Zur Person _ Udo Brückmann, geb. 1967, lebt als Autor, Coach und Dozent im ländlichen Niedersachsen, zahlreiche Veröffentlichungen: Kriminalromane, Fantasy-Roman, historischer Roman, Kurzgeschichten, Kindergedichte, Radio, Lyrik, Auftrags-Gedichte u.a. – Alle Infos auf der Webseite http://www.udo-brueckmann.de
Niederkaltenkirchen ist wieder in heller Aufregung. Auf Rasen und Straßen. Es geht um den Golfclub und überhaupt um Neues. Und dann wird ein Toter vor Ort gefunden. Es ist der Steckerlfischkönig. Und die Ermittlungen beginnen mit so mancher Überraschung, ein Fall für Franz Eberhofer…
Rita Falk legt ihren 12 Franz Eberhofer Krimi vor, und dieser ist wiederum eine spannende, humorvolle wie ab- und hintergründige Reise zu menschlichen, allzumenschlichen Facetten täglichen Lebens und deren ungeahnten Wirkungen und Folgen.
Die Autorin versteht es brillant in menschliche Seelen zu blicken und in allen hellen und dunklen Farben leuchten zu lassen.
„Ein einmaliges Lesevergnügen in Spannung, Witz und Abgründigkeit!“
„Steckerlfischfiasko“ Rita Falk. Ein Provinzkrimi, dtv Verlag.
Station bei Malina_ Astrid Kohlmeier, Schriftstellerin_Graz_ Roman „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)Station bei Malina_ Astrid Kohlmeier, Schriftstellerin_Graz_ Roman „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Astrid Kohlmeier, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte hier vertraut?
Ich lebe in Graz und bin leider viel zu selten in Wien, weshalb mir die Stadt grundsätzlich zu wenig vertraut ist. Bei unserer ersten Begegnung in der Ungargasse waren mir auch die Schauplätze des Romans „Malina“ noch völlig fremd. Inzwischen habe ich Bachmanns „Ungargassenland“ auch lesend bereist und entdeckt – dies war eine außergewöhnliche Reise.
Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?
Ich bin mit Ingeborg Bachmann im Rahmen meines Germanistik-Studiums in Berührung gekommen – leider wurde ihre Arbeit jedoch nicht ausführlich besprochen – ihre Lyrik, der Roman „Malina“ und das Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ blieben vielmehr Randnotizen. Einige Gedichte der Autorin sind mir natürlich vertraut, jedoch längst nicht ihr gesamtes lyrisches Werk. Vor Jahren habe ich „Herzzeit“, den Briefwechsel der Schriftstellerin mit Paul Celan, gelesen und erst gestern habe ich mir den Film „Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste“ von Margarethe von Trotta im Kino angesehen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, mich in nächster Zeit eingehender mit Bachmanns Werken zu beschäftigen und mein Versäumnis nachzuholen.
Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?
Wir haben die Ungargasse an einem wunderbaren Herbstmorgen besucht. Es hat eine bezaubernde und zugleich geheimnisvolle Stille über diesen Orten gelegen und obwohl ich „Malina“ zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelesen hatte, war es doch ein erhebendes Gefühl, zu wissen, dass ich mich gerade an den Romanschauplätzen einer großen Schriftstellerin aufhalte. Etwas unfassbar Zartes und Melancholisches hat in der Luft gehangen und ich war mir bewusst, dass ich gerade die Grenze von Realität und Fiktion übertrete. Dass Bachmann selbst Jahre zuvor unzählige Male die Ungargasse hinauf- und hinuntergelaufen sein muss, sich in den Häusern, die wir aufgesucht haben, aufgehalten hat und vielleicht vom Innenhof zu denselben Fenstern hinaufgeblickt hat, zu denen ich an diesem Tag hinaufgeblickt habe, hat in mir beinahe den Eindruck geweckt, in der Zeit zu reisen.
Wie siehst Du den Aufbau und das Konzept des Romans?
Die Dreiteilung des Romans in „Glücklich mit Ivan“, „Der dritte Mann“ und „Von letzten Dingen“ eröffnet dem Leser von Kapitel zu Kapitel neue Perspektiven auf das innere und äußere Erleben der Ich-Erzählerin, womit Bachmann eine unglaubliche Tiefgründigkeit und Komplexität des Erzählten erreicht. Der Roman vereint erzählende und dialogische Passagen, Versatzstücke von Telefonaten, Traumsequenzen und Briefe in sich, woraus sich eine sehr kunstvolle Komposition ergibt. Zusammengehalten und getragen wird „Malina“ von der unglaublichen Intensität und Strahlkraft von Bachmanns Sprache, in der die Stimme der Lyrikerin laut wird. Besonders die schonungslose Ehrlichkeit in der Beschreibung der Gedanken und Emotionen der Ich-Erzählerin haben mich nicht unberührt gelassen.
Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans?
Ich denke, dass „Malina“ ein Buch über die Sehnsucht nach der vollkommenen, allumfassenden Liebe ist, die jedoch nie gestillt wird. Es ist ein Text über das sich Suchen, sich Finden und sich Verlieren in einem Gegenüber, über die heilende, aber auch vernichtende Kraft, die sich aus einer innigen Zweierbeziehung entwickeln kann. Es ist ein Roman über Glückseligkeit, Rettung, Schmerz, Verlust und Einsamkeit – über drei Arten von aussichtsloser Liebe zwischen Mann und Frau, die am Ende zum völligen Erlöschen der liebenden Person, ja zu deren gewaltsamen Tod führt.
Wie ist die Beziehung zwischen Mann und Frau im Roman dargestellt und wie ist dies heute zu sehen?
Die Beziehung zwischen Mann und Frau wird in „Malina“ anfänglich irrtümlich als sinnstiftend und glücksbringend, dann jedoch zusehends als gleichgültig, von Nicht-Verstehen geprägt – über Malina etwa äußert die Erzählerin „Wir werden einander nie verstehen, wir sind wie Tag und Nacht […]“ – distanziert, gewaltsam und schlussendlich als vernichtend geschildert. Im Kapitel „Der dritte Mann“ wird die Gewalt in albtraumhaften Szenen bis ins Unerträgliche gesteigert. Die Ich-Erzählerin wird in ihren Träumen von ihrem Vater – der sinnbildlich auch für die männerdominierten Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges steht – wiederholt geschändet und auf unterschiedlichste Art und Weise von ihm ermordet. Am Ende ist es die Frau, die durch die Beziehung zu einem Mann in eine „unhaltbare Situation“ getrieben wird, unter ihr leidet und an ihr zerbricht, durch diese ausgelöscht wird. Die Ich-Erzählerin ist von der Sehnsucht nach einer vollkommenen Liebe getrieben und gibt sich schließlich selbst dafür auf. Ihre Liebe wird nicht in dem Maße erwidert, wie sie es sich erhofft und ein solches Ungleichgewicht ist zu jeder Zeit und natürlich auch heute denkbar. Die hohe Anzahl an jährlich verübten Femiziden zeigt auch, dass Frauen nicht nur im übertragenen Sinn an einer Liebesbeziehung zu Grunde gehen, sondern dass reale Morde an Frauen tragische Realität sind. Dennoch sollte man den Gedanken nicht außer Acht lassen, dass sich die Vorzeichen auch umkehren ließen – dass also auch ein liebender Mann in eine solch hoffnungslose Situation geraten könnte.
Wie beurteilst Du die Protagonisten Ivan, Malina, Ich-Person in ihrem literarischen Kontext bzw. dem Kontext der Autorin und ihrer Biographie?
Auch wenn Ingeborg Bachmann selbst ihren Roman als „geistige, imaginäre Autobiographie“ bezeichnet hat und es durchaus erhellend sein kann, derartige Querbezüge herzustellen, möchte ich den Text ungern in diesem Kontext beurteilen, da ich der Auffassung bin, dass ein literarisches Werk unabhängig von der Biographie seines Urhebers bewertet werden sollte.
Wie siehst Du das literarische Konzept des dreistufigen Aufbaus des Romans?
Siehe Antwort oben
Welches Frauen- und Männerbild spricht Ingeborg Bachmann in „Malina“ an und wie aktuell ist dies heute?
In „Malina“ unterliegt eine intellektuelle, erfolgreiche Frau dominanten Männern – Ivan, dem Vater, Malina, denen sie sich unterwirft und in deren Abhängigkeit sie sich begibt. Sie ist „Malinas Geschöpf“ und auch finanziell von ihm abhängig, da er sie „beide durch die teuren Zeiten bringt“. Sie ist weiters abhängig von Ivans Zeit, seiner Aufmerksamkeit und Zuneigung, denn „er soll [sie] erlösen“. Über ihn sagt sie etwa: „Er ist mein Leben, meine einzige Freude“ und „[…] ich möchte, daß Ivan mich braucht, wie ich ihn brauche, und für das ganze Leben.“ Während die Ich-Erzählerin bereit ist, für ihre Liebe zu Ivan alles zu tun und zu opfern, wirkt dieser emotional kalt und unbeteiligt. So wartet sie ständig auf Ivans Anrufe und will für ihn ein Buch schreiben, ohne zu verlangen, dass er es jemals liest. Die Schriftstellerin versucht sich sogar als Hausfrau, beginnt aufwendigst für ihren heimlichen Geliebten zu kochen, weil er „genug habe von diesen belegten Broten und [einmal] wissen möchte, was [sie] zu kochen verstünde“. Sie hütet obendrein noch seine Kinder, wenn er gerade verhindert ist. Gleichzeitig lässt sie sich von ihm demütigen und beschimpfen: „Durch Ivan, der das Spiel will, habe ich deswegen auch eine Gruppe von Schimpfsätzen kennengelernt. Über den ersten Schimpfsatz bin ich noch sehr erschrocken, aber nun bin ich fast süchtig geworden und warte auf die Schimpfsätze, weil es ein gutes Zeichen ist, wenn Ivan zu schimpfen beginnt. Ein kleines Aas bist du, ja du, was sonst? […] Ich rede mit dir, wie ich will / Ein kleines Luder bist du […] Du bist zu dumm, du verstehst eben nichts. […] Manchmal siehst du richtig alt aus […] Graue und braune Kleider machen dich alt / Verschenk deine Trauerkleider ans Rote Kreuz / Wer hat dir diese Grabkleider erlaubt? Natürlich bin ich böse, ich habe Lust, böse zu sein.“ Am Ende wird der Ich-Erzählerin schmerzlich bewusst: „Ich habe in Ivan gelebt und ich sterbe in Malina.“ Sowohl ihr Leben als auch ihr Sterben sind von ihren beiden Männern bestimmt, ihre Albträume von einer gewalttätigen Vaterfigur, die, wie mir scheint, das Patriarchat als solches verkörpert.
Trotz der fortschreitenden Emanzipation bin ich der Auffassung, dass wir weiterhin in einer von Männern dominierten Welt leben, dass es auch heute noch unzählige Frauen gibt, die ihr eigenes Leben wie die Ich-Erzählerin dem eines Mannes – sei es nun der Vater, der Partner oder ein Vorgesetzter – unterordnen und daran zerbrechen. Ich denke, es wird noch sehr lange dauern, bis sich die herrschenden Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern wandeln und ein gleichberechtigtes Miteinander Realität werden kann.
Welchen Einfluss hatte und hat der Roman auf die Entwicklung von Literatur, Kunst und Emanzipation und Gesellschaft?
Diese Frage muss ich leider unbeantwortet lassen.
Wie siehst Du das Ende des Romans?
Das Ende ist tragisch, jedoch unausweichlich.
Gab es in Deinen Literatur-, Kunstprojekten Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?
In meinen Gedichten und Prosatexten erforsche ich immer wieder zwischenmenschliche Beziehungen, so auch jene zwischen Mann und Frau. Das Motiv der weiblichen Sehnsucht nach einer vollkommenen Liebe, das Sich-Verlieren in einem Gegenüber, die Gewalt, der Frauen ausgesetzt sind, spielen auch in meinen Texten eine Rolle.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Soeben ist mein Gedichtband „Zärtliche Risse“ im Wolf Verlag erschienen, derzeit arbeite ich bereits an meinem dritten Lyrikband und an einigen Erzählungen, die gesammelt in einem Band erscheinen sollen. Ich spiele gerade auch wieder mit dem Gedanken, einen Literaturklassiker für die Bühne zu bearbeiten.
Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Sehr gerne hätte ich mit Ingeborg Bachmann einen Tag in Wien verbracht. Vielleicht hätte ich mit ihr gemeinsam einen Spaziergang unternommen und mich mit ihr bei ein paar Gläsern Wein und einigen Zigaretten über ihr Leben, ihr Schreiben und die Liebe unterhalten.
Station bei Malina_ Astrid Kohlmeier, Schriftstellerin_Graz_ Roman „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Malina:
Astrid Kohlmeier, Schriftstellerin_Graz_ _Wien_ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _
Aktuelles Buch _ Astrid Kohlmeier, Zärtliche Risse. Gedichte. Wolfsberg: der wolf verlag 2023. 112 Seiten. ISBN 978-3-903354-47-0.
Lieber Alexander Suppan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Momentan befinde ich mich in der intensiven Endprobenphase zu „Mein Hundemund“ von Werner Schwab. Ein exzessives Stück das dem ganzen Ensemble wirklich sehr viel abverlangt und das Publikum auf eine atemberaubende Achterbahnfahrt mitnehmen wird. Ich verkörpere den „Sohn“ des Hauptprotagonisten. Eine psychisch schwer zu zeichnende Figur, die mir bis dato in meinem beruflichen Werdegang noch nicht untergekommen ist. Regie führt Alexander Mitterer. Die Premiere findet am 04.11.2023 im ARTis´s Graz statt.
Alexander Suppan, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was mir momentan sehr fehlt ist die „Ruhe“ in sehr vielen Bereichen. In diesen aufwühlenden bzw beklemmenden Zeiten ist dies meiner Meinung nach von sehr großer Bedeutung. Wenn wir uns ja schon alle nach diesem sogenannten „Weltfrieden“ sehnen dann sollten wir damit in unserer eigenen Umgebung anfangen. Das beginnt schon mit einem friedlicheren Umgang mit unseren Mitmenschen. Jeden Tag eine gute Tat, wenn es nur das schwere Einkaufssackerl der älteren Nachbarin ist, dass man in den 2 Stock hinaufträgt. Wichtig wäre es daher den Menschen, die uns nahe stehen, Zeit zu schenken.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Dem Aufbruch bzw den Neubeginn mutig entgegenzutreten und die Dinge die sich um uns herum bewegen kritisch zu hinterfragen. Kurz gesagt nicht zu allem ja und Amen sagen.
Das Theater oder die Kunst an sich sollte immer ein „Spiegel der Zeit“ sein. Die Themen, die uns beschäftigen aufzeigen und dazu Fragen stellen. Vielleicht gelingt es uns ja dadurch die Problemstellungen, die uns gesellschaftlich und persönlich betreffen, zu lösen. Natürlich verbirgt sich darin immer ein Risiko, wenn man als Künstler dem Publikum den Spiegel vorhält. Aber probiert man es nicht aus, hat man schon verloren.
Was liest Du derzeit?
Momentan lese ich „Träumertänzer“ von Oliver Masucci Ein sehr berührendes und lustiges Buch über ein italienisches Gastarbeiterkind das zu einem der gefragtesten Schauspieler unserer Zeit aufsteigt. Fällt mir derzeit sehr schwer aus der Hand zu geben.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Natürlich ein Textimpuls aus „Mein Hundemund“.
„Es ist aus mit dem Blick auf den Blick“
Alexander Suppan, Schauspieler
Vielen Dank für das Interview, lieber Alexander, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Film-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Alexander Suppan, Schauspieler
Zur Person _ Alexander Suppan, Schauspieler, geboren 1994 in Graz, zunächst Violin Ausbildung am Johann-Joseph-Fux Konservatorium Graz , Schauspielstudium von 2017-2020 an der Schauspielschule Krauss in Wien.
Bisherige Engagements:
Theater absolut (Schlossfestspiele Piber), seit 2022 Theater Kaendance (2023 in Zusammenarbeit mit) Klagenfurter Ensemble
Aktuelle Produktion: „Mein Hundemund“ Werner Schwab
Werner Schwab, meistgespielter Dramatiker der Neunziger – Jahre, ist endlich wieder in Graz zu sehen. Theater Kaendace wuchtet eines seiner verstörendsten Fäkaliendramen „Mein Hundemund“ als Requiem auf die Bühne des ARTist`s.
Beinahe 30 Jahre nach dem plötzlichen Tod Schwabs am 01.01. 1994 haben dessen Texte nichts an Brisanz und Brillanz verloren. Sein Metzger Hundsmaulsepp ist das zeitlose Portrait hässlicher Verhältnisse. Schwab fixiert seinen Blick auf die Welt auf das Eklige und schuf mit „Mein Hundemund“ eine zeitlose Parabel über die Unfähigkeit des Menschen, sich von seinen inneren Zwängen befreien zu können.
Premiere am 04.11. 2023 im ARTist`s, Schützgasse 16, 8020 Graz
Vorstellungen am 08.; 09.; 10.; 11.; 14.; 15. und 17. November jeweils um 20 Uhr
Elke Steiner, Schriftstellerin_Wien _ Station bei Ingeborg Bachmann_Wien
Elke Steiner
Ungargasse. Chats.
In einem Moment heißt es wir, im anderen: Ich. Meistens erfinde ich etwas. Niemand kann sich an die Erscheinung meiner Leibhaftigkeit halten, nachmittags im Besonderen, wenn ich müde von meiner Suche die Gasse stadtauswärts schleiche, dann bin ich nahezu am Verschwinden. Dann denke ich, dass ich auch mich gänzlich erfunden haben könnte. Mich und meine Gasse, meine Zigarette und meinen account. Ein shitstorm hat mich erfasst. Eine unglaubliche Anstrengung, dieser Beschuss, diese Flammen und dann noch die Freischärler von Antworten, die ich selbst in die Kommentare getippt habe.
Aber damit ist Schluss und ich halte mich an das einzige Wort, das übriggeblieben ist, von meiner Suche nach Worten. Ich habe mich auch mit Malina über die Wörter hergemacht, aber wir fanden nur zerknülltes Papier und einige Todesarten.
Ich bin am Heimweg und alles kündigt mir schon mein Haus an, und alles was mir an Aufregung noch bleibt, ist der Gedanke an mein betörendes Wort. Es mäßigt mich innerlich, doch äußerlich treibt es mich an, treibt meine Schritte über das Trottoir, so dass ich zweisilbig auftrete mit meinen Füßen, dem Himmel sei Dank zweisilbig, was für meinen gleichgestimmten aufrechten Gang ein unendliches Glück bedeutet, ich müsste sonst möglicherweise enorme physiologische Anstrengungen unternehmen, um meinen Gang einer Mehrsilbigkeit anzupassen.
Ich muss auch gegen Frau Breitner anschreiten, von weitem schon sehe ich, wie sie sich aus dem offenen Fenster lehnt, mir entgegen, und ich sehe, dass sich hinter der Breitner, in ihrem Kabinett, eine Menschenmasse drängt. Ein gestikulierender anschwellender Mob, so dass der Busen der Breitner immer mehr aus dem Fenster quillt und die Breitner von der crowd hinter ihr regelrecht erdrückt wird, sie aber trotzdem, dümmlich grinsend, mich anblickt, während ich mit der rechten Hand das Haustor aufschließe und mich mit der linken an das einzige Wort halte, das übriggeblieben ist.
Und wie könnte das Wort, das jetzt schon für später steht, anders heißen als Diwan.
Es heißt Diwan und immer wieder Diwan.
Was mich noch aufrecht erhält, ist nur der Gedanke an mein Lotterbett, die Stätte meines lasterhaften Treibens, und was es an Aufregung noch gibt, wird gänzlich in seinen Ritzen verschwinden.
Diwan. Wenn er auch gewiss nicht für mich erschaffen wurde, so besitze ich ihn, sitze auf ihm und rauche.
Was bleibt, ist unser gemeinsames Schweigen. Er absorbiert alle Wörter und Stürme, die chats und die Stimmen der crowd. Wir schweigen, weil nichts zu sagen ist.
Wir schweigen gegen die Verderbnis und um das Land wieder fasslich zu machen.
Das eilige Heimgehen, das Sitzen und Rauchen, und jetzt das langsame Hinlegen, einzig, um es dann zu vollziehen: Ich pflanze mich fort mit dem Schweigen. Die letzten Wörter gleiten mir still von der Zunge, verbrennen auf meinen Lippen, aus unserer Vereinigung entsteht ein neues Geschlecht, eine Sprache aus Haut und Haar, aus drei Eiswürfeln.
Die Breitner wird sagen, es war Mord
Station bei Malina_ Elke Steiner, Schriftstellerin_Wien_ acting Malina _ Roman „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
Text _ Elke Steiner
Elke Steiner, Schriftstellerin_Wien Roman „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
michael hammerschmid, lyriker und kurator des internationalen lyrikfestivals „dichterloh“ in wien.
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
michael hammerschmid, lyriker und kurator des internationalen lyrikfestivals „dichterloh“ in wien
Zur Person _ michael hammerschmid, lyriker (für kinder und erwachsene), kurator des internationalen lyrikfestivals „dichterloh“ in wien, lebt und arbeitet in wien.
Lieber Alexander Mitterer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Die letzten paar Monate waren/ sind äußerst arbeitsintensiv. Im Moment spiele ich noch die letzten Vorstellungen von „Kunst“ von Yasmina Reza an der Neuen Bühne Villach, gleichzeitig habe ich die Einreichungen für Theater Kaendace Graz bei Stadt, Land und Bund ausgearbeitet. Theater Kaendace plant nächstes Jahr drei Uraufführungen von drei jungen Autorinnen. Die Leading Teams und die Ensembles stehen, das Geld dafür hoffe ich wird von den Subventionsgebern bewilligt.
Seit Anfang Oktober laufen die Proben für „Mein Hundemund“ von Werner Schwab, wofür ich für die Regie zeichne. Ein wahnsinnig spannendes Stück, das den ZuschauerInnen einiges abverlangt. Dafür werden sie aber durch eine hohe Theaterqualität entschädigt. Premiere ist am Samstag, 04.11 2023 im ARTist’s Graz.https://art.ists.at/events/mein-hundemund-von-werner-schwab-premiere/
Alexander Mitterer,Regisseur, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Besonders wichtig ist für uns alle, dass wir beim täglichen Irrsinn, dem wir dauernd ausgesetzt sind, in unserer Mitte bleiben, uns und unseren Mitmenschen gegenüber wohlwollend verhalten und Friedensarbeit leisten, mit dem was wir tun, in Gedanken und Worten. Meine Theaterarbeit ist für mich immer auch Friedensarbeit.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Dieser Aufbruch und Neubeginn ist schon lange spürbar. Wir werden uns verabschieden müssen von vielen Normalitäten. Wir müssen offen bleiben für alles Neue, das uns begegnen wird, aber wir dürfen das Neue auch nicht unhinterfragt hinnehmen. Die Kunst darf sich nicht mehr als verlängerter Arm der Mode verstehen, sondern als Ausdruck zutiefst menschlicher Bedürfnisse. Kunst sollte sich auch nicht in den Dienst künstlicher Intelligenz stellen, sondern wieder mehr den Menschen, Flora und Fauna und die Natur als Themenfeld wiederentdecken.
Was liest Du derzeit?
Im Moment lese ich gerade „Was man von hieraus sehen kann“ von Mariana Leky. Bin erst am Anfang, aber die ersten paar Seiten waren bereits positiv verwirrend.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Den Textimpuls gebe ich nicht aus dem gerade gelesenen Buch. Der Textimpuls soll von Werner Schwab aus seinem Hundemund kommen:“Unser Gras ist tot, ganz tot, so tot wie du. Das Gras hat sich vollkommen verabschiedet. Alle Gräser haben heute eine moderne Kultur. Nur du stirbst an den faulen Krankheiten, an denen niemand mehr sterben kann.“
Vielen Dank für das Interview, lieber Alexander, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Film-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Alexander Mitterer,Regisseur, Schauspieler
Zur Person _ Alexander Mitterer,Regisseur, Schauspieler, geb.1968 in Bruneck/Südtirol, absolvierte sein Schauspielstudium 1993 am Konservatorium der Stadt Wien. Engagements u.a. an der Gessneralle Zürich, Bühnen Graz, Stadttheater Klagenfurt, klagenfurterensemble, Künstlerhaus Wien, Neue Bühne Villach sowie bei renommierten Festivals wie Steirischer Herbst, Styriarte, Volksschauspiele Telfs, Komödienspiele Porcia.
2005 Gründung von Theater Kaendace gemeinsam mit Klaudia Reichenbacher. Zahlreiche Engagements in Film-, Funk- und Fernsehproduktionen.
Regiearbeiten für Theater Kaendace, klagenfurterensemble, OFF – Theater Salzburg etc.etc.
Aktuelle Produktion: „Mein Hundemund“ Werner Schwab
Werner Schwab, meistgespielter Dramatiker der Neunziger – Jahre, ist endlich wieder in Graz zu sehen. Theater Kaendace wuchtet eines seiner verstörendsten Fäkaliendramen „Mein Hundemund“ als Requiem auf die Bühne des ARTist`s.
Beinahe 30 Jahre nach dem plötzlichen Tod Schwabs am 01.01. 1994 haben dessen Texte nichts an Brisanz und Brillanz verloren. Sein Metzger Hundsmaulsepp ist das zeitlose Portrait hässlicher Verhältnisse. Schwab fixiert seinen Blick auf die Welt auf das Eklige und schuf mit „Mein Hundemund“ eine zeitlose Parabel über die Unfähigkeit des Menschen, sich von seinen inneren Zwängen befreien zu können.
Premiere am 04.11. 2023 im ARTist`s, Schützgasse 16, 8020 Graz
Vorstellungen am 08.; 09.; 10.; 11.; 14.; 15. und 17. November jeweils um 20 Uhr
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Julia Gradl, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Diese Aussagekraft in gerade mal 11 Seiten gepackt, fasziniert mich. Es ist eine sehr persönliche wie politische Erzählung, die starke Emotionen bündelt: Wut, Schmerz, Leid, Enttäuschung, Entsetzen, aber auch Liebe und Verliebt-Sein. Hauptthema ist das Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau.
Wie siehst Du „Undine“?
Undine ist aus mythologischer Sicht ein Wassergeist. Eine Wassernixe, die auf das Patriarchat trifft und dort traumatische Erfahrungen macht. Sie lässt sich auf Männer ein. Lässt sich verführen. Sagt wieder und wieder Ja. Aber dem will sie ein Ende setzten, ein für alle Mal. Sie erkennt die Strukturen und größeren gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge und hat ein klares Gespür für Ungerechtigkeiten. Das Wasser ist ihre natürliche Urkraft, von der die männlich dominierte „Überwasserwelt“ aber nichts wissen und verstehen will…
„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Frauen dürfen wählen, verhüten, arbeiten, erben, sich scheiden lassen,… Dennoch zählen nach wie vor Care-Arbeit, Arbeit im Service oder Administration zu typischen Frauenjobs. Auch das Gender Pay Gap sowie Altersarmut sind große Themen….
Ich denke, wir sollten heute sehr achtsam sein, welche Geschichten wir (unseren Kindern) erzählen. Mit welchen Geschichten transportieren wir welche Botschaften? Welche Vorstellungen von Liebe, romantischen Beziehungen, Arbeit, Geld,… verbergen sich bspw. hinter Walt Disney Produktionen? Wir dürfen lernen, Gehalt mit einer Selbstverständlichkeit zu verhandeln. Wir dürfen der Selbstliebe einen größeren Platz einräumen. Wir dürfen und sollen diskutieren. Uns trauen, Stellung zu nehmen! Wir sollen gemischtgeschlechtliche Teams fördern und uns an unseren Kompetenzen und Qualitäten orientieren. Wir müssen uns mit unseren Privilegien auseinandersetzen!
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Strukturelle Ungleichheiten finden sich heute nach wie vor viele, in politischer als auch privater Ebene. In der obigen Antwort gehe ich etwas darauf ein, was man als Einzelperson versuchen kann zu tun, um dieses starre Gewebe zu durchlüften…
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?
Das ist eine große Frage. Vielleicht sind tiefe, aufrichtige emotionale Bindungen ein Teil der Antwort. Da ist es wichtig zu fragen, was eine emotionale Bindung als solche überhaupt ausmacht? Für einen selbst, aber auch für jemand anderen. Nicht nur romantische Beziehungen sollten hier beleuchtet werden. Auch Freundschaften könnte man diesbezüglich mehr Bedeutung schenken. Das würde das binäre Liebesmodell schwächen… Liebe wird oft als etwas „Komplementäres“ „verkauft“, doch beginnt Liebe und Lieben bei einem selbst… Das fällt oft schwer, weil dieser Kern verletzt wurde oder unter einem Trauma leidet. Heilung kann auf die verschiedensten Weisen stattfinden…. Mindsetarbeit, Körperarbeit, Meditation,…
Was bedeutet Dir Natur?
Natur ist Kraftquelle, Mitte, Ursprung, Zuhause.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Ich bin am See aufgewachsen, Wasser gehört irgendwie zu meiner Identität. Es ist Reinigung auf ganzheitlicher Ebene. Wasser ist Fließen-lassen….
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Dieses Jahr habe ich den Herbst erstmals mit einer Kakao-Zeremonie in einem Frauenkreis begrüßt. Gedanken zur Ernte, zur Fülle im Leben, zur Reichhaltigkeit wurden präsent. Aber vor allem: Was darf ich Loslassen?! Jede Jahreszeit ist ein Geschenk und lässt das Werden und Vergehen…das Zyklische mit in das momenthafte Dasein nehmen… Jetzt für den Winter stelle ich mir ähnliche Fragen. Wie halte ich mich warm? Wie nähre ich das Innen, wenn das Außen / die Bäume kahl sind? Meditation und viel Wasser werden weiterhin Bestandteil von jedem Tag bleiben… und mal sehen, was dann im Frühjahr passiert J
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Modern heißt für mich im Grunde „zurück zum Ursprung“, zur Einfachheit, zur Stille und zum Innehalten. Täglich Metta Meditation praktizieren! Mit weniger Auskommen lernen.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?
Liebe braucht ein Gegenüber und Vertrauen, Liebe kann nur wachsen, wenn sie geteilt wird. Nach innen zu sich selbst als auch nach außen.
Was lässt Liebe untergehen?
Hass, Gewalt, Missgunst
Wie war Dein Weg zur Musik?
Musik wurde früh gefördert, da gings durch Höhen und Tiefen. Heute kann ich vor allem vom Singen und mit eigenen Liedern experimentieren nicht genug kriegen. Da bleibe ich dran, ohne viele Fragen zu stellen. Das ist irgendwie beruhigend.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du?
Kardamom.T ist nach wie vor Haupt- und Herzensprojekt. Noch dieses Jahr kommt das erste Musikvideo raus. Auch für 2024 stehen schon Veröffentlichungen in den Startlöchern.
Kardamom.T _ Julia Gradl, Jasmin Meiri _ Wien
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
„Ich liebe das Wasser, seine dichte Durchsichtigkeit, das Grün im Wasser und die sprachlosen Geschöpfe, mein Haar unter ihnen, in ihm, dem gerechten Wasser, dem gleichgültigen Spiegel, der Spiegel, der es mir verbietet, euch anders zu sehen. (….) Tauche, ruhen sich ohne Aufwand von Kraft bewegen – und eines Tages sich besinnen, wieder auftauchen, durch eine Lichtung gehen, ihn sehen und „Hans“ sagen. „
„Ich konnte eintreten mit dem Blick, der auffordert: Denk! Sei! Sprich es aus! (…) Ich habe gesagt: Ich verstehe dich nicht, verstehe nicht, kann nicht verstehen! (…) Ich habe sehr wohl verstanden und noch etwas eben. Eben darum verstand ich nicht.“
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?
U Ungeheuer
N Name
D Durchsicht
I Ihr
N Niemehr
E Einsamkeit
G Gefallen
E Entgleisen
H Heimat
T Tiefgang
Undine geht _ Julia Gradl, Sängerin, Musikerin, Model _ Wien _ Thematisch-szenisches Fotoshooting _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Magdalena Kratzer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, in die Schulbibliothek fahren, die ich leite, die wunderbaren neuen Jugendbücher bewundern und sie ins Ausleihsystem einpflegen, Schüler*innen beim Lesen, Basteln und Chillen in der gemütlichen Leseecke beaufsichtigen, ihnen tolle Bücher nahebringen und ausleihen, die Mittagsaktivität „Leseclub“ durchführen.
Danach ab ins Café und in der warmen Atmosphäre des Kaffeehauses an Romanen und Gedichten schreiben.
Magdalena Kratzer, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Immer wichtig: Erden, ab auf die Wiesen und in die Wälder, seinen inneren Brunnen mit schönen Bildern und Naturerfahrungen füllen. Durchatmen. Gedichte lesen. Kaffee trinken. Die Nase von der Herbstsonne kitzeln lassen. Gut zu sich sein und dadurch zu anderen. Freundlichkeit. Ein warmes Lächeln. Den Flug der Libellen beobachten. In Sonnenblumenfeldern baden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?
Kunst entführt in andere Welten, rüttelt auf, versöhnt, gibt Denkimpulse, setzt Dinge und Sichtweisen in neue Zusammenhänge, schafft Identifikation mit Figuren (zB. Romanfiguren) und dadurch Empathie. Alles was Empathie und Freundlichkeit fördert, ist sehr wichtig heutzutage. Außerdem hat Kunst die Kraft Visionen zu schaffen. Eine Vision von einer besseren Welt zum Beispiel. Sehr wichtig: Harmonische Gegenbilder zu den Grauen der Realität malen – aus der bunten Farbpalette des Lebens. Immer und Jetzt.
Was lesen Sie derzeit?
„Das Bücherschiff des Monsieur Perdu“ von Nina George
Welches Zitat, welche Textstelle möchten Sie uns mitgeben?
„In uns selbst liegen die Sterne des Glücks“ von Heinrich Heine
Magdalena Kratzer, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Magdalena, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Magdalena Kratzer, Schriftstellerin
Zur Person _
Magdalena Kratzer, 1982 geboren in Landshut, hat soziale Arbeit in Nürnberg, Theater- und Medienwissenschaften und Germanistik in Erlangen studiert. Danach folgte das Studium der Dokumentarfilmregie in Berlin. Seit 2016 wohnt und arbeitet sie in Nürnberg. Sie leitet die Schulbibliothek eines Nürnberger Gymnasiums und liebt es, als Bibliothekarin und Literaturvermittlerin in Schüler*innen die Begeisterung für Bücher zu entfachen. In den letzten Jahren hat sie an diversen Schreibwerkstätten und Lesungen mit anderen Autor*innen teilgenommen.
Derzeit arbeitet sie an vier verschiedenen Romanprojekten. Im Rahmen ihres Projektes „Lyrik to go“ tippt sie auf Kulturfestivals persönliche Gedichte für Fremde auf ihrer Schreibmaschine.
Lieber Titus Meyer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meine Tage beginnen mal früh, mal spät, es gibt momentan sehr wenig Konstanz, da ich versuche, Familie, Brotjob, Schreiben und andere Projekte unter einen Hut zu bekommen.
Titus Meyer, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Kunst, in welcher Form auch immer, zu machen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Frieden ist immer wesentlich. Auch selbst im Klitzekleinen (im menschlichen Miteinander, aber auch anderen Lebewesen gegenüber). Kunst ist das größte Privileg unserer Spezies und das potenziell Friedensstiftendste, was wir haben.
Was liest Du derzeit?
Ich lese meist sehr viel auf einmal. Von Artikeln abgesehen, mittlerweile aber wenig von A nach B, wie man das Lesen in der Schule beigebracht bekommen hat und es die meisten Leute ausschließlich zu tun pflegen: Heuristisch von links nach rechts, von oben nach unten drüber hinweg zu fliegen um es zu erfassen, zu verstehen (also zu beherrschen). Ich möchte Zeichen aber emanzipiert sehen. Daher lese ich gern alles, was mir zu experimenteller Poesie in die Hände kommt. Vor allem Anagramme und Palindrome. Zur Zeit gerne die Werke aus dem herausragenden Kleinstverlag englischsprachiger Poesie: Penteract Press.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wir verdünnen fortwährend unser Verstehen, damit es reichen soll, statt zu schreien nach der Wand einer gemeinsamen Not, hinter der das Unbegreifliche Zeit hat, sich zu sammeln und anzuspannen. – Aus: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, R.M. Rilke
Titus Meyer, Schriftsteller
Vielen Dank für das Interview, lieber Titus, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Titus Meyer, Schriftsteller
Zur Person _ Titus Meyer, *1986 in Berlin. Lebt als Autor ebendort. Zuletzt erschienen: Äonen o. Ä., etcetera press berlin, 2023. Beschäftigt sich in seiner Arbeit fortwährend und intensiv mit Anagrammen, Palindromen und zahlreichen anderen, mitunter selbst entwickelten, buchstabenzentrierten Verfahren. Bisweilen auch als Komponist experimenteller Musik tätig.