„Bachmann misstraut der Sprache, ohne sie preiszugeben“ Geburtstag Ingeborg Bachmann _ im Interview _ Romana Ganzoni, Schriftstellerin _ Celerina/CH 28.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Romana Ganzoni

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, um 1970

100. Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Liebe Romana, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein Zugang zu Bachmann ist in meiner Jugend und sehr leise entstanden, mit vierzehn, fünfzehn Jahren, ihre Texte waren wie ein Versteck für mich, und das hatte von Anfang an eine körperliche Komponente, ich zitterte im Versteck. Ihre Gedichte bringen mich bis heute zum Zittern, wie das bei manchen Worten, die ich fast nicht aussprechen kann, der Fall ist, manchmal bin ich den Tränen nah, ich muss leer schlucken, atme schneller.

Ihr Werk brachte die Art von Erkenntnis, die ich mir als junger Mensch erhofft hatte, es kam als wiederkehrendes Innehalten. Beim Lesen hatte und habe ich oft das Gefühl, dass ich langsamer und aufmerksamer werden muss. Als würde ihre Sprache mich bitten, nichts zu übergehen, auch mich selbst nicht.

Ich habe Bachmann nicht „verstanden“ im Sinne eines sicheren Besitzes. Ihre Texte bleiben widerständig. Vielleicht ist das mein Zugang. Dass ich mich ihnen nicht als erfahrene Leserin oder „Wisserin“ nähern kann, ich fühle mich jedes Mal neu ausgesetzt und gemeint und gleichzeitig weder angeklagt noch entlastet.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Es ist diese Zurückhaltung, die keine Ausweichbewegung ist. Bachmann drängt sich nicht auf, das hat sie nicht nötig, sie hebt die Stimme nicht, gerade deshalb ist sie so eindringlich. Ihre Sätze wirken bedacht, manchmal vorsichtig, fast tastend, zugleich wissen wir, hier ist nichts zufällig gesetzt.

Ich habe den Eindruck, dass sie der Sprache misstraut, ohne sie preiszugeben. Sie weiss, wie schnell Worte verletzen, beschönigen, verzerren können. Darum ist ihr Schreiben so konzentriert und genau.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Malina ist für mich ein Buch, zu dem ich immer wieder zurückkehre, ohne es mir anzueignen. Vielleicht, weil es weniger erzählt als freilegt. Weil es zeigt, was geschieht, wenn ein Bewusstsein keinen sicheren Ort findet.

Die Gedichte begleiten mich seit Jahrzehnten, und sie werden mich bis zuletzt begleiten. Sie sind eine Konstante für mich und Trost, weil ich bei der Lektüre immer wieder testen kann, ob ich noch „funktioniere“. Und, siehe da!, es gibt mich noch immer oder immer wieder in dieser nervösen Empfindung von einst.

Dies zu Gefühl, Haut und Knochen. Der Kopf ist beeindruckt, wie früh Bachmann gespürt hat, dass Zeit, Geschichte und persönliche Erfahrung nicht voneinander zu trennen sind.

Die Poetikvorlesungen lese ich wie eine Selbstvergewisserung. Schreiben als etwas, das Konsequenzen hat.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich lese sie nicht als zeitgebundene Kritik. Eher als sorgfältige Beschreibung von Strukturen, die sich fortsetzen, auch wenn sie ihre Gestalt wechseln. Bachmann interessiert sich nicht für Schuldzuweisungen, sondern für Mechanismen, dafür, wie Macht sich tarnt, wie Gewalt sich verkleidet, wie Sprache Normalität herstellt.

Das macht ihre Texte so gegenwärtig. Ausserdem erinnern sie uns daran, dass wir alle immer Teil dessen bleiben, was wir erkennen können.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ein verschattetes Wort, voller Tränen und Blut. Auch Pathos. Ich würde vielleicht, etwas nüchterner, sagen, dass wir bei Bachmann spüren, dass Schreiben für sie kein Schonraum war. Es war etwas, das sie sich nicht erspart hat.

Wenn sie von dieser „absonderlichen Art zu existieren“ spricht, sehe ich darin weniger Selbstbeschreibung als Feststellung. Schreiben als Zustand, der Einsamkeit nicht aufhebt, sondern sichtbar macht. Vielleicht liegt das Belastende nicht im Schreiben selbst, sondern darin, sich nicht abzuwenden.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte ihr nicht viel sagen wollen. Vielleicht nur, dass ihre Texte mich begleiten, ohne sich zu erschöpfen.

Ich hätte sie gern gefragt, ob sie manchmal gehofft hat, weniger genau sein zu müssen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Schreiben schreiben schreiben.

Herzlichen Dank für das Interview!

Der herzliche Dank gebührt Dir und Deiner Arbeit, lieber Walter.

Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Aktueller Roman von Romana Ganzoni: Magdalenas Sünde. Roman, Diogenes, 2022 ISBN 978-3-257-24656-8 https://romanaganzoni.ch/buecher/

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, Rom, um 1970.

Foto: Romana Ganzoni: Anna Positano

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„diese Spannung zwischen Kontrolle und Verletzbarkeit“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Joanna Godwin-Seidl, Regisseurin _ Wien 27.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Joanna Godwin-Seidl

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ Heinz Bachmann
 Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview & Performance _   Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien

Der weiteste Weg…Ingeborg Bachmanns erste Tage in Wien“ _
Joanna Godwin-Seidl _ performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz _ erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _

Ingeborg Bachmann kam hier 1946 in Wien in einer Untermietwohnung an. Später bezeichnet sie den Weg von ihrer Heimatstadt Klagenfurt nach Innsbruck, Graz und schließlich Wien als „längsten“ und beschreibt damit die Suche nach Beruf, Identität und Auseinandersetzung mit Geschichte und Herkunft. Diese Themen werden auch zur Mitte ihres Schreibens.

„Wo Deutschlands Himmel die Erde schwärzt,

sucht ein enthaupteter Engel ein Grab für den Hass

und reicht dir die Schüssel des Herzens…“

„Früher Mittag“ _ aus dem Gedichtband „Die gestundete Zeit“ Ingeborg Bachmann 1953

Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien _
performing Bachmann _ Originalschauplatz Wien


Liebe Joanna, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist weniger ein akademischer als ein existenzieller. Ich bin ihr Werk nicht systematisch „durchstudierend“ begegnet, sondern punktuell, fast wie man einem Menschen begegnet, der einen plötzlich sehr genau anschaut. Ihre Texte haben mich immer dort erreicht, wo Sprache brüchig wird und dennoch präzise bleibt – im Zwischenraum von Intimität, Gewalt, Liebe und Identität. Als Schauspielerin und Regisseurin interessiert mich besonders diese Spannung zwischen Kontrolle und Verletzbarkeit.

Der weiteste Weg…Ingeborg Bachmanns erste Tage in Wien“ _
Joanna Godwin-Seidl _ performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz _ erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,
 „
Der weiteste Weg…Ingeborg Bachmanns erste Tage in Wien“ _
Joanna Godwin-Seidl _ performi

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Bachmanns Schreiben ist für mich radikal ehrlich, ohne jemals platt zu sein. Sie benennt Gewalt nicht nur als gesellschaftliches Phänomen, sondern als etwas, das sich in Beziehungen, in Sprache, in Selbstbilder einschreibt. Diese Verbindung von politischem Denken und innerem Erleben macht ihr Werk so zeitlos – und zugleich unbequem. Sie zwingt uns, genau hinzusehen, auch dort, wo wir lieber ausweichen würden.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Mich beschäftigen vor allem die Texte, in denen private Beziehungen als Schauplatz gesellschaftlicher Machtverhältnisse sichtbar werden – etwa Malina oder die Erzählungen aus dem Todesarten-Zyklus. Dort wird deutlich, wie Liebe, Abhängigkeit und Gewalt ineinandergreifen. Das ist im Theater ein häufiges Thema.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich lese diese Aussage weniger als Angriff auf einzelne Männer, sondern als radikale Diagnose eines Systems. Bachmann beschreibt eine patriarchale Ordnung, die nicht nur Frauen zerstört, sondern auch Männer deformiert – emotional, sprachlich, menschlich. Erschreckend ist, wie aktuell diese Analyse geblieben ist. Die Formen haben sich verändert, aber die Mechanismen von Macht, Verdrängung und Gewalt sind nach wie vor wirksam.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ich glaube nicht, dass Kunst zwangsläufig Martyrium sein muss – aber sie ist fast immer mit einem Preis verbunden. Kunst verlangt Offenheit, Risiko, ein Sich-Aussetzen. Bei Bachmann spürt man, wie sehr Schreiben eine existentielle Notwendigkeit war, kein ästhetischer Luxus. Vielleicht liegt das „Verdammte“ weniger im Leiden selbst als in der Unmöglichkeit, sich dem nicht auszusetzen, wenn man einmal wirklich genau hinschaut.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte sie vermutlich nicht viel gefragt, sondern ihr zugehört. Vielleicht hätte ich ihr sagen wollen, wie sehr ihre Texte heute noch wirken – gerade auf Künstlerinnen, die sich mit familiären Konflikten, weiblicher Autonomie und den unsichtbaren Formen von Gewalt beschäftigen. Und ich hätte sie gefragt, ob sie sich vorstellen konnte, dass ihre Sprache einmal anderen Frauen helfen würde, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Der weiteste Weg…Ingeborg Bachmanns erste Tage in Wien“ _
Joanna Godwin-Seidl _ performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz _ erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Aktuell arbeite ich an einer englischsprachigen Produktion am Theater Drachengasse: My Old Lady von Israel Horovitz. Das Stück verhandelt familiäre Konflikte, die gesellschaftliche Position von Frauen und die Frage, wie sehr familiäre Beziehungen unser Leben prägen – mit all ihren Ambivalenzen aus Liebe und Gewalt, Nähe und Verletzung, Konflikt und auch Momenten von Freude.

Dabei ist das Stück zugleich von Tragik und feinem Humor durchzogen – eine Mischung aus Komödie und Tragödie, die diese Themen zugänglich und menschlich macht. Gerade diese Verflechtung von privatem Erleben und strukturellen Machtverhältnissen empfinde ich als sehr bachmannisch. My Old Lady ist ab 9. Februar am Theater Drachengasse zu sehen.

MY OLD LADY  by Israel Horovitz

Foto: Gernot Ottowitz

Stage Director: Joanna Godwin-Seidl

Starring: Bronwynn Mertz-Penzinger, Dave Moskin, Kathy Tanner

viennatheatreproject.com 

A production of vienna theatre project

9. – 21. Februar 2026, Di–Sa um 20 Uhr

Performance in English

Theater Drachengasse
Fleischmarkt 22, Eingang Drachengasse 2
1010 Wien

https://www.drachengasse.at/spielplan_detail.asp?id=1213

Herzlichen Dank für das Interview und die Performance!

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Foto:Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann, 1962

Fotos/Performance _ Walter Pobaschnig 12/25

Walter Pobaschnig   22.1.2026

https://literaturoutdoors.com

„Mut“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Joanna Godwin-Seidl, Regisseurin _ Text/Performance _ Wien 27.1.2026

Malina“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

MALINA“ _ Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text/Akrostichon MALINA & Performance: Joanna Godwin-Seidl

Performance: Originalschauplatz/Lebensort Ingeborg Bachmanns in Wien.

„Ich sitze alleine zu Hause und ziehe ein Blatt in die Maschine, tippe gedankenlos:

Der Tod wird kommen.“

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann 1971

Malina“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,
Malina“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Akrosticha

MALINA

Mut

Angst

Lustlosigkeit

Intuition

Nachtigall

Atemlosigkeit

Joanna Godwin-Seidl, 22.1.26

Malina“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

MALINA
Joanna Godwin-Seidl _ Akrostichon & Performance _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnigl

Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien

Aktuelle Produktion von Joanna Godwin-Seidl:

MY OLD LADY  by Israel Horovitz

Foto: Gernot Ottowitz

Stage Director: Joanna Godwin-Seidl

Starring: Bronwynn Mertz-Penzinger, Dave Moskin, Kathy Tanner

viennatheatreproject.com 

A production of vienna theatre project

9. – 21. Februar 2026, Di–Sa um 20 Uhr

Performance in English

Theater Drachengasse
Fleischmarkt 22, Eingang Drachengasse 2
1010 Wien

https://www.drachengasse.at/spielplan_detail.asp?id=1213

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Foto:Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann, 1962

Fotos/Performance _ Walter Pobaschnig 12/25

Walter Pobaschnig   22.1.2026

https://literaturoutdoors.com

„Ist“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _ Ingrid Walter/Jasmin Avissar _ Wien 26.1.2026

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

INGEBORG _ Akrostichon

Text _   Ingrid Walter, SchriftstellerinKulturjournalistin

Performance Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25, folgende.


INGEBORG

Ist

Nicht

Gestundet das

Erlebte dringt in

Bewusstseinsströme

Ohne Scheu und

Reimt

Gedichte

 Ingrid Walter, 7.1.2026

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25.

Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen ihrer Texte. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin. Mit Wien bleibt die später in Rom lebende Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina, den sie in Rom abschließt, spielt in Wien. Das „Ungargassenland“ im III.Wiener Gemeindebezirk ist dabei topographischer Bezugs- und Mittelpunkt. Ebenso nehmen viele Gedichte auf Wien Bezug.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

INGEBORG_ Akrostichon

Text _   Ingrid Walter, SchriftstellerinKulturjournalistin

Performance Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin

Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin 
Jasmin Avissar und Walter Pobaschnig am „Löwentor Ivans“ _ Romanschauplatz Malina/Wien _ 3/25.

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Ingrid Walter, Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig.

Fotos: Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _ 
Walter Pobaschnig 3/25.

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„Wachen Auges nahm Ingeborg Bachmann strukturelle Gewalt wahr“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Monika Vasik, Schriftstellerin _ Wien 26.1.2026

Monika Vasik _ Ingeborg Bachmann

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Monika Vasik, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Monika, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Ich habe während meiner Schulzeit nichts von der Schriftstellerin und ihrem Werk erfahren, weil wir ausschließlich Bücher männlicher Autoren vergangener Epochen durchnahmen, die meisten davon elendslangweilig. Die Literatur der Gegenwart blieb mit Ausnahme von Thomas Bernhards Kurzprosa unerwähnt. Erstmals gehört habe ich den Namen Bachmann 1973 in den Medien nach ihrem Tod in Rom. Ich begann, ihre Werke am Beginn meines Medizinstudiums zu entdecken, zunächst Prosaarbeiten, die mich begeisterten, später ihre Gedichte, die ich bis heute immer wieder gern zur Hand nehme.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Mich beeindruckt, dass sie in einer Zeit, die wenige erfolgreich publizierende Frauen kannte, konsequent ihren Weg als Schriftstellerin verfolgte und patriarchalen Zumutungen trotzte. Spannend an ihrem Werk finde ich, dass es sich nicht einfach weglesen lässt, sondern bei jedem Wiederlesen erneut mein Interesse weckt und am Köcheln hält, mich immer wieder stolpern, innehalten lässt, weil ich an Sätzen und Versen hängenbleibe, mich darin immer wieder ein- und festlesen mag. Manches hat sich mir bis heute auch nach wiederholter Lektüre nicht entschlüsselt, sondern behielt ein Geheimnis, weshalb ich damit noch immer nicht fertig bin.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ihre immer noch aktuell wirkenden Frankfurter Vorlesungen, in denen sie Probleme zeitgenössischer Literatur analysiert. Zum Einstieg in die Bachmann-Lektüre empfehle ich meist die Erzählungen, vor allem Das dreißigste Jahr, Drei Wege zum See und Undine geht gingen mir noch lang nach meiner Lektüre nah. Und ihre Gedichte, weil es guttut, sich lesend vom Weltenlärm und von sprachlicher Verrohung zu distanzieren, sich in achtsamere Sprachräume zu bewegen und dort zu verweilen.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ingeborg Bachmann war geprägt durch die Bestialitäten des Zweiten Weltkriegs und durch zerstörte Gesellschaften, die in der Nachkriegszeit wieder aufgebaut werden mussten. Wachen Auges nahm sie die strukturelle Gewalt, die Ausbeutung und Rechtlosigkeit von Frauen wahr, erlebte selbst patriarchale Denkweisen und Machtgefälle nicht nur in ihren Beziehungen zu Männern. Und sie thematisierte dies mit ihren künstlerischen Mitteln, nämlich mit ihrer Sprache. Heute leben wir in einer Zeit der Rückschritte, in der autoritäre Denkmuster wieder im Trend sind. Wir sehen das Zunehmen rechter Ideologien und des Nationalismus, die Wiedergeburt des starken Mannes, des Faustrechts, der Unterwerfung und des Raubrittertums. Nicht zuletzt greifen sprachliche Verrohung, Willkür und Manipulation um sich. Bücher werden verboten, Forschungsergebnisse negiert, vor allem aber steigt die Gewalt gegen Frauen und andere gesellschaftliche Gruppen, die abgewertet werden. Bachmanns Gesellschaftskritik hat daher leider nichts an Relevanz und Dringlichkeit verloren.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Hat Ingeborg Bachmann ihr Schreiben als Martyrium bezeichnet? Vor dem von Dir zitierten Satz hat sie in ihrer Rede jedenfalls gesagt: „ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe.“ Das klingt nach einem Aufgehen im Schreiben, einem Einssein mit sich selbst im Akte des Schreibens. Ein Martyrium, wenn man das Wort schon verwenden möchte, wäre dann allenfalls das Nicht-Schreiben, ein Herausfallen aus dem Schreiben und damit der Schritt ins Leben, in den Alltag und in Beziehungsgeflechte.

Ich kann mit dem Geschwätz, dass das Kunstschaffen ein Martyrium sei, nichts anfangen, weil es meist dazu dient, die Existenz als Schreibende sowie die eigenen sprachlichen Leistungen mythisch zu überhöhen. Man gibt sich den Auftrag zu schreiben doch aus freien Stücken. Bachmann wusste, dass „die Erfahrung die einzige Lehrmeisterin“ ist. Als Teenager habe ich zwei Sommer in der Telefonzentrale eines großen Betriebs gejobbt. Danach wusste ich, wie ich mein Leben nicht verbringen wollte: fremdbestimmt, angeschnauzt und missachtet. Sprachmächtigkeit ist etwas Wertvolles. Für mich ist mein literarisches Schreiben stets pure Notwendigkeit, Arbeit und Glück.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ob sie mit der Veröffentlichung ihrer privaten Briefkorrespondenz mit Paul Celan oder Max Frisch einverstanden gewesen wäre?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Mein nächster Lyrikband erscheint voraussichtlich im Herbst 2026. Ein weiterer Band mit politischen Gedichten ist im Entstehen. Und ich arbeite an einem Sachbuchprojekt, das den Brüchen im Leben Wiener Schriftsteller:innen durch den Nationalsozialismus nachspürt.

Herzlichen Dank für das Interview!

Monika Vasik, Schriftstellerin

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Foto:Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Foto: Portrait Monika Vasik: privat

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„Macht und Erinnerung verschränken sich“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Rotraut Schöberl/Malina Film _ Wien 25.1.2026

Isabelle Huppert als namenlose Schriftstellerin (alter ego von Ingeborg Bachmann) in „Malina“ , Regie: Werner Schroeter_DEU, AUT 1990,folgende _
„Malina“, Ingeborg Bachmann, Roman 1971.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _ Rotraut Schöberl, Schriftstellerin, Buchhändlerin _ Wien

Fotos: Malina _Film, 1990, stills.

Mathieu Carrière als „Malina“.
Can Togay als „Ivan“

MALINA

Macht und Erinnerung verschränken sich

Angst wohnt zwischen den Worten

Liebe spricht in Rätseln

Ich zerfalle an der Wirklichkeit

Niemals ist das Schweigen unschuldig

Am Ende bleibt das Verschwinden

Rotraut Schöberl, 10.1.2026

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

1990 verfilmte der deutsche Regisseur Werner Schroeter den Roman, teils an Originalschauplätzen in Wien.

Drehbuch: Elfriede Jelinek; Produktion Stefan & Thomas Kuchenreuther;

Isabelle Huppert: namenlose Schriftstellerein _ Mathieu Carrière: Malina _ Can Togay: Ivan _ Fritz Schediwy: Vater _ Isolde Barth: Mutter _ Libgart Schwarz: Fräulein Jellinek _ Peter Kern: Bulgare _ Wiebke Frost: Schwester _ Tomma Wember: Frau von Ivan

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _ Rotraut Schöberl, Schriftstellerin, Buchhändlerin _ Wien

Fotos: Malina _Film, 1991, stills.

Rotraut Schöberl, Schriftstellerin, Buchhändlerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann, Rom, 1962.

Foto: Rotraut Schöberl _  im Hof der evangelischen A.B. Lutherkirche _ Wien/Währing _ Sommer 2022_ Walter Pobaschnig.

Filmstills _ Malina, 1991.

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„Schreiben als die einzige Möglichkeit, Klarheit zu gewinnen“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Rotraut Schöberl, Schriftstellerin _ Wien 25.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Rotraut Schöberl

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, um 1970

Im Interview _ Rotraut Schöberl, Schriftstellerin, Buchhändlerin _ Wien

Liebe Rotraut, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Über Stimmung, Emotion und Sprache. Ihre Texte sprechen mich (immer noch) emotional an. Die Gedanken, die Fragen, die in den Zeilen mitschwingen, die Fragilität und die Verletzlichkeit der Menschen. Gleichzeitig fasziniert mich, wie sie Gesellschaft, Macht und Ungerechtigkeit reflektiert, ohne dass es belehrend wirkt. Ich kann mich in ihre Figuren hineinversetzen, aber auch ihre kritischen Beobachtungen auf die Welt um mich herum übertragen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Bachmanns Texte sind intensiv und genau. Ihre Sprache ist klar, poetisch, manchmal fast fragmentarisch, und doch spürt man jede Emotion. Sie verbindet persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher Kritik, und ihre Texte fordern einen heraus, genau hinzuschauen: auf sich selbst, auf andere, und auf die Welt.


Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ja, gerne:
Die gesamten Gedichte: Ich könnte mich nicht für einen Band entscheiden: ihre Lyrik berührt mich heute noch genauso wie beim ersten Lesen…

Simultan – nein, alle Kurzgeschichten; denn die sind für mich verdichtete Epen. 

Ganz besonders liebe ich: Die glücklichen Augen – hier fasziniert mich besonders, wie sie die Suche nach Nähe, Glück und Verständnis schildert, und wie man trotz aller Einsamkeit Würde bewahren kann. Und natürlich auch dass Groddeck hier kräftig durch die Zeilen blinzelt 😉

Malina – die Auseinandersetzung mit Liebe, Gewalt und Identität.


„Die Männer sind unheilbar krank…“ – Ingeborg Bachmann, Interview 1971. Wie siehst Du Bachmanns Gesellschaftskritik heute?

Ihre Kritik an patriarchalen Strukturen ist leider noch immer aktuell. Sie zeigt, wie Rollenbilder Menschen einengen und verletzen, Männer wie Frauen. Heute sehen wir, dass diese Mechanismen immer noch weiter wirken, manchmal subtiler, manchmal offener. Bachmann erinnert daran, dass Gesellschaft und Macht nicht nur äußere Strukturen sind, sondern tief in Beziehungen und Verhalten sitzen und dass man sich dessen bewusst sein muss.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren…“ – Ist Schreiben immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Bei Bachmann auf jeden Fall. Schreiben ist bei ihr eng verbunden mit Nachdenken, Hinterfragen, sich selbst beobachten. Es kann weh tun, es kann einsam machen, aber es ist auch die einzige Möglichkeit, Klarheit zu gewinnen:  über sich selbst und über die Welt. Für sie war Kunst ein Weg, das eigene Leben zu verstehen, auch wenn das bedeutet, sich selbst zu fordern oder zu quälen.


Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt oder gefragt?

Ich würde sie gerne fragen, wie sie die Balance fand zwischen der Härte der Realität, der eigenen Verletzlichkeit und dem Schreiben. 

Ob sie je Hoffnung gespürt hat, dass sich die Gesellschaft verändern wird, oder ob sie dachte, wir Menschen wiederholen immer wieder dieselben Fehler. Und ich würde ihr gerne sagen, wie stark mich ihre Texte bewegten. 


Was sind Deine aktuellen Projektpläne? 

Ganz unbachgmannhaft meinen Meidling ‘CosyCrime’ fertigstellen: Mit einer pensionierten Buchhändlerin mit kaputten Knie (und einer Leidenschaft für Schani Breitwieser, den Robin Hood von Meidling) als Protagonistin 😉

Herzlichen Dank für das Interview!

Rotraut Schöberl, Schriftstellerin, Buchhändlerin _ Wien

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Foto:Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Foto: Rotraut Schöberl _  im Hof der evangelischen A.B. Lutherkirche _ Wien/Währing _ Sommer 2022_ Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„Unbewusst greife ich“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _ Ingrid Walter/Jasmin Avissar _ Wien 25.1.2026

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text _   Ingrid Walter, SchriftstellerinKulturjournalistin

Performance Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin


UNDINE GEHT

Unbewusst greife ich

Notizbuch und Stift

Dichte

Ich

Nie zu

Ende

Ganz

Einfach scheint alles am

Hellen

Tag

 Ingrid Walter, 7.1.2026

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text _   Ingrid Walter, SchriftstellerinKulturjournalistin

Performance Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin

Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin 
Jasmin Avissar und Walter Pobaschnig am „Löwentor Ivans“ _ Romanschauplatz Malina/Wien _ 3/25.

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Ingrid Walter, Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig.

Fotos: Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _ 
Walter Pobaschnig 3/25.

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„Ich war nicht zu empfindlich“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _ Anja Knafl, Schriftstellerin _ Klagenfurt 24.1..2026

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
performing _ „Undine geht“ / Donau/Wien _
Walter Pobaschnig, 9/24, folgende.
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse der gemeinsamen Wohnung mit Max Frisch in Rom, 1962. Das Foto entstand kurz vor der traumatischen Trennung des Starpaares der Literatur _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Ingeborg _ Akrostichon

Text & Performance  _  Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

INGEBORG

Ich war nicht zu empfindlich.

Nur zu genau.

Gewalt beginnt lange vor dem Schlag.

Es reicht ein Satz, der falsch gesetzt wird.

Bleiben ist keine Tugend.

Offenheit ein Risiko.

Rettung gibt es nicht – nur Erkenntnis.

Geschrieben ist, was gesagt werden musste.

Anja Knafl5.1.2026

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
performing _ „Undine geht“ / Donau/Wien _
Walter Pobaschnig, 9/24, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Ingeborg _ Akrostichon

Text & Performance  _  Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Anja Knafl _ acting „Undin geht“ _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 9/24.

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„der Sog des „Ungargassenlandes““ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Ingrid Walter, Schriftstellerin _ Offenbach am Main 24.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Ingrid Walter

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Im Interview _  Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin

Liebe Ingrid, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich bin tatsächlich durch die MALINA-Verfilmung 1991 mit der großartigen Isabelle Huppert in der Hauptrolle stärker auf Ingeborg Bachmann aufmerksam geworden. Das Kinoplakat, auf dem die Huppert so lässig eine Kippe im Mundwinkel hält, war wie eine Initialzündung für mich. Der Titel rot unterlegt, prangte über den Kinoeingängen Frankfurts. Ich sah den Film im Olympia in der Weißfrauenstraße. Das Drehbuch stammt ja von Elfriede Jelinek. Sie war durch ihren 1889 erschienen Roman „Lust“ skandalumwittert in aller Munde. Ich hatte in dem Jahr mein Studium der Germanistik an der Goethe-Universität begonnen und es gab in der Nähe einen „Frauenbuchladen“, in dem ich das Buch liegen sah – und daneben eine Ausgabe von Malina, die ich zwar kaufte, aber erst später las – als der Film herauskam. Für mich waren das neben Anaïs Nin, Simone de Beauvoir und Marguerite Duras erste feministische Stimmen. In ihren Büchern schrieben diese Frauen offen über ihr Verlangen, ihr Liebesleben – aber auch über Gewalt, die ihnen angetan worden war und die ihnen das Leben antat. Bisher kannte ich so eine Art des Schreibens nur von Männern wie Henry Miller.

Die Sprache Bachmanns, die jedes Wort sorgsam zu kauen schien, bevor sie es ausspie, zog mich sofort in ihren Bann. Die Handlung trat gegen die Personen in den Hintergrund, wurde nebensächlich. Vielmehr war das Empfinden und das Denken der Protagonistin im alltäglichen Leben wichtig. Das bewunderte ich.

Denn ich selbst begann gerade zu schreiben und suchte meinen eigenen Ton.

Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig, f.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ich sah zuerst den Film MALINA und las danach das Buch, das schon eine Weile bei mir im Bücherregal gestanden hatte. Doch bereits die ersten Sätze zogen mich hinein in dieses „Ungargassenland“, entfalteten einen regelrechten Sog. Der tagebuchartige Stil, der nichts vormachte, keiner Form folgte und keine Handlung erfand, sprach mich ungeheuer an, faszinierte mich. Ich war damals überzeugt davon, dass das Leben selbst genug Handlung bietet, dass man gar nichts erfinden müsse. Auch heute noch schreibe ich nah am Leben. Damals arbeitete ich an meinem ersten Roman, den ich nie beendete, weil das Studium mich bald ganz forderte. Die Protagonistin Carol entstammte meiner eigenen Arbeitswelt, einer großen Werbeagentur. Sie wechselte von Frankfurt nach Budapest, lernte eine völlig andere Welt kennen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Bachmanns einziger Roman MALINA faszinierte mich gleich durch seine ungeformte Form. Ich las ihn immer mal wieder in unterschiedlichen Lebensphasen. Hin und wieder las ich nur hinein und fand mich sofort in diese graue zähle Stimmung, getragen von einem verzweifelten Sehnen hinein. Später las ich dann auch den Erzählband DAS DREISSIGSTE JAHR, weil das zu meinem eigenen Alter passte – und auch zu meinen wechselnden Gemütszuständen. Oft fand ich für mein eigenes Schreiben neben Studium und Job keinen Raum, fühlte mich schlecht und unnütz. Bereits Jahre zuvor war mir die Erzählung UNDINE GEHT begegnet, als wir uns auf dem Abendgymnasium mit der Gruppe 47 befassten. Wir sahen uns damals Aufnahmen der Lesungen an. Bachmanns klarer Vortrag, eine gewisse Tragik in der Stimme, der mir wie eine Anklage erschien, drang unvergesslich in mich ein. Auch Gedichte, wie „An die Sonne“ und „Exil“ sind mir von damals noch im Ohr. „Diese Worte, die ich halte, um mich als Haus…“ Eine Formulierung, die ich in meiner späteren Beschäftigung mit der deutschsprachigen Exilliteratur einige Male zitierte. Ich las Artikel von Sigrid Löffler, die sich mit Bachmanns Werk befassten, mit großem Interesse – und sah im TV regelmäßig „Das literarische Quartett“. Kurz, Bachmann und ihre Texte, ihre treffenden Bilder, tauchten in meiner literarischen Beschäftigung immer wieder auf.

Auch ihre Beziehung zu Italien sprach mich an, zumal ich selbst an der Uni  Italienisch lernte, formal als Lateinersatz, aber gleich mit viel Liebe und Sehnsucht. Ein Stipendium in Kalabrien 1990 tat ein Übriges dazu. Völlig verrückt fand ich Jahre später bei einer Recherchereise nach Rom heraus, dass ich eine Unterkunft in der Via Giulia, eine Dienstbotenwohnung im Palazzo Sacchetti gemietet hatte. Der Palazzo, in dem Bachmann gelebt hatte – wo sie bei jenem tragischen Brandunglück ums Leben kam und wo sich ihr chaotischer Nachlass fand. Aus dieser seltsamen Begegnung mit Bachmanns Leben und Tod möchte ich seit langem einen Text machen. Vielleicht schaffe ich das in diesem Jahr. Deshalb möchte ich mir unbedingt noch den Band „Senza Casa“ mit autobiografischen Skizzen besorgen, der 2024 erschienen ist. Ich erhoffe mir davon zusätzliche Inspiration.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Bachmann beleuchtete die zerstörerischen Aspekte einer patriarchalischen Welt und Sprache sowie die Rolle der Frau darin als eine der ersten, wobei ich viele ihrer Beobachtungen noch heute aktuell oder wieder aktuell finde. Rechte Ideologien sind europaweit auf dem Vormarsch, Gewalt gegen Frauen steigt stetig an, Sprache verroht zunehmend. Das sehen wir auch an den Shitstorms, denen Frauen auf Internetplattformen immer wieder ausgesetzt sind. Mit Befremden stelle ich dennoch eine rückläufige Entwicklung des Feminismus und einen wachsenden Antifeminismus in den Medien, auch unter Frauen, fest. Man denke nur auf den Trend des „Tradwife“ (Traditional Wife) auf Instagram. Aufklärung und Widerstand, wie von Bachmann gelebt und in ihrem Werk verewigt, erscheint als dauerhafte Aufgabe unserer Gesellschaft.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ja, das empfinde ich zuweilen ähnlich, jedenfalls ist das Schreiben auch eine Form der persönlichen Auseinandersetzung mit sich selbst – das kann manchmal sehr anstrengend und auch zermürbend sein. Zugleich ist es beglückend. Die eigenen Ansichten und Verhaltensweisen, aber auch die Möglichkeiten der Sprache im Schreiben immer wieder zu hinterfragen, zu prüfen und auszuloten, betrachte ich als meine wichtigste Aufgabe im Schreiben. Auch die Arbeit daran, sich immer wieder einen eigenen Schreibraum im Alltag zu schaffen, hört scheinbar nie auf – und weibliche Autoren treibt diese Aufgabe stärker um als die männlichen Kollegen. Denn Frauen erledigen immer noch einen größeren Teil der Care-Arbeit im Alltag.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Was war Italien für dich? Wie hat Italien dein Lebensgefühl und dein Schreiben geprägt? Was war Wien dagegen für dich? Das Ungargassenland. Warst du heimatlos? Fühltest du dich verloren? Welches Werk hättest du gern noch zu Ende gebracht?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich habe gerade ein Romanmanuskript abgeschlossen, in dem sich eine Frau in der Pandemie-Phase von einem narzisstisch veranlagten Mann trennt. Diese Neigung verstärkt sich während der Pandemie, treibt ihn rechtem Gedankengut zu. Sie bucht ein One-Way-Ticket nach Sizilien auf der Suche nach ihrem Ich, nach Begegnungen mit Gleichgesinnten und einem Ort für sich, einem Haus, in dem sie leben, schreiben und kulturelle Projekte verwirklichen kann.

Außerdem gibt es einen Gedichtband, der bei einem Verlag liegt, von dem ich hoffe, dass er ihn in diesem Jahr veröffentlicht. Darin geht es ebenfalls um das Reisen und um poetische Selbstvergewisserung.

Und ich arbeite an einem Erzählband von Kaffeehausgeschichten, die alle in Wien spielen. Alltagsgeschichten, die nur in der besonderen Atmosphäre des Wiener Kaffeehauses gedeihen können.

Herzlichen Dank für das Interview!

Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Ingrid Walter, Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com