Luisa Stachowiak, Regisseurin, Schauspielerin _ Wien
Zur Person _ Luisa Stachowiak wurde 1980 in Köln geboren.
Nach abgeschlossener Schauspielausbildung an der Folkwang Hochschule Essen/ Studiengang Schauspiel Bochum war sie 6 Jahre lang am Nationaltheater Mannheim als Ensemblemitglied und Gast tätig.
2013 zog sie nach Wien und gründete dort das Schauspielstudio Stachowiak.
Ihre letzten Inszenierungen waren „Was ihr Wollt“ (OFF Theater, Wien), „Frau Müller muss weg“ (Schikaneder, Wien), „Kunst“ (Theatertage Weissenbach) und „Der Tod und das Mädchen“ (Theater Arche, Wien), „Betrogen“ (Kunst im Prückel), „Lost Mythologies“, (Semmelweisklinik)
Werner Kofler, 1947 in Villach als Sohn eines Kaufmannes geboren und nach abgebrochener pädagogischer Ausbildung als Schriftsteller bis zu seinem Tod 2011 in Wien tätig, ist einer der herausragendsten Autoren deutschsprachiger Literatur und sein Werk eines der vielfältigsten.
Die Werkausgabe in fünf Bänden, deren Bände vier und fünf nun vorliegen, ist eine herausragende Leistung in Text und Kommentar der HerausgeberInnen Claudia Dürr und Wolfgang Straub wie des Sonderzahl Verlages in seiner Ermöglichung und Gestaltung.
Im Band 4 steht das umfangreiche Hörspielwerk im Mittelpunkt, welches seit den 1970er Jahren zu seinem literarischen Schwerpunkt an den Schnittstellen von Text und Hör-Inszenierungssetting zählt. Das Hörspiel erfordert ganz bestimmte Textebenen, die gleichsam unmittelbar im Hören das Bild und eine Erzählfolge, Kammerspiel vor Augen setzen und dieses intensiv miterleben lassen. Kofler hat dies besonders geschätzt, worauf die umfangreichen Konzeptionen schließen lassen, die auch gerade den besonderen Stil Koflers, in direkter Sprache, Satire ein Hörspiel Dramolette mitreißend tragisch wie brillant zu verfassen, markant ausdrücken. Kurz, knapp, treffend, wird Kritik auf den Punkt gebracht und gesellschaftliche Eitelkeiten werden schonungslos entlarvt. Der Literaturbetrieb selbst steht da auch immer wieder im Mittelpunkt. Etwa wenn Kofler im Hörspiel „In der Hauptstadt der Literatur“ die gnadenlose Jury einer Preisvergabe mit scharfem Witz und Kritik in ein Hörspiel setzt:
„Bürgel: Das Preisgericht!
…….
Erlanger:…wer solche Prosa schreibt, ist entweder ein Narr oder ein Kind oder ein gefährlicher Mensch!
Leichte Unruhe im Publikum.
Klamm (zu K.): Jetzt haben wir sie ganz schön zerzaust. Möchten Sie noch etwas sagen?
K: ….Ich sage nicht, dass es ein liederliches Verfahren ist, aber ich möchte ihnen diese Bezeichnung zur Selbsterkenntnis angeboten haben…“
Die Verweise auf den Klagenfurter Bachmannpreis der 1970er Jahre und die Erzählung „Der Prozess“ Franz Kafka sind Referenzen mit denen Kofler hier in unverkennbarer Art satirisch einmalig arbeitet und gesellschaftliche Verfasstheiten, Mechanismen und Zusammenhänge schonungslos offenlegt.
Im fünften Band wird das lyrische Werk vorgestellt, das die Anfänge seines Schreibens charakterisiert und mit dem der Schriftsteller, der 2008 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet wird, um 1970 bricht (wie Ingeborg Bachmann um 1960). Der Lyriker Kofler, noch weitestgehend unentdecktes literarisches Land, stellt sich dabei an den formalen Schnittstellen von reduzierter, gleichsam wie bei einer Zugsfahrt vorbeiziehender Ortsbezeichnungen, Bildkraft und Sprach-Experiment in inhaltlicher Auseinandersetzung mit Leben, Herkunft, Gesellschaft als starke, selbstbewusste poetische Stimme vor. Die Werkausgabe bietet auch hier in der ausgezeichneten Darstellung/Kommentierung eine wunderbare Grundlage für weitere Zugänge.
Notizen, Kurzprosa, dramatische Texte runden diesen Schlussband ab und geben überraschende wie spannende Einblicke in Textstudien, Inspirationen, Stellungnahmen, Eintragungen, welche die so hochwertige qualitative Fülle des Werkes des vielfach ausgezeichneten doch nach wie vor nicht so präsenten Schriftstellers, herausragend in Text und Kommentar vorstellen.
„Eine hervorragende Werkausgabe – Werner Kofler in jenem Licht, wie es sein sollte!“
Werner Kofler, Kommentierte Werkausgabe (Band 4 und 5). Hörspiele, Lyrik, Kurzprosa, dramatische Texte. Herausgegeben von Claudia Dürr, Herausgegeben von Wolfgang Straub. Sonderzahl Verlag.
Station bei Malina_ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Romanschauplatz Malina _ Ungargasse
Station bei Malina_ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Liebe Zarah Weiss, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte hier vertraut?
Gar nicht, in der Ungargasse bin ich zum ersten Mal! All meine Wiener Jahre habe ich bisher nur irgendwo an der U6 gewohnt. An meinem allerersten Abend in Wien war ich allerdings hier um die Ecke im Kino, das war ein besonderer Start in der Stadt.
Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?
Malina habe ich das erste Mal recht jung gelesen – ohne mich je mit Bachmann beschäftigt zu haben. Es hat mich gepackt, aber ich konnte nicht genau sagen, warum. Jetzt habe ich den Roman zum zweiten Mal gelesen, mit mehr Hintergrund. Gerade vor kurzem habe ich auch von Trottas Film über Bachmann und Max Frisch und Beckermanns Film über den Briefwechsel Bachmann – Celan im Kino gesehen. Bachmann war beim Lesen für mich unglaublich nahbar und ich habe viel mehr mitgenommen als beim ersten Mal. Das ist ein Buch, das sich immer wieder neu entdecken lässt.
Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?
Es ist ganz schräg, ich habe wirklich das Gefühl, als könnten Ivan oder die Erzählerin jederzeit um die Ecke kommen! Ich habe gelesen, dass Bachmann den Roman in Rom geschrieben hat, aber es kommt mir vor, als würde sie mit ihrer Schreibmaschine hinter einem dieser Fenster sitzen, so nah ist ihr Text.
Wie siehst Du den Aufbau und das Konzept des Romans?
Am Anfang nimmt die Erzählerin mich bei der Hand und zieht mich ins Buch. Ich gebe mich ihren Hoffnungen hin, spüre ihre Unruhe – bis alles zusammenbricht. Hier schaue ich dann plötzlich von außen auf das, was ich lese: Woran verzweifelt sie, woran verzweifeln wir heute? Der dritte Teil fragt mich dann ganz direkt: Wie kann oder soll ein Leben in dieser Welt möglich sein?
Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans?
Das Patriarchat, der Zweite Weltkrieg, Nationalsozialismus, die Rolle der Frau, Beziehungen, Identitätsfindung, das In-die-Welt-geworfen-sein, sich öffnen, sich selbst behaupten, Kommunikation, Schuld, Gewalt, Angst, Hoffnung
Aber vielleicht nenne ich beim nächsten Lesen wieder ganz andere Punkte. Ich glaube, dass dieser Roman sich jeder Person anders erschließt.
Wie ist die Beziehung zwischen Mann und Frau im Roman dargestellt und wie ist dies heute zu sehen?
Die Erzählerin wirft sich hoffnungsvoll in die Beziehung mit Ivan und wird von ihm doch immer wieder hingehalten, zurückgewiesen, enttäuscht. Die Vaterfigur im zweiten Teil ist für mich gleichzeitig auch Bild für die männliche Welt an sich. Die Erzählerin kann darin nicht überleben.
Bis heute hat sich etwas mehr getan auf dem Weg zur Gleichberechtigung, aber die gesellschaftlichen Voraussetzungen und Rollenbilder führen Frauen immer noch häufig in ein Abhängigkeitsverhältnis. Unterdrückung ist unsichtbarer geworden, aber immer noch da.
Wie beurteilst Du die Protagonisten Ivan, Malina, Ich-Person in Ihrem literarischen Kontext bzw. dem Kontext der Autorin und Ihrer Biographie?
Malina wird ja teilweise auch als Antwort auf Frischs Mein Name sei Gantenbein gelesen, das ich direkt nach der Lektüre angefangen habe.
Ich sehe das Buch aber ganz grundsätzlich als eine Antwort Bachmanns auf die Welt, in der sie lebte. Sie hat sich geweigert zu heiraten, den Konventionen zu unterwerfen und ist damit angeeckt, auch bei Frisch. Gleichzeitig waren ihre Beziehungen von so viel Unsicherheit geprägt, das zeigt sich für mich auch in Malina, und ich bin sehr dankbar für die Offenheit, mit der sie darüber schreibt.
Ich bin gespannt auf den Briefwechsel zwischen Bachmann und Frisch, der vor kurzem veröffentlicht wurde – und nachdem ich im Film Anja Plaschg und Laurence Rupp beim Lesen der Briefe von Bachmann und Celan zusehen durfte, steht Herzzeit auch ganz oben auf meiner Leseliste.
Wie siehst Du das literarische Konzept des dreistufigen Aufbaus des Romans?
Ich konnte durch die klare Unterteilung den Roman für mich klarer einordnen. Am Anfang direktes Eintauchen in die Verliebtheit, dann die fieberhaften Albtraumsequenzen, zuletzt die Krise. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass die drei Teile auch für sich allein stehen könnten und trotzdem noch wirken würden. In ihrer Gesamtheit aber entwickeln sie eine Wucht, die regelrecht erschlägt.
Welches Frauen- und Männerbild spricht Ingeborg Bachmann in Malina an und wie aktuell ist dies heute?
Es hat sich sicher einiges verändert, aber dass Bachmann die Zeit in Malina nicht genau einordnet, zeigt, wie zeitlos die Problematik ist. Stereotype und binäres Denken, Rollenbilder und Unterdrückung, toxische und manipulative Beziehungen gibt es heute noch genauso. Manches lässt sich klarer benennen, manches ist viel unsichtbarer geworden. Für ein aktuelles Projekt beschäftige ich mich gerade mit Femiziden. Die Zahl dieser Morde, die immer noch als Beziehungsproblem der „Anderen“ verharmlost werden, steigt rasant und zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Wir alle kennen Opfer (sexualisierter) Gewalt, Täter scheinbar nur wenige. Sehr gute Lektüre in diesem Zusammenhang ist Asha Hedayatis kürzlich erschienenes Buch „Die stille Gewalt“, das genau auseinandernimmt, wie gewaltvoll auch die staatlichen Strukturen sind und den Frauenhass fortsetzen. Es ist noch viel zu tun.
Welchen Einfluss hatte und hat der Roman auf die Entwicklung von Literatur, Kunst und Emanzipation und Gesellschaft?
Der Roman ist immer wieder neuinterpretiert worden, noch heute werden neue Lesarten entdeckt. Ich denke, dass ein gleichzeitig so unbestimmtes, so poetisches und so radikales Buch mit Nutzung all der Kommunikationsformen sehr einzigartig ist. Bachmann schafft es, gesellschaftliche und patriarchale Strukturen in einer Zeit zu kritisieren, in der diese teilweise nicht einmal klar benennbar waren. Gleichzeitig ordnet sie es absichtlich zeitlich nicht ein. Den zweiten Teil lese ich zunächst als Nachkriegsliteratur, aber er kann auch auf Probleme einer anderen Zeit übertragen werden. Malina ist ein Buch, auf das sich immer wieder zurückkommen lässt.
Wie siehst Du das Ende des Romans?
„Es war Mord“ – die Erzählerin stirbt, verschwindet in der Wand – eine Existenz in der patriarchalen Welt ist ihr unmöglich geworden. Die männlichen Figuren im Roman, in der Gesellschaft vernichten sie; Malina in ihr lebt weiter.
Gab es in Deinen Literatur-, Kunstprojekten Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?
Oft blicke ich auf die Texte zurück, die ich geschrieben habe, und sehe, dass sie sich im Grunde fast alle damit beschäftigen, was es bedeutet sich in einer patriarchalen Welt zu bewegen – manchmal direkt, oft als Unterton. Das sehe ich auch als großes Thema bei Ingeborg Bachmann.
Ich liebe außerdem ihre genauen Beobachtungen und ihre gleichzeitig klare und poetische Sprache – das ist etwas, das ich anstrebe – sie ist ein großes Vorbild für mich.
Du bist wie Ingeborg Bachmann als Schriftstellerin nach Wien gezogen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier als Künstlerin gemacht?
Durch Wien weht noch ein alter Geist. Wenn ich durch die Stadt spaziere, vorbei an verblichenen Schildern und Kaffeehäusern, überlege ich immer, was hier schon alles für Geschichten passiert sind, welche Menschen hier schon gelebt haben. Und parallel dazu ist die Stadt so modern und wandelbar, jeder Bezirk hat seine eigenen charakteristischen Ecken, so viele Menschen kommen zusammen. Ich habe das Gefühl, hinter jeder Ecke lauert eine neue Geschichte.
Wien kann aber auch so verschlossen sein. Feindselig, nationalistisch.
Gleichzeitig wird die Kultur, die Literatur hier sehr unterstützt. Es könnte noch viel mehr sein, aber gerade die Stadt Wien fördert Projekte, die gerade erst entstehen, und das ist extrem wertvoll.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
In diesem Jahr habe ich mich etwas von der Prosa wegbewegt und arbeite gerade parallel an einem Theaterstück und einem Drehbuch – letzteres wird im Rahmen der Drehbuchwerkstatt an der HFF München erarbeitet. Das Theaterstück verwebt eine Geschichte von heute mit einer unfassbaren Anekdote, die vor hundert Jahren geschah.
Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Oh ja! Ich würde mit ihr einen Verlängerten nach dem anderen in einem Kaffeehaus trinken und dann durch die Stadt spazieren – am Nachmittag vielleicht auch raus in die Weinberge. Ich hätte so viele Fragen!
Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?
M ann –
A ch
L iebes
I ch
N enne damit doch
A uch Dich, die Frau
Station bei Malina_ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Malina:
Liebe Sara Reichelt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich als Schriftstellerin/Künstlerin selbstständig arbeite, ist jeder Tag anders, was mir gut gefällt. Aber es gibt zwei Routinen: Ich starte den Tag mit Arabischlernen und ich ende den Tag mit dem Lesen in einem literarischen Buch.
Sara Reichelt, Schriftstellerin und Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich kann nicht für ALLE sprechen, nur für mich selbst. Auch das JETZT ist jeden Tag neu, je nachdem wie sich bestimmte politische Lagen – z.B. im Nahen Osten entwickeln. Für mich ist es derzeit wichtig, dass mein am 9.11. 2023 bei Periplaneta erscheinender, bzw. erschienener Roman „Gefährliche Mietschaft“ möglichst viele Leser*innen finden wird. Bin rund um die Uhr mit PR für dieses Buch beschäftigt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Da ich nicht weiß, welcher Aufbruch, welcher Neubeginn konkret gemeint ist, kann ich die Rolle der Literatur, der Kunst nicht bestimmen. Im Allgemeinen sehe ich weder Literatur noch Kunst als ein Vehikel der Politik, aber ein Schriftsteller/Künstler darf sich natürlich in der Rolle eines Intellektuellen über politische Themen äußern. Was ich für jeden Aufbruch/Neubeginn wesentlich finde: Mut, aber kein Wagemut, die Bereitschaft, auf Altes zu verzichten, um für Neus Raum zu schaffen und eine große Portion an gut reflektiertem Optimismus.
Was liest Du derzeit?
„Alle Tage“ von Terézia Mora, „The Guest“ von Emma Cline, „Die Selbstgerechten“ von Sahra Wagenknecht und DIE ZEIT (regelmäßig).
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Vielen Dank für das Interview, liebe Sara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sara Reichelt, Schriftstellerin und Künstlerin
Zur Person _Sara Reichelt lebt als Schriftstellerin und Künstlerin in Berlin. Sie interessiert sich für Menschen, Kultur(en), Sprache(n) und hat Uni-Abschlüsse in Psychologie, Judaistik und Vergleichender Religionswissenschaft.
Seit 1986 erscheinen literarische Texte von ihr in Literaturzeitschriften, Anthologien und als Bücher. Außerdem tritt sie auf Lesungen auf, bevorzugt im Kontext von zeitgenössischer Kunst und auf Lesebühnen.
Während ihrer Berufstätigkeiten als Beraterin und Dozentin und in der Immobilienbranche sind ihr viele Menschen begegnet. Die Verschmelzung dieser Erfahrungen floss in ihren neuen Roman «Gefährliche Mietschaft», der im November 2023 bei Periplaneta erschienen ist.
Aktuelle Bucherscheinung _ Sara Reichelt: „Gefährliche Mietschaft“. Roman. Periplaneta Verlag.
Berlin 2021. Rund um die Vermietung einer kernsanierten Altbauwohnung in Neukölln geraten zwei Frauen unterschiedlicher sozialer Herkunft in ein aufregendes Duell. Da ist die weltfremde, intellektuelle Katharina, die als Single im Zuge der Pandemiemaßnahmen immer mehr vereinsamt. Sie angelt sich mit ihrer Zu-Vermieten-Anzeige ausgerechnet Jennifer, eine selbstbewusste, gewitzte Betrügerin, die sich nicht nur in Katharinas Wohnung, sondern auch in deren Leben schleicht. Die beiden Protagonistinnen in diesem Kammerspiel entsprechen nicht immer dem Klischee, welches die jeweils andere im Kopf hat. Die Eigentümerin ist nämlich weder reich noch skrupellos und die Mietnomadin alles andere als dumm oder unkultiviert.
sara reichelt präsentiert uns – konsequent in tagebuchähnlichen Perspektiven – zwei unterschiedliche Persönlichkeiten und tiefe Einblicke in deren soziale Gefüge, Wünsche, Sorgen und Nöte.
Sara Reichelt: „Gefährliche Mietschaft“. Roman. Periplaneta Verlag.
Softcover, Klappenbroschur, 224 Seiten/ 20,6 x 13,5 cm, GLP: 15,00 € (D)
Liebe Christa Nebenführ, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Leider ist dieser seit dem Auszug der Kinder vor ein paar Jahren ein ziemliches Kuddelmuddel. Wenn ich an einem konkreten Manuskript mit Abgabetermin dran bin, dann setze ich mich gleich nach dem Frühstück an den Computer und bleibe so lange dran, wie ich es aushalte. Dazwischen gibt es Schlaf- und Esspausen.
Ansonsten ist der Ablauf ungefähr. Frühstück, Mittag- und Abendessen und dazwischen mal Administration, mal Haushalt, mal ins Grüne, mal Recherche, mal Lesen, mal Notizen machen, mal zum Arzt oder zum Brillenkauf usw.
Derzeit versuche ich, Unterlagen und Bücher zu sortieren und die – nach dem Tod der Eltern und dem Auszug der Kinder – vollgeräumte Wohnung umzuschlichten, um Schlaf- und Arbeitsbereich zu trennen.
Christa Nebenführ, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass Menschen nicht als Kostenfaktor berechnet werden, sondern allen das Recht auf ein sinnerfülltes Leben zugestanden wird. Natürlich auch, dass demokratische Verfassungen und Redefreiheit (journalistisch und persönlich) weltweit als hohes Gut erhalten bzw. erkämpft werden können.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Eine nahezu unlösbare Frage! Denn wie der Neubeginn oder Aufbruch ausfallen wird, ist ungewiss. Vielleicht brennen wieder Bücher … Was ist überhaupt Literatur?
Mit den aufkommenden Triggerwarnungen und Korrekturen verstörender Passagen wird Literatur politisch vereinnahmt und ihrer Möglichkeiten beraubt, Grenzen, die uns das reale Leben auferlegt, zu überschreiten.
Ich vermute, dass Literatur nicht mehr, aber auch nicht weniger vermag, als zu trösten. Mich jedenfalls.
Was liest Du derzeit?
„Bitternis“ der polnischen Schriftstellerin Joanna Bator.
Ein über 800 Seiten langes Buch über die Geschichte der Frauen von 4 Generationen. Die Stärke des Buches liegt in der – offenbar grandios übersetzten – präzisen Sprache, den sparsamen, aber umso stimmigeren Metaphern, den unscheinbaren Details, die immer wieder aufgenommen werden, den teils absurden oder skurril anmutenden Episoden und dem, trotz all dieser Kunst packenden Spannungsbogen. Ich teile an und für sich Marcel Reich-Ranickis Diktum, dass Romane mit rund 400 Seiten ihr Auslangen finden sollten, muss aber einbekennen, dass es Ausnahmen gibt wie dieses Buch. Eine kleine Beobachtung mag die elegant erzeugte Spannung wiedergeben: Am Ende eines bizarr-sadistischen Rituals des Vaters gegenüber seiner Tochter Berta liest man: <Im Sommer 1938 tat sie dies alles zum letzten Mal, dann zog sie ihr Kleid wieder an und ging das Abendessen machen.> Es wurde in der sehr langen Beschreibung davor nie drauf hingewiesen, dass sie ihr Kleid ausgezogen hatte oder hatte ausziehen müssen. In dieser lapidaren Erklärung zum Schluss steigert sich das ganze Ausmaß der Grausamkeit nahezu beiläufig.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
<Mit der Vorstellung von Mord verbindet sich oft der Gedanke an Meer und Matrosen.> Jean Genet: Querelle. Anfangssatz.
Christa Nebenführ, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Christa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Christa Nebenführ, Schriftstellerin
Zur Person _ Christa Nebenführ
1960 geb. in Wien, verheiratet, 2 Töchter (geb. 1998 und 2000)
1980-84 Schauspielerin in der BRD,
1985 Hospitanz bei George Tabori an den Münchner Kammerspielen
seit 1986 Autorin;
Mag. phil. (Sponsion 1996 bei Prof. Rudolf Burger; Auszeichnung; Kulturphil./Erkenntnisth.)
1997 Research Associate, Philosophy Department, SUNY at Stony Brook/USA
1993 – 2004 Kurier-Kolumne
Seit 2001 Features, Rezensionen, Essays für Ö1, Presse, Standard, Buchkultur, Wienerin.
2002 Ausbildung zur Erwachsenentrainerin (Train the Trainer)
Lehrtätigkeit (BÖS – Lehrgang für Schreibpädagogik, Werkstätte Kunstberufe, VHS)
Moderation diverser Kulturevents
Veranstaltungsdurchführung, u. a. 2003 – 2018 jährlich die Sommerlesereihe im Café Prückel
Mitglied der IG Autoren, Vorstandsmitglied des Literaturkreises Podium und der GAV.
Preise und Auszeichnungen
1993 Preis der Arbeiterkammer Kärnten für Literatur der Arbeit
1996 Förderungspreis des Theodor Körner Fonds
2007 und 2012 Werkstipendien der LVG
2021 Jahresstipendium für Literatur Stadt Wien
Einzelpublikationen:
1994
„Liebe ist die Antwort, aber was war die Frage?“ (Hrsg.) Wr. Frauenverlag
1995
„Erst bin ich laut…“ Gedichte, Verlag Grasl, BadVöslau
1997
„Inzwischen der Zeit“ Gedichte, Verlag Deuticke, Wien
1997
„Sexualität zwischen Liebe und Gewalt.“ Milena Verlag, Reihe Wissenschaft
1998
„Die Möse. Frauen über ihr Geschlecht.“ Promedia Verlag, Wien
2006
„Blutsbrüderinnen“, Roman, Milena Verlag Wien
2013
Podium Länderheft mit kroatischer Gegenwartsliteratur (Hrsg.)
2020
Podium Porträt Christa Nebenführ mit 49 Gedichten
2023
„Den König spielen die anderen“, Roman, Klever Verlag Wien
Ende der 1960er Jahre wird in Birmingham/GB vom Gitarristen Tony Iommi, dem drummer Bill Ward, dem Bassisten Geezer Butler and dem Sänger Ozzy Osbourne eine Band gegründet, welche die moderne Rockmusik wesentlich in einem neuen Genre „heavy metal“ akzentuiert und zu einer der erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte mit Millionen Schallplattenverkäufen, mitreißenden legendären Konzerten und vielfältigen Inspirationen bis in die Gegenwart wird.
Ihr 1970 erschienenes Album PARANOID, das im Studio in 12 Stunden eingespielt wird, gilt als Meilenstein und Impulsgeber der Metal-Musikszene bis in die Gegenwart. Die Folgejahre sind geprägt von rauschenden Erfolgen wie Umgruppierungen in der Band, die schließlich wieder Anfang der 2000er Jahren in der Originalbesetzung zusammenfand (ohne drummer Bill Ward) und am 4.Februar 2017 ihr Abschiedskonzert in ihrer Heimatstadt Birmingham gab.
Neben ihrem stilprägenden musikalischen Erbe sind es auch die Erlebnisse, Erfahrungen auf und abseits der Bühne, die „Black Sabbath“ zu einer Legende formten.
Nun legt Bassist Geezer Butler seine Erinnerungen vor und es ist ein Feuerwerk an außergewöhnlichen Situationen, Begegnungen, Inspirationen an persönlichen Stationen einer Musikerkarriere. Geezer Butler, der neben seinem explosiven Bassspiel auch die Songtexte schrieb, ist ein hervorragender Erzähler, der einen Strauß von Anekdoten in die große Erzählung einer einmaligen Bandgeschichte zu weben weiß und damit Musikfans wie weit darüber hinaus Interessierte zu begeistern weiß. Es geht um Träume, Leben, Hoffnungen, Enttäuschungen und den besonderen Gitarrenriff, der alles verändern kann.
„Mitreißende Erinnerungen eines „masterminds“ von Black Sabbath. Ein Musikereignis der Sonderklasse!“
Greezer Butler _ Credit Ross Halfin
Geezer Butler war Bassist von Black Sabbath und für den überwiegenden Teil der Texte verantwortlich. Der mittlerweile in Utah und Warwickshire lebende Musiker hat sich auf den meisten Veröffentlichungen der Gruppe verewigt und darüber hinaus Soloalben, Werke mit Ozzy Osbourne und Heaven & Hell eingespielt. Er wird von fast allen Hardrock-/Metal-Musikern als wichtigster Einfluss zitiert.
Geezer Butler
INTO THE VOID
Mein bizarres Leben vor, während und nach Black Sabbath
Übersetzung: Andreas Schiffmann
Broschur, 21 x 14 cm
288 Seiten, mit 8 Seiten Bilderstrecke mit privaten Fotos
Plötzlich scheinen sich viele nur mehr für sich selbst zu interessieren.
Einfach die Erde links liegen lassen, denn man ist ja in seiner eigenen Welt.
Auf den Straßen unten schlachten sie sich gegenseitig ab.
Chaos – Menschen gegen Menschen
Es ist doch alles dasselbe. Mensch.
Aber wie geht es jetzt weiter?
Chancen, dass wir das alles schaffen, malen sich die wenigsten aus.
Haben die denn überhaupt keine Fantasie?
Anfangs ist es mir auch schwer gefallen.
Nur, wenn wir die Waffen niederlegen, erkennen, dass wir das Problem auch gemeinsam angehen können.
Chorischen Gesängen der Beatles lauschen, die es uns vor einem halben Jahrhundert schon gesagt haben.
Eigentlich könnten wir dem Frieden wirklich mal eine Chance geben.
Max Melo, 5.11.2023
Max Melo, Schauspieler _ Wien
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Max Melo, Schauspieler _ Wien
Zur Person _ Mein Name ist Max Melo, ich bin 18 Jahre alt und wohne in Wien. Ich spiele seit einigen Jahren Theater und habe am BORG Hegelgasse 12, 1010 Wien im Ausbildungsschwerpunkt Vokal, Polyästhetik und Musik maturiert.
Momentan arbeite ich als Zivildiener im Kindergarten, nebenbei schreibe ich sehr gerne Texte, singe und spiele Klavier.
Aktuelle Produktion mit Max Melo _ TheaterArche Wien:
„NICHTS Was im Leben Wichtig ist“ von Janne Teller
Premiere: 17. November 2023
Weitere Vorstellungen: 18., 25. und 27. November, 7., 8. und 9. Dezember
jeweils um 19:30
Regie: Jakub Kavin
Choreographie: Carola von Herder
Mit: Livia Andrä, Elizabeth Dorner, Kieran Foglar-Deinhardstein, Theresa Gerstbach, Viktoria Ginzel, Lena Hergolitsch, Adria Just-Font, Jakob Köllesberger, Max Melo
Ticketpreise 24€ | 18€* | 14€ *
* Ermäßigung: Student*innen, Senior*innen und Ö1-Club/Ö1-intro Mitglieder, IGFT-Mitglieder
Gruppenticket ab 10 Personen möglich
* Ermäßigung: Student*innen, Senior*innen und Ö1-Club/Ö1-intro Mitglieder. Gruppenticket ab 10 Personen möglich
Theater Arche: Die TheaterArche ist ein offenes Theater als Spiegelbild einer offenen Gesellschaft, ein Theater das den raschen gesellschaftlichen Wandel im Wien des 21. Jahrhunderts widerspiegelt. Die TheaterArche versteht sich als unabhängige Plattform zur Künstlervernetzung und Kunstproduktion, über alle gesellschaftlichen und kulturellen Gräben hinweg.
Das Publikum betritt eine offene Bühne und ist mittendrin in der Welt des Sehens und Gesehen-Werdens. Die Präsenz des Bildes bestimmt. Die Gegenwart und Herkunft. Dahinter und mittendrin die Tragödie. Damals und heute. Das rasante Roadmovie des Lebens und des Todes. Die Jagd nach Liebe, Aufmerksamkeit, Verrat und Rache. Erbarmungslos. Wer kann da entrinnen? Wer ist frei? Und was ist der Mensch eigentlich (noch und immer schon)?
Das Spiel um Leben und Tod beginnt…
Die neueste Mash-up des Wiener bernhard.ensemble verbindet die klassische griechische Tragödie „Medea“ (Euripides) mit dem Oliver Stone Roadmovie „Natural Born Killers“ (1984). Und dieser neuerliche Kunstgriff gelingt genial!
Es ist gleichsam ein „goldenes Vlies“ von Ensemble, Regie, Choreographie, Musik, Kostüm- und Bühnenbild, das wie im griechischen Mythos in spielerischer Leichtigkeit, sprachlicher Virtuosität, Witz und kritischer gesellschaftspolitischer Referenz die herausfordernden Klassiker der antiken Theater- wie modernen Filmgeschichte miteinander mixt und Leben, Liebe und Gesellschaft humorvoll und hintergründig auf die „Widderhörner“ nimmt und das Publikum begeistert.
Ein meisterhafter dramaturgischer Rhythmuswechsel, der in wunderbar textlicher, choreographischer und interaktiver Ensembleleistung das Publikum einlädt den Kristallisationspunkten von „Medea“ und „Natural Born Killers“ zu folgen und diese in der Gegenwart in den Fragen nach Menschsein und Liebe, Freiheit und Gesellschaft, Strafe und Rache, Krieg und Frieden ankommen zu lassen. Das ist sehr mutig und es gelingt! In einer knapp zweistündigen tour de force voll einmaligem Theateresprit geht das Publikum mit auf eine Reise zu Grund und Abgrund des Menschseins und belohnt mit langanhaltendem Applaus einen ganz besonderen Theaterabend!
„Ein Theaterabend, der volles Risiko nimmt und alles gewinnt!“
Regie / Konzept: Ernst Kurt Weigel
Bühne / Kostüme: Julia Trybula
Choreografie: Leonie Wahl
Soundscape: Bernhard Fleischmann
Performance: Yvonne Brandstetter, Rina Juniku, Anja Struc, Jula Zangger, Matthias Böhm, Kajetan Dick, Andrzej Jaslikowski
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Liebe Zeynep Alan, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte hier vertraut?
Meine Kindheitsfreundin ist hier aufgewachsen in der Ungargasse Ecke Rochusgasse. Also ja, ich war vor allem als Kind viel hier.
Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?
Die Liebe zum Leben oder wohl eher die Hingabe in Leidenschaft, um das Leben zu spüren, in all ihrer Schönheit, wie auch Dunkelheit. In all ihren Facetten. Diese Ambivalenz.
Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?
Fast so wie ein Zeitsprung. Plötzlich war alles menschenleer und ruhig als gäbe es nur uns und die Ungargasse. Alle Türen standen sperrangelweit offen, als hätte uns jemand erwartet.
Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans?
Wie ist die Beziehung zwischen Mann und Frau im Roman dargestellt und wie ist dies heute zu sehen?
Es geht um Verbindlichkeiten und Abhängigkeiten von Menschen zueinander. Um das Leben zu wollen, und daran zu Scheitern, das Anderssein oder Anderssein denken oder um Machtverhältnisse in der Gesellschaft. Ich weiß nicht, ob sich da wirklich viel verändert hat, oder ob wir an einer Oberfläche nagen, da sich mit der Zeit natürlich das Sujet verändert.
Wie siehst Du das literarische Konzept des dreistufigen Aufbaus des Romans?
Liebe wie Geburt
Erwachsenwerden und mit den dunklen Seiten des „Menschsseins“ versuchen klar zukommen
Die Entscheidung, es nicht zu akzeptieren und das Verschwinden wählen als Er-/Lösung
Wie siehst Du das Ende des Romans?
Ich vergesse meistens immer das Ende von Romanen. Dieses Ende habe ich nie vergessen. Dieses Bild des Verschwindens durch einen Spalt in der Wand.
Gab es in Deinen Schauspiel-, Kunstprojekten Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?
Nein. Leider noch nie. Aber was noch nicht war, kann ja noch werden.
Wie war Dein Weg zum Schauspiel?
Zufällig aber doch ersehnt, ohne zu Wissen hatte ich gefunden, was mir gefehlt hat. Ein bisschen wie ein fehlendes Puzzlestück, was nach Jahren irgendwo plötzlich auftaucht.
Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Ein lauer Sommerabend, schlendernd in irgendwelchen Seitengassen mit Pflastersteinen mitten in Wien. Mit ein paar Flaschen guten Wein und viel Zigaretten.
Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?
Morgen wird erhellen
Alles die Sonne und
Leben wecken
In allem
Nur ich bleibe hier in meinem
All zu kleinen Spalt, noch unentdeckt
Herzlichen Dank!
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
im Interview und szenischem Fotoportrait_acting Malina:
Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _
Lieber Benedikt Steiner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich versuche, eine Morgenroutine aus Atemübungen, Yoga und Meditation einzuhalten, zur entspannten Ausrichtung. Ohne die verrutscht vieles. Dann Theaterproben, vormittags und abends, oder Vorstellungen am Abend. Dazwischen befasse ich mich mit eigenen künstlerischen Projekten, lerne Text, lese, gehe raus in die Natur, probiere dran zu bleiben an den Menschen und Dingen, die mir wichtig sind.
Benedikt Steiner, Schauspieler _ in „Die Milchfrau (make make)“ _Kosmos Theater Wien 10 2023
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Der Versuch, liebevoll zu sein, vielleicht zuallererst mit sich selbst. Aber auch, die Wut in das Neue zu lenken, in ein Miteinander, in neue Erzählungen und Seinsformen, die alte Ordnungen zerbröseln lassen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, es gab nie was anderes als den dauernden Aufbruch und Neubeginn. Alles, was sich verhärtet und fixiert bleiben will, wird abgetragen, auch wenn es sich noch einmal panisch aufbläht. Das wird dann persönlich und gesellschaftlich dasselbe- diese Gewalt, dieser Hass, dieses Patriarchat, dieser Kapitalismus, diese Dualität, diese trennenden und ausgrenzenden, unterdrückenden, ausbeuterischen Dinge- was davon ist schon so eingebrannt, was wurde uns erzählt, was müssen wir mühsam überschreiben und durchschütteln – die Kunst kann da Mittler sein, kann neue Narrative und Räume entwerfen, sichtbar machen, aufdecken, hinterfragen, aufarbeiten, Verbindungen herstellen, Bewusstsein erweitern.
Benedikt Steiner, Schauspieler _ in Smoqua festival for queer and feminist culture, Rijeka, 10/23
Was liest Du derzeit?
Virginie Despentes – King Kong Theorie und Paul B. Preciado – Ein Apartment auf dem Uranus
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Vielleicht einen Haiku:
Der alte Teich.
Ein Frosch springt hinein-
das Geräusch des Wassers. (Basho)
Benedikt Steiner, Schauspieler
Vielen Dank für das Interview, lieber Benedikt viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Benedikt Steiner, Schauspieler
Zur Person _Benedikt Steiner, aus Tirol, hat an der Kunstuni Graz Schauspiel studiert und ist derzeit am Landestheater Linz in Fixengagement. Mit der Gruppe „Kulturverein Spätschicht“ kreiert er eigene Projekte, wie zuletzt das Auftragswerk „Die Irrfahrt der MS. Florentine“ für das Shäxpir Festival in Linz, bei dem er Regie führte. Zuletzt war Benedikt in „Die Milchfrau“ (make make) im Kosmos Theater zu sehen.
Fotos_ 1 Apollonia T. Bitzan; 2 @tanjazir; 3 georgi sarkezi.