„Ich habe acht Menschen getötet.“ Dieser Satz taucht jetzt immer wieder in seinen Gedanken auf. Jetzt. Hier. Auf der Insel. Wo er von Yoko zu John geworden ist und hofft alles hinter sich gelassen zu haben…
Jetzt arbeitet er in der Taverne bei Elena und ihrem Sohn Stavros. Hat Yoko im Meer verankert, so hofft er. Doch das Meer ruht nicht, ist in Bewegung und die Ketten reißen, Wellen schlagen an das Land…zu John und zu Yoko…
Die Ruhe, der Frieden war nur geborgt und jetzt kommt alles zurück aus der blutigen Vergangenheit…nichts ist vergessen…
Bestsellerautor Bernhard Aichner legt mit dem Thriller „John“ ein weiteres Meistwerk vor, das von der ersten Zeile an in den Bann zieht und gespannt der abgründigen Geschichte von Yoko/John folgen lässt. Ein Feuerwerk eines modernen Thrillers, der in der Erzähltrias speed-suspense-surprise Spitzenklasse bietet.
Lieber Thomas Girbl, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Seit ich meine Galerie in der Künstlerstadt Gmünd betreibe, beginnt mein Tag mit einer Fahrt vom Faaker See dorthin – rund 45 Minuten durch Landschaften, die mir wie ein stiller Übergang erscheinen. Im Auto höre ich Podcasts, lasse Gedanken kreisen, finde Ruhe vor dem Kunstbetrieb.
Um 10 Uhr öffne ich die Galerie. Ich lasse Menschen eintreten, die in der warmen Sommerzeit wortwörtlich in Kunst baden – sie kommen aus Neugier, manche aus tiefer Sehnsucht, und so entstehen Gespräche, die berühren und nachwirken.
Neben dem täglichen Galeriegeschehen arbeite ich an kommenden Projekten – darunter eine Ausstellung in Tirol, bei der auch eine Live-Performance stattfinden wird. Es geht immer weiter, auch wenn Feuer und Asche oft den Moment still erscheinen lassen.
Am Abend, wenn die Lichter in Gmünd verlöschen, fahre ich zurück. Und oft springe ich dann selbst ins Wasser – in den Millstätter See oder den Faaker See. Als würde das Wasser aufnehmen, was das Feuer zurückgelassen hat.
Thomas Girbl, Künstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ehrlichkeit. Und eine neue Tiefe im Zuhören. In einer Welt voller Ablenkungen und Masken sehnen wir uns nach etwas Echtem. Nach Nähe, nach Stille, nach Dingen, die bleiben. Die Kunst kann das geben – wenn wir uns trauen, nicht nur zu schauen, sondern wirklich zu empfinden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Ich lese gerade „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt – eine ehrliche, rohe Erzählung über Kindheit und Armut, die tief unter die Haut geht. Daneben begleiten mich Texte von Jean Genet, Hannah Arendt und Notizen aus eigenen Skizzenbüchern. Worte, die leise nachhallen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Aus der Asche kann auch Schönheit wachsen.“
Ein Satz aus meinem eigenen Schaffen – aber einer, der mir bleibt. Weil er Hoffnung birgt. Weil er Wandel zulässt. Weil er sagt: Zerstörung ist nicht das Ende. Es ist ein möglicher Anfang.
Vielen Dank für das Interview, lieber Thomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
Vielen Dank, lieber Walter, für Deine Fragen – und für Deinen Raum, in dem Worte atmen dürfen.
Herzlich, Thomas Girbl
5 Fragen an Künstler*innen:Thomas Girbl, Künstler
Zur Person/über mich:Thomas Girbl _ Burning Pictures.
Seit einem Vierteljahrhundert brennt das Feuer von Burningpictures– einer Kunstform, die aus Zerstörung Schöpfung macht. Thomas Girbl, geboren 1970 in Salzburg, begann seine künstlerische Laufbahn an der HTBLA in Ferlach, wo er sich auf Prägestöcke für Münzen und Medaillen sowie den Stahlstich spezialisierte. Diese präzise Handwerkskunst führte ihn durch Österreich und Deutschland, doch sein künstlerischer Weg sollte eine unerwartete Wendung nehmen. 1997/98 in Australien wurde das Feuer zur treibenden Kraft seiner Kunst. Die unbändige Energie der Buschfeuer– zerstörerisch und zugleich faszinierend– ließ ihn das Element nicht mehr als Gefahr, sondern als schöpferische Kraft begreifen. So entstand Burningpictures, eine revolutionäre Technik, die das Feuer selbst als Medium nutzt und eine unverwechselbare Ästhetik aus Brandspuren und verkohlten Strukturen erschafft.
Seit 1998 arbeitet Girbl als freischaffender Künstler am Faaker See, wo er seine Technik unermüdlich weiterentwickelt. 25 Jahre Burningpictures stehen für ein Vierteljahrhundert Innovation, Leidenschaft und Transformation– von der präzisen Gravur zur expressiven Malerei mit Flammen.
„Feuer zerstört, aber es erschafft auch– meine Kunst ist ein Dialog mit den Flammen.“
2025 Künstlerstadt Gmünd 2. Mai bis 30.Oktober Art Fair Innsbruck 24. Bis 26. Oktober Ausstellung im Das Kronthaler am Achensee mit Live-Performance Ausstellungszeitraum: 1. November 2025 bis 31.Jänner 2026 Erleben Sie die faszinierende Kunst von Thomas Girbl live im Das Kronthaler. Die Ausstellung wird durch eine eindrucksvolle Live-Performances ergänzt, bei denen der Künstler seine einzigartigen Burningpictures vor den Augen der Besucher entstehen lässt. Ein Erlebnis, das Sie nicht verpassen sollten!
2024 Galerie Burningpictures Künstlerstadt Gmünd, Hauptplatz 19 TrendSet Fine Arts, München
2023 Schloss Grafenegg, Niederösterreich WohnenInterieur, Wien Kunstreise nach Uruguay Während einer inspirierenden Kunstreise nach Uruguay hatte ich die besondere Gelegenheit, den renommierten Bildhauer Pablo Atchugarry in seinem Atelier bei der Fundación Pablo Atchugarry kennenzulernen. Diese Begegnung und die Eindrücke vor Ort bereicherten mein künstlerisches Schaffen und verstärkten die internationale Ausrichtung meiner Arbeit.
Seit einem Vierteljahrhundert brennt das Feuer von Burningpictures– einer Kunstform, die aus Zerstörung Schöpfung macht. Thomas Girbl, geboren 1970 in Salzburg, begann seine künstlerische Laufbahn an der HTBLA in Ferlach, wo er sich auf Prägestöcke für Münzen und Medaillen sowie den Stahlstich spezialisierte. Diese präzise Handwerkskunst führte ihn durch Österreich und Deutschland, doch sein künstlerischer Weg sollte eine unerwartete Wendung nehmen. 1997/98 in Australien wurde das Feuer zur treibenden Kraft seiner Kunst. Die unbändige Energie der Buschfeuer– zerstörerisch und zugleich faszinierend– ließ ihn das Element nicht mehr als Gefahr, sondern als schöpferische Kraft begreifen. So entstand Burningpictures, eine revolutionäre Technik, die das Feuer selbst als Medium nutzt und eine unverwechselbare Ästhetik aus Brandspuren und verkohlten Strukturen erschafft.
Seit 1998 arbeitet Girbl als freischaffender Künstler am Faaker See, wo er seine Technik unermüdlich weiterentwickelt. 25 Jahre Burningpictures stehen für ein Vierteljahrhundert Innovation, Leidenschaft und Transformation– von der präzisen Gravur zur expressiven Malerei mit Flammen.
„Feuer zerstört, aber es erschafft auch– meine Kunst ist ein Dialog mit den Flammen.“
Art Fair Innsbruck 24. Bis 26. Oktober Ausstellung im Das Kronthaler am Achensee mit Live-Performance Ausstellungszeitraum: 1. November 2025 bis 31.Jänner 2026 Erleben Sie die faszinierende Kunst von Thomas Girbl live im Das Kronthaler. Die Ausstellung wird durch eine eindrucksvolle Live-Performances ergänzt, bei denen der Künstler seine einzigartigen Burningpictures vor den Augen der Besucher entstehen lässt. Ein Erlebnis, das Sie nicht verpassen sollten!
2024 Galerie Burningpictures Künstlerstadt Gmünd, Hauptplatz 19 TrendSet Fine Arts, München
2023 Schloss Grafenegg, Niederösterreich WohnenInterieur, Wien Kunstreise nach Uruguay Während einer inspirierenden Kunstreise nach Uruguay hatte ich die besondere Gelegenheit, den renommierten Bildhauer Pablo Atchugarry in seinem Atelier bei der Fundación Pablo Atchugarry kennenzulernen. Diese Begegnung und die Eindrücke vor Ort bereicherten mein künstlerisches Schaffen und verstärkten die internationale Ausrichtung meiner Arbeit.
Liebe Melinda May.Be, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Durchatmen. Aufstehen. Ins Grüne blicken. Katzen streicheln, Kaffee trinken zu den morgendlichen Ö1-Klängen, für mich Relevantes reflektieren, ab ins Auto, Buchhandlung, Arbeit, Empfehlungen, Schöngeistiges. Dies zumindest an jenen Arbeitstagen. An anderen Kreativtagen möglichst ausschlafen, Kaffee trinken, ans Klavier setzen oder im Garten verweilen oder das Glück auf Erden bei den Pferden genießen. Katzen streicheln. Singen und entspannen. Lesen und verweilen.
Melinda May.Be, singer/songwriter
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Empathie und Reflexion. Kritisches Hinterfragen. Zugleich möglichst viel Kraft schöpfen. Sich persönliche Ventile und Perspektiven schaffen. Den Blick für das Gesamtheitliche schärfen. Veränderungen im eigenen Ermessen, reflektieren, kritisieren, annehmen.
Melinda May.Be_ Kreuzbergl/Klagenfurt _ Foto/folgende _ Station bei Bachmann „Drei Wege zum See“
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Kunst in jeglicher Form kreiert, erschafft, zerstört, hinterfragt, beleuchtet, wühlt auf, berührt, thematisiert, reagiert. Das ganze Leben ist Veränderung, Entwicklung, Dynamik und oft auch Konsens. Wesentlich für jeden Künstler, jede Künstlerin wird sein, mit Authentizität weiter zu machen und ganz bei sich selbst zu sein und zu bleiben. Nur so entsteht Nachhaltiges, Großartiges, Wahrhaftiges. Die Formen und Wege der Kunst sind so vielfältig. So vielfältig wie wir alle. Wir alle sollten uns unseres Wirkens und unseres Tuns noch sehr viel bewusster sein, als schon bisher.
Was liest Du derzeit?
Schmidt, Ósmann
Eichendorff, Sämtliche Gedichte
Das Nibelungenlied
Boccaccio, Das Dekameron
Bachmann, Simultan (Erzählungen)
Rebhandl, Ein echter Wiener geht nicht unter
Gangl, Wendy fährt nach Mexiko
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wer hören will, muss fühlen.
Melinda May.Be, singer/songwriter
Vielen Dank für das Interview, liebeMelinda May.Be, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Melinda May.Be, singer/songwriter
Zur Person/über mich: „Musik mache ich schon seit vielen Jahren – mein zentraler Lebensinhalt, mein Leben. Ich liebe es, mit tiefer Empathie Geschichten zu erzählen, die unter die Haut gehen, direkt aus meiner Seele kommen, um dann mitten ins Herz zu treffen. Dabei verfolge ich eine klare Linie: ehrliche, vielseitige und aufrichtige Musik mit Wiedererkennungswert.“
Melinda´s Songs sind emotionale Dokumentationen und Aufarbeitungen, umrahmt von tiefgründigen, kraftvollen und nachdenklichen Melodien. Und das auf eine vielfältige Art und Weise, ohne in eine bestimmte Musikrichtung eingeordnet werden zu können.
Seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle „Far Too Young“ im Herbst 2021, arbeitet sie kontinuierlich an zahlreichen weiteren Singles. So viele an der Zahl, dass bereits gut zwei Alben gefüllt werden können. Nach den Releases der Titel „Greatest Smile“ und „Rise“, ist zuletzt ihre Mundart-Single „Bis zu dem Tåg“ am 01. November 2022 erschienen. Daraufhin folgte die beat-lastige Single „Paradise“ im Mai 2023 (feat. Zeustron). Und dann war es endlich soweit: Ihr Debüt-Album „BROKEN SPOTLIGHT“ wurde im Juli 2023 veröffentlicht, aufgenommen im Rahmen einer Live-Studio-Session – live, unbearbeitet, ehrlich.
Der Künstlername MELINDA MAY.BE ist ein Wortspiel, zusammengesetzt aus ihrem Vornamen und dem englischen Wort für „vielleicht, möglicherweise“. Was es damit auf sich hat? „Im Leben ist Vieles möglich, man kann sich etwas wünschen, aber nichts erwarten – es ist alles ein großes „Vielleicht“ und so ist es auch mit dem Hinaustragen meiner sehr persönlichen Musik, du weißt nie was dabei herauskommt.“
Das Leben schreibt viele Geschichten. Und Melinda May.Be noch Einige mehr.
Melinda May.Be_ Kreuzbergl/Klagenfurt _ Foto/folgende _ Station bei Bachmann „Drei Wege zum See“
GIVE PEACE A CHANCE
Gegenwart und Zukunft
Irgendwie nah und doch so fern
Verlieren uns in Worten
Ende, Anfang, Umgekehrt
Positiv und Negativ
Ebenfalls recht subjektiv
Anfänge und Einbahnstraßen
Clowns und Fische überall
Ende, Brände, Urknall
Aber, anders, andernfalls
Chöre, singend, lauthals
Asymmetrisch und phonetisch
Neureich, kleinlich, dort am Stehtisch
Champagner, Brötchen, heile Welt
Ehemals und nie bestellt
Melinda May.Be, 4.7.2025
Melinda May.Be_ Kreuzbergl/Klagenfurt _ Foto/folgende _ Station bei Bachmann „Drei Wege zum See“
GIVE PEACE A CHANCE
Melinda May.Be, singer/songwriter
Zur Person/über mich: „Musik mache ich schon seit vielen Jahren – mein zentraler Lebensinhalt, mein Leben. Ich liebe es, mit tiefer Empathie Geschichten zu erzählen, die unter die Haut gehen, direkt aus meiner Seele kommen, um dann mitten ins Herz zu treffen. Dabei verfolge ich eine klare Linie: ehrliche, vielseitige und aufrichtige Musik mit Wiedererkennungswert.“
Melinda´s Songs sind emotionale Dokumentationen und Aufarbeitungen, umrahmt von tiefgründigen, kraftvollen und nachdenklichen Melodien. Und das auf eine vielfältige Art und Weise, ohne in eine bestimmte Musikrichtung eingeordnet werden zu können.
Seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle „Far Too Young“ im Herbst 2021, arbeitet sie kontinuierlich an zahlreichen weiteren Singles. So viele an der Zahl, dass bereits gut zwei Alben gefüllt werden können. Nach den Releases der Titel „Greatest Smile“ und „Rise“, ist zuletzt ihre Mundart-Single „Bis zu dem Tåg“ am 01. November 2022 erschienen. Daraufhin folgte die beat-lastige Single „Paradise“ im Mai 2023 (feat. Zeustron). Und dann war es endlich soweit: Ihr Debüt-Album „BROKEN SPOTLIGHT“ wurde im Juli 2023 veröffentlicht, aufgenommen im Rahmen einer Live-Studio-Session – live, unbearbeitet, ehrlich.
Der Künstlername MELINDA MAY.BE ist ein Wortspiel, zusammengesetzt aus ihrem Vornamen und dem englischen Wort für „vielleicht, möglicherweise“. Was es damit auf sich hat? „Im Leben ist Vieles möglich, man kann sich etwas wünschen, aber nichts erwarten – es ist alles ein großes „Vielleicht“ und so ist es auch mit dem Hinaustragen meiner sehr persönlichen Musik, du weißt nie was dabei herauskommt.“
Das Leben schreibt viele Geschichten. Und Melinda May.Be noch Einige mehr.
Liebe Lorena Pircher, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meine Tage sind derzeit sehr vielfältig; meistens verbringe ich viele Stunden auf der Arbeit (die ich sehr gerne mache), versuche aber auch immer, mir am Abend oder späteren Nachmittag, zwischen Mails und Organisatorischem, ein, zwei Stunden für das eigene Schreiben und das Lesen freizuhalten. Sehr gerne verbringe ich Abende mit Freund:innen auf Lesungen oder Ausstellungen und manchmal habe ich am Abend auch Dolmetschaufträge; das Dolmetschen und Übersetzen, das seit drei, vier Jahren Teil meines Lebens ist, erfüllt mich sehr. Ansonsten versuche ich, Zeit mit Freund:innen und der Familie zu verbringen; ich liebe den wohltuenden Austausch und die Inspiration, die durch den Dialog mit anderen entstehen.
Solidarität, gegenseitige Unterstützung, Füreinander-Einstehen. Ich persönlich finde, dass es derzeit besonders wichtig ist, unsere Aufmerksamkeit und unser Mitgefühl auf all die Menschen zu richten, die weltweit Kriege, Vertreibung, Flucht und humanitäre Katastrophen erleiden müssen.Ich glaube, dass es essentiell ist, dass wir Solidarität und konkrete Hilfeleistungen leben – durch Spenden an zuverlässige Organisationen oder auch lokale Hilfsinitiativen, durch persönliches Engagement und das ständige Reflektieren der eigenen höchst privilegierten Situation, was uns helfen kann, zu verstehen, wie wir im Kleinen unseren Teil beitragen können. Ich finde es auch wichtig, immer wieder über die derzeitige globale Situation zu sprechen, damit die breitgefächerten Schrecken, die so viele verschiedene Bereiche betreffen, nicht verdrängt, sondern als gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung verstanden werden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Meiner Meinung nach ist die Kunst, die Literatur, immer unverzichtbar, insbesondere um positive, gesellschaftliche Veränderungen und Neubeginne anzustoßen und/oder zu begleiten. Sie ermöglicht es uns, in Austausch, in Dialog zu treten, mit Perspektiven von Menschen konfrontiert zu werden, die vollkommen andere Lebensrealitäten erfahren. Die Werke von Schriftsteller:innen und Künstler:innen, die Rassismus, Sexismus, Diskriminierung auf unterschiedlichsten Ebenen erfahren (haben), die von Krieg, Vertreibung oder Armut betroffen sind, und die Zeugnisse, die sie über gesellschaftspolitische Bedingungen ablegen, sind essentiell um drängende soziale und politische Fragen, strukturelle Ungerechtigkeit und Benachteiligungen sichtbar zu machen und wiederholt zu thematisieren. Literarische Texte, kreative Werke können uns dazu bringen, uns mit gesellschaftlich bedeutenden Ereignissen und sozialen Bedingungen, mit drängenden politischen Fragen auseinanderzusetzen. Durch die künstlerische Auseinandersetzung und literarische Versuche der Aufarbeitung der Gegenwart kann auch in einem kollektiven Leiden die individuelle Geschichte vermittelt werden, was uns damit konfrontiert, dass wir beispielsweise in den Zahlen in den Nachrichten wieder die einzelnen Menschen erkennen – und aus diesem Verständnis heraus handeln.
Was liest Du derzeit?
Derzeit lese ich erneut Beloved von Toni Morrison, Gedichte von Ocean Vuong und Die Tochter von Guadalupe Nettel. Ich lese zudem sehr gerne Sachbücher, gerade etwa An African History of Africa von Zeinab Badawi.
Auch versuche ich immer aktuelle Werke aus dem deutschsprachigen Raum zu lesen, derzeit lese ich jeden Abend ein Gedicht aus Patricia Mathes neuem Gedichtband im grunde sprichst du schon und Passagen aus Sophia Lunra Schnacks Erzählband Worte wie Mandelblüte.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Do stuff. Be clenched, curious. Not waiting for inspiration’s shove or society’s kiss on your forehead. Pay attention. It’s all about paying attention. Attention is vitality. It connects you with others. It makes you eager. Stay eager.
–Susan Sontag
Vielen Dank für das Interview, liebe Lorena, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Lorena Pircher, Schriftstellerin, Übersetzerin, Dolmetscherin
Zur Person/über mich:Lorena Pircher: 1994 in Südtirol, Italien geboren, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaften, Englisch und Französisch in Wien und Frankreich. Veröffentlichung zweier Gedichtbände sowie mehrerer Erzählungen und Gedichte in Literaturzeitschriften und Anthologien. Startstipendium für Literatur des BMKOES 2024, literarische Übersetzungen und Dolmetschungen aus dem Italienischen, Spanischen und Französischen ins Deutsche. Lebt und arbeitet im Verlagswesen in Wien. Letztens erschienen: eure stimmen eure sprachen. Lyrik. (edition exil, Wien, 2024). lorena pircher eure stimmen eure sprachen
Zur Person/über mich:Lorena Pircher: 1994 in Südtirol, Italien geboren, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaften, Englisch und Französisch in Wien und Frankreich. Veröffentlichung zweier Gedichtbände sowie mehrerer Erzählungen und Gedichte in Literaturzeitschriften und Anthologien. Startstipendium für Literatur des BMKOES 2024, literarische Übersetzungen und Dolmetschungen aus dem Italienischen, Spanischen und Französischen ins Deutsche. Lebt und arbeitet im Verlagswesen in Wien. Letztens erschienen: eure stimmen eure sprachen. Lyrik. (edition exil, Wien, 2024). lorena pircher eure stimmen eure sprachen
Liebe Julia Antonia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich habe gerade eine Kündigung wegen Eigenbedarf für meine Berliner Wohnung erhalten sowie eine Mieterhöhung für mein Atelier. Dadurch wird einiges in Bewegung kommen. Nicht, dass ich nicht genug Bewegung hätte im Alltags-Triathlon von Kind, Job und Kunst – Der Tag startet mit einer VordemWeckerklingeltonaufwachenchallenge so gegen 5:30 Uhr, abends schlafe ich meist unfreiwillig vor dem zu Bett gehen ein, irgendwo über einem Text, einer Zeichnung, den Füßen meiner Tochter, die um ein Schlaflied oder so gebeten hatte. Dazwischen liegt ein Tag oft ohne Verschnaufpause, dafür mit Glück atmen, zB. wenn das Kind das gekochte Essen nicht verschmäht, die Ämter nochmals Aufschub gewähren, der wilde Wein hinter dem Fenster morgens das Licht in grünes Leuchten bricht, wenn sich ein Spalt zur Unsterblichkeit öffnet, da mein vor einem Jahr verstorbener engster Freund an seinem Geburtstag posthum ein erstes Buch in seinem Verlag veröffentlicht.
Dazu gibt es Augenblicke, in denen ich abtauche in eine parallele Dimension, die eine dehnbare Zeit in sich trägt, dort ist es ganz still, ich höre Gespräche und Geräusche aus der Erinnnerung der Dinge, die ich finde in den Kartons aus dem Nachlass meines Freundes, die ich sortiere, nach und nach, weil ich davon nicht so viel auf einmal verkrafte und es mir auch zu schade wäre, sein Leben nur oberflächlich durchzusehen.
Leider dehnt sich meine Alltagszeit nicht mit, so dass einige Aufgaben liegen bleiben oder mit einem Lidschlag die halbe Nacht um ist.
Julia Antonia, Künstlerin und chetan akhil/Manfred Nehls, Schriftsteller +2024
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zuhören.
Den Familienältesten.
Den Kindern.
Den Erinnerungen und Lebensgeschichten.
Den eigenen und denen der anderen.
Zuhören.
Dem Wind.
Dem Regen.
Der Angst.
Den Fragen.
Der inneren Melodie.
Zuhören.
Dem Meer.
Dem Tier.
Der Wut.
Der Gefahr.
Dem Baum
Dem Glück.
Dem Schrei.
Zuhören.
Der Liebe.
Der Trauer.
Dem Mut.
Dem Käfer.
Der Stille.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Diese Wachstumseuphorie des Menschen und ein fehlinterpretiertes „sich die Erde untertan machen“ sind gefährlich angesichts unserer globalen Situation. Es kann nicht darum gehen, dass wir immer mehr und mehr besitzen und produzieren.
Anstatt “höher, schneller, weiter, größer, mehr ” sollte “achtsamer, klüger liebevoller, weiser, echter” der Motor für unser Handeln sein. Nicht das auffälligste, raumgreifendste schaffen sondern das wirkliche, dringende, drängende, berührende aus innerer Notwendigkeit heraus.
Und somit lebendig und unikat zu werden anstatt perfekt und uniform.
Dabei helfen uns die Künste. Sie erschaffen Räume, in denen wir uns selbst, einander und der Welt begegnen und unser Mensch-Sein ein Stück weit begreifen können, über den Tod hinaus über Generationen und Epochen hinweg. Die Künste sollten daher in Zukunft elnen höheren gesellschaftlichen Stellenwert einnehmen.
(Eine etwas naive Randbemerkung:
Man stelle sich vor, Herrschende der Länder, die kurz vor einem militärischen Konflikt stehen, müssten vor ihren brisanten Verhandlungen zunächst ein Musikstück miteinander einstudieren. Dabei einander zuhören, gemeinsam im Takt spielen, harmonische Spannung und Schönheit im Zusammenspiel erfahren. Könnte das nicht einiges verändern?
Was liest Du derzeit?
Zur Zeit lese (und empfehle) ich Bücher von dem tollen Verlag kul-ja! publishing: die WOMAN-Trilogie von Julia Kulewatz, “Entstellung des Gesichts. Eine Verirrung“ von Willi van Hengel und bis das Buch aus der Druckerei kommt lese ich immer wieder in dem Manuskript zur “Prenzlauerbergpredigt” von chetan akhil.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Aus “Prenzlauerbergpredigt” von chetan akhil
KLAPPENTEXT
LEBEN – müder Gassenhauer
lasch und ohne Stil.
Das Plagiat liegt auf der Lauer
noch im ehrlichsten Gefühl.
Selbst wie man sterben möchte,
ist schon mal gestorben worden.
Längst vergeben alle Rechte
auf Liebenleidendichtenmorden.
Vielen Dank für das Interview, liebeJulia Antonia,viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Julia Antonia, Künstlerin
Zur Person/über mich:Julia Antonia, geboren in Berlin, studierte Kunstgeschichte, Philosophie, Bühnenbild, freie Malerei sowie experimentelle Violine. Im Jahr 2000 erhielt sie den Meisterschüler der UdK Berlin für Bildende Kunst. In ihrer Abschlussarbeit kombinierte sie einen ihr vom Himmel gefallenen Schwan mit deckenhohen schwungvollen Zeichnungen, intimen Tagebuchskizzen sowie einer Improvisation, die das Herabstürzen des Schwanes in Klänge fasste.
Zu der Zeit ihrer Prüfungsarbeit zog sie als Untermieterin bei dem Dichter Manfred Nehls (chetan akhil) in seine Charlottenburger Altbauwohnung in die Kantstr. Aus den alltäglichen Begegnungen wuchs ein poetischer Austausch über Literatur und Bildkunst, es entstanden gemeinsame Projekte mit Zeichnungen und Gedichten, Lesungen mit Musik sowie eine enge Freundschaft und Liebe.
Diese Verbindung hielt bis zu dem Tod des Dichters im April 2024 an. Sie setzt sich posthum fort in der aktuellen Buchveröffentlichung „Prenzlauerbergpredigt“ bei kul-ja! publishing mit 99 Texten des Autors, sowie neben Fotos von Rainer M.Schulz einigen Zeichnungen der Künstlerin aus der gemeinsamen Zeit.
Während des Lebens mit chetan akhil entwickelte Julia Antonia Blindportraits, eine Serie von Bildern zu deren Anfang ein intensives Betrachten des Gegenübers steht, worauf eine Blind-Zeichnung mit geschlossenen Augen folgt. Das so entstandene Gesicht überrascht mit einem nicht korrigierten Eigenleben. Einige Zeichnungen erhalten eine monochrom changierende Farbigkeit, einen Farbklang ausgelöst durch das portraitierte Gegenüber.
Mit diesen Arbeiten von Julia Antonia und einem philosophischen Katalog-Text von chetan akhil wurden beide Künstler 2005 zu einer internationalen Ausstellung nach Süd-Korea eingeladen. Die gemeinsame Reise hinterließ einen tiefen Eindruck und beeinflusste ihr weiteres Schaffen.
Die Aussage „Literatur ist eine Fortführung des Traumes“ wäre laut Julia Antonia auch für die Bildende Kunst oder die Musik treffend. „Alle Künste sind Teil einer großen poetischen Sprache und können darin miteinander kommunizieren. Unerklärliches muss sich nicht erklären, es darf anregen, Fragen aufwerfen. Die Antworten liegen vielleicht Zeitmeilen entfernt in Zukunft oder Vergangenheit oder der inneren Zeit des Schlafes und weiterer Träume.“
Lieber Frederic Wianka wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich habe keinen Tagesablauf der mittels Wiederholung als Regel erscheinen könnte. Vielmehr kann ich die Woche als Wiederholung der immergleichen Abfolge beschreiben: Montag bis Freitag wird das Geld für Wohnen, Essen, Trinken, Bücher herangeschafft in zwei Jobs zu wechselnden Zeiten. Am Wochenende wird geschrieben.
Frederic Wianka, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wachsam sein gegen jede Art von Populismus, von Verharmlosung historischer und aktueller Gewaltexzesse, gegen Extremismus, gegen die einfachen Wahrheiten, gegen alternative Wahrheiten.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Aufbruch und Neubeginn scheinen mir zu positiv in der Wortwahl. Es könnte etwas zu Ende gehen, denke ich an die Demokratie, Freiheit und die völkerrechtsbasierte Weltordnung. Und wenn ich auch noch an die Klimakatastrophe, an das Artensterben, an die Vermüllung der Erde mit Plastik und jedem anderen Unrat denke, dann glaube ich, die junge Generation und deren Kinder werden kein so einfaches Leben haben, wie wir es jetzt noch für uns beanspruchen.
Lest Bücher, seht Kunst und schaut Filme, hört Musik, geht in die Theater und genießt einfach mal, was Ihr schon habt! Beschäftigt Euch mit den immateriellen Gütern und hinterfragt Eure Sucht nach den materiellen Dingen und fragt Euch, wieviel Zeit Ihr im Hamsterrad für den ganzen Müll aufzuwenden bereit seid.
Darauf hinzuweisen wird mehr und mehr zum Inhalt der Literatur und der Kunst im Allgemeinen. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Inhalte etwas weg von Individualisierung und Ausdifferenzierung in unserer Gesellschaft in diese Richtung bewegen werden. Vor allem werden Freiheit, Demokratie, die Frage von Krieg und Frieden, seit Jahrzehnten keine besonderen Themen – man hatte sich bis zur Achtlosigkeit wunderbar eingewöhnt, zu Inhalten werden.
Was liest Du derzeit?
„Fluss ohne Ufer“, Hans Henny Jahnn
„Der Briefwechsel“, Wolfgang Koeppen und Siegfried Unseld
„Das Treibhaus“, Wolfgang Koeppen
„Häuser Zeilen Umbrüche“, Andreas F. Staffel
„Tarnkappe“, Christoph Meckel
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich würde das Dokument sofort unterzeichnen und eine Flasche auf die Zukunft trinken.“ Wolfgang Koeppen an Siegfried Unseld, 10. Januar 1960
„Zur Rechtswirksamkeit des Vertrages gehört dann, wie wir beide ja wissen, die Entgegennahme einer Vorauszahlung. Ich schicke Ihnen in den nächsten Tagen DM 500. Nützen Sie den Betrag im Hinblick auf Ihren Weinkeller, den wir dann bei nächster Gelegenheit gründlich angehen werden, um auf den gemeinsamen Weg zu trinken.“ Siegfried Unseld an Wolfgang Koeppen, 12. Januar 1960
Vielen Dank für das Interview, lieber Frederic, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Frederic Wianka, Schriftsteller
Zur Person/über mich:Frederic Wianka
Geboren 1969 in Brandenburg an der Havel. Bis 1989 wohnhaft in Schwerin, dort Abschluss der Polytechnischen Oberschule und Ausbildung zum Maschinenbauer.
1989 Ausreise aus der DDR
1993 Nichtschülerabiturprüfung beim Senat von Berlin
1994 – 2004 Studium, anfänglich VWL an der FU Berlin, dann Geschichte, Politik, Soziologie an der HU Berlin, gleichzeitig erste schriftstellerische Arbeiten
2007 und 2009 „Lange Nacht des Buches – Schöneberg liest“ – erste öffentliche Lesungen
Günter-Bruno-Fuchs – Literaturpreis 2010 (seit 2014 nicht mehr ausgelobt)
Seit 2019 Teilnahme an Literaturwerkstätten wie Autorenforum Steglitz e.V. und „Lauter Niemand“
Februar 2019 Edition Hauser, Einblattdruck Nr. 129 “Ich traf sie spät vor dem Park”, PalmArtPress Berlin
März 2020 Romandebüt „Die Wende im Leben des jungen W.“, PalmArtPress Berlin