uns gesellschaftlich und persönlich auf den richtigen Weg machen.
Was liest du derzeit?
So We Look to the Sky, die englische Übersetzung meiner Freundin Polly Barton von Misumi Kubos Roman ふがいない僕は空を見たfugainai boku ha sora wo mita – ein berauschendes Buch über die Frage: Was macht die Lust mit uns, und was machen wir mit ihr?
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?
Schreibe von Herz zu Herz, nicht von Kopf zu Kopf.
Vielen Dank für das Interview, liebeAnna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Anna Sanner, Schriftstellerin
Zur Person/über mich:Anna Sanner, geboren 1980 in Hannover, studierte Japanologie in Schottland und Japan, sowie Dolmetschen und Übersetzen in England und verbrachte sechs Jahre in Japan. Seit 2012 lebt sie mit ihrer Familie in Hannover und arbeitet freiberuflich als Dolmetscherin, Übersetzerin und Autorin. Sie veröffentlicht Gedichte, Essays, Kurzgeschichten und Memoiren. 2019 erhielt sie den dritten Platz beim Bonner Literaturpreis, 2021 das „Translasien“-Stipendium der Universität Heidelberg und des Deutschen Übersetzerfonds für Übersetzende ostasiatischer Sprachen, und 2025 den JLPP-Literaturübersetzerpreis des Japanischen Kultusministeriums für Moderne Literatur.
2022 erschien der erste Teil ihrer Japan-Memoiren: „Wie man in Japan Ninja wird“ beim Reisedepeschen Verlag, im Herbst 2025 _ 15.9. _ folgt der nächste Teil: „Wie man in Japan Go-go-Girl wird“ (Reisedepeschen, 2025).
„Ein persönlicher, humorvoller Erfahrungsbericht über das Leben einer deutschen Lehrerin in Japan, die nachts als Go-go-Girl auf der Bühne steht – zwischen Kulturschock, Selbstfindung und dem Mut, eigene Wege zu gehen.“ Pressetext/Verlag
Iris Martina Martin ist in Freiburg i.Br. geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Kommunikationswissenschaft studiert. Ihre Magisterarbeit beschäftigt sich mit dem Komischen in Thomas Bernhards „Die Billigesser“. Nach dem Studium war sie an verschiedenen deutschen Bühnen als Regieassistentin tätig. Dann absolvierte sie eine Fortbildung zur PR-Referentin. Sie lebte bislang überwiegend in Hamburg, wo sie rund zwanzig Jahre als Texterin, Ghostwriter und freie Journalistin arbeitete. Seit rund zehn Jahren unterrichtet sie Deutsch als Fremdsprache. Heute lebt sie in Kiel und widmet sich ihrer Leidenschaft, dem fiktionalen Schreiben. Neben Romanen schreibt sie Novellen, Theaterstücke und Lyrik.
Aktuelles Buch von Iris Martina Martin: Iver. Roman.
Ein atmosphärisch dichtes m/m Beziehungsdrama mit Crime-Elementen.
In der Einsamkeit der norwegischen Wälder arbeitet Iver als Pilot für einen Technologiekonzern. Eines Tages lernt er bei einem Auftrag Sander, einen der Firmengründer, kennen. Sie verlieben sich fast auf den ersten Blick. Doch Sander hat ein dunkles Geheimnis, und ihre leidenschaftliche Beziehung basiert von Anfang an auf einer Lüge. Denn der weltgewandte Tatmensch Sander kann nicht glauben, dass der träumerische Iver seinen wahren Charakter akzeptieren kann. Erst Jahre später entdeckt Iver die ganze Wahrheit über seinen Freund. Und auch Sander steht noch eine Überraschung bevor…
Der zweite Teil des Romans spielt in Brasilien, wo die Firma eine Niederlassung aufbaut. Die Helden bewegen sie sich einerseits in Sanders Welt, der Welt der Technologiewirtschaft, Korruption und des Verbrechens. Andererseits entdecken sie aber auch Ivers Welt. Sie erleben die Faszination einer großartigen Natur, reisen an den Amazonas und zum Fujijama und lernen von der Mystik und Weisheit der Kulturen.
Das Grundthema des Romans sind mangelnde Offenheit sowie falsche Erwartungen und Erwartungserwartungen, die eine leidenschaftliche Beziehung bedrohen. Schuldgefühle auf der einen und Verlustängste auf der anderen Seite erschweren den Liebenden eine offene Kommunikation. Daneben bildet die Auseinandersetzung der Figuren mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen und Grundwerten ein durchgehendes Thema der Geschichte.
Iver. Roman. Iris Martina Martin.
207 S., Taschenbuch, 12,85×19,84, 11,99 €
ISBN 979-8297361980
198 S., eBook, 8,99 € (Kindle) Mit Leseprobe auf Amazon.
Liebe Iris Martin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe sehr früh auf, trinke Kaffee. Dann schreibe ich. Je nachdem, wie lange ich Zeit habe, so etwa zwei bis fünf Stunden. Dann leite ich einen Deutschkurs. Ich unterrichte Deutsch als Fremdsprache. Danach gehe ich oft spazieren oder fahre mit dem Rad nach Hause. Im Sommer schwimme ich so oft wie möglich. Ich liebe das Meer! Später übe ich Klavier. Das ist eine Meditation. Und abends treffe ich Leute, telefoniere, lese, sehe einen Film, eine Oper, ein Ballett. Ich erinnere mich nicht, wer das gesagt hat: „Ich habe es mit der Realität versucht. Es gibt Besseres.“ Ich würde zumindest so weit gehen zu sagen, dass die Realität nur einen Teil meines Lebens ausmacht.
Iris Martina Martin, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, dass es wichtig ist, sich darüber klar zu sein, dass wir tatsächlich etwas tun können. Nichts bleibt, wie es ist. Auch wenn es an einem Tag so scheint, als ob wir keine Chance hätten, auch nur gehört zu werden, kann es einige Zeit später ganz anders aussehen. Dinge ändern sich, und plötzlich gibt es eine Chance. Bereit sein. Beharrlichkeit.
Um Kraft zu schöpfen, können wir uns darauf besinnen, was wir haben. Wir können immer wieder innehalten, um die Kostbarkeit des Lebens zu fühlen. Ich halte es für wichtig, dass wir uns darüber klar sind, dass wir die Fähigkeit zur Sublimation haben, d.h. negative seelische Energie in positive zu verwandeln. Eine erstaunliche Fähigkeit. Aber sicher ist nicht für alle Menschen das Gleiche wichtig. Vielleicht ist es nicht einmal wichtig, sich darüber klar zu sein, was einem wichtig ist. Nicht um glücklich zu sein, wenn es das ist, worum es geht. Es gibt so eine Art unbewussten Glücks.
Wenn ich Dinge als schwer empfinde, sage ich mir, dass uns Milliarden Jahre der Evolution genau darauf vorbereitet haben, und sicher nicht darauf, dass es leicht ist. Es war niemals leicht. Viele sind untergegangen. Aber jeder einzelne unserer zahllosen Vorfahren hat die Fackel des Lebens weitergereicht. Mir hilft dieser Gedanke seltsamerweise. Aber ich kann mir leicht vorstellen, dass ein anderer dazu nur sagt: „Aha.“
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Besonnenheit und Klugheit werden ganz besonders wichtig sein. Ich halte es in dieser Situation für gefährlich, einfach nur Gefühlen zu folgen. Jede unserer Handlungsoptionen muss bis zum Ende durchdacht sein. Wie leicht lassen sich Feindbilder aufbauen. Wie leicht kann man Menschen manipulieren, wenn sie Dinge nicht zu Ende denken.
Wir sollten nicht naiv sein, aber auch nicht meinen, dass ganz klar ist, was passiert. Wir sollten die Perspektiven der anderen verstehen. Wir sollten jede Möglichkeit nutzen und vor allen Dingen an den Frieden glauben. Wir sollten uns nicht auf unsere Führer verlassen, sondern uns selbst ein Bild machen. Vielleicht haben sie eigene Ziele. Vielleicht haben sie den Überblick längst verloren.
Laut sein, nachdrücklich und beharrlich immer wieder sagen, dass wir Frieden wollen. Widersprechen, Diskutieren, Angebote machen, auch und besonders Zuhören sind wichtig. Auch Vorstellungsvermögen. Manchmal denke ich, dass vielen Menschen gerade das fehlt. Die Toten sind dann nur noch Zahlen. Vielleicht brauchen wir die Fähigkeit, das unermessliche Leiden auf der Welt auszublenden. Aber wir sollten uns doch zumindest noch daran erinnern, dass wir es ausblenden.
Die Kunst erweitert Perspektiven. Sie hilft dabei, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Über den Bezugsrahmen hinauszugehen. Sie hilft dabei neue Lösungswege zu entdecken, andere Möglichkeiten aufzuzeigen. Kunstwerke sind auch Gedankenexperimente. Was wäre, wenn…? Und muss es überhaupt so sein, wie es ist? Die Kunst macht uns glücklich und positiv und liebevoll. Sie gibt uns Hoffnung, Energie und Freude.
Was liest Du derzeit?
Virginia Woolf: Between the Acts.
Diese begnadete Schriftstellerin ist eine Meisterin darin, den Moment des Glücks inmitten eines Meers von Angst und Unsicherheit einzufangen und für ihre Leser*innen erlebbar zu machen. Ob es sich lohnt? Wer fragt danach?
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Mann in Kalkutta hat ein Kinderheim gegründet, in dem er 25 obdachlosen Waisenkindern ein Zuhause gab. Man fragte ihn, was für einen Unterschied das mache, 25 Kinder von 10.000. Darauf sagte er: „Für die 10.000 macht es keinen Unterschied, wohl aber für die 25.“
Vielen Dank für das Interview, liebeIris, Schriftstellerin,viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Iris Martina Martin, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Iris Martina Martin ist in Freiburg i.Br. geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Kommunikationswissenschaft studiert. Ihre Magisterarbeit beschäftigt sich mit dem Komischen in Thomas Bernhards „Die Billigesser“. Nach dem Studium war sie an verschiedenen deutschen Bühnen als Regieassistentin tätig. Dann absolvierte sie eine Fortbildung zur PR-Referentin. Sie lebte bislang überwiegend in Hamburg, wo sie rund zwanzig Jahre als Texterin, Ghostwriter und freie Journalistin arbeitete. Seit rund zehn Jahren unterrichtet sie Deutsch als Fremdsprache. Heute lebt sie in Kiel und widmet sich ihrer Leidenschaft, dem fiktionalen Schreiben. Neben Romanen schreibt sie Novellen, Theaterstücke und Lyrik.
Aktuelles Buch von Iris Martina Martin: Iver. Roman.
Ein atmosphärisch dichtes m/m Beziehungsdrama mit Crime-Elementen.
In der Einsamkeit der norwegischen Wälder arbeitet Iver als Pilot für einen Technologiekonzern. Eines Tages lernt er bei einem Auftrag Sander, einen der Firmengründer, kennen. Sie verlieben sich fast auf den ersten Blick. Doch Sander hat ein dunkles Geheimnis, und ihre leidenschaftliche Beziehung basiert von Anfang an auf einer Lüge. Denn der weltgewandte Tatmensch Sander kann nicht glauben, dass der träumerische Iver seinen wahren Charakter akzeptieren kann. Erst Jahre später entdeckt Iver die ganze Wahrheit über seinen Freund. Und auch Sander steht noch eine Überraschung bevor…
Der zweite Teil des Romans spielt in Brasilien, wo die Firma eine Niederlassung aufbaut. Die Helden bewegen sie sich einerseits in Sanders Welt, der Welt der Technologiewirtschaft, Korruption und des Verbrechens. Andererseits entdecken sie aber auch Ivers Welt. Sie erleben die Faszination einer großartigen Natur, reisen an den Amazonas und zum Fujijama und lernen von der Mystik und Weisheit der Kulturen.
Das Grundthema des Romans sind mangelnde Offenheit sowie falsche Erwartungen und Erwartungserwartungen, die eine leidenschaftliche Beziehung bedrohen. Schuldgefühle auf der einen und Verlustängste auf der anderen Seite erschweren den Liebenden eine offene Kommunikation. Daneben bildet die Auseinandersetzung der Figuren mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen und Grundwerten ein durchgehendes Thema der Geschichte.
Iver. Roman. Iris Martina Martin.
207 S., Taschenbuch, 12,85×19,84, 11,99 €
ISBN 979-8297361980
198 S., eBook, 8,99 € (Kindle) Mit Leseprobe auf Amazon.
Liebe Norma Norvald, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Erstmal Kaffee und dann alles andere…– Mein Tag fängt langsam und früh an. (Ich gehöre zu der Gattung nerviger Frühaufsteher, die vor sechs Uhr herumsingen). Nach einem ausgiebigen Frühstück stehen organisatorische Sachen auf dem Programm, bevor ich vormittags trainiere und Zeit in der Natur verbringe. Am Nachmittag lasse ich meinen poetischen Vogel im Caféhaus oder am Schreibtisch daheim frei fliegen, und insofern ich keine Abendkurse leite oder Freunde/ KollegInnen treffe, schreibe ich am Abend oft weiter. Zurzeit schreibe ich an einem Buch über Schafe… und Elfen… und Orchas…, und abwechselnd schreibe ich auch Lyrik. Wenn ich kann, gönne ich mir den Luxus früh ins Bett mit guter Lektüre zu gehen.
Norma Norvald, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Entschleunigung: In der Langsamkeit sehen wir das Leben um uns klarer, in der Langsamkeit lässt sich der Mensch in uns besser erkennen, in der Langsamkeit wird unser Herz wieder sanft – in der Langsamkeit erinnern wir uns an unsere wichtigste Aufgabe und an unseren Seelensinn; eben Mensch füreinander zu sein.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Mut zu finden, um unser Denken zu befreien, und damit uns selbst die eigenen Haltungen zu entblößen. Das versetzt uns in die Lage, unsere Umwelt bewusster wahrzunehmen und den Bedarf zu entwickeln, noch mehr Gutes für unsere Umwelt zu tun. Kunst und Literatur fordern uns zu poetischem Denken auf, statt abgefertigte politische und wirtschaftliche Schablone und Floskeln zu konsumieren und produzieren. Das Ergebnis ist: eine eigene Stimme mit individueller Sprachfärbung und Klang.
Kunst und Literatur haben die Aufgabe, Perspektiven und Reflexionen zu erweitern, und so Denkprozesse und Handlungen auszulösen. Dieses bewirkt wiederum ein Stück Befreiung von der allgemeinen Masse und fördert gesunde, tatkräftige Individuen.
Was liest Du derzeit?
The well of loneliness von Radclyffe Hall
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Die Tage sind heller, wenn man liebt. (Ruth Maier Wien 1920 – 1942, Auschwitz)
Vielen Dank für das Interview, liebeNorma,viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Norma Norvald, Schriftstellerin
Zur Person/über mich:Anfangsweise führte ich meinen Pinsel unsicher, bescheiden, schüchtern. Aber dann! Mit dem steigenden Farbenklang der Polarnacht wurde ich immer schwunghafter, dreister: großzügig, flirtend fegte ich in unsterblichen Schreibserenaden unter den Sternen – an diesem Winterabend wurde ich geboren, an diesem Winterabend schrieb ich mir über den Nachthimmel frei
Norma Norvald *1978/ Norwegen, seit 2015 sesshaft in Österreich. Lebt und arbeitet mit einem schwarzen Kater im Waldviertel. Beruflich: Schriftsteller, Schreibpädagoge, Kursleiter für Deutsch und Basisbildung, Skandinavische Sprachen und Literatur. Studium: Sprachwissenschaft an der Universität Bergen / Norwegen.
Zuletzt gesehen: Grand Café Oslo in Gesellschaft eines schwarzen Katers.
Sonstiges: Vorliebe für alte Schreibmaschinen und noch ältere Achterbahnen, schwarzen Kaffee mit goldenen Perlen, Waldlaufen, Stegreifphilosophie und Wortetymologie.
Zur Person/über mich:Anfangsweise führte ich meinen Pinsel unsicher, bescheiden, schüchtern. Aber dann! Mit dem steigenden Farbenklang der Polarnacht wurde ich immer schwunghafter, dreister: großzügig, flirtend fegte ich in unsterblichen Schreibserenaden unter den Sternen – an diesem Winterabend wurde ich geboren, an diesem Winterabend schrieb ich mir über den Nachthimmel frei
Norma Norvald *1978/ Norwegen, seit 2015 sesshaft in Österreich. Lebt und arbeitet mit einem schwarzen Kater im Waldviertel. Beruflich: Schriftsteller, Schreibpädagoge, Kursleiter für Deutsch und Basisbildung, Skandinavische Sprachen und Literatur. Studium: Sprachwissenschaft an der Universität Bergen / Norwegen.
Zuletzt gesehen: Grand Café Oslo in Gesellschaft eines schwarzen Katers.
Sonstiges: Vorliebe für alte Schreibmaschinen und noch ältere Achterbahnen, schwarzen Kaffee mit goldenen Perlen, Waldlaufen, Stegreifphilosophie und Wortetymologie.
Fotos: Portrait _ privat; Motiv _ Walter Pobaschnig.
Lieber Christoph Höhtker, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, Kaffee, Müsli, kurz eine Textdatei anstarren (aber nicht verändern), dann zum Job, dann wieder zurück, Essen, Schlaf auf dem Sofa, Schlaflosigkeit im Bett, dann wieder Aufstehen usw. (ich spiele den Alltag eines normalen Arbeitnehmers nach, obwohl ich ein normaler Arbeitnehmer bin)
Christoph Höhtker, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nichts ist für alle wichtig. Selbst Gesundheit oder das Leben als solches nicht.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Menschheit steht jeden Tag vor einem Aufbruch oder irgendeinem Neubeginn. Momentan werden die Debatten und der vorpolitische Raum von rechts dominiert, das wird in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten vermutlich so bleiben. Literatur und Kunst spielen in diesem wie in jedem anderen Zusammenhang höchstens als Dekor bzw. als Frühindikator eine Rolle.
Was liest Du derzeit?
Noch einmal „Der Himmel über der Wüste“, da ich mich demnächst in Tanger aufhalten werde.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Buch, das nicht scheitert, ist kein Buch. Aber auch das gescheiterte Buch ist kein Buch.
(Alfreda Dimenchoa-Emst, zitiert in „Staaten“)
Vielen Dank für das Interview, lieber Christoph, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Christoph Höhtker, Schriftsteller, Diplomsoziologe.
Zur Person/über mich:Christoph Höhtker, geb.1967 in Bielefeld (D), Taxifahrer, Diplomsoziologe, 5 veröffentlichte Romane, zuletzt „Staaten“ (Ventil).
Wohnhaft seit 2004 in Genf (CH)
Aktueller Roman von Christoph Höhtker:
„Ein Besuch des Elternhauses mutiert zu einer Reise an die Grenzen der Realität.
Ein in der Schweiz lebender Autor besucht sein Elternhaus in einem Außenbezirk Bielefelds, um sich vorübergehend der Pflege seiner zweiundneunzigjährigen Mutter zu widmen. Im Gepäck hat er mehrere unvollendete Romanprojekte, einen dysfunktionalen Zugang zum Literaturbetrieb und jede Menge durch manische Beobachtungssucht befeuerte schlechte Laune. Angekommen in Bielefeld-Heepen fühlt sich der Autor jedoch deutlich besser als erwartet. Während sich die Protagonist:innen seiner Manuskripte allmählich verselbstständigen, taucht er immer tiefer in das »Tal der Witwen«, sein ebenso durchschnittliches wie gespenstisches Herkunftsmilieu, ein. Eine Reise an die Grenzen der Realität hat begonnen.“
Zur Person/über mich: Tanja Gurke (*1971, Graz) Ausbildung: Bundesgymnasium Seebacher in Graz Diplomstudium Kunstgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Auszeichnung Doktoratstudium Kunstgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Auszeichnung Buchhändlerprüfung an der Wirtschaftskammer Graz Beruflicher Werdegang: Praktikum in der Neuen Galerie, Landesmuseum Joanneum GmbH Tutorin in Bibliothek bzw. Diathek am Institut für Kunstgeschichte, Uni Graz freie Mitarbeit im Büro für Kommunikation am Joanneum Graz Lektorin am Institut für Kunstgeschichte Bereich Diathek, Uni Graz Verfassung von englischen Kunstkritiken für eine koreanische Kunstzeitschrift Angestellte der Buchhandelsfirma Georg Prachner GmbH Filialleiterin der Zweigstelle Fachbuchhandlung Prachner in Graz Leiterin Shop Kunsthaus Graz an der Landesmuseum Joanneum GmbH Leiterin Referat Shops, Buch- + Verlagswesen, Landesmuseum Joanneum GmbH Angestellte Einrichtungshaus Casa Michaela Organisation Verlag Wirtschaftsnachrichten Verlagsleiterin Haus der Architektur Graz Office- und Vertriebsassistenz, ilsinger editions Organisation Häuser schaun Architekturführungen, Haus der Architektur Graz Büroleitung und Pressearbeit, Grazer Kunstverein Geschäftsleiterin, Grazer Kunstverein Freiberufliche Kuratorin, Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin Berufsorientierte Ausbildungen: Italienisch-Kurse, Karl-Franzens-Universität Graz Sommerschule für Kunstgeschichte, Cambridge Cambridge First Certificate, Wirtschaftskammer Graz Kurse des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, Wien Unternehmerprüfung, Wirtschaftskammer Graz Education & Mentoring Programm mit St. Bildungspass, BIC Graz Lehrgänge Kulturmanagement + Kulturvermittlung, Institut für Kulturkonzepte Wien Weitere Qualifikationen: ausgezeichnete Computerkenntnisse, Englisch fließend, Französisch und Italienisch sehr gut Hobbies: Reisen, Lesen, Kunst, Kino, Architektur, Fotografie, Pilates, Meditation
Liebe Tanja Gurke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Diesen Sommer hab` ich ein neues Ritual entwickelt: Ich gehe kurz vor 8 Uhr zum Kirchplatz vor der Herz-Jesu-Kirche in Graz, St. Leonhard, und beobachte, wie sich Wasser in einer schönen, in den Boden eingelassenen Betonform sammelt. Egal, welches Wetter ist, es bedeutet Innehalten, Durchatmen, Wirken Lassen und ist fast wie eine Meditation. Danach bin ich fit für den Tag.
Tanja Gurke, Kulturmanagerin, Kunsthistorikerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir müssen uns wieder mehr auf das Essentielle unseres Lebens fokussieren, dankbar sein für das, was wir trotz aller Turbulenzen haben, aufeinander zugehen, wertfrei, auf Augenhöhe, und unsere Energie positiv lenken.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Wesentlich ist es, authentisch zu sein und zu bleiben. Sich zu verstellen und zu viele Kompromisse zu schließen ist nicht nur auf Dauer anstrengend, sondern gibt von uns auch ein falsches Bild. Mithilfe der Kunst schaffen wir es, unsere Gefühle und Gedanken auszudrücken und ein Ventil zu finden, um innerlich loslassen und Sorgen ein wenig erleichtern zu können. Wenn wir über Jahrhunderte zurückschauen, passierte dies in allen Kunstphasen, und es kann als Ausdruck jeder Zeit gesehen werden.
Was liest Du derzeit?
Den 14. Bretagne-Krimi von Jean-Luc Bannalec. Ich fühle mich bei jedem seiner Bücher in die dortige Landschaft versetzt, vermag die verschiedenen Stimmungen zu sehen, den Geruch wahrzunehmen und die Kulinarik zu schmecken. Es ist ein Eintauchen in eine andere Welt, die die Sinne schärft.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er erfordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten ist: Zeit, Zuwendung und Raum“. (Dieter Kienast, 1945-98)
Vielen Dank für das Interview, liebe Tanja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Tanja Gurke, Kulturmanagerin, Kunsthistorikerin
Zur Person/über mich: Tanja Gurke (*1971, Graz) Ausbildung: Bundesgymnasium Seebacher in Graz Diplomstudium Kunstgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Auszeichnung Doktoratstudium Kunstgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Auszeichnung Buchhändlerprüfung an der Wirtschaftskammer Graz Beruflicher Werdegang: Praktikum in der Neuen Galerie, Landesmuseum Joanneum GmbH Tutorin in Bibliothek bzw. Diathek am Institut für Kunstgeschichte, Uni Graz freie Mitarbeit im Büro für Kommunikation am Joanneum Graz Lektorin am Institut für Kunstgeschichte Bereich Diathek, Uni Graz Verfassung von englischen Kunstkritiken für eine koreanische Kunstzeitschrift Angestellte der Buchhandelsfirma Georg Prachner GmbH Filialleiterin der Zweigstelle Fachbuchhandlung Prachner in Graz Leiterin Shop Kunsthaus Graz an der Landesmuseum Joanneum GmbH Leiterin Referat Shops, Buch- + Verlagswesen, Landesmuseum Joanneum GmbH Angestellte Einrichtungshaus Casa Michaela Organisation Verlag Wirtschaftsnachrichten Verlagsleiterin Haus der Architektur Graz Office- und Vertriebsassistenz, ilsinger editions Organisation Häuser schaun Architekturführungen, Haus der Architektur Graz Büroleitung und Pressearbeit, Grazer Kunstverein Geschäftsleiterin, Grazer Kunstverein Freiberufliche Kuratorin, Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin Berufsorientierte Ausbildungen: Italienisch-Kurse, Karl-Franzens-Universität Graz Sommerschule für Kunstgeschichte, Cambridge Cambridge First Certificate, Wirtschaftskammer Graz Kurse des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, Wien Unternehmerprüfung, Wirtschaftskammer Graz Education & Mentoring Programm mit St. Bildungspass, BIC Graz Lehrgänge Kulturmanagement + Kulturvermittlung, Institut für Kulturkonzepte Wien Weitere Qualifikationen: ausgezeichnete Computerkenntnisse, Englisch fließend, Französisch und Italienisch sehr gut Hobbies: Reisen, Lesen, Kunst, Kino, Architektur, Fotografie, Pilates, Meditation
Fotos: Portrait _ privat; Motive _ Garten _ Walter Pobaschnig
Ernst Jandl, dessen 100.Geburtstag heuer gefeiert wird, ist eine der originellsten, unverwechselbarsten Stimmen deutschsprachiger Literatur der Moderne. Seine experimentelle Lyrik, in welcher das Hören, der Vortrag ganz wesentlich ist, begeistert und inspiriert Generation um Generation immer wieder neu.
Zum Geburtstag legt der Wagenbach Verlag eine Neuauflage einer sehr spannenden Zusammenstellung von Gedichten aus verschiedensten Werkperioden Jandls vor, die einen sehr guten Ein-, wie Überblick über das Besondere seines Schreibens geben und Form, Rhythmik kennenlernen bzw. vertiefen lassen.
Ein Nachwort und Lebensdaten runden diese sehr gelungene Ausgabe ab.
Ernst Jandl. Einer raus, einer rein. Die schönsten Gedichte ausgewählt von Klaus Wagenbach. Wagenbach Verlag.
Ernst Jandl, Schriftsteller, geboren vor 100 Jahren am 1. August 1925 in Wien, gestorben am 9. Juni 2000 ebenda, ist eine der, weit über den deutschsprachigen Raum hinaus, bedeutendsten literarischen Stimmen der Moderne. Sein lyrisches Werk von virtuosem experimentellen Sprachspiel bestimmt, ist untrennbar mit seinem energiegeladenen dynamischen Vortrag verbunden, der einen seiner Höhepunkte am 11. Juni 1965 in der Londoner Royal Albert Hall findet, in welcher der so facettenreiche Autor vor 4000 Zuschauer*innen, mit weiteren internationalen Schriftsteller*innen, darunter Allen Ginsberg, begeisternd unter langanhaltendem Applaus performt. Dieser literarische Anspruch des ganz lebendigen, gleichsam performativen, Vortragens und Hörens von Text, bleibt zeitlebens ein Charakteristikum seines Schreibens, das sich auch in zahlreichen künstlerischen Kooperationen bis zu seinem Tod ausdrückt.
Der Titel der vorliegenden Jandl Biografie von Bernhard Fetz, renommierter Literaturwissenschaftler, Direktor des Literaturarchivs Wien, nimmt auf diese Mitte des künstlerischen Werkes Bezug und geht dann einen spannenden Weg einer „Stimme“ im biographisch-literarischen wie gesellschaftshistorischen Kontext, der viele neue Zugänge in Interviews, der Analyse und Darstellung von Werk- und Lebensstationen öffnet und den Klang dieser so einflussreichen „Stimme“ eindrucksvoll würdigt.
„Eine beeindruckende facettenreiche Biografie einer einzigartigen literarischen Stimme.“
Ernst Jandl. Biografie einer Stimme. Bernhard Fetz. Wallstein Verlag.